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Goethes Umgang mit der Antike in der "Iphigenie"

Title: Goethes Umgang mit der Antike in der "Iphigenie"

Term Paper , 1997 , 15 Pages , Grade: 1-

Autor:in: Gregor Legerlotz (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Goethes Euripidesvorlage als Zeugnis der antiken Kultur: Thematische Eingrenzung
Wenn man sich mit dem Thema "Goethes Umgang mit der Antike in der ‘Iphigenie’"
befaßt, so läuft man schnell Gefahr, das Augenmerk zuerst auf Antike im Titel zu lenken.
Sicher liegt dies nahe: Goethes Vorlage für seine Bearbeitung des Stoffs, der den
Tantalidenmythos thematisiert, war eins der beiden Iphigeniendramen des Euripides,
dt.: Iphigenie bei den Taurern.
Es geht aber nicht primär um die Antike, sondern um den Umgang damit. Die Arbeit
wird sich daher nicht mit der Antike selbst befassen. Es muß also um das Aufzeigen von
Veränderungen gehen, denn "[es] kann kein Zweifel darüber herrschen, daß sich beide
Werke in ihrer dramatischen Auffassung sehr voneinander unterscheiden." Umgangim
Sinne des Themas ließe sich also mit gezielte Veränderungen paraphrasieren. Der
Umgang mit der Antike wird in der Arbeit kategorisiert. Zuvor sei noch dargelegt, in
welchem Sinne der Antike - Begriff gemeint ist. Dieser steht mit seiner Vielfalt und
Weitläufigkeit der Spezifität des Themas entgegen und muß daher konkretisiert werden.
Aufgrund des großen Zeitabstandes zwischen der Euripideischen Vorlage und der
Bearbeitung des Stoffs durch Goethe zeichnet den Umgang mit Antike immer ein
"ungenügendes Verständnis für antike Realien und Gedankengänge" aus. Die Aussagen
über Antike werden daher unter der Prämisse getroffen, daß das Stück von Euripides
ein Zeugnis der griechischen Kultur ist. Kultur soll in diesem eingeschränkten
Zusammenhang als Interdependenz von Literatur und Gesellschaft verstanden werden.
Die Kategorisierung soll unter folgenden Gesichtspunkten vorgenommen werden:
1. Abweichungen von Euripides
2. Der Einfluß von Goethes religiösen Vorstellungen
3. Goethes Umdeutung der Vorlage im Sinne des Autonomiegedankens

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Goethes Euripidesvorlage als Zeugnis der antiken Kultur: Thematische Eingrenzung

2. Kategorien des Umgangs mit der Antike in der "Iphigenie"

2.1 Abweichungen von Euripides

2.1.1 Bedeutung des Mythos in den beiden Versionen

2.1.2 Die Figuren

2.1.3 Die Götternamen

2.1.4 Die Form

2.2 Der Einfluß von Goethes religiösen Vorstellungen auf den Umgang mit der Antike

2.3 Goethes Umdeutung der Vorlage im Sinne des Autonomiegedankens

2.3.1 Die Autonomie auf der Ebene des Mythos

2.3.2 Die Autonomie auf der Ebene der Figuren

2.3.2.1 Iphigenie und der König

2.3.2.2 Schuld und Sühne des Orest

3. Schlußbetrachtung

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den spezifischen Umgang Johann Wolfgang von Goethes mit der antiken Vorlage des Euripides in seinem Drama "Iphigenie auf Tauris". Ziel der Analyse ist es aufzuzeigen, wie Goethe den Tantalidenmythos gezielt umdeutet, um ihn für ein von aufklärerischem Denken geprägtes Publikum zu adaptieren und dabei das Konzept der individuellen Autonomie in den Mittelpunkt der dramatischen Handlung zu rücken.

  • Analyse der strukturellen und inhaltlichen Abweichungen von der Euripideischen Vorlage.
  • Einfluss von Goethes religiöser Prägung und seinem Pantheismus auf die Gestaltung der Charaktere.
  • Untersuchung des Autonomiegedankens als zentralem Motiv der Aufklärung innerhalb des Dramas.
  • Gegenüberstellung der Figurenkonstellationen bei Goethe und Euripides.
  • Psychologische Begründung der Orest-Problematik und deren Sühne als Akt der Selbstemanzipation.

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Bedeutung des Mythos in den beiden Versionen

Zu den in der Einleitung zur Sprache gebrachten antiken Realien ist etwa der Umstand zu zählen, daß die antike Tragödie aus kultischen Handlungen entstanden ist. Wie, also, geht Goethe mit der kultischen Handlung Tragödie um?

Bei Euripides waren die antiken Mythen noch lebendig. Dies zeigt sich schon in der polytheistischen Gottesvorstellung. Dieser Polytheismus spiegelte sich in den Sagen von den Göttern und in dramatisierter Form wider. Die Sagen wurden von Generation zu Generation tradiert. Die Götter und ihre Taten wurden nicht nur im Inhalt der Tragödien verarbeitet und heroisiert, sondern auch die Tragödie selbst, als Kunstform, geht auf einen Kult zurück:

Als die Tragödie zum erstenmal in das Licht der Geschichte trat, war sie bereits fest eingebunden in den Kult eines Festes, das die Athener [...] zu Ehren des Dionysos feierten. [...] Die Dionysen wurden [im] 6. Jh. [...] zum festen Kultus erhoben und erhielten schon bald ein eigenes Theater[...].

Die Tragödie war in der Antike eine Kunst, weil die Mythen auf diese Weise nachgeahmt wurden und deren Fabeln als Handlung dargestellt wurden. Dies gilt auch für den Tantalidenmythos, den Euripides in seinen beiden Iphigenien -Tragödien behandelt.

Für Goethe ist die antike Kultur nicht mehr lebendig. Er hat damit auch keine Möglichkeit, die Tragödie von ihrem kultischen Ursprung her zu begreifen und zu behandeln. Bei ihm ist die Darstellung des Mythos nur eine Wiederbelebung der Antike. Der Mythos bildet dabei die Fabel für ein Drama. Bei Euripides war der Inhalt des Mythos dagegen Wirklichkeit im Sinne eines historischen Stoffes. Als Fabeln dienten ihm die Inhalte der einzelnen Sagen. Für Goethes Zeitgenossen genügt es, den Tantalidenmythos zu kennen, ohne ihn als realistisch zu begreifen, um die Handlung seiner "Iphigenie" zu verstehen. Goethes Drama braucht also den Mythos nicht nachzuahmen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Goethes Euripidesvorlage als Zeugnis der antiken Kultur: Thematische Eingrenzung: Dieses Kapitel definiert die Herangehensweise an das Thema und grenzt den Begriff "Umgang mit der Antike" als eine Reihe bewusster Veränderungen ein.

2. Kategorien des Umgangs mit der Antike in der "Iphigenie": Hier werden methodische Analyseebenen wie Abweichungen vom Original, religiöse Einflüsse und der Autonomiegedanke als Filter für die mythologische Adaption etabliert.

2.1 Abweichungen von Euripides: Untersucht formale und inhaltliche Unterschiede zwischen der Euripideischen Vorlage und Goethes Stück hinsichtlich Mythos, Figurengestaltung, Götternamen und dramatischer Form.

2.1.1 Bedeutung des Mythos in den beiden Versionen: Erörtert, wie sich die lebendige antike Kultur des Euripides von Goethes distanzierter Wiederbelebung des Mythos unterscheidet.

2.1.2 Die Figuren: Analysiert die symmetrische Figurenkonstellation bei Goethe im Vergleich zur asymmetrischen Struktur bei Euripides.

2.1.3 Die Götternamen: Erläutert die Gründe für Goethes Verwendung lateinischer statt griechischer Götternamen, wie etwa den Einfluss von Ovid und zeitgenössischer Übersetzungen.

2.1.4 Die Form: Diskutiert Goethes Abkehr von den drei Einheiten und die bewusste Entscheidung für einen hohen, an der französischen Tragödie orientierten Stil.

2.2 Der Einfluß von Goethes religiösen Vorstellungen auf den Umgang mit der Antike: Untersucht, wie Pantheismus und das aufklärerische Gottesverständnis als Filter bei der Transformation des antiken Stoffes dienen.

2.3 Goethes Umdeutung der Vorlage im Sinne des Autonomiegedankens: Zeigt auf, dass das Humanitätsideal als Deutungsmuster hinter den zentralen Aspekt der individuellen Autonomie zurücktritt.

2.3.1 Die Autonomie auf der Ebene des Mythos: Argumentiert, dass Goethe den Mythos umgestaltete, um eine Identifikationsfigur für aufklärerische Autonomieansprüche zu schaffen.

2.3.2 Die Autonomie auf der Ebene der Figuren: Überträgt das Autonomiekonzept auf die konkrete Figurenkonstellation im Stück.

2.3.2.1 Iphigenie und der König: Analysiert Iphigenies Autonomieanspruch im Dialog mit Thoas und die gezielte Taktik beim Einsatz der Familiengeschichte.

2.3.2.2 Schuld und Sühne des Orest: Beschreibt Orests Leiden und Heilung als bewussten, selbstbestimmten Akt der Sühne, der ihn vom Götterurteil emanzipiert.

3. Schlußbetrachtung: Führt die Ergebnisse zusammen und bestätigt die These, dass Goethes Bearbeitung als gezielte Transformation eines antiken Stoffes in ein aufklärerisches Autonomiedrama zu verstehen ist.

Schlüsselwörter

Goethe, Iphigenie auf Tauris, Euripides, Weimarer Klassik, Antike, Autonomie, Aufklärung, Tantalidenmythos, Orest, Religion, Pantheismus, Drama, Mythos, Emanzipation, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie Johann Wolfgang von Goethe in seinem Drama "Iphigenie auf Tauris" den antiken Tantalidenmythos von Euripides bearbeitet und transformiert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind der Umgang mit antiken Quellen, die Wirkung aufklärerischer Ideen auf die Stoffbearbeitung, religiöse Einflussfaktoren sowie die literarische Konstruktion von Autonomie.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass Goethe den Mythos nicht als historisches Relikt beibehielt, sondern ihn gezielt umdeutete, um die Titelfigur und Orest als Symbole für individuelle Autonomie innerhalb eines aufklärerischen Weltbildes zu etablieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es wird eine vergleichende Literaturanalyse durchgeführt, bei der Goethes Text systematisch mit dem Euripideischen Vorbild kontrastiert und in den Kontext der Weimarer Klassik und der zeitgenössischen Aufklärung gestellt wird.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in formale Abweichungen, den religiösen Einfluss von Goethes Pantheismus und die detaillierte Untersuchung des Autonomiegedankens in Bezug auf den Mythos und die einzelnen Figuren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Autonomie, Goethes Iphigenie, Euripides, Aufklärung, Pantheismus, Schuld und Sühne sowie die Transformation antiker Stoffe.

Inwiefern spielt der "aufgeklärte Despotismus" eine Rolle bei der Charakterisierung von Thoas?

Die Arbeit zeigt auf, dass Goethe den Taurerkönig Thoas im Gegensatz zu Euripides als besonnenen und menschlichen Herrscher darstellt, was ihn in die Nähe des zeitgenössischen Ideals eines aufgeklärten Monarchen rückt.

Wie unterscheidet sich Goethes Umgang mit den Erinyen von dem bei Euripides?

Während bei Euripides die Erinyen eine reale äußere Bedrohung darstellen, interpretiert Goethe sie als "Objektivation des Gewissens", wodurch Orests Sühne zu einem internen Prozess der psychischen Selbstbefreiung wird.

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Details

Title
Goethes Umgang mit der Antike in der "Iphigenie"
Grade
1-
Author
Gregor Legerlotz (Author)
Publication Year
1997
Pages
15
Catalog Number
V94767
ISBN (eBook)
9783638074476
ISBN (Book)
9783640862542
Language
German
Tags
Goethes Umgang Antike Iphigenie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Gregor Legerlotz (Author), 1997, Goethes Umgang mit der Antike in der "Iphigenie", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94767
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