Eßstörungen als Thema im zeitgenössischen Jugendbuch: Und jeden Tag ein Stück weniger von mir (Gerhard Eikenbusch)


Seminararbeit, 1996

15 Seiten, Note: 2


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eßstörungen bei Jugendlichen - Krankheitsbilder und Ursachen
2.1. Bulimia nervosa
2.2. Anorexia nervosa
2.3. Adipositas

3. Gerhard Eikenbusch: Und jeden Tag ein Stück weniger von mir
3.1. Handlungsaufbau und Erzählperspektive
3.2. Thematik und Krankheitsbild
3.3. Fraukes Träume als Spiegel ihres Gefühlslebens
3.4. Darstellung von Eßritual und Essensmotiven

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als Resonanz auf die drastische Zunahme von Eßstörungen bei Jugendlichen, insbe-sondere Mädchen, erschienen in den letzten Jahren mehr und mehr Jugendbücher auf dem deutschen Markt, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, exemplarisch an einem ausgewählten Werk, die literarische Umsetzung dieser Thematik zu untersuchen.

Gerhard Eikenbusch, Germanist und Erziehungswissenschaftler, berschreibt sehr einfühlsam und realitätsnah den Problemkomplex der Anorexie, wobei ein Schwerpunkt auf der Darstellung des Gefühlslebens der Betroffenen liegt, in das man vor allem auch durch Traumschilderungen Einblick erhält.

2. Eßstörungen bei Jugendlichen - Krankheitsbilder und Ursachen

Das Eßverhalten eines Menschen wird bekanntlich nicht allein von Hunger und Sattheit bestimmt, sondern auch von der Beschaffenheit der Nahrungsmittel, ihrem Geruch, ihrem Geschmack, ihrer Optik, ihrer Zubereitung, sowie der Eßerziehung und im zunehmenden Maße dem Streben nach der Idealfigur. Insbesondere letzteres birgt eine Gefahr: Wer nicht genug oder das Falsche ißt, geht das Risiko ein, krank zu werden. Ernährungsbedingte Krankheiten zeigen sich in Mangel- oder Überflußsymptomen. Die Störungen, die von außen durch ein Zuführen von zuviel oder zuwenig Nahrung bzw. bestimmter Nähr- oder Fremdstoffe an den Körper verursacht werden, liegen in einem Überangebot und der industriellen Verarbeitung begründet, sowie in gestörten Hunger- und Sattheitsmechanismen. Sie können individuell durch bestimmte Wertvorstellungen sowie ein Persönlichkeitsmerkmal das nach Freud als ,,Oralität" bezeichnet wird, begründet sein. Diese Eßstörungen zeigen sich neben vielen anderen Symptomen wie Allergien, Hyperaktivität, Depressionen usw. insbesondere in einer Abweichung vom normalen Körpergewicht.

Extrem gefährdet dafür sind junge Frauen und Mädchen im Pubertätsalter, da die generelle Übernahme der Norm zum Schlanksein von ihnen stärker internalisiert wird und somit ein Motiv für ihr eigenes Verhalten bildet. Wie die Essener Universität bei einer Fachtagung im März 1995 berichtete (Zeitungsnotiz, Südostbayerische Rundschau, 2.3./3.3., 48.Jhrg.,Nr,52), bildet den Einstieg zu solchen Krankheiten meist eine Diät. Die am häufigsten auftretende Eßstörung in Deutschland ist mittlerweile die Bulimie mit ca. 200 000 bis 400 000 Krankheitsfällen. Während die Anorexia nervosa als die mitteleuropäische ,,Modekrankheit" der 70er Jahre galt, ist die Bulimia nervosa als die Krankheit der 80er und 90er Jahre bezeichnet worden.

2.1. Die Bulimia nervosa

Diese Form der Eßstörung mußkörperlich nicht auffällig sein, was sie von der Anorexia nervosa unterscheidet. Bulimie basiert auf Eßgier. Die physischen Folgen zuviel Essens, d.h. vor allem Fettleibigkeit, werden dadurch abzuwenden versucht, daßder Körper daran gehindert wird, die mit der Nahrung aufgenommene Energie zu verarbeiten. Nach wiederholten, zwanghaften Eßanfällen, bei denen schnell viel gegessen wird, wird durch Erbrechen, Abführen, Entwässern und exzessives Körpertraining eine Gewichtszunahme zu verhindern gesucht. Das Körpergewicht ist meist normal, mit einer Tendenz zu leicht unterdurchschnittlich. Psychisch auffallend sind eine andauernde, übertriebene Beschäftigung mit Figur und Gewicht und der Kontrollverlust während des Eßanfalls: Es wird gierig alles wahllos verschlungen, ohne auf Appetit oder Geschmack zu achten, in Vordergrund tritt also das destruktive Element der ,,Nahrungsvernichtung". Die Vernachlässigung subjektiver Bedürfnisse durch ein allzu gezügeltes Eßverhalten ist meist der Auslöser für den totalen Zusammenbruch der Eßkontrolle, das Erbrechen die Scheinlösung für den psychischen Konflikt zwischen Schlanksein und Eßlust. Eine Reihe ernsthafter sekundärer Schädigungen können die Folge dieser Krankheit sein: Wasser-, Vitamin- und Mineralmangel, Verätzungen der Speiseröhre und des Mundes durch Magensäure sowie Zahnschäden. Ausgangspunkt des Symptomkomplexes ist in jedem Fall der Wunsch nach einem schlanken Körper, weshalb die Bulimie auch als eine Untergruppe der Anorexia gesehen wird.

2.2. Die Anorexia nervosa

Auch die Anorexia nervosa ist eine psychische Störung mit erheblichen somatischen Krankheitsfolgen. Wie die Bulimie tritt sie bevorzugt bei Frauen in der Pubertät (Pubertätsmagersucht) oder im jungen Erwachsenenalter (bis zu 25 Jahren) auf. Sie zeichnet sich aus durch körperliche Auszehrung infolge von Nahrungsverweigerung mit den typischen Begleiterscheinungen körperlicher und psychischer Art: Der Gewichtsverlust beträgt mindestens 25%. Äußerlich sind häufig motorische Unruhe und Hyperaktivität zu beobachten, sowie Amenorrhö (das Ausbleiben der Menstruationsblutung) und Lanugo (verstärkte Körperbehaarung). Als Kind sind die betroffenen Personen meist auffällig introvertiert, gehorsam, zuverlässig, gewissenhaft bis zwanghaft, hilfsbereit, angepaßt sowie von hoher Intelligenz. Eine Untersuchung in den USA ergab, daßneben dem erhöhten Geburtsgewicht (besonders gegenüber älteren Schwestern) die Menarche relativ früh eintrat. Als Manifestationsereignisse für Anorexia nervosa werden besonders Phasenübergänge sowie neue Situationen angesehen und der Versuch, eine befürchtete anlagenmäßige Fettleibigkeit zu kontrollieren. Die gesellschaftliche Voreingenommenheit gegenüber fülligen Personen führt zu einer verzerrten Wahrnehmung des eignen Körperbilds. Es gibt Erklärungsansätze, die nach Freud Eßverhalten mit sexuellem Trieb in Beziehung setzen und die Anorexia nervosa als eine generelle Lebens- bzw. Fortpflanzungsverweigerung ansehen oder als ein Aufbegehren gegen die Frauenrolle.

2.3. Die Adipositas

Von Adipositas spricht man bei Personen, die ein Übergewicht von mehr als 20% haben. Sie taucht bei Frauen wie Männern und in allen Altersgruppen auf. Es ist jedoch auffallend, daßim zunehmenden Maße schon Kinder und Jugendliche an Übergewicht leiden.

Fettreichtum bzw. Adipositas ist primär ein Anzeichen für eine unausgewogene Energiebilanz. Dafür können verschiedene Ursachen verantwortlich sein: genetische Grundlagen der Körperfunktion und des Körperbaus, anormale Stoffwechselvorgänge, sowie Störungen im Hunger-Appetit-Sättigungs-Sattheits-Mechanismus. Meist sind die biologischen Ursachen mit einer Reihe psychologischer und sozialer Aspekte verknüpft, so daßeindeutige Kausalketten nicht nachweisbar sind. Beim Eßverhalten der betroffenen Personen fällt auf, daßsie größere Bissen zu sich nehmen, schneller essen, stärker gesüßte und fetthaltigere Speisen bevorzugen als Normalgewichtige. Viel Nahrung wird von den Betroffenen im Gegensatz zu den Bulimikern aber nur gegessen, wenn sie appetitlich und genußverheißend ist. Essen kann durch Sozialisation als Trost, Ersatz für Liebe usw. dienen. Ängste, Einsamkeit und Depression entstehen meist erst sekundär durch die Reaktion der gesellschaftlichen Umwelt auf den fettleibigen Körper der Betroffenen.

Diese drei Krankheitsbilder dürfen keineswegs isoliert voneinander betrachtet werden, da sie sich oft überschneiden, einander bedingen und auseinander entstehen können. Eine Adipositas z.B. kann Auslöser für eine Anorexie sein, die sich in eine Bulimie wandelt usw.

Wie komplex solche Eßstörungen sein können, zeigt sich auch in dem Jugendbuch, das ich im folgendem behandeln werde.

3. Gerhard Eikenbusch: Und jeden Tag ein Stück weniger von mir

3.1. Handlungsaufbau und Erzählperspektive

Die Erzählung ist weitgehend in einer personalen Erzählperspektive gehalten, wobei der Hauptcharakter, Frauke, die erlebende Figur ist. Erlebte Rede und vor allem innere Monologe, die auch kursiv gedruckt sind, unterstreichen dies. Da das Buch vor allem für betroffene Jugendliche gedacht ist, wird dadurch die Möglichkeit der Identifikation verstärkt. Die Erzählung steigt mitten ins Handlungsgeschehen ein, auch der Schlußbleibt offen. Der Handlungsaufbau ist relativ linear, am Ende zeichnet sich eine Wendung ab, was der Erzählung Novellencharakter verleiht.

3.2. Thematik und Krankheitsbild

Frauke Wanter ist Einzelkind, besucht die 9. Klasse des Gymnasiums und ist wie die typische Anorektikerin eine hervorragende Schülerin. Sie entstammt einer Mittelschichtsfamilie. Die Mutter hat ihre Berufswünsche nach der Hochzeit aufgegeben, um sich ausschließlich dem Wohlergehen von Mann und Tochter widmen zu können. Ursprünglich wollte sie Ärztin werden. Sie zeichnet sich besonders durch ihre Überfürsorglichkeit aus sowie durch ihre äußerst hohen Erwartungen, die sie an die Tochter stellt und meist in negativen Äußerungen artikuliert (z.B.. ,,Du willst uns nur Sorgen machen", S. 22, ,,Du bringst uns noch ins Grab",S. 51). Von Frauke nicht erfüllte Erwartungen werden von der Mutter wie auch vom Vater generell als persönlicher Angriff empfunden, worauf die Mutter bisweilen mit Migräne reagiert (z.B. S. 34). Überhaupt wird Frauke für die Befindlichkeit beider Elternteile sowohl von der Mutter als auch vom Vater verantwortlich gemacht (z.B. ,,Mutti geht es schlecht. Sie hat den ganzen Tag nichts gegessen. Sieh zu, daßdu dich gut erholt, S.39, ,,Ißmorgen mehr, nur Vati zuliebe. Er macht sich große Sorgen, kann nicht schlafen", S.39). Nach außen mimen die Eltern die perfekte Familie. Bei einem Abendessen mit Geschäftsfreunden des Vaters wird die Vorzeigetochter Frauke mit den Worten vorgeführt ,,Es mußin der Familie alles stimmen, wenn ein Kind Erfolg und Glück haben soll. Und Erfolg braucht ein Kind heute, sonst hat es keine Chance im Leben.", wobei letztere Aussage wohl einen Kernpunkt der Wanterschen Erziehung bildet. Frauke hat bereits internalisiert, daßsie ihren Eltern gegenüber veranwortlich ist, daßdie Nichterfüllung ihrer Erwartungen einem Angriff auf ihre psychische und physische Befindlichkeit gleichkommt (z.B. "Ich mußlernen. Ich darf sie nicht enttäuschen", S. 26). Erschwerend für die Lage Fraukes kommt hinzu, daßdie Eltern sich in der Verantwortung ihr gegenüber gegenseitig ausspielen und einander die Schuld für Fraukes gegenwärtige Situation zuschreiben (z.B. ,,Du kümmerst dich ja nicht um sie. Ich mußden ganzen Tag für sie sorgen, und du kommst nachts und spielst den liebenden, treusorgenden Vater"..."Mach dir nichts vor...du betütelst sie nur. Frauke mag es bestimmt nicht, wenn du den ganzen Tag an ihrem Bett sitzt und aufpaßt. Da wird sie bestimmt nicht gesund". Frauke sieht diese Situation so ,,Vati spielt nur so lange den lieben Vati, wie er Mutti übertrumpfen kann," S.28.

Bezeichnend für die übertriebene Bevormundung Fraukes durch die Eltern ist, daßihr schon als Kind Dinge verboten wurden, die ihr wichtig waren, das Reiten (,,Ich habe Angst um dich", S.21), das Ballett (,,Es paßt nicht zu dir. Du bist nicht zart genug fürs Ballett", S.21) und was das schlimmste ist: die beste Freundin (,,Sabine lenke sie nur von der Schule ab und habe Flausen im Kopf...bis Frau Wanter eines Tages Sabines Mutter anrief", S.83). Die Mutter bezeichnet Frauke als pflegeleichtes und unkompliziertes Kind, das sich schnell entwickelt hat (,,Schon mit knapp einem Jahr sauber, mit eineinhalb Jahren schon gesprochen...", S. 55). Auch dies ist ein typisches Charakteristikum von Anorektikerinnen. Durch Herrn Wanter erfährt man allerdings von den Problemen bei der Einschulung Fraukes, daßFrauke die ersten Wochen jeden Morgen in der Schule geweint habe und sich an die Lehrerin gar nicht gewöhnen habe können, weshalb seine Frau eine Zeitlang mit zur Schule gegangen sei und hinten in der Klasse gesessen habe (S.55). Auch hier wird also die fast abnormal starke Bindung der Mutter an Frauke deutlich. In der Flucht in die Anorexie sieht Frauke die einzige Möglichkeit, ganz sie selbst zu sein und dem Fordern der Eltern zu entkommen. Der Satz ,,Ich will mich" (S. 57) wird zu ihrem Schlachtruf. Als Fraukes Abmagern offensichtlich wird, wollen die Eltern mögliche psychische Ursachen, die dahinter stecken nicht sehen. Ihre Erklärung schwankt irgendwo zwischen einer physischen Ursache und einer pubertären Laune der Tochter. Wie eine physisch Kranke zwingt die Mutter Frauke zur Bettruhe und will durch einen speziellen Speiseplan eine rasche Gewichtszunahme erreichen. Dabei wird die extrem ausgeprägte Autorität und Überfürsorglichkeit von Frau Wanter besonders deutlich (,,Still! sagt ihre Mutter streng. Du gehst ins Bett und erholst dich. Ich weiß, was ich in solchen Fällen tun muß...", S.35, ,,Du bist krank...da mußich dich füttern", S. 36). Dennoch gelingt es Frauke durch diverse Tricks ihr Gewicht noch zu reduzieren. Was ihr die Mutter an Nahrung eintrichtert, erbricht sie. Hier gewinnt ihre Krankheit Züge der Bulimie, wobei Frauke für gewöhnlich nie freiwillig ißt, der Zwang zur gesteigerten Nahrungsaufnahme also von außen durch Druck der Eltern kommt, d.h. nicht endogen ist wie es für Bulimikerinnen typisch wäre.

Um der Kontrolle und Einengung durch die Eltern zu entkommen, sieht Frauke schließlich die Einlieferung in eine Spezialklinik als das geringere Übel (,,Wenn es mir nicht mehr paßt, kann ich wieder gehen. Auf jeden Fall ist es besser als zu Hause. Hier habe ich meine Ruhe, S.53). Ihre gegenwärtige Gemütsverfassung spiegelt sich in ihrer Interpretation des Ölbilds wieder, das sie im Klinikflur betrachtet: ,,Grelle Farbflächen greifen ineinander, verbinden sich, werden durch tiefe Spuren wieder voneinander getrennt. Frauke sieht eine verlassene Landschaft in dem Bild. Eine Landschaft, die in Gesichter übergeht. Versteckte Gesichter, voller Trauer und Zorn." (S.54). In der Klinik ist Frauke zwar erst einmal von der Bevormundung der Eltern sicher, da diese Frauke zuerst gar nicht, später nur zu wöchentlichen Familientherapiesitzungen, denen sie nur ungern zustimmen, sehen dürfen, doch auch hier fühlt sie sich nicht verstanden, auch hier scheint sich alles nur um die Kilos zu drehen, die sie zu wenig hat (,,diese Klinik, das ist ein Eß-Gefängnis", S. 64, ,,die interessieren sich nur für meine Kilos", S.74). Als man ihr das Krankheitsbild der Anorexie erklärt, erschrickt sie (S.65). Allerdings arbeitet sie auch in der Klinik mit ihren bewährten Tricks. Zumal sie zunächst allein im Zimmer ist, kann sie ungestört wieder erbrechen, was man ihr einflößt, bis ihr die betreuende Psychologin eines Tages eröffnet ,,wir haben keine Lust und keine Zeit , mit jemanden zu arbeiten, der vor Hunger nicht mehr klar denken kann. Es ist nur sinnvoll, wenn du mindestens 38 Kilo wiegst. Vorher kann man mit dir nicht reden". Sie schließt einen Vertrag mit ihr, in dem Frauke verspricht, innerhalb einiger Wochen mit Hilfe von Spezialnahrung dieses Basisgewicht zu erreichen. Andernfalls werde die weitere Behandlung Fraukes abgelehnt. Frauke weist inzwischen neben dem geringen Körpergewicht von knapp 33 Kilo (S.73) bei einer Größe von 1.70m (S.68) auch die anderen für eine Anorektikerin im fortgeschrittenem Stadium typischen äußeren Merkmale auf: ausgetrocknete Haut, verstärkte Körperbehaarung, ein extremes Hervortreten der Wangenknochen (S. 77). Frauke erbricht weiterhin die Spezialnahrung, die sie nun serviert bekommt. Schließlich wird sie mit einer Magensonde zwangsernährt (S.80), was Frauke als massive Bervormundung empfindet. Sie fühlt sich unverstanden (,,Wie Metzger sind sie. Sie fragen mich nicht, wie ich mich fühle, ob ich das will: jetzt bin ich eine Maschine, die betankt wird, S. 82). Doch auch jetzt noch gelingt es Frauke, zu erbrechen, weshalb als letzte Möglichkeit die intravenöse Ernährung eingesetzt wird (S.87). Frauke nimmt rasch zu, ihre subjektive Befindlichkeit wird direkt proportional dazu schlechter, was sie fühlt drückt sie in dem Satz aus: ,,Jedes Gramm mehr ist ein Stück weniger von mir" (S.89). Als Frauke das Basisgewicht erreicht hat, wird sie bei einem Ausgang Zeugin eines Selbstmordversuches: ein junges Mädchen stürzt sich aus dem Fenster. Frauke findet den Abschiedsbrief an die Eltern,den das Mädchen bei sich trägt. Sie identifiziert sich mit den Anklagen wie ,,Um was habt ihr euch gesorgt, um wen? Doch nur um euch selbst" (S.94). Kurze Zeit darauf unternimmt sie ihrerseits einen Selbstmordversuch, dessen Mißglücken mit der Erkenntnis endet: "Ich habe Hunger. Ich lebe". Von da an baut Frauke langsam Kontakt zu den anderen Patienten auf, die ihr vorher gleichgültig waren. Zufällig stößt sie eines Nachts auf eine Geburtstagsgesellschaft und feiert mit (,,Frauke fühlt sich aufgehoben", S.86), sie beginnt sich mit einem Pfleger anzufreunden (S. 72f) und nach großen anfänglichen Schwierigkeiten mit der krankhaft übergewichtigen Hanna Cramer, ihrer neuen Zimmergenossin. Für Frauke wird die ältere Freundin zu einer Art Ersatzmutter (S.118). Frauke darf nun an den Therapien teilnehmen, was ihr selbst nicht sehr sinnvoll erscheint (S.113). Dafür kommt für sie die Wende bei einem heimlichen Restaurantbesuch mit Hanna. Eigentlich will Hanna sündigen, doch nach wenigen Bissen kann sie nichts mehr essen. Frauke aber nimmt zum ersten Mal seit langer Zeit mit Genußein ganzes Menü zu sich (S.133). Bei der folgenden Familientherapiesitzung zeigt sich, daßFrauke verstanden hat, wo der Kern ihres Problems liegt: ,,Ich kann nicht essen, wenn ich wegen euch essen soll. Dann habe ich keinen Hunger mehr. Ich kann nicht essen, damit ihr eure Ruhe habt" sagt sie zu ihren

Auffallend an der Geschichte Fraukes ist, daßweder sie selbst noch ihre Eltern die Entwicklung der Magersucht richtig und bewußt wahrnehmen. Die Eltern, später das Klinikpersonal, achten vor allem auf ihre physische Verfassung, während sie die psychische außer acht lassen. Der Hauptgrund für Fraukes Hungern ist offensichtlich die Verweigerung des Erwachsenwerdens. Frauke sieht keinen Sinn darin, wie ihre Eltern zu werden, insbesondere so wie ihre Mutter, die ständig die Opferrolle ihres Frauseins betont. Frauke will sich nicht dem Frauenideal im allgemeinen und erst recht nicht dem der Eltern anpassen. DaßMagersucht in erster Linie ein Hilferuf ist, wird hier transparent gemacht.

3.3. Fraukes Träume als Spiegel ihres Gefühlslebens

In das Gefühlsleben Fraukes, das die Gründe ihrer Magersucht in sich birgt, gewinnt man vor allem durch die Schilderung ihrer Träume Einsicht.

Der erste Traum findet statt als sie zuhause von der Mutter gepflegt wird:

Sie gehtüber einen Weg, der an beiden Seiten von hohen dunkelroten Backsteinmauern eingegrenzt wird. Frauke trägt ihre schwarzen Lackschuhe und das lange weiße Kleid. Der Schleier schleiftüber die Erde, bleibt dennoch hellweiß. Endlich gelangt Frauke an eine breite riesige Brücke, die wie eine große Muschel vor ihr liegt. Die Brücke steigt steil an, endet an einer Schlucht. Dunkle scharfkantige Felsen türmen sich vor ihr auf, werden zu Gestalten. Von oben kommt eine breite blaue Welle auf sie zu, treibt weiße Schaumkronen vor sich her. Frauke wirft sich auf den Boden, schlägt sich die Knie auf, rennt fort. Vor ihr ein großer Garten, in dem Orangen- und Zitronenbäume in einem Viereck stehen. Frauke legt sich unter einen Zitronenbaum, die Erde ist weich und feucht. Sie reißt ein Stück Erde heraus, steckt es in den Mund. Es schmeckt nach Zitrone.

In diesem Traum zeigt sich, daßFrauke offenbar Probleme mit dem Frauwerden hat. Auf dem Weg des Erwachsenwerdens, den sie gehen muß, bewahrt sie ihre Unschuld, denn ihr weißes Kleid und der Schleier bleiben weiß. Sie kann nicht ausweichen, da der Weg umzäunt ist von dunkelroten Backsteinmauern. Die Farbe Dunkelrot steht hier für Bedrängnis. Die letzte Hürde, die sie nehmen muß, die Brücke bzw. Muschel, welche aus der Tiefenpsychologie als Symbol für das weibliche Geschlechtsorgan bzw. Weiblichkeit generell bekannt ist, wird ihr versperrt. Dunkle scharfkantige Felsen, die zu Gestalten werden und wohl insbesondere für Fraukes Eltern stehen, türmen sich vor ihr auf und drängen sie zum Weglaufen. So sucht Frauke Zuflucht in einem Garten, der das Innerste ihrer Seele symbolisieren könnte. Frauke hat nur die Möglichkeit, in sich selbst zu fliehen. Indem sie ein Stück Erde aus dem Boden reißt und ißt, ißt sie von ihrem innersten, festigt sie ihren Standpunkt. Das ist ,,die Speise, die ihr schmeckt", die sie braucht. (vgl. Kafka-Zitat, S. 5).

Den zweiten Traum hat Frauke einige Tage später, als sich ihre Eltern gerade wieder wegen Fraukes Erziehung gestritten haben.:

Sie träumt halbwach vor sich hin, fährtüber eine breite Autobahn. Die Bäume werden an ihr vorbeibewegt und verbeugen sich vor ihr. Am Steuer des Wagens sitzt ein Unbekannter mit einer Maske aus schwarzem Holz. Der Wagen saust geräuschlosüber die Straße, fährt durch Städte in denen niemand lebt. Der Unbekannte steuert den Wagen sehr sicher, pfeift unter der Maske ein Lied.

Der Mann mit der Maske und das Auto stehen meiner Meinung nach für das Ich, das anders erscheinen will als es ist bzw. in Fraukes Falle muß, da Frauke ja den Erwartungen der Eltern entsprechen will. Masken weisen generell darauf hin, daßman sich verstecken will oder sich mit seiner wahren Meinung zurückhält. Die Farbe Schwarz steht oft für Künstlichkeit. Die Maske ist also künstlich, darunter das wahre Gesicht. Frauke will weg, fliehen, irgendwohin, wo sie allein ist.

Den dritten Traum hat Frauke in der Klinik, als sie Zeugin des Selbstmordes einer Patientin geworden ist:

Frauke steckt plötzlich in einer großen Latzhose und einem dicken Wollpullover. Sie kennt die Kleidung nicht, hat sie noch nie gesehen, fürchtet sich vor ihr. Ihre Hände stecken in breiten Wildlederfäustlingen, sie kann sich nur mühsam in der weiten und dicken Kleidung bewegen, läßt sich auf den Boden ihres Zimmers fallen. Ihre Eltern stürzen auf sie zu, schreien entsetzt, versuchen Frauke aufzuhelfen. Frauke stößt sie fort, rennt an ihnen vorbei auf den Flur. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich ein Fahrstuhl. Die Türöffnet sich automatisch, Frauke huscht hinein, die Türen schließen sich gleich hinter ihr. Der Fahrkorb ruckt an, ein Pfeil auf der Anzeigetafel weist nach unten. Das Schreien und Hämmern der Eltern wird immer leiser, je länger der Aufzug fährt. Mit einem Schlag setzt der Fahrkorb hart auf, vibriert, Motoren surren, eine Alarmglocke schrillt. Frauke will mit einem Satz aus dem Aufzug springen, geht in die Hocke, springt, stößt heftig gegen eine durchsichtige Mauer, wirft sich dagegen, bäumt sich auf. Sie blickt durch die Wand nach draußen, versucht ihre Augen an das gleißende Licht zu gewöhnen. Draußen ist nichts. Frauke drückt gegen die Wand, ihre Hände erwärmen sich. Schlangen kriechen von der anderen Seite an der Wand hoch, ihre langen Zungen berühren das Glas. Die Schlangen haben keine Augen, huschen fort, sobald sie den oberen Mauerrand erreicht haben, tauchen in den Raum, in dessen Mitte eine schwarze Rose erscheint. Sie schwebt bewegungslos. Die Schlangen ringeln sich um die schwarze Rose, streifen an deren Stacheln ihre Haut ab, fressen sie auf. Die Aufzugtür schließt sich wieder, sofort ruckt der Aufzug an. Der Leuchtpfeil weist nach oben, erlischt bald. Die Schreie der Eltern. Der Aufzugkorb bleibt stehen, die Türenöffnen sich nicht. Frauke versucht mit beiden Händen, die Aufzugtüren zur Seite zu schieben. Im gleichen Augenblick dringt Blut in den Fahrkorb. Bald steht Frauke bis zu den Knien im Blut, kann die Tür mit ganzer Kraft weitöffnen. Ein Blutschwall schießt in die Kabine. Frauke wird vom Blutstrom fortgerissen, taucht darin unter, stößt gegen Mauerkanten und Türfassungen, gelangt in die Wohnung ihrer Eltern. Aus dem Schlafzimmer dringt unterdrücktes Jammern und Wimmern. Frauke watet zum Schlafzimmer. Im Schlafzimmer hat sich eine riesige Krake festgesaugt. Ein hellbraunes Tier, dessen Körper von schwarzen Adern durchzogen ist. Es hat einen hellroten Mittelpunkt. Das ist sein Herz. Das Jammern der Eltern wird stärker. Frauke schwimmt zur Tür, wirft die Fäustlinge fort, die schon voll Blut sind, tastet sich an die regungslose Krake heran, hebt ihre Hände. Statt ihrer Finger bewegen sich wie Zangen an jeder Hand zwei mächtige Klauen, geben ein lautes Hackengeräusch von sich. Aus den Klauen wachsen lange dünne Messer mit scharfer Schneide. Frauke steht direkt hinter der Krake, hält die Messerhändeüber deren Mitte. ,,Nein!" schreien die Eltern. Ihre Stimmen sind gebrochen. ,,Nein", schreien sie, ,,tu das nicht, Frauke!". Frauke läßt die Hände langsam sinken. Die beiden Messerpaare durchdringen die Krake in der Mitte, durchschneiden das Herz. Die Krakenarme lösen sich von der Türfassung, schwimmen auf Frauke zu, pulsieren, drohen sie zu umschlingen. Frauke schlägt und schlägt mit den Messern auf die Krakenarme ein. Sie schlägt ins Blut, schlägt, bis die Krakenarme regungslos auf dem Blut schwimmen. Dann fließt das Blut plötzlich ab, das Schlafzimmer der Eltern ist leer. Nur auf der Fensterbank ist noch eine kleine rote Spur. Frauke sieht in den Schlafzimmerspiegel. Die Messer an den Händen bilden sich zurück. Frauke sieht sich in einem hübschen Sommerkleid, so, wie ihre Mutter es sich schon immer gewünscht hat. Aus Fraukes Mund wächst eine schwarze Rose.

Die Frauke im Traum ist stark, nicht das Mädchen im hübschen Sommerkleid. Die Verpackung paßt zu der Seite ihres Inneren, die nicht dem braven Mädchen entspricht, der Seite in ihr, die sie der Eltern zuliebe unterdrücken muß, die ihr so fremd ist, daßsie sich selbst davor fürchtet (Z.2). Mit dem Fahrstuhl fährt sie in die Tiefen ihrer Seele. Die Schlangen die sie dort findet, unterstreichen die Unruhe ihres Gefühlslebens. Die schwarze Rose symbolisiert die dunkle Seite ihrer Seele, die unterdrückt wird. Als sie aus der Reise ins Innere zurückkehrt, erkennt sie die seelischen Wunden (Blut), die ihr diese Unterdrückung zufügen. Sie befreit sich unter Protest der Eltern von der Krake, von dem, was sie daran hindert, sie selbst zu sein. So werden ihre Wunden geheilt (das Blut fließt fast ganz ab). Die schwarze Rose wächst aus ihrem Mund, d.h. ihr Innerstes, das sie gezwungen war zu verdrängen, kommt nun

Den vierten Traum hat Frauke, nachdem sie mithilfe intravenöser Ernährung ihr Basisgewicht erreicht hat, und dabei ist, sich mit ihrer anfangs so verhaßten Zimmergenossin zu arrangieren:

Sie spaziert in einem dämmrigen Zimmer herum, das keine Fenster hat, streicht mit den Händenüber eine Wand. Sofort bleibt eine Hand am Putz kleben, läßt sich nicht mehr lösen. Frauke versucht mit allen Kräften, sich fortzubewegen, ihre F üße rutschen weg, sie fällt auf die Knie, streckt die andere Hand zur Tür, schnappt nach der Türklinke, bekommt sie gerade zu fassen. Sie kann sich kaum noch halten, es ist ihr als werde sie auseinandergerissen. Da rücken die Wände näher aneinander, die Türöffnet sich. Sie läßt die Türgriffe los, sieht einen freundlichen Flur, der hell erleuchtet ist. Wärme strömt ins Zimmer. Ihre Hand bleibt fest mit der Wand verbunden, die Innenflächen sind wie aufgerissen. Plötzlich kippt der Raum, sie hängt an ihrer Hand fest, schwebt im Raum und fühlt sich leicht, schwerelos.

In diesem Traum erkennt Frauke, daßes Alternativen für Auswege aus einem zu engen Raum gibt. Der Weg durch die Tür ist nicht der einzige. Der Raum selbst bietet Möglichkeiten, der Enge zu entkommen, in dem er anders bzw. ganz genutzt wird.

In Fraukes Träumen spiegelt sich ein Prozeßwieder, der sich in ihrem Innenleben abspielt, der Prozeßvon der Ausweglosigkeit der Situation bishin zur Erkenntnis.

3.4. Darstellung von Eßritual und Essensmotiven

Es fällt auf, daßFrauke nie mit Genußißt, entweder schlingt oder sich quält, zu essen (z.B. ,,Sie nimmt zwei Gabeln davon, schluckt das Fleisch unzerkaut hinunter. Es rutscht langsam, als klebe es in der Speiseröhre, bliebe stecken, verätze", S.27, ,,Sie nimmt zwei Scheiben Schwarzbrot, zerkaut sie kräftig, ißt einen Apfel. Das Hungergefühl wird eher stärker. Zwei Becher Joghurt schlingt sie in sich hinein, gerät dabei außer Atem, S.41)

Außerdem bevorzugt sie, wenn sie schon ißt, Speisen, die die Mutter absolut ablehnt, nun aber erlaubt, damit Frauke überhaupt etwas zu sich nimmt, z.B. Heringssalat (S.19), Erbsensuppe (S. 36), Mohrenköpfe und Weingummis (S. 45).

Der Speiseplan, den die Mutter aufstellt, um Frauke ,,aufzupäppeln", enthält nur gesunde, vollwertige und natürlich gehaltvolle Nahrungsmittel, z.B. Grünkernsuppe, Champignonreis, Rahmschnitzel, Haferflockenbrei (S. 42), Sahnegriesbrei (S.36) usw.

Was an diesen Speisen zudem auffällt, ist die Konsistenz: weich, weich wie Babynahrung -und wie ein Baby wird Frauke von der Mutter noch immer behandelt. Sie wird mit dem Löffel gefüttert (S. 36). Das ist aber nur ein Bereich, in dem sich die Überfürsorglichkeit der Mutter offenbart, welche vorher schon erwähnt habe.

Ein einziges Mal kocht Frauke für die Familie ,,Ente süßgefüllt", wobei sie bei der Zubereitung großen Appetit verspürt (S. 45f), dann aber nicht davon essen kann (,,Jetzt stochert sie auf dem Teller rum, gabelt die Fleischstückchen auf, zerkaut sie, bis sie keinen Geschmack mehr haben, schluckt sie hinunter", S. 46).

Dazu mußman wissen, daßes keine Seltenheit ist, daßAnorektikerinnen an der Zubereitung von gutem Essen Freude haben, das sie dann aber meist nicht selbst verzehren, sondern ihren Angehörigen anbieten.

Einer der vielen Gründe der Magersucht ist auch, daßdie Betroffenen mit der Tatsache, daßfür ihr Essen Tiere sterben müssen, nicht zurecht kommen. Dieses Problem ist sicher nicht Fraukes Hauptproblem, wird aber auch gestreift. (,,es ist als bewege sich etwas in den Speisen, als lebten die Hummer noch. Der Salat scheint vor ihren Augen zu tanzen. Sie möchte am liebsten über eine Wiese laufen und laut schreien", S.27).

Richtig bewußt und auf den Geschmack achtend, ißt Frauke zum ersten Mal wieder nach der künstlichen Ernährung in der Klinik (S.105). Schließlich verspeist sie bei dem Restaurantbesuch mit Hanna das erste Menü seit langem mit Freude und Genuß(,,Frauke nimmt eine Krokette, teilt sie in der Mitte, stippt sie in die hellbraune Soße, riecht daran und ißt sie auf. Sie zieht den Teller ganz sicher zu sich herüber. macht sich über das Broccoli- Gemüse her, verspeist genußvoll die weichen Rosetten, schmeckt die Kräuter heraus.", S.133). Schon bei der Schilderung merkt man, daßalle Sinne beteiligt sind, neben dem Geschmack, das Sehen (,,hellbraune"), der Geruch (,,riecht daran"), der Tastsinn (,,weichen Rosetten"). In dieser Essensschilderung zeichnet sich die Heilung Fraukes ab.

4. Resümee

Es ist sicherlich kein Zufall, daßder Autor seiner Erzählung voran ein Zitat aus Kafkas Hungerkünstler stellt.

... `Weil ich hungern muß, ich kann nicht anders', sagte der Hungerkünstler. `Da sieh mal einer' sagte der Aufseher `warum kannst Du denn nicht anders?`'Weil ich`, sagte der Hungerkünstler, hob das Köpfchen ein wenig und sprach mit wie zum Kuss gespitzten Lippen gerade in das Ohr des Aufsehers hinein, damit nichts verlorenginge, 'weil ich nicht die Speise finden konnte, die mir schmeckt. Hätte ich sie gefunden, glaube mir, ich hätte kein Aufsehen gemacht und mich vollgegessen wie du und alle.`...

Wie der Hungerkünstler findet auch Frauke lange nicht die Speise, die ihr schmeckt. Frauke droht an der Welt zu scheitern, erkennt aber schließlich die Ursachen ihrer Probleme, so daßsie nicht mehr hungern mußals Antwort auf ihre aussichtslose Lage. Die Problematik und Vielschichtigkeit der Magersucht wird in diesem Buch gut herausgearbeitet, da sehr viele Facetten dieser Krankheit berücksichtigt werden. Betroffenen Jugendlichen dürfte die Identifikation mit der Hauptfigur nicht schwer fallen, allerdings scheinen mir für diese Zielgruppe die Traumepisoden sehr schwer verständlich, selbst wenn sie nur suggestiv wirken sollen. ,,Und jeden Tag ein Stück weniger von mir" zeigt, was hinter dem abnormalen Eßverhalten von Magersüchtigen steht und wie der Eßakt hier symbolisch für einen psychischen Konflikt steht.

5. Literaturverzeichnis

1. Einebnung, G., Und jeden Tag ein Stück weniger von mir, Ulm 1987

2. Bruch, H., Der goldene Käfig. Das Rätsel der Magersucht, Frankfurt 1987

3. Grunert S., Essen und Emotionen, Weinheim 1983

4. Pudel, V., Westenhöfer J., Ernährungspsychologie. Eine Einführung, Göttingen 1991

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Details

Titel
Eßstörungen als Thema im zeitgenössischen Jugendbuch: Und jeden Tag ein Stück weniger von mir (Gerhard Eikenbusch)
Veranstaltung
Hauptseminar: Eßritual und Identität - Essen in der Literatur
Note
2
Autor
Jahr
1996
Seiten
15
Katalognummer
V94760
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eßstörungen, Thema, Jugendbuch, Stück, Eikenbusch), Hauptseminar, Eßritual, Identität, Essen, Literatur
Arbeit zitieren
Barbara Schauer (Autor), 1996, Eßstörungen als Thema im zeitgenössischen Jugendbuch: Und jeden Tag ein Stück weniger von mir (Gerhard Eikenbusch), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94760

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Titel: Eßstörungen als Thema im zeitgenössischen Jugendbuch: Und jeden Tag ein Stück weniger von mir (Gerhard Eikenbusch)



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