Seit jeher gilt das After-Sales Segment als das ertragreiche Standbein der Autohäuser. Rund zwei Drittel der Gewinne sind auf diesen Bereich zurückzuführen.
Gleichzeitig gewinnt der ökologische Gesichtspunkt immer mehr an Bedeutung. Das veränderte Bewusstsein der Konsumenten und die von der EU-Kommission festgelegten CO²-Grenzwerte zwingen die Hersteller auf verbrauchsärmere Antriebe zu setzen. Kontinuierliches Downsizing großer Verbrennungsmotoren, rein elektrische Fahrzeuge und die Konzepte an Plug-In-Hybridfahrzeugen untermauern die technologischen Möglichkeiten. Von einem Systemwechsel hin zur Elektromobilität ist mittlerweile sogar die Rede. Solch ein Systemwechsel wird auch zu disruptiven Veränderungen in der Automobilproduktion führen. So bietet der Einsatz ressourcen- und kostengünstiger Werkstoffe im Produktionsprozess bei Automobilen viele Chancen.
Die stetige Weiterentwicklung sowie Anwendung von Leichtbaukonzepten wird zur obersten Leitmaxime in der Automobilproduktion. Steigende Emissionszahlen sowie größere Reichweiten bei BEV erfordern schlichtweg eine
Gewichtsreduktion der Fahrzeuge. Hierfür bietet der Einsatz neuer Werkstoffe gewaltige Entwicklungspotenziale, die auch zu Veränderungen der Fahrzeugarchitektur führen werden. All diese Einflussfaktoren sind eng verzahnt mit dem After-Sales Geschäft der Autohäuser. Konkrete Auswirkungen, die sich auf die Werkstatt- und Teileprozesse ergeben sind weitestgehend ungeklärt. Daher stellt sich folgende Kernfrage: Welche Auswirkungen ergeben sich durch neue Werkstoffe im Automobilbau auf die Teile- und Servicebereiche der Autohäuser?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Ausgangslage und Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Methodik
1.3 Aufbau der Arbeit
2. After-Sales im Autohaus
2.1 Definition
2.2 Servicebereich
2.3 Teilebereich
2.4 Herausforderungen und Chancen
3. Werkstofftechnik in der Automobilindustrie
3.1 Leichtbau als Konstruktionsprinzip
3.2 Werkstoffeinsatz im Wandel
3.3 Werkstoffkonzepte
4. Analyse: Werkstoffe im Automobilbau
4.1 Hoch- und höchstfeste Stähle
4.2 Verbundwerkstoffe
4.3 Leichtmetalle
4.4 Selbstheilende Werkstoffe
4.5 Bewertung & Folgen für das After-Sales Segment
5. Schlussteil
5.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
5.2 Fazit & Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Auswirkungen neuer Werkstoffe im Automobilbau auf den Teile- und Servicebereich in Autohäusern zu untersuchen und zu analysieren, wobei insbesondere die veränderten Anforderungen an Know-how und Prozessabläufe im Fokus stehen.
- Transformation des Automobilsektors durch Leichtbau und neue Materialkombinationen.
- Analyse verschiedener Werkstoffgruppen wie Stähle, Verbundwerkstoffe und Leichtmetalle.
- Identifikation von Veränderungstreibern für das After-Sales-Geschäft.
- Einschätzung der Auswirkungen auf Werkstattprozesse, Teilevielfalt und Lagerhaltung.
- Notwendigkeit von Investitionen in Humankapital und Schulungsmaßnahmen.
Auszug aus dem Buch
4.4 Selbstheilende Werkstoffe
Selbstheilende Materialien gelten für viele als Illusion. Tatsächlich könnten sie aber bereits in einigen Jahren auch im Automobilbau zur Serienreife gehören. So entwickelten Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) eine chemische Vernetzungsreaktion, durch die sich ein Selbstheilungsprozess in Gang setzen lässt. Grundsätzlich wird hierfür ein universeller Ansatz verfolgt: Ein Schaden führt zum Aufbrechen einer integrierten Kapsel im Basismaterial, welche ihren Inhalt freisetzt und anschließend den Schaden verschließt. Folglich ergibt sich die Fähigkeit zur Selbstheilung.23 Der Prozess kann zudem auch durch Wärme oder UV-Licht eingeleitet werden, wodurch eine externe Einflussnahme bestehen bleibt.
Diese selbstheilenden Eigenschaften lassen sich auf eine große Bandbreite von Polymerwerkstoffen und Oberflächenmaterialien übertragen. Die Teileproduktion aus faserverstärkten Kunstoffen sowie Lacke gelten als konkrete Anwendungsbereiche im Automobilbau. Im Bereich der Polymere werden kommerzielle Lösungen zu Kapseln in Lacken bereits angeboten. Diese schützen die Oberflächen und Bauteile vor Korrosion und Rissausbreitung.
Somit könnten Reparaturlackierungen oder die Anwendung eines Lackstifts bald der Vergangenheit angehören.24 In den kommenden Jahren ist mit weiteren Forschungsfortschritten im Bereich der selbstheilenden Materialien zu rechnen. Ob es dabei zum technologischen Durchbruch reicht bleibt jedoch erstmals abzuwarten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Transformation der Automobilbranche durch Megatrends und die daraus resultierende Forschungsfrage nach den Auswirkungen neuer Werkstoffe auf das After-Sales-Segment.
2. After-Sales im Autohaus: Dieses Kapitel definiert den After-Sales-Bereich, analysiert dessen wirtschaftliche Bedeutung anhand von Kennzahlen und erörtert aktuelle Herausforderungen wie den Rückgang klassischer Wartungsarbeiten.
3. Werkstofftechnik in der Automobilindustrie: Hier werden die Grundlagen des Leichtbaus als Konstruktionsprinzip sowie der Wandel im Werkstoffeinsatz und die Entwicklung von Misch- und Hybridbauweisen dargelegt.
4. Analyse: Werkstoffe im Automobilbau: Das Kapitel bietet eine detaillierte technische Untersuchung verschiedener Materialklassen (Stähle, Verbundstoffe, Metalle) und deren jeweilige Relevanz und Auswirkungen für das Autohaus-After-Sales-Geschäft.
5. Schlussteil: Der Schlussteil fasst die zentralen Ergebnisse zusammen, betont die Notwendigkeit von Investitionen in das Know-how der Mitarbeiter und gibt ein Fazit zur Anpassungsfähigkeit von Autohäusern im Wandel.
Schlüsselwörter
After-Sales, Automobilbau, Leichtbau, Werkstoffe, Servicebereich, Teilebereich, Multimaterialbauweise, Verbundwerkstoffe, Elektromobilität, Prozessoptimierung, Veränderungstreiber, Innovationspotential, Werkstoffkunde, Nachhaltigkeit, Kundenbindung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich der technologische Wandel bei den im Automobilbau verwendeten Materialien direkt auf die Werkstatt- und Teileprozesse in Autohäusern auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf dem Leichtbau, den technologischen Anforderungen durch Multimaterialansätze sowie der wirtschaftlichen Bewertung für den Service- und Teilemarkt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Untersuchung?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Welche Auswirkungen haben neue Werkstoffe im Automobilbau auf den Teile- und Servicebereich im Autohaus?“
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin oder der Autor nutzt eine qualitative Inhaltsanalyse auf Basis von Sekundärdaten, darunter Fachliteratur, Studien sowie aktuelle Internetquellen und technische Datenblätter.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene Materialgruppen (Stähle, Verbundwerkstoffe, Leichtmetalle, selbstheilende Werkstoffe) technisch beschrieben und ihr jeweiliges Potenzial für Veränderungen in der Werkstattpraxis bewertet.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen After-Sales-Management, Leichtbau, Werkstofftechnik, Prozessanforderungen im Autohaus und der Multimaterialansatz.
Welche Bedeutung haben selbstheilende Werkstoffe für das Autohaus?
Sollten diese zur Serienreife gelangen, könnten sie klassische Reparaturleistungen wie Lackierungen überflüssig machen, was Autohäuser vor große Herausforderungen hinsichtlich Umsatz und notwendiger Spezialwerkzeuge stellt.
Warum spielt die Reduktion der Teilevielfalt eine Rolle?
Durch den Trend zu integrierten Bauteilsystemen werden weniger Einzelkomponenten benötigt, was sowohl die Lagerhaltung als auch die standardisierten Arbeitsabläufe in der Werkstatt grundlegend verändern kann.
Welche Investitionen müssen Autohäuser laut Fazit tätigen?
Autohäuser müssen verstärkt in Humankapital investieren, da die Vielfalt der neuen Werkstoffe eine höhere Sachkenntnis der Monteure bei Bearbeitungstechniken wie dem Kleben erfordert.
- Arbeit zitieren
- Maximilian Zeller (Autor:in), 2020, Neue Werkstoffe im Automobilbau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/948550