Dorothee Sölle und die feministische Theologie. Leben, Wirken und Prägung

Eine kurze Darstellung


Hausarbeit, 2012

10 Seiten, Note: 2,0

Christopher Rieke (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographie

3. Ihr erstes Werk

4. Frömmer?! Radikaler?!

5. Feministische Theologie

6. Von welchem Gott sprechen wir eigentlich?

7. Wenn Dorothee Sölle Gott sagt

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In meiner Ausarbeitung über Dorothee Sölle stelle ich zunächst ihren Lebenslauf mit den wichtigsten Ereignissen in ihrem Leben dar. Danach komme ich auf ihr erstes Werk („Stellvertretung – Ein Kapitel Theologie nach dem Tode Gottes“) zu sprechen. Im Anschluss daran beschreibe ich, wie sie sich für mehr Gerechtigkeit in der Welt einsetzt, dabei aber mit ihren Methoden und ihren Worten jedoch nicht immer auf Zustimmung stößt und deswegen umstritten ist. Hiernach spreche ich das Thema „feministische Theologie“ an, welches durch Dorothee Sölle stark geprägt wurde, in der männlichen Kirchenwelt jedoch auf starke Kritik stößt. Danach beschreibe ich aus Sicht von Dorothee Sölle, von welchem Gott wir überhaupt sprechen und dass es Menschen in der heutigen Zeit nicht leicht fällt, von Gott zu sprechen. Dann stelle ich Dorothee Sölles Meinung in Bezug auf ihre Einstellung zu Gott dar und beschreibe, was sie meint, wenn sie persönlich „Gott“ sagt. Zum Schluss runde ich meine Arbeit mit meinem persönlichen Fazit ab.

2. Biographie

Dorothee Nipperdey wurde am 30. September 1929 als viertes von fünf Kindern der Eheleute Hans Carl und Hildegard Nipperdey in Köln geboren. Sie hat drei ältere Brüder und eine jüngere Schwester. Ihr Vater, Hans Carl ist Jurist, Professor für Arbeitsrecht und später Präsident des Arbeitsgerichtshofes. Aufgrund seiner Arbeit, ist ihr Vater selten zu Hause und nimmt kaum am Familienleben teil. Die Erziehung der Kinder übernimmt deshalb die Mutter, die sich zusätzlich um den Haushalt und um organisatorische Angelegenheiten kümmert. Da sich ihre Mutter früh dazu entschloss, die Ehe einzugehen und Kinder zu bekommen, blieb ihr die Chance auf eine Ausbildung und einen späteren Beruf verwehrt. Trotz der engen Verbindung zwischen Dorothee und ihrer Mutter, ist sich Dorothee im Klaren darüber, dass sie ihr Leben anders leben möchte als ihre Mutter.

Eigentlich wollte Dorothee auch viel lieber ein Junge sein, denn laut ihrer Mutter hätten es Männer besser als Frauen.1

Im Jahre 1949 beginnt Dorothee Sölle ihr Studium der Philosophie und alten Sprachen in Köln und Freiburg. 1951 wechselt sie den Studiengang und studiert von nun an evangelische Theologie und Germanistik in Göttingen. Drei Jahre später absolviert sie ihr Staatsexamen und wird Lehrerin am Mädchen – Gymnasium in Köln – Mühlheim. Hinzu kommt die Hochzeit mit dem Maler Dietrich Sölle, die allerdings nur 10 Jahre anhält. Im Jahre 1957 bringt sie ihr erstes Kind zur Welt: Sohn Martin. 1969 geht sie ihre zweite Ehe mit dem ehemaligen Benedikterpater Fulbert Steffensky ein. Aus dieser Ehe geht 1970 ihre Tochter Mirijam hervor. Von 1972 bis 1975 erhält sie einen Lehrauftrag an der Evangelisch – Theologischen Fakultät in Mainz. Im Anschluss daran geht sie von 1975 bis 1987 nach New York und wird Professorin für systematische Theologie. Am 06.08.1985 wird sie aufgrund von Protesten gegen das Pershing II – Raketendepot in Mutlangen wegen Nötigung verurteilt. Am 27.04.2003 stirbt sie während einer Tagung der evangelischen Akademie Bad Boll.2

3. Ihr erstes Werk

In den frühen 1960er Jahren galt Dorothee Sölles Interesse hauptsächlich theologischen Themen. Neben der Anfertigung von Texten für Rundfunk und Zeitungen, stellte sie ihr erstes Buch: „ Stellvertretung – Ein Kapitel Theologie nach dem Tode Gottes“ vor. Dieses Buch enthielt enorme Sprengkraft. Zunächst weigerte sich ein theologischer Verlag, diesen Untertitel zu übernehmen, bis 1965 der Kreuz – Verlag in Stuttgart das Buch ohne Änderung des Titels veröffentlichte. Durch ihr veröffentlichtes Werk war sie nun in der theologischen und kirchlichen Welt keine Unbekannte mehr. Für die einen war der Gedankengang neu und bot Diskussionsstoff in der modernen Theologie und für die anderen war sie eine Germanistin, die den Tod Gottes verkündete.3 Sölles Arbeitsweise entsprach nicht den Vorgaben einer wissenschaftlichen Arbeit, da sie auf Fußnoten verzichtete. Das Literaturverzeichnis am Ende ihres Buches fehlte, es gab lediglich Leseratschläge. Da sie zudem auf die klassisch – systematische Sprache verzichtete, indem sie die traditionellen theologischen Begrifflichkeiten umging, wurde ihr eine „wissenschaftlich oberflächliche“ Arbeit nachgesagt.4

4. Frömmer?! Radikaler?!

Es ist der 26. Juli 1983 in Vancouver, als die Hamburger Theologin, Dorothee Sölle auf der sechsten Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen, mit dem Titel: „Leben in seiner Fülle“, ans Mikrofon trat. Vor ihrem Auftritt herrschte große Spannung, denn viele wussten, dass sie mit ihrem biblischen Titel eine politische Intention verfolgte. Die Delegierten der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), hatten bereits vor ihrer Rede ein ungutes Gefühl, da es nicht gerne gesehen wurde, dass ihr so viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Bereits ihre ersten Sätze sorgten für Unruhe: „ Ich spreche zu Ihnen als eine Frau, die aus einem der reichsten Länder der Erde kommt, einem Land mit einer blutigen, nach Gas stinkenden Geschichte, die einige von uns Deutschen noch nicht vergessen konnten; einem Land, das heute die größte Dichte von Atomwaffen in der Welt bereithält. Ich möchte Ihnen etwas sagen über die Ängste, die in meinem wohlhabenden und militarischen Land herrschen; ich spreche zu Ihnen aus Zorn, in Kritik und mit Trauer.“ Mit diesen Worten verärgertete sie nicht nur die deutschen Delegierten. Hinzu kam, dass sie die beständigen Ungerechtigkeiten zwischen der „Ersten“ und der „Dritten“ Welt kritisierte. Als ihre Rede schließlich endete, erhielt sie fast ausschließlich von den „Dritte – Welt“ - Kirchen Zustimmung.5

Immer wieder äußerte sie sich zu den Differenzen zwischen den armen und den reichen Ländern. In ihrem Buch, „Mystik und Widerstand“ schrieb sie: „ (…) Die Maschine, getrieben vom Zwang, mehr zu produzieren, läuft, von technologischen Erfolgen unvorstellbaren Ausmaßes bestätigt. Sie ist auf ein Mehr an Schnelligkeit, Produktivität, Verbrauch und Gewinn für etwa zwanzig Prozent der Menschheit hin programmiert.“ Ihrer Meinung nach gibt es kein Ende der Gewalt, solange die Herstellung von Gerechtigkeit nicht erlangt wurde.6

5. Feministische Theologie

Es gibt nun schon seit 20 Jahren feministische Theologie. Bisher hat sie es nicht geschafft, sich gegen die Arroganz und Ignoranz von Seiten der männlichen Theologie durchzusetzen. Will man es mit Karl Barths Worten ausdrücken, der Mann und Frau mit A und B vergleicht, dann geht A vor B, B kommt nach A. „Ordnung heißt Folge, Ordnung heißt Vorordnung und Nachordnung, Überordnung und Unterordnung.“7 Die feministische Spiritualität lässt sich mit Rosemary Radford Ruethe in ein ästhetisches und ein ethisches Verständnis unterteilen. In der ästhetischen Frömmigkeit wird von einer ursprünglichen Harmonie zwischen dem Weiblichen und dem Männlichen gesprochen. Die einstige Harmonie stand unter der Vorherrschaft der Mutter, die durch die einbrechende Vaterherrschaft unterbrochen wurde und die Mutter seitdem schließlich unterdrückt. Aus diesem Grunde müsste man die Religion der Muttergöttin wieder annehmen und die Männer dazu bringen, sich der Mutterherrschaft unterzuordnen. Aus diesem Aspekt müsste die feministische Theologie den biblischen Glauben ablehnen.

Die andere Richtung feministischer Spiritualität bezieht sich auf die ethische oder befreiungstheologische Sicht der Theologie. Sie befasst sich mit dem Fall aus der Harmonie des Seins, und das, was traditionell Sünde genannt wird. Die gestörte Beziehung zwischen Mensch und Mensch, Mensch und Gott und Mensch und Natur, sind reale Störungen zwischen der ursprünglichen Schöpfung und der Wirklichkeit des menschlichen Miteinanders.8

Dorothee Sölle macht die Grundlagen der feministischen Theologie an drei Punkten fest: neue Subjekte, neue Objekte und neue Methoden. Seitdem die Kirchen die Türen für Frauen geöffnet haben, ist Theologie ihrer Meinung nach längst keine nur mehr männliche Angelegenheit. Die Frage, die hier aufkommt ist diejenige, die sich mit den Subjekten befasst, die Theologie betreiben. Was genau rechnet man denn alles unter Theologie? Wird in ihr nur die männliche Praxis reflektiert?

Das Interesse der Frauen hat seine eigenen theologischen Wurzeln. Die feministische Theologie hängt mit dem Verständnis des Gottes, mit den Niedrigen, Enterbten und den Beleidigten zusammen. Es wird zudem kein Zufall sein, dass das Befreiungslied aus „Lukas 1“ von einer Frau gesungen wird. Diese Frau wird jedoch, wie es kulturell üblich scheint unsichtbar gemacht.

Das Neue in der feministischen Theologie sind die neuen Objekte, also die Themen und Inhalte. Es geht darum zu erforschen, wo Frauen in biblischen Geschichten erscheinen, welche Rollen sie einnehmen und wo sie verschwiegen werden. In dem Buch von Phillis Trible „Texts of Terror“, wird aus der hebräischen Bibel berichtet, die vom Terror über Frauen handelt. Es wird von einem Feldherren Jephta berichtet, der den Sieg erlangen kann, wenn er ein Opfer bringt. Da seine Tochter die erste Person ist, die er antrifft, wird sie getötet. Es gibt zahlreiche Geschichten, in denen Frauen getötet werden, die aber bewusst verschwiegen worden sind.

In der feministischen Theologie geht es nicht darum, Männerthemen neben Frauenthemen zu berücksichtigen, sondern vielmehr darum, Frauengestalten und Frauengeschichten anzuerkennen, sowie den verleugneten Anteil der Frauen in Kirchen.

Der letzte Punkt der Grundlagen der feministischen Theologie nach Dorothee Sölle befasst sich mit den feministischen Veränderungen, bezogen auf biblische, historische, systematische Stoffe, sowie deren Methoden.

Die feministische Theologie gehört zur Befreiungstheologie, da sie vom Praxis – Reflexions – Praxis – Modell ausgeht. Das Paradigma der Befreiungstheologie baut eine neue Beziehung von Praxis und Theorie auf. Entscheidend ist das, woran man glaubt, seine Praxis.9

6. Von welchem Gott sprechen wir eigentlich?

Wenn Dorothee Sölle in der Sprache der Frauen über Gott spricht, dann scheitert sie immer wieder, sagt sie. Eines Tages, so berichtet sie, war sie im Taxi in Berlin unterwegs. Als der Taxifahrer einen Radiobeitrag zu einem bevorstehenden hohen Militärbesuch der Nato kommentierte, begann sie ein Gespräch mit ihm. Daraufhin fragte sie ihn, ob er nach der Wende in Berlin zum Militär gegangen sei. Er berichtete ihr, dass er drei Jahre bei der NVA verbrachte hatte und es sowieso immer alles beim Alten bleibe, da die über ihm Stehenden nur auf sich schauen und zusehen, dass es ihnen gut gehe. Sie berichtete ihm davon, dass sie Freunde besitzt, die ähnlich denken wie er und die nicht so weitermachen wollen wie bisher. Sie erzählte ihm, dass sie sich gegen die Sucht nach mehr Tod wehren. Der Mann jedoch wollte nichts von Entscheidungsfreiheit wissen, da der Ertrag zu gering ausfalle. „Wissen sie, ich bin Christin, ich glaube einfach nicht, dass es so gemeint war, hier mit uns, Gott, verstehen Sie, will das nicht.“ Auf diese Aussage Sölles, beginnt der Taxifahrer laut zu lachen. Nachdem sie das Taxi verlassen hatte, fragte sie sich, warum sie diesem Menschen Gott nicht mitteilen konnte. Außerdem kam in ihr die Frage auf, warum man heutzutage nicht mehr über Gott sprechen kann, ohne dafür belächelt zu werden.

[...]


1 Wind, Renate: Dorothee Sölle, Rebellin und Mystikerin. Die Biographie, Nürnberg/Heidelberg, 2008, S.23.

2 Balz – Otto, Ursula: Dorothee Sölle. Das Lesebuch. Fragmente einer neuen Theologie, Stuttgart, 2004, S. 11-12.

3 Ludwig Ralph: Die Prophetin. Wie Dorothee Sölle zur Mystikerin wurde. In: Uwe Birnstein (Hg.): wichern porträts. Berlin 2008, S. 43-44.

4 Ebenda, S.46-47.

5 Ludwig Ralph: Die Prophetin. Berlin 2008, S.9-11.

6 Wind, Renate: Dorothee Sölle. Die Biographie, Nürnberg/Heidelberg, 2008, S.174-176.

7 Sölle, Dorothee: Mutanfälle. Texte zum Umdenken, Hamburg: Hoffmann und Campe, 1993, S.102.

8 Ebenda, S.105-106.

9 Baltz-Otto, Ursula/ Steffensky, Fulbert (Hg.): Dorothee Sölle. 2009, S.96-100.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Dorothee Sölle und die feministische Theologie. Leben, Wirken und Prägung
Untertitel
Eine kurze Darstellung
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
10
Katalognummer
V947539
ISBN (eBook)
9783346283245
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dorothee, sölle, theologie, leben, wirken, prägung, eine, darstellung
Arbeit zitieren
Christopher Rieke (Autor:in), 2012, Dorothee Sölle und die feministische Theologie. Leben, Wirken und Prägung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/947539

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