Jeder Mensch auf dieser Welt sollte sich irgendwann im Verlaufe des Lebens die kantischen Fragen stellen und beantworten – «Was kann ich wissen?», «Was soll ich tun?», «Was darf ich hoffen?» und «Was ist der Mensch?» Dies gelingt am einfachsten, wenn man die eigene Geschichte und Kultur – «Woher komme ich?», «Wer bin ich?» - kennt. Im Grunde genommen bin ich mit meiner individuellen Arbeit diesen Fragen nachgegangen und stolperte über ein für mich sehr interessantes Thema: «Die Verbrennung der Überreste des hl. Sava». Man könnte sagen, dass mit diesem Akt alles, was wir heute als Serbien betrachten, anfing. Obwohl ich nicht sehr gläubig bin und folglich nicht viel mit der Kirche zu tun habe, stolpere ich alltäglich in meinen serbischen Freundeskreisen über diese eine Person – «Sveti Sava». Alle Serben kennen ihn, auch ich, aber viel über ihn weiss fast niemand. Er gilt für uns als ein Symbol der Angehörigkeit zu Serbien. Dieses Teilwissen wollte ich beseitigen und mehr von meiner Herkunft erfahren.
Geboren als Prinz und dritter Sohn seiner Eltern, geht Rastko Nemanjić als junger Mann auf den Berg Athos, wo er zum Mönch wird und seinen Namen in Sava ändert. Nach langen Jahren als Mönch und Eremit beschäftigen ihn die Gegebenheiten in seinem Vaterland Raska (heutiges Serbien). Dank seines hohen Ansehens als ehemaliger Prinz und verantwortungsbewusster Mönch gewinnt er in hohen kirchlichen und diplomatischen Kreisen viele Sympathien, die er für sein Vaterland und die dortige Kirche nutzt. Wegen der komplexen Sachlage in Südosteuropa empfand Sava es als existenzbedeutend, dass die damalige Kirche Serbiens, die immer noch zur Erzbistum Ohrid (Konstantinopeler Patriarchat) gehörte, eigenständig würde und verlangte vom damaligen Konstantinopeler Patriarchen die Autokephalie für die Kirche in Raska. Sava gelingt es, eine autokephale serbisch-orthodoxe Kirche für sein Volk zu gründen. Für diesen Erfolg wurde Sava nach seinem Tod auch ehrenmässig heiliggesprochen – «Sveti Sava» (Heiliger Sava).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Motivation und Leitfrage
1.2. Basisquellen der Abschlussarbeit
2. Abstrakt
3. Wer ist Sveti Sava?
3.1. Das Leben des hl. Sava
3.2. Wieso ist der hl. Sava so wichtig in der serbischen Geschichte?
4. Tod, Entwicklung des Kults und Verbrennung der Überreste des hl. Sava
4.1. Der Tod Savas und die Anfänge des Kults
4.2. Die Verbrennung der Überreste des hl. Sava auf Vraćar und die Vorgeschehnisse
4.3. Das umstrittene Datum der Verbrennung der Überreste des hl. Sava
4.4. Folgen der Verbrennung des hl. Sava
4.5. Parallelen zur modernen Geschichte
5. Darstellungen der Verbrennung der Überreste des Hl. Sava
5.1. «Spaljivanje moštiju Svetog Save», 1912, Öl auf Leinwand - Stevan Aleksić (1876-1923)
5.2. Biografie des Künstlers – Stevan Aleksić
5.3. Arbeitsweise des Künstlers.
6. Bedeutung des hl. Sava heute – Schutzpatron des serbischen Volkes
7. Hram Svetog Save in Belgrad, Symbol der Stadt und der Religion
7.1. Anfänge des Baus
7.2. Architektur des Doms – Symbol der Religion und der Stadt
8. Abstrakt
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Bedeutung des heiligen Sava für das serbische Volk, insbesondere den Kontext und die Folgen der Verbrennung seiner Überreste durch die Osmanen im Jahr 1594, sowie seine Rolle als identitätsstiftendes Symbol in der modernen Geschichte und Architektur.
- Biografie und Wirken des heiligen Sava
- Historische Analyse der Verbrennung seiner Relikte
- Die Rolle von Kunst in der kollektiven Erinnerung
- Der heilige Sava als Schutzpatron und Identitätssymbol
- Die Symbolik des Hram Svetog Save in Belgrad
Auszug aus dem Buch
4.2. Die Verbrennung der Überreste des hl. Sava auf Vraćar und die Vorgeschehnisse
Die Türken begannen bereits im Herbst 1593 Feindseligkeiten in Westungarn, die die Schöpfungstätigkeit des Papstes weiter anregten. Kolumović machte sich auf den Weg nach Osten, um Feodor den Brief des Papstes zu überreichen. Die österreichischen Gesandten des Papstes arbeiteten jedoch auf der anderen Seite. Ihre Aktionen in Erdelje mit Fürst Sigismund Bathory und den benachbarten Serben lösten den ersten Aufstand unter den Serben im Banat aus. Im März 1594 griffen die Rebellen Vršac an und setzten die Stadt in Brand. Das war noch kein gut vorbereitetes Vorgehen der Hajduks, sondern geschah in Eile und aufgrund des Fakts, dass ein türkisch-österreichischer Krieg ausgebrochen war.
In der Zeit der Aufstände der serbischen Bevölkerung in Banat, wurden auf Vračar bei Belgrad die Überreste des hl. Sava verbrannt. Hierher wurden diese aus dem Kloster Mileševo gebracht. Die Rede ist von einem Ereignis in der Geschichte der serbischen Nation, zu welchem es genügend zuverlässige Quellen gibt, welche aber mit der Zeit zu klaren Fakten gemacht wurden.
Falls der Corpus des ersten serbischen Erzbischofs tatsächlich aus Mileševo, das zugleich auch stark beschädigt wurde, entführt und sogar nach Belgrad gebracht wurde, um dort zerstört zu werden, müsste man dieses Ereignis als eines des wichtigsten in der serbischen Geschichte, mindestens im Sinne der Übergabe im Volk, taxieren. Das Volk war schmerzlich beleidigt aufgrund der Zerstörung des Klosters in Mileševo. Die Historiker aber betrachten dieses Geschehen sehr ungleich: Sie sind sich uneinig, was es das Datum der Verbrennung angeht. Die einen sagen, dass das Geschehene im Jahr 1594 vor sich ging und die anderen wieder, dass es im Jahr 1595 stattgefunden habe. Zugleich erklärten die Historiker nicht, wieso sie diese Unterscheidung machen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor erläutert seine persönliche Motivation und die Wahl des Themas im Kontext seiner serbischen Herkunft sowie die verwendeten Quellen.
Abstrakt: Diese Einleitung bietet eine kurze Übersicht über das Leben des heiligen Sava und die historische Tragweite seiner Verbrennung.
Wer ist Sveti Sava?: Dieses Kapitel beleuchtet die Biografie des Heiligen, seinen Weg als Prinz Rastko zum Mönch und seine zentrale Rolle bei der Gründung der autokephalen serbisch-orthodoxen Kirche.
Tod, Entwicklung des Kults und Verbrennung der Überreste des hl. Sava: Hier werden die Umstände seines Todes, die Verehrung seiner Relikte und die dramatischen Ereignisse um deren Verbrennung durch Sinan-Paša sowie deren Folgen für den serbischen Widerstand analysiert.
Darstellungen der Verbrennung der Überreste des Hl. Sava: Dieses Kapitel analysiert das Gemälde von Stevan Aleksić, die Biografie des Künstlers und seine Technik sowie die künstlerische Verarbeitung dieses historischen Ereignisses.
Bedeutung des hl. Sava heute – Schutzpatron des serbischen Volkes: Die historische Entwicklung des Sava-Kults und seine heutige Bedeutung als Identitätssymbol für die serbische Bevölkerung in Serbien und der Diaspora werden hier thematisiert.
Hram Svetog Save in Belgrad, Symbol der Stadt und der Religion: Die Entstehungsgeschichte des Doms, seine architektonische Bedeutung als Wahrzeichen Belgrads und seine Rolle als Ort der nationalen Identität werden in diesem Kapitel dargelegt.
Schlüsselwörter
Sveti Sava, heiliger Sava, serbische Geschichte, Verbrennung, Osmanisches Reich, Sinan-Paša, autokephale Kirche, Stevan Aleksić, Hram Svetog Save, Identitätssymbol, serbische Orthodoxie, Belgrad, Vračar, Kult, Schutzpatron.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Leben des heiligen Sava, die historische Zäsur durch die Verbrennung seiner Überreste und wie dieses Ereignis die serbische Identität bis heute prägt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Biografie des Heiligen, der historischen Analyse der Verbrennung im Jahr 1594, der künstlerischen Rezeption dieses Ereignisses und der symbolischen Bedeutung des Doms in Belgrad.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Wissen über den heiligen Sava innerhalb der serbischen Gemeinschaft zu vertiefen und die Bedeutung der Verbrennung seiner Überreste als Katalysator für den nationalen Zusammenhalt darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine historische Recherche basierend auf existierenden schriftlichen Quellen, Biografien und einer kunsthistorischen Analyse eines spezifischen Gemäldes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Biografie, die Ereignisse um die Verbrennung der Relikte, die kunsthistorische Untersuchung eines Aleksić-Gemäldes sowie die heutige Bedeutung des Heiligen und des ihm gewidmeten Doms.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem mit den Begriffen Sveti Sava, Verbrennung, serbische Identität, Orthodoxie und historisches Erbe zusammenfassen.
Warum war die Verbrennung der Relikte für die Osmanen kontraproduktiv?
Die Osmanen wollten durch die Verbrennung den Glauben und die Hoffnung des Volkes brechen, doch stattdessen stärkte dieser Akt den Hass gegenüber den Besatzern und motivierte verstärkt zu Aufständen.
Welche Rolle spielt das Gemälde von Stevan Aleksić in der Arbeit?
Das Gemälde dient als zentrales Artefakt, um das schreckliche Ereignis der Verbrennung bildlich zu analysieren und die dramatische Darstellung der serbischen Geschichte nachzuvollziehen.
Inwiefern ist der Hram Svetog Save ein Symbol?
Der Dom ist nicht nur ein religiöses Gebäude, sondern ein Monument, das an die Verbrennung der Überreste erinnert und das jahrhundertelange Streben nach nationaler und religiöser Identität in Belgrad repräsentiert.
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- Anonym (Autor:in), 2020, Der heilige Sava. Die Reaktion auf die Verbrennung seiner Überreste damals und heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/948411