Faszination Kunst - Kunst als Möglichkeit, interkulturell zu werben


Seminararbeit, 1997

16 Seiten, Note: 1,0


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Gliederung

1. Einleitung
1.1. Ziel und Arbeitsmethoden
1.2. Kunst im paneuropäischen Marketing

2. Faszination Kunst
2.1. Ästhetik
2.2. Inspiration
2.3. Wert
2.3.1 Materieller Wert
2.3.2 Ideeller Wert
2.4 Freiheit
2.5 Gesellschaftliches Ereignis
2.6 Nachwort

3. Anhang
3.1 Bildnachweis
3.2 Literatur

1. Einleitung

1.1. Ziel und Arbeitsmethoden

In dieser Arbeit möchte ich mich mit der Verwendung von Kunst in der Werbung beschäftigen. Mich interessiert dabei weniger, wie Werbung selbst zur Kunst wird als vielmehr wie die Werte von Kunst auf beworbene Produkte übertragen werden. Die zentrale Frage lautet: Warum fasziniert Kunst? Warum wird ein Bild von Leonardo da Vinci mehr bewundert und höher angesehen als ein Bild eines unbekannten Künstlers? Warum gehen Menschen in ein Museum, auch wenn sie sich sonst nicht mit Kunst auseinandersetzen?

Der größte Teil der Literatur beschäftigt sich entweder mit der gegenseitigen Beeinflussung von bildener Kunst und Werbung oder setzt sich kritisch mit der Verwendung von Kunst in der Werbung auseinander. Ich konnte nur wenige Forschungsergebnisse über die Wirkung von Kunst auf den Betrachter finden. Deshalb fließen viele Eindrücke und Anregungen aus zahlreichen Gesprächen, die ich im Vorfeld geführt habe, in diese Arbeit ein.

Wenn ich in dieser Arbeit von “Kunst” spreche, meine ich damit in erster Linie bildende Kunst, wie Malerei und Bildhauerei. Viele Aussagen kann man sicherlich auch auf die darstellende Kunst übertragen. Um den Rahmen nicht zu sprengen, habe ich allerdings auf eine gesonderte Abhandlung hierüber verzichtet.

Dieser vorliegende Text ist eine gekürzte Fassung, die als Download für das Internet formatiert wurde. In der Originalhausarbeit befinden sich noch erläuternde Abbildungen, die aus verschiedenen Gründen in dieser Version nicht erscheinen.

Ich freue mich über jedes Feedback zu meiner. mailto:jenshagendorf@hotmail.com © 1996 Jens Hagendorf

1.2 Kunst im paneuropäisches Marketing

Durch das Zusammenwachsen des europäischen Binnenmarktes werden Kampagnen, die europaweit geschaltet werden, immer wichtiger. Bei der Konzeption einer solchen Kampagne müssen die kulturellen Unterschiede der Länder beachtet werden. Nicht nur die Sprache kann hier ein Problem sein, auch Zeichen, Werte und selbst der Humor unterscheiden sich in den einzelnen Kulturen. Meffert und Althans bemerken hierzu:[1]

“Spä testens mit der Formulierung der Werbebotschaft gelangt eine weltweit standardisierte Kommunikationspolitik an ihre Grenzen. Neben Anpassungen an die unterschiedlichen Sprachen müssen die Werbebotschaften vor allem an dem Geschmack, den Wünschen und Einstellungen der Zielpersonen unterschiedlicher Nationalität ausgerichtet sein. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch das Phänomen der “silent language” [...]. Darunter versteht man Kommunikationssignale, die sich ganz allgemein im non-verbalen Bereich abspielen und nicht auf sprachlicher Ausdrucksweise beruhen.”

Als Beispiel für die “silent language” führen Meffert und Althans zwar nicht Kunst auf, aber ähnlich ideelle Werte wie Freundschaft, Familie und Freizeit. Kunst gehört mit zu den wenigen Dingen, die in den meisten europäischen Kulturen mit hohem Ansehen ausgestattet sind. Bildende Kunst kann die Bedingung der silent language, die NonVerbalität, erfüllen. Kunst hat eine eigene allumfassende Sprache und bietet sich so als Mittel für eine interkulturelle Kommunikation an.

Kunst erfüllt also die formalen Bedingungen für eine interkulturelle Kommunikation. Viele Beispiele zeigen, daß dies auch erfolgreich ist. Die Frage, die ich nun verfolgen möchte, lautet: Warum fasziniert Kunst?

2. Faszination Kunst

2.1 Ästhetik

Ein Grund für die Faszination, die Kunst auslöst, könnte die Ästhetik sein, die sie vermittelt. Kunst gefällt, jeder betrachtet gerne schöne Bilder, Gegenstände oder Menschen. Schönheit ist ein Ideal, mit dem man sich umgeben möchte oder das man erreichen will. Die unterschiedlichen Auffassungen von Ästhetik machen die Vielfalt von Kunst aus. Kloepfer und Landbeck versuchen, Ästhetik folgendermaßen zu definieren[2]:

“Ästhetisch ist, was gefällt, was Augenweide und Ohrenschmaus, was wahrnehmbar, anschaulich, genüßlich ist, was die Ohren spitzt, das Wasser im Mund zusammenbringt und die Spannung der Hautoberfläche kitzelnd erhöht.”

Auffällig an dieser Definition ist, daß sie stark auf Sinneswahrnehmungen und auf körperliche Reaktionen eingeht. Wenn jemand etwas ästhetisch findet, erlebt er eine Art Glücksgefühl. Biochemisch könnte man sagen, daß Ästhetik die Ausschüttung des “Glückshormons” Endorphin[3] verursacht. Damit wäre Ästhetik das perfekte Mittel zur Werbung. Das ist sicherlich keine neue Erkenntnis, ebensowenig wie das Problem, daß jeder eine individuelle Vorstellung von Ästhetik hat, die sich obendrein auch noch ändert. Trotzdem ist es ein Erklärungsansatz für die Faszination, die von Kunst ausgeht.

Für die Werbung ist Kunst als Übermittler von Ästhetik nur dann interessant, wenn sie möglichst viele Menschen der Zielgruppe anspricht. Um das zu erreichen arbeitet die Werbung mit Ästhetisierung. Ästhetisierung heißt, daß man versucht eine Quersumme aus verschiedenen Idealen zu bilden, um ein Ergebnis zu bekommen, das möglichst vielen gefällt. Kloepfer und Landbeck bemerken hierzu[4]:

“Ästhetisch ist das, was wie Kunst ist, die schon erfolgreich war. Ästhetisierung in Medien bedeutet: Es wird immer mehr nach den erfolgreichen ästhetischen Modellen gearbeitet. [...] Ästhetisch ist demnach alles, was als bekannte Kunstform wiedererkannt werden kann.”

Das bedeutet, daß Experimente oder Innovationen bei der Verwendung von Kunst in der Werbung nicht gefragt sind. Erfolgversprechend ist die Verwendung etablierter Kunst.

2.2 Inspiration

Ein wichtiger Punkt, den mir viele bei meinen Befragungen als Grund genannt haben, warum sie gerne Kunst betrachten, ist die Inspiration die von Kunstwerken ausgeht. Kunst dient als Schlüssel zum Reich der Fantasie. Es werden Assoziationen ausgelöst, neue Ideen entstehen und auch neue Formen von Ästhetik werden ausprobiert. Kunst ist ein Raum zum Experimentieren, Gesetze des Alltags haben hier keine Gültigkeit. Ein Besuch eines Museums ist wie Sport für den Kopf. Kunstwerke geben neue Denkanstöße, rufen Erinnerungen wach, erzählen Geschichten. Sie können auch eine ähnliche meditative Wirkung wie die eines Mandalas entwickeln.

Der Konsum von Kunst wird dennoch oftmals als anstrengend beschrieben. Besonders nach einem Museumsbesuch braucht man Zeit, um die vielen neuen Eindrücke zu verarbeiten. Gerade diese Phase wird von vielen als besonders wichtig betrachtet. Hat man sich vor dem Museumsbesuch gedanklich vielleicht mit Alltagssorgen oder kurzfristigen Entscheidung beschäftigt, denkt man hinterher über globalere Themen, wie z. B. Geschichte, Philosophie, Zukunftspläne oder seiner Vergangenheit nach. Kunst lenkt also vom Alltag ab und kann so in seiner Wirkung mit Kino, Fernsehen oder einem Kurzurlaub verglichen werden.

Ein Beispiel für den Einsatz der Kunst als Inspirationsmittel in einer Werbung ist ein Fernsehspot für Bounty (Kokosnußschokoriegel) aus dem Jahr 1996. Eine Frau setzt sich in einem Museum vor einem großformatigen Bild auf eine Bank. Sie ißt ein Bounty und wird von dem Gemälde regelrecht aufgesogen. Das Bild ändert sich wie in einem Fantasietraum. Der Claim des Spots lautet: “Sie hatte gerade ein Bounty.”

In diesem Spot wird die inspirative Wirkung von Kunst auf das Produkt übertragen. Mit übersetztem Claim ist dieser Spot in verschiedenen Kulturen einsetzbar, da der vermeintliche Produktvorteil mittels einer nicht an besondere kulturelle Eigenheiten gebundenen Bildsprache vermittelt wird.

2.3 Wert

2.3.1 Materieller Wert

Ein Kunstwerk stellt heute auch einen Geldwert dar. Kunst ist teuer und gilt als gute Geldanlage mit hohen Wertsteigerungen. Kunst ist also ein Statussymbol. Teure Kunst im Wohnzimmer hat so den gleichen Zweck wie der Porsche in der Einfahrt und die Rolex am Handgelenk. Besonders in den siebziger und frühen achtziger Jahren wurde in Westdeutschland viel mit Kunst als Statussymbol geworben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anzeige Cognac Hennessy

Harald Kimpel spricht in seinem Aufsatz in diesem Fall von Kunst als Requisite. Er äußert sich sehr kritisch dazu:[5]

“[...] als das Besondere erscheint das Kunstwerk im Werbebild: Kunst als Statussymbol. In den Mittelpunkt der Darstellung gerückt, meist mittels schwerer Goldrahmung als Wertobjekt besonderer Art kenntlich gemacht, verweist das Bild - nun thematisch eindeutig Besitzanspruch auf Vorfahren, Grundbesitz, Ehegatten u. Ä. erhebend - auf die elitäre Position des in Szene gesetzten Produktprotagonisten, bürgt es für Traditionsbewußtsein, Kennerschaft (Genuß im Stil der guten alten Zeit), materiellen und geistigen Reichtum, Bildung usw. und weist mit Penetranz darauf hin, daß die feinen Leute noch allemal die be sseren Kunden sind.”

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Anzeige BMW

Diese plumpe Verwendung von Kunst wirkt heute nicht mehr. Auch ist Kunstverständnis nicht mehr eine Domäne der Reichen, wie es in Kimpels Bemerkungen anzuklingen scheint. Besonders junge Menschen haben heute eine große Affinität zur Kunst. Hier geht die Faszination von Kunst sicherlich nicht von dem Faktor Statussymbol aus, sondern eher von inhaltlichen Elementen (siehe 2.4).

2.3.2 Ideeller Wert

Kunst ist ein Weg, um Dinge zu veredeln. Kunst ist von einer Aura des Unantastbaren umgeben. Kunst gilt als wertvoll, nicht nur in Geldwerten ausgedrückt, sondern auch was die Stellung in der Gesellschaft angeht. Ein Kunstwerk wird nicht weggeschmissen, es wird aufwendig aufbewahrt, restauriert und geschützt.

Die BMW-Anzeige aus dem Jahre 1996 (siehe Abbildung 2, Seite 6) nutzt die Veredelung eines Produktes mittels Kunst aus. Durch die Bemalung von David Hockney wird aus einem profanen Sportwagen ein Kunstwerk, das es wert ist, in den renommiertesten Museen der Welt ausgestellt zu werden.

Zwei moderne Künstler haben diese gesellschaftliche Einstellung zur Kunst persifliert.

Marcel Duchamp erhob in seinen Readymades fertige Industrieprodukte nur durch seine Signatur zur Kunst und Joseph Beuys schuf aus Wachs und Fett vergängliche Kunstwerke. Und trotzdem: Duchamps Readymades werden in den Museen genauso behandelt wie altgriechische Statuen und Beuys' Fettobjekte werden (gegen seinen Willen) vor Wurmfraß bewahrt. (Siehe Abbildungen 3 und 4 auf Seite 8).

Kunst ist mit dem Mythos der Unsterblichkeit behaftet. Kunstwerke überdauern das irdische Leben und einige der populärsten Künstler, wie van Gogh, Mozart, Modersohn- Becker oder Vermeer, nahmen erst nach dem Tod ihren Platz in der Kunstgeschichte ein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

rechts Abbildung 3: Joseph Beuys, Der Fett-Stuhl

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

links: Abbildung 4: Marcel Duchamp, Flaschentrockner

2.4 Freiheit

“Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.”[6] Die Kunst darf die Gesetze der Gesellschaft brechen und hat somit einen größeren Freiraum zur Entfaltung als das einzelne Individuum. Künstler zu sein ist für viele gleichbedeutend mit dem Traum der absoluten Selbstverwirklichung. Auffällig viele Jugendliche äußern als Berufswunsch Künstler.

In einer Emnid-Umfrage aus dem Jahr 1994 nannten 12% der befragten Jugendlichen Künstler zu sein als ihren Lebenstraum[7]. Ein anderer Bericht aus dem Spiegel von 1993 spricht von dem wachsenden Interesse der Jugendlichen an künstlerischen Berufen:[8]

“Dem rapide schrumpfenden [Kunst-] Markt zum Trotz drängt es immer mehr Schulabgänger zur Kunst. Die Berliner Hochschule der Künste, größte Talentschmiede im Lande, zählte voriges Jahr allein 800 Bewerber für die zwölf Plätze im Studiengang Theater.”

Freiheit und Selbstverwirklichung sind für viele wichtige Ziele in ihrem Leben. Kunst symbolisiert beides und übt dadurch eine Faszination aus.

Die Freiheit, in der Kunst mehr sagen, zeigen und/oder machen zu dürfen, wird in einem Plakat für einen Londoner Nike-Shop ausgenutzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Anzeige Nike

Das Plakat wirbt in einer typisch christlichen Gemäldeform, dem Triptychon, mit drei Sportlern, die wie betende Heilige in einem Kirchenfenstern eingefaßt sind. Die Öffnungszeiten des Nike-Shops sind als Andachtsstunden angegeben.

Das Plakat zitiert das populäre britische Künstlerduo Gilbert and George, das mit ähnlichen Kirchenfensterobjekten das englische Establishment persifliert und kritisiert.

Dieses Plakat ist sicherlich kein Beispiel für die Möglichkeit interkulturell zu werben, da es in einigen Ländern wahrscheinlich als respektlos gelten würde.[9] Es ist eher ein Beispiel wie die Freiheit, die die Kunst genießt, von der Werbung benutzt werden kann.

2.5 Gesellschaftliches Ereignis

Kritiker sagen, daß Kunst der Ersatz für die schwindende Bedeutung der Religion in unserer Gesellschaft geworden ist. Großereignisse wie die Verhüllung des Reichstags durch Christo und Jeanne-Claude werden zum gesellschaftlichen Event. Die Kunst ist nur noch ein Anlaß; wichtiger ist es, dabei gewesen zu sein. Kunst wird zum Massenereignis wie Sport. Eine gewisse Kunstkenntnis wird obligatorisch, genauso wie das Wissen über die Tennis-Weltrangliste oder den Absteiger in der Fußball-Bundesliga.

Im Jahre 1980 entwickelte die Werbeagentur Young & Rubicam, Frankfurt für Dimple, einem hochpreisigen, 12 Jahre alten Whisky, die Kampagne “Dimple Drink-Art”´(siehe Abbildung 6, Seite 11).

Die Kampagne besteht aus einer Reihe von Printanzeigen, in denen die Dimple-Flasche in der Art eines bekannten Künstlers dargestellt wird. Die Anzeige Dimple Art-No. 3 soll in der Handschrift von Roy Lichtenstein gestaltet sein. Der Name des nachgeahmten Künstlers wird nicht genannt, es wird nur ein kurzer Hinweis gegeben, wie in diesem Fall: “frei nach Art eines berühmten New Yorker Pop-Artisten.”

Kunst oder Kunstkenntnis ist in den Dimple-Anzeigen ein Faktor für den gesellschaftlichen Status der Zielgruppe. Die Rezipienten werden durch die Anzeigen regelrecht aussortiert. Wer den Künstler erkennt, darf stolz sein, dazu zu gehören; wer die Anzeige nicht versteht, ist auch kein Teil der erlesenen Zielgruppe. Dimple wirbt mit diesen Anzeigen nicht nur für sich selbst, sondern vermittelt auch eine gesellschaftliche Norm, die von einer gewissen Schicht ein Mindestmaß an Kunstkenntnis verlangt.

Interessant ist die Entstehungsgeschichte der Idee zu dieser Kampagne.

“Nachdem der Produzent jahrelang ausschließlich mit der unverwechselbaren Form der Dimple Flasche geworben hatte, und somit gleichsam ein individuelles Markenporträt entwickelt worden war, hatte 1979 der Umsatz spürbare Einbrüche erlitten. Da gleichzeitig Alkoholika und Tabakwaren zur Kategorie problematischer Genußmittel gezählt werden, befürchtet man in diesen Branchen die Möglichkeit von Werbeverboten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Anzeige Dimple

Die Aufgabe der Werbeagentur bestand also darin, eine alternative Kampagne zu entwickeln, die einerseits die Flasche als das etablierte Markenzeichen weiterhin zur Grundlage behalten, zusätzlich aber über eine mögliches Werbeverbot hinaus Konnotationsfelder bereitstellen sollte, die ohne die Präsentation des Produktes selbst unmißverständlich auf dieses verweisen könnten.”[10]

Der Impuls das “Konnotationsfeld” für Dimple zu wechseln, wurde also durch einen Zwang von außen gegeben. Die Wahl von Kunst als neuen Imageträger für Whisky lag bei der Analyse der Zielgruppe nahe. Die Imagefaktoren von Kunst ließen sich gut auf die potentiellen Dimple-Konsumenten übertragen. Die Vermischung von Kunst und Werbung ist ein Bestandteil von Pop Art, womit die Verwendung von Pop Art in der Werbung nur legitim erschien.

Die Kampagne hatte ein großes Echo, sowohl positiv als auch negativ; insgesamt war sie dennoch als erfolgreich zu bezeichnen. Die verschiedenen Dimple Drink-Art Motive wurden später als Kunstdrucke verkauft und ein Künstler-Nachwuchswettbewerb wurde ins Leben gerufen.

Die Dimple-Kampagne wurde nur national geschaltet. Dennoch hätte sie (mit übersetztem Text) auch in anderen Ländern verwendet werden können.

Die Entwicklung der Kunst zum gesellschaftlichen Ereignis dokumentieren Edward und Nancy Reddin Kienholz in ihrer Installation “The Art Show”.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Edward und Nancy Reddin Kienholz, The Art Show

Die Figuren in der begehbaren Installation sind Hartwachsabgüsse von Körpern befreundeter Kunstkritiker. Sie sind so in einem Raum mit bebilderten Wänden arrangiert, daß der Eindruck einer Vernissage in einer Galerie entsteht.

Der Betrachter ist dazu aufgefordert durch die künstliche Galerie zu wandern und den Figuren zuzuhören, die auf Knopfdruck sinnlose Kommentare über zeitgenössische Kunst von sich geben. Das Künstlerpaar kritisiert damit das snobistische Gehabe des typischen Vernissagenpublikums, das versucht durch Kunst-Fachgesimpel sich gegenseitig zu beeindrucken. Das Interesse für Kunst ist zur Bedingung geworden, um intellektuell zu wirken.

Uwe Geese glaubt eine Ironie in dem wechselseitigen Zitieren und Benutzen von Kunst und Werbung zu entdecken. Werbung entwickelt sich zur eigenen Kunstform, doch wenn Werbung die etablierte Kunst zu ihren eigenen Zwecken verwendet, geht ein Aufschrei durchs Fachpublikum:[11]

“Gerade in dieser Übersteigerung eines Wertmaßstabs von Kunst, der diesen Arbeiten im Sinne eines traditionellen Kunstbegriffs nicht zukommt, entfaltet sich eine ironische Distanz gegenüber allzu oft zu ernst genommenen Kunstwerken in den Galerien einerseits und einem in Banalitäten sich selbst allzu ernst nehmenden Galeriepublikum andererseits.”

2.6 Nachwort

Die Verwendung von Kunst ist eine Möglichkeit interkulturell zu werben. Kunst vermittelt Werte und Assoziation, die in vielen Kulturen als positiv ausgelegt werden. Der Dialog, der zwischen Kunst und Werbung in der Jahundertwende begann und in der Pop-Art seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte, zeigt, daß die Vermischung von Kunst und Kommerz eine charakterisierende Erscheinung unserer Zeit ist.

Dennoch kann man nicht bedingungslos sagen, daß man in jeder Form mit Kunst werben sollte. Gerade Beispiele wie die Hennessy-Anzeige demonstrieren, daß die Art der Verwendung an die in der Gesellschaft vorherrschende Affinität zur Kunst angepaßt sein muß. Die Gefahr ist, daß ein Kunstwerk in einer Anzeige wie eine Blondine auf der Motorhaube eines Motorradmagazins wirkt. Viel fruchtbarer und interessanter ist dagegen die Vermischung und gegenseitige Befruchtung von bildender Kunst und Werbung.

3. Anhang

3.1 Bildnachweis

Titelbild und Abbildung 7

Edward und Nancy Re ddin Kienholz The Art Show, 1963 - 77

Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Photographie und Architektur, Berlin

Abbildungen 1 und 7

aus Uwe Geese und Harald Kimpel: Kunst im Rahmen der Werbung, S. 52 und Farbtafel XI

Abbildung 2

aus Spiegel special 12/1996, S. 11

Abbildung 3

Joseph Beuys

Der Fett-Stuhl, undatiert

Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Abbildung 4

Marcel Duchamp

Flaschentrockner, 1964 AG-Bild Kunst, Bonn

Abbildung 5

Jürgen Döring: Gefühlsecht, S. 79

3.2 Literatur

Uwe Geese und Harald Kimpel (Hrsg.):

Kunst im Rahmen der Werbung (Aufsatzsammlung) Jonas Verlag Marburg, 1982

Heribert Meffert und Jürgen Althans: Internationales Marketing

Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart • Berlin • Köln • Mainz, 1982

Der Spiegel, Spiegel-Verlag Rudolf Augstein, Hamburg, Heft 46/1993

Spiegel special, Spiegel-Verlag Rudolf Augstein, Hamburg, Heft November 1994

Rolf Kloepfer und Hanne Landbeck:

Ästhetik der Werbung: Der Fernsehspot in Europa als Symptom neuer Macht Fischer, Frankfurt am Main, 1991

Jürgen Döring:

Gefühlsecht - Graphikdesign der neunziger Jahre

Edition Braus, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, 1996

nicht zitierte Literatur zum Thema:

Walter Benjamin:

Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit: Drei Studien zur Kunstsoziologie

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1963

Ehrenfried Kluckert:

Kunstgeschichte & Werbung: Kunsthistorischer Voraussetzungen in der

Illustriertenwerbung, 7 Unterrichtsmodelle zur ästhetischen Erziehung in der Sekundarstufe I

Otto Maier Verlag Ravensburg, Ravensburg, 1979

Michael Schirner:

Werbung ist Kunst

Klinghardt & Biermann, München, 1988

Kirk Varnedoe und Adam Gopnik:

High & Low: Moderne Kunst und Trivialkultur Prestel Verlag München, 1990

[...]


[1] Heribert Meffert und Jürgen Althans: Internationales Marketing, S. 140

[2] Rolf Kloepfer und Hanne Landbeck: Ästhetik in der Werbung, S. 25

[3] Endorphine: [Kunstwort aus endogen und Morphine] Sammelbezeichnung für verschiedene Peptide mit opiatähnlicher Wirkung, die im Gehirn gebildet werden. Aus: Meyers großes Taschenlexikon, BI-Taschenbuchverlag, Mannheim • Leipzig • Zürich • Wien, 1992

[4] Rolf Kloepfer und Hanne Landbeck: Ästhetik in der Werbung, S. 23ff

[5] Harald Kimpel: Von der Ware zum Kunstwerk: das imaginäre Museum der Werbung, Eine Behauptung mit Anmerkungen, aus: Uwe Geese und Harald Kimpel (Hrsg.) Kunst im Rahmen der Werbung (Aufsatzsammlung), 1982 S. 52

[6] Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 5 [Meinungsfreiheit] Abs 3, Satz 1

[7] Jugendstudie '94 im Spiegel special “Die Eigensinnigen”, November 1994, S. 60ff. Das Emnid-Institut befragte 2034 Jugendliche zwischen 14 und 29 Jahren.

[8] Der Spiegel Nr. 46/1993, S. 160f, “Gretchen in der Warteschleife - Schlechte Zeiten für die Künstler”

[9] Das Plakat empfinden sicherlich auch viele Menschen in Großbritannien als respektlos, allerdings hat dort die Werbung eine gesellschaftliche Sonderstellung und ist in ihrer Ansprache durchweg schärfer als z. B. in Deutschland.

[10] Uwe Geese: Whisky im Museum - DIE WA(H)RE ART in: Uwe Geese und Harald Kimpel (Hrsg.) Kunst im Rahmen der Werbung (Aufsatzsammlung), 1982 S. 95f

[11] Uwe Geese: Whisky im Museum - DIE WA(H)RE ART in: Uwe Geese und Harald Kimpel (Hrsg.) Kunst im Rahmen der Werbung (Aufsatzsammlung), 1982 S. 109

16 von 16 Seiten

Details

Titel
Faszination Kunst - Kunst als Möglichkeit, interkulturell zu werben
Hochschule
Universität der Künste Berlin
Veranstaltung
Seminar: "Euromarketing - paneuropäische Werbung zwischen Standardisierung und Differenzierung"
Note
1,0
Autor
Jahr
1997
Seiten
16
Katalognummer
V94881
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kunst übt eine Faszination aus, die über die Grenzen der verschiedensten Kulturen hinausgeht. Warum das so ist und wie weit man dies für die Werbung nutzen kann, soll diese Arbeit erklären. Diese Version enthält leider keine Bilder.
Schlagworte
Faszination, Kunst, Möglichkeit, Seminar, Euromarketing, Werbung, Standardisierung, Differenzierung
Arbeit zitieren
Jens Hagendorf (Autor), 1997, Faszination Kunst - Kunst als Möglichkeit, interkulturell zu werben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94881

Kommentare

  • Gast am 11.4.2008

    Wo sind denn die Bilder?.

    Wo sind denn die Bilder? Habs extra runtergeladen - keine Bilder!?

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