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Europas aufgeklärte Monarchen des 18. Jhd. als Pädagogen. Die Volksschule als Instrument der Sozialdisziplinierung in Preußen und Russland

Titel: Europas aufgeklärte Monarchen des 18. Jhd. als Pädagogen. Die Volksschule als Instrument der Sozialdisziplinierung in Preußen und Russland

Masterarbeit , 2020 , 138 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Kristina von Kölln (Autor:in)

Geschichte - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Das Ziel dieser Arbeit ist es, den Zusammenhang zwischen den individuellen Staatszielen und der Handhabung der Volksbildung zu analysieren um der Frage nachzugehen, ob die Gestaltung der Volksschulen in Preußen und Russland trotz ihrer verschiedenartigen Anlage als Maßnahme der Sozialdisziplinierung verstanden werden kann.

In den letzten Jahren erfuhr besonders der Aspekt der Dreigliedrigkeit unseres Schulsystems eine erhöhte Aufmerksamkeit – oft verbunden mit dem Vorwurf einer fehlenden sozialen Durchlässigkeit. Insbesondere die Hauptschule, die Nachfahrin der Volkschule, kämpft verstärkt mit ihrem negativen Image. „Die Hauptschule hat sich mehr und mehr zu einer sogenannten Restschule entwickelt“ bilanzierte eine Vertreterin der Bildungsgewerkschaft GEW im Jahr 2019. Um ein besseres Verständnis für die Anforderungen an grundlegende Schulbildung und die Situation des heutigen Schulsystems zu bekommen, ist es sinnvoll, an seine Ursprünge zurückkehren.

Aus heutiger Sicht kann die preußische Schulpolitik des 18. Jahrhunderts als prägende Epoche für die Etablierung des gegenwärtigen deutschen Schulsystems betrachtet werden. Bereits 1787 äußerte sich Karl Abraham von Zedlitz, Erziehungsminister von Preußen, in seiner Schrift Vorschläge zur Verbesserung preußischer Schulen wie folgt über das ideale Schulsystem:

„Wenn der Schulunterricht den Endzweck haben soll, die Menschen besser und für ihr bürgerliches Leben brauchbar zu machen, so ist es ungerecht, den Bauer wie ein Tier aufwachsen, ihn einige Redensarten, die ihm nie erklärt werden, auswendig lernen zu lassen; (…) Folglich ergeben sich drei Abteilungen aller Schulen des Staates, nämlich: 1) Bauern-, 2) Bürger- und 3) Gelehrte Schulen.“

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen und historiographische Bewertungslage

2.1. Aufgeklärter Absolutismus

2.2. Sozialdisziplinierung

2.3. Volksbildung und Volksschule

3. Absolutistische Herrscher im Vergleich

3.1. Friedrich II.

3.1.1. Ausgangssituation

3.1.2. Selbstverständnis und Staatsziel

3.2. Katharina II.

3.2.1. Ausgangssituation

3.2.2. Selbstverständnis und Staatsziel

3.3. Wesentliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede

4. Volksschulen als Staatsveranstaltung in Preußen und Russland

4.1. Preußen

4.1.1. Preußens langer Weg zur Volksbildung

4.1.2. Die Volksschule unter Friedrich II.

4.1.3. Umsetzung & Herausforderung

4.1.4. Wunsch und Wirklichkeit

4.2. Russland

4.2.1. Russlands steiniger Weg zur Volksbildung

4.2.2 Die Volksschule unter Katharina II.

4.2.3. Umsetzung & Herausforderung

4.2.4. Wunsch und Wirklichkeit

4.3. Wesentliche Gemeinsamkeiten und berechtigte Unterschiede

5. Die Volksschule als Instrument der Sozialdisziplinierung?

6. Resümee

Zielsetzung & Themen

Das Ziel der Arbeit ist es, das Verhältnis zwischen den individuellen Staatszielen und der Handhabung der Volksbildung in Preußen und Russland im 18. Jahrhundert zu analysieren, um zu prüfen, inwiefern die Gestaltung der Volksschulen als Maßnahme der Sozialdisziplinierung verstanden werden kann.

  • Vergleich der Reformansätze und Bildungsideale von Friedrich II. und Katharina II.
  • Untersuchung des Konzepts des aufgeklärten Absolutismus im Kontext der Staatsbildung
  • Analyse der Volksschule als Kontroll- und Sozialisierungsinstrument des Staates
  • Evaluation der Umsetzung von Bildungsvorhaben vor dem Hintergrund kultureller und sozioökonomischer Herausforderungen
  • Diskussion des Zusammenhangs von Bildung, Staatstreue und gesellschaftlicher Ordnung

Auszug aus dem Buch

3.1.2. Selbstverständnis und Staatsziel

Als Sohn eines jähzornigen, misshandelnden Vaters blühte Friedrich II. auf, als er mit 28 Jahren den Thron bestieg. Er zog die großen Denker Europas an seinen Hof, während er Preußen als dominierende Militärmacht weiter ausbaute. War sein Vater Friedrich Wilhelm I. ein Mann von eiserner Disziplin gewesen, dessen militärische Begeisterung an Fanatismus grenzte, so schien sein Sohn auf den ersten Blick sein genaues Gegenteil zu sein. Der junge Friedrich war ein talentierter Musiker, ein Liebhaber von Philosophie und Poesie und ein Bewunderer der Franzosen, deren Sprache und Kultur seine zukünftige Herrschaft zutiefst prägen sollten. Allerdings lassen sich hinsichtlich ihrer Politik auch Gemeinsamkeiten zwischen dem „Philosophenkönig“ und seinem Vater, dem „Soldatenkönig“, feststellen, wie sich im Laufe dieses Kapitels zeigen wird.

In den späten 1740er Jahren begann Friedrich mit dem Bau eines extravaganten Sommerschlosses in Potsdam bei Berlin. Als Hommage an seine frankophilen Neigungen erhielt es den französischen Namen „Sanssouci“ – sorgenfrei. Friedrich stellte sich sein Anwesen als eine Art (privates) Versailles für Berlin vor, als einen Ort, der dem Genuss der Künste und der Erforschung der neuesten Tendenzen des aufklärerischen Denkens gewidmet sein sollte. Dem Ruf des selbsternannten „Philosophen von Sanssouci“ folgten Europas Intellektuelle nur zu gerne – als bedeutendster Vertreter der Aufklärung und Gast in Sanssouci ist jedoch sicherlich François-Marie Arouet, besser bekannt unter seinem Pseudonym Voltaire, zu nennen. Insbesondere Voltaire trug stark dazu bei, dass Friedrich als aufgeklärter Monarch in die Geschichte einging – zum einen war er es, der Friedrich den Beinamen „der Große“ verlieh, zum anderen führte er den Begriff "siècle de Frédéric" für Friedrichs Regierungszeit ein. Der rege Austausch mit seinen internationalen, aufgeklärten Gästen ermöglichte es Friedrich, als „Privatperson“ aufgeklärte Prinzipien zu debattieren und diese, zumindest zu Teilen, in seine Politik als Staatsmann einzubringen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Ursprünge der deutschen Schulbildung durch die Reformen des 18. Jahrhunderts und fragt nach der Rolle der Volksschule als Instrument zur Sozialdisziplinierung.

2. Begriffsbestimmungen und historiographische Bewertungslage: Definition der zentralen Konzepte Aufgeklärter Absolutismus, Sozialdisziplinierung sowie Volksbildung und Volksschule im historischen Diskurs.

3. Absolutistische Herrscher im Vergleich: Analyse von Friedrich II. und Katharina II. hinsichtlich ihrer Herkunft, Herrschaftsstile, Staatsziele und ihres Selbstverständnisses als Monarchen.

4. Volksschulen als Staatsveranstaltung in Preußen und Russland: Detaillierte Darstellung der Entstehung, Implementierung und praktischen Umsetzung des Volksschulwesens in beiden Ländern unter Berücksichtigung der Herausforderungen.

5. Die Volksschule als Instrument der Sozialdisziplinierung?: Synthese der Ergebnisse zur Frage, ob das Schulwesen gezielt zur Disziplinierung der Untertanen eingesetzt wurde.

6. Resümee: Fazit über die Effektivität und die langfristige Bedeutung der Bildungsreformen für die Staatsentwicklung und das Individuum.

Schlüsselwörter

Aufgeklärter Absolutismus, Sozialdisziplinierung, Volksschule, Volksbildung, Friedrich II., Katharina II., Preußen, Russland, Schulpflicht, Reformen, Pietismus, Staatsziel, Untertanen, Aufklärung, Bildungsgeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Bildungswesen im 18. Jahrhundert in Preußen und Russland und fragt, ob die Einführung staatlich gelenkter Volksschulen primär pädagogischen Zielen diente oder ein Instrument zur Disziplinierung der Bevölkerung war.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen sind der Aufgeklärte Absolutismus, die Konzepte der Sozialdisziplinierung sowie die Entwicklung von staatlichen Grundschulsystemen und die Staatsziele der Monarchen Friedrich II. und Katharina II.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Das Hauptziel ist die Analyse, inwiefern die Bildungsreformen unter Friedrich II. und Katharina II. trotz unterschiedlicher Ausgangslagen als eine einheitliche Strategie zur Sozialdisziplinierung interpretiert werden können.

Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?

Die Arbeit verwendet eine historisch-analytische Methode, basierend auf dem Vergleich (Komparatistik) der beiden Staaten und einer kritischen Auswertung zeitgenössischer Schriften und Regierungsdokumente.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen auf dem Hauptteil?

Im Hauptteil werden sowohl die ideologischen Grundlagen der Monarchen als auch die konkrete Umsetzung und die praktischen Schwierigkeiten bei der Etablierung des Volksschulwesens (Gesetze, Lehrpläne, Lehrermangel) in Preußen und Russland detailliert beschrieben.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Aufgeklärter Absolutismus, Sozialdisziplinierung, Preußisch-Russischer Bildungsvergleich und Staatsführung geprägt.

Warum wählte Katharina II. für ihr Schulsystem das österreichische Modell statt des preußischen?

Katharina II. entschied sich für das österreichische Vorbild, da sie eine reibungslosere Adaption für die multinationale Gesellschaft ihres Reiches erwartete und zudem die russisch-orthodoxe Kirche Argwohn gegen das "atheistische Berlin" hegte.

Inwiefern beeinflussten die moralischen Lesebücher die Erziehung in den Volksschulen?

Werke wie "Der Kinderfreund" in Preußen oder "Von den Pflichten des Menschen und Bürgers" in Russland dienten dazu, den Kindern Gehorsam, Pflichtbewusstsein, Ordnung und christliche Werte zu vermitteln, anstatt ein eigenständiges kritisches Denken zu fördern.

Wie bewertet die Autorin den Erfolg der Bildungsreformen?

Die Autorin kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Weder konnten flächendeckende, effiziente Schulsysteme etabliert werden, noch erreichten sie die breite Masse der Bevölkerung; langfristig legten sie jedoch wichtige Grundsteine für die spätere staatliche Bildung.

Ende der Leseprobe aus 138 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Europas aufgeklärte Monarchen des 18. Jhd. als Pädagogen. Die Volksschule als Instrument der Sozialdisziplinierung in Preußen und Russland
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,3
Autor
Kristina von Kölln (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
138
Katalognummer
V948621
ISBN (eBook)
9783346288035
ISBN (Buch)
9783346288042
Sprache
Deutsch
Schlagworte
europas monarchen pädagogen volksschule instrument sozialdisziplinierung preußen russland
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Kristina von Kölln (Autor:in), 2020, Europas aufgeklärte Monarchen des 18. Jhd. als Pädagogen. Die Volksschule als Instrument der Sozialdisziplinierung in Preußen und Russland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/948621
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