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Eine dekonstruktive Auseinandersetzung mit dem Begriff der psychischen "Erkrankung" in Anlehnung an Foucault

Von den Perspektiven des systemtheoretisch fundierten Konstruktivismus als postmoderne Reflexionstheorie

Titel: Eine dekonstruktive Auseinandersetzung mit dem Begriff der psychischen "Erkrankung" in Anlehnung an Foucault

Bachelorarbeit , 2014 , 61 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Hannah Horcht (Autor:in)

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Sind psychische Erkrankungen existent oder handelt es sich hierbei um soziale Konstruktionen, die lediglich dazu dienen, abweichendes Verhalten einzelner Menschen durch Medikalisierung in den Griff zu bekommen?

Vor allen Dingen die aus der französischen Philosophie kommende Debatte der Postmoderne, insbesondere aber zwei Persönlichkeiten des französischen Poststrukturalismus – Michel Foucault und Jacques Derrida – hinterließen bei der Autorin einen so nachhaltigen Eindruck, dass sie sich derer beider Denkanstöße als Grundlage innerhalb der Bachelorarbeit zunutze machen wollte.

Die Autorin hat sich demnach mit der zentralen Praxis der Dekonstruktion befasst, die in diesem Kontext nicht so sehr als explizite Methode zu verstehen ist, sondern vielmehr „als eine bestimmte kritische Haltung gegenüber jeglichen bestehenden Beschreibungen.

Das heißt, dass sich der Autor zwar innerhalb eines Begriffssystems aufgehalten hat, allerdings mit der Intention, genau dieses – in diesem konkreten Fall das der psychischen Krankheiten – aufzubrechen, es aus immer wieder neuen Blickwinkeln zu betrachten, die Kontexte zu verändern und so mit dem Sinn zu spielen; solange man noch auf der Seite der Vernunft steht, hat noch nicht wirklich eine Dekonstruktion stattgefunden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Beziehungen zwischen konstruktivistischem Denken, Postmoderne und Dekonstruktion

2.1 Das Phänomen der Selbstreferenz als zentraler Aspekt konstruktivistischen Denkens

2.2 Zum Verhältnis zwischen Konstruktivismus und Postmoderne

2.2.1 Die Postmoderne: Ein Eingeständnis an die Pluralität von Wirklichkeiten

2.2.2 Vom Umgang des Konstruktivismus mit dem Verlust einer objektiven Wahrheit

2.3 Dekonstruktion: Der Versuch einer Definition

3 Der Wahnsinn existiert nur in einer Gesellschaft

3.1 Die Geschichte von der ethnologischen Ausschließung des Irren

3.1.1 Das Ausschließungssystem von der Arbeit

3.1.2 Das Ausschließungssystem von der Familie

3.1.3 Das Ausschließungssystem von der Rede

3.1.4 Das Ausschließungssystem von dem gesellschaftlichen Spiel

3.1.5 Foucault über den allumfassenden Ausschluss des Irren

3.2 Der Versuch einer Analyse der Status-Veränderungen des Irren

4 Möglichkeiten und Perspektiven des systemtheoretisch fundiertem Konstruktivismus als postmoderne Reflexionstheorie

4.1 Zum Begriff des problemdeterminierten Systems

4.1.1 Was ist ein Problem ...?

4.1.2 ... und wie kommen Probleme zustande?

4.2 Sprechen wir doch von Problemen anstatt von Krankheiten: Über eine alternative Sicht der Dinge, die sich der Möglichkeit zur Veränderung widmet

5 Dekonstruktion als zentrales Thema therapeutischer Gespräche

5.1 Die Verfremdung des Heimischen: Zum Prozess der Erörterung und des Aussprechens des >>Ungesagten<<

5.1.1 Die Dekonstruktion von Geschichten, in denen Menschen leben

5.1.2 Die Dekonstruktion moderner Machtpraktiken

5.1.3 Die Dekonstruktion von Expertenwissen

5.2 Vergessen wir nicht ... die Neugier!

6 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, den Begriff der "psychischen Erkrankung" mittels einer systemtheoretisch fundierten, konstruktivistischen und dekonstruktiven Perspektive kritisch zu hinterfragen und zu verflüssigen, um Stigmatisierungen entgegenzuwirken. Die Forschungsfrage untersucht, wie die Dekonstruktion als kritische Haltung dazu beitragen kann, gesellschaftlich konstruierte Wirklichkeiten und Machtpraktiken im Umgang mit dem sogenannten Wahnsinn offenzulegen und alternative, hilfreiche Perspektiven im therapeutischen Kontext zu entwickeln.

  • Kritische Analyse des Begriffs der psychischen Erkrankung im historischen und sozialen Kontext.
  • Anwendung der dekonstruktiven Methode nach Foucault und Derrida auf den Wahnsinnsdiskurs.
  • Systemtheoretisch fundierter Konstruktivismus als postmoderne Reflexionstheorie.
  • Das Konzept des "problemdeterminierten Systems" in der therapeutischen Praxis.
  • Prozesse der Dekonstruktion von Machtpraktiken und Expertenwissen in therapeutischen Gesprächen.

Auszug aus dem Buch

Die Verfremdung des Heimischen: Zum Prozess der Erörterung und des Aussprechens des >>Ungesagten<<

„Diese Ressource, das Noch-nicht-Gesagte, ist nicht „im“ Unbewußten oder in anderen psychischen Strukturen zu finden. Es ist nicht „in“ der Familie oder einer anderen sozialen Struktur. Es ist nicht „in“ der Zelle oder einer anderen biologischen Struktur. Diese Ressource liegt nur im Unausgedrückten, in unserer Fähigkeit, miteinander in der Sprache zu sein und in der Sprache Themen, Erzählungen und Darstellungen zu entwickeln“ (ebd.).

Als grundlegend für die hier vertretene Auffassung von Therapie als Gespräch - als „Umgang mit Kommunikationen über Gefühle“ (von Schlippe & Schweitzer 2013, S. 120) anstatt als Umgang mit Gefühlen - gilt wiederum der von Luhmann geäußerte Vorschlag, „für das Verständnis menschlicher Wirklichkeit drei Klassen autopoietischer Systeme voneinander zu unterscheiden“ (ebd., S. 117); und zwar das Leben (biologisches System), das Bewusstsein (psychisches System) und die Kommunikation (soziales System) (vgl. ebd.). Wenngleich diese Systeme unabhängig voneinander agieren, so sind sie doch in bestimmter Weise gekoppelt und „setzen sich in ihrer Existenz gegenseitig voraus“ (ebd., S. 118). Dies ist die Voraussetzung dafür, dass sich trotz der relativ starken Autonomie dieser drei Systeme „eine hohe Kongruenz ergeben“ (ebd., S. 119) kann.

Das bedeutet, auch wenn Menschen nicht direkt in die Gefühle oder Gedanken anderer Menschen hineinblicken können und auch wenn kommunikative Muster als relativ unabhängig gegenüber eben diesen Gedanken und Gefühlen gelten - „Gefühle können [eben (Anm. d. Verf.)] nicht sprechen“ (ebd., S. 120) -, es doch möglich ist mittels Sprache, „einen Bewusstseinsinhalt sehr genau zu kommunizieren“ (ebd., S. 119) und die Auffassung des kommunizierten Inhalts durch erneute Kommunikation abzugleichen (vgl. ebd., S. 119f.).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Die Einleitung motiviert die kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff der psychischen Erkrankung, um dessen stigmatisierende Wirkung durch eine konstruktivistische und dekonstruktive Haltung zu hinterfragen.

2 Beziehungen zwischen konstruktivistischem Denken, Postmoderne und Dekonstruktion: Dieses Kapitel verortet die Arbeit theoretisch, indem es die Selbstreferenz als Kern des Konstruktivismus beleuchtet und das Verhältnis zur Postmoderne sowie zur Dekonstruktion als kritische Praxis klärt.

3 Der Wahnsinn existiert nur in einer Gesellschaft: Basierend auf Foucaults Arbeiten wird aufgezeigt, wie der Wahnsinn historisch und ethnologisch durch gesellschaftliche Ausschlussmechanismen (Arbeit, Familie, Rede, Spiel) konstruiert und definiert wurde.

4 Möglichkeiten und Perspektiven des systemtheoretisch fundiertem Konstruktivismus als postmoderne Reflexionstheorie: Hier wird der systemtheoretische Ansatz genutzt, um Probleme als soziale Konstruktionen statt als objektive Fakten zu begreifen und das Konzept der problemdeterminierten Systeme für die therapeutische Praxis zu adaptieren.

5 Dekonstruktion als zentrales Thema therapeutischer Gespräche: Die Arbeit überträgt dekonstruktive Ansätze auf die therapeutische Praxis, um festgefahrene Machtpraktiken und Expertenwissen zu hinterfragen und Raum für alternative Identitätsentwürfe zu schaffen.

6 Fazit: Das Fazit resümiert die theoretischen Ergebnisse und bekräftigt die Bedeutung einer dekonstruktiven Haltung, die durch Neugier und die ständige Infragestellung von Sicherheiten den Prozess der Veränderung ermöglicht.

Schlüsselwörter

Konstruktivismus, Postmoderne, Dekonstruktion, Wahnsinn, Michel Foucault, systemische Therapie, problemdeterminiertes System, soziale Wirklichkeitskonstruktion, Machtpraktiken, Selbstreferenz, Kommunikation, Psychopathologisierung, Reflexionstheorie, Diskurs, Sprache.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit setzt sich kritisch mit dem Begriff der "psychischen Erkrankung" auseinander, indem sie diesen aus Sicht des systemtheoretisch fundierten Konstruktivismus als soziale Konstruktion betrachtet und dekonstruiert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Grundlagen des Konstruktivismus und der Postmoderne, die historische Entwicklung des Wahnsinnsbegriffs bei Foucault sowie die Anwendung dekonstruktiver Verfahren in der therapeutischen Praxis.

Was ist das primäre Ziel der Bachelorarbeit?

Ziel ist es, den Begriff der "psychischen Erkrankung" zu verflüssigen, um Stigmatisierungen abzubauen und den Blick auf die soziale Entstehung von Problemen sowie auf alternative, konstruktive Handlungsspielräume zu lenken.

Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?

Die Arbeit verwendet eine theoretisch-analytische Methode, insbesondere durch die Anwendung dekonstruktiver Ansätze nach Jacques Derrida sowie einer historischen und ethnologischen Analyse nach Michel Foucault.

Welche Aspekte werden im Hauptteil fokussiert?

Der Hauptteil behandelt die historische Konstruktion des Wahnsinns, die Einführung des systemtheoretischen Konzepts des "problemdeterminierten Systems" sowie praktische Strategien zur Dekonstruktion von Machtpraktiken und Expertenwissen im therapeutischen Setting.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Konstruktivismus, Dekonstruktion, Postmoderne, Wahnsinn, soziale Wirklichkeitskonstruktion und systemische Therapie.

Wie unterscheidet sich die Sichtweise auf das "Problem" in dieser Arbeit von einer klassischen psychiatrischen Perspektive?

Während die klassische Psychiatrie Probleme oft als inhärente Defekte oder Pathologien eines Individuums betrachtet, versteht diese Arbeit Probleme als soziale Konstruktionen, die innerhalb eines Kommunikationssystems entstehen und durch veränderte Beschreibungen auch verändert werden können.

Was bedeutet die "Verfremdung des Heimischen" im Kontext therapeutischer Gespräche?

Sie bezeichnet den dekonstruktiven Prozess, vermeintlich selbstverständliche Gewissheiten, Praktiken und Machtstrukturen im Leben der Klienten in Frage zu stellen, um neue Perspektiven und alternative Erzählungen jenseits der dominierenden Problembeschreibung zu ermöglichen.

Warum ist die "Neugier" für den dekonstruktiven Prozess so essenziell?

Die Neugier ist entscheidend, da sie den Therapeuten und Klienten erlaubt, sich vom "schon Gewussten" zu lösen, das Ungesagte zu explorieren und sich auf einen offenen Prozess einzulassen, der nicht auf eine vorab definierte Lösung, sondern auf neue Möglichkeiten der Identitätsgestaltung zielt.

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Details

Titel
Eine dekonstruktive Auseinandersetzung mit dem Begriff der psychischen "Erkrankung" in Anlehnung an Foucault
Untertitel
Von den Perspektiven des systemtheoretisch fundierten Konstruktivismus als postmoderne Reflexionstheorie
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,3
Autor
Hannah Horcht (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
61
Katalognummer
V947879
ISBN (eBook)
9783346284563
ISBN (Buch)
9783346284570
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Systemische Therapie; Konstruktivismus; Dekonstruktion als Lösungsorientierung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Hannah Horcht (Autor:in), 2014, Eine dekonstruktive Auseinandersetzung mit dem Begriff der psychischen "Erkrankung" in Anlehnung an Foucault, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/947879
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Leseprobe aus  61  Seiten
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