Die Arbeit analysiert die Wichtigkeit eines Compliance-Management-Systems (CMS) durch Betrachtung gesetzlicher Vorschriften und allgemein gültiger Compliance-Ziele. Abschließend wird ein Compliance-Management-System Framework konstruiert sowie die Umsetzbarkeit anhand eines konkreten Beispiels erläutert.
Die Einhaltung von Gesetzen und unternehmensinterner Normen und Verhaltensregeln sollte als selbstverständlich gelten. Allerdings besteht die Versuchung oder die Unwissenheit, grundlegende Rechte und Regeln zu missachten. Die Statistik der Wirtschaftskriminalität weist 50% des Gesamtschadensvolumen aller polizeilich erfassten Straftaten auf. Die Schadensumme der Wirtschaftskriminalität für das Jahr 2018 belief sich auf über 3.356 Mrd. Euro. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in der Berechnung Wirtschaftsstraftaten, die durch die Staatsanwaltschaft oder Finanzbehörden bearbeitet wurden, nicht betrachtet werden. Des Weiteren ist zu bemerken, dass die Konsequenzen der Wirtschaftskriminalität nicht vollständig erfasst werden können und die Einschätzung der Schadenssumme als subjektiv zu urteilen ist.
Reputationsschäden, Vertrauensverluste gegenüber Kunden und Stakeholdern oder auch der Verlust von Wettbewerbsvorteilen weisen ein weiteres nicht quantifizierbares Schadenspotenzial auf. Die Reputation des Unternehmens wird durch das Verhalten der Arbeitnehmer und Geschäftsleitung beeinflusst. Dabei kann die Verweigerung oder die bewusste Missachtung von Gesetzen, Regeln oder allgemeinen ethischen Grundsätzen die Reputation des Unternehmens gefährden. Die Unternehmensverantwortung besteht daher in der Aufrechterhaltung eines regelkonformen Verhaltens im Unternehmen. Der CMS Compliance-Barometer beschreibt in diesem Zusammenhang die Ausprägung von Compliance in Großunternehmen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ziele
3 Gesetzliche Grundlagen
4 Compliance-Management-System Framework
5 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Implementierung von Compliance-Management-Systemen (CMS) als Instrument zur Risikokontrolle und Schadensprävention in Unternehmen. Dabei wird analysiert, wie durch die Einhaltung gesetzlicher Rahmenbedingungen und ethischer Standards rechtliche, wirtschaftliche sowie Reputationsschäden vermieden und die Unternehmensverantwortung gestärkt werden können.
- Bedeutung von Compliance zur Vermeidung von Wirtschaftskriminalität
- Analyse der gesetzlichen Grundlagen und Haftungsrisiken für Organmitglieder
- Konstruktion eines strukturierten Compliance-Management-System Frameworks
- Die drei zentralen Funktionen von Compliance: Aufklärung, Reaktion und Prävention
- Praxisbeispiel der Siemens AG zur erfolgreichen Umsetzung von Compliance-Strukturen
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Die Einhaltung von Gesetzen und unternehmensinterner Normen und Verhaltensregeln sollte als selbstverständlich gelten. Allerdings besteht die Versuchung oder die Unwissenheit grundlegende Rechte und Regeln zu missachten. Die Statistik der Wirtschaftskriminalität weist 50% des Gesamtschadensvolumen aller polizeilich erfassten Straftaten auf. Die Schadensumme der Wirtschaftskriminalität für das Jahr 2018 belief sich auf über 3.356 Mrd. Euro, dabei ist zu berücksichtigen das in der Berechnung Wirtschaftsstraftaten, die durch die Staatsanwaltschaft oder Finanzbehörden bearbeitet wurden, nicht betrachtet werden. Des Weiteren ist zu bemerken, dass die Konsequenzen der Wirtschaftskriminalität nicht vollständig erfasst werden können und die Einschätzung der Schadenssumme als subjektiv zu urteilen ist.
Reputationsschäden, Vertrauensverluste gegenüber Kunden und Stakeholdern oder auch der Verlust von Wettbewerbsvorteilen weisen ein weiteres nicht quantifizierbares Schadenspotenzial auf (Vgl. „Bundeslagebild Wirtschaftskriminalität 2018“, o. J.). Die Reputation des Unternehmens wird durch das Verhalten der Arbeitnehmer und Geschäftsleitung beeinflusst. Dabei kann die Verweigerung oder die bewusste Missachtung von Gesetzen, Regeln oder allgemeinen ethischen Grundsätzen die Reputation des Unternehmens gefährden. Der Diesel Abgasskandals der Volkswagen AG verursachte einen Absatzrückgang durch Image- und Vertrauensverluste in die Marke VW und eine steigende Schadenssumme von über 30 Mrd. Euro (Vgl. „Konzernbericht“, o. J., Zugriff am 20.05.2020; „Staatsanwaltschaft vermutet hohen Schaden für VW-Kunden“, o. J., Zugriff am 20.05.2020) . Die Unternehmensverantwortung besteht daher in der Aufrechterhaltung eines regelkonformen Verhaltens im Unternehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz von Compliance zur Vermeidung von Wirtschaftskriminalität und verdeutlicht anhand von Schadensbeispielen die Notwendigkeit von präventiven Unternehmensstrukturen.
2 Ziele: Hier werden die ökonomischen und reputativen Vorteile eines rechtskonformen Verhaltens sowie die Reduktion von Rechtsverstößen durch ein effektives Compliance-Management thematisiert.
3 Gesetzliche Grundlagen: Das Kapitel analysiert die rechtliche Situation für Kapitalgesellschaften und die Haftung von Führungsorganen, insbesondere unter Berücksichtigung von OWiG und AktG.
4 Compliance-Management-System Framework: Es wird ein systematischer Rahmen vorgestellt, der die sieben Grundelemente eines CMS in ein Modell mit den Funktionen Aufklärung, Reaktion und Prävention überführt.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung, wie ein unternehmensspezifisches CMS die Sorgfalts- und Aufsichtspflicht der Geschäftsleitung unterstützt und Haftungsrisiken mindert.
Schlüsselwörter
Compliance-Management-System, CMS, Wirtschaftskriminalität, Schadensprävention, Risikokontrolle, Compliance-Officer, Unternehmensverantwortung, Haftungsrisiko, Aktiengesetz, Gesetz über Ordnungswidrigkeiten, Corporate Governance, Compliance-Framework, Siemens AG, Integrität, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Implementierung von Compliance-Management-Systemen, um Unternehmen vor rechtlichen und wirtschaftlichen Schäden durch regelwidriges Verhalten zu schützen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die gesetzlichen Anforderungen an Unternehmen, die Haftung der Geschäftsleitung, die Definition von Compliance-Zielen sowie die praktische Ausgestaltung von Kontroll- und Präventionsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Wichtigkeit eines funktionierenden CMS zu analysieren und ein Framework zu entwickeln, das Unternehmen bei der Etablierung rechtskonformer Prozesse unterstützt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse gesetzlicher Vorschriften, aktueller Rechtsurteile und bewährter Standards wie den IDW PS 980, um ein theoretisches Framework zu konstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die gesetzlichen Grundlagen für CMS, stellt die sieben Grundelemente nach IDW PS 980 vor und konstruiert daraus ein Framework, das die Funktionen Aufklärung, Reaktion und Prävention integriert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Compliance-Management-System, Risikokontrolle, Schadensprävention, Unternehmensverantwortung und Haftung der Geschäftsführung.
Wie spielt das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 17. Juli 2009 eine Rolle?
Dieses Urteil ist zentral, da es die rechtliche Verpflichtung des Compliance-Officers zur aktiven Verhinderung von Regelverstößen und Straftaten im Unternehmen unterstreicht.
Welches Praxisbeispiel wird zur Veranschaulichung herangezogen?
Die Arbeit nutzt das Compliance-System der Siemens AG als Fallbeispiel, um zu zeigen, wie durch die drei Funktionen Aufklärung, Reaktion und Prävention Wettbewerbsvorteile erzielt werden können.
- Arbeit zitieren
- Tanay Tuncer (Autor:in), 2020, Schadensprävention und Risikokontrolle durch Compliance-Management-Systeme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/947926