Konfliktmanagement. Verfahren zur außergerichtlichen Streitbeilegung von Baustreitigkeiten


Hausarbeit, 2016

11 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Konfliktmanagement in der Baubranche

2 Verfahren zur außergerichtlichen Streitbeilegung
2.1 Außergerichtliche Streitbeilegung ohne Dritte
2.1.1 Partnering
2.1.2 Interessenorientiertes Verhandeln
2.2 Außergerichtliche Streitbeilegung ohne entscheidungsbefugten Dritten
2.2.1 Moderation
2.2.2 Mediation
2.2.3 Mini-Trail
2.2.4 Schlichtung
2.2.5 Frühe neutrale Bewertung
2.3 Außergerichtliche Streitbeilegung mit entscheidungsbefugten Dritten
2.3.1 Adjudikation
2.3.2 Disput Boards
2.3.3 Schiedsgutachten
2.3.4 Schiedsgericht

3 Favorisiertes Streitbeilegungsverfahren - Adjudikation
3.1 Gründe für die Favorisierung
3.2 Genaue Beschreibung des Adjudikations-Verfahrens

4. Quellenverzeichnis

1. Konfliktmanagement in der Baubranche

In der Baubranche sind Konflikte allgegenwärtig und enden häufig auch mit gegenseiteigen Schuldzuweisungen vor Gericht. Diese Gerichtsverfahren sind in aller Regel recht langwierig und kostenintensiv. Die durchschnittliche Verfahrensdauer beträgt in der ersten Instanz sechs bis neun Monate, bei einer Berufung sogar 1,5 Jahre. Das führt dazu, dass die jeweiligen Parteien enorme Kapazitäten über einen langen Zeitraum aufbringen müssen. Zudem kann es zu einer Entfremdung der Parteien führen und dazu, dass das Projektinteresse aus den Augen verloren wird. Die Schuldfrage kann bei Bauprojekten häufig nicht eindeutig geklärt werden. Dies liegt daran, dass bei Bauprojekten eine hohe Komplexität vorhanden ist und meistens viele verschiedene Parteien beteiligt sind. Auf Grund dessen ist der Ausgang von Gerichtsprozessen in der Baubranche mit einer starken Unsicherheit behaftet. Deshalb werden in der Baubranche zunehmend Forderungen nach außergerichtlichen Verfahren zur Streitbeilegung gestellt. Solche außergerichtlichen Einigungen werden International bereits sehr häufig verwendet, innerhalb von Deutschland jedoch noch vergleichsweise selten. Allerdings werden diese in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen. Nachfolgend werden die wichtigsten Arten der außergerichtlichen Streitbeilegung vorgestellt, die in Deutschland bereits verwendet werden.1 Für einige Verfahren wurden bereits von der Deutschen Institution für Schiedsgerichtbarkeit (DIS) Regelwerke aufgestellt:

- DIS-Schlichtungsverordung (2002)
- DIS-Schiedsgerichtsordung (2003)
- DIS-Konfliktmanagement (2010)
- DIS-Mediationsverordung (2010)
- DIS-Verfahrensordnung für Adjudikation (2010)
- DIS-Schiedsgutachtenordnung2

2. Verfahren zur außergerichtlichen Streitbeilegung

2.1 Außergerichtliche Streitbeilegung ohne Dritte

Hierbei wird versucht die vorliegenden Konflikte ohne Einbeziehung von Dritten zu lösen. Im Kern geht es darum, dass die verschiedenen Parteien ein gutes Verhältnis zueinander aufbauen und bei den Verhandlungen das Projektinteresse nicht aus den Augen verlieren.

2.1.1 Partnering

Das Ziel beim Partnering ist es, dass die verschiedenen Projektbeteiligten ein gutes Verhältnis zueinander aufbauen. Dazu müssen sich die unterschiedlichen Parteien in einem emotionsfreien Rahmen treffen um ein gemeinsames Verständnis der anstehenden Aufgaben zu entwickeln. Dies dient dazu, dass später Missverständnisse oder Meinungsverschiedenheiten leichter gelöst werden können oder im besten Fall sogar ganz vermieden werden. Partnering muss schon vor Projektbeginn begonnen werden und während der gesamten Projektphase angewendet werden. Durch den frühen Beginn dieser Methode bringt diese einige Vorteile mit sich, wie beispielsweise eine frühe Kosten- und Terminsicherheit aufgrund des gemeinsam erarbeiteten Leistungssolls und eine ausgewogene Vertragsgestaltung. Neben den Vorteilen gibt es aber auch einige Nachteile, so können durch die engen Kontakte beispielweise einige Reibungspunkte entstehen. Zusätzlich wird noch ein deutlich erhöhter Koordinationsaufwand benötigt und jeder Projektbeteiligte muss sich auf diese Methode einlassen und diese über die gesamte Projektdauer anwenden. Da das Partnering bereits vor Projektbeginn startet sind noch keinerlei Konflikte entstanden, dadurch ist diese Methode eher als eine präventive Konfliktbewältigung zu sehen.3

2.1.2 Interessenorientiertes Verhandeln

Beim interessenorientierten Verhandeln wird das sogenannte Harvard-Konzept genutzt. Dabei soll eine Trennung der Beziehungsebene von der Sachebene stattfinden und es sollen möglichst viele Kompromisse gesucht werden um eine win-win-Situation zu kreieren. Durch diese Verhandlungstechnik können Geschäftsbeziehungen gestärkt werden und die Kommunikation zwischen den Parteien verbessert werden, wodurch ein reibungsloserer Projektablauf erreicht werden kann. Der größte Nachteil dieser Methode ist, dass sich die beiden Parteien auf die Methode einlassen müssen und somit auch der anderen Vertragspartei ein hohes Maß an Vertrauen zukommen lassen und damit verbunden auch sehr viele Informationen.4

2.2 Außergerichtliche Streitbeilegung ohne entscheidungsbefugten Dritten

Hierbei wird ein unabhängiger Dritter hinzugezogen, der keinerlei Entscheidungsbefugnis hat. Er soll vielmehr als Vermittler dienen und die Verhandlungen zwischen den verschiedenen Parteien leiten.

2.2.1 Moderation

Unter Moderation versteht man die Unterstützung von Verhandlungen durch einen neutralen Dritten, der lediglich die Aufgabe hat die Verhandlungen zu leiten und für eine gute Kommunikation der Parteien zu sorgen. Der Moderator soll aber keine inhaltlichen Änderungen vornehmen und somit nicht aktiv in die Verhandlung eingreifen. Dies bringt den Vorteil mit sich, dass die Verhandlungen weiterhin frei geführt werden können. Jedoch muss beachtet werden, dass dies gleichzeitig ein Nachteil sein kann, da die Vertragsparteien nicht daran gehindert werden positionsorientiert zu verhandeln.5

2.2.2 Mediation

Bei der Mediation werden Auseinandersetzungen zusammen mit einem unabhängigen Mediator in einem Konstruktiven Dialog gelöst. Aufgabe des Mediators ist es hierbei die unterschiedlichen Parteien zu unterstützen um Möglichkeiten einer Einigung zu finden und die bestehenden Probleme zu lösen. Hierzu können im allseitigen Einvernehmen auch Einzelgespräche durchgeführt werden. Dieses Verfahren ist ein freiwilliges, nicht formalisiertes Verfahren, dass in seinem Verlauf nicht bindend ist. Jedoch ist das Ziel der Mediation eine schriftliche Vereinbarung, die für die beiden Parteien bindend ist. Der größte Vorteil bei der Mediation ist wohl, dass die Entscheidungsgewallt ausschließlich bei den jeweiligen Parteien liegt. Zudem kann durch die Mediation viel Zeit gespart werden und es entstehen nur vergleichsweise geringe Kosten. Die Erfolgsquote von solchen Verfahren liegt bei ca. 80%. Allerdings hat die Mediation auch einige Nachteile, so kann beispielsweise keine Einigung der Vertragsparteien erzwungen werden.6

2.2.3 Mini-Trail

Hierbei wird der Sachverhalt in komprimierter Form von den Rechtanwälten der jeweiligen Partei vorgestellt. An diesen Vorträgen sind hochrangige Angestellte der jeweiligen Partei und ein neutraler Dritter anwesend, die sich anhand dieser Vorträge ein Bild über den Sachverhalt machen können. Nach der Präsentation werden zwischen den anwesenden Personen Vergleichsverhandlungen durchgeführt und ein Vergleichsvorschlag erarbeitet. Vorteil hierbei ist, dass die Verhandlungen versachlicht werden und ohne Emotionen durchgeführt werden können. Allerdings ist diese Variante nicht sehr weit verbreitet, da sie nur bedingt zu einer Lösung führt, da hierbei ebenfalls keine Einigung der Vertragsparteien erzwungen werden kann. Das Ergebnis ist von der Kompromissbereitschaft der beiden Parteien abhängig.7

2.2.4 Schlichtung

Das Schlichtungsverfahren ist ein freiwilliges, nichtöffentliches Verfahren, das auf einer privatrechtlichen Übereinkunft beruht. Hierbei wird versucht die Lösung eines Problems unter der Leitung eines unabhängigen Dritten zu finden. Falls keine Lösung gefunden wird muss der Schlichter den Parteien einen Vorschlag zur Streitbeilegung unterbreiten, der von den beiden Parteien angenommen oder abgelehnt werden kann. Das Schlichtungsverfahren kann zu jeder Zeit im Projekt erfolgen. Das Verfahren kann vor Projektbeginn vertraglich vereinbart werden, oder sobald ein Streitfall auftritt. Der Vorteil hierbei liegt darin, dass anders als bei der Mediation, die Einigung der Parteien aufgrund eines Konkreten Vorschlags durch den Schlichter erfolgen kann. Allerdings ist hierbei ebenfalls der Nachteil gegeben, dass der Schlichtungsvorschlag nicht bindend ist und die Einigung der Parteien damit nicht erzwungen wird.8

2.2.5 Frühe neutrale Bewertung

Hierbei unterstützt ein Dritter die Parteien bei ihren Vergleichsverhandlungen. Besonderen Wert wird dabei auf die Einschätzung der Rechtslage und die wirtschaftliche oder technische Einordnung gelegt. Der Dritte soll hierbei auch mehrere Vorschläge zur Lösung des Problems liefern. Dadurch werden die Prozessaussichten für die jeweiligen Parteien frühzeitig bewertet. Dies ist ein rein informatives Verfahren um entscheiden zu können, was die weiterführenden Schritte zur Lösung des Problems sind. Eine Konkrete Lösung kann dieses Verfahren nicht liefern.9

2.3 Außergerichtliche Streitbeilegung mit entscheidungsbefugten Dritten

Hierbei wird eine unabhängige Dritte Person hinzugezogen, die eine umfassende Entscheidungsbefugnis hat. Die Entscheidung die durch diese Person getroffen wird ist verbindlich.

2.3.1 Adjudikation

Beim Adjudikationsverfahren werden die Sachverhalte und rechtlichen Gegebenheiten von unparteiischen Dritten überprüft. Diese unabhängigen Fachläute werden auf den Antrag mindestens einer Partei eingeschaltet und sollen die Aufgetretenen Konflikte analysieren und lösen. Dieses Verfahren kommt hauptsächlich während der Planungs- und Bauphase zum Einsatz und wird sehr oft bei Großprojekten angewendet. Momentan ist die Adjudikation in Deutschland nicht geregelt, sondern muss von beiden Parteien vertraglich vereinbart werden. Das Ziel ist es Konflikte zu lösen, bevor diese sich zu aufwendigen Rechtsstreitigkeiten ausweiten, die sehr Kosten- und Zeitintensiv sind. Damit diese schnelle Konfliktlösung erreicht werden kann muss der sogenannte Adjudikator seine Entscheidungen innerhalb einer sehr kurzen Frist treffen. Der größte Vorteil der Adjudikation liegt darin, dass Konflikte entschärft werden, bevor diese sich verselbstständigen und sehr teuer und zeitintensiv werden. Zudem kann das gesamte Verfahren recht schnell durchgeführt werden, wodurch keine unnötigen Verzögerungen entstehen. Nachteile der Adjudikation sind, dass die Entscheidungen häufig für andere Projektbeteiligte wie z.B. Nachunternehmer oft nicht bindend sind. Zudem gestaltet sich gelegentlich die Vollstreckung des Adjudikationsspruchs als recht schwierig. Die Adjudikation ist ähnlich anzusehen wie die Schlichtung, allerdings unterscheidet sie sich in der Entscheidungskompetenz des Adjudikators. Im Vergleich zu Schiedsgerichten und Schiedsgutachten ist bei der Adjudikation lediglich eine vorläufige Verbindlichkeit der Entscheidung vorhanden, wohingegen bei einem Schiedsgericht und einem Schiedsgutachten eine endgültig verbindliche Entscheidung vorliegt.10

[...]


1 Vgl. Prof. Dr. Michaela Moser: „Brücken Bauen! Konfliktmanagement in der Bauwirtschaft S.5

2 Vgl. www.dis-arb.de/de/16/regeln/uebersicht-id0

3 Vgl. Arbeitskreis 1 der DGA-Bau: „Verfahrenskurzbeschreibungen der außergerichtlichen Streitlösung und der Gerichtsverfahren", S.1/3

4 Vgl. Arbeitskreis 1 der DGA-Bau: „Verfahrenskurzbeschreibungen der außergerichtlichen Streitlösung und der Gerichtsverfahren", S.2/32.

5 Vgl. Arbeitskreis 1 der DGA-Bau: „Verfahrenskurzbeschreibungen der außergerichtlichen Streitlösung und der Gerichtsverfahren", S.1/7

6 Vgl. Bayerische Ingenieurkammer-Bau: „Außergerichtliche Streitbeilegung - Anwendung von Verfahren aus Sicht der Ingenieure" August 2009, S.9

7 Vgl. Arbeitskreis 1 der DGA-Bau: „Verfahrenskurzbeschreibungen der außergerichtlichen Streitlösung und der Gerichtsverfahren", S.3/7

8 Vgl. Bayerische Ingenieurkammer-Bau: „Außergerichtliche Streitbeilegung - Anwendung von Verfahren aus Sicht der Ingenieure" August 2009, S.11

9 Vgl. Arbeitskreis 1 der DGA-Bau: „Verfahrenskurzbeschreibungen der außergerichtlichen Streitlösung und der Gerichtsverfahren", S.7/7

10 Vgl. Arbeitskreis 1 der DGA-Bau: „Verfahrenskurzbeschreibungen der außergerichtlichen Streitlösung und der Gerichtsverfahren", S.1/4 Und Vgl. Bayerische Ingenieurkammer-Bau: „Außergerichtliche Streitbeilegung - Anwendung von Verfahren aus Sicht der Ingenieure" August 2009, S.12

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Konfliktmanagement. Verfahren zur außergerichtlichen Streitbeilegung von Baustreitigkeiten
Hochschule
HBC Hochschule Biberach. University of Applied Sciences
Veranstaltung
Nachtragsmanagement
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V947911
ISBN (eBook)
9783346284297
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konfliktmanagement, Ausergerichtliche Streitbeilegung, Baustreitigkeiten, Nachtragsmanagement, Bauingenieurwesen, Partnering, Moderation, Mediation, Mini-Trail, Schlichtung, Adjudikation, Disput Boards, Sciedsgutachten, Schiedsgericht, Hochschule Biberach, Projektmanagement
Arbeit zitieren
Timo Hess (Autor), 2016, Konfliktmanagement. Verfahren zur außergerichtlichen Streitbeilegung von Baustreitigkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/947911

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