Exotismus in der Gartenlaube - Eine Untersuchung am Beispiel des Familienblattes: "Die Gartenlaube"


Hausarbeit (Hauptseminar), 1998

37 Seiten


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Inhalt

1. Einleitung

2. Exotismus im Zeitalter des Imperialismus
2.1. Exotismus - Versuch einer Definition
2.2. Erscheinungsformen des Exotismus

3. Die Gartenlaube
3.1. Zu Geschichte und Bedeutung der Gartenlaube
3.2. Zum Selbstverständnis der Gartenlaube
3.3. Die Leserschaft

4. Exotismus in der Gartenlaube - ein Widerspruch?
4.1. Erscheinungsformen
4.2. Geschichten aus der ´Neuen Welt´
4.3. Jagdfieber - Ein primitivistisches Moment
4.4. Aus den Kolonialgebieten

5. Zusammenfassung

6. Abbildungen

7. Quellen

8. Literatur

1. Einleitung

Exotismus in der Gartenlaube - dieser Titel scheint auf den ersten Blick einen Widerspruch in sich zu bergen. Selbst nach der Erkenntnis, daß es sich bei der Gartenlaube um eines der erfolgreichsten Familienblätter des letzten Jahrhunderts handelt, stehen beide Begriffe in einer gewissen Opposition zueinander. Assoziiert doch der Name dieser Zeitschrift eine mit Familie, Haus und Heim verbundene bürgerliche Vertraulichkeit, den Rückzug in die beschauliche und sichere, gleichzeitig aber auch beengte und reglementierte Familienstube, während das Interesse an exotischen, fremden Dingen oft mit ungestillten Sehnsüchten nach individueller Freiheit und Selbstverwirklichung verbunden ist und somit einen Gegensatz darstellt. Dennoch existierten im 19. Jahrhundert beide gesellschaftlichen Erscheinungen in stark ausgeprägter Form nebeneinander und traten dabei in eigentümliche Wechselwirkung zueinander. Der Exotismus ist dabei ein Phänomen, das zwar vorrangig in der Literatur sowie der Kunst in Erscheinung trat, auf diese Weise aber dennoch entsprechende gesellschaftliche Ambitionen widerspiegelte, die auch von der Gartenlaube aufgegriffen wurden.

In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, inwiefern in dem Familienblatt Die Gartenlaube 1 dem wachsenden gesellschaftlichen Interesse an fremdländischen außereuro- päischen Kulturen Rechnung getragen und welches Bild auf diese Weise von ihnen vermittelt wurde. Schließlich eröffneten Länder- und völkerkundliche Beiträge ein vielseitiges Stoffgebiet, daß kein Familienblatt im Hinblick auf seine Leserschaft ausklammern konnte. Hierbei spielt die Auswahl der Themen ebenso eine Rolle wie die Intensität, also der Raum der entsprechenden Beiträgen innerhalb des Familienblattes zugestanden wurde sowie die Form der Berichterstattung. Darüber hinaus stellt sich die Frage nach der Ausrichtung der Berichte. Sind sie objektiv oder weisen sie Tendenzen auf? Diese Frage erscheint besonders interessant vor dem Hintergrund, daß sich Die Gartenlaube ebenso als Förderer von National- und Heimatgefühl, volkstümlicher Moral und einem gesunden Familienleben wie beispielsweise auch als Bekämpfer der Auswanderungsbewegung verstand.2 Eine detaillierte Darstellung des Forschungsstandes gestaltet sich insofern schwierig, da Die Gartenlaube aufgrund ihrer Informationsfülle als historische Quelle bereits Untersuchungsgegenstand unterschiedlichster wissenschaftlicher Disziplinen geworden ist, und die an sie gerichteten Fragestellungen sich sehr differenziert gestalteten, so daß ihren Ergebnissen für diese Arbeit nur periphere Bedeutung zukommt und ein näherer Eingang sich daher an dieser Stelle erübrigt. Hingewiesen sei lediglich auf die Dissertation Dieter Barths, der in seiner Untersuchung über die Entwicklung der verschiedenen Familienblätter einen kurzen Abschnitt dem quantitativem Vergleich von völkerkundlichen Themen in diesen Zeitschriften widmet.3 Daher kann die hier vorgenommene inhaltliche Auswertung durchaus als neuer Ansatz betrachtet werden.

Als Untersuchungsgegenstand hat sich Die Gartenlaube nicht nur angeboten, da sie von den 60er Jahren bis zum Beginn der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts die auflagenstärkste deutschsprachige Zeitschrift4 war und darüber hinaus in vielen Haushalten die einzige schriftliche Informationsquelle darstellte, sondern auch aufgrund der Tatsache, daß die Geschichte der Zeitschrift in Deutschland eng einherging mit der Entwicklung des deutschen Bürgertums. Die Gartenlaube kann aufgrund ihrer Verbreitung durchaus als Massenmedium bezeichnet werden, daß die öffentliche Meinung jener Zeit sowohl produzierte als auch reflektierte, also mit den anderen am Kommunikationsprozeß beteiligten Faktoren, Nachricht und Rezipient, in einem interdependenten Wirkungsverhältnis stand.

Eine angemessene Auswertung der vorhandenen Informationsfülle im Rahmen dieser Arbeit erforderte einige gezielte Eingrenzungen. So wird der Untersuchungszeitraum sich, beginnend mit der Ersterscheinung des Blattes im Jahr 1853, auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts beschränken, jedoch nicht darüber hinausgehen.5 Für diesen Erscheinungsabschnitt sind einige charakteristische Artikel aus der Gartenlaube zur exemplarischen Untersuchung ausgewählt worden. Die Alternative einer engeren zeitlichen Eingrenzung zugunsten einer intensiveren Auswertung erwies sich als wenig sinnvoll, da die Familienzeitschrift in dieser Phase ebenfalls einem starken Profilwandel unterlag, worauf zu einem späterem Zeitpunkt noch eingegangen wird. Festzuhalten bleibt an dieser Stelle jedoch, daß eine solche Vorgehensweise daher nur zu begrenzt aussagefähigen Ergebnissen geführt hätte.

Im Folgenden soll neben dem Versuch einer Definition, die Entwicklung des Exotismus als gesellschaftlichem Phänomen, besonders des 19. Jahrhunderts näher erläutert werden. Zwar hat diese Erscheinung in der Kunst-, Kultur- und Literaturwissenschaft, besonders in Frankreich, vereinzelt das Forschungsinteresse auf sich gezogen, doch wurde dieser Erscheinung unter geschichtswissenschaftlichen Aspekten nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet, weshalb sich die Literaturlage auch in diesem Bereich als problematisch erweist.6 Da dieser Aspekt den Ausgangspunkt der Untersuchung darstellt erscheint eine nähere Vertiefung unerläßlich. Indessen werden die politischen und sozialen Verhältnisse in Deutschland, insbesondere die imperialistischen Bestrebungen der europäischen Staaten als eine Triebfeder für den Exotismus als bekannt vorausgesetzt.

Anschließend wird auf den gesellschaftlichen Stellenwert der Gartenlaube eingegangen. Das Selbstverständnis der Herausgeber und Schreiber, ihre Ziele und nicht zuletzt ihre Zielgruppen sind hierbei von Bedeutung, da diese Aspekte in direktem Zusammenhang mit der Fragestellung stehen. Auf dieser Basis erfolgt im vierten Abschnitt eine intensive Auseinandersetzung mit der Berichterstattung der Gartenlaube.

Die vorliegende Untersuchung ist im Anschluß an ein Seminar unter dem Schwerpunkt Europ ä ischer Imperialismus im 19. und 20. Jahrhundert entstanden. Der Exotismus, der nicht nur in Kunst und Literatur, sondern auch in verschiedenen Bereichen des Alltags hervortrat, begründet sich letztendlich auf das imperialistische Ausgreifen europäischer Mächte nach fernen Welten und wurde dadurch kontinuierlich gefördert, wenn auch erst innereuropäische Krisenerscheinungen ihm zu seiner vollen Entfaltung verhalfen.

2. Exotismus im Zeitalter des Imperialismus

2.1. Exotismus - Versuch einer Definition

Eine eindeutige und allgemeingültige Definition des Begriffs Exotismus gestaltet sich schon aus dem Grund als problematisch, da er einerseits als literatur- und kulturwissenschaftlicher Forschungsgegenstand betrachtet wird, andererseits aber auch ein soziales und gesellschaftliches Phänomen darstellt, das selbstverständlich dem geschichtlichem Wandel unterliegt und zu allen Zeiten verschiedene Strömungen von unterschiedlicher Intensität aufweist. Zunächst einmal bezeichnet der Begriff eine ,,(...) Einstellung, Grundhaltung, die sich durch eine im besonderen Ma ß e positive Bewertung (Vorliebe) f ü r das jeweils Fremde (zeitlich oder r ä umlich Entfernte) auszeichnet und diesem eine besondere Anziehungskraft zuschreibt. (...) ein (...) Ordnungsmuster, in dem Angeh ö rige einer bestimmten Kultur alles zu einer fremden Kultur Geh ö rige und deren Repr ä sentanten mit einer besonderen Aura ausstatten, wobei der Grad der Attraktivit ä t mit der Gr öß e der Unkenntnis zu steigen vermag." 7

Diese grob umrissenen Merkmale besaßen auch im 19. Jahrhundert Gültigkeit, was im folgenden genauer betrachtet werden soll, da der Exotismus hier, aufgrund politischer und sozialer Umwälzungsprozesse, in seinen Erscheinungsformen zu besonderen Ausprägungen gelangte. Der Ursprung dieses Terminus geht auf den französischen Romantiker Theophile Gautier zurück, der ebenfalls zwischen einem Exotismus sowohl der räumlichen als auch der zeitlichen Entfernung unterschied,8 als Kernpunkt also die Sehnsucht nach dem Anderen konstatierte, was sich im literarischen Bereich ebenso in der Schilderung fremder, meist außereuropäischer Kulturen und Lebensformen als auch im Rückgriff auf vergangene Epochen wie Vorzeit, Antike und Renaissance ausdrückt.

Als Erscheinung vor allem des 18. und 19. Jahrhunderts stellte diese Sehnsucht in erster Linie eine Reaktion auf die in Europa stattfindenden Transformationsprozesse dar und diente dazu, den vorherrschenden und bekannten Verhältnissen zu entfliehen.9 Dies läßt sich dadurch begründen, daß der Exotismus zwar nicht zwangsläufig ein bürgerlich- industriegesellschaftliches Phänomen darstellt, aber hier doch in den entscheidenden Umbruchphasen seine Höhepunkte erfuhr.10 So bot der fast ausschließlich positiv besetzte Exotismus, unabhängig in welcher Erscheinungsform, eine Fluchtmöglichkeit vor den Folgen der zivilisatorischen Entwicklung in eine oft imaginäre Ferne, in das Andere oder auch Vergangene. ,, Aus dem Gef ü hl heraus, da ß die Gegenwart ihm die Befriedigung seiner W ü nsche versagt, die ihm unter anders gelagerten Verh ä ltnissen durchaus als erf ü llbare Bed ü rfnisse erscheinen, schafft sich der Exotist ein Wunschbild." 11 Dieser Eskapismus ist als Reaktion des Individuums zu verstehen, dem sich seine Umwelt durch die Auswirkungen dieser Zivilisationsprozesse, wie wachsende Restriktion, Komplexität und Uniformität zunehmend entfremdet. An diesen Symptomen lassen sich weitere wesentliche Merkmale des Exotismus, wie Primitivismus und Libertinismus, deutlich machen, da sie in direktem Gegensatz zu ihnen stehen.12 Der Drang zum Primitiven und Ursprünglichen, ,,(...) also die Sehnsucht nach dem Wilden, Archaischen, von aller Kultur Unber ü hrten (...)"13 geht weitestgehend auf Jean Jacques Rousseau zurück, dessen kulturkritischen Gedankengängen über den menschlichen Ur- und Naturzustand und dessen Verwirklichung im ,,edlen Wilden" als besseren Menschen für den Exotismus eine zentrale Bedeutung zukommt und setzt sich am Ende des 19. Jahrhunderts nicht zuletzt in der Kulturkritik Friedrich Nietzsches fort.14 Der Libertinismus als Drang nach freier und schrankenloser Entfaltung aller physischen und psychischen Bedürfnisse stellt den Gegenpol zu vorherrschender und stetig zunehmender Restriktion und Uniformität dar. Gerade in diesem Bereich gebar der Exotismus extreme Ausprägungen, die im Immoralismus, also dem Ausleben gesellschaftlich tabuisierter bzw. der bürgerlichen Prüderie unterworfener Sehnsüchte, oder im Spiritualismus, also der Flucht ins Okkulte, oft durch östliche Religionen beeinflußte Mystische und Phantastische seinen Ausdruck fand.15 Hierzu sei jedoch angemerkt, daß neben dem hier aufgeführten Versuch einer Definition noch weitere Definitionsmodelle existieren, so kann der Primitivismus ebenso dem Exotismus untergeordnet werden,16 als auch in ihn eingebettet sein.17

Die Ziele und Orte dieser exotistischen Sehnsüchte decken sich im 19. Jahrhundert vornehmlich mit den Zielgebieten der kolonialen Expansion, weshalb sich der Exotismus aber dennoch nicht auf die räumliche Entfernung beschränkt, da sich in den Darstellungen fremder und primitiver Kulturen ebenfalls der rückwärtsgewandte Blick auf den sog. Naturzustand, also der zeitlichen Entfernung, wiederfindet. Gestillt werden diese Sehnsüchte, die im 19. Jahrhundert durch das anwachsende Interesse für ferne Länder, fremde Kulturen und Lebensweisen zum Ausdruck kommen und durch den zunehmenden Imperialismus, die Durchdringung Afrikas, die Erschließung Amerikas und die damit verbundene Zunahme weltwirtschaftlicher Verflechtungen wie auch der Entwicklung der Naturwissenschaften und dem allgemein wachsenden Bildungshunger entsprechend gefördert wurden, einerseits durch das aufgrund der starken Nachfrage wachsende Angebot an exotistischer Literatur in Form von Reiseberichten, Abenteuer-, Indianer-, Südsee- und Kolonialromanen und die Berichterstattung in den sich etablierenden Zeitschriften sowie andererseits durch entsprechende exotistische Motive in der Malerei und später durch Kolonialausstellungen und sog. Völkerschauen.

2.2. Erscheinungsformen des Exotismus

Daß das Phänomen des Exotismus in engem Zusammenhang mit gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen, wie beispielsweise dem Nationalismus, der imperialistischen Expansion und der zunehmenden Industrialisierung gesehen werden muß, wird besonders daran deutlich, daß es in Frankreich und England, also in Ländern, in denen sich diese Entwicklungsprozesse viel früher vollzogen, eher in Erscheinung trat als in Deutschland, wo diese Prozesse erst im 19. Jahrhundert auf breiter Basis einsetzten und der Exotismus nie einen vergleichbaren Stellenwert erlangte wie beispielsweise in Frankreich, wo er durch die d é cadence -Bewegung stärker ausgeprägt war,18 und auch heute die Exotismusforschung am weitesten fortgeschritten ist.19 Da es bei der Umsetzung exotistischer Themen um eine möglichst intensive Vergegenwärtigung von Wunschträumen geht, erwies sich neben den Reiseberichten im Bereich der Literatur der Roman als sehr geeignet,20 wobei der künstlerische Anspruch nicht unbedingt hoch sein mußte, so daß die Darstellungen zumeist im Bereich der belehrenden Unterhaltungsliteratur, bisweilen sogar im Bereich der Trivialliteratur angesiedelt sind. In der Literaturwissenschaft werden diese Romane als Ableger der realistischen Literatur betrachtet.21 So erfuhr auch die Nachfrage in Deutschland nach den verschiedenen, oben bereits angeführten Romantypen schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts einen starken Zuwachs, wofür die Ursachen nicht zuletzt auch in der politisch enttäuschenden Situation nach den Befreiungskriegen, dem Wiener Kongreß und schließlich der gescheiterten 1848er Revolution zu suchen sind. Von großer Bedeutung waren zu dieser Zeit Schilderungen, die sich mit der Besiedlung Nordamerikas und dem Zusammentreffen von Weißen und Indianern befaßten, was sicherlich auch im Zusammenhang mit möglichen Auswanderungsplänen zu sehen ist. Unter der großen Zahl von Autoren traten besonders James Fenimore Cooper, Charles Sealsfield und Friedrich Gerstäcker hervor.22 Kennzeichnend für diese Literatur ist in vielen Fällen eine kritische Auseinandersetzung mit der vordringenden Zivilisation der eine sehr idealisierte Beschreibung der indianischen Kultur gegenübergestellt wird. Daneben gewannen andere exotistische Themen, deren Schauplätze sich mittlerweile über den ganzen Erdball verteilten, wie beispielsweise die Goldsuche im Urwald von Brasilien, Neuguinea oder auch dem Kongo oder auch den Abenteuern von Seeleuten um nur einige zu nennen, an Bedeutung. Grundelement ist zumeist das Aufeinandertreffen eines oder mehrere Vertreter der europäischen Kultur mit fremden, neuentdeckten Kulturen oder Landschaften. Sämtliche Literatur, die sich unter diesen Aspekt einordnen läßt, erfreute sich starken Interesses, was durch die Vielzahl der Auflagen und Übersetzungen verschiedener Werke belegt ist. Wichtig für die folgende Untersuchung ist der Aspekt, daß exotistische Darstellungen ebenso völlige Phantasiegebilde sein können als auch authentische, der Realität entsprechende Schilderungen.23 Für den Leser ist dies unrelevant, da eben darin das Wesen des Exotismus begründet liegt, daß er die ihm präsentierte unbekannte Welt als Fluchtpunkt zur Erfüllung seiner Sehnsüchte benutzt, ohne dies zu überprüfen, wodurch der Existenz des Exotismus die Grundlage entzogen würde.

3. Die Gartenlaube

3.1. Zu Geschichte und Bedeutung der Gartenlaube bis zum Ende des 19. Jahrhunderts

Obwohl Die Gartenlaube unbestritten als die erste deutsche bürgerliche Familienzeitschrift gilt, steht sie in enger Tradition der moralischen Wochenzeitschriften der Aufklärung und der Unterhaltungs- und Literaturblätter der Romantik und des Biedermeier. In seinem Grußwort auf dem Titelblatt der Erstausgabe aus dem Jahr 1853 benannte der Begründer und Verleger Ernst Keil (1816-1878) ebenso die Familie als seine Zielgruppe, was einem Novum entsprach,24 wie er die politische Neutralität bekräftigte.25 Als Verleger diverser Zeitschriften sah sich der stark vom ,,Jungen Deutschland" beeinflußte Keil26 aufgrund seiner bürgerlich-liberalen Ansichten bereits in den vorangegangenen Jahren häufig mit Zensur und Polizei konfrontiert,27 weshalb er als offizieller Herausgeber erst seit 1862 genannt wurde, obwohl erwiesen ist, daß Leitung und Redaktion bereits zu Beginn in seiner Hand lagen28 und er auch in der Gartenlaube stets eine deutlich nationale, liberale Tendenz vertrat.

Der Erfolg, der der 16-20seitigen Zeitschrift seit ihrer Gründung beschieden war, läßt sich weitestgehend auf ihre Zusammensetzung zurückführen, die sechs wesentliche Bestandteile enthielt.29 Gedichte erfolgreicher Poeten waren ebenso ein fester Bestandteil wie die Fortsetzungsromane und Novellen, die die Geschichte des Landes oder das Alltagsleben widerspiegelten.30 Daneben nahmen Schilderungen über Zustände und Gebräuche deutscher und fremder Völker, naturwissenschaftliche Beiträge und medizinische Abhandlungen einen breiten Raum ein. Schließlich schloß jede Ausgabe mit einem kleinen Feuilleton unter dem Titel ,,Blätter und Blüthen". Die Artikel wurden durchweg von Fachleuten - es finden sich unzählige führende Naturwissenschaftler, Forscher, Mediziner und Literaten unter den Mitarbeitern31 - geschrieben, wobei ebenso bewußt auf eine volkstümlich-allgemeinverständliche Sprache, wie auch auf eine Popularisierung der wissenschaftlichen Erkenntnisse jener Zeit Wert gelegt wurde.32 Unterstützt durch eine Vielzahl von Illustrationen wurde die Gartenlaube ihrem Anspruch gerecht, zu ,,(...) unterhalten und unterhaltend [zu] belehren."33 Den Anspruch, möglichst aktuell zu informieren, hatten die Herausgeber nicht, weshalb die Berichte nur selten Themen aufgriffen, für die ein konkretes Ereignis in jüngster Vergangenheit ausschlaggebend war. War dies der Fall, so erschien ein Beitrag nicht selten erst Monate später. Dies ist auch damit zu begründen, daß die Herstellung einer Ausgabe rund drei Wochen in Anspruch nahm, doch verstand man sich generell weniger als aktuell, sondern vielmehr als zeitgemäß.

Die Auflagenstärke stieg von 5000 Exemplaren nach bereits sechs Monaten34 kontinuierlich und erreichte 1875 mit 382000 Exemplaren einen Höhepunkt, wobei die durchschnittliche Auflage bis zur Jahrhundertwende rund 102000 betrug.35 Die Gartenlaube war damit unter den Familienzeitschriften, die aufgrund ihres universalen Inhalts, der Popularisierung der Wissenschaften, ihrer üppigen Aufmachung, des umfangreichen Anzeigenteils und nicht zuletzt der populären Fortsetzungsromane wegen, als die beliebtesten Medien galten, das mit Abstand meistgelesenste Blatt, dessen Verbreitung erst dadurch deutlich wird, das jedes Exemplar rund zehn Lesern zugute kam.36

Wie bereits in der Einleitung angeklungen, durchlief Die Gartenlaube in diesem Zeitraum einen deutlichen Profilwandel, der sowohl auf innere als auch auf äußere Einflüsse zurückzuführen ist. Bis zur Reichseinigung, die auch von der Gartenlaube massiv forciert wurde, waren Unterhaltung und Belehrung die beiden entscheidenden Fixpunkte.37 Der Tod Ernst Keils im Jahr 1878 sowie zahlreicher Autoren der ,,ersten Generation", denen keine adäquaten Kräfte folgten, führte dazu, daß die Zeitschrift zunehmend das liberale Weltbild verteidigte und so zur Verfechterin der preußischen Politik avancierte.38 Doch durch die Reichseinigung gab sich Keil für 1848 versöhnlich. ,, Von Frankfurt nach Berlin, von der Paulskirche ins preu ß ische Herrenhaus ist es ein weiter Schritt.(...) doch es ist ein weiter Schritt - vorw ä rts !"39

Insgesamt nahm das Blatt seit den 80er Jahren ,,(...) mehr einen literarischen Charakter an",40 so daß sie teilweise schon in die Kategorie ,, Literatur f ü r h ö here T ö chter" absank.41 Die Entstehung anderer Familienblätter, die Spezialisierung der Naturwissenschaften sowie mehrere Verlagswechsel 1884 und 1904 wirkten sich ebenfalls negativ auf ihre Entwicklung aus, so daß sich die Auflage von noch 275000 im Jahr 1895 innerhalb von zehn Jahren auf 100000 (1905) reduzierte.42

3.2. Zum Selbstverständnis der Gartenlaube

Zur Darstellung ihres Selbstverständnisses ist es unvermeidlich, erneut auf Keils Grußwort auf dem Titelblatt der Erstausgabe Bezug zu nehmen, wo es u.a. heißt:

,,(...) Fern von aller raisonnirenden Politik und allem Meinungsstreit in Religions- und anderen Sachen, wollen wir Euch in wahrhaft guten Erz ä hlungen einf ü hren in die Geschichte des Menschenherzens und der V ö lker, in die K ä mpfe menschlicher Leidenschaften und vergangener Zeiten.

Dann wollen wir hinauswandern an der Hand eines kundigen F ü hrers in die Werkst ä tten des menschlichen Wissens, in die freie Natur, zu den Sternen des Himmels, zu den Blumen des Gartens, in die W ä lder und in die Eingeweide der Erde, und dann sollt Ihr h ö ren von den sch ö nen Geheimnissen der Natur, von dem k ü nstlichen Bau des Menschen und seiner Organe, von Allem, was da lebt und schwebt und kreucht und schleicht, was Ihr t ä glich seht und doch nicht kennt. Und was au ß erdem noch von Interesse ist im Thun und Treiben der Menschen - Ihr sollt`s finden in unserem Bl ä ttchen, (...).

So wollen wir Euch unterhalten und unterhaltend belehren. Ueber das Ganze aber soll der Hauch der Poesie schweben (...) und es soll Euch anheimeln in unserer Gartenlaube, in der Ihr gut-deutsche Gem ü thlichkeit findet, die zu Herzen spricht." 43

Diesem Anspruch der ,, naturwissenschaftlichen Volksaufkl ä rung"44 wurde die Zeitschrift durchaus gerecht, fernab aller raisonierenden Politik befand sie sich jedoch nie, was nicht zuletzt die zeitweiligen Verbote und die damit verbundenen Namensänderungen bezeugen.45 Zwar ergriff sie nicht direkt Partei, doch vertrat Die Gartenlaube klare Wertvorstellungen, die sie nicht nur zu verteidigen, sondern dem Leser auch anzuerziehen suchte. Neben Werten wie National- und Heimatgefühl, volkstümlicher Moral und Tugend, Naturverbundenheit und einem gesunden Ehe- und Familienleben wurde seit 1859 die deutsche Einheit massiv forciert.46 Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang die Feierlichkeiten zu Schillers 100sten Geburtstag und die Gründung des Nationalvereins im selben Jahr - Ereignisse an denen Die Gartenlaube maßgeblichen Einfluß hatte.47

Keil selbst begründet den Erfolg des Blattes damit, neben der Popularisierung der Wissenschaften ,,(...) durch und durch ein deutsches Blatt zu sein."48 Neben der Förderung der Turner- und Schützenfeste als ,,(...) von echt deutschem Geiste beseelte Feste (...)"49 wurden die Forderungen nach einer Heeresreform und einer deutschen Flotte ebenso unterstützt, wie die soziale Fürsorge für die Arbeiterwelt. In der zum 50jährigen Bestehen der Zeitschrift von Heinrich Proelss verfaßten Aufsatzreihe wird folgende Bilanz gezogen:

,,Als ein ,,Familienblatt", ein Organ der Volksbildung in unterhaltend belehrender und belehrend unterhaltender Form, war die ,,Gartenlaube" ins Leben getreten und als solches in den tr ü ben Zeiten der neuerstarkten Polizei- und Kleinstaaterei zur Bannertr ä gerin des deutschen Gedankens geworden. In der Hitze des Kampfes gegen die feindlichen M ä chte, welche der Volksaufkl ä rung, der deutschen Einheit und Freiheit entgegen waren, mu ß te Keil bisweilen die Grenzen ü berschreiten, die einem Familienblatt seiner Natur nach gezogen sind. (...) in allen gro ß en, die gesamte Nation bewegenden Angelegenheiten stellte sie auch ferner das Interesse des Vaterlandes allen Parteir ü cksichten voran, in allen Fragen des Fortschreitenden Gemeinwohls kehrte sie wie immer ihre ,,freisinnigen Humanit ä tstendenzen" hervor."50

So verstand sich das Blatt sowohl als Symbol des häuslichen Glücks als auch ,, Organ der Vaterlandsliebeund Volkswohlfahrt"51

3.3. Die Leserschaft

Die Familien, für die dieses Blatt an ,,(...) langen Winterabende [n] am traulichen Ofen (...)"52 oder im Sommer ,,(...) mit einigen Freunden in der schattigen Laube (...)"53 bestimmt war, entstammten vornehmlich dem gebildeten bzw. bildungsfreudigen, mittelständischen Bürgertum - was wenig aussagekräftig erscheint, doch gestaltet sich eine moderne Rezipientenforschung für das 19. Jahrhundert problematisch, wie Dieter Barth in seiner Dissertation erläutert.54 Abonnentenlisten existieren heute nicht mehr, doch kann aufgrund von Leserbriefen davon ausgegangen werden, daß die Familien allen Schichten, vorrangig jedoch dem (gehobenen) bürgerlichen Mittelstand entstammten.55 Barth kommt zu demselben Ergebnis, indem er als Leserschaft Beamten- und Kaufmannsfamilien konstatiert, um die sich gleichermaßen Leser der oberen Schichten, wie Offiziere und Adelige, als auch der Unterschicht, wie Landwirte, Handwerker und Arbeiter gruppieren.56 Zudem stellt er aufgrund von Leserbriefen und Spendenlisten ein deutliches Übergewicht der Leserschaft unter der Stadtbevölkerung fest.57 Während das Verbreitungsgebiet der Gartenlaube innerhalb Deutschlands vorrangig der norddeutsch-sächsische Raum war, kam ihr auch außerhalb Deutschlands enorme Bedeutung zu.58 Nach eigenen Angaben verfügte Die Gartenlaube über viele Tausend Leser im Ausland, vorzugsweise in Amerika bzw. als ,,Frontlektüre" im Deutsch-französischen Krieg.

4. Exotismus in der Gartenlaube - Ein Widerspruch?

4.1. Erscheinungsformen

Obwohl Die Gartenlaube zu den Familienblättern zählte, deren Berichtsschwerpunkt eindeutig der engeren Heimat gewidmet war, erschienen durchaus zahlreicher Beiträge, die über fremde Völker, Kulturen und Länder berichteten. Um der Gefahr zu entgehen, das national ausgerichtete und vorzugsweise deutsche Interessen vertretende Blatt mit Berichten aus der außereuropäischen Welt zu überladen, rief Keil 1856 die Zeitschrift Aus der Fremde ins Leben, die jedoch bereits nach sieben Jahren wieder mit der Gartenlaube verschmolz und daher hier unberücksichtigt bleiben kann.59 Dennoch waren diese Beiträge längst nicht Bestandteil einer jeden Ausgabe, obgleich eine gewisse Regelmäßigkeit festzustellen ist. Inwiefern diese Beiträge exotistische Merkmale aufweisen, wird im folgenden zu untersuchen sein. In ihrer Form lassen sie sich in Abenteuer-Erlebnisschilderungen, Länderkundliche Beschreibungen, Städtebilder und völkerkundliche Berichte unterteilen.60 Im folgenden soll jedoch nach der thematischen Ausrichtung differenziert werden, da sich hier besondere Schwerpunkte erkennen lassen. So nehmen Berichte über Nordamerika, in welcher Form auch immer, einen besonders hohen Stellenwert ein. Ebenso wie - was kurios anmuten mag - Jagdschilderungen. So wird, zumeist in Form von Abenteuer- bzw. Erlebnisschilderungen, aus den verschiedensten Gebieten die Jagd auf die zumeist exotische Tiere dargestellt. Kulturelle Beiträge aus anderen außereuropäischen Ländern, besonders den Kolonialgebieten treten eher vereinzelt auf und stehen oft im Zusammenhang mit dem Sklavenhandel. Relativ selten hingegen wird über die Ereignisse in den deutschen Kolonien berichtet.

4.2. Geschichten aus der ´Neuen Welt`

Bereits in der Erstausgabe begann die Serie ,, Der Deutsche in Amerika",61 in der ein unbekannter Verfasser die Situation deutscher Auswanderer in der ´Neuen Welt` schilderte. Die Serie besaß aufklärerischen Charakter und wandte sich eindeutig an potentielle Auswanderer, denen ein reales Bild der Verhältnisse jenseits des Atlantiks vermittelt werden sollte. Der Beitrag warnte vor der schwierigen Strapazen der Überfahrt und den schlechten Ausgangsbedingungen in Amerika, so heißt es an einer Stelle:

,,Glaube (...) nicht, da ß ich die Zust ä nde schw ä rzer schildere, als sie sind, was ich Dir [Dem Leser;R.B.] erz ä hle, ist leider nur zu wahr und Du wirst gut thun, Deinen Freunden, die hierher kommen, das N ö thige davon als Warnung mitzutheilen, damit sie nicht wie viele Andere durch ihre Unwissenheit und Leichtgl ä ubigkeit in`s Ungl ü ck rennen." 62

Hier, wie auch an anderen Stellen, wird die Ablehnung der Gartenlaube gegenüber der Auswanderungsbewegung, der immer wieder gegenzusteuern versucht wurde, sehr deutlich.63 Sie wertete diese Erscheinung als Symptom für einen Mangel an National- und Heimatgefühl.64 Im zweiten Teil der Serie wurde vor den vielen Betrügern gewarnt, denen der Auswanderer aufzusitzen drohte und von der langen Phase, die es in Anspruch nahm, sich eine Existenz zu errichten.65 Ein im Jahr 1863 veröffentlichter offener Brief Friedrich Gerstäckers, der vor dubiosen Kontrakten warnte, die von Auswanderern abgeschlossen wurden und ihnen so ein Leben in Abhängigkeit oder gar Sklaverei bescherten, besaß einen ähnlichen Beigeschmack.66 Auswanderungswilligen mit dem Ziel Australien bot sich ein ebenfalls wenig vielversprechendes Bild. So ,, k ö nnen Deutsche blos als Dienstboten, Tagel ö hner, Handwerker oder als Lehrer gedeihen (...)" und ,, Deutsche, die auswandern, sollten am allerwenigsten an Australien denken. Die Welt ist hier schon weggegeben. So viele unserer Landsleute sich auch emporgearbeitet haben, wer z ä hlt die Menge der Untergegangenen?" 67 Parallel dazu wurde aber auch immer wieder betont, welche Vorteile der deutsche Auswanderer aufgrund ,,deutscher Tugenden" gegenüber anderen Landsmännern genoß.68

Insgesamt entstand in dieser Art von Beiträgen ein Bild, daß auf Auswanderungswillige, besonders nach Amerika, geradezu abschreckend wirken mußte, wobei es unrelevant ist, ob dieses Bild der Realität entsprach, da entscheidend ist, was dem, Leser präsentiert wurde.

Bereits im ersten Jahrgang erschienen aber auch andere Berichte unterschiedlichster Art über Amerika, die die Auswanderungsfrage ausklammerten. In dem Artikel ,, Das gl ü ckliche Thal"69 wurde am Beispiel der Stadt San Francisco ,,(...) das wunderbare Erbl ü hen einer Stadt, wie die Geschichte kein zweites Beispiel aufzuweisen hat",70 geschildert. So wird Kalifornien hier als ,,(...) Land der Wunder und des Fortschritts"71 angepriesen, das aufgrund der Goldvorkommen einen ungeheuer schnellen und starken Entwicklungsprozeß durchlief. Diesem nicht aufzuhaltendem Wachstum (,, Die St ä dte Californiens sind von gestern, brennen heute ab und stehen morgen wieder da sch ö ner, gr öß er und pr ä chtiger."72 ), das einerseits voller Bewunderung dargestellt wurde, stand andererseits in seinem Resultat dennoch eine gewisse Reserviertheit gegenüber, so heißt es am Ende:

,,Da liegt nun San Francisco - eine ungeheure Stadt in kahler Ebene, eine Mischung von wei ß en, schwarzen, braunen, rothen, gr ü nen, gelben und blauangelaufenen Menschen, ein unendliches Gewirr von Stra ß en, L ä den, Waarenschuppen, Wohnh ä usern, Pal ä sten und namentlich amerikanischen Hotels, diesen Zerst ö rern der ,,Heimath" und aller ihrer Reihe von fr ö hlichen Kindern, gem ü thlichen Frauen, traulichem Kaminfeuer und dem lebenswarmen Feuer, das Liebe und Freude in die Mengen der Angeh ö rigen treibt, wenn der liebe Papa vom Gesch ä fte zur ü ckk ö mmt und dann ohne Weiteres gegessen und geplaudert werden kann." 73

In einer späteren Ausgabe berichtete derselbe Verfasser über die Goldgräber am Sacramento (Abb. Nr.1, S.27). Hier wurde ebenso detailliert der handwerkliche Vorgang des Goldsuchens beschrieben wie auch die Probleme mit denen diese Männer zu kämpfen hatten sowie ihre Herkunft.74 Doch auch hier war die Kernbotschaft jene, daß die große Zeit der Goldsucher längst vorbei und es nun ein beschwerlicher Broterwerb sei.75 Eine Vielzahl von Beiträgen stammte von Balduin Möllhausen (1825- 1905), der aufgrund seiner erfolgreichen Indianer- und Abenteuerromane einen großen Bekanntheitsgrad besaß.76 Möllhausen schilderte in seinen Beiträgen - die einen sehr neutralen Charakter aufweisen, da er den Leser nicht direkt anspricht, ihn weder warnte noch zu irgend etwas ermutigte, wie es in den vorausgegangenen Artikeln häufig der Fall war - ´kleinere` Erlebnisse in Amerika, wie beispielsweise den Kampf zwischen einem Stier und einem Bären auf einem Volksfest in New Orleans,77 die Erscheinung einer Fata Morgana bei einem Ritt durch die Prärie78 oder aber die Eigentümlichkeiten einer Fahrt mit einem Kanalboot auf dem Mississippi.79 Diesen ´Kurzgeschichten` ist die schriftstellerische Tätigkeit des Verfassers, besonders durch die ausführliche Beschreibung von Orten, Gegebenheiten oder Ereignissen, im Vergleich zu anderen Beiträgen, durchaus anzumerken, wodurch diese Beiträge der Befriedigung exotistischer Ambitionen bereits entgegenkommen, da sie zwar die Verhältnisse in einer dem Leser völlig fremden Welt schildern, diese aber doch schon der Zivilisation zuzurechnen ist. Vergleichbare Geschichten erschienen im Jahr 1881 in der Serie ,, Um die Welt" von Rudolf Cronau, der hier seine Erfahrungen und Eindrücke im Gebiet der Sioux- Indianer schilderte.80

Bemerkenswert ist ein Artikel aus dem Jahr 1877 über Buffalo Bill,81 einem sog. ´Scout`, also jenen Pionieren, die während der Erschließung Nordamerikas als Vermittler zwischen Weißen und Indianern im Grenzgebiet zwischen Zivilisation und unbekannter Wildnis wirkten, was einem typisch exotistischen Motiv jener Zeit entsprach (Abb. Nr.2, S.27). So waren ´Scouts` oder ´Trapper` die Helden zahlreicher exotistischer Romane. In dem Artikel schildert der Verfasser die Eindrücke eines Zusammentreffens mit damals 38jährigen ,, Sohne der Wildnis",82 der ,,(...) ganz das Bild einesCooper`schen Helden"83 präsentierte.

,,Er ist einer der sch ö nsten M ä nner, die man sehen kann, ü ber sechs Schuh hoch, breitschulterig und doch schlank und elastisch, mit lang herabwallendem dunklem Haar und eben solchem Henri-quatre; 84 seine gro ß en rehbraunen Augen blitzen, wenn er erregt ist, furchtbar. (...) Zur bestimmten Stunde erschien der ersehnte und gef ü rchtete Gast, leider nicht im Federkleid, sondern im ,,Zivilanzug", was ihm aber ein noch h ü hnenhafteres und exotischeres Ansehen gab (...). Und da sa ß dieser Mann, dieser k ü hne J ä ger und kaltbl ü tige Sch ü tze, aufgewachsen an der Grenze der Civilisation, im t ä glichen Kampf mit wilden Thieren und noch wilderen Menschen, er, der von jeher die Rohesten unter den Rohen als Umgang und Gesellschaft gehabt hatte (...)." 85

Das Bemerkenswerte an diesem Artikel besteht nicht nur in der Tatsache, das hier das Portrait einer realen Identifikationsfigur des Exotismus gegeben wurde, die das Ausleben exotistischer Sehnsüchte, wie der ursprünglichen archaischen Lebensform schlechthin symbolisierte, sondern auch in der Begeisterung, Bewunderung und Ehrfurcht die der Verfasser dieser Person gegenüber aufbringt, was geradezu ein Musterbeispiel für die gesellschaftlichen Ambitionen zum Exotismus in jener Zeit darstellt. So wurde jene noch so kleine Geste dieser schillernden Figur, ihre Umgangsformen und Tischmanieren beobachtet und präzise dokumentiert.

4.3. Jagdfieber - Ein primitivistisches Moment

Aufgrund der auffallenden Vielzahl an Jagdschilderungen erwies es sich als angebracht, dieser Tatsache einen eigenen Unterpunkt zu widmen. Auch bezüglich der Fragestellung kommt der Jagd eine entscheidende Bedeutung zu. Die Jagd gilt noch heute als Hauptereignis im Leben primitiver Völker, da sie der Selbsterhaltung dient. Als ursprünglichster Form der Auseinandersetzung zwischen Mensch und Tier in der Natur beinhaltet die Jagd ebenso archaisch-primitivistische als auch libertinistische Momente. Ihr liegt ein menschlicher Urinstinkt zugrunde. Idolfiguren wie Buffalo-Bill, an denen sich exotistische Sehnsüchte offenbarten, waren nicht zuletzt Jäger und Sammler - der Jagdtrieb nicht zuletzt ein Urtrieb des Menschen.

Die erste Jagd in der Gartenlaube führte in die Sümpfe Louisianas. Es ist ein Erlebnisbericht eines, wie der Verfasser sich selbst bezeichnet, geborenen Jägers, der dort nach einer sehr speziellen Vogelart jagt, dabei weit in unbekannte Gebiete vordringt und es dort schließlich mit Alligatoren auf sich nehmen muß.86 Beeindruckend sind die Schilderungen seiner Situation ,,(...) mitten in einem Labyrinthe von S ü mpfen, Inseln, Seen und Fl ü ssen, die noch nie ein Mensch gesehen haben mochte.(...) Alles erschien hier unber ü hrt und urkr ä ftig in einer so furchtbaren Einf ö rmigkeit und Stille, da ß ich gleichsam vor mir selbst erschrack, hier mich zu befinden und sogar L ä rm zu machen. Doch hatte das Gef ü hl, da ß ich wohl das erste menschliche Wesen sein k ö nnte, welches dieses St ü ck Sch ö pfung sah, bald etwas Erhebendes f ü r mich.(...) Die uncivilisirte Urnatur gab sich ein Abend-Conzert: Das Qua-Qua des Nachtreihers, das Strietschen der Sumpfeule (...). Erst mit Beginn der Nacht bekam hier die Natur, die ungez ä hmte, ihr erhabenstes, entsetzlichstes Leben." 87

Hier tritt erneut jener für den Exotismus charakteristische Stereotyp des mutigen Grenzgängers in Erscheinung, der sich in der fremden, bedrohlichen Wildnis weitab der Zivilisation - in diesem Fall im ,, Urschlamm Amerika`s"88 - bewähren muß, Abenteuer besteht, mit allerlei Unbekanntem konfrontiert wird und viel erlebt. Im gleichen Jahrgang erschien die einem Tagebuch entnommene Erinnerung an ,,Eine B ü ffeljagd"89. Hier schildert ein anderer unbekannter Verfasser seine gemeinsamen Jagderlebnisse mit den Mandanen, einem Indianerstamm ,,(...) aufw ä rts von St. Louis, wohin die Spuren der Civilisation in kaum erkenntlichen Merkmalen gedrungen. Die Sucht nach Abenteuern und ungebundenem Leben hatte uns [Den Verfasser und seinen Begleiter; R.B.] dorthin gef ü hrt (...)."90 Die Begründung ist charakteristisch - die Sucht nach ungebundenem Leben - als eskapistische Reaktion auf alle Restriktion, Uniformität und Komplexität der zivilisierten Welt.

Der bereits erwähnte Friedrich Gerstäcker (1816-1872) gehörte aufgrund seiner zahlreichen Reisen, ähnlich wie Möllhausen, zu jenen ,, Kennern fremder Weltteile und Lebensverh ä ltnisse",91 die ihre Kenntnisse der Gartenlaube zu Verfügung stellten. Auch Gerstäcker war in erster Linie ein erfolgreicher und populärer Schriftsteller von Abenteuer- und Reiseromanen.92 In der Gartenlaube ist er ebenso in Form epischer Reise- und Abenteuererzählungen vertreten, als auch mit prosaistischen Beschreibungen fremder Weltteile, wie oben bereits angeführt. Gerstäcker, der im letzten Jahrhundert zweifellos als Inbegriff eines vielgereisten und erfahrenen Abenteurers galt, klärte im Jahr 1863 die Leser der Gartenlaube über die Vorzüge der ´Feuerjagd` auf,93 was bezeichnend ist, da sich die hier angeführten Schilderungen fast ausnahmslos mit der Jagd auf exotische, also dem Leser weitestgehend unbekannte Tierarten befassen, wofür oftmals ebenso exotische Jagdmethoden entwickelt wurden. Bereits 1853 wird in der Rubrik ,, Bl ä tter und Bl ü then" in sehr sachlicher Sprache die ,, Strau ß enjagd in Afrika"94 beschrieben. Natürlich dienten diese Beiträge ebenfalls der Beschreibung dieser Tierarten.95 So nutzt Hugo von Koppenfels seinen Artikel ,,Meine Jagden auf Gorillas"96 zur umfassenden Darstellung dieses Affen ,,(...) welcher seines ü beraus scheuen Naturells, seines verborgenen mysteri ö sen Lebens wegen, das er in unzug ä nglichen Dschungeln inmitten sumpfiger Urwaldungen f ü hrt, nur wenig bekannt ist."97 Der Verfasser, der in einer Fußnote als einziger Weißer, der bislang eigenhändig Gorillas erlegt habe, ausgewiesen wird, gibt darüber hinaus Aufschluß über die Voraussetzungen:

,,Um den Gorilla zu jagen, mu ß man eben gewisse Eigenschaften besitzen: Naturanlagen zum J ä ger, eine bis zum tollsten Sport herangebildete Passion, eine eiserne Gesundheit zum Ertragen von Strapazen und Entbehrungen, die Sinne und die Orientirungsgabe eines Wilden, sowie etwas Courage." 98

Es kann davon ausgegangen werden, daß das Interesse der Leser an dieser Art Schilderungen zumeist auf der Bewunderung für den Verfasser basierte, der alles dies erlebte, - denn die beschriebenen Erlebnisse entsprachen schon der Realität, wenn auch oftmals sicherlich in sehr ausgeschmückter Form - sich in fremden und unerforschten Gebieten ´durchschlug` und insofern ein Identifikationsobjekt für die unerfüllten exotistischen Sehnsüchte der Leser darstellte.

4.4. Aus den Kolonialgebieten

Die Vielzahl der Beiträge, die sich inhaltlich mit den Kolonien der europäischen Mächte auseinandersetzen, lassen sich, ähnlich jener über Nordamerika, einerseits in die sehr nüchtern und sachlich verfaßten länderkundlichen Beschreibungen und andererseits in die zuweilen romantisch verklärten, aber doch ´spannenderen` Abenteuer- und Erlebnisschilderungen unterteilen. Als Beispiel für ersteres lassen sich Gerstäckers erste Beiträge für die Gartenlaube,, Javanische Skizzen"99 anführen, in denen er nach Ansicht der Gartenlaube beispielsweise ,,(...) h ö chst anschaulich und zum Nutzen jeder Hausfrau die Kultur des Kaffees und des Reises beschrieb."100 Gerstäcker berichtet hier sehr sachlich über den Kaffee- und Teeanbau in der holländischen Kolonie Java, spart aber auch seine persönliche Kritik an der Versklavung der Eingeborenen nicht aus, wodurch er erneut das Bild des ´Edlen Wilden` manifestiert.

,,Die armen Eingeborenen sind dabei [Bei der Kolonialisierung Javas; R.B.] freilich am Schlechtesten weggekommen, denn dieses Zwangsarbeitssystem macht allerdings aus der Wildnis bl ü hende Felder und Fluren, aber aus den Menschen - Sklaven. (...) Ich bin auch ü berzeugt, da ß die christliche Religion die Eingeborenen nicht besser machen w ü rde, ja nicht besser machen k ö nnte, als sie sich jetzt in ihrem ganzen Leben und Handeln erweisen, sie sind friedlich, fromm, gastfrei und ehrlich, in ihren Familienverh ä ltnissen treu und anh ä nglich (...)." 101

Im gleichen Jahrgang erschien eine Schilderung über die Republik Nicaragua, oder um es mit den Worten des Autors zu nennen, über die ,, Republik Paradies".102 Das Leben, das der Verfasser beschreibt, gleicht wahrlich paradiesischen Zuständen. Zwar stellt er ebenso die politischen Verhältnisse sowie Landschaft und Bevölkerung dar, doch gleicht dies dem Schwärmen eines Mannes, der sein Glück gefunden zu haben scheint.

,,Ich bin zu Hause, ich bin B ü rger der Republik der Schlaraffen, wo man die g ü tigste, sch ö nste Mutternatur beleidigen w ü rde, wenn man etwas th ä te, da sie in diesem Falle glauben k ö nnte, ihre Gaben st ä nden uns nicht an. ,,Des Lebens Mai bl ü ht einmal und nicht wieder?" Unsinn! Hier verbl ü ht er niemals. (...) Du [Der Leser; R.B.] mu ß t n ä mlich wissen, da ß (...) Nichtsthun eine Cardinaltugend ist, und der Nicaraguasee (...) keine andere Besch ä ftigung hat (...), als die ganze Bev ö lkerung von Granada (...) in seinen molligen Wassern herumpl ä tschern zu lassen. (...). Ich erfuhr dabei, da ß Rousseau eigentlich recht hat mit seinem Ausspruche, da ß gerade die Bekleidung viele Schuld an der Demoralisation habe. Die S ü nde ist hier weniger zu Hause als in irgend einer anderen gro ß en Stadt, obgleich das weibliche Geschlecht sich blos mit einem ,,Camisa" (Hemd) (...) bekleidet." 103

Daß die exotistischen Sehnsüchte, die sich hier für den Verfasser erfüllten einen Gegensatz zu den unbefriedigenden europäischen Verhältnissen darstellen wird dadurch deutlich, daß er zu Beginn seines Beitrags die Zustände in Europa anprangert und freimütig zugibt, vor diesen geflohen zu sein.

,,Die Engl ä nder haben zu viel zu thun, die Deutschen zu viel zu leiden, die Franzosen zu viel Purpur (...). Unter diesen hielt ich es weder in Europa noch in Amerika aus. Alles ist Laden, B ü reau, Gesch ä ft, Schacher, Wucher, Geldmachen, Geldgeben hier wie dort. (...) Nirgends kommt ein Mensch mehr zu sich vor lauter Arbeit, Plack und Qual. Nirgends h ö rt man sein eigenes Wort vor all dem Maschinenl ä rm aus eisernen R ä dern und von schwieligen H ä nden." 104

Als Beitrag, der in so direkter Weise die ´paradiesischen` Zustände in anderen Teilen der Welt der unbefriedigenden Situation in Europa gegenüberstellt, bleibt der Bericht einzigartig. Auch wenn über seinem Abdruck der Hinweis erscheint, daß er dem Brief eines in Nicaragua lebenden Deutschen entnommen wurde, so bestätigt er doch die angeführten Ursachen für den Exotismus in eindrücklicher Weise. In deutlichem Gegensatz dazu präsentiert sich eine zwei Ausgaben später erscheinende Darstellung von Kuba.105 Offenbar von einem Gartenlaube -Mitarbeiter geschrieben, wird hier ein sachliches, aber durchaus positives Bild von der ,, Perle der Antillen"106 gezeichnet. Neben Flora und Fauna werden die geschichtlichen Hintergründe der Insel nüchtern analysiert. Den gleichen Stil weist ein Beitrag über Marokko auf, abgesehen von der islamischen Bevölkerung, an der ´kein gutes Haar` gelassen wird.107 ,,Die Marokkaner sind im Ganzen ein moralisch und materiell verkommenes Volk, obwohl sich unter besseren Staats- und Gesellschaftsverh ä ltnissen manche Racen und Classen sehr vortheilhaft entwickeln w ü rden. Der Hauptfluch besteht im Muhamedanismus, welcher alle die Intelligenz-F ä higkeiten der Berber und Araber, sch ö ner, dunkelbrauner Menschen und des eigentlichen herrschenden Geschlechts, niederh ä lt und vergiftet." 108

Die allgemein in der Gartenlaube festzustellende Ablehnung gegenüber der Religion des Islam beruht nicht zuletzt auch auf dem besonders in den afrikanischen Ländern verbreiteten Sklavenhandel, der in der Gartenlaube immer wieder heftige Kritik erfährt.109 So heißt es beispielsweise in einem Artikel über ,, Sklaverei und Sklavenhandel in Afrika"110 von Emil Jung: ,, Islam und Sklaverei sind untrennbar, denn wenn auch Mohammed die Sklaverei verbot, so hat dies Verbot doch nie bez ü glich der Ungl ä ubigen gegolten."111 Zwar verurteilt Jung die Sklaverei, doch unterscheidet er durchaus zwischen ,, niedrigstehenden V ö lkern" und ,, h ö chstgebildeten V ö lkern".112 Sozialdarwinistische Theorien und Rassenideologien waren Bestandteil des europäischen Weltbildes des 19. Jahrhunderts und fanden in viele Beiträgen über fremde Völker und Kulturen Anwendung, so auch in einem Artikel Gerstäckers über ,, Australien und die australische Race".113 Gerstäcker versucht in dieser eher wissenschaftlichen Abhandlung seine ´These von den Menschenrassen` zu belegen.

,,Ich nehme (...) f ü nf verschiedene Menschenracen an (...) und scheide sie nicht in die kaukasische, mongolische, malayische, ä thiopische und amerikanische [Wie es nach Blumenbachs ,,Eintheilung des Menschengeschlechts" damals üblich war; R.B.], sondern in die kaukasische, mongolische, ä thiopische, amerikanische und australische (...)."114

Einige Ausgaben später beginnt Gerstäcker seine Serie ,, Reisebriefe",115 in der er den Lesern in sehr persönlicher Form seine Abenteuer und Erlebnisse in den unterschiedlichen Erdteilen schildert. Hier meldete sich regelmäßig jener welterfahrene Gerstäcker, den die Leser schätzten. Auf diese Art und Weise war es ihnen möglich, wenn sie schon nicht selbst ein solches Weltenbummler-Dasein führen konnten, wenigstens an ihm teilzuhaben. So heißt es bei ihm:

,,Sehr werthe Gartenlaube!

Deine Leser m ö gen auf der Karte suchen so viel sie wollen, den Platz hier finden sie nicht (...). Jedenfalls bin ich in das tollste Leben, das ich jemals gef ü hrt, mit beiden F üß en wieder mitten hineingesprungen (...). Hier m ö gen die Leute herkommen, die Urwald zu sehen w ü nschen oder gar eine Sehnsucht haben im Urwald ,,Spazieren" zu gehen. Ich bin doch wahrhaftig schon in mancher Wildnis umhergewandert, man kann die Romantik aber auch ü bertreiben, und so etwas von Wurzeln, St ä mmen, Dornen, Schlingpflanzen, Sumpfl ö chern und Lagunen ist mir noch nicht leicht vorgekommen. (...) Jetzt bin ich einmal wieder drau ß en, mitten in der weiten wilden Welt (...). 116

Gerstäcker, der sich hier aus San Lorenzo in Ecuador meldete (Abb. Nr.3, S.27), ist sich scheinbar sehr genau bewußt, daß er mit seinen Reisebriefen eine ganz spezielle Leserklientel ansprach, bei der eben diese exotistische Sehnsucht latent vorhanden war. Es sei dahingestellt, ob seine Schilderungen der Realität entsprachen oder nicht, jedenfalls entsprachen sie exakt den Bedürfnissen der Leser, die höchstwahrscheinlich nur allzugern ihr Leben gegen das Gerstäckers getauscht hätten, was dieser scheinbar ebenfalls wußte und sich nicht scheute, mit seinen Briefen die Sehnsucht noch mehr zu schüren statt sie zu stillen.

Nicht alle Berichte haben den Anspruch einen umfassenden Überblick über ein bestimmtes Land oder eine bestimmte Kultur zu vermitteln. Oft sind es kleine Anekdoten über eine Begebenheit die ebenfalls sehr aufschlußreich wirken können. So zum Beispiel die Schilderung eines Hexenprozesses unter den Eingeborenen Neuguineas.117 Hier berichtet ein Teilnehmer der von der deutschen Gesellschaft zur Erforschung Äquatorialafrikas ausgesandten Loango-Expedition von den merkwürdigen Ritualen, die die Naturvölker nach dem Tod einer jungen Frau vollzogen, um einen hierfür Verantwortlichen auszumachen, obwohl die Frau offensichtlich den Folgen der weitverbreiteten sog. Schlafkrankheit erlegen war.

Neuguinea, das Ziel niederländischer, britischer und auch deutscher Kolonialbestrebungen, war auch Gegenstand der seit 1886 erschienenen Serie ,, Entdeckungsfahrten des deutschen Dampfers Samoa"118 von Otto Finsch119, der sich zuvor bereits mit der kolonialen Ergiebigkeit der Marshallinseln befaßte.120 Die Beiträge, die jeweils ein Ziel der Expedition behandeln, haben die Form von Reiseberichten. Der Begriff ´Entdeckungsfahrten` ist durchaus zutreffend, da die Ziele sich zumeist in (den Europäern) völlig unbekannten Gebieten gelegen sind, wodurch sich einerseits eindrucksvolle Begegnungen mit den Eingeborenen ergeben, andererseits aber auch sehr deutlich die imperialistische Mentalität der legitimen Inanspruchnahme bestimmter Landstriche zum Vorschein kommt.

,,M ä chtige Feuer zeigten, da ß unser Erscheinen die ganze, ü brigens geringe Bev ö lkerung in Aufregung versetzt hatte. Und die Leutchen hatten allen Grund dazu; war es doch das erste Schiff und die ersten Bleichgesichter, welche sie zu sehen bekamen. (...) Ich benannte diese 65 Seemeilen lange neue K ü ste nach dem Geheimrath A. von Hansemann, 121 dessen Name mit der Entdeckungsgeschichte Neu-Guineas stets verbunden bleiben wird. (...). Die HansemannK ü ste besteht aus bewaldeten Flachland mit niedrigen H ü gelketten und wird voraussichtlich f ü r Kolonisation und Anbau Bedeutung erlangen." 122

Obgleich dieser ´imperialistische Beigeschmack` bezeichnend für diese Serie ist, weisen die Schilderungen der Naturvölker, ihres Aussehens und ihrer Lebensweise, einen neutraleren Charakter auf. Besonders durch die zahlreichen Illustrationen, die auch hier nicht vorenthalten werden sollen (Abb. Nr. 4-7, S.27), wird dem Leser ein sehr sachliches und umfassendes Bild geliefert.

,, Solche Menschen oder vielmehr solchen Aufputz hatte ich bisher nicht in Neu-Guinea gesehen. Wie die beigegebene Abbildung (Mann von Venus-Huk [Abb. Nr.4, S.27; R.B.] ) zeigt, war zun ä chst die eigenth ü mliche Art und Weise das Haar in einem cylindrischen K ö rbchen aus feinen Flechtwaren zu tragen, am auffallensten; eben so der lange, mit Behang von Schweinez ä hnen und anderen S ä chelchen verzierte Kinnbart mancher M ä nner. Sie trugen fast alle filetgestrickte mit Scheiben von Cymbiummuscheln behangene Beutel, wie sie auch weiter westlich vorkommen (vergl. Abbildung: Mann von Guap [Abb. Nr.5, S.27; R.B.] ), um den Hals, in welchen sie ihre Kleinigkeiten (...) verwahrten. (...) Die Enden der aus einem ausgeh ö hlten Baumstamme bestehenden Canus waren zum Theil mit kunstvollem Schnitzwerk versehen (...)." 123

,,Schon seit geraumer Zeit hatten sich Eingeborene in Canus bem ü ht, uns zu erreichen; hier gelang es ihnen endlich, da wir ankerten. Auch am Ufer belebte es sich; zahlreiche Eingeborene riefen uns an und winkten mit gr ü nen Zweigen. Als wir aber landeten, setzten sich Alle nieder und eine ehrfurchtsvolle Stille herrschte, bis sich die Leutchen von ihrem ersten Staunen erholt hatten. Bald waren sie zutraulich, und wir folgten ihnen auf gut betretenem Pfade nach ihrem Dorfe [Abb. Nr.8, S.27; R.B.] (...). An der wirklichen Gastfreundschaft war also nicht zu Zweifeln. Ja, es kostete M ü he, sich derselben zu entziehen; denn obwohl wir kaum etwas von ihrer Sprache verstanden, war der Wunsch, uns dauernd unter ihnen niederzulassen, doch unverkennbar. Als alle Ü berredungsk ü nste nicht halfen, wurden uns H ä user, Land, Kokospalmen, Schweine und als letztes Mittel ,,M ä dchen" angeboten! Noch nie in meinem Leben war es mir so leicht gemacht worden, Haus und Hof, Frauen und Familie zu erwerben, mit einem Wort ,,Negerf ü rst" zu werden!" 124

Viele der Aufeinandertreffen mit Naturvölkern, die von Finsch geschildert wurden, verliefen so oder ähnlich. Doch findet sich hier ein wichtiger, oft vernachlässigter Aspekt exotistischer Sehnsüchte. So wurde bereits hinreichend ausgeführt, daß der Exotismus als eskapistische Reaktion des Individuums auf die in Europa stattfindenden Transformationsprozesse zu werten ist. Während sich dadurch in Europa auch der individuelle gesellschaftliche Aufstieg verkomplizierte, wird hier nun eine Welt dargestellt, in der sozialer Aufstieg, Ansehen und Bewunderung ohne jegliche Voraussetzungen möglich, ja fast unvermeidbar erscheint. Hier wurden Alternativen aufgezeigt, Ziele zu erreichen, die einem in der Heimat oftmals verwehrt blieben. Charakteristisch für die relativ seltenen Berichte über die deutschen Kolonien erscheint auch der Artikel ,, Deutsch-Samoa".125 Hier wird dem Leser das Bild eines malerischen Eilands beschrieben, daß sich jedem Samoa-Reisenden bietet, wobei das Erblühen dieser Insel nicht zuletzt dem Wirken der ,, Deutschen Handels- und Plantagengesellschaft der S ü dsee"126 zu verdanken ist, ,,(...) die das Kulturwerk mit unerm ü dlicher Ausdauer fortsetzte."127 Neben Vegetation und Klima werden auch die Eingeborenen beschrieben ,,Wir lernen ihre Heiterkeit und Sorglosigkeit begreifen, wenn wir mit ihnen ans Land gehen und mit ihrer Heimat vertraut werden. Ewiger Sommer herrscht auf den paradiesischen Eilanden (...). Ein besonders schwerer Kampf ums Dasein ward dem Samoaner von der Natur nicht auferlegt. Seit jeher konnte er an Brotfruchtb ä umen und Kokospalmen seinen Hunger stillen (...). Dem gem ü tlichen Charakterbilde des Samoaners fehlen allerdings die Schattenseiten nicht. Diese Insulaner sind leider ungemein arbeitsscheu. Nur das Notwendigste zum Lebensunterhalt pflegen sie zu verrichten und lassen sich durchaus nicht bewegen, in den Pflanzungen zu arbeiten." 128

Der Artikel ist insofern charakteristisch, da hier imperialistisches Weltbild und Idealisierung des Fremden einhergehen. Der vermeintliche Widerspruch zwischen Exotismus und heimatverbundener Gartenlaube tritt hier zugunsten einer eigensinnigen Symbiose zurück, die beide Gegensätze miteinander eingehen. So wird ´das Exotische` erst vor dem Hintergrund der Heimat zum ´Exotistischen` und das Vertraute erst vor dem Hintergrund des ´Exotistischen` noch vertrauter.

5. Zusammenfassung

p>Die Untersuchung hat gezeigt, daß in der Zeit der Ersterscheinung bis zur

Jahrhundertwende in der Gartenlaube durchaus Beiträge veröffentlicht wurden, die den exotistischen Ambitionen der Gesellschaft gerecht wurden. Die vorangestellte Frage eines Widerspruchs zwischen den konträren Phänomenen kann insofern verneint werden, doch muß dies mit einer Einschränkung geschehen. So ist ebenfalls deutlich geworden, daß der große Schwerpunkt der Berichterstattung innerdeutschen Themen gewidmet war, während sich länder- und völkerkundliche Beiträge nur in sehr begrenztem Maß finden, um eben diesem gesellschaftlichen Interesse nachzukommen, was aufgrund der Quantität unterstellt werden kann. Doch die Tatsache, daß diese Beiträge in einem Themenumfeld erscheinen, von dem sie sich abheben, verstärkt sie in ihrer Wirkung, so daß die angeführte Gegensätzlichkeit keine Unvereinbarkeit darstellt, sondern sich der dadurch hervorgerufene Kontrast positiv auswirkt. Die Beiträge treten in den verschiedensten Stilformen in Erscheinung. So gibt es ebenso spannend und mitreißend geschriebene Abenteuer- und Erlebnisschilderungen, sei es in Form von Tagebucherinnerungen, Reisebriefen oder Kurzgeschichten, sachlich und nüchtern formulierte länderkundliche Beschreibungen oder auch kleine Artikel in der Rubrik ,, Bl ä tter und Bl ü then" die den Maximen der Gartenlaube, Unterhaltung und Belehrung, je nach ihrer Form in unterschiedlicher Gewichtung gerecht wurden. Ähnlich vielfältig wie die Stilformen der Beiträge sind auch ihre Ausrichtungen. Während die epischen Texte oft einen romantisch-verklärten Stil aufweisen, der trotzdem relativ objektiv und neutral in seinem länder- und kulturkundlichen Informationsgehalt sein kann, gibt es zahlreiche sachlich-nüchterne Beschreibungen, die über eindeutige Tendenzen verfügen, wie am Beispiel der Auswanderungsfrage deutlich geworden ist. So verfolgen gerade diese Berichte das Ziel, aufklärerisch zu Wirken, und eine wohlmöglich falsche Wunschvorstellung von fremden Ländern zu berichtigen, doch gerade der scheinbar garantierte Wahrheitsgehalt verleiht den Schilderungen eine eigene Anziehungskraft. Die Botschaft der Gartenlaube an ihre Leser war stets diegleiche: Die Welt da draußen ist wunderschön und zugleich sehr gefährlich, doch um sie zu erfahren bleibt nur hier, Ihr könnt stets alles hier erlesen!

Insgesamt ist durch die zur Untersuchung herangezogene exemplarische Auswahl von Beiträgen das gesamte Spektrum der verschiedenen Formen völker-, länder- und kulturkundlicher Beiträge der Gartenlaube abgedeckt worden. Dabei können längst nicht alle Formen die Bezeichnung ´exotistisch` beanspruchen. So reicht beispielsweise die Darstellung von Eingeborenen in seinen Extremen vom exotistischen Bild des ´Edlen Wilden` bis zur imperialistischen Beschreibung vom ´Faulen Neger`, wobei letzteres in der Spätphase des Untersuchungszeitraumes überwiegt, was nicht zuletzt im Aufstieg Deutschlands zur Kolonialmacht begründet ist. Die Bezeichnung ´exotistisch` trifft am ehesten auf die Abenteuer- und Erlebnisschilderungen eines Möllhausen oder Gerstäcker zu, doch wie gezeigt wurde, treten auch zahlreiche Mischformen auf, die, wenngleich sie auch dieses Etikett nur bedingt verdienen, sich doch zur Befriedigung entsprechender Sehnsüchte eignen.

Abschließend ist festzuhalten, daß der Exotismus des 19. Jahrhunderts so ausgeprägt war, daß er selbst in Zeitschriften wie der Gartenlaube, wenn auch in begrenztem Maß, Einzug erhielt, deren Ziel es unter anderem war, dessen Ursachen wie den Aufschwung von Technik, Industrialisierung und Wissenschaft, woraus letztendlich die zunehmende Komplexität, Uniformität, Restriktion und Entfremdung resultierte, zu popularisieren.

6. Abbildungen

Abb. S. 10, in: Klüger, Heinz, Facsimile-Querschnitt durch die Gartenlaube, (Facsimile- Querschnitte durch alte Zeitungen und Zeitschriften; Bd. 1), Bern, Stuttgart, Wien 1963, Einband.

Abb. Nr. 1, S. 27, ,,Das Goldwaschen mit der Wiege" In: GL, Jg. 1853, S.301.

Abb. Nr. 2, S. 28, ,,Buffallo-Bill. Nach einer Photographie auf Holz gezeichnet von Adolf Neumann" In: GL, Jg. 1877, S. 583.

Abb. Nr. 3, S. 27, ,,Mein [Gerstäckers; R.B.] Haus in San Lorenzo." In: GL, Jg. 1860, S. 745.

Abb. Nr. 4, S. 29, ,,Mann von Venus Huk im Canu." In: Gl, Jg. 1887, S. 460. Abb. Nr. 5, S. 29, ,,Mann von Guap." In: GL, Jg. 1887, S. 461.

Abb. Nr. 6, S. 29, ,,Krieger im Rottang-Panzer von der Attak-Bai." In: GL, Jg. 1887, S. 542.

Abb. Nr. 7, S. 29, ,,Frau und Mädchen von der Humboldt-Bai." In: GL, Jg. 1887, S. 542.

Abb. Nr. 8, S. 30, ,,Das Pfahldorf Tobadi in der Humboldt-Bai. Nach einer Skizze von Dr. O. Finsch gezeichnet von A.v. Roeßler." In: GL, Jg. 1887, S. 344.

7. Quellen

Die Gartenlaube. Illustriertes Familienblatt, Leipzig 1853ff, Jg. 1853-1900.

8. Literatur

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[...]


1 Die Gartenlaube. Illustrirtes Familienblatt (künftig zit. GL), Leipzig 1853ff, Jg. 1853- 1900; Da die Zeitschrift i. d. R. in Jahrbänden einzusehen ist, wurde auf die Nennung der Ausgabennummer verzichtet.

2 Proelss, Heinrich, Zur Geschichte der Gartenlaube. In: GL, Jg. 1902, S.102-107.

3 Barth, Dieter, (Diss.), Zeitschrift für alle. Das Familienblatt im 19. Jahrhundert. Ein sozialhistorischer Beitrag zur Massenpresse in Deutschland. (Arbeiten aus dem Institut für Publizistik der Universität Münster; Bd. 10), Münster 1974, S. 224-227.

4 ebda., Auflageentwicklung der Familienblätter, S. 437.

5 Mit dem ausgehenden 19. Jahrhundert setzt auch das Ende ihrer Zeit als herausragende publizistische Erscheinung ein. In: Rischke, Anne-Susanne, (Diss.), Die Lyrik in der ,,Gartenlaube" 1853-1903. Untersuchung zu Thematik, Form und Funktion, Frankfurt a.M., Bern 1982, S. 14.; Koszyk, Kurt, Deutsche Presse im 19. Jahrhundert. Geschichte der deutschen Presse, Teil 2 (Abhandlungen und Materialien zur Publizistik; Bd. 6, hrsg. v. Prof. Dr. Fritz Eberhard), Berlin 1966, S. 300.

6 bzw. überwiegend noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde (R.B.)

7 Art. Exotismus, in: Brockhaus Enzyklopädie: in 24 Bänden, 19. Aufl., Mannheim 1988, Bd. 7, S. 19.

8 Im Jahr 1863, in: Reif, Wolfgang, Zivilisationsflucht und literarische Wunschträume. Der exotistische Roman im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 1975, S. 2.

9 Hierin liegt der Unterschied zu dem heute geläufigeren Begriff Exotik, der dieses vergleichende kontrastierende Moment ausschließt. Vergl. Reif, 7.

10 Reif, 10.

11 Reif, 5f.

12 Reif, 12.

13 Schultz, Joachim, Wild, irre und rein. Wörterbuch zum Primitivismus der literarischen Avantgarden in Deutschland und Frankreich zwischen 1900 und 1940, Giessen 1995, S. 60.

14 Vergl. Lange, Thomas, Idyllische und exotische Sehnsucht. Formen bürgerlicher Nostalgie in der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts, Kronberg /Taunus 1976, S. 267f.

15 Reif, 22.

16 Vergl., Lange, 20f.

17 Vergl, Heinrichs, Hans-Jürgen, Das Fenster zur Welt. Positionen zur Moderne, Frankfurt a.M. 1989, S.190.

18 Vergl. Drost, Wolfgang, ,,Du Progrès à rebours." Fortschrittsglaube und Dekadenzbewußtsein im 19. Jahrhundert: Das Beispiel Frankreich. In: Ders. (Hg.), Fortschrittsglaube und Dekadenzbewußtsein im Europa des 19. Jahrhunderts: Literatur - Kunst - Kulturgeschichte, Heidelberg 1986, S. 13-29.

19 Reif, 1.

20 Reif, 14.

21 Urbanek, Walter, Deutsche Literatur. Das 19. und 20. Jahrhundert. Epochen - Gestalten - Gestaltungen, 2. Aufl., Bamberg 1971, S. 114.

22 Vergl. Plischke, Hans, Von Cooper bis Karl May. Eine Geschichte des völkerkundlichen Reise- und Abenteuerromans, Düsseldorf 1951, u.a. S. 50ff.; Alker, Ernst, Die deutsche Literatur im 19. Jahrhundert (1832-1914), 2. Aufl., Stuttgart 1962, S. 312-314.

23 Reif, 16.

24 Gruppe, Heidemarie, ,,Volk" zwischen Politik und Idylle in der ,,Gartenlaube" 1853- 1914. (Europäische Hochschulschriften; Reihe 19 Ethnologie/ Kulturanthropologie; Bd. 11), Bern, Frankfurt a.M., München 1976, S. 14.

25 "Ein Blatt soll`s werden f ü r`s Haus und f ü r die Familie, ein Buch f ü r Gro ß und Klein, f ü r Jeden, dem ein warmes Herz an den Rippen pocht, der noch Lust hat am Guten und Edlen! Fern von aller raisonnirenden Politik und allem Meinungsstreit (...)" In: Keil, Ernst, An unsere Freunde und Leser ! In: GL, Jg. 1853, S. 1.

26 Cwojdrak, Günther, Die Gartenlaube. Blätter und Blüten, Berlin 1982, S. 6.

27 Zimmermann, Magdalena, Die Gartenlaube als Dokument ihrer Zeit, München 1967, S. 9f.

28 Barth, 314.

29 Barth, 307f.

30 Dabei wurde an dem Grundsatz festgehalten, ausschließlich deutsche Originalwerke zu veröffentlichen, jedoch keine Übersetzungen fremdländischer Literatur. In: Proelss, 903.

31 u.a. Alfred Brehm, Carl Ernst Bock, Friedrich Gerstäcker, Rudolf Virchow. In: Zahn, Eva, Die Geschichte der Gartenlaube, S. 6. In: Klüter, Heinz (Hg.), Facsimile Querschnitt durch die Gartenlaube (Facsimile-Querschnitte durch alte Zeitungen und Zeitschriften; Bd. 1), Bern, Stuttgart, Wien 1963, S. 5-14.

32 ebda.

33 Keil, 1.

34 GL, Jg. 1853, S. 284.

35 Abgesehen von einem kurzzeitigen Verbot der Zeitschrift in Preußen im Jahr 1863- 1866. In: Barth, 437.

36 Wehler, Hans-Ulrich, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 3, Von der ,,Deutschen Doppelrevolution" bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1849-1914, München 1995, S.1236f.

37 Gruppe, 13.

38 ebda.

39 Keil, Ernst, zit. n. Zimmermann, S.5f.; Bezeichnend für diesen Umstand ist zudem ein Zitat Bismarcks aus dem Jahr 1871 gegenüber einem Gartenlaube -Mitarbeiter in Anspielung auf Keils Vergangenheit, das da lautet: ,,Ja - Sie haben diese Gesinnungen ins Gef ä ngnis und mich haben sie in die Stellung gef ü hrt, die ich jetzt einnehme." Zit.n. Proelss, 780.

40 Proelss, 782.

41 Zahn, 13.

42 Barth, 437.

43 Keil, 1.

44 Proelss, 103.

45 ebda., 134f.

46 ebda., 103f.

47 ebda., 105f.

48 Rede Ernst Keils anläßlich der Auflagenzahl von über 100000 zu Beginn des 1861er Jahrgangs. Zit. n. ebda., 132.

49 ebda., 134.

50 ebda., 782.

51 Proelss, 902.

52 Keil, 1.

53 ebda.

54 Barth, 280.

55 Thiel, Angelika, Thema und Tabu. Körperbilder in deutschen Familienblättern von 1880-1900 oder ,,Im Nebenzimmer ertönte eine bärtige Männerstimme", (Europäische Hochschulschriften; Reihe 1 Deutsche Sprache und Literatur; Bd. 1405), Frankfurt a.M., Berlin, Bern, New York, Paris, Wien 1993, S. 13.

56 Barth, 282.

57 Barth, 283.

58 Barth, 285.

59 Barth, 225.

60 Auch Dieter Barth unterscheidet diese vier Kategorien. In: Barth, 226f.

61 GL, Jg. 1853, S. 5-7; S. 41-42.

62 ebda., S. 6.

63 "(...) welche Arbeitskr ä fte gingen so dem Vaterlande verloren !" In: Proelss, 104.

64 ebda.

65 GL, Jg. 1853, S. 41.

66,, Eine neue Warnung f ü r Auswanderer." In: GL, Jg. 1863, S. 361-364.

67 "Ein Gang nach und durch Melbourne." In: GL, Jg. 1860, S. 117-119.; Hier sollte zudem der derzeit starken Propaganda Englands für die Auswanderung nach Australien entgegengewirkt werden. In: Proelss, 104.

68 "Der eingeborene Amerikaner f ü hlt recht wohl, da ß der Deutsche durch T ü chtigkeit, Ehrlichkeit und wirtliche Kenntnisse bei Weitem ü ber ihm steht (...)." In: GL, Jg. 1853, S. 6.

69 GL, Jg. 1853, S. 180-182.

70 So der Kommentar des Autors zu diesem Artikel an anderer Stelle. In: GL, Jg. 1853, S. 300.

71 GL, Jg. 1853, S. 180.

72 ebda., S. 181.

73 ebda., S. 182.

74 "Das Leben in den californischen Minen." In: GL, Jg. 1853, S. 300-302.

75 "Das Leben eines Goldgr ä bers ist ü brigens so ü ber alle Maa ß en beschwerlich, da ß es nur kr ä ftige Naturen ertragen k ö nnen, und selbst diese sind h ä ufig gezwungen, die m ü hselige Besch ä ftigung aufzugeben. Die alten europ ä ischen Gewohnheiten m ü ssen dabei gleich von vorneweg aufgegeben werden, und von einem veredeltern Genu ß des Lebens ist keine Rede mehr." In: ebda., S. 302.

76 Werke u.a. Das Mormonenm ä dchen (1864); Der Leuchtturm am Michigan und andere Erz ä hlungen (1882); Der F ä hrmann am Canadian (1890), Vergl. Plischke, 99-102.

77 "Scenen aus dem Volksleben in Neu-Orleans." In: GL, Jg. 1860, S. 411-414.

78 "Die Fata Morgana in der W ü ste. Schilderungen aus dem westlichen Nordamerika", In: ebda., S. 475-477.

79 "Das Canalboot." In: ebda., S. 684-686.

80 GL, Jg. 1881.

81 "Buffalo-Bill." In: GL, Jg. 1877, S. 582-586.

82 ebda., S. 585.

83 Der Verfasser bezieht sich hier auf die sog. Lederstrumpfromane von James Fenimore Cooper (1779-1851), ebda., S. 584.; Vergl. Plischke, 13-40.

84 Dabei handelt es sich um den nach Heinrich IV. von Frankreich benannten Spitzbart.

85 ebda., S. 585.

86 "Eine Nacht unter Alligatoren." In: GL, Jg. 1853, S.309-313.

87 ebda., S. 310.

88 ebda., S. 312.

89 GL, Jg. 1853, S. 528-531

90 ebda., S. 528.

91 Proelss, 104.

92 Werke u.a. Die Regulatoren in Arkansas (1845), Tahiti (1854), Im ausralischen Busch (1864), In Mexiko (1871); Vergl. Plischke, 85-102.

93 "Feuerjagd auf Hy ä nen." In: GL, Jg. 1863, S. 220-223.

94 GL, Jg. 1853, S. 341-342.

95 Darstellungen aus der Tierwelt waren ansonsten die Spezialität von Alfred Edmund Brehm. Bspw. in: ,, Aus dem Leben eines Orang-Outang." In: GL, Jg. 1860, S. 26-28.; ,, Bilder vom Nil", In: GL, Jg. 1860, S.68-71, 180-183.; ,, Vom Nordpol bis zum Aequator." (Serie). In: GL, Jg. 1887.

96 GL, Jg. 1877, S. 416-419.

97 ebda., S. 416.

98 ebda., S. 418.

99 "Eine Kaffeeplantage mit ihren Arbeitern." In: GL, Jg. 1853, S. 116-119.; Bezeichnenderweise dient als Einstieg für diesen Beitrag eine Rhinocerosjagd.

100 Proelss, 104.

101 GL, Jg. 1853, S. 118.

102 "Das Paradies in Central-Amerika. (Aus dem Briefe eines in Nicaragua lebenden Deutschen)", In: GL, Jg. 1853, S. 388-391.

103 ebda., S. 388-389.

104 ebda., S. 388.

105 "Die Perle der Antillen und der einsame Stern." In: GL, Jg. 1853, S. 420-422.

106 ebda., S. 420.

107 "Ein Blick auf Marokko." In: GL, Jg. 1860, S.153-155.

108 ebda., S. 155.

109 u.a.: ,, Menschenhandel in Ä gypten." In: GL, Jg. 1853, S. 65; ,, Jagd auf einen Sklavenh ä ndler." In: GL, Jg. 1853, S. 123-125.; ,, Eine Sklaven-Einfuhr auf Cuba." In: GL, Jg. 1853, S. 326-328.; ,, Eine Schande desneunzehnten Jahrhunderts." In: Gl, Jg. 1856, S. 158-160.; ,, Menschenhandel in Afrika." In: GL, Jg. 1873, S. 519-521.

110 GL. Jg. 1890, S. 188-192.

111 ebda., S. 190.

112 ebda.

113 GL, Jg. 1860, S. 473-475.

114 ebda., S. 473.

115 GL, Jg. 1860, S. 744-747.

116 ebda.

117 Dr. Pechuel-Loesche, "Ein Hexenproce ß in Loango." In: GL, Jg. 1877, S. 177-180.

118 GL, Jg. 1886, S. 83-86; S. 111-112; S. 192-195; 367-370.; GL, Jg. 1887, S. 295-296; 460-462; 541-543.

119 Finsch hatte als Forschungsagent des Neuguinea-Konsortiums maßgeblichen Anteil an den Kolonialerwerbungen Deutschlands in Neuguinea. In: Gründer, Horst, Geschichte der deutschen Kolonien, 2. Aufl., Paderborn, München, Wien, Zürich 1991, S. 92.

120 "Kolonialbestrebungen Deutschlands. Die Marshallinseln." In: GL, Jg. 1886, S. 37-38.

121 Adolph von Hansemann, Inhaber der Berliner Diskonto-Gesellschaft, der starke wirtschaftliche Südseeinteressen hegte. In: Gründer, S. 46, 52, 91-94, 178.

122 GL, Jg. 1887, S. 461.

123 ebda., S. 460.

124 ebda., S. 461-462.

125 GL, Jg. 1899, S. 846-848.

126 ebda., S. 846.

127 ebda., S. 848.

128 ebda., S. 846-847.

37 von 37 Seiten

Details

Titel
Exotismus in der Gartenlaube - Eine Untersuchung am Beispiel des Familienblattes: "Die Gartenlaube"
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
Europäischer Imperialismus im 19. und 20. Jahrhundert
Autor
Jahr
1998
Seiten
37
Katalognummer
V94812
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exotismus, Gartenlaube, Eine, Untersuchung, Beispiel, Familienblattes, Humboldt-Universität, Berlin, Institut, Europäischer, Imperialismus, Jahrhundert, Prof, Elfi, Bendikat
Arbeit zitieren
Ralf Beunink (Autor), 1998, Exotismus in der Gartenlaube - Eine Untersuchung am Beispiel des Familienblattes: "Die Gartenlaube", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94812

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