Der Vietnamkonflikt der Jahre 1945 - 1975, mit dem Schwerpunkt der Rolle der Vereinigten Staaten von Amerika


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
7 Seiten

Gratis online lesen

Inhaltsverzeichnis

1.1 Allgemeines
1.2 Kolonisation Vietnams in der Neuzeit
1.3 Phasen des Krieges

2.1 Die französiche Phase
2.1.1 Genfer Konferenz

3.1 Die amerikanische Phase
3.1.1 Tonking Zwischenfall
3.2 Eskalation des Konflikts
3.3 Erneute Eskalation und Waffenstillstand

4.1 Der Bürgerkrieg

5.1 Auswirkungen

Literaturangaben

1.1 Allgemeines

Der Staat Vietnam liegt in Südostasien, grenzt im Norden an China, im Westen an Laos und Kambodscha, im Süden und Osten an den Golf von Thailand bzw. an das Südchinesische Meer. Das Land erstreckt sich über eine Fläche von 331 689 km2 und verfügt über eine Einwohnerzahl von 69,485 Mio. Menschen (1990), von denen über 80% Vietnamesen sind und sich traditionell zum Buddhismus bekennen. Die Hauptstadt Hanoi liegt im Norden des Landes.

1.2 Kolonisation Vietnams in der Neuzeit

Im Jahre 1867 besetzte Frankreich unter dem Vorwand seine Missionare schützen zu müssen ganz Süd-Vietnam, obwohl man in Paris den Beginn der Kolonialexpansion in Vietnam nur als ein Sprungbrett für die Ausdehnung des Einflusses auf China ansah. 1883/84 dehnte Frankreich seinen Einflußbereich auch auf Nord-Vietnam aus, schlug die Armee Chinas, das Vietnam als Pufferstaat nicht verlieren wollte und zwang 1885 das chinesische Kaiserreich im Vertrag von Tientsien die französische Oberhoheit über Vietnam anzuerkennen. Im März 1945 griffen japanische Truppen in Indochina überraschend die französischen Garnisonen an und machten sich über Nacht zu alleinige Herren des Landes. Da die Japaner mit ihren wenigen Truppen nur die strategisch wichtigsten Städte besetzen konnten, und auch die Kolonialverwaltung von den französischen Beamten nur ungenügend versehen wurde, entstand in Indochina ein Machtvakuum. In dieser Zeit gelang es den vietnamesischen Kommunisten (Viet-Minh1 ) rasch und ohne Anwendung von Gewalt ihren Einfluß im Norden Vietnams auszudehnen. Nach der sogenannten ,,August-Revolution", wurde die Demokratische Republik Vietnam (DRV) von Ho Chi Minh in Hanoi ausgerufen.

1.3 Phasen des Krieges

Der Krieg in Vietnam (1946-1975) um die Unabhängigkeit, Einheit und die Vorherrschaft im Land läßt sich in drei Phasen einteilen. Die erste, französische Phase (1946-1954), wird vielfach unter der Bezeichnung ,,Indochinakrieg" als eigenständiger Krieg beschrieben. Der Krieg begann als Kampf Vietnams gegen die französische Kolonialherrschaft, griff in seiner zweiten Phase, der amerikanischen (1954-1973), auch auf Laos und Kambodscha über und entwickelte sich zu einem zentralen Teil des Ost-West-Konflikts mit internationaler Beteiligung. Bis Ende März 1973 zogen die USA alle ihre Truppen aus Vietnam ab, versprachen Süd-Vietnam jedoch weitere wirtschaftliche und militärische Hilfe und leiteten damit die dritte Phase des Krieges, den Bürgerkrieg ein.

2.1 Die franz ö siche Phase

Nach der Niederlage Japans im zweiten Weltkrieg und dem Abzug der japanischen Truppen aus Indochina kam es am 2. September 1945 in Hanoi zur Errichtung der DRV. Diese forderte unter ihrem Präsidenten Ho Chi Minh, dem Gründer und Führer der kommunistisch ausgerichteten Viet-Minh, die uneingeschränkte Souveränität für ganz Vietnam und rief damit einen militärischen Konflikt mit Frankreich hervor, das seine Kolonialherrschaft in Indochina wiederherstellen wollte. Der Krieg brach im November 1946 aus, als französische Kriegsschiffe die Hafenstadt Haiphong beschossen. In der Folge konnten die Franzosen die Truppen des Viet-Minh bis westlich von Hanoi zurückdrängen. 1949 setzte Frankreich den vietnamesischen Kaiser Bao Dai, den der Viet-Minh 1945 abgesetzt hatte in Saigon wieder als Staatschef der Republik Vietnam ein. Nach dem Sieg der Kommunisten im chinesischen Bürgerkrieg 1949 erhielt der Viet-Minh politische und militärische Unterstützung von China und konnte in Vietnam nach und nach an Boden gewinnen. Der Westen befürchtete nun, basierend auf die Dominotheorie, ein Übergreifen des kommunistischen Machteinflußes auf benachbarte Länder, weshalb die USA 1950 der französischen Bitte um Hilfe nachkamen und Frankreich umfangreiche finanzielle und militärische Unterstützung zukommen ließen. 1953 hatte sich der Viet-Minh im größten Teil Vietnams durchgesetzt, und am 7. Mai 1954 fügte er den französische Truppen bei Dien Bien Phu im Norden Vietnams die entscheidende Niederlage zu. Am 21. Juli 1954 wurde auf der Genfer Indochinakonferenz (08.05.1954 - 21.07.1954) ein Waffenstillstand zwischen dem Viet-Minh und Frankreich geschlossen, der 17. Breitengrad wurde als vorläufige Demarkationslinie festgelegt, die Viet-Minh zogen sich in den Norden zurück, die Franzosen und ihre Verbündeten in den Süden. Im Norden lebte die Demokratische Republik Vietnam unter Ho Chi Minh weiter, im Süden die Republik Vietnam unter dem von den USA unterstützten Regierungschef Ngo Dinh Diem. Außerdem sah das Abkommen für 1956 gesamtvietnamesische Wahlen zur Wiedervereinigung des Landes vor. In der Folge des Genfer Abkommens verstärkten die USA, unter der Zustimmung des Westens, ihr Engagement in Süd-Vietnam, um die Ausweitung des kommunistischen Staatssystems auf den Süden zu verhindern. Nord-Vietnam wurde von der Volksrepublik China sowie der Sowjetunion und dem europäischen Ostblock unterstützt.

2.1.1 Genfer Konferenz

Während der Genfer Konferenz versuchen die amerikanische Politik, gleichzeitig den Erfolg der Konferenz zu untergraben und Ausweichmöglichkeiten für den Fall vorzubereiten, daß ein Abkommen unterzeichnet wird. Aus diesem Grund telegraphiert Präsident Eisenhower dem Chef der amerikanischen Delegation in Paris am 18. Juni, ,,alles zu tun, die Konferenz so schnell wie möglich abzubrechen, da die Kommunisten die Dinge nach Ihrem eigenen militärischen Interesse regeln lassen". Gleichzeitig wird jedoch auch ein Ausweg vorbereitet, ohne das man weiß wie die Konferenz enden wird. So wird mit Vertretern von Australien, Philippinen, Neuseeland und Siam schon vor der Konferenz über die SEATO (South East Asia Treaty Organization) beraten, um eine militärische Präsenz der USA, unabhängig von der Genfer Konferenz, in jedem Falle aufrecht zu erhalten. Als die Konferenz schließlich ein Erfolg zu werden schien, überredete der Chef der amerikanischen Delegation in Genf die Vertreter von Frankreich und England zu einem Geheimvertrag, welcher die Ergebnisse der Konferenz von vornherein annullierte. Die drei Mächte verpflichteten sich, ,,Laos, Kambodja und dem ,bewahrten` Teil Vietnams keine materiell beschränkenden Restriktionen für ihre Fähigkeit aufzuerlegen, stabile, nicht-kommunistische Regime zu erhalten", und außerdem ,,keine politischen Maßnahmen zu dulden, die zum Verlust der bewahrten Zonen zugunsten eines kommunistischen Regimes führen könnten". Damit wurden die zwei Hauptpunkte des Waffenstillstandes, freie Wahlen in Vietnam durchzuführen und kein militärisches Material in Vietnam einzuführen, von vornherein durch die drei Westmächte ihrer gesamten Substanz beraubt. Was ebenfalls interessant ist am Vertragsschluß von Genf ist die Tatsache, daß die USA sehr geschickt, zumindest in diesem Stadium des Konflikts, die Weltöffentlichkeit meidet, indem sie nie wirklich einen Vertrag mit den beteiligten Mächten der Konferenz eingegangen ist. Das Genfer Waffenstillstandsabkommen war, auf Wunsch der USA, eine unilaterale Deklaration, da die USA es ablehnten ihre Unterschrift neben die einer Macht wie Volkschina zu setzen, die für sie praktisch nicht existierte. Dadurch mied man die Meinung der Weltöffentlichkeit, ging aber gleichzeitig keine wirkliche Verpflichtung ein.

3.1 Die amerikanische Phase

1954 lösten die USA Frankreich als Schutzmacht in Süd-Vietnam ab. Mit amerikanischer Rückendeckung errichtete Ngo Dinh Diem ein autoritäres Regime, unterdrückte jede Art von Opposition, baute eine starke Armee auf und holte zahlreiche amerikanische Militärberater ins Land. Die für 1956 vorgesehenen gesamtvietnamesischen Wahlen scheiterten am Widerstand Diems: Der Viet-Minh konnte sich in ganz Vietnam auf die Zustimmung der Mehrheit der vor allem bäuerlichen Bevölkerung stützen, während Diems Regierung nur über eine äußerst schmale Basis verfügte. Diem lehnte die Wahlen mit dem Argument, daß im Norden die Meinungsfreiheit nicht gewährleistet und mit Wahlfälschungen zu rechnen sei, ab. Ab 1957 begann der südvietnamesische Vietcong (,,vietnamesische Kommunisten") gegen Diems Regime und auch gegen amerikanische Militäreinrichtungen mit Guerillaaktionen vorzugehen. Er konnte dabei auf die Unterstützung seitens Nord-Vietnams zählen und das Nachschubsystem aus den Zeiten des Indochinakrieges, den Ho-Chi-Minh-Pfad, nutzen. 1960 schuf sich der Vietcong in der "Nationalen Befreiungsfront von Süd-Vietnam" (,,Front National de Libération du Viet-Nam Sud", FNL) eine von Nord-Vietnam abhängige politische Organisation.

Angesichts der zunehmenden Angriffe des Vietcong formulierten die USA erneut ihre Unterstützung für Saigon. Im April 1961 unterzeichneten sie mit Süd-Vietnam einen Freundschafts- und Wirtschaftsvertrag, und ab Dezember verstärkte Präsident John F. Kennedy die militärische Präsenz der USA in Süd-Vietnam. Ende des Jahres 1962 waren bereits 11 200 US-Soldaten in Süd-Vietnam stationiert, ein Jahr später zusätzliche 5 000.

Unterdessen sah sich das Diem-Regime zunehmend vom Vietcong bedrängt. Dieser hatte bald den größten Teil der ländlichen Gebiete Süd-Vietnams unter seiner Kontrolle und begann mit dem Aufbau einer eigenen Verwaltung, während sich die südvietnamesischen Regierungstruppen immer weiter zurückziehen mußten. Daneben setzten z. B. auch Buddhisten und Angehörige anderer religiöser Gruppen, die von der Regierung unterdrückt wurden, deutliche Zeichen ihrer Opposition gegen das Regime, teilweise in Form von Selbstverbrennungen.

Am 1. November 1963 wurde Diem in einem Militärputsch gestürzt und hingerichtet. Im Sommer 1971 belegte die Veröffentlichung der geheimen Pentagon Papers in den USA, daß die USA im Vorfeld von dem Putsch gewußt und sich bereits auf die Zusammenarbeit mit der Nachfolgeregierung vorbereitet hatten.

Nach weiteren Militärputschen und zehn verschiedenen Regierungen innerhalb von 18 Monaten, die alle am Widerstand des Vietcong scheiterten, übernahm Nguyen Van Thieu 1965 die Regierung und wurde 1967 Staatspräsident. Anfang August 1964 eskalierte der Krieg in Folge des sogenannten "Tonking-Zwischenfalles".

3.1.1 Tonking Zwischenfall

Durch die verschärften Aktivitäten der USA in Süd-Vietnam beunruhigt, versuchen Staaten wie u.a. die UdSSR und Frankreich eine Entschärfung des Konflikts auf diplomatischen Wege herbeizuführen. Schon innerhalb weniger Tage scheint eine Lösung in Sicht zu sein, doch der sog. ,,Tonking-Zwischenfall" vom 5. Juli 1964, blockiert alle Verhandlungen von vornherein. Verantwortlich für diesen Zwischenfall und die dadurch ausgelöste Eskalation des Konflikts sind höchstwahrscheinlich amerikanische Befehlshaber in Vietnam2. Nach der damaligen Version der US-Regierung griffen in der Nacht vom 02.08.64 feindliche Patrouillenboote den amerikanischen Zerstörer ,,Maddox" an, der sich vor der nordvietnamesischen Küste aufhielt. Hanoi gab den Zwischenfall sofort zu. Die ,,Maddox war nach eigenen Angaben elf Meilen von der Küste entfernt gewesen. Die DRV besteht, ebenso wie die VR China, auf der Zwölf- Meilen-Zone als Hoheitsgewässer, während die USA nur eine Drei-Meilen-Zone anerkennen. Zwei Tage später meldeten die ,,Maddox"und die ,,Turner Joy", sie seien 65 Meilen vor der nordvietnamesischen Küste beschossen worden. Hanoi bestritt diesen Angriff. Auf den US- Schiffen gab es weder Menschenverluste, noch Sachschäden. Dennoch nahm die USA den Zwischenfall zum Anlaß, um aus der Luft mit Vergeltungsangriffen gegen Nord-Vietnam zu beginnen. Gestützt auf den Tonking-Zwischenfall ließ sich Präsident Johnson in einer Resolution vom Kongress (414:0) und vom Senat (28:2) volle Unterstützung für eine Ausweitung der Kriegsführung in Vietnam zusichern.

3.2 Eskalation des Konflikts

Im Februar 1965 begannen die USA mit systematischen Bombenangriffen auf strategisch wichtige, militärische und wirtschaftliche Ziele in Nord-Vietnam sowie auf den Ho-Chi- Minh-Pfad in Laos und Kambodscha, über den der Vietcong weiterhin seinen Nachschub aus dem Norden erhielt. Daneben verstärkten die USA ihre Truppen in Vietnam auf 185 000 Mann Ende 1965 und 543 000 Ende 1968. Unterstützt wurden die USA außerdem von SEATO-Verbänden aus Australien, Neuseeland, Südkorea und anderen Staaten. Aber trotz ihrer zahlenmäßigen und materiellen Überlegenheit konnten die USA mit ihren südvietnamesischen und SEATO-Verbündeten keine eindeutige Entscheidung zu ihren Gunsten herbeiführen.

1965/1966 signalisierten die USA mehrmals Verhandlungsbereitschaft; Nord-Vietnam lehnte jedoch ab. Im Juni 1967 traf sich Präsident Johnson mit dem sowjetischen Ministerpräsidenten Aleksej N. Kossygin in der vergeblichen Hoffnung, mit dessen Hilfe Hanoi an den Verhandlungstisch zu bringen.

Zugleich wurden die Bombardements in Nord-Vietnam weitergeführt und sogar noch intensiviert. Wirtschaft und Infrastruktur Nord-Vietnams wurden weitgehend zerstört, so daß das Land schließlich fast vollständig auf Militär- und Wirtschaftshilfe aus China und der Sowjetunion angewiesen war. Im Süden gingen die USA mit massiven Hubschraubereinsätzen gegen die Vietcong-Partisanen vor sowie mit großflächigen Einsätzen von Napalmbomben und des Entlaubungsmittels Agent Orange. Im November 1967 gab das Pentagon die Gesamtzahlen der US-Verluste in Vietnam seit Ausbruch des Krieges 1961 mit

15 058 Toten und 109 527 Verwundeten an. Angesichts der steigenden Zahl der Opfer wurden in den USA Forderungen laut, den Krieg unter allen Umständen sofort zu beenden. Die finanziellen Aufwendungen beliefen sich nach Angaben des US-Präsidenten auf jährlich 25 Milliarden US-Dollar.

Im Januar 1968 unternahmen nordvietnamesische und Vietcong-Truppen unter dem nordvietnamesischen General Vo Nguyen Giap die großangelegte, überraschende Tet- Offensive (benannt nach dem Beginn der Offensive im Monat Tet des vietnamesischen Kalenders) auf zahlreiche südvietnamesische Städte, besonders Huë. Militärisch scheiterte die Offensive zwar, aber sie demonstrierte äußerst effektvoll die Schlagkraft Nord-Vietnams und war insofern politisch und psychologisch sehr erfolgreich.

Nach der Tet-Offensive verschärfte sich sowohl in den USA als auch weltweit die Kritik an der amerikanischen Vietnampolitik, insbesondere auch an dem Einsatz chemischer Kampfstoffe und an den Angriffen auf die Zivilbevölkerung. Bis zum Frühjahr 1968 hatte sich in den USA zudem die Erkenntnis durchgesetzt, daß der Krieg in Vietnam nicht zu gewinnen sei; die Verhandlungsbereitschaft war gestiegen - auch auf nordvietnamesischer Seite. Am 31. März verkündete Präsident Johnson das Ende der US-Luftangriffe auf Nord- Vietnam, das die Einstellung der Bombardierung als Bedingung für die Aufnahme von Friedensgesprächen gefordert hatte.

Zugleich ließ Johnson verlautbaren, daß er sich einer Wiederwahl in das Präsidentenamt nicht stellen würde. Am 13. Mai 1968 nahmen die USA und Nord-Vietnam in Paris Waffenstillstandsverhandlungen auf, ab 1969 nahmen auch Süd-Vietnam und der Vietcong an den Verhandlungen teil. Ergebnisse wurden vorerst nicht erzielt. In Süd-Vietnam ging unterdessen der Krieg in unverminderter Härte weiter.

1969 legte Johnsons Nachfolger Richard M. Nixon, um die Beendigung des amerikanischen Engagements in Vietnam einzuleiten, wenige Monate nach seinem Amtsantritt sein Programm der "Vietnamisierung" des Krieges vor, d. h. des stufenweisen Abzugs von 90 000 US- Soldaten aus Vietnam bis Ende 1969, des Ausbaus der südvietnamesischen Streitkräfte und der schittweisen Übertragung der Verantwortung für die Kriegsführung an die südvietnamesische Regierung.

Die Pattsituation bei den Pariser Verhandlungen konnte jedoch weder durch den US- Truppenabzug noch durch den Tod des nordvietnamesischen Staatspräsidenten Ho Chi Minh am 3. September 1969 überwunden werden. Nord-Vietnam forderte weiterhin als Verhandlungsgrundlage den völligen Abzug der US-Truppen aus Vietnam. Im April 1970 fielen US-Truppen nach dem antikommunistischen Putsch des Generals Lon Nol zugunsten der neuen Regierung in Kambodscha ein, und 1971 bombardierten sie auch Laos, um einen möglichen nordvietnamesischen Vorstoß entlang des Ho-Chi-Minh-Pfades zu unterbinden. Beide Aktionen wurden international verurteilt, intensivierten die antiamerikanischen Proteste und waren zudem militärisch kaum erfolgreich. In den USA formierte sich aus Protest gegen die amerikanische Kriegsführung eine breite Friedensbewegung. Mit Fortschreiten des Krieges verzeichnete sie einen wachsenden Zulauf, besonders nachdem Einzelheiten über die amerikanische Kriegsführung bekannt wurden: vor allem über von US-Soldaten an der vietnamesischen Zivilbevölkerung begangene Greueltaten. Auch weltweit organisierten sich nun zunehmend Protestbewegungen. 1971 erfuhr die Vietnampolitik der USA durch die Veröffentlichung der sogenannten Pentagon Papers (Geheimdokumente des amerikanischen Verteidigungsministeriums zur Vorgeschichte des US-Engagements in Vietnam) in der New York Times und anderen Zeitungen eine neue Interpretation: Die Unterlagen warfen ein völlig neues, ziemlich schlechtes Licht auf die Kriegsführung und die Friedensbemühungen der USA in den sechziger Jahren.

Am 25. Januar 1972 legte Präsident Nixon einen Achtpunkteplan zur Wiederherstellung des Friedens in Vietnam vor, der u. a. Präsidentschaftswahlen in Süd-Vietnam vorsah. Dem Friedensplan Nixons folgte eine überarbeitete Version des Friedensplanes des Vietcong vom Juli 1971. Dieser neue Plan forderte den sofortigen Rücktritt des südvietnamesischen Präsidenten Thieu und sagte Verhandlungen mit der Saigon-Regierung zu, sofern diese ihre Kriegspolitik aufgäbe. Nord-Vietnam verlangte ebenfalls den sofortigen Rücktritt des südvietnamesischen Präsidenten. Außerdem sollten US-Kriegsgefangene erst dann freigelassen werden, wenn die USA ihr Engagement in Vietnam beendet hätten. Am 23. März wurden die Verhandlungen in Paris abgebrochen.

Am 30. März startete Nord-Vietnam eine breitangelegte Offensive bis in die Provinz Quang Tri im Süden. Im April reagierten die USA mit einer Gegenoffensive in Form von verheerenden Bombenangriffen auf Nord-Vietnam, und am 8. Mai 1972 ordnete Präsident Nixon die Verminung der wichtigsten nordvietnamesischen Häfen, darunter Haiphong, an, um die Versorgungswege des Vietcong zu unterbrechen. Mit beiden Aktionen beabsichtigten die USA, Nord-Vietnam unter Druck zu setzen und zu Zugeständnissen zu zwingen.

3.3 Erneute Eskalation und Waffenstillstand

Ab dem 8. Oktober 1972 fanden zwischen dem amerikanischen Sicherheitsberater Henry Kissinger und dem nordvietnamesischen Unterhändler Le Duc Tho vertrauliche Friedensgespräche in Paris statt. Ein Durchbruch wurde erzielt, als Nord-Vietnam einem Friedensplan zustimmte, der getrennte Vereinbarungen für den militärischen und den politischen Bereich vorsah, von seiner Forderung nach einer Koalitionsregierung in SüdVietnam Abstand nahm und gleichzeitig Verhandlungen über Laos und Kambodscha zustimmte. Am 26. Oktober gab Kissinger einen Neunpunktefriedensplan bekannt, in dem allerdings technische Fragen ungelöst blieben.

Mit der Wiederaufnahme der Gespräche zwischen Kissinger und Le Duc Tho am 4.

Dezember 1972 war seit dem Beginn der Pariser Verhandlungen 1968 erstmalig das Zustandekommen eines Abkommens in Sicht. Am 16. Dezember stagnierten die Verhandlungen jedoch erneut, und zwei Tage später ordnete Nixon die massive Bombardierung von Hanoi und Haiphong an; diese Angriffe galten als die schwersten des Vietnamkrieges und schockierten die Bevölkerung nicht nur in den USA. Anfang 1973, nachdem die USA ihre Angriffe nördlich des 20. Breitengrades eingestellt hatten, wurden in Paris die Friedensgespräche weitergeführt. Nach sechstägigen Beratungen zwischen Kissinger und Le Duc Tho gab Nixon am 23. Januar 1973 bekannt, daß ein offizielles Waffenstillstandsabkommen erreicht worden sei.

Am 27. Januar unterzeichneten die Vertreter der USA, Süd-Vietnams, Nord-Vietnams und der Provisorischen Revolutionsregierung Süd-Vietnams ein Abkommen zur Beendigung des Krieges und zur Wiederherstellung des Friedens in Vietnam. Der Waffenstillstand trat offiziell am 28. Januar 1973 in Kraft.

Das Waffenstillstandsabkommen forderte die vollständige Einstellung sämtlicher Kampfhandlungen, den Abzug der gesamten Truppen der USA und ihrer Verbündeten innerhalb von 60 Tagen nach Unterzeichnung des Abkommens, die Herausgabe der Kriegsgefangenen beider Seiten innerhalb von ebenfalls 60 Tagen, die Anerkennung der entmilitarisierten Zone als einer nur provisorischen und nicht politischen oder territorialen Grenze, die Einsetzung einer internationalen Kontrollkommission zur Überwachung der Einhaltung des Friedens, außerdem sollte ein "Nationaler Versöhnungsrat" aus Vertretern der südvietnamesischen Regierung unter Nguyen Van Thieu, der Provisorischen Revolutionsregierung der FNL sowie anderer Oppositionsgruppen zusammentreten, um allgemeine Wahlen in Süd-Vietnam vorzubereiten. Diese Verhandlungen scheiterten jedoch. Das Abkommen gestattete außerdem den weiteren Verbleib von 145 000 nordvietnamesischen Soldaten in Süd-Vietnam. Bis Ende März 1973 hatten die USA alle ihre Truppen aus Vietnam abgezogen, Süd-Vietnam jedoch weitere wirtschaftliche und militärtechnische Hilfe zugesagt.

4.1 Der B ü rgerkrieg

In Vietnam gingen die Kämpfe zwischen kommunistischen Einheiten und südvietnamesischen Regierungstruppen trotz des Waffenstillstandsabkommens weiter. Beide Seiten suchten ihre Gebiete zu verteidigen bzw. auszuweiten. Ende 1974 begannen die nordvietnamesischen Truppen eine Großoffensive gegen den Süden; die südvietnamesischen Truppen, jetzt ohne die Unterstützung seitens der USA, mußten sich nach und nach zurückziehen, und nach dem Fall von Huë Mitte März 1975 war der Krieg für Süd-Vietnam verloren. Am 21. April trat Präsident Nguyen Van Thieu zurück, am 30. April wurde Saigon eingenommmen, und am selben Tag kapitulierte Süd-Vietnam gegenüber der Provisorischen Revolutionsregierung der FNL. Am 2. Juli 1976 wurde mit der Errichtung der Sozialistischen Republik Vietnam der gesamtvietnamesische Staat wiederhergestellt.

5.1 Auswirkungen

Im Vietnamkrieg wurden schätzungsweise zwei Millionen Vietnamesen getötet, drei Millionen verwundet und Hunderttausende von Kindern als Waisen zurückgelassen. Etwa zwölf Millionen Menschen verloren ihre Heimat. In den von politischer Repression und massiven wirtschaftlichen Schwierigkeiten gekennzeichneten Nachkriegsjahren von 1975 bis 1982 emigrierten rund 1 218 000 Vietnamesen und ließen sich in über 16 anderen Ländern nieder. Etwa 500 000 Vietnamesen, die sogenannten Boat people, versuchten, in kleinen Booten über das Südchinesische Meer aus Vietnam zu entkommen, viele kamen dabei um. Jene, die überlebten, sahen sich selbst in den Ländern, die zuvor Vietnamesen aufgenommen hatten, mit Einwanderungsverboten oder zumindest -beschränkungen konfrontiert. Das Land Vietnam selbst wurde aufs schwerste in Mitleidenschaft gezogen: Die Flächenbombardements hatten Wirtschaft und Infrastruktur zerstört, und der großflächige Einsatz von Napalm und Entlaubungsmitteln verursachte verheerende, zum Teil irreparable ökologische Schäden.

Auf amerikanischer Seite fielen insgesamt etwa 57 000 Soldaten und etwa 153 000 wurden verwundet.

Literatur :

Jean Chesneaux; ,,Vietnam" (Paris; 1968)

Hans Ulrich Luther; ,,Der Vietnamkonflikt" (Berlin; 1969; ergänzte Neuauflage 1971)

1 ,,Front für den Kampf um die Unabhängigkeit Vietnams" (Viet-Nam Doc-Lap-Dong-Minh- Hoi)
2 Am 2. Oktober 1964 gibt James Reston in der NYT zu, daß in Saigon ,,die amerikanischen Sprecher offen von der Leichtigkeit reden, mit der man im Golf von Tonkin einen ,Zwischenfall` inszenieren könnte, um damit einen Angriff auf den Norden zu rechtfertigen".

7 von 7 Seiten

Details

Titel
Der Vietnamkonflikt der Jahre 1945 - 1975, mit dem Schwerpunkt der Rolle der Vereinigten Staaten von Amerika
Autor
Jahr
2001
Seiten
7
Katalognummer
V94830
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vietnamkonflikt, Jahre, Schwerpunkt, Rolle, Vereinigten, Staaten, Amerika
Arbeit zitieren
Benjamin; Langsdorf Reitzammer (Autor), 2001, Der Vietnamkonflikt der Jahre 1945 - 1975, mit dem Schwerpunkt der Rolle der Vereinigten Staaten von Amerika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94830

Kommentare

  • Gast am 4.2.2002

    Gebt euch ma ein bissl mehr Müha!!!.

    Ich finds voll daneben!

  • Gast am 22.7.2002

    Vietnam.

    Gut aber alles aus anderen texten genau rezitiert

Im eBook lesen
Titel: Der Vietnamkonflikt der Jahre 1945 - 1975, mit dem Schwerpunkt der Rolle der Vereinigten Staaten von Amerika


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden