Aspekte historischer Siedlungs- und Verkehrsgeographie im Leinetal während der römischen Okkupationszeit

Mit 17 Abbildungen


Ausarbeitung, 2020

139 Seiten


Leseprobe

Zum Inhalt

Vorbemerkung

1. Die naturräumlichen Gegebenheiten des südniedersächsischen Berglandes und des Leinetals
1.1 Geologie und Topographie
1.2 Böden
1.3 Hydrologie
1.4 Klima
1.4.1 Rezentes Klima
1.4.2 Klima während der Römischen Kaiserzeit
1.5 Ressourcen und Bodenschätze
1.5.1 Eisenerz
1.5.2 Salz

2. Germanen in Südniedersachsen
2.1 Stämme
2.2 Ethnogenese, Ethnizität und Ethnographie

3. Siedlungsräume und Siedlungswesen während der Römischen Kaiserzeit
3.1 Siedlungswesen, Hausbau und Siedlungsweise
3.2 Landwirtschaft und Handel

4. Frühe Verkehrswege
4.1 Landschaft und Verkehrswege in Germanien
4.2 Okkupationszeitlich genutzte Verkehrs- und Kommunikationsstrukturen im Leinetal
4.3 Unterwegs auf vorgeschichtlichen Wegen

5. Ausblick

6. Katalog römischer Münz-, Metall- und Terra sigillata-Fund im Leinetal

7. Interpretationsansatz zu den Münzfunden in Südniedersachsen, Frank Berger, 2003

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang

Vorbemerkung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit historischen Verkehrs- und siedlungsgeographischen Aspekten im südlichen und mittleren Leinetal während des Zeitraumes, der allgemein als „Römische Kaiserzeit“ bezeichnet wird.

Im Mittelpunkt steht die Rekonstruktion der damaligen Hauptverkehrswege, die auch von den römischen Invasoren während der Okkupationsphase in Germanien (12 v. Chr. bis 16 n. Chr.) benutzt worden sein können. Diese Verkehrswege scheinen während der nachfolgenden Phasen römischer Präsenz in diesem Gebiet weiter ausgebaut und gesichert worden zu sein.

Grundlage für diese Annahme bieten die aspektreichen Arbeiten von Dr. Klaus Grote1 über den römischen Stützpunkt Hedemünden und seiner Lage im damaligen Verkehrs- und Kommunikationsnetz dieser Region.

Da die Verkehrs- und Kommunikations - Infrastruktur auch damals nicht ohne einen Bezug zu den Siedlungen der hier lebenden Menschen betrachtet werden kann, erfolgen auch Hinweise auf das Siedlungswesen und die Siedlungsstruktur im Leinetal, die im Zusammenhang mit den Verkehrsleitlinien gesehen werden müssen. Anregungen und wertvolle Ergebnisse schöpfte ich dabei u. a. aus den Arbeiten von Schmidt (2002) und Fuhrmann (2012).

Die Lage der Siedlungen im Gelände, der Bezug zu anderen Siedlungen und den Verkehrswegen sowie Aspekte der Auswahl der Siedlungsplätze wie Wasser, Böden, Topographie usw. waren besonders zu berücksichtigen.

Deutlich werden soll, dass Germanien in der Römischen Kaiserzeit eher durch offene Landschaften geprägt war als durch dichte Wälder, Sümpfe und Moore, die nur in bestimmten Regionen des Landes kennzeichnend waren. Zum anderen soll klar werden, dass es ein enges Netz von Wegeverbindungen und regelrechte Fernstraßen in der damaligen Landschaft gab, die teilweise weit in die urgeschichtliche Vergangenheit hineinreichen.

Ich hoffe, dass zukünftige genauere Untersuchungen der dargestellten Trassierungen detailreichere und direkt verifizierbare Ergebnisse bringen werden.

Weiterhin sollte der Spur der römischen Schuhnägel auch in Südniedersachsen weiter gefolgt werden.

1. Die naturräumlichen Gegebenheiten des südniedersächsischen Berglandes und des Leinetals

1.1 Geologie und Topographie

Als südniedersächsisches Bergland soll die Gruppe von Erhebungen zwischen der oberen Ems und dem Harz zusammengefasst werden, in der sich die verschiedenen Phasen der saxonischen Orogenes besonders intensiv, als eine Rahmenfaltung zwischen dem rheinischen Block und den sächsisch-thüringischen Grundgebirgsschollen geäußert haben. Entgegen dem variskischen Streichen des Grundgebirges ist die vorherrschende Richtung der jüngeren Bewegungen die herzynische, und diese machten sich nach der oligozänen Transgression auch noch in einer posthumen Großfaltung mit sehr weit gespannten Aufwölbungen und Einmuldungen, aber auch in Brüchen und Querwellungen rheinischer Richtung geltend, die erst für die Ausformung des Oberflächenbildes maßgebend geworden sind. Die ältere Struktur wirkt sich vor allem durch die oft recht steile Schichtstellung aus, die bei dem Wechsel harter und weicher Schichten wohl schon im Alttertiär zur Herausarbeitung von Schichtkamm- und Schichtstufenlandschaften geführt hat.2

Die Gruppe beginnt als Weser- oder Westfälisches Bergland rechts der Ems mit der horstartig emporgepressten und zerstückelten Karbon-Zechstein-Insel von Ibbenbüren. Von hier streichen von OSO und SO zwei schmale Schichtkämme, die sich gegen O immer mehr voneinander entfernen und die Liasmulde von Herford mit dem Becken der Werre einschließen: im N der nach N sich sanft senkende Dogger-Malm-Kalkkamm des Wiehengebirges (320 m), jenseits des antezedenten und epigenetischen Weserdurchbruchs fortgesetzt im Wesergebirge (336 m), dem die Wealdensandsteinstufe der Bückeberge (270 m) vorgelagert ist, im S der Osning oder Teutoburger Wald (386 m), in dem an einer steilen, nach S gerichteten Überschiebung die Schichtstufen von Muschelkalk und Kreidesandstein die Steilabfälle einander zukehren. Aus der Kreide sind noch sekundäre Kämme herausgearbeitet; auf ihrer Verwitterung beruht auch die auffallend große Verschüttung der Täler und Randzonen durch Sande. Die südliche Fortsetzung des Osning bildet das Egge-Gebirge.

Gegen SO hebt sich aus der Werre-Mulde der Pyrmonter Sattel mit den Formen einer stark gestörten Trias-Dogger-Schichtstufenlandschaft (450 m) und Reliefumkehr heraus, wohl ein Auslaugungsbecken der Zechsteinsalze mit Salztektonik. Der an sich schon sehr komplexe Aufbau des niedersächsischen Berglandes wird durch den Aufbruch von Zechsteinsalzen durch das Deckgebirge noch weiter kompliziert. In geologischen Schwächezonen steigen Salze auf und drängen dabei die Schichten des Deckgebirges empor. Zahlreiche Bergformen sind auf diese Salzaufbeulungen zurückzuführen, wie etwa im Hildesheimer Wald. Im südlichen Niedersachsen überwiegen nur wenig geneigte Schichttafeln. Der Grund dafür liegt in den Salzstöcken von geringer Mächtigkeit, die zur Herausbildung von Schichtstufen führten. Nördlich der Linie Osterode-Einbeck-Bad Pyrmont finden sich vermehrt starke Schichtverstellungen in Folge von salindynamischen Prozessen.

Zwischen Weser und Leine liegt das ostfälische oder Leine-Bergland, eine Schar kleiner, geschlossener, aber auch wieder stark gestörter Anti- und Synklinalen in kulissenförmiger Anordnung, aus denen die Abtragung wieder kleine Schichtstufenlandschaften herausgeschält hat: die Jura-Kreide-Aufwölbung des Deister (405 m) und die Mulde des Süntel (485 m), in ihrer Fortsetzung die langgestreckte und besonders reich an Stufen gegliederte Mulde des Ith und Hils (497 m), die infolge nachträglicher Schrägstellung nach NO entwässert, dann jenseits einer schmalen Sattelzone das Becken von Einbeck und bereits mit nahezu N-S-Streichen die große, allseits von einer Schichtstufe des Muschelkalks umgebene, stark zerbrochene Buntsandsteinaufwölbung des Solling (528 m) mit dem Tertiärbecken von Uslar, rechts der Weser.3

Zwischen unterer Werra und Fulda und in der gleichen Wölbungszone liegt der Kaufunger Wald mit dem Basaltschlotberg des Bilsteins (672 m). Die Weser fließt nach der Vereinigung ihrer Quellflüsse zwischen den Buntsandsteinflächen des Bramwaldes (408 m) zur rechten und des Reinhardswaldes (472 m) zur linken, dann in einem am Westrand des Solling im Röt breit ausgeräumten Tal , zur linken von der Muschelkalkstufe begleitet. Zwischen Holzminden und Bodenwerder durchbricht sie die Muschelkalkplatte in großen Windungen. Dann folgt wieder ein breites Tal im Keuper und Lias, mit dem interglazialen Umlaufberg von Bodenfelde, worauf die Weser nach einer Wendung nach W und begleitet vom Süntel in die Porta Westfalica tritt. Die ganze Talanlage ist wohl epigenetisch auf einer Tertiärdecke angelegt, der Durchbruch ein Gebiet besonders starker Hebung, wo die obersten, pliozänen Terrassen bis 165 m über dem Fluss liegen.

Der östliche Flügel des Gewölbes ist zugleich der Westrand des Göttinger Muschelkalkplateaus (380 m), das sich jenseits der Leine im Göttinger Wald (350 – 400 m) bis zum Eichsfeld fortsetzt. Dazwischen ist der Göttinger Leinetalgraben eingebrochen, ein Glied der großen rheinisch streichenden Senkungszone Mjösen-Mittelmeer. Seine erste Anlage fällt schon in den oberen Jura, seine Weiterbildung ins Oberoligozän, doch wurde das dadurch geschaffene Relief bald wieder ausgeglichen und in flachen Einsenkungen im Altpliozän, zwischen Pliozän und Pleistozän wiederholten sich die Bewegungen im gleichen Sinne, sodass sich namentlich die pliozäne Muschelkalk-Landoberfläche mit einer scharfen Bruch- und Flexurstufe über die Grabensohle erhebt. Der Leinegraben erstreckt sich etwa 48 Kilometer lang in ungefähr N-S Richtung entlang des Flusses von Arenshausen über Friedland, Göttingen und Northeim bis Einbeck. Der bis 8 Kilometer breite Kerngraben zwischen Friedland und Northeim zeichnet sich durch besonders markante Bruchränder aus und ist etwa 34 Kilometer lang. Eine Einengung auf zwei Kilometer bei Nörten-Hardenberg teilt ihn in den Göttinger Leinegraben im S und den Northeimer Leinegraben im N. Bei Einbeck geht der Leinegraben nach NO ziehend in die Leine-Ilme-Senke mit dem Markoldendorfer und Dasseler Becken über.4 Unmittelbar O von Einbeck verlässt die Leine die Niederung durch ein Durchbruchstal zwischen Salzderhelden und Kreiensen. Der Leinegraben ist mit Löss bedeckt und ermöglichte bereits in neolithischer Zeit eine ertragreiche Landwirtschaft.5 Im oberen Pliozän bestand noch ein Lauf der Werra über die Eichenberger Talwasserscheide zum Leinegraben, gleichzeitig ein Fuldalauf vom Kasseler Becken nach NO ins Harzvorland, der dann von der Oberweser her angezapft wurde. Östlich der Leine liegt weiter abwärts die zerschnittene Gronau-Alfelder Kreidemulde (395 m) und jenseits davon die bogenförmig gekrümmte Triasstufe des Hildesheimer Waldes (356 m).

Östlich der Leine erhebt sich die paläozoische Gebirgsinsel des Harzes allseits deutlich über niedriges Hügelland heraus. Über dem intensiv in NO-Richtung gefalteten, in Schuppen übereinander geschobenen und von Granit- und Gabbrointrusionen durchdrungenen Grundgebirge folgt Rotliegendes mit Melaphyr- und Porphyrlaven und –gängen, im nördlichen Vorland transgrediert über stark gestörtem älteren Mesozoikum die obere Kreide. Die erste Heraushebung des Harzes geschah also schon frühkretazisch, begleitet von einer Überschiebung über das nördliche Vorland, die subherzynische Kreidemulde, und diese Bewegungen wiederholten sich längs des im allgemeinen WNW-OSO streichenden, aber von vielen zickzackförmigen Einbuchtungen gegliederten Nordrandes in der Oberkreide. Im Tertiär bestanden die Bewegungen im Wesentlichen in einer asymmetrischen Aufwölbung mit Kippung der Scholle nach SW und zugleich nach O und Brüchen am West- und Nordrand, wobei auch die Kreide des nördlichen Vorlandes gestört und leicht gefaltet wurde. Der Nordabfall ist daher eine recht eindrucksvolle, bis 500 m hohe Bruchstufe, die gegen O in eine Verbiegungsstufe übergeht und als solche ausklingt; rheinische Brüche begrenzen den Harz im W gegen das Perm-Hügelland östlich der Leine. Im O dacht sich der Unterharz zur Mansfelder Mulde, im S zur Perm-Trias-Stufenlandschaft nördlich der Helme ab (Bild 1).6

1.2 Böden

Der nachstehende bodenkundliche Überblick folgt im Wesentlichen den Ausführungen von Schmidt.7

Böden bilden sich als Verwitterungs- und Umwandlungsprodukte an der Oberfläche der festen Erdkruste im Durchdringungsbereich von Atmo-, Litho-, Hydro- und Biosphäre. Die Bodenarten und –typen sind im Wesentlichen vom Wechsel der Ausgangsgesteine abhängig, die je nach Alter und Ausbildung an die Oberfläche treten. Die Bodengütekarte bzw. Bodenschätzungskarte8 zeigt den aktuellen Bodenzustand; der Bodenzustand um Chr. Geb. lässt sich nicht mit Gewissheit ermitteln, sondern nur abschätzen.9

In den Lössbörden und in den lössverfüllten Becken des Berglandes herrschen Parabraunerden mit hohen Bodenwertzahlen vor (zwischen 70-90 Punkten von insgesamt maximal 100 möglichen Punkten). Zum Teil lassen sie sich dort auf Schwarzerden zurückführen, die im Frühholozän unter kontinentalem Klima gebildet wurden und deren Humusanreicherungen und Karbonate im Laufe des Holozäns ausgewaschen wurden. Die Verbreitung von Schwarzerden ist an Löss oder lössähnliche Sedimente als Untergrund gekoppelt. Das größte zusammenhängende Schwarzerdegebiet erstreckt sich zwischen Hildesheim, Sarstedt, Rethen und Ilsede-Lahstedt. Bei den Schwarzerden der niedersächsischen Lössbörden handelt es sich im Wesentlichen um mehr oder weniger degradierte, pseudovergleyte Böden, d.h. staunasse Lössböden über Ton oder Geschiebelehm haben die Lessivierung der Schwarzerde zu Parabraunerde verhindert. Die steinfreien Schwarzerden erreichen aufgrund ihres krümeligen, gut belüfteten Gefüges und ihres hohen Speichervermögens für Pflanzennährstoffe die Spitzenwerte der Bodengüte. Der höchste Wert von 100 Punkten wurde bei Harsum, Ldkr. Hildesheim ermittelt. An Standorten mit niederschlagsreicher Witterung, besonders in ebenen Lagen und Tälern, neigen diese Böden zu länger anhaltender Nässe, was zu Ertragseinbußen führen kann. Im Extremfall können diese Böden für den Ackerbau völlig ausfallen und nur als Grünland genutzt werden. Die einstmals mit Wald bestandenen Böden sind heute wegen der ausgezeichneten Bodenwerte restlos Kulturflächen geworden.

Die zahlreichen Gesteinsarten des Berglandes ergeben einen kleinräumigen Wechsel der verschiedensten Böden. Von noch relativ guten Parabraunerden und Braunerden reicht das Spektrum bis zu den weniger guten bis schlechten Böden wie Gley, Pseudogley, Ranker und Rendzinen.

Lössverwitterungsböden wie Schwarzerden kommen innerhalb des Berglandes in nur geringer flächenhafter Verbreitung vor, im Regenschattengebiet des Leinetals bei Gronau oder bei Göttingen treten kleine Schwarzerdeinseln auf, vereinzelt auch im gleichfalls regenarmen Vorland des Harzes. Parabraunerden haben ihren Verbreitungsschwerpunkt in den Lössbörden und in den lössgefüllten Becken des Berglandes. Sie weisen je nach Ausgangsgestein und Verwitterungsgrad sehr unterschiedliche Eigenschaften und Nutzungsmöglichkeiten auf. So können Parabraunerden über Sand stark austrocknen, zudem enthalten sie nur wenige Nährstoffe. Sie sind daher nur mäßig gute Ackerböden, auf denen früher vor allem Roggen angebaut wurde. Parabraunerden auf Löss oder Sandlöss besitzen gute bis sehr gute Bodenwerte, sie neigen allerdings in Hanglagen zu erhöhter Erosion. Kolluvium, d.h. abgespültes, mehr oder weniger humoses Material, findet sich auf den Unterhängen bzw. am Hangfuß. Bei erhöhter Bodenfeuchte treten pseudovergleyte Parabraunerden auf. Innerhalb des Berglandes bedeckt der Löss die Becken, Talungen und Berghänge bis 300 oder 400 Meter Höhe.

In den Lössgebieten Niedersachsens kam es seit der Bronzezeit infolge von Ackerbau und Waldrodungen zu ersten Ablagerungen von Auelehm. Mit der sich erweiternden Landwirtschaft und der verstärkten Anwendung des Pfluges ging eine vermehrte Rodung der Wälder einher.

Die freigewordenen, offenen Böden in den Hanglagen waren anfälliger für flächenhafte Bodenabspülungen. Die tonig-lehmigen Partikel setzten sich als Auelehm über den sandig-kiesigen Ablagerungen der Talböden ab. Aber erst die mittelalterlichen Rodungen hatten schwerwiegende Folgen, da vermehrt auch die schweren Böden in starken Hanglagen beackert wurden. Auch heute noch wird Auelehm gebildet, wenngleich durch Flussregulierungen, Eindeichungen und andere wasserwirtschaftliche Maßnahmen seltener und in geringeren Mengen. Das Leinetal besitzt eine durchgehende Auelehmdecke10, die über die Aller bis zur Weser reicht. Die Auelehmböden entlang der großen Flüsse sind vielfach als reines Lössderivat ausgebildet und erreichen Bodenwertzahlen von bis zu 85 Punkten. Die Nutzung der Auenböden hängt allerdings vom Bodenwassergehalt ab. Bei häufigen Überflutungen und starker Staunässe haben dort heute Grünflächen Vorrang vor dem Ackerland.

Braunerden werden auf mittelgründigen oder fehlenden Lössauflagen gebildet, aber auch nach weitgehender oder vollständiger Abtragung durch Erosion der Lössunterlage. Sie finden sich daher besonders auf trockenen und hängigen Lagen. Da sie nur einen geringen Nährstoffgehalt aufweisen, bleiben Braunerden heutzutage in der Regel der Forstwirtschaft überlassen. Podsole finden sich im Berg- und Hügelland auf sauren, durchlässigen und nährstoffarmen Verwitterungsdecken über quarzreichen Festgesteinen wie Sandstein, Quarzit und Granit. Diese Böden besitzen durch ihre Nährstoffarmut und hohen Bodensäuregrad nur eine geringe Ertragskraft, und werden deswegen in der Regel nur extensiv, z.B. als Weideland, bewirtschaftet. Sandiger Podsol findet sich auch am nördlichen Rand der Lössbörden am Übergang zur niedersächsischen Geest, etwa südlich von Hannover.

Verwitterungsböden auf Festgestein wie Rendzinen, Ranker und Regosole finden sich im Bergland an den Steilhängen und in Kamm- und Kuppenlagen. Diese drei Bodentypen repräsentieren jeweils ein frühes Stadium der Bodenentwicklung mit geringer Horizontierung auf jeweils unterschiedlichem Ausgangsmaterial. Wegen ihrer Flachgründigkeit, Steinigkeit und Trockengefährdung sind diese Bodenarten für den Ackerbau ungeeignet und daher zumeist bewaldet oder als Grünland genutzt. Rankerböden sind in ebener Lage mäßige bis mittlere Ackerböden, in Hanglagen ist nur Grünland- oder Waldwirtschaft möglich.

Karbonatverwitterungsböden wie Rendzinaböden sind typisch für basenreiche Ausgangsgesteine wie Kalk-, Dolomit-, Gips- und Mergelgestein sowie für kalkreiche Schuttflächen. Diese fast ausschließlich schweren, tonreichen Böden finden sich in den Steilhang- und Kammlagen von Wesergebirge, Süntel, Kleiner Deister, Nesselberg, Osterwald, Ith, Thüster und Duinger Berg, Sieben Berge, Hainberg sowie in den Hochlagen des Göttinger Waldes. Gips- und Dolomitverwitterungsböden sind auf die Schichtstufenlandschaft des Südharzer Zechsteingürtels und auf einige wenige weitere Flächen, z.B. bei Stadtoldendorf, beschränkt.

Silikatverwitterungsböden, wie wenig tiefgründige Rankerböden, bilden sich dagegen auf sauren, kalkfreien Ausgangsgesteinen wie Sandstein, Quarzit, Grauwacke, Tonschiefer, Granit und Gneis. Im südniedersächsischen Berg- und Hügelland finden sich diese Böden hauptsächlich auf den sandigen bis tonig-feinsandigen Gesteinen des Buntsandsteins, des Keupers, des Jura und der Kreide, also im Solling, Bramwald und auf den Sandsteinkuppen des Eichsfeldes. Im Hils und auf den Kämmen von Deister und Bückeberg kommen diese Böden auf den Sandsteinen der Unterkreide vor.

Stau- und Grundwasserböden finden sich hauptsächlich entlang der Wasserläufe, in Mulden und Quellmulden. Sie sind landwirtschaftlich nur bedingt nutzbar. In erster Linie ist dies abhängig von der Dauer und Intensität der Vernässung. Dabei spielen die Höhenlage des Geländes, die Schwankungen des Grundwasserspiegels sowie die Beweglichkeit des Wassers im Boden eine Rolle. Böden mit hoher Wasserspeicherkapazität neigen zur lang anhaltenden Vernässung, was lediglich Weidewirtschaft zulässt. Bei ausreichender Drainierung ist Ackerbau allerdings möglich.

Pollenanalytische Untersuchungen ergaben für die Zeit um Christi Geburt die Bestockung mit einem Buchenmischwald mit teilweise hohem Eichenanteil (Eichen - Hainbuchenwälder). Bergwälder konnten für die höheren Lagen nachgewiesen werden.11

1.3 Hydrologie

Das südniedersächsische Berg- und Hügelland besitzt ein recht dichtes Gewässernetz. Die Muschelkalkflächen des Göttinger Waldes, die Dransfelder und die Ottensteiner Hochfläche sowie die Sandsteinpakete des Solling weisen dagegen die geringste Flussdichte auf. Der größte Fluss Südniedersachsens ist die Weser, die bei Hannoversch Münden aus dem Zusammenfluss von Fulda und Werra entsteht. Der bedeutendste Fluss in Südniedersachsen ist die Leine. Sie entspringt nördlich von Leinefelde in Thüringen; über Friedland, Göttingen und Northeim bis Einbeck verläuft der Fluss in einem mehrere Kilometer breiten Graben. Nördlich von Salzderhelden verengt sich das Leinetal auf eine Breite von etwa 300 Meter. Bei Sarstedt an der Mündung der Innerste beginnt der Unterlauf der Leine, der sich tief in den sandigen und kiesigen Untergrund eingeschnitten hat. Innerste und Rhume sind die größten Nebenflüsse der Leine. Oder und Sieber sind wiederum die wichtigsten Nebenflüsse der Rhume. Die Wasserführung der Leine ist sehr unausgeglichen. Besonders im Mittel- und Unterlauf ist der Pegel zwischen niedrigen und hohen Wasserständen recht groß.

Neben den genannten Flüssen finden sich viele kleinere Flüsse und Bäche, die in den meisten Fällen aber nicht mehr ihren ursprünglichen Verlauf haben, da sie verrohrt, begradigt, kanalisiert oder umgelegt sind.

Brunnenfunde der Römischen Kaiserzeit sind außerordentlich selten. Die Siedler im Leinetal waren auf fließende Gewässer angewiesen.

Die Grundwasservorkommen sind in den Talniederungen des Berg- und Hügellandes, sowie in den nördlich anschließenden Lösszonen als gering einzuschätzen. Lediglich an den großen Flüssen, wo große Schotter- und Kiespackungen gebildet wurden, finden sich vermehrt Grundwasservorkommen, so bei Northeim, Einbeck, Holzminden oder Höxter.

In der Nähe von Salzstöcken ist es nicht ausgeschlossen, auf salziges Grundwasser zu stoßen. Für die Trinkwasserversorgung ist dies als negativ zu bewerten, doch bietet Salz auch die Möglichkeit, wirtschaftlich betrachtet, Gewinne zu machen und Reichtum zu erwerben.

So berichtet Tacitus12 von einer Auseinandersetzung zwischen den Stämmen der Chatten und Hermunduren, bei der es um den Besitz von Salzquellen ging.

Archäologische Nachweise aus der Römischen Kaiserzeit für die Nutzung von Salzquellen liegen nicht vor.13 Im Jahre 1173 soll der Sage nach die Salzquelle von Salzderhelden entdeckt worden sein.

Salzstöcke sind aus dem nördlichen Innerste-Bergland, vor allem um Bad Salzdetfurth (elf Salzquellen), aus Salzderhelden und Sülbeck bekannt.

1.4 Klima

1.4.1 Rezentes Klima

Das Klima in Niedersachsen ist subozeanisch. Es steht vermittelnd zwischen dem sehr wintermilden ozeanischen Klima Nordwesteuropas und dem durch kältere Winter, höhere Sommertemperaturen sowie geringere Niederschläge gekennzeichneten Klima des östlichen Mitteleuropa.14

Der größte Teil des südniedersächsischen Gebietes kommt auf 600 bis 800 mm Niederschlag im langjährigen Mittel, nur um den Harz und das Weserbergland liegen die Niederschlagsmengen leicht erhöht bei 800 bis 1000 mm. Ausgeprägte Regenschattengebiete unter 750 mm und zum Teil sogar unter 600 mm finden sich im Weser- und im Leinebergland (so im Bramwald, der Dransfelder Hochfläche und dem Eichsfelder Becken) sowie im nordöstlichen Bergvorland, zum Beispiel in der Hildesheimer Börde. In diesen Gebieten wird verstärkt kontinentales Klima wirksam.15 Der Harz und andere quer zur Strömungsrichtung der Luftmassen verlaufende Höhenzüge des Berglandes wirken als Regenfänger, die daraus resultierenden Regenmengen ergeben dabei bis zu 1400 mm Niederschlag im Jahr. Im Jahresverlauf finden sich die meisten Niederschläge im Juli/August (Sommer), Februar und März dagegen sind die Monate mit den geringsten Niederschlägen.

Der Wind weht zumeist aus west- und südwestlichen Richtungen. Im Sommer bringen auch Nordwestwinde verstärkt Regen mit sich. Aufgrund von Föhnerscheinungen ist das Gebiet zwischen der Porta Westfalica und Holzminden wärmebegünstigt, weil es durch die Fallwinde zu Temperaturerhöhungen kommt.

Auch das Leine- und das Innerste-Tal gehören zu den Föhntälern. Die Lufttemperatur beträgt in ganz Niedersachsen im Jahresmittel 8 bis 9 Grad Celsius, wobei die Temperatur im Bergland etwa 0,6 Grad Celsius pro 100 m Höhe abnimmt. Die mittlere Temperatur im Januar beträgt +0,2 Grad Celsius, im Juli +17,5 Grad Celsius. Wichtiger und aussagekräftiger als Temperaturmittel sind allerdings die absoluten Werte, die sich zum Beispiel in der Zahl der frostfreien Tage dokumentieren. Die Frostgefährdung hängt nicht nur von der absoluten Höhe ab, sondern steht in enger Beziehung zur Entfernung vom Meer, zur Bodenart, Bodenbedeckung und Bodenfeuchte. So sind trockene und sandige Flächen frostanfälliger als Lehmböden. 180 bis 200 Tage frostfrei ist das Gebiet südlich von Hannover längs der Leine bis etwa nach Gronau und in östlicher Richtung bleibt auch das Gebiet der Bördenlandschaft frostfrei. Gleiches gilt für das Eichsfeld. Fast das gesamte übrige Gebiet Südniedersachsens hat 160 bis 180 frostfreie Tage im Jahr, das Gebiet des Harzes naturgemäß weniger als 160 Tage.

Die Nachbarschaft des Meeres bedingt also einen ausgeglicheneren Jahrestemperaturverlauf mit abgeschwächter Sommerwärme, milden Wintern, hoher Luftfeuchtigkeit, reichlicheren Niederschlägen und vorwiegend westlichen Winden. Das Klima speziell in Südniedersachsen besitzt einen kontinentalen Einschlag.16

1.4.2 Klima während der Römischen Kaiserzeit

Die Römische Kaiserzeit (etwa 27 v. Chr. bis 476 n. Chr.) fällt in den mittleren Abschnitt der Nachwarmzeit des Subatlantikums. Das heutige Klima (Subatlantikum II) lässt sich mit dem Klima vor zweitausend Jahren (Subatlantikum I) in etwa vergleichen, wobei die Ältere Römische Kaiserzeit tendenziell etwas wärmer und trockener war, während die fortgeschrittene Jüngere Römische Kaiserzeit ein kälteres und feuchteres Klima aufwies.17 Die relative Gunst oder Ungunst der einzelnen Regionen, wie sie sich für die Gegenwart feststellen lässt, ist trotz dieser Unterschiede etwa vergleichbar.

Das Klima um Christi Geburt und in den folgenden zwei Jahrhunderten wird bisher meist als siedlungsgünstig eingeschätzt, wenn auch Datierungsunsicherheiten genauere Aussagen manchmal erschweren.18 Ein sehr präzise bestimmter Datensatz, der klare Rückschlüsse auf die großräumige Klimasituation ermöglicht, ist von Schmidt und Gruhle (2006) vorgestellt worden (Bild 2). Für diese Zeitreihe der Homogenität des Baumwachstums in Zentraleuropa wurden alle verfügbaren dendrochronologisch datierten Hölzer zusammengestellt und daraufhin analysiert, ob Änderungen in der Jahresringbreite identische Muster zeigen oder ob sich lokale bzw. regionale Wuchsanomalien abbilden. Homogene Wachstumsbedingungen für Bäume können nur durch großräumig gleichmäßige Niederschläge geschaffen werden, ohne eine Unterbrechung des Wachstums durch regionalen Trockenstress. Ein hoher Korrelationskoeffizient zwischen den Baumringdicken weist daher auf ein ausgewogenes mildes Klima mit ständiger Verfügbarkeit von Wasser, das heißt auf regelmäßige Niederschläge, hin. Nach Bild 2 wird die Zeitspanne zwischen etwa 40 v. Chr. und 180/190 n. Chr. in Zentraleuropa durch ein für die Landwirtschaft günstiges feuchtwarmes Klima ohne stärkere Wetteranomalien bestimmt. Am 180/190 n. Chr. verschlechtert sich das Klima und die Erntemengen im römischen Reich und auch in der Germania verringern sich. Mit Beginn der Krisenzeit des Reiches nach dem Limesfall um 260 n. Chr. erreichen die Germaneneinfälle einen Höhepunkt, mit die verheerendsten Kriegsszenarien sind aus der Mitte und der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts überliefert. Die Einfälle der Germanen während dieser Dekaden werden von vielen Autoren mit Klimaänderungen in Verbindung gebracht. In der Homogenitätskurve neigt sich jedenfalls um etwa 240 n. Chr. die milde und feuchte Gunstphase eindeutig ihrem Ende zu. Nach den ersten Germaneneinfällen veränderten sich Besiedlungs- und Wirtschaftsstruktur in weiten Teilen Europas.. Bald darauf beginnt die sogenannte Völkerwanderungszeit.

1.5 Ressourcen und Bodenschätze

1.5.1 Eisenerz

Mitte der achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts konnten erstmals Vermutungen bewiesen werden, wonach im Westharz schon weit vor dem Mittelalter intensiver Bergbau betrieben wurde. Montanarchäologisch-archäometallurgische Forschungsergebnisse belegen, dass hier schon mindestens seit dem 3. Jahrhundert Iberger, Rammelsberger und Oberharzer Erze über relativ weite Strecken transportiert und anfangs vorwiegend am Harzrand verhüttet wurden.19

Neuere geochemische Untersuchungsergebnisse an datierten Auensedimenten decken sich mit Vermutungen über bronzezeitlichen Bergbau im Mansfelder Land und im nordöstlichen Harz.20 Obwohl dahingehend bisher nur indirekte Hinweise vorliegen, ist zumindest für Teile des Unterharzes ein ähnlich früher Beginn der Montanaktivitäten anzunehmen. In frühgeschichtlicher Zeit beschränken sich die Bergbauaktivitäten auf kleinere, oberflächennahe Tagebaue in besonders leicht zugänglichen und hochkonzentrierten Lagerstätten. Die Aufbereitung erfolgte per Hand und die Verhüttung in kleinen, saisonal betriebenen Rennfeuern bzw. – öfen auf windexponierten Hochflächen meist an Bachoberläufen in unmittelbarer Nähe der Lagerstätten. Die geringen Abbautiefen und Fördermengen bewirkten nur kleinräumige Veränderungen in der Umgebung der Erzquellen. Inwieweit die Völkerwanderungszeit (4. bis 6. Jahrhundert) eine Zäsur der geringen Bergbauaktivitäten (außerhalb der ehemaligen römischen Einflusssphäre) in Mitteleuropa zur Folge hatte, ist unklar. Im Westharz scheint der Buntmetallbergbau in dieser Zeit kontinuierlich weiterbetrieben worden zu sein.

Stephan und Werben21 weisen in ihrer Arbeit über die frühgeschichtliche Siedlung Markoldendorf zwar darauf hin, dass der Harz reiche Eisenerzvorkommen aufweise, im südniedersächsischen Altsiedelland das Eisenerzvorkommen von Markoldendorf (Steinberg) aber von einzigartiger Güte sei. Hier wurde hochwertiges Erz bis zum Jahre 1948 abgebaut.

Das in der Grube Steinberg und im Solling abgebaute Eisenerz ist eine Ablagerung aus der Zeit des Unteren Jura (Lias) und entstand vor etwa 200 Millionen Jahren. Zu dieser Zeit war Norddeutschland von einem flachen Meer bedeckt, das im Süden von der Herzynisch-Böhmischen und von der Rheinischen Landmasse begrenzt wurde. Zwischen beiden bestand nach Süden, zum Fränkisch-Schwäbischen Becken (einem Randmeer des damals größeren Mittelmeeres) eine Meeresverbindung, die von Geologen als „Hessische Straße“ bezeichnet wird. In das flache Meer transportierten Flüsse vom Festland feinkörniges Verwitterungsmaterial, das sich überwiegend als Ton auf dem Meeresgrund ablagerte. Der vorhandene Eisengehalt konzentrierte sich im Sediment zu Toneisensteingeoden, zentimeter- bis kopfgroßen harten Knollen von rostbrauner Färbung.22 In einem küstennahen Meeresbereich, der an der Einmündung der Hessischen Straße sehr ausgedehnt war und vom nördlichen Harzvorland bis zur sogenannten Solling-Schwelle reichte, kam es stellenweise zur Anreicherung von abbauwürdigem Eisenerz. Dies geschah dann, wenn in Folge tektonischer Hebung des Meeresbodens die abgelagerten Sedimente wieder abgetragen bzw. aufgearbeitet wurden. Das tonige Material wurde von Grundströmungen weggeführt, die Geoden wurden in Form untermeerischer Lesedecken angereichert und blieben als sogenanntes Trümmererz liegen.23 Zusätzlich wurde Eisen in beträchtlicher Menge im Meerwasser gelöst und schließlich so konzentriert, dass es im Bereich stärkerer Wasserbewegungen in Form kleiner konzentrisch-schaliger Kügelchen, sogenannte Ooide, ausfiel. Durch die Verfestigung der Sedimente im Laufe geologischer Zeiträume entstand daraus der Eisenoolith. Häufig kamen Geodentrümmer und Ooide gmeinsam zur Ablagerung. Man spricht dann von Mischerz, in dem stellenweise auch Fossilien, besonders Belemniten, zusammengespült wurden.

In zwei Zeitabschnitten kam es nach Jordan24 im Lias in Norddeutschland zur Ablagerung abbauwürdiger Eisenerze:

a. im Unter-Sinemurium (Lias 3), abgebaut in der ehemaligen Grube Friederike bei Bad Harzburg;
b. im Carixium, abgebaut zum Beispiel in den ehemaligen Gruben Ernst August in Rottdorf, Friederike in Echte, Marie-Luise in Holtensen bei Göttingen und schließlich am Steinberg in Markoldendorf. Hier tritt ein bis 14 Meter mächtiger, gelblich bis rotbraun verwitternder oolithischer Erzhorizont auf.

Das geförderte Erz enthielt durchschnittlich 23,46% Eisen, 22,4 % CaO, 0,34 % Mn und 0,20 % P. Markoldendorf gehörte während der Römischen Kaiserzeit zu den vier zentralen Orten im Einbecker Becken und Stephan und Werben25 gehen davon aus, dass der unmittelbar nördlich von Markoldendorf gelegene Steinberg seit alters her eine der über die sehr guten agrarischen und verkehrsgünstigen Standortbedingungen (Lage am Hellweg) hinausgehenden Ursachen für die Siedlungsplatzwahl und die Ortskonstanz in den Zeiten seit Christi Geburt bis in das Mittelalter gewesen ist.

1.5.2 Salz

Der genaue Beginn der Salzgewinnung in Südniedersachsen ist nicht genau festzulegen. Möglicherweise haben bereits neolithische Gemeinschaften Salzgewinnung betrieben und mit diesem Produkt regen Handel getrieben. Entsprechende Siedlungsfunde, die eventuell bis in die Römische Kaiserzeit reichen, in der Nähe des Salzderheldener Salzbrunnens, lassen eine solche Vermutung durchaus möglich erscheinen.

Da Salz aber nicht in allen Gebieten zur Verfügung stand, wurde dieser Rohstoff gelegentlich wohl auch über weitere Gebiete verhandelt.

Erste Nachweise zumindest bronzezeitlicher Salzgewinnung sind aus dem Saalegebiet um Halle bekannt. In diesem Raum, aus dem auch für spätere Zeiten die Nutzung von Salzquellen bekannt ist, wurden zahlreiche verschiedenartige Tongefäße und Tonstützen gefunden, die unter der Bezeichnung „Briquetage“ zusammengefasst werden. Sie dienten beim Sieden der Sole und beim Trocknen des Salzes als Stützen für Siedegefäße, die im Fundgut der Siedlungen von Vorratsgefäßen kaum zu unterscheiden sind. Beim Sieden der relativ schwach konzentrierten Sole (3 % Salzgehalt in Salzderhelden/Sülbeck, 4 % in Bodenfelde und Grone, 7 % in Bad Salzdetfurth und 8 % in Seesen/Rhüden) war eine günstige Befeuerung der Siedegefäße über mehrere Tage und Nächte erforderlich. Die Beherrschung solcher Brennprozesse und die Konstruktion entsprechender Feuerstellen kannte man durch die Töpferei und die Metallverarbeitung.26 Um die benötigten Brennstoffe optimal auszunutzen und den Verschleiß der verwendeten Siedegefäße in Grenzen zu halten, hat sich die erhöhte Aufstellung dieser Gefäße als vorteilhaft erwiesen.

Für Niedersachsen sind drei Reste von Tonstützen aus einer Siedlung bei Runstedt, Lkr. Helmstedt, bekannt. Einen weiteren Beleg stellt möglicherweise ein Gefäß aus Göttingen/Walkemühle dar, in dem man ein Indiz für Salzhandel sehen könnte. Weitere archäologische Nachweise sind bisher nicht bekannt geworden.

2. Germanen in Südniedersachsen

2.1 Stämme

„Ein Volk, das sich Germanen nannte, hat es vielleicht nie gegeben“ stellt der Historiker Walter Pohl27 fest. Pohl ist der Auffassung, dass zur Zeit Caesars „eine relativ kleine Gruppe beiderseits des Niederrheins Germani genannt“ wurde. Der Eroberer Galliens nutzte den Namen als politisches Instrument, um eine Grenze zwischen dem, was er „Kelten“ und „Germanen“ nannte zu ziehen. Diese geographische Trennlinie „Rhein“ erwies sich allerdings nicht als haltbar, weder archäologisch noch sprachgeschichtlich.28 29 Dennoch wurde seit Caesar der Name als Bezeichnung für jene „gentes“ verwendet, die rechts des Rheins und nördlich der Donau lebten.30

Die im Flussgebiet der oberen Weser und der Leine siedelnden Stämme, sowie die Gruppen im heutigen Hessen und dem Thüringer Becken gehörten zu den so genannten Rhein-Weser-Germanen.

Folgt man den Angaben des Plinius31 gehörten auch die Cherusker, die Chatten und die Hermunduren zu dieser Kulturgruppe. Zwischen dem Teutoburger Wald und dem Harz sind zu beiden Seiten der mittleren Weser und der Leine die Stammessitze der Cherusker überliefert. Bereits Caesar wusste, dass sie um die Mitte des 1. Jh. v. Chr. die BACENIS SILVA, ein breiter bewaldeter Grenzgürtel, von den im Wetterau- und Maingebiet siedelnden Sueben trennte.32

Die Cherusker sind lange einer Konfrontation mit den Römern ausgewichen. Obwohl sie 11 v. Chr. mit den Sugambrern und den Usipetern ein gegen Rom gerichtetes Bündnis schlossen, zogen sie sich beim Anrücken der römischen Legionen auf das Ostufer der Weser zurück. Im Jahre 4. n. Chr. unterwarfen sie sich den Truppen des Tiberius. Vermutlich entstand damals ein Klientelvertrag zwischen ihnen und dem Römischen Reich, wie aus der Überlieferung des Gesprächs zwischen Arminius und seinem Bruder Flavus an der Weser im Jahre 16 n. Chr. zu erschließen ist.33

Stammesadlige erhielten jetzt die Möglichkeit, in die römische Armee aufgenommen zu werden und auch das römische Bürgerrecht zu erhalten, eine Vergünstigung seitens des römischen Staates, mit deren Hilfe Angehörige des cheruskischen Adels Rom verpflichtet werden sollten. Auch Arminius, Sohn des Segimer, stand in römischem Dienst, war römischer Ritter und besaß römisches Bürgerrecht. Doch letztlich wurde er ein Opfer der um die Macht ringenden Stammesadligen. Die Auseinandersetzungen nach dem Tod des Arminius im Jahre 19 n. Chr. innerhalb des cheruskischen Stammes führten in der Mitte des 1. Jh. n. Chr. zum Erlöschen der „stirps regia“. Die Adligen setzten Italicus, den in der Fremde lebenden Sohn des Flavus, als letzten Angehörigen der herrschenden Sippen mit Unterstützung Roms als König ein. Flavus konnte sich aber erst mit Hilfe der Langobarden endgültig behaupten.

Die ehemalige Bedeutung der Cherusker ging damit zu Ende. Teile ihrer Stammesgebiete gingen noch im 1. Jh. an andere Stämme über.

Nördlich der Cherusker lagen die Siedlungsgebiete der Angrivarier. Im Süden der Cherusker siedelten in den Flussgebieten von Fulda, Schwalm, Lahn und Ohm die Chatten. Ihr Stammesgebiet wurde durch bewaldete Mittelgebirge gegliedert. Die am Mittelrhein und der Mainmündung lebenden Mattiaker und die Wangionen sind möglicherweise früh unter römische Herrschaft gekommen. Die Chatten hatten besonders unter den römischen Feldzügen zu leiden. Bereits der erste Kriegszug der Römer, der unter dem Feldherrn Drusus im Jahre 11-10 v. Chr. bis zu Elbe führte, begann auf ihrem Territorium. Ihre Siedlungsgebiete im Nordosten von Mogontiacum wurden wiederholt in die Kriegshandlungen einbezogen. Anzunehmen ist in diesem Zusammenhang zum Beispiel die Zerstörung der befestigten Siedlung auf dem Dünsberg in der Nähe der heutigen Stadt Gießen.

Jacobi34 bemerkt, dass das Ende der Siedlung auf dem Dünsberg in die Zeit des Drususfeldzuges falle. Kriegstaktische Erwägungen der Römer, die mit der Anlage des frührömischen Lagers in Rödgen zusammenhängen, das Drusus als Versorgungslager für seine ins germanische Gebiet gerichtete Operation hatte anlegen lassen, seien dafür verantwortlich. Bedenke man nämlich, dass der Dünsberg nur gut 30 Kilometer von Rödgen entfernt ist, so hätte eine so nahe gelegene große Siedlung mit seiner sicherlich starken Kampfkraft, gewiss eine ernsthafte Gefahr für die römischen Operationen bedeutet. Für den eigentlichen Nachschubweg nach Norden, der in nicht allzu weiter Entfernung, vielleicht sogar in Sichtweite des Dünsberges entlang geführt haben wird, wäre diese Gefahr noch viel größer gewesen.

Der römische Brückenkopf gegenüber von Mogontiacum erlaubte den Römern einen ungehinderten Aufmarsch ihrer Legionen. Die ständige Abwehrbereitschaft der chattischen Krieger führte dazu, dass diese als besonders kriegerisch beschrieben werden: „Omne robur in pedite, quem super arma feramentis quoque et copiis onerant: alios ad proelium ire videas, Chattos ad bellum. Rari excursus et fortuita pugna.“35

Mit ihren Nachbarn im Norden und im Osten scheinen die Chatten ständig in Fehde gelegen zu haben. Im Jahre 11 v. Chr. wird von Kämpfen gegen die Sugambrer berichtet. Auch mit den Cheruskern bestanden starke Spannungen, die sich unter anderem aus dem Machtstreben des Stammesadels ergaben. Bei den Auseinandersetzungen mit den Römern operierten beide Stämme getrennt. Zu Kämpfen mit den Hermunduren um den Besitz von Salzquellen kam es im Jahre 58 n. Chr.36 Als Hauptort der Chatten ist Mattium überliefert, das im Jahre 15 n. Chr. von Germanicus vermutlich zerstört wurde. Einiges spricht dafür, Mattium mit der Altenburg bei Niedenstein in Nordhessen zu identifizieren, doch ist diese „oppidum-ähnliche“ Anlage bereits in vorrömischer Zeit beim Niedergang der keltischen Macht und während der Bildung des Stammes der Chatten verlassen worden. So stellt sich die interessante, aber auch spekulative Frage, ob Germanicus eine bereits seit annähernd 40 bis 50 Jahre bedeutungslose „Stadt“, von der man in Rom vielleicht aus alten Berichten nur eine undeutliche Vorstellung hatte, noch einmal symbolisch zerstörte, um damit einen Triumph feiern zu können.

2.2 Ethnogenese, Ethnizität und Ethnographie

Über die Ethnizität und vielleicht sogar die Ethnogenese der Menschen zwischen der mittleren Weser und dem Leinetal gibt auf einzigartige Weise das Brandgräberfeld bei Sorsum/Hildesheim Aufschluss. Seine Belegung setzt in der Mittellatènezeit ein und sie endet in der Jüngeren Kaiserzeit. Innerhalb dieses Zeitabschnittes haben sich hier in der ausgeübten Bestattungssitte keinerlei feststellbare Veränderungen ergeben, was von Seiten der Archäologie die Schlussfolgerung erlaubt, dass die Bevölkerung über den genannten Zeitraum hinweg sehr wahrscheinlich dieselbe geblieben ist.37

Kehne38 stellt aus althistorischer Sicht die Frage, wer die Bewohner des Gebietes zwischen Mittelweser und Leine in der Mittellatènezeit, in der Spätlatènezeit und der Älteren Römischen Kaiserzeit waren. Ein erstes detailreiches Bild des westlichen Germanien vermittelt uns die „Geographica“ Strabons, die in augusteischer Zeit geschaffen wurde. Erstmals werden hier die Flüsse Weser und Elbe sowie eine ganze Reihe dort lebender Stämme genannt und lokalisiert.

Das von Strabon vermittelte frühkaiserzeitliche Bild Germaniens reflektiert offensichtlich einen Teil des durch die römischen Angriffskriege der augusteischen und frühtiberischen Phase bis 17 n. Chr. erreichten geographischen Wissensstands, teilweise enthält es jedoch auch älteres Material.

Caesars Beschreibung des von ihm geführten gallischen Krieges enthält auch Kurzberichte über die beiden ersten Expeditionen römischer Heere ins rechtsrheinische Germanien überhaupt. Während zu Caesars erstem Rheinübergang im Jahre 55 v. Chr. hier keine Informationen von Relevanz gegeben werden, lassen sich solche seinem Germanien-Exkurs im 6. Buch der „Commentarii de bello Gallico“ und der Schilderung des zweiten Rheinübergangs im Jahre 53 v. Chr. entnehmen. Denn Caesar verwendete zur Binnenstrukturierung seines Germanienbildes, das außer dem Rhein keine Flüsse kennt, orographische Elemente. Er nennt den Hercynischen Wald und den Bacenis-Wald. Bezüglich des letzteren berichteten ubische Kundschafter Caesar, die Sueben hätten sich mit ihrer gesamten Streitmacht und der ihrer aufgebotenen Verbündeten ins Innerste bis an die äußersten Grenzen zurückgezogen, wo der unermesslich ausgedehnte Bacenis-Wald liege, der sich ununterbrochen landeinwärts ziehe und als eine Art natürliche Mauer die Cherusker vor suebischen und die Sueben vor cheruskischen Einfällen bewahre.39

Welches Waldgebirge Caesar mit dem Bacenis-Wald meinte, befeuert bis heute den wissenschaftlichen Disput. Genannt wird der Harz, einige verorten den Bacenis-Wald ins nördliche Hessen (Buchonia). Beckmann40 meint, dass es kaum je gelingen werde, „den Bacenis-Wald mit Sicherheit zu bestimmen“, jedenfalls möchte auch er ihn wegen der bei Caesar angedeuteten größeren Dimension nicht ausschließlich auf die Waldgebiete der oberen Weser beschränkt sehen. Vermutlich ist darunter das gesamte Hessische Bergland nebst östlich anschließender Gebirge gemeint. Wir haben also hier die erste ungefähre geographische Annäherung an den Raum zwischen Weser und Leine, der für die Mitte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts und somit für die Spätlatènezeit mit einem Bevölkerungsnamen verbunden ist.

Im Jahre 11 v. Chr. begann Nero Claudius Drusus als Oberkommandeur des am Rhein stationierten „exercitus germanicus“ die Feldzugssaison. Mit mindestens drei Legionen und einem zahlenmäßig nicht ermittelbaren Hilfstruppenkontingent rückte er nach der Unterwerfung der Usipeter41 und Überquerung der Lippe in südlicher Richtung durch das Gebiet der Sugambrer „ins Cheruskerland bis zur Weser“,42 also bis zur nächsten damals bekannten Orientierungslinie in Germanien vor. Er erreichte den Fluss ohne weitere Kämpfe, schlug dort sein „Sommerlager“ auf, überschritt die Weser jedoch nicht, obwohl sich die dort lebenden Cherusker offenbar auf das östliche Ufer zurückgezogen hatten.43

Im Jahre 9 v. Chr. setzte Drusus die militärische Niederringung der westgermanischen Stämme zwischen Rhein und Elbe fort. Bei seinem Feldzug von Mogontiacum (Mainz) aus über Hedemünden erreichte Drusus erstmals die Elbe.44 Dem Bericht von Cassius Dio zufolge, fiel er zunächst „ins Chattengebiet“ ein, „rückte bis zum Suebenland vor“, von dort aus ging er zum Cheruskerland und zog nach Überquerung des Visurgis „alles verheerend bis zur Elbe“. Dieser Textstelle ist ein relatives geographisches Nacheinander von Stämmen als auch eine Lokalisierung des Cheruskerlandes beiderseits der Weser zu entnehmen, die eindeutig in cheruskischem Gebiet überquert wird.45 Das ständige Zentrum des cheruskischen Stammes lag im Tal der Leine. Im Norden reichte ihr Siedlungsgebiet wohl nicht einmal bis zu der in späterer Zeit stets als Grenze fungierenden Weser-Aller-Linie, im Osten nicht weiter als bis zur Oker, bzw. bis zum Harz, im Süden etwa bis zum Knick der Leine vor den Mittelgebirgen, im Westen über die Weser hinaus bis ins westliche Weserbergland.46

Benachbart waren dem Cheruskerstamm im Norden die Angrivarier, gegen Ende des 1. Jh. dann auch die Chauken. Im Nordosten waren zunächst die Langobarden ihre Nachbarn. Vor 5 n. Chr. saßen die Langobarden und die Hermunduren an beiden Ufern der Elbe. Letztere waren im Südosten und im Süden die unmittelbaren Nachbarn der Cherusker. Im Südwesten schlossen sich die Chatten an. Innerhalb der germanischen Funde der Älteren Römischen Kaiserzeit ist die materielle Hinterlassenschaft von Cheruskern hauptsächlich der rhein – weser - germanischen Fundgruppe und innerhalb dieser hinsichtlich der Keramikformen der südhannoverschen Gruppe47, die daher auch „cheruskische Gruppe“ genannt wird, zuzuordnen (Bild 3).

Wie es zu der großen kulturellen Ähnlichkeit innerhalb des rhein – weser – germanischen Raumes kam, könnte eventuell ein Blick auf die Situation in Germanien um die Zeitenwende erklären. Meyer48 gibt zu bedenken, dass die intensiven Forschungen der letzten Jahrzehnte hier ein ganz neuartiges, dichtes Bild der römischen Präsenz im Raum zwischen Rhein und Weser hätten entstehen lassen.

„Heute sehen wir nicht nur die Anwesenheit römischen Militärs zunächst in temporären, dann in festen Lagern. Ausgrabungen wie in Waldgirmes und Haltern haben eindeutig gezeigt, dass Rom mit Schwung dabei war, in der rechtsrheinischen Provinz Städte und Verwaltungszentren zu gründen. […] Es ist dann genau dieser Raum, in dem mit dem Ende der römischen Präsenz die Rhein – Weser – Germanen sichtbar werden.“49

Meyer stellt sich die Frage, ob das „becoming roman“ und der germanische Widerstand dagegen genug Motivation lieferte , um hier eine gemeinsame Identität auszuprägen, deren materieller Niederschlag sogar für die heutige Archäologie noch sichtbar ist.

3. Siedlungsräume und Siedlungswesen während der Römischen Kaiserzeit

„Terra etsi aliquanto specie different, in universum tamen aut silvis horrida aut paludibus foeda…Nullas Germanorum populis urbes habitari satis notum est, ne pati quidem inter se iunctas sedes. Colunt discreti ac diversi, ut fons, ut campus, ut nemus placuit. Vicos locant non in nostrum morem conexis et cohaerentibus aedificiis: suam quisque domum spacio circumdat“50 Die Siedlungskonzentrationen in Südniedersachsen lagen jeweils eindeutig in den Flusstälern, dabei meist entlang der hochwasserfreien Höhenrandzone (Bild 4). Die höheren Lagen blieben insbesondere zwischen Leine und Weser, aber auch nach Osten hin weitgehend unbesiedelt. Auch wenn die Siedlungsarchäologie bisher nur ein lückenhaftes Bild erfasst, ist doch deutlich erkennbar, dass nicht alle siedlungsgünstigen Räume in der Germania zu jeder Zeit besiedelt waren.51 Im nördlichen Hessen zeigen sowohl das Amöneburger Becken als auch das Fritzlarer Becken eine Vielzahl kaiserzeitlicher Siedlungen. Hier wirkten sich die fruchtbaren Lössböden begünstigend aus. Aus dem ebenfalls sehr fruchtbaren Tal der Schwalm, das die beiden Beckenlandschaften verbindet, ist hingegen nur eine ganz kleine Zahl an Weilern und Gehöften bekannt, die lediglich nur eine punktuelle Nutzung zeigen. Ähnlich ist es mit dem Thüringer Becken und dem Leinetal, die hinsichtlich ihrer naturräumlichen Gegebenheiten Ähnlichkeiten aufzeigen, in Bezug auf die Siedlungsdichte aber völlig unterschiedliche Ergebnisse liefern. Warum dies hier und in vielen anderen Gebieten so war, kann viele Gründe haben. Bei einer zu geringen Bevölkerungszahl hätte eine flächendeckende Aufsiedlung zu einer großen Vereinzelung geführt, weshalb sich die Besiedlung in bestimmten Räumen konzentrierte. Konflikte und kriegerische Auseinandersetzungen könnten zur Auflassung von Räumen geführt haben, siedlungsleere Räume könnten aber auch als Grenzzonen zwischen unterschiedlichen Gruppen gedient haben, wie es Tacitus beschrieben hat. In vielen Fällen bleiben uns heute die Kriterien für die Wahl der Siedlungsplätze verschlossen. So könnten Besonderheiten der Infrastruktur, religiöse Aspekte oder auch Erinnerungsorte zum Siedeln eingeladen haben.52 Die auch im Inneren des südniedersächsischen Gebietes siedlungsgeographisch deutlich voneinander getrennten Siedlungskammern dürften am ehesten die bei Germanen verbreitete Binnenstruktur der Gaue widerspiegeln.53

Der Forschungsstand zum kaiserzeitlichen Siedlungswesen des südlichen und mittleren Leinetals ist recht unterschiedlich. Der Landkreis Göttingen kann als relativ gut begangen angesehen werden, da die dortige Kreisarchäologie seit geraumer Zeit besteht und sehr aktiv ist, sowie die Universität in Göttingen und das dortige Seminar für Ur- und Frühgeschichte sich intensiv mit dem Umland beschäftigt. Aus Göttingen ist eine relativ hohe Zahl an kaiserzeitlichen Fundstellen bekannt, von denen eine Vielzahl durch Lesefunde lokalisiert wurde. Großflächige Siedlungsgrabungen, die nähere Aufschlüsse über das Siedlungswesen liefern könnten, wurden kaum vorgenommen.

Im Landkreis Northeim ist der Raum um Angerstein, Nörten-Hardenberg, Hardegsen, der Solling, Einbeck, Northeim, Großenrode und Moringen relativ gut begangen.

Dagegen sind in den Bereichen Bad Gandersheim, Kreiensen und Katlenburg-Lindau große Lücken zu verzeichnen. Im Bereich Holzminden werden seit den 1980er Jahren große Bemühungen unternommen, um den Landkreis archäologisch zu erfassen. Auch in Bezug auf Holzminden kann nicht von einer systematischen Landesaufnahme gesprochen werden, wenn sich auch die Zahl der Fundstellen in den letzten 25 Jahren durch Flugprospektion, systematische Geländebegehungen, Fundbergungen und Grabungen vervielfacht hat. Lange Zeit waren Funde der Römischen Kaiserzeit in diesem Landkreis eine große Ausnahme. Münzfunde der Römischen Kaiserzeit wurden stets von Laien gemacht und die Fundstellen danach nicht nochmals gründlich durch die zuständigen Stellen untersucht.

Auffällig ist die relativ geringe Zahl an Gräberfeldern der Römischen Kaiserzeit, zum Beispiel Salzderhelden/Oldendorp, Vogelbeck und das erst kürzlich vom Einbecker Stadtarchäologen Markus Wehmer in der Einbecker Südstadt entdeckte große Urnengräberfeld aus der Jüngeren Römischen Kaiserzeit. Dies hat sicherlich etwas mit den erschwerten Auffindungsbedingungen von Flachgräbern zu tun.

Fuhrmann und Steinmetz54 gehen davon aus, dass bisher höchstens 10% aller ehemaligen Siedlungsstellen im Leinegebiet bekannt geworden sind. Die kaiserzeitlichen Siedlungen stellten in der Regel keine stabilen, dauerhaften Ansiedlungen dar, sondern wurden oft nur eine oder mehrere Generationen lang bewohnt.

Fuhrmann/Steinmetz55 verdeutlichen, dass während der Römischen Kaiserzeit im südlichen Niedersachsen die Fundstellen sich in folgenden Regionen konzentrieren: nördlich des Harzes, westlich des Hildesheimer Waldes, von Hameln bis Holzminden, in der Region Einbeck und um Göttingen. Dies dürfte den naturräumlichen Vorgaben (Topographie, Böden, Klima) zu schulden sein. Wie bereits angedeutet, sind die Siedlungskammern durch ungenutzte Bereiche voneinander getrennt. Die Siedlungsstellen finden sich vor allem entlang der Flüsse wie Innerste, Fuhse, Oker und Leine, wobei die Leine anscheinend auch als Verkehrsweg am bedeutendsten gewesen ist, da gerade entlang dieses Flusse eindeutige Siedlungskonzentrationen zu beobachten sind.

Im südlichen Bereich der Weser wurden bisher so gut wie keine Befunde und Funde aus der Kaiserzeit entdeckt, was offensichtlich mit dem tiefen Einschneiden des Flusses in die Landschaft zu erklären ist. Das Tal der Weser ist in diesem Abschnitt nicht sonderlich breit, sodass die Höhenzüge dicht an den Flusslauf heranreichen. Das Anlegen von landwirtschaftlichen Nutzflächen und das Errichten von Siedlungen dürfte in dieser Region recht schwierig gewesen sein. Erst ab der Höhe Holzmindens, wo die Wesertalung breiter wird, konnten einige Siedlungen lokalisiert und kaiserzeitliche Objekte aufgefunden werden.

Anders sieht es im Leinetal aus. Es ist breiter und bot deshalb bessere Siedlungs- und Verkehrsbedingungen. Lediglich zwischen den Siedlungsschwerpunkten Einbeck und Alfeld wird das Tal der Leine schmaler und dort wurden bisher auch noch keine Siedlungen entdeckt.

Generell lässt sich sagen, dass der Bezug zu den Flüssen im Siedlungsbild erkennbar bleibt. Erstaunlich scheint es, dass die unmittelbare Region um den Harz und auch den Solling fast gänzlich frei von Besiedlung geblieben ist und das, obwohl hier hochwertiges Eisenerz während der Kaiserzeit abgebaut wurde. Eine Ausnahme bildet Markoldendorf westlich von Einbeck, wo das Erz des Steinberges vor Ort verhüttet worden ist. Ob die Vorkommen von Salz im Einbecker Raum während dieser historischen Epoche genutzt wurden, muss offen bleiben.

Im Umfeld fast aller Siedlungen und anderer Fundstellen findet sich ein Fließgewässer, sei es ein größerer Fluss oder auch nur ein Bach. Die Nähe zu den Fließgewässern machte die Wasserversorgung für Mensch und Tier recht einfach. Da sich vor allem bei Bächen der Verlauf während der Jahrhunderte, ja Jahrtausende geändert haben kann, ist nicht sicher zu sagen, ob die heutige Situation auch den damaligen Verhältnissen entspricht. Doch ist bei der großen Gewässerdichte im südlichen Niedersachsen davon auszugehen. Vielleicht erklärt dies auch die von Schmidt56 erwähnte Brunnenarmut in Südniedersachsen.57

3.1 Siedlungswesen, Hausbau und Siedlungsweise

Während der Römischen Kaiserzeit bestimmt die bäuerliche Lebensweise das Siedlungswesen der Germanen. Zur Erzeugung der Nahrung nutzten die Bauern den Naturraum als Acker- und Weideland. Die bäuerliche Wirtschaftsweise stellt Forderungen an die Gebäude zur Unterbringung von Mensch und Vieh sowie zur Aufbewahrung der Ernte und der Wintervorräte. Daher verrät das Haus als Kristallisationspunkt des bäuerlichen Lebens einiges über die Wirtschafts- und Lebensweise der Bewohner. So verrät auch die Gruppierung der Häuser, Speicher und sonstigen Nebengebäude vieles über den funktionalen Zusammenhang der Gebäude eines Gehöfts und der wirtschaftlichen Möglichkeiten einer Bauerngemeinschaft.

Die Wahrnehmung der vorrömischen Eisenzeit im Leinetalgraben ist durch die Seltenheit von Bestattungsbefunden geprägt. Damit steht diese Landschaft in einem deutlichen Kontrast zu anderen eisenzeitlichen Regionen Mitteleuropas, deren Bild in starkem Maße durch Grabbefunde bestimmt wird.58 Parallel zur Seltenheit und Schlichtheit der eisenzeitlichen Gräber im Leinetalgraben weisen die Siedlungsbefunde59 auf eine differenzierte Siedlungsstruktur hin. Außerdem wird die Einfachheit der bekannten materiellen Kultur immer wieder von Importen durchbrochen, die den Blick in die Richtung der Hallstatt – und Latènekultur lenken und zusammen mit den Siedlungsbefunden auf die Möglichkeit sozialer Differenzierungen hindeuten.

Verallgemeinernd kann aus den Ergebnissen der Siedlungsgrabungen und den Grabungsbefunden geschlossen werden, dass die Besiedlung der Älteren Römischen Kaiserzeit gekennzeichnet ist durch Einzelgehöfte kleinerer und mittlerer Größe.60 Diese lagen in lockerer Streuung in der Ackerflur. Dabei kann man generell davon ausgehen, dass ein Gebiet in einem Radius von 2 bis maximal 4 km um eine Siedlung als potenzielle Wirtschaftsfläche gedient hat.61 Bevorzugt ließ man sich auf fruchtbaren Böden entlang der Flussläufe nieder. Dort konnten sich die Siedlungen im Abstand von mehreren Hundert Metern wie Perlen auf der Schnur aneinander reihen (Bild 5). Streusiedlungen dieser Art sind weiträumig auch auf verschiedenen Bodentypen anzunehmen, so im mittleren Leinetal mit Göttingen/Geismar, Angerstein, Vogelbeck und Einbeck.

Der in Südniedersachsen am häufigsten nachgewiesene Haustyp der Römischen Kaiserzeit ist das Grubenhaus. Im Allgemeinen lassen sich die Grubenhäuser in den Zwei-Pfosten-Typ (Giebelpfostenhäuser) und den Sechs-Pfosten-Typ (Eckpfostenhäuser) differenzieren, jeweils mit oder ohne Wandgräbchen.62 Als Dachform wird für alle Typen ein Satteldach angenommen. Für das mittlere Leinegebiet konnte sowohl der Zwei-Pfosten-Typ (zum Beispiel Medenheim bei Northeim und Geismar bei Göttingen) als auch der Sechs-Pfosten-Typ (zum Beispiel Bavenstedt, Lkr. Hildesheim) nachgewiesen werden. Daneben fanden sich noch Varianten: In Harkenbleck wurden zehn, in Vogelbeck je acht Pfosten nachgewiesen. Die meist rechteckige Grundfläche der Grubenhäuser liegt zwischen drei und zehn Metern in der Länge und 2,5 bis sechs Meter in der Breite. Die unterschiedlichen Grubenhaustypen werden als Ausdruck von unterschiedlichen Wirtschaftsformen gedeutet.63 Als Hauptorientierung der Grubenhäuser in Niedersachsen ist eine West-Ost-Richtung auszumachen. Diese Orientierung dürfte rein funktionale Gründe haben wie Beleuchtung, Belüftung und Witterung.64 Für die Grubenhäuser an der Leine konnten nur ganz allgemeine Funktionsbestimmungen gegeben werden. Funde von Spinnwirteln und Webgewichten deuten eine Nutzung als Webgebäude an, die Nutzung als Lagerraum für Feldfrüchte ist nicht auszuschließen. In Grubenhäusern sind keine Feuerstellen nachgewiesen worden.

In einem Grubenhaus von Geismar lag in der Mitte des Gebäudes eine als Bauopfer65 gedeutete Hundebestattung, die Ost-West ausgerichtet war.66 Für eine Funktionsbestimmung dieses Grubenhauses fehlen allerdings aussagekräftige Funde (Bild 6,6a, 6b).

Erst 1988 konnte ein Nachweis für Wohn-Stall-Gebäude im Mittelgebirgsraum erbracht werden. Planmäßige Feldbegehungen in der Gemarkung des Ortes Hehlen an der Weser führten zur Entdeckung eines mehrperiodigen Siedlungsplatzes. Luftbilder zeigten neben Grubenverfärbungen auch die Pfostengruben eines mehrschiffigen Gebäudes. Andere Strukturen werden als Zaun gedeutet.67 Die Oberflächenfunde erbrachten Keramik des Neolithikums und der Völkerwanderungszeit. Der größte Teil der angesammelten Keramikscherben konnte allerdings in die Römische Kaiserzeit datiert werden (1. bis 4. Jh. n. Chr.). Die Mehrzahl der Scherben gehören nach genauerer Bestimmung in den Abschnitt der Jüngeren Römischen Kaiserzeit (160 bis 375 n. Chr.) (Bild 7).

Erst in neuerer Zeit fanden sich in Mardorf, Kreis Marburg-Biedenkopf in Hessen und in Sülzdorf/Thüringen ebenfalls Grundrisse mehrschiffiger Häuser auf kaiserzeitlichen Siedlungsplätzen68 (Bild 8).

Den vor- und frühgeschichtlichen Zimmerleuten war natürlich die Tatsache bekannt, dass das Holz des in die Erde gegrabenen Pfostens anfällig gegenüber Fäulnis war. Je nach Holzart, Holzqualität, Bodenchemie und eventuell konservierender Behandlung des Holzes (Feuer, Pechanstrich) faulte über kurz oder lang der Pfosten am Übergang von der Erde zur Luft. Damit war die Stabilität des Baugefüges gefährdet. Dass dennoch über mehrere Jahrtausende hinweg diese Bauweise beibehalten wurde, muss wohl noch andere als bautechnische Gründe gehabt haben. Schuster69 nimmt an, dass dies mit einer einfachen Kosten-Nutzen-Rechnung zu tun hatte. Ein standfestes Haus, wie wir es heute kennen, war in vor- und frühgeschichtlicher Zeit überhaupt nicht nötig und wohl auch nicht praktisch. Die Begründung dafür liefert eine eher extensiv betriebene Landwirtschaft, die zu einer recht schnellen Auslaugung der Böden führte und Standortwechsel von Wohnplatz und Feldern notwendig machte. Berücksichtigt man die gängigen Schätzungen zur Lebensdauer eines eisenzeitlichen Pfostenhauses von durchschnittlich etwa 20 bis 50 Jahren, so stand es in mehr oder weniger intakter Form zwei bis drei aufeinander folgenden Generationen zur Verfügung.70 Neben diesem rein praktischen Grund mag es, so Schuster, weitere, kultisch oder durch Glaubensvorstellungen determinierte Kriterien für den Pfostenbau gegeben haben.

Sicherlich wurden auch Häuser in Ständerbauweise oder als Blockbauten errichtet, die als nicht im Boden verankerte Bauten (keine Pfostenlöcher) im Boden so gut wie keine Spuren hinterließen.

Ein Baubefund aus Geismar bei Fritzlar in Nordhessen, Schwalm-Eder-Kreis konnte als dreischiffiges Wohnstallhaus identifiziert werden.71 Thiedmann72 wertet das Auftreten des Langhauses direkt als einen Hinweis auf den Zuzug fremder Kulturgruppen, die „nördlich der Mittelgebirgszone“ beheimatet waren und im Verlauf der germanischen Ethnogenese nach Westen oder Süden vorankamen.

3.2 Landwirtschaft und Handel

Landwirtschaft und Viehzucht bildeten bei den germanischen Gemeinschaften zu Beginn unserer Zeit in einem solchen Maße die Grundlage der gesamten Wirtschaft, dass sich der überwiegende Teil der Bevölkerung unmittelbar damit befasste. Dabei scheint es sich vorwiegend um eine Subsistenzwirtschaft gehandelt zu haben.

Die Urteile von Julius Caesar73 und Pomponius Mela74 über die germanische Wirtschaftsweise sind abwertend und die Aussagen römischer Schreiber über diese Wirtschaftsform gipfelten in der Aussage Strabons75, dass die Stämme der Sueben überhaupt keine Landwirtschaft betreiben würden, sondern ausschließlich von der Viehwirtschaft lebten. Auch Tacitus hatte Vorbehalte, berichtete aber, dass das germanische Getreide gut gedeihe und Haustiere zahlreich seien:76 „satis ferax, frugiferarum arborum impatiens, pecorum fecunda, sed plerumque improcera.“ Die günstige Lage an wasserreichen Bächen, Flüssen oder auch Seen war eine allgemeine Voraussetzung für die Begründung von Siedlungen. Die Germanen bevorzugten von der Bodenart her reich gegliederte Landschaften oder auch Grenzgebiete zwischen verschiedenen Bodenarten, weil deren unterschiedliche Biotope die natürliche Wirtschaftssphäre bereicherten.

In Bezug auf diese Voraussetzungen bot das Leinetal den Menschen die besten Bedingungen. Viele bereits seit der vorrömischen Eisenzeit bewohnten Gebiete wurden weiter besiedelt (zum Beispiel Northeim-Medenheim).77 Bei der Verlegung und Neuansiedlung von Wohnstätten kam es in engen Räumen zum Binnenausbau und zu randlichen Erweiterungen der Siedlungskammern, was sich im südlichen Harzvorland in Thüringen zeigt.78 Für das Leinetal lassen sich hierzu keine weiteren konkreten Aussagen treffen, da Siedlungsgrabungen noch nicht in hinreichendem Maße stattgefunden haben.

Unter den in den germanischen Stammesgebieten angebauten Pflanzen79 stand Getreide im Vordergrund. Belegt ist der Anbau von Gerste, Emmer und Hafer. Plinius80 lernte den Haferanbau in Germanien kennen und äußerte, dass Haferbrei die typische Speise der Germanen sei. Rispenhirse ist vereinzelt nachgewiesen, Roggen ist ausgesprochen selten. Für Südniedersachsen beschreibt Willerding81 die Verhältnisse etwas differenzierter. Die germanischen Siedlungen waren von Ackerland umgeben, auf dem vor allem Getreide angebaut wurde. Nach dem aktuellen Stand der archäobotanischen Untersuchungen im germanischen Siedlungsgebiet gab es aber weder Gartenbau noch den Import von Früchten oder Gewürzen.82 Dies erscheint merkwürdig, da das Prinzip des Gartenbaus zumindest den Germanen der grenznahen Gebiete oder germanischen Händlern aus eigener Anschauung von den römischen „villae rusticae“ bekannt gewesen sein dürfte. Wir erfahren davon wieder bei Tacitus83, das Land sei zwar genügend „satis ferax“, jedoch „frugiferarum arborum impatiens“. Kreuz84 geht davon aus, dass wir es dabei aber sicherlich nicht mit einer ökologisch bedingten Option, sondern mit einer kulturellen Entscheidung der Germanen zu tun haben. Nach dem archäobotanischen und archäozoologischen Forschungsstand waren die germanischen Bevölkerungsgruppen im südlichen Niedersachsen in den ersten Jahrhunderten nach Christus hinsichtlich ihrer Ernährung sowie Acker- und Gartenbau offensichtlich nicht „romanisiert“.85 Ein Wandel der Landwirtschaft unter römischem Einfluss fand zunächst nur innerhalb der Limesgrenze statt.86 87 Dies betrifft auch den Bereich der Sachkultur. In Hessen und Mainfranken gab es trotz der Nähe zum Limes keine Akkulturation bzw. Romanisierung der außerhalb des Limes lebenden Germanen.88

Es erhebt sich die Frage, was eine Annahme des römischen Konzeptes von Landwirtschaft und Ernährung bei den germanischen Gemeinschaften außerhalb des Limes verhinderte. Technologische Barrieren oder fehlende Fähigkeiten erscheinen als Begründung unwahrscheinlich. Dafür gibt es keinerlei archäologische Hinweise. Vielmehr ist eine mangelnde Bereitschaft für eine Veränderung anzunehmen. Hier spielten wahrscheinlich grundsätzliche ideologische Überzeugungen und kulturelle Identitäten eine Rolle. Es scheint, als habe das System der germanischen Landwirtschaft ohne Gartenbau und Obstkultivierung, mit dem Schwerpunkt auf Sommerfruchtanbau und Viehzucht auch in Krisenzeiten Jahrhunderte lang hinreichend gut funktioniert, so dass die Menschen keinen Anlass für Neuerungen innerhalb dieses traditionellen wirtschaftlichen Systems sahen.

Für eine hinreichende Versorgung mit lebenswichtigen Stoffen wie Vitaminen, Spurenelementen und Ballaststoffen kam daher nur die Nutzung von Wildpflanzen bzw. Wildobstarten in Betracht. Für diese geeignete Standorte gab es im Wald, an Gewässern sowie insbesondere im Bereich der Ackerflächen, wo die betreffenden Arten als Wildkräuter gediehen. Für Wildobst geeignete Standorte waren besonders in den Randbereichen der Siedlungsinseln, wo die Gehölze häufig schon aufgelichtet waren.

Unter den im südlichen Niedersachsen nachgewiesenen Wildpflanzen befinden sich tatsächlich mehrere Arten, die als Wildgemüse bzw. wilde Würzpflanzen verwendbar waren. Dazu gehörten zum Beispiel Acker-Hellerkraut (Thlaspi arvense) und weißer Gänsefuß (Chenopodium album). Hinzu kam eine Reihe alt-einheimischer Arten, die jedenfalls in jüngerer Zeit als Bestandteile der Nahrung genutzt wurden und vermutlich auch in dem hier interessierenden Zeitabschnitt eine entsprechende Verwendung gefunden hatten, so zum Beispiel Bärlauch (Allium ursinum), Giersch (Aegopodium podagraria) und Wildkresse (Rorippa sylvestris).89

Das Getreide wurde mit der Sichel geerntet. Das erfolgte recht bodennah, wie aus dem Nachweis niedrig bleibender Unkräuter aus den germanischen Siedlungsbefunden zu ersehen ist. Dazu gehören u.a. Hirtentäschel (Capsella bursapastoris). Die Ernte der anderen Kulturpflanzen erfolgte durch Herausziehen der ganzen Pflanze aus dem Boden.

Hinweise auf Wiesenbewirtschaftung belegen einige Arten, wie die Kuckucks-Lichtnelke (Lynchis flos cuculi), die bevorzugt auf Feuchtwiesen gedeiht. Solche Grünlandflächen befanden sich vor allem im Bereich von Fluss- und Bachauen, sofern diese sich in relativer Nähe zu den Siedlungen befanden.

Die verkohlten Früchte und Samen, die aus den Siedlungen des südlichen Niedersachsen geborgen wurden, stammen vor allem aus Siedlungsgruben, die in den Boden eingetieft waren. Dabei handelt es sich um Reste von Vorratsgruben oder Abfallgruben, die häufig kegelstumpfförmige Gestalt aufwiesen. Unter den Hülsenfrüchten ist die Ackerbohne vertreten, die feldmäßig angebaut wurde. Bezeugt und belegt sind weiterhin Erbsen, Lein (Flachs) und Leindotter. Lein diente als Rohstoff für die Textilherstellung und als Ölpflanze.90

Über den Ernteertrag erlauben Quellenzeugnisse aus der Antike die Aussage, dass nach Abzug des Saatgutes und aller Verluste bei Ernte und Drusch ein durchschnittlicher Reinertrag von nicht mehr als dem 2 bis 3 fachen der Saatmenge erwirtschaftet wurde.91 Dieser Reinertrag dürfte bei einer absoluten Größenordnung von etwa 2 bis 3 dt/ha92 gelegen haben. Beträchtliche jährliche Schwankungen, verursacht durch Wetterereignisse und andere Faktoren (wie zum Beispiel auch die Getreiderequirierung durch das römische Militär), konnten zum faktischen Ausfall eines Reinertrages führen. Der Hunger gehörte zum Alltag der Germanen, was im Übrigen auch Untersuchungen an Skeletten beweisen. So zeigt der etwa 12 jährige Junge von Kayhausen (120-125 cm groß) Harris-Linien93 in den noch vorhandenen Schienbeinfragmenten94 als Anzeichen überstandenen, wiederholter Stresssituationen in Mangelphasen oder durch Infektionskrankheiten, die für die Zeit um Christi Geburt in Mitteleuropa sicher keine Ausnahme darstellen. Auch bei dem Mädchen aus dem Uchter Moor95 oder dem Kind von Windeby wurden Harris-Linien diagnostiziert.

Als Hauptinstrument für den Getreideanbau diente der Pflug, der in Gestalt einfacher hölzerner Hakenpflüge spätestens seit dem 3. Jt. v. Chr. in Mitteleuropa bekannt war. Um Christi Geburt brachten die Stämme des Mittelelbegebietes als technische Verbesserung eiserne Beschläge an, die den hölzernen Pflugkörper vor schneller Abnutzung schützen sollten. Als Zugtiere für den Pflug und ebenso für den Wagen dienten Rinder oder Ochsen, die sich durch stetige Arbeitsleistungen auszeichneten.

Der Haustierbestand umfasste um Christi Geburt und den beiden Jahrhunderten danach die bereits in den vorhergehenden Epochen gehaltenen wichtigen Tierarten wie Rind, Schwein, Schaf, Ziege, Pferd und Hund. Dazu trat seit den letzten Jahrhunderten vor Christi vereinzelt Hausgeflügel auf, darunter bisher bestätigt, Hühner und Gänse, wohingegen Nachweise von Hausenten aus dem 1. und 2. Jahrhundert noch nicht gesichert sind. Die Hauskatze, von den Römern nach Mitteleuropa gebracht, ist seit dem 3. Jahrhundert bezeugt.96

Die osteologischen Analysen der Tierknochen aus germanischen Fundkomplexen zeigen übereinstimmend, dass der Anteil von Wild stets und meistens beträchtlich unter 8 % liegt, oft sogar nur 1-2 % ausmacht.97

Nachrichten antiker Autoren über die Viehhaltung bei den germanischen Stämmen bezeugen, dass die Haustierhaltung einen wichtigen Zweig der Nahrungsmittelerzeugung bildete, der die Bevölkerung ausreichend mit Fleisch zu versorgen vermochte. Nach Caesar98 und Strabon99 deckten die Germanen den größten Teil ihres Nahrungsbedarfes durch die Haustierhaltung.

Der Anteil der Pferde variierte in den einzelnen Siedlungen zwischen 4 % und 8 %. Annähernd in gleichem Umfang scheint man Hunde gehalten zu haben. Die meisten Pferde hatten Durchschnittsmaße zwischen 125 cm und 130 cm Widerristhöhe. Größenmäßig entsprachen sie damit den heutigen Ponys, ihr Körperbau war jedoch kräftiger, die Schädelform plumper. Diese Rassen waren weder schön noch übermäßig schnell100, sie zeichneten sich aber durch große Ausdauer101, Widerstandsfähigkeit und Futtergenügsamkeit aus, was u.a. auch im Lob germanischer Reiter und ihrer Reitkunst durch Caesar, Tacitus und andere sowie im Einsatz germanischer Reiter in den Auxiliareinheiten seit Caesar zum Ausdruck kam.

Die meisten Haustiere der Germanen waren wesentlich kleiner als die Abkömmlinge unserer heutigen Zuchtrassen. Die Widerristhöhen ergaben für Rinder eine Größenvariation von 96 bis 127 cm, bei einem Mittelwert von 109 cm, der etwa 30 bis 40 cm unter dem der heutigen Rassen liegt.

Die Hausschweine sahen aus wie kleine Wildschweine. Sie waren hochbeinig, flachrippig, hatten Stehohren und einen langen keilförmigen Schädel. Schweine wurden häufig der Waldweide zugeführt.

Die in den meisten germanischen Gebieten gehaltenen Schafe hatten Widerristhöhen von 54 bis 71 cm und waren damit hinsichtlich ihrer Größe rezenten Heidschnucken vergleichbar. Die Ziegen unterschieden sich in der Größe nur unwesentlich von den Schafen.

Die Haltung von Hausgänsen war seit der vorrömischen Eisenzeit bekannt und verbreitete sich seit dieser Zeit weiter. Plinius102 überlieferte für die weißen germanischen Hausgänse, deren Daunen man auch in Rom schätzte, die germanische Bezeichnung „gantae“.

Die als Rohstoffe für Gebrauchsgüter nutzbaren Produkte der Viehzucht, wie Häute, Wolle, Knochen und Horn, wurden weitgehend im Hauswerk verarbeitet. Im Grenzbereich zwischen Germanen und Römern wurde nach Plinius103 mit Gänsen, Federn und Daunen gehandelt, nach Martial104 mit Schinken, Seife, Pomade105 und Frauenhaar.106

Die in der römischen Provinz lebenden Germanen und die Grenzbewohner, die auf römischen Märkten kauften und verkauften, waren demnach in die römische Warenwirtschaft eingebunden.

So berichtet Tacitus107: „quamquam proximi ob usum commerciorum aurum et argentum in pretio habent formasque quasdam nostrae pecuniae agnoscunt atque eligunt: interiores simplicius et antiquius permutatione mercium utuntur. Pecuniam probant veterem et diu notam, serratos bigatosque. Argentumque magis quam aurum sequuntur, nulla affectione animi, sed quia numerus argenteorum facilior usui est promiscua ac vilia mercantibus.“

Tacitus schreibt an anderer Stelle noch konkreter108: „Proprior – ut, quomodo paulo ante Rhenum, sic nunc Danuvium sequar – Hermundurorum civitas, fida Romanis; eoque solis Germanorum non in ripa commercium, sed penitus atque in splendissima Raetiae provinciae colonia. Passim et sine custode transeunt; et cum ceteris gentibus arma modo castraque nostra ostendamus, his domos villasque patefecimus non concupiscentibus.“

In den Grenzgebieten des freien Germaniens gab es ständige Niederlassungen römischer Händler. Über eine solche am Hofe des Markomannenkönigs Maroboduus berichtet auch wieder Tacitus.109 Die Bedeutung solcher Händler und Marketender, die die grenznahen Gebiete wahrscheinlich auf regelmäßigen Routen bedienten, ist nicht zu unterschätzen.

Auch ein Teil der römischen Metall- und Keramikfunde (Terra sigillata) im Leinetal dürfte diesem Handel geschuldet sein. Denkbar ist aber auch, dass sich der unmittelbare Austausch auf das Grenzgebiet beschränkte und der weitere Vertrieb von Waren in das Hinterland in den vielfältigen Formen des nachbarschaftlichen Austausches vor sich ging.

4. Frühe Verkehrswege

Die Verkehrsgeographie wird für den deutschen Mittelgebirgsraum rechts des Rheines weitgehend durch seine Orohydrographie, d.h. Gebirge und Wasserläufe, vorgegeben.

Entsprechend bildeten bereits die Flüsse Lippe, Lahn und Main mit ihren häufig fruchtbaren und deshalb siedlungsgünstigen Tälern die wichtigsten Einfallswege zu Wasser und zu Lande in das Innere der Germania. Die Mündungsbereiche dieser Flüsse wurden bereits sehr früh von den Römern durch Lager gesichert, die auch als Brückenköpfe in das jeweils gegenüber liegende Gebiet dienten. So finden sich an all diesen Flüssen Anlagen aus augusteischer Zeit, also aus der Zeit der geplanten und forcierten Okkupation Germaniens. Im Umfeld des Basis-Doppellagers Mainz/Mogontiacum entstanden Lager in Frankfurt/Hoechst, Hofheim, Bad Nauheim, Butzbach und Rödgen. Von Rödgen ist es nicht weit bis in das obere Lahntal, wo mit dem Dünsberg-Oppidum als Mittelpunkt eine wichtige Siedlungskammer dieser Zeit lag. Dort gründeten die Römer auch die Militäranlagen von Oberdorla-Waldgirmes, aus denen sich später eine Stadt mit einer großen Marktanlage entwickeln sollte.

Von dort führte die Trasse lahnaufwärts über Niederweimar durch das Amöneburger Becken und dann ein Stück Weges durch das Schwalmtal nach Norden zur Fulda und Eder.

Nahe von Hannoversch-Münden, wo sich Fulda und Werra zur Weser vereinen, liegen die Anlagen von Hedemünden über einer wichtigen Flussquerung über die Werra. Hedemünden war der Fixpunkt der okkupationszeitlichen Aufmarschroute des römischen Militärs. Diese führte von dort weiter nach Norden westlich durch das Leinetal sowie östlich an den südlichen Ausläufern des Harzes vorbei in Richtung Elbe (Bild 9). Man kann davon ausgehen, dass man über die gesamte Strecke alten, möglicherweise bronzezeitlichen Fernverbindungen auf Hangterrassen und Wasserscheidenwegen folgte (Bild 10). Auch später noch, zum Beispiel im 3. Jh. n. Chr. kann von Mainz aus dieselbe Route angenommen werden, da sich aufgrund der topographischen Vorgaben nichts wesentlich geändert hatte.

Die antiken Berichte über die halbnomadische Lebensweise der Sueben, den Zug der Kimbern und Teutonen und die Züge des Ariovist zeigen, dass sie alle offenbar die germanischen Wege ohne unverhältnismäßige Schwierigkeiten und Verluste passieren konnten. Dies sind sämtlich Unternehmungen gewesen, die eine Durchquerung germanischer Gebiete durch große Verbände voraussetzen und verdeutlichen, dass die Wegeverhältnisse dies nicht ausschlossen.

Die Menapier verteidigten das rechte Rheinufer gegen Angriffe der Sueben, daraufhin zogen die Sueben sich scheinbar zurück, aber kehrten nach einem Marsch von drei Tagen wieder um, legten diesen ganzen Weg mit ihrer Reiterei in einer einzigen Nacht zurück und überfielen die ahnungslosen und überraschten Menapier.110 Dabei kann es nicht über Stock und Stein gegangen sein.

Die Wege schienen ein Kommunikationsnetz gebildet zu haben, dessen Knotenpunkte die Siedlungsgebiete der Stämme waren.111 Die Trassen, auf denen Pomponius die Chatten verfolgte, führten zu deren Siedlungsgebieten, denn dorthin kehrten die Germanen nach dem Beutezug zurück.112 Es stellt sich aber auch die Frage, ob es andere Fernwege gegeben hat, die die Siedlungen nicht berührten, d.h. nicht primär Verbindungen zwischen Siedlungskammern und Stammesgebieten waren. Ganz sicher zu belegen sind solche Verbindungen nicht. Von dieser Art könnte aber der Weg an die Küste gewesen sein, auf dem der Legat P. Vitellius parallel zur Fahrt der Flotte zwei Legionen führte und der an der Weser endet.113

Vielleicht gehört auch ein sehr merkwürdiger und kaum zu deutender Weg zu dieser Art germanischer Verkehrsinfrastruktur, nämlich derjenige, den Tiberius zu seinem sterbenden Bruder Drusus angeblich nur in Begleitung eines einzigen Führers zurücklegte.114 Die Eile, das Risiko und die geographische Situation (von Mogonticum durch hessisch-thüringische Wälder) lassen hier daran denken, dass es sich möglicherweise um Fernwege abseits der Siedlungen durch Wald handelte.

4.1 Landschaft und Verkehrswege in Germanien

Tacitus´ verregneten, sumpfigen germanischen Urwälder hätten enorme Hindernisse für Tiberius und seinen Begleiter mit sich gebracht. Angesichts der überlieferten Geschwindigkeitsangaben muss man festhalten, dass Drusus und dann Tiberius bei der Rettungsmission keine Probleme mit der Landschaft hatten. Die Römer beherrschten nicht den Raum, sondern die Völker. Die Germanen lebten als Bauern und Viehzüchter nicht im Wald, sondern in einer offenen Agrarlandschaft und auch dort konnten die Römer sich bewegen und militärische Operationen durchführen. Außerdem erlaubte die Infrastruktur, Getreide und Vieh zu requirieren. Die germanische Bevölkerung trieb Ackerbau, der über die Wechselbrache große Flächen waldfrei hielt, indem alle paar Jahre neue Felder angelegt wurden und die alten, erschöpften brach fielen.115 Auf Dauer konnten dann auch die Siedlungen den wandernden Feldern folgen.116

Das Vieh der Menschen benötigte relativ viel Weidefläche. Schafe und Ziegen hielten selbst dorniges Buschland kurz, vor allem dann, wenn es sich um aufgegebenes Ackerland handelte. Schafe in regelmäßiger Beweidung waren eine geeignete Methode, Gelände großflächig offen zu halten, insbesondere die immer wieder passierten Triften. Während Schweine und Rinder auch Waldweide erlaubten, brauchten Pferde Grünland. Diese Pferdeweiden mussten räumlich entfernt von den wertvollen Feldern liegen.117 Abseits menschlicher Siedlungen hielten eine Reihe, zum Teil ausgestorbener Großsäuger wie Wisente, Auerochsen, Wildpferde, vereinzelt auch Elchwild durch ihr Weideverhalten Gelände und Landschaft offen. Selbst die verhältnismäßig übersichtlichen germanischen Siedlungen bedurften einer dauerhaften Versorgung mit Brenn- und Bauholz. Die Metallkultur der Germanen benötigte Holzkohle zum Schmelzen und Schmieden des Metalls. Gleiches gilt für die vereinzelten Salzgewinnungsanlagen.

Die Existenz von archäologisch fassbaren Großanlagen wie etwa die Vogelsburg bei Vogelbeck (Bild 11) oder die Befestgungsanlage auf dem Negenborner Berg bei Einbeck oder die Eringaburg bei Ammensen bedeuteten, dass sie bereits in spätlatènezeitlicher Epoche über ein landwirtschaftlich aktives Umfeld verfügten, das die Ressourcen für Bau und Unterhalt der Anlagen dauerhaft zur Verfügung stellen konnte. Das heißt in der Konsequenz, dass sich zwischen den über die Jahre beweglichen Siedlungen auch stabile Siedlungskerne befunden haben müssen. Dieses Umfeld war damit notwendigerweise Offenland118 und damit verkehrstechnisch gut nutzbar. In eben diesem Offenland war es auch möglich, die Pack- und Zugtiere einer Armee zu weiden, besonders die Pferde der Kavallerie benötigten hochwertiges Gras.119 Nur in Offenland war es mit hohen Marschleistungen möglich, wie Germanicus, 15 n. Chr., die rund 110 Kilometer vom Taunus bis zu Eder in wenigen Tagen zu meistern.

Die Chatten, durch die Geschwindigkeit überrascht, lassen Felder und Dörfer im Stich und ziehen in die Wälder. Danach ließ Germanicus das offene Land verwüsten.120

Die landwirtschaftlich nicht nutzbaren Hoch-, Trocken- oder Steillagen waren sicherlich bewaldet, für den Rest des Landes „ergibt sich das Bild einer kleinteilig aufgesiedelten und wirtschaftlich erschlossenen Landschaft.“121 Die Niederungen, das Hügelland und die Flussauen waren eine Savannenlandschaft, mit Feldern und Weiden, Triften, Heiden, Hecken, Hainen, Feldholzinseln und Auewäldern. Es wird erheblich unwegsamer als heute gewesen sein, da „offen“ nicht zwangsläufig „Wiese“ oder „Feld“ bedeutet. Talgründe waren sumpfig, Flüsse breit, flach und ungezügelt. Aber die Reiterei wird sich schnell bewegt haben können und eine Orientierung an weithin sichtbaren Geländemarken wird möglich gewesen sein. Vielleicht konnte Germanicus auch noch auf wesentliche verkehrstechnische Strukturen zurückgreifen, die bereits unter Drusus errichtet worden waren. Es war auch möglich, eine Legion mit Tross zu bewegen, ohne den Weg vorher roden zu müssen. Und selbst dort, wo gerodet wurde, müssen die Legionäre eine in grundsätzlich offenen Strukturen gewonnene Geländeübersicht gehabt haben. Vom Roden ist in den antiken Berichten122 über die Truppenbewegungen in Germanien tatsächlich selten die Rede. Zum Beispiel wird Caecina mit den leichten Kohorten losgeschickt, um das Walddickicht frei zu räumen. Aber die Tatsache, dass dies erwähnt wird, deutet eher auf einen Ausnahmecharakter des Unternehmens hin.123 9 v. Chr. startet Drusus in Mainz/Mogontiacum, geht nach Norden, überquert die Weser und dringt bis zur Elbe vor. Bode124 beschreibt den Marschweg des Drusus nach Norden zur Weser so: „Drusus wird von Mainz über Bad Nauheim-Rödgen mit dem ergrabenen Proviantlager, in den Gießener Raum zum Dünsberg gezogen sein: Die Funde römischer Waffen am Dünsberg und dessen Zerstörungshorizont legen eine Eroberung des Dünsberges durch Drusus nahe. Dabei querte er das Gebiet von Waldgirmes und Dorlar, in dem einige Jahre später Lager gegründet werden. Vom Dünsberg führte der Weg in Richtung Amöneburg, dem Drusus mit seinem Heer am heutigen Marburg vorbei gefolgt sein dürfte. Von dort ging der Weg dann weiter nach Norden.“

Auf der beschriebenen Route wurden bei Friedberg „Am Steinern Kreuz“ 2012 Spuren eines 17 ha großen römischen Marschlagers gefunden. Zahlreiche Backöfen sprechen für eine langfristigere Nutzung durch mehrere tausend Soldaten.125 Zwei AE – Prägungen von Aduatuci legen den Zeithorizont des Augustus für die Nutzung nahe, doch ein in der Grabenfüllung gefundenes As des Domitian verweist auf die spätflavische Phase. 2003 gelang es südlich von Waldgirmes eine alte Straße auszugraben.126 Das Wegestück ist offensichtlich ein Teil des späteren „Schunkauer Weges“, dessen Verlauf noch im Flurbuch der Gemeinde Waldgirmes aus dem Jahre 1833 eingetragen ist.127 Von Wetzlar kommend kreuzte der „Schunkauer Weg“ die Lahn bei Wetzlar-Naunheim, um entlang der Bergrücken rechts der Lahn nach Norden zu verlaufen, wo er sich in der Gemarkung Waldgirmes mit der „Alten Marburger Straße“ verband. Dieser Weg war noch bis in die 70 iger Jahre des 20. Jahrhunderts als Hohlweg erhalten.

Dieses archäologisch verifizierte Wegestück könnte Teil einer alten Wegeverbindung sein, die vom Rhein her in das Innere Germaniens zielte und dabei dem Lahntal aufwärts folgte, um dann von der Siedlungskammer am Dünsberg Anschluss an die Überlandwege nach Norden zu finden. Hinweise darauf könnten zwei frührömische Militärlager sein, die bei Eschhofen, einem Stadtteil von Limburg an der Lahn, beim Bau einer Autobahnbrücke 2012 ans Tageslicht kamen.128 Es handelt sich um zwei direkt benachbarte, unterschiedlich große römische Fortifikationen. Das ältere Lager I umfasst eine Fläche von zehn Hektar und bot somit Platz für etwa 2500 bis 3000 Soldaten. Dass der Ort für die Errichtung des Lagers I mit Bedacht gewählt worden war, zeigt die Tatsache, dass einige Jahre später in unmittelbarer Nähe oberhalb der Lahn das Lager II angelegt wurde. Es hatte eine Fläche von rund vier Hektar und war damit schätzungsweise für etwa 1500 bis 2000 Soldaten konzipiert. Nach Ansicht von Schallmeyer waren die Militärlager und die hier stationierten Großverbände eine Demonstration römischer Macht. Die Umwehrung beider Lager bestand aus Erdwällen und Spitzgräben. Sie waren noch 1,8 Meter tief erhalten. Zur Datierung der Bauwerke konnten Teile römischer Amphoren für Wein herangezogen werden. Sie entsprechen dem Typus „Dressel 1“, was einer Nutzung von der caesarischen bis in die augusteische Zeit nahe legt. Den entscheidenden Anhaltspunkt für eine exaktere Datierung aber bildeten ein besonderer Typus Schuhnägel, die aufgrund relativ kurzzeitiger Verwendung eindeutig in die Epoche Caesars deuten. In seiner Schrift „Commentarii de Bello Gallico“129 beschreibt Caesar seinen ersten Rheinübergang 55 v. Chr. Die Germanen sollten die Stärke und den Mut der Römer kennenlernen, auch baten die Ubier, die als einzige Gesandte zu Caesar geschickt hatten, um Hilfe gegen die Sueben, die die Ubier hart bedrängten. Nach 18 Tagen auf der rechten Rheinseite zog sich Caesar wieder nach Gallien zurück. Dem Lahnweg weiter folgend (Neuwieder Becken – Koblenz/Lahnstein – Limburg/Eschhofen – Weilburg – Wetzlar – Dünsberg – Niederweimar – Amöneburg – Schwalmtal) könnte das römische Heer nach etwa 9 Marschtagen (25 km Tagesmarschleistung) im mittel – bzw. nordhessischen Raum (Amöneburger Becken und Schwalmtal) angekommen sein, wo sich die suebischen Verbände aufhielten. 53 v. Chr. überschritt Caesar ein weiteres Mal den Rhein. Wieder ließ er im Neuwieder Becken eine Brücke errichten. Sein Aufenthalt im rechtsrheinischen Gebiet dauerte ebenfalls 18 Tage, dann hatte er seine Ziele dort erreicht.

[...]


1 Grote, 2012; 2015

2 Machatschek, 1955, 96 ff.; Göttig 1978

3 Machatschek, 1955, 97 ff.

4 Vgl. Dienemann, 1970; 9 - 29

5 Heege, 1998

6 Vgl. die geologischen Karten 1 : 50 000 von Niedersachsen: L 4524; L4324; L 4124; L 3924; L 3724, Online-Ausgabe unter: https://www.Ibeg.niedersachsen.de/karten_daten_publikationen/karten_daten/blattuebersichten/blattuebersichten-853.html

7 Schmidt, 2002; 6-8

8 Seedorf und Meyer,1991; Abb. 9 und Abb.11

9 Vgl. Schmidt, 2002, Kap. Nr. 2.8.3

10 Seedorf und Meyer, 1991, 173 ff.

11 Schmidt,2002, 10; Willerding 1992, 332 -374

12 Tacitus 13,57

13 Schmidt, 2002, 10

14 Diercke Weltatlas, 2000, 46; Deutschland-Klima

15 Vgl. Seedorf und Meyer 1991

16 Overbeck, 1975, 199

17 Overbeck, 1975

18 Patzelt, 1994

19 Wilhelm, 1989; Klappauf u.a., 1990

20 Matschullat u.a., 1997

21 Stephan und Werben, 2001

22 Jordan, 1987

23 a.a.O., 175

24 a.a.O.

25 Vgl. Stephan und Werben, 2001

26 Häßler, 1991, 168

27 Pohl, 2000; 1

28 Vgl. dazu die ausführliche Diskussion bei Lund, A.A., Die ersten Germanen. Ethnizität und Ethnogenese. C. Winter, Heidelberg, 1998 und Lund, A.A., Die Erfindung der Germanen. In: Der altsprachliche Unterricht 38, 1995, 4 - 20

29 Wolters, 2020, 451 - 463

30 Vgl. auch Dobesch, 1982, 77 – 99 und Ament, H., 1984, 37 - 47

31 Plinius, Nat. Hist. 4, 100

32 Caesar, Bell.Gall. 6, 10

33 Tac. Ann. 2, 9 : „Flumen Visurgis Romanos Cheruscosque interfluebat. Eius in ripa cum ceteris primoribus Arminius adstitit, quaesitoque an Caesar venisset, postquam adesse responsum est, ut liceret cum fratre conloqui, oravit. erat is in exercitu cognomento Flavus, insignis fide et amisso per vulnus oculo paucis ante annis duce Tiberio. tum permissu Caesaris vocatur progressusque salutatur ab Arminio; qui amotis stipatoribus, ut sagittarii nostra pro ripa dispositi abscederent, postulat et, postquam digressi, unde ea deformitas oris, interrogat fratrem.illo locum et proelium referente, quodnam praemium recepisset, exquirit. Flavus aucta stipendia, torquem et coronam aliaque militaria dona memorat, inridente Arminio vilia servitii pretia.“

34 Jacobi, 1977, 40 f.

35 Tac. Germ. 30

36 Tac. Ann. 13, 57

37 Kehne, 2011, 82

38 a.a.O.

39 Caesar, Bell. Gall. 6, 10; 4-5

40 Beckmann, 1930, 185

41 Dio, 54, 33,1

42 a. a. O.

43 Kehne, 1998, 98 und Anmerkung 65

44 Dio 55, 1,2

45 Niemeyer, 1954/55, 18

46 Müller, 1954, 130

47 von Uslar, 1951

48 Meyer, 2020, AiD 5, 20; 31

49 a.a.O.

50 Tac. Germ. 5; 16, Italien war zur Zeit des Tacitus (56 – 117 n. Chr.) schon weitgehend entwaldet. Im Vergleich können die Landschaften Germaniens , die noch mit großen dichten Wäldern bestanden waren, tatsächlich unwirtlich, furchterregend und abschreckend auf die Römer gewirkt haben. Vgl. auch Zerjadke, M., 2018; 4 - 35

51 Meyer, 2020; 28-31

52 Meyer, 2020; 28-31

53 Kehne, 2008

54 Fuhrmann und Steinmetz, 2013; 135-141

55 a.a.O.; 137 ff.

56 Schmidt, 2002; 42

57 Siehe oben unter: Hydrologie

58 Schneider, 2009; 307

59 Schneider, 2009; 312 – 316, Katalog der Siedlungsfunde im Leinetal und weitere Literaturangaben

60 Steuer, 2020; 48 schreibt dazu: „Germanien war nicht von finsterem, undurchdringlichem Urwald bedeckt. Heute gibt es noch über 30 % Wald in Deutschland, und ebenso viel Wald gab es damals in den Landschaften im germanischen Altertum, aber keineswegs in den vielen gut besiedelbaren offenen Ebenen. Waldbedeckt waren manche Bergrücken, und in Norddeutschland fielen Moore als Siedlungsland aus. Das falsche Bild entstand für die antiken Historiker, weil es im Mittelmeergebiet fast gar keinen Wald gab. Die Legionen des Varus marschierten im Jahre 9 n. Chr. beim Engpass zwischen dem Großen Moor und dem Kalkrieser Berg nicht durch finsteren Urwald, vielmehr zogen sie auf einer alten Heerstraße, die von der Bronzezeit bis in die Neuzeit intensiv benutzt wurde. In der näheren Umgebung des sogenannten Varusschlachtfeldes, wo drei römische Legionen vernichtet wurden, sind mehrere zeitgleiche ländliche Siedlungen ausgegraben worden, die hier eine offene Landschaft bestätigen.“

61 Steuer, 2007; 356

62 Schmidt, 2002; 40 ff.

63 Zimmermann, 1992; 158

64 Schmidt, 2002; 41

65 Vgl. Beilke-Vogt, 2007, „Das „Opfer“ im archäologischen Befund. Rituelle Niederlegung von Hunden kennt man von der Feddersen Wierde, wo Hunde unter der Herdstelle deponiert sind.

66 Rosenstock, 1979 ; 192 ff.

67 Heege, 1994 ; 38 ff.

68 Meyer, 2008

69 Schuster, J., 2020; 85 - 101

70 Steuer, 2020; 49 - 53

71 Thiedmann, 2000; 37, Abbildung 5

72 a.a.O. , 47

73 Bell. Gall. 4,1;6,22,29

74 Chorographia 3, 27

75 Strabon, Geographica 7, 291

76 Tac. Germ, 5

77 Vgl. HNA, Ausgabe vom 2.10.2020; „Archäologen finden Spuren aus der Eisenzeit“

78 Seidel, 2006

79 Vgl. Willerding, 1970 ; 287 ff.

80 Plinius, Nat. Hist. 18, 44

81 Willerding 1998

82 Einer der wenigen Nachweise eines „Gemüsegartens“ [in der Germania magna] mit Beeten und Spatenspuren stammt aus Wijster/Niederlande, siehe van Es, 1967; 406, Abbildung 181, Tafel 24

83 Tac. Germ.5

84 Kreuz, 2020,; 136

85 a.a.O.

86 Kreuz 2005; 218 ff.

87 Dazu ausführlich: Becker, 2008, 133 - 143

88 Vgl. Abegg 2011; 361

89 Willerding 1998

90 Dazu ausführlich: Kalis, A. u.a., 2013, 63 - 77

91 Krüger 1978 und 1983

92 dt = Dezitonne oder Doppelzentner, entspricht 100 Kilogramm; ha = Hektar (10 000qm)

93 Harris-Linien sind Linien höherer Knochendichte, die im Röntgenbild erkennbar sind. Sie verlaufen parallel zur Epiphysenfuge in der Metaphyse langer Knochen- insbesondere des Schienbeins (Tibia). Sie sind ein Zeichen für eine kurzzeitige Veränderung im Längenwachstum der Knochen. Der Name geht auf den Erstbeschreiben Henry Albert Harris zurück. Als Ursachen von Harris-Linien werden oft Vitamin- oder Nahrungsmangel und Unterernährung oder längere Immobilität genannt. (Suter u.a., Harris lines revisited. American Journal of Human Biology 23 (3), 2011, 381-391)

94 Klingner 2010; 74)

95 Vgl. Jopp, 2006

96 Krüger 1978

97 a.a.O, 437

98 Caesar, Bell. Gall., 4,1

99 Strabon, Geographica 7, 291

100 Vgl. Tac. Germ., 6

101 Vgl. Caesar, Bell. Gall. 4,2

102 Plinius, Nat. Hist., 10,27

103 Plinius, Nat. Hist., 10,53

104 Martial, Epigr. 13,54

105 Martial, Epigr. 8,33,20; 14,26 f.

106 Martial, Epigr. 5, 68

107 Tac. Germ., 5

108 Tac. Germ., 41

109 Tac. Ann., 2, 62

110 Caes. Bell. Gall. ;4,4,5

111 Vgl. Steuer, 2020; 56 ff.

112 Tac. Ann. 12, 27,2-28,2

113 Tac. Ann.;1,70

114 Val. Max., 5,3,3; Liv. per. 142; Dio, 55, 2,2

115 Mischka, 2007

116 Wanderfeldbau oder shifting cultivation

117 Küster, 2013; 122 ff.

118 Vgl. zu dieser Problematik auch die Situation im Bereich der Lippe, die Eggenstein, 2002, 165 – 224, beschreibt.

119 Roth, 1999; 253 ff.

120 Tac. Ann. I, 56;II, 7

121 Rasbach, 2010; 77-94

122 Tac. Ann.I, 50, 3

123 Bode, 2013; Anmerkung 27

124 a.a.O., 6 ff.

125 Lindenthal, 2014; 92 - 95

126 hessenArchäologie, 2003; 151 - 153

127 Archiv des Heimatmuseums Waldgirmes

128 Schallmeyer, 2012; 95 - 101

129 Caes. Bell. Gall. 4, 16 - 19

Ende der Leseprobe aus 139 Seiten

Details

Titel
Aspekte historischer Siedlungs- und Verkehrsgeographie im Leinetal während der römischen Okkupationszeit
Untertitel
Mit 17 Abbildungen
Autor
Jahr
2020
Seiten
139
Katalognummer
V947773
ISBN (eBook)
9783346307477
ISBN (Buch)
9783346307484
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Historische Siedlungs- und Verkehrsgeographie
Arbeit zitieren
Konrad Goettig (Autor), 2020, Aspekte historischer Siedlungs- und Verkehrsgeographie im Leinetal während der römischen Okkupationszeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/947773

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