Leonardo da Vinci (1452-1519)


Referat (Ausarbeitung), 1999

11 Seiten


Gratis online lesen

Vertiefungsgebiet BE, Gaigg Irina Simone, Mai 1999

Leonardo da Vinci (1452-1519)

Biographie:

1452 Geburt

Leonardo da Vinci wurde am 15. April 1452 in Vinci, ca. 30 km von Florenz entfernt, geboren. Sein Vater, Ser Pietro da Vinci, war erfolgreicher und wohlhabender Notar, seine Mutter ein Bauernmädchen namens Caterina. Als unehelicher Sohn lebte Leonardo aber bei seinem Vater. Leonardos Vater, der natürlich wollte, daß sein Sohn Notar wird, konnte seinen Willen aber nicht durchsetzen. Zum einen, weil seinem Sohn die richtige Ausbildung fehlte (Leonardo ging nur kurz in die Volksschule, er konnte kaum lesen, schreiben und rechnen), zum anderen, weil uneheliche Kinder zu dieser Zeit nicht studieren durften.

1469 übersiedelte Leonardo mit seinem Vater nach Florenz, das im 15.Jh. das Zentrum Europas war, wo er eine Lehre in der Werkstatt des Bildhauers und Malers Andrea del Verrocchio (1435_1488) machte. Verrocchio bedeutet übersetzt ,,wahres Auge", ein Beiname, der dem Künstler wegen der großen Einfühlsamkeit, plastischen Prägnanz und perspektivischen Vielschichtigkeit seiner Werke verliehen worden war.

Als erste bekannte Arbeit Leonardos gilt der Engel in der unteren linken Ecke von Verrocchios Gemälde ,, Taufe Christi" (_1472). Giorgio Versari (1511 _ 1474), dem wir durch sein Werk ,,Leben des ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Baumeister" die meisten Fakten aus Leonardos Leben verdanken, berichtet, daß Verroccio, als er diese einmalige Plastizität und Vollkommenheit Leonardos Engels sah, schwor, nie wieder Farben anzufassen.

1472 Aufnahme in die Künstlergilde des Hl. Lukas

Als Leonardo 1472 in die Liste der Lukas_Gilde als Maler eingeschrieben wurde, mußte er wenigstens 4_6 Jahre die Malkunst gelernt haben. Bei Verrocchio fiel er dessem wichtigsten Mäzen, Lorenzo de Medici, auf, durch den er in den erlauchten Kreis der Philosophen, Mathematiker und Künstler eingeführt wurde.

Durch die Lukas_Gilde dürfte er Gelegenheit gehabt haben, seine anatomischen Kenntnisse in einem Krankenhaus, in dem die Gilde ihren Sitz hatte, zu vertiefen.

So werden die in den Details des Körperbaus herausragende Darstellung des Heiligen Hieronymus und seine Verkündigung auf diese Zeit datiert.

Da überliefert ist, daß Leonardo ein überaus hübscher Junge war und einen großen Teil seiner Jugend damit verbrachte, das Leben zu genießen und sich zu amüsieren, dürfte dies der Grund gewesen sein, warum er 1476 wegen Päderastie (Homosexualität mit jungen Knaben) angeklagt wurde; er wurde allerdings kurz darauf wegen mangelnder Beweise freigelassen. Bis 1976 dürfte er in der Werkstatt Verrocchios gewesen sein. In diese Zeit fällt noch das Bild Madonna mit der Blumenvase.

1478 Auftrag für das Altarwerk für die Kapelle des Hl. Bernhard in der Signoria in Florenz

Trotz einer ersten Bezahlung wird das Werk aber aus unbekannten Gründen nie abgeliefert.

1481 Anbetung der Könige

Die Anbetung der Könige ist Leonardos erste große Komposition. Eine Arbeit von 7 Monaten, die trotzdem unvollendet blieb. Vorausgegangen sind eine große Anzahl von Silberstifzeichnungen von Pferden. Generell ist die Anbetung eine Ouvertüre zu Leonardos gesamten Schaffen, voll von Themen, die wieder auftreten werden.

1482 Umzug nach Mailand

1482 bewirbt sich Leonardo als Militäringenieur am Hofe der Sforza, wird dort zuerst als Musiker eingestellt, macht sich aber innerhalb kurzer Zeit einen Namen als Maler, Bildhauer, Architekt und Stadtplaner.

Schon früh begann Leonardo, Kriegsmaschinen zu zeichnen, und über einen Zeitraum von 5 Jahren vervollkommnen sich diese Konstruktionen am Hof von Ludovico Svorza. An dessen Hof beschäftigt sich Leonardo viel mit Studien der Anatomie, Astronomie, Botanik, Geologie und Geographie, erforschte den Flug der Vögel und arbeitete an seinen Erfindungen. Darüber hinaus erteilte ihm Ludovico den bedeutenden Auftrag, ein Reiterdenkmal zu Ehren seines Vaters, des Mailänder Großherzogs Francesco Sforza, zu schaffen. Nachdem er die Anatomie und Bewegungsabläufe von Pferden eingehend studiert hatte, entwarf er den Plan zu einem Denkmal. Nach mehr als einem Jahrzehnt der Arbeit an diesem Projekt konstruierte er schließlich ein Modell von mehr als 7 Meter Höhe, das, wenn es je errichtet worden wäre, mehr als 80 Tonnen flüssiges Bronze benötigt hätte. Doch das Bronze wurde für Kanonenkugeln benötigt, um sich gegen die französischen Truppen zu wehren, die aber dennoch 1499 Mailand eroberten und Sforza ins Exil zwangen. Das Modell des Reiterstandbildes wurde dabei zerstört.

1483 Auftrag für die Felsgrottenmadonna

Die Felsgrottenmadonna ist ein Gemälde für den dafür vorgesehenen Hohlraum eines Altaraufsatzes. Sie gilt als Leonardos Meisterwerk aus seiner Frühzeit, denn sie ist Leonardos letztes Quattrocento_Bild.

Im Jahr 1485 schuf Leonardo die Benois_Madonna, für die es einige Vorstudien gibt, die eindeutig Leonardo zugeschrieben werden.

An Ludovicas Hof übte Leonardo auch die Arbeit eines Hofporträtisten aus und porträtierte zwei von Ludovicas Geliebten, Lucrezia Crivelli und

Cecilia Gallerani (dieses Bild halten viele Forscher für das Bild Dame mit einem Hermelin). Ein anderes Porträt aus dieser Zeit ist das Porträt eines Musikers, das ohne Hilfe seiner Schüler gemalt zu sein scheint.

1490 Im Jahr 1490 sind zum ersten Mal zwei Schüler Leonardos erwähnt, Giovanni Antonio Boltraffio und Marco d'Oggiono. Ihnen werden weitere Porträts, u.a. La Belle Ferronière zugeschrieben.

In die frühen Jahre von Leonardos Aufenthalt in Mailand gehört das erste der Notizbücherund Manuskripte, die für die Dauer seines weiteren Lebens umfassend über seine praktische und wissenschaftliche Tätigkeit berichten. Er begann, seine Notizen wie für einen Traktat niederzuschreiben. Das Ergebnis war das sogenannte ,,MS. B.", das v.a. Skizzen seiner Kriegsmaschinen, aber auch architektonische Versuche beinhaltet. Da Vinci untersuchte auch die Hydrostatik und die Hydrodynamik. So wollte er, als Pisa und Florenz politische Meinungsverschiedenheiten hatten, den Fluß Arno derart umleiten, daß dieser nicht länger im Hafen von Pisa mündete.

Außerdem baute er auch Kanäle und Bewässerungsanlagen.

Die bedeutendste Sammlung ist der große Band mit Notizen und Zeichnungen in der Bibliothek Ambrosiana, bekannt unter dem Namen ,,Codex Atlanticus". Er enthält etwa 4000 Blätter, alle von Leonardos kleiner Handschrift bedeckt. Leonardo konstruierte nicht nur verschiedenste Maschinen, er wollte auch herausfinden, wie und warum sie so arbeiteten. Dies machte aus dem Techniker den Wissenschaftler Leonardo. Im Alter von 50 Jahren begann Leonardo, Latein zu lernen, das er aufgrund seiner lückenhaften Schulbildung kaum verstand. Zwei Handschriften belegen diesen Vorgang, eines davon ist das ,,MS. H." (1494), in dem er die zeitgenössische lateinische Grammatik und einen Teil des Wörterbuches kopierte. In diesen Skizzenblättern zeigt sich auch seine Liebe zur Allegorie, in denen er z.b. fabelartige Ereignisse der Naturgeschichte (Hermelin, Eidechse) illustrierte. Auch viele Grotesken und Karikaturen finden sich in diesen Blättern.

Im ,,MS. C" behandelt Leonardo Licht und Schatten (es zeigt z.b. eine lange Liste von Diagrammen, in denen er die Wirkung des Lichteinfalls auf Kugeln und Zylinder demonstriert), im ,,MS. E" Pflanzen und Bäume.

Leonardo fertigte auch Schriften zur Kunst und Anweisungen zur Malerei, einige mit der linken Hand rückwärts geschrieben, die vom Malen und den Methoden des Zeichnens und der Farbgebung handeln. Die Abschrift dieser Aufzeichnungen Leonardos ist als Trattato della Pittura bekannt, der aus acht Büchern und 936 Kapiteln besteht.

1495 Beginn des Letzten Abendmahls

Das Letzte Abendmahl gilt allgemein als der Höhepunkt Leonardos Karriere als Maler. Es wurde auf Anordnung Ludovico il Moros für das Refektorium des Dominikanerkonvents in Santa Maria delle Grazie in Mailand gemalt. Leonardo malte jedoch nicht al fresco, sondern verwendete ein Malmittel aus Öl und Firnis, so daß es nur sehr schlecht erhalten ist.

Das Bild dürfte 1497 vollendet worden sein.

1497 Von 1497 an arbeitete Leonardo zusammen mit Luca Pacioli, einem der führenden Mathematiker dieser Zeit, an dessen berühmten Werk der ,,Divina Proportione".

1499 Nach der Einnahme Mailands durch die Franzosen verließ Leonardo im Dezember 1499 den Hof Sforzas, um über kurze Reisen nach Mantua und Venedig im April 1500 erneut nach Florenz zu gehen.

1501 erster Entwurf des Gemäldes Die Jungfrau und die Hl. Anna

1502 Leonardo tritt als oberster Militäringenieur in die Dienste des Oberbefehlshabers der päpstlichen Truppen, Cesare Borgia, ein. Im Zuge seiner Reisen fertigte er sechs Karten Mittelitaliens an und schuf Pläne für Stadtbefestigungen und Kanäle.

1503 Nach seiner Rückkehr nach Florenz führte Leonardo ein Porträt völlig eigenhändig aus _ die Mona Lisa

La Gioconda oder Mona Lisa war die 3. Ehefrau des florentinischen Adeligen Francesco del Giocondo und wurde im wohl berühmtesten Gemälde aller Zeiten unsterblich.

In diese Zeit fallen auch Leonardos großartige Pflanzenstudien, mit roter Kreide auf präpariertem Papier gezeichnet, die als Vorstudien zu Leonardos Gemälde Leda mit dem Schwan gelten.

Gleichzeitig war Leonardo in dieser Zeit mit einigen seiner schwierigsten wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt, mit dem Thema des Fluges der Vögel. Um 1505 begann er, die Grundlagen des Fluges zu erforschen. Leonardo gilt als einer der ersten, der versuchte, Maschinen zu konstruieren, mit denen menschliche Wesen fliegen konnten.

Während seiner Zeit bei Cesare Borgia hatte sich Leonardo mit Machialvelli angefreundet, dem er nun einen großen Auftrag der Signoria von Florenz verdankte _ ein großes Fresko im Palazzo Vecchio. Als Thema wählte er den Sieg der Florentiner über die Mailänder in der Schlacht von Anghiari. Er begann das Gemälde bereits 1503 und vollendete den Karton Ende 1504, aber Leonardo wählte für den Auftrag auf der Wand eine neue Methode, die im Resultat nicht erfolgreich war. Er malte im selben Raum wie Michelangelo, der zur selben Zeit die Schlacht bei Cascina malte, und dessen Aktfiguren spornten Leonardo zu vermehrten Aktstudien an.

1507 arbeitete Leonardo für den französischen König am Hofe Ludwigs XII.

1508 kehrte Leonardo nach Mailand zurück. Sein Hauptauftraggeber war Charles d'Amboise, Gouverneur von Mailand.

In diese Zeit fällt das ,,MS. F", das mit 1508 datiert ist und Notizen über Botanik, Geologie und Atmosphäre enthält. Blätter des ,,MS. G" befassen sich mit Licht, das auf Bäume fällt, und den verschiedenen Grün_ und Blautönen von Bättern und Himmel.

Zwischen 1508 und 1510 dürfte Leonardo die Hl. Anna Selbdritt geschaffen haben. Dabei wandte er seine vielen geologischen Studien für den Hintergrund an _ der Kopf dürfte von einem Schüler gemalt worden sein.

1511 starb Charles d'Amboise, und die Regierung ging über in die Hände von den Generälen Gaston de Foix und Gian Giacomo Trivulzio. Für letzteren begann Leonardo, ein Reiterdenkmal auszuführen, und seine Vorstudien ähneln denen für das Sforza_Denkmal. Das Denkmal selbst sollte jedoch in Stein sein. Besondere Bedeutung wurde dem Sockel beigemessen, der die Figur des Verstorbenen in einem Sarkophag und 8 weitere Figuren zieren sollten. Die Studien für das Trivulzio_Denkmal und in dieser Zeit entstandene Maskeradenkostüme dürften seine letzten Werke seine französischen Auftraggeber in Mailand sein. 1512 übernahmen Spanischer, päpstliche Söldner und Venezianer die Stadt, und Dichter, Künstler und Gelehrte wanderten aus dem als Kulturzentrum verfallenden Mailand nach Rom ab. Im Jahr, bevor auch Leonardo Mailand verließ, fertigte er viele anatomische Studien an, die als ,,MS. A" gelten.

Dabei kooperierte er mit dem Arzt Marc Antonio della Torre, dem anscheinend größten Anatom seiner Zeit. Bis 1515 soll er 30 Männer und Frauenleichen heimlich zersägt und erforscht haben, und das in einer Ära, in der jeglicher Kontakt mit Toten als "teuflisch" bezeichnet wurde.

Ein ganzes Notizbuch ist von etwa 1512 ist der Embryologie gewidmet, und Leonardo fertigte eine der wahrscheinlich ersten Zeichnungen eines Kindes im Mutterleib an.

1512 Ende dieses Jahres traf Leonardo in Rom ein, wohin er sich wegen der berühmten Freigebigkeit Giovanni de Medicis angezogen fühlte, der zuvor Papst Leo X. geworden war. Leonardo dürfte es aber bald leid gewesen sein, sich mit den führenden Künstlern Italiens, die sich alle in Rom aufhielten (Raffael; Michelangelo, der durch seine Arbeiten in der Sixtinischen Kapelle uneingeschränkte Autorität hatte), auseinanderzusetzen, und zog sich in Einsamkeit zurück. Vom Papst bekam er auch nicht die erhoffte Unterstützung, denn dieser sagte einmal: ,,Dieser Mann wird nie etwas tun, denn er fängt an, über das Ende nachzudenken, bevor das Werk begonnen ist." Die halbherzige Unterstützung des Vatikans kam mit dem Tod seines Mäzens 1516 endgültig zu erliegen.

Eine Zeichnung eines alten bärtigen Mannes, die als sein einziges Selbstbildnis gilt, dürfte in dieser Zeit entstanden sein. Ihm stehen auf dem Blatt Studien von wirbelndem Wasser gegenüber, mit einer Notiz, in der die Bewegung des Wassers mit der von geflochtenem Haar verglichen wird. In dieser Zeit gab es viele Prophezeiungen einer kommenden Sintflut, und Leonardo beschäftigte sich mit dem Thema von Wasser bereits in Skizzen des ,,Ashburnham_Codex" von 1494 und zum letzten Mal im ,,MS. G".

1515 In diese Zeit dürfte Leonardos letztes erhaltenes Bild fallen, der Heilige Johannes, dem unter Leonardos Werken am meisten Abneigung entgegengebracht wird, aber das einflußreichste Bild war.

1516 nahm Leonardo eine Einladung des französischen Königs Franz I. an, von dem er einen Landsitz in Cloux bei Amboise bekam, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte. Offiziell galt er als ,,Maler, Architekt und Konstrukteur des Königs", seine Aufgabe bestand aber hauptsächlich darin, mit dem König zu philosophieren. Für seine Zeichnungen aus dieser Zeit gibt es nur Spekulationen, denn es gibt keine datierten Werke oder Aufträge. Er dürfte aber auch stark eingeschränkt gewesen sein aufgrund eines Schlaganfalls, der zu Lähmungen seiner rechten Hand führte.

1519 Tod

Leonardo da Vinci starb am 2. Mai 1519 im Alter von 67 Jahren im Schloß von Cloux. Seine Zeichnungen, Notizen und Schriften vermachte er seinem Schüler Francesco Melzi.

Das Leben Leonardo da Vincis ist immer noch voller Widersprüchlichkeiten und Lücken. Es ist schwer, ihn einzuorden: Maler, Zeichner, Bildhauer, Architekt, Dichter, Musiker, Geologe, Anatom, Kartograph, Stadtplaner, Mathematiker, Physiker, Wissenschafter, Philosoph, Mediziner, Pädagoge oder Erfinder. Er war ein Mann, dessen Genie und unruhiger Geist ihn ständig fieberhaft von einem Arbeitsgebiet zum anderen trieb. Daher begann er auch vieles, was nicht vollendet wurde (Abendmahl, Schlacht von Anghiari oder das Reiterdenkmal von Francesco Sforza). Nur 17 seiner Gemälde sind erhalten, einige davon unvollendet. Und obwohl seine Notizbücher und Manuskripte faszinierende Informationen enthalten, blieb das Vorhaben, sie zu ordnen und zu veröffentlichen, unausgeführt.

Die Bedeutung Leonardos liegt aber weniger in seinen spezifischen Leistungen auf einzelnen Gebieten als in seiner beispielhaften Art zu forschen und zu denken. Er verkörpert den Inbegriff der Suche nach Wissen jenseits der Grenzen des Bekannten.

,,Leonardo ist ein Mann, der zu früh aufwacht, während es noch dunkel ist und alle um ihn herum noch schlafen"

(Dmitry Merezhkovsky, ,The Romance of Leonardo da Vinci`)

Werke und Erfindungen:

- Flugtechnik: Flügel für den Menschen, Schwingenflugzeuge, Flugzeuge mit

Höhen- und Seitenrudern, Hubschrauber, Fallschirm, Perpetuum Mobile

- Militärische Konstruktionen: Wurfmaschinen (Schleudern), Kanonen,

Hakenbüchsen, Mörser, Panzerwagen, Unterseeboot, Orgelgeschütze,

Granatwerfer, Armbrüste, Dampfkanone, Studien für Befestigungsanlagen

- Maschinen und Geräte: Entwurf eines ,,Automobils", eines Brennspiegels, eines Drehkranes, Studien zu Musikinstrumenten, Entwurf eines Turbinrades, ausziehbare Leiter, Dreigangschaltung, Fahrrad, zusammenklappbare Möbel_

- Zeitmessung: Sanduhren, Wasseruhren, mechanische Räderuhren, Entwurf eines Uhrwerks mit Läutmechanik

- Hydraulik: Schöpfrad, Pumpe, mechanische Säge, hydraulische Hebevorrichtung,

- Projekte: Entwürfe für eine Ponton-, eine Dreh- und eine zweistöckige Brücke, Plan eines ca. 80 km langen, schiffbaren Kanals zur Umgehung des

Flusses Arno von Florenz nach Pisa mit Stauseen, Wehren, Tunneln, Brücken; Konstruktion eines mechanischen Löwens für den König von Frankreich: Der Löwe kann laufen, sich erheben und Lilien niederlegen.

- Anatomie: Studien des Kopfes, Studien von Gesichtern, anatomische Studien der

Geschlechtsorgane, des Gehirns, der Nerven, der inneren Organe, der Gliedmaßen, des menschlichen. Skeletts, der Muskulatur und der Embryonalentwicklung

- Botanik: beschrieb Phänomene des Geotropismus (Auswirkung der Erdanziehungskraft auf Pflanzen) und des Phototropismus (das Wachsen der Pflanzen in Richtung des Lichts); fand heraus, daß sich das Alter von Bäumen an den im Querschnitt ihres Stammes sichtbaren Jahresringen ablesen läßt; war der erste, der die Anordnung der Blätter von Pflanzen systematisch beschrieb

- Geologie und Physik: Erkenntnisse über Entstehung von Fossilien, dokumentierte das

Phänomen der Erosion; seine physikalischen Studien nahmen die Ergebnisse der modernen Hydrostatik, Optik und Mechanik hinweg

Viele wissenschaftliche Entdeckungen, die später als große Errungenschaften von Kopernikus (Sonne bewegt sich nicht!!), Galilei (Erfindung des Fernrohrs), Newton (Schwerkraft), Darwin (Mensch gehört in dieselbe Kategorie wie die Affen) gefeiert wurden, hatte Leonardo da Vinci bereits zu seiner Zeit gemacht und beschrieben.

Die sieben Prinzipien des Leonardo da Vinci

1) Curiosità

,, Der Wunsch zu lernen ist allen edlen Menschen angeboren" (L. da Vinci)

Curiosità bezeichnet einen durch unstillbare Neugier geprägten Zugriff auf das Leben sowie das unnachgiebige Streben nach Wissen.

Jeder Mensch wird neugierig geboren. Leonardos Curiosità war sein ganzes Leben hindurch Quelle und Antriebskraft seines Schaffens.

Vasari erzählt, daß Leonardo weder Leidenschaft für Frauen empfand noch eine Verpflichtung gegenüber dem Staat, Kirche oder Gott fühlte. Hingabe und Leidenschaft richteten sich allein auf die Suche nach Wahrheit und Schönheit. Seine Neugier durchdrang und bereicherte auch seine alltäglichen Erfahrungen, die Wahrnehmung seiner Umwelt. Sein ausgeprägtes Verlangen, die Dinge bis ins Innerste erkunden zu wollen, ließ ihn einen Forschungsstil entwickeln, der vor allem wegen seiner Gründlichkeit und der Bandbreite seiner Interessensgebiete bemerkenswert ist. Bei seinen anatomischen Studien z. B. sezierte er jeden Teil des Körpers aus mindestens drei verschiedenen Blickwinkeln.

Leonardos gesamtes Leben war eine Übung in kreativer Problemlösung auf höchstem Niveau. An dessen Anfang stehen intensive Neugier und aufgeschlossenes Denken, gefolgt von einer Vielzahl aus verschiedenen Blickwinkeln gestellter Fragen. Leonardo hat sein Forschen immer durch Fragen aufgerollt. In seinen Notizbüchern stehen am Anfang Fragen nach der Konstruktion bestimmter Mashinen, dann Fragen nach den Grundprinzipien der Dynamik; und schließlich Fragen, die noch nie zuvor gestellt worden waren, nach den Wolken, dem Alter der Erde oder der Menschheit.

Leonardo wußte auch um die enorme Bedeutung beständigen Lernens. Er begann im Alter von 52 Jahren, sich Latein beizubringen.

Er vertiefte sich aber nicht nur in Kontemplation und Reflexion, sondern suchte auch das Feedback anderer Menschen.

2) Dimostrazione

Dimostriazione ist die Bereitschaft, sein Wissen mittels neuer Erfahrungen und mit der Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen, einer beharrlichen Prüfung zu unterziehen.

Erfahrung ist die Quelle allen Wissens. Leonardo profitierte von den Erfahrungen, die er im Atelier seines Lehrmeisters Andrea del Verocchio machte. Dabei lernte er auch viele praktische Dinge. Für seine geologischen Studien durchstreifte er die Hügel der Lombardei und betrachtete die Fossilien nicht nur theoretisch, sondern nahm sie auch in die Hand und zerlegte sie. Für die Anatomie sezierte er mehr als dreißig menschliche Körper und Tierkadaver.

Leonardo trat aber auch für Originalität und Unabhängigkeit des Denkens ein. Kein Mensch sollte das Vorgehen eines anderen imitieren. Er studierte Texte von Vorgängern wie Äsop, Diogenes, Ovid oder Dante, bemerkte aber, daß vorgefaßte Meinungen den Forscherdrang einschränken.

Er wußte, daß Lernen durch Erfahrung auch Lernen aus Fehlern bedeutete. Auch er unterlag Irrtümern, z. B. die erfolglosen Versuche, die Farben der Gemälde Schlachtvon Anghiari und Abendmahl zu fixieren oder die Konstruktion einer Flugmaschine, die nie abhob.

,, Jedes Hindernis läßt sich durch Beharrlichkeit beseitigen." (L. da Vinci)

3) Sensazione

= das beständige Schärfen der Sinne, v.a. des Sehens, mit denen wir uns den Zugang zu Erfahrungen erschließen.

,,All unser Wissen gründet sich auf Wahrnehmung." (L. da Vinci)

In den Sinneswahrnehmungen liegt der Schlüssel zur Erfahrung. Saper vedere (zu sehen verstehen) war ein Motto Leonardos und der Grundstein seiner künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeit.

Sein scharfes Auge ermöglichte es ihm, außergewöhnliche und noch nie so genau beobachtete Feinheiten des menschlichen Ausdrucks in seinen Gemälden festzuhalten. Das Auge war für ihn ,,Fenster zur Seele" und ,,das Hauptmittel, durch welches der Verstand die unendlich vielen Werke der Natur in der vielfältigsten Weise betrachten kann."

Dabei plädiert Leonardo aber für die Schärfung aller Sinne _ Sinästhesie, das Verschmelzen der Sinneseindrücke, ist ein Merkmal aller großen Künstler und Genies.

4) Sfumato

= die Bereitschaft, sich auf Mehrdeutiges, Paradoxien und Unsicherheiten einzulassen und sie zu akzeptieren.

,,Ein Maler, der den Zweifel nicht kennt, wird wenig erreichen." (L. da Vinci)

Der Begriff Sfumato läßt sich mit ,,in Nebel verwandelt", ,,in Rauch aufgehen" übersetzen. Kunsthistoriker beschreiben mit ihm die verschwommene, mysteriöse Qualität, die da Vincis Gemälde auszeichnet.

Das Thema der Spannung zwischen Gegensätzen begegnet uns häufig in seinem Werk und gewann im Laufe seines Lebens immer größere Bedeutung. Auf der Suche nach Schönheit erforschte Leonardo das Häßliche in all seinen Formen. Seine Zeichnungen von Schlachten, grotesken Gestalten und Überschwemmungen stehen häufig neben Skizzen von Blumen und schönen Jünglingen.

Mit wachsendem Wissen tauchte Leonardo immer tiefer in die Welt des Mehrdeutigen ein. Und je bewußter er sich des Geheimnisvollen und Widersprüchlichen wurde, desto ausdrucksvoller vermochte er es darzustellen. Ohne Zweifel erreicht die Darstellung des Paradoxen in der Mona Lisa ihren Höhepunkt. Das Geheimnis ihres Lächelns hat im Laufe der Jahrhunderte wahre Interpretationsstürme entfesselt. Sigmund Freud schrieb, die Mona Lisa sei ,,die vollkommenste Darstellung der Widersprüche, die das Liebesleben der Frau bestimmen." Ihr Lächeln liegt auf der Grenze zwischen Gut und Böse, Mitleid und Grausamkeit, Verführung und Unschuld, Flüchtigkeit und Ewigkeit.

5) Arte / Scienza

= die Entwicklung des Gleichgewichts zwischen Wissenschaft und Kunst, Logik und Phantasie. ,,Ganzheitliches Denken".

Unter Ganzheitlichem Denken versteht man die Ausgeglichenheit beider Gehirnhälften _ Leonardos Fähigkeit beruhte auf der Verknüpfung sowohl der linken Gehirnhälfte (logisches Vorgehen) als auch der rechten (künstlerisch_intuitives Denken). Seine wissenschaftlichen Untersuchungen von Steinen, Pflanzen, die Studien über den Flug, das fließende Wasser und die menschliche Anatomie dokumentierte er nicht in nüchternen, technischen Zeichnungen, sondern mit ausdrucksstarken Kunstwerken. Zugleich sind seine Entwürfe für Gemälde und Skulpturen äußerst detailliert, analytisch und mathematisch genau.

In den Augen Leonardos waren Kunst und Wissenschaft untrennbar. Eine Voraussetzung für die künstlerische Fähigkeit, die Schönheit der menschlichen Gestalt zum Ausdruck zu bringen, ein eingehendes Studium der Anatomie. Kenneth Clark geht jedoch davon aus, daß nicht die Wissenschaft die Kunst, sondern umgekehrt die die Kunst die wissenschaftlichen Bemühungen Leonardos beeinflußt habe. Zutreffender sei, daß er die Dinge, die er darstellte, so gut kannte, weil er sie so gut zu zeichnen verstand.

,, Studiere die Wissenschaft der Kunst und die Kunst der Wissenschaft." (L. da Vinci) Leonardo trat nicht nur für Strenge und Genauigkeit, Wahrnehmung der Details, Logik, Mathematik und die intensive praktische Analyse ein. Seine Schüler forderte er zugleich dazu auf, ihre Vorstellungskraft zu aktivieren. Er hielt sie dazu an, die zu zeichnenden Dinge genau zu betrachten und die Fähigkeit zu entwickeln, in diesen einfachen Formen ,,die Ähnlichkeit mit himmlischen Landschaften ... und der Unendlichkeit der Dinge" zu entdecken. Sein Denken war ein Durchbruch in der Evolution des Denkens. Das Konzept des ,,kreativen Denkens" als intellektuelle Disziplin existierte vor Leonardo nicht. Das kann mit der Methode des ,,Mind_Mapping" verglichen werden _ eine ganzheitliche Methode zur Entwicklung und Organisation von Ideen, die sich an Leonardos Notizen_Technik anlehnt.

Leonardos Fähigkeiten sind auch auf sein Bemühen um ein gutes Gedächtnis zurückzuführen, was er selbst ,,Auswendiglernen" nannte. Nachdem er einen Gegenstand sorgfältig aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet hatte, fertigte er eine Zeichnung davon an. Dann vergegenwärtigte er sich die Erinnerung an den Gegenstand vor dem inneren Auge, um sie so lange mit der Zeichnung zu vergleichen, bis er den Gegenstand vollkommen in sein Gedächtnis integriert hatte.

6) Corporalità

= die Kultivierung von Anmut, Beidhändigkeit, Fitneß und Haltung.

,,Schön und mit einer herrlichen Physis versehen, schien er ein Modell menschlicher Perfektion". (Goethe über Leonardo)

Leonardo war Zeitzeugen zufolge selbst mit ebenmäßiger Schönheit, Anmut und Sportlichkeit ausgezeichnet. Er betonte auch immer wieder selbst die Wichtigkeit körperlicher Gesundheit. Er betrieb viel Sport, war Vegetarier, denn er glaubte, daß ausgewogene Ernährung der Schlüssel zu Gesundheit und Wohlgefühl sei.

Leonardo war der Überzeugung, daß jeder Mensch persönlich für seine körperliche Gesundheit und sein Wohlergehen verantwortlich ist. Er erkannte die Auswirkungen, die Lebenseinstellung und Gefühle auf den Körper haben, und riet dazu, sich von Ärzten und Medikamenten unabhängig zu machen, denn er vertrat einen ganzheitlichen Ansatz in der Medizin.

Sein Motto: ,,Mens sana in corpore sano."

Um eine ausgewogene Körperbalance herzustellen, malte, zeichnete und schrieb Leonardo mit der rechten wie mit der linken Hand _ er war also ein ,,Beidhänder". Auch Michelangelo verwendete bei der Arbeit in der Sixtinischen Kapelle sowohl die rechte als auch die linke Hand.

7) Connessione

= die Erkenntnis, daß alle Dinge und Phänomene miteinander verbunden sind. Systemisches Denken.

Als Erklärung für Connessione eignet sich am besten der Metapher des Steines, der in ein ruhiges Gewässer geworfen wird und eine Reihe kreisförmiger Wellen bildet. Jede Welle wirkt auf die nächste ein und wird so ständig weitergeführt.

Ein Geheimnis von Leonardos Kreativität liegt wohl darin, daß er sein ganzes Leben lang unterschiedliche Elemente miteinander kombiniert und zueinander in Beziehung gesetzt hat. In seinen Notizbüchern hat er alle Notizen und Skizzen in zufälliger Weise niedergeschrieben _ es gab keine Gliederung oder Übersicht, denn er wußte darum, daß alles mit allem verbunden ist.

Connessione begann für Leonardo mit seiner Liebe zur Natur und verfestigte sich mit seinen Forschungen zur Anatomie der Menschen und der Tiere. Er erforschte den menschlichen Körper als ein koordiniertes System wechselseitig voneinander abhängiger Beziehungen.

Er studierte das Wesen der Schönheit an Tausenden von menschlichen Gesichtern und kombinierte dann die unterschiedlichen Elemente, die er beobachtet hatte, um auf diese Art und Weise vollkommene Gesichter in seinen Gemälden zu erschaffen. Das beste Beispiel dafür stellt die Mona Lisa dar.

Dem aufmerksamen Beobachter wird Leonardos Einsicht in das universelle System, das sich durch sein Werk zieht, nicht entgehen; die ,,innewohnende Ordnung" läßt sich beispielsweise an Details so unterschiedlicher Werke wie Verrocchios Taufe (das Haar des Engelskopfes), der Jungfrau und die Hl. Anna (die Anordnung der Figuren), der Mona Lisa (die Landschaft) und den Skizzen zu Eigenarten des Wassers erkennen.

Literatur

- Clark, Kenneth. (1998). Leonardo da Vinci. rororo_Monografie. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

- Gelb, Michael J. (1998). Das Leonardo Prinzip. Die sieben Schritte zum Erfolg. Köln: vgs Verlagsgesellschaft.

- Leonardo da Vinci. In: Kunstgeschichte Neuzeit. Skriptum der Österreichischen Hochschülerschaft an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung, Linz. S. 58 _ 77.

- Katalog zur Ausstellung ,Leonardo da Vinci. Wissenschaftler _ Erfinder _ Künstler`. (1996). Wien: Wiener Messen & Congress GmbH.

VTG_BE, Leonardo da Vinci 4 Gaigg Irina Simone , Mai 1999

11 von 11 Seiten

Details

Titel
Leonardo da Vinci (1452-1519)
Veranstaltung
Lehramtsprüfung für Bildnerische Erziehung
Autor
Jahr
1999
Seiten
11
Katalognummer
V94868
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leonardo, Vinci, Lehramtsprüfung, Bildnerische, Erziehung, Pädagogischen, Akademie, Diözese, Linz
Arbeit zitieren
Irina Gaigg (Autor), 1999, Leonardo da Vinci (1452-1519), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94868

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Leonardo da Vinci (1452-1519)



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden