Qualität von Politik- und Boulevardmagazinen aus Rezipientensicht, qualitative Studie


Hausarbeit (Hauptseminar), 1998

59 Seiten, Note: Sehr Gut


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INHALTSVERZEICHNIS

1 THEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN
1.1 Qualitätsfaktoren
1.2 Forschungsfragen

2 METHODE
2.1 Allgemein zur Gruppendiskussion
2.2 Untersuchungsdesign
2.3 Strukturfragebogen
2.3.1 Die Fragen

3 STRUKTURFRAGEBOGEN: ZUSAMMENSETZUNG DER DISKUSSIONSTEILNEHMER

4 AUSSAGENANALYSE: KATEGORISIERUNG
4.1 Grobkategorisierung
4.2 Feinkategorisierung

5 AUSSAGENANALYSE: ERGEBNISSE

5.1 Professionalität
5.1.1 Ansprechende Gestaltung (durch kurze Schnittfolgen, Schlaglichter, Intros, etc.) erleichtert die Informationsaufnahme und steigert den Unterhaltungsgrad/die Aufmerksamkeit (Kat. G)
5.1.2 Meine Qualitätsansprüche an Politikmagazine sind anders als an BoulevardMagazine (Kat. H)
5.1.3 Darstellungsformen und ihre Wirkung auf den Rezipienten (Alle Kategorien m. weniger als 15% Besetzung)
5.1.3.1 Reißerische Gestaltung & der Einsatz von Humor
5.1.3.2 Gestaltungsmittel Pro und Contra
5.2 Thema
5.2.1 Allgemeines zum Thema
5.2.2 Die Relevanz des Themas bei Boulevard-Magazinen
5.2.3 Die Relevanz des Themas bei Politikmagazinen
5.2.4 Informationsqualität und -präsentation bei Boulevard-Magazinen
5.2.5 Informationsqualität und -präsentation bei Politikmagazinen
5.3 Moderator
5.3.1 Beeinflußt das Image des Moderators das Image der Sendung - oder ist es umgekehrt? (Kat. D u. G)
5.3.2 Damit die Sendung mir gefällt, mußmir der Moderator sympathisch sein (Kat. H)
5.3.3 Soll der Moderator neutral bleiben oder seine persönliche Meinung u. seine Emotionen einbringen? (Kat. A u. B)
5.4 Nutzungsgewohnheiten
5.4.1 Nutzungsgewohnheiten allgemein
5.4.2 Nutzungsgewohnheiten von Boulevard-Magazine
5.4.3 Nutzungsgewohnheiten von Politikmagazinen
5.5 Glaubwürdigkeit
5.5.1 Allgemeines zur Glaubwürdigkeit
5.5.2 Der Einflußdes Senders und der Magazinart auf die Glaubwürdigkeit
5.5.3 Kriterien der Beitragsgestaltung und ihre Auswirkung auf die Glaubwürdigkeit
5.5.4 Die Glaubwürdigkeit von Boulevard-Magazinen
5.5.5 Die Glaubwürdigkeit von Politikmagazinen
5.6 Objektivität
5.6.1 Echte Objektivität ist nicht möglich - das Magazin sollte sich aber wenigstens darum bemühen (Kat. A)
5.6.2 Objektivität ist für mich nur wichtig, wenn ich mich eher informieren als unterhalten will (Kat. D)
5.6.3 Objektivität allgemein (alle Kategorien mit weniger 15% Besetzung)
5.7 Ideal
5.8 Die drei wichtigsten Qualitätskriterien für beide Magazinarten
5.8.1 Mindmap
5.8.2 Ranking
5.8.2.1 Top-3-Kriterien für Politikmagazine
5.8.2.2 Top-3-Kriterien für Boulevard-Magazine

6 TYPOLOGIE DER REZIPIENTEN
6.1 Allgemeines und Vorgehensweise
6.2 Auswertung

7 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
7.1 Welche Qualitätskriterien existieren bei Boulevard- und Politikmagazinen aus Sicht der Rezipienten? Und: Gibt es Unterschiede in der Qualitätsbeurteilung bei Boulevard- und Politikmagazinen?
7.2 Lassen sich bei unterschiedlichen Personen Gemeinsamkeiten erkennen, so daß man diese typologisieren kann?

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Untersuchungsdesign

Abbildung 2: Kategorienschema zur Grobkategorisierung

Abbildung 3: Die Kodierungsvorlage (Darstellung mit Musterbeispiel)

Abbildung 4: Aussagenverteilung per Grobkategorie

Abbildung 5: Professionalität

Abbildung 6: Thema

Abbildung 7: Moderator

Abbildung 8: Nutzungsgewohnheiten Abbildung

9: Glaubwürdigkeit Abbildung

10: Objektivität

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Politikmagazine - Häufigkeitsauszählung gesamt

Tabelle 2: Politikmagazin - Top 3 (Gesamtranking)

Tabelle 3: Boulevard-Magazine - Häufigkeitsauszählung gesamt Tabelle 4: Boulevard-Magazine - Top 3 (Gesamtranking) Tabelle 5: Typologie der Rezipienten

1 Theoretische Überlegungen

Was bedeutet Qualität im Fernsehen? Der Begriff Qualität ist sehr schwierig zu fassen und deshalb auch schwierig zu definieren. Und wie kann man Qualität messen? Welche Faktoren bestimmen Qualität? Aufgrund der Komplexität dieser Fragen kann auch unsere Studie nur versuchen, einen Aspekt, Qualität aus Sicht der Rezipienten, genauer zu beleuchten.

1.1 Qualitätsfaktoren

Wie und womit bewerten Rezipienten Qualität? Man kann Qualität, ,,ein multidimensionales Phänomen, insbesondere, wenn man sie aus der Perspektive des Publikums betrachtet"[1], auf drei Ebenen untersuchen. Einerseits auf der Ebene des dualen Rundfunksystems mit seinem öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehen, dann auf der Ebene eines Senders und letztlich auf Ebene einer einzelnen Sendung.

1. Man muß sich überlegen, was beurteilt werden soll.

Auf Ebene der Sendung ist für die Qualitätsbeurteilung das Genre ausschlaggebend. An eine Informationssendung werden ganz andere Qualitätsansprüche gestellt, als an eine Kinder- oder eine Non-fiction-Sendung.

Wir beschäftigen uns in dieser Studie mit Magazinsendungen und vergleichen Beiträge aus Boulevard- und Politmagazinen, also Unterhaltung und Information.

2. Ein anderer Aspekt, der in die Überlegungen zu Qualitätskriterien einfließen muß, ist die Sichtweise, aus der beurteilt wird. Für einen Wissenschaftler sind andere Aspekte von Bedeutung, als sie für ein Kontrollgremium oder einen Produzenten gelten. Uns interessiert die Sicht von Rezipienten. Welche Kriterien gelten für Rezipienten bei der Beurteilung von Qualität?

3. Besonders für Rezipienten ist bei der Beurteilung die Funktion, die das Betrachtete erfüllen soll, eine weitere Einflußgröße. Michael Schenk und Susanne Gralla nennen in einem Überblick über Traditionen der Zuschauerforschung in Punkt fünf der Aufzählung die Rezeptionsanalyse. Diese hat ,,ihre Wurzeln [...] im Uses-andGratification-Ansatz"[2], dessen grundlegende Annahme davon ausgeht, daß der einzelne Rezipient Medien zur Befriedigung seiner Bedürfnisse und nach dem subjektiven Nutzen auswählt. Möchte er sich informieren, gelten also andere Qualitätsansprüche, als wenn er sich entspannen oder ablenken möchte. Also nimmt auch die Funktion des Betrachteten Einfluß auf die Beurteilung.

Die nachfolgende Darstellung gibt einen Überblick über die Ausprägungen der einzelnen Faktoren, die bei der Qualitätsbeurteilung berücksichtigt werden müssen[3]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch Schatz und Schulz sehen Programmqualität als ein mehrdimensionales Konzept und liefern einen Kriterienkatalog, der normativen Geltungsansprüchen genügen soll. Die fünf Dimensionen, die in die Qualitätsbeurteilung einfließen, lauten 1. Vielfalt, 2. Relevanz, 3. Professionalität, 4. Akzeptanz und 5. Rechtmäßigkeit und können ihrerseits in Unterkategorien zerlegt werden[4].

Dieser Kriterienkatalog entstammt ,,einer Exegese der Rechtstexte und einer systematischen Aufarbeitung der wissenschaftlichen Diskussion"[5]. Schatz und Schulz sehen den Begriff Qualität allgemein als eine Eigenschaft, die bestimmten Normen entspricht und aus einem Wertesystem abgeleitet ist. Für Programmqualität gibt es einen verbindlichen Orientierungsrahmen: Leistungsanforderungen und Kriterien sind in den Rechtsgrundlagen für den Rundfunk in Deutschland festgelegt[6]. Nun stellt sich die Frage, ob diese Qualitätskriterien auch für Rezipienten gelten, oder ob für Rezipienten andere Punkte von Bedeutung sind. Können Rezipienten mit diesen Begriffen überhaupt etwas anfangen, oder sind diese Dimensionen Rezipienten bei der Betrachtung von Magazinsendungen vielleicht egal? Ob ein Programm den rechtlichen Ansprüchen genügt, ist für ein Kontrollorgan von erheblicher Bedeutung. Was aber ist mit den Rezipienten, wollen diese vielleicht am Tag der Ausstrahlung nur unterhalten werden? Was ist, wenn nicht sämtliche Möglichkeiten der Berichterstattung ausgeschöpft werde, merken Rezipienten dies und wenn ja, ist das Programm dann schlechter?

Schatz und Schulz formulieren ihre Qualitätsdimensionen allgemein und normativ, also keineswegs aus der Sicht der Rezipienten. Sie empfehlen als Ausblick für weitere Forschung, daß auf der Rezipientenseite ,,das Verhältnis von Qualität und Akzeptanz [...] zu klären" ist[7].

Wie werden deren Qualitätsdefinition nicht folgen, sondern trauen den Rezipienten sehr wohl zu, über die Qualität von Magazinsendungen zu urteilen.

Erik Rosengren, Mats Carlsson und Yael Tagerund schlagen eine zwischen verschiedenen Perspektiven unterscheidende Typologie von Qualität vor[8]. Ein Ansatz davon ist ,,reciever use quality", der die Beziehung des Rezipienten in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt. Hier sind die Kriterien entscheidend, mit denen der Rezipient Qualität beurteilt.

Für uns ist dies der zentrale Punkt, den es zu ergründen gilt. Gibt es Qualitätsfaktoren wie die von Schatz und Schulz, die für Rezipienten gelten, oder legen Rezipienten andere Maßstäbe an Magazinsendungen an, die man mit Begriffen wie Akzeptanz oder Anspruch definieren muß?

Auf dieser Ebene werden wir uns weiter beschäftigen. In der wissenschaftlichen Diskussion ist noch unbestimmt, ,,[...] wie die eigentlich Betroffenen - die Zuseher [über Qualität] denken"[9].

In dieser Studie soll ergründet werden, welche Qualitätskriterien von Rezipienten an Magazinsendungen gestellt werden.

1.2 Forschungsfragen

Wir sehen den Rezipient, wie Ekkehardt Oehmichen ihn nennt, als ,,Experten der Mediennutzung"[10]. Es gibt in Deutschland kaum noch jemanden, der nicht mit dem Fernsehen aufgewachsen ist und es deshalb nicht kritisch beurteilen könnte. Die Rezipienten haben genaue Vorstellungen davon, welchem Programm sie sich zuwenden. Man könnte der Frage nach der Qualität oder Leistung des Fernsehens z.B. durch die Einschaltquote nachgehen. Doch ist diese nur bedingt aussagekräftig, sagt sie doch nur etwas aus über die Verteilung der Publikumsaufmerksamkeit, aber nicht über das Gefallen des Programms.

Wir wollen herausfinden, was beim Betrachten eines Magazins für einen Rezipienten interessant ist, unter welchen Aspekten Rezipienten Qualität definieren. Welche subjektiven Gründe stehen hinter der Programmauswahl, welche Gefühle stellen sich beim Betrachten ein? Haben Rezipienten eine Präferenz für eine Sendung? Was läßt ein anderes Programm uninteressant erscheinen?

Um diesen sehr subjektiven Fragen auf den Grund zu gehen, ist es erforderlich mit einzelnen Personen ausführlich über die Thematik zu sprechen und sie in ihrer Funktion als Fernsehexperten zu befragen. Wenn man einmal die eigene Fernsehnutzung betrachtet, dann gibt es auch Ansprüche, die man an Sendungen stellt oder Gefühle, die durch Fernsehen kompensiert werden sollen. Vielleicht lassen sich auch bestimmte Gemeinsamkeiten der Rezipienten erkennen.

In dieser Studie interessieren uns folgende Fragen:

1. Welche Qualitätskriterien existieren bei Boulevard- und Politikmagazinen aus Sicht der Rezipienten?
2. Gibt es Unterschiede in der Qualitätsbeurteilung bei Boulevard- und Politikmagazinen?
3. Lassen sich bei unterschiedlichen Personen Gemeinsamkeiten erkennen, so daß man diese typologisieren kann?

2 Methode

2.1 Allgemein zur Gruppendiskussion

Als Methode für unsere Untersuchungen haben wir eine Gruppendiskussion vorgesehen. Zwar ist durch den qualitativen Charakter dieser Untersuchungsmethode bedingt, daß die Ergebnisse nicht den Anspruch erheben können, statistisch abgesichert zu sein. Jedoch bietet sie als exploratives Verfahren gute Möglichkeiten, eine Vielfalt von Perspektiven, Bewertungen und Urteilsbegründungen offen zu erheben.[11] Auch können qualitative Hauptuntersuchungen schon bei 30 Personen sinnvoll zu interpretierende Ergebnisse liefern[12] und die wesentlichen Antwortkategorien und Einflußvariablen zu einem Thema erfaßt werden.

Im Gegensatz zu anderen qualitativen Forschungsmethoden besitzt die Gruppendiskussion keinen strukturierten Frageleitfaden, sondern erfolgt in Form eines freien Gespräches. Diesem liegt lediglich eine Auflistung der zu behandelnden Problembereiche zugrunde. Dem Diskussionsleiter ist es so möglich, wesentlich gezielter und individueller auf die einzelnen Teilnehmer einzugehen.

2.2 Untersuchungsdesign

Unsere Gruppendiskussionen sollten sich insgesamt aus 32 Personen willkürlicher Auswahl zusammensetzen. Hieraus wurden 6 kleinere Diskussionsgruppen mit 5 (+/- 1) Teilnehmern gebildet. Pro Gruppe waren ein Moderator als Diskussionsleiter sowie ein Co-Moderator zur Assistenz anwesend. Alle sechs Gruppendiskussionen wurden innerhalb von fünf Arbeitstagen (26. - 30. Januar 1998) durchgeführt. Vor den Veranstaltungen wurden die Moderatoren von einem in dieser Methode bereits erfahrenen Gruppenmitglied ca. zwei Stunden in das Thema eingeführt, auf Besonderheiten und Aufgaben von Moderator/Co-Moderator hingewiesen und mit Tips & Tricks zur Durchführung versorgt. Als Präsentationsmaterial wurden 3 unterschiedliche ,,Magazin-Pakete" geschnürt: Das einzelne ,,Filmpaket" bestand aus jeweils 4 TV-Beiträgen à ca. 5 Minuten inklusive Anmoderation. Die Anmoderation wurde integriert, um den Magazincharakter zu erhalten. Die Auswahl der Ausschnitte umfaßte Beiträge aus Politik- sowie Boulevard-Magazinen. Hier wurde darauf geachtet, ,,amüsante" Politikbeiträge sowie ,,seriösere" Boulevardbeiträge zu verarbeiten, um eine sofortige Kategorisierung durch die Zuschauer zu erschweren. Die einzelnen Pakete setzten sich folgendermaßen zusammen:

Paket A: Zusammenschnitt von Beiträgen aus rein politischen Magazinen (z.B. Monitor, Auslandsjournal, etc.)

Paket B: Beinhaltete ausschließlich Beiträge aus dem Bereich Boulevard-Magazine (z.B. Brisant, Taff, Explosiv, etc.)

Paket C: Hier wurden jeweils zwei Beiträge, die in den ,,reinen" Gruppen A und B bereits verwendet worden waren, zusammengestellt.

Speziell bei Paket C wurden 2 Videokassetten erstellt, die sich hinsichtlich der Anordnung der Beiträge voneinander unterschieden, um mögliche Reihenstellungseffekte zu vermeiden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Untersuchungsdesign

Jedem Moderator lag ein Leitfaden vor, der sicherstellen sollte, daß die Diskussionen sich in allen sechs Gruppen ähnlich entwickelten. Insbesondere Punkt 2 stellte sicher, daß alle von der Arbeitsgruppe als kritisch für die Qualität erachteten Punkte besprochen wurden:

1. Hätten sich die Probanden diese gezeigten Beiträge auch angesehen, wenn sie die Möglichkeit gehabt hätten, um- oder abzuschalten? (Eisbrecherfrage)

2. Wonach entscheiden sie, ob ihnen ein Beitrag gefällt oder nicht? Dem Moderator lag eine Checkliste mit den Punkten Thema, Moderator, Darstellungsform, Glaubwürdigkeit, Objektivität vor. Die Arbeitsgruppe erwartete, daß diese Punkte von den Diskussionsteilnehmern ohnehin angesprochen würden. Aufgabe des Moderators war es, diese Punkte anzusprechen, sollte sich die Diskussion totlaufen, ohne daß sie diskutiert worden waren. Aufgabe des Co-Moderators war es u.a., auf einer für alle Gruppen einheitlichen Tabelle (vgl. Anhang Seite 12) stichwortartig Argumente zu notieren.

3. Anhand einer Mindmap (siehe Anhang Seite 183) wurde erst an diesem Punkt (im Ausklang der Gruppendiskussion) der Qualitätsbegriff eingeführt. Der Co-Moderator faßte anhand der von ihm erstellten Stichwortliste (siehe 2.) die bisher besprochenen Argumente zusammen; auf dieser Basis wurden die Diskussionsteilnehmer dann gefragt, ob diese (bereits eingetragenen) Aspekte aus ihrer Sicht Qualitätsmerkmale darstellen. Dann wurden sie gebeten, sich unter diesem neuen Gesichtspunkt zu überlegen, ob es weitere Kriterien gibt, die für sie als Qualitätsmerkmale ausschlaggebend waren.

4. Abschließend sollten die Gruppendiskussions-Teilnehmer ein Ranking der unter 2. und 3. erarbeiteten Qualitätsmerkmale aufstellen. Es sollten dabei die für jeden einzelnen Diskussionsteilnehmer wichtigsten drei wichtigsten Qualitätsmerkmale genannt werden. Jeder Diskussionsteilnehmer schrieb dieses Ranking für sich auf ein Blatt und reichte es an den Co-Moderator weiter - es sollte auf diese Weise vermieden werden, daß Nennungen auf Grund sozialer Erwünschtheit, Gruppenzwängen oder durch Dominanz einzelner Teilnehmer beim Ranking zum Tragen kommen konnten.

Zeitlich wurden für die Gruppendiskussion je 45 bis 60 Minuten angesetzt. Die Aufzeichnung erfolgte per Audio. Die Termine für die Gruppendiskussionen wurden innerhalb einer Woche festgelegt und fanden jeweils nach 17:00 Uhr statt. Um eine gelöste Atmosphäre zu erzeugen, standen den Diskussionsteilnehmern Getränke und Snacks zur Verfügung.

2.3 Strukturfragebogen

Da die Diskussionsteilnehmer nicht nach Zufallsprinzipien gezogen sondern willkürlich ausgewählt wurden - einziges Kriterium bei der Auswahl der Teilnehmer war, möglichst nicht in erster Linie Studenten zu befragen und nach Möglichkeit eine ausgewogene Alters- und Geschlechtsstruktur zu erreichen - wurde ein Strukturfragebogen von zwei Seiten Umfang entwickelt, der vor Beginn der Gruppendiskussion an die Teilnehmer ausgegeben wurde. Auf diese Weise konnte nach Durchführung der Gruppendiskussion beschrieben werden, wie die Diskussionsteilnehmer sich zusammensetzten.

Der Fragebogen wurde von der Arbeitsgruppe anhand Grundregeln zur Fragebogen- Konstruktion[13] gemeinsam entwickelt, und durch drei Gruppenmitglieder an insgesamt zehn Personen getestet (Pretest). Der Pretest wurde vom 7. - 14. Januar 1998 durchgeführt. Sofern ein Änderungspunkt von mindestens zwei der Pretest-Befragten moniert wurde, wurde der Strukturfragebogen entsprechend angepaßt und überarbeitet.

Um die ausgefüllten Fragebögen später (falls in der Auswertung Bedarf danach bestünde) den jeweiligen Gruppen und Teilnehmern zuordnen zu können, wurden sie mit einem Kürzel versehen, daß in drei Felder auf dem Deckblatt oben rechts eingetragen werden sollte. Das erste Feld enthielt den Anfangsbuchstaben des Bildmaterials, das den Diskussions-Teilnehmern vorgelegt wurde (B= Boulevard; P= Politik; M=Mix). Feld 2 gab Auskunft darüber, ob es die erste oder die zweite Gruppe war, die diese Beiträge zu sehen bekommen sollten und Feld 3 enthielt die Information, um welchen Teilnehmer es sich handelte. Die Fragebögen wurden von links nach rechts ausgeteilt, was bedeutete, daß die Person links außen die Ziffer 1 erhielt und nach rechts gehend die Numerierung stieg.

2.3.1 Die Fragen

Der Fragebogen (Musterfragebogen siehe Anhang Seite 1) umfaßte fünf Fragen, wobei die erste - als Warm-up - nach der Lieblingssendung abzielte. In Frage 2 wurde a) nach den Sendungen gefragt, die der Teilnehmer überhaupt sieht und b) sollte er anhand einer sechsstufigen Skalierung angeben, wie häufig er diese Sendungen sieht. Aus folgendem Katalog konnte er auswählen und nach einer sechsstufigen Skala (1 = gar nicht konsumiert, 6 = sehr häufig konsumiert): Spielfilme, Serien, Nachrichten, Politische Magazine, Unterhaltende Magazine, Game Shows, Reportagen, Sportsendungen, Musiksendungen, Politische Talkshows, Unterhaltende Talkshows.

In der 3. Frage wurde die allgemeine Fernsehnutzung erhoben. Hier mußte angeben werden, a) zu welchen Tageszeiten und anhand einer Skalierung (vgl. Frage 2, 1-6), wie oft zu diesen Tageszeiten ferngesehen wird. Um einen Einblick über die jeweilige Selbsteinschätzung zu bekommen, sollte der Proband b) Stunden- und Minutenanzahl seines Fernsehkonsums an einen durchschnittlichen Wochentag schätzen. Sollte diese Anzahl nicht unbedingt deckungsgleich mit seinen vorher gemachten Angaben sein, kann man von einer schlechten Selbsteinschätzung ausgehen und eventuell Rückschlüsse auf bewußtes bzw. unbewußtes Konsumieren von TV ziehen.

Ob der Rezipient gern Magazinsendungen ansieht, wurde in Frage 4 behandelt. Wenn er sie nicht gern sehen sollte, konnte er die Frage überspringen, ansonsten sollte er unter Kultur-, Sport-, Polit-, Wirtschafts-, Musik-, Unterhaltungsmagazinen und Sonstigen ankreuzen, welche Art er anschaut und ob ihm ein entsprechender Sendungstitel einfällt.

Im letzten Teil (Frage 5, a-d) wurden sozio-demografischen Daten abgefragt, wobei die Arbeitsgruppe sich auf Fragen zu Geschlecht, Alter, Bildungsgrad und eventuelle Berufstätigkeit beschränkte. Zum Ausklang (Frage 5e) sollten die DiskussionsTeilnehmer anhand einer Kunin-Skala ankreuzen, wie sie den Fragebogen einschätzten.

3 Strukturfragebogen: Zusammensetzung der Diskussions-Teilnehmer

Die Auswertung des Strukturfragebogens erfolgte über das Statistikprogramm SPSS und beschreibt die befragten Gruppen wie folgt:

- Von 32 Diskussionsteilnehmern hatte die Hälfte eine Lieblingssendung (Anhang, Seite

4): Dabei nannten sieben von diesen 16 Befragten verschiedene Serien (u.a.

Lindenstraße, Startrek, Akte X, etc.); drei Befragte nannten als Lieblingssendung Talkshows; und jeweils zwei Befragte wählten die Sparten Sportmagazine, Dokumentationen und Spielfilme.

- Danach gefragt, wie häufig sie die vorgegebenen Sendungsarten sahen (von 1 = gar nicht, bis 6 = sehr häufig), ergab sich folgende Verteilung (Mittelwertsvergleich): Am häufigsten sehen die Diskussionsteilnehmer Nachrichtensendungen (AM = 4,09) und Spielfilme (AM = 3,88) - interessant ist hierbei, daß keiner der Diskussionsteilnehmer angab, nie Spielfilme zu sehen, was bei allen anderen abgefragten Sendungsarten sehr wohl der Fall war; dann folgen Reportagen/Dokumentationen (AM = 3,45) und

Informationsmagazine (AM = 3,44); Serien (AM = 2,94); Sportsendungen (AM = 2,59), politische Talkshows (AM = 2,50) und Musiksendungen (AM = 2,47); und als Schlußlichter unterhaltende Talkshows (AM = 2,29), Boulevard-Magazine (AM = 1,97) und Game Shows (AM = 1,5). (Anhang Seite 5)

Interessant ist, daß knapp ein Viertel der Befragten am liebsten Serien konsumiert, sie jedoch nicht so häufig sieht wie Nachrichtensendungen, Reportagen/Dokumentation und Informationsmagazine - ein erster Hinweis, daß hier bei der Angabe des ,,häufigen Konsums" möglicherweise der Aspekt der soziale Erwünschtheit zum Tragen kam.

- Die Befragten sehen am häufigsten in der Prime-Time, also von 20:00 - 23:00 Uhr fern, sehr viele auch noch nach 23.00 Uhr und noch einige am Nachmittag, von 15:00 - 20.00 Uhr (Anhang Seite 5); insgesamt verbringen die Diskussionsteilnehmer durchschnittlich ca. 2 Std. pro Wochentag vor dem Fernseher, wobei 13 Befragte zwischen zwei u. 4 Stunden täglich fernsehen und 14 unter 2 Stunden (Anhang Seite 10).

- Danach gefragt, welche Magazine sie besonders gerne sehen, werteten die Befragten wie folgt: Kultur- und Politikmagazine wurden an erster Stelle genannt, dann folgten mit großem Abstand unterhaltende Magazine (= Boulevard-Magazine) sowie Wirtschafts- und Musikmagazine. Nur fünf Befragte sahen gerne Sportmagazine.

- Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen war 1:2, was möglicherweise die relativ schwache Bewertung für Sportmagazine erklärt.

- Das Durchschnittsalter der Diskussionsteilnehmer war 29 (siehe Anhang Seite 8), zur Einteilung in Altersgruppen siehe Anhang Seite 9.

- Der Bildungsgrad der Diskussionsteilnehmer war sehr hoch - über die Hälfte hatten das Abitur/Fachabitur, neun verfügten bereits über einen Hochschulabschluß, vier hatten die Fachhochschule oder eine Berufsakademie besucht.

- Das Verhältnis zwischen Studenten und Berufstätigen lag unter den

Diskussionsteilnehmern bei 1:3, womit das bei der Auswahl gesetzte Ziel erreicht werden konnte. Es wurde hier auf ein Herunterbrechen der vorliegenden Daten per Einzelgruppe verzichtet, da aufgrund der kleinen Besetzung (4-6 Teilnehmer pro Gruppe) keine relevanten Daten zu erwarten sind. Aus dem gleichen Grund - insgesamt 32 Teilnehmer

- wurden auch keine Signifikanztests durchgeführt. Zwar ist diese Anzahl der Befragten für quantitative Auswertungsverfahren zu klein, für qualitative Verfahren jedoch wird sie übereinstimmend[14] als ausreichend betrachtet, um zumindest in Grundzügen die in der Grundgesamtheit auftretenden Meinungsbilder widerzuspiegeln.

4 Aussagenanalyse: Kategorisierung

4.1 Grobkategorisierung

Die Transkripte der Gruppendiskussionen wurden auf einem Excel-Tabellensheet per Aussage kodiert. Dazu wurde ein Kategorienschema deduktiv (theoriegeleitet) entwickelt[15]. Es stützt sich auf den in der Gruppendiskussion verwendeten Leitfaden, also im weiteren Sinne auf die Qualitätskriterien nach Schatz/Schulz. Jeder Kodierer erhielt eine Vorlage in elektronischer Form (siehe Abbildung 3) sowie einen detaillierten Kodiererleitfaden (siehe Anhang Seite 13ff). Jede Aussage wurde durch das Kodiererkürzel und eine laufende Nummer (vergeben durch den Kodierer) versehen, um jede einzelne Aussage auch nach der Auswertung und Feinkategorisierung (also bei Umsortierung der vorliegenden Aussagen) wieder eindeutig identifizieren zu können:

Abbildung 2: Kategorienschema zur Grobkategorisierung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Bestimmung einzelner Aussagen basierte wurde dabei den einzelnen Kodierern überlassen - da der Kodierer jeweils auch der Moderator der bearbeiteten Gruppendiskussion waren, konnten sie den Zusammenhang, in dem einzelne Aussagen standen, eher aus dem Gedächtnis rekonstruieren. Um diesen Zusammenhang durch die Stückelung in Aussagen bei den Sortiervorgängen nicht zu verlieren, wurden in Klammern Bezüge oder Kommentare durch die Kodierer eingefügt.

Die Aussagen wurden ggf. doppelt kodiert. Durch die Einfügung eines zweiten Spaltensystems (vgl. Abbildung 3) kann nachvollzogen werden, welche Aussage jeweils zwei Kategoriepunkten zugewiesen wurde.

Abbildung 3: Die Kodierungsvorlage

(Darstellung mit Musterbeispiel)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nachdem alle Aussagen in einem Dokument zusammengeführt wurden, konnte über eine Programmfunktion eine Sortierung per Kategorie durchgeführt werden. Dadurch wurden erste Tendenzen sichtbar. Es zeigte sich jedoch, daß die vorgesehenen Unterpunkte der einzelnen Kategorien zu grobmaschig angelegt waren. Für die endgültige Auswertung der Aussagen wurde daher ein weiteres Kategorienschema entwickelt (Feinkategorisierung).

4.2 Feinkategorisierung

Um die Kernaussagen des vorliegenden Materials herauszuarbeiten, wurde auf Grundlage der Grobkategorisierung ein verfeinertes Kategorienschema induktiv, also aus den vorliegenden Aussagen heraus, entwickelt[16]. Im ersten Komprimierungsschritt wurde innerhalb eines Themenfeldes (z.B. ,,Thema" aus der Grobkategorisierung) eine Aussage nach der anderen betrachtet und auf ihren Hauptinhalt reduziert. Diese ,,Hauptaussage" bildete eine erste Kategorie. Entweder konnten diesem Punkt in der weiteren Durchsicht andere Aussagen zugezählt werden, oder es wurde eine weitere Kategorie gebildet. In einem zweiten Komprimierungsschritt wurden die im ersten Schritt gebildeten Kategorien darauf geprüft, ob sie sich in einer Oberkategorie zusammenfassen lassen. Die folgende Auswertung basiert auf den so gewonnenen Endkategorien.

5 Aussagenanalyse: Ergebnisse

Abbildung 4: Aussagenverteilung per Grobkategorie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anhand dieser (Grob-)Kategorien (siehe 4.1) baut sich die folgende Auswertung per Feinkategorie (siehe 4.2) auf.

5.1 Professionalität

Zum Thema Professionalität zählen die Diskussions-Teilnehmer sowohl journalistische wie auch gestalterische Umsetzungen und Leistungen. Abbildung 5 schlüsselt die Kategorie auf.

5.1.1 Ansprechende Gestaltung (durch kurze Schnittfolgen, Schlaglichter, Intros, etc.) erleichtert die Informationsaufnahme und steigert den Unterhaltungsgrad/die Aufmerksamkeit (Kat. G)

Diese Feinkategorie vereinte - gemeinsam mit der folgenden - die häufigsten Aussagen auf sich. Die Diskussionsteilnehmer erwarten, daß die Magazine sowohl gestalterisch wie auch inhaltlich so aufgebaut sind, daß sich die Aufnahme von Informationen möglichst angenehm gestaltet.

,,Nicht vorkauen, aber - resümierend zusammenfassen und einfach Dir mal sagen, um was es geht, bevor Du bei dem Informationsüberfluß, hier was lesen, a was lesen, das kann man nicht zu jedem Thema, also das gehört schon auch ein bißchen dazu."

(Anhang Seite 109, Aussage ch 150)

Abbildung 5: Professionalität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die gewünschte Verdichtung der Information, unterstützt durch gestalterische Mittel wie Interviews und dergleichen wünschen sich die Diskussionsteilnehmer vor allem von Politikmagazinen. Sie erwarten dabei von der Sendung, daß man sie auf kritische Probleme aufmerksam macht, möglichst viele Perspektiven darstellt und die Inhalte so verpackt, daß sie für den Rezipienten ohne Anstrengung aufzunehmen sind (siehe Anhang Seite 109, G1ff).

Den Boulevard-Magazine sprechen die Diskussionsteilnehmer ein höheres Maß an gestalterischer Perfektion zu. Der Inhalt bleibt dabei zwar auf Klatsch & Tratsch beschränkt, die Aufmerksamkeit der Zuschauer wird jedoch durch die Kürze der Darstellung, die Menge an in einer Sendung verarbeiteten Themen und geschickt eingesetzte Mittel wie Hintergrundmusik und schockierende Bilder erregt und auch gehalten. Die unterhaltende Funktion der Boulevard-Magazine steht klar im Vordergrund. Eine reißerische Aufmachung wird dabei durchaus nicht nur verurteilt, sondern häufig sogar gewünscht.

Aber ich find sie von der Machart oder wie sie ihr Zielpublikum ansprechen, sind sie meistens besser gemacht als PolitMagazine denke ich, ja.

Anhang S. 110, ch 112)

Ja, ich glaub des ist die Kürze und des ist dann einfach so, wo ich weiß, des ist jetzt Klatsch & Tratsch und des ist in fünfMinuten auch vorbei und des find ich dann eigentlich ganz, also des unterhält mich total, aber so die Berichte ...

(Anhang S. 111, bs 116)

Wenn's so skandalös gemacht ist, wie's halt auf den Privaten oft gemacht wird, also das verleitet schon zum Draufbleiben, wenn Du darauf hinaus willst. Also bei mir ist das wirklich so. (verräterisches, etwas peinliches Lachen)

Des find ich aber grad ganz lustig, da eher diese

Schlammschlachten, so diese boulevardeske?, so en bißchen draufhauen, ich schau es meistens eigentlich ganz gern an. (Anhang S. 111, SB 21 u. bs 24)

5.1.2 Meine Qualitätsansprüche an Politikmagazine sind anders als an BoulevardMagazine (Kat. H)

Die Diskussions-Teilnehmer haben sehr klare Vorstellungen davon, was sie von der jeweiligen Magazinart erwarten. Wollen sie sich informieren oder zum Nachdenken angeregt werden, wählen sie ein Politikmagazin und erwarten

Hintergrundinformationen und seriöse Berichterstattung. Das unterhaltende Element tritt klar in den Hintergrund und wird - sofern das Thema für den Zuschauer interessant genug ist - auch nicht vermißt.

Wenn ich Tagesthemen hab oder Talk im Turm dann kann ich das unterschreiben, dann mußseriös sein dann kann's auch stocknüchtern sein.

(Anhang Seite 113 bs 184)

Qualitätsmaßstäbe wie solide Recherche, gute Hintergrundinformation, etc., legen die Diskussionsteilnehmer an Boulevard-Magazine gar nicht an. Hier möchten sie vor allem unterhalten werden - Qualitätsmaßstab für Boulevard-Magazine wird damit der Unterhaltungswert. Reißerische Präsentation, Meinungsmache, Sensationsjournalismus erwarten die Diskussions-Teilnehmer von Boulevard-Magazinen. Zwar gestehen die Diskussions-Teilnehmer den Boulevard-Magazinen nur ,,Abendzeitungsniveau" zu (Anhang S. 115 jk 64), aber da sie nicht mehr erwarten, ärgern sie sich auch nicht (Anhang S. 115 sm 53).

Deswegen meinte ich auch eingangs, daßdie meistens diese Boulevard-Magazine ihren Qualitätsstandard hervorragend erfüllen im Vergleich zu Polit-Magazinen in Deutschland. (Anhang S. 114 ch 167)

Findet sich ein für Politikmagazine geschätztes Element in einem Boulevard-Magazine oder umgekehrt, so ist der Effekt eher gegenteilig (die Erwartungshaltung wird nicht erfüllt): Reißerische Darstellung in einem Politikmagazin führt ebenso zu verminderter Glaubwürdigkeit, wie der Anspruch auf seriöse, fundierte Berichterstattung in einem Boulevard-Magazin.

5.1.3 Darstellungsformen und ihre Wirkung auf den Rezipienten (Alle Kategorien m. weniger als 15% Besetzung)

5.1.3.1 Reißerische Gestaltung & der Einsatz von Humor

Die Diskussions-Teilnehmer unterscheiden sehr fein zwischen reißerischer Aufmachung bei eher ernsten Themen wie etwa Unfällen, Kriegsopfern o.ä. und der komischen Aufbereitung eines Beitrags oder dem Einsatz von Sarkasmus und Ironie in Sachen Klatsch & Tratsch. Sobald die Würde des Menschen berührt wird, lehnen sie diese Stilmittel ab (Anhang S. 99 jk 205, jk 221, bs 214), die sie unter 5.1.2 noch als unterhaltend empfunden haben. Auf der anderen Seite wünschen sie sich gerade von Politikmagazinen, daß sie häufiger Humor in der Präsentation einsetzen, um die Berichterstattung aufzulockern. Paradebeispiel für die Umsetzung dieses Gedankens scheint das Magazin ,,Frontal" mit seinen beiden Moderatoren Kienzle und Hauser zu sein.

5.1.3.2 Gestaltungsmittel Pro und Contra

Obwohl die Informationsverdichtung durch schnelle Schnittfolgen, etc. in beiden Magazinarten (vgl. 5.1.1) häufig gewünscht wird, betonen die Diskussions-Teilnehmer eine anspruchsvolle Gestaltung und Umsetzung der gut recherchierten Information in Bild und Ton fast ebenso sehr. Wie in den voranstehenden Kapiteln erwartet man gute Recherche und intensive Themenbearbeitung gerade von den Politikmagazinen (wobei angemerkt wird, daß auch ein ernsthaftes Thema über Gebühr in die Länge gezogen werden kann und damit die Zuschauer trotz Interesse abschreckt) - und es ist der große Schwachpunkt der Boulevard-Magazine. (Anhang S. 104 jk 199; S. 105 ag 27). Gerade die bevorzugte kurze, eher hektische Präsentationsform der Boulevard-Magazine wird von vielen als anstrengend (Anhang S. 117 bs 122, ag 40) und inhaltsverfälschend empfunden (Anhang S. 116 ch 109, bs 100) - wobei dieser Kritikpunkt gleich wieder entkräftet wird, indem die Diskussions-Teilnehmer Inhalt und Form in Verbindung bringen und möchten, daß ernsthaftere Themen eher anspruchsvoll, leichte eher ,,gut verdaulich" dargestellt werden (Anhang S. 102 bs 73, jk 150), was die unter 5.1.2 gemachten Aussagen unterstützt.

5.2 Thema

Abbildung 6: Thema

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5.2.1 Allgemeines zum Thema

Das Ausmaß der Themenrelevanz ist zwar ein ausschlaggebender aber nicht der einzige Faktor für die Rezeptionsbereitschaft eines Magazinbeitrags (vgl. Anhang, Seite 126, 131). So kann es zum Beispiel vorkommen, daß ein Magazinbeitrag gesehen wird, obwohl das Thema für den Rezipienten eigentlich vollkommen uninteressant ist.

,,...also das stimmt schon, also ich persönlich bleibe auch auf Sachen hängen und denk mir dann im Nachhinein,über was haben die eigentlich gerade geredet? Das war eigentlich total uninteressant." (Anhang, Seite 131, sb 22)

,,Ja, das kann auch ein Thema sein, was mich eigentlich nicht betrifft - weil es dann auf irgendeine Art und Weise so gemachtist, daßich trotzdem drauf aufmerksam werde..." (Anhang, Seite 131, jk 74)

Hier spielen dann andere Faktoren wie zum Beispiel Beitragsgestaltung- und - aufmachung, Rolle des Moderators sowie Art und Weise der Fernsehnutzung (aktiv/passiv) eine Rolle (vgl. Anhang, Seite 131).

Ganz abgesehen davon, daß das Thema an sich noch lange keine Garant für Qualität ist (vgl. Anhang, Seite 131, ag 86).

So wird auch in den nachfolgenden Punkten die unterschiedliche Gewichtung der Themenrelevanz und implizit ihr Einfluß auf die Rezeptionsbereitschaft sichtbar.

5.2.2 Die Relevanz des Themas bei Boulevard-Magazinen

Die Relevanz des Themas bei Boulevard-Magazinen (vgl. Anhang, Seite 127ff., Feinkategorien AB1, AB2 und AB3) ist aufgrund des unterschiedlichen Aussagegehalts differenziert zu betrachten.

Wie bereits aus der oben aufgeführten Grafik ersichtlich wird, beziehen sich die meisten Netto-Aussagen der Themenrelevanz bei Boulevard-Magazinen auf die Feinkategorie AB1 mit anteilig 15%. Demzufolge spielt die Wahl des Themas als ausschlaggebender Faktor für die Rezeption eines Boulevard-Beitrages eine zweitrangige Rolle. BoulevardBeiträge sollen in erster Linie der reinen Unterhaltung dienen, verbunden mit einem minimalem Qualitätsanspruch aber maximalem Spaß.

,,...daßwenn man schon Infotainment schaut, daßes dann auch vollkommen egal ist, was es für ein Thema ist, dann macht man es sowieso nur, um sich berieseln zu lassen..." (Anhang, Seite 127, ag 90)

,,...wenn ich eigentlich so was seh, dann möchte ich unterhaltenwerden, dann möchte ich drüber lachen können" (Anhang, Seite 127, bs 197)

Diese Einstellung begründet auch die Tatsache, daß Boulevard-Magazine und ihre Beiträge eher zufällig, im Rahmen des Zappings, nebenbei als ,,Hintergrundgeplänkel" oder zwischendurch als ,,Lückenfüller" gesehen werden (vgl. Anhang, Seite 127, bs 199, sm 21, ag 90).

Im Vergleich hierzu äußern nur wenige der Befragten, daß sie sich Boulevard-Magazine bewußt bzw. gezielt wegen eines interessanten Themas ansehen (vgl. Anhang, Seite 128). Und schließlich gibt es noch den Teil der Diskussionsteilnehmer, der sich für die in Boulevard-Magazinen gezeigten Themen generell nicht interessiert bzw. ihren Konsum strikt ablehnt (vgl. Anhang, Seite 129). Ursache für diese ablehnende Haltung ist unter anderem die niedrige Informationsqualität sowie die Art und Weise der Informationspräsentation bei Boulevard-Magazinen. Auf die Kriterien der Informationsqualität und -präsentation wird im späteren genauer eingegangen.

5.2.3 Die Relevanz des Themas bei Politikmagazinen

Die Relevanz des Themas bei der Rezeption von Politikmagazinen nimmt, im Vergleich zu den Boulevard-Magazinen, einen weitaus höheren Stellenwert ein (vgl. Anhang, Seite 130).

,,Also wenn ich wirklich einen trockenen Beitrag mir anschau, dann mußes mich wirklich wahnsinnig interessieren, damit ich auch dabei bleibe." (Anhang, Seite 130, bs 212)

Politikmagazine bzw. ihre Beiträge werden zwar, wie im Punkt ,,Nutzungsgewohnheiten" aufgezeigt, konzentrierter und gezielter gesehen, die Themenrelevanz bzw. die Rezeptionsbereitschaft ist jedoch wesentlich stärker von persönlichen Interessen und Vorlieben abhängig.

,,Das Thema. Also wenn ich das Gefühl habe, das ist jetzt

irgendwas, was mich interessiert. Also das hängt im

wesentlichen vom Thema ab." (Anhang, Seite 130, ch 7)

,,Das liegt aber eigentlich immerzu an der Sache, das Gefallen von meinen persönlichen Präferenzen abhängt." (Anhang, Seite 130, sb 19)

5.2.4 Informationsqualität und -präsentation bei Boulevard-Magazinen

Hier wurde von Seiten der Diskussionsteilnehmer zahlreiche Kritik geäußert (vgl. Anhang, Seite 132, 134). Stark moniert wurde vor allem die mangelnde Themenvielfalt innerhalb und zwischen den Boulevard-Magazinen. So drehen sich die Themen immer wieder um persönliche Schicksalsschläge, Klatsch und Tratsch, ,,High-Society-Scheiß" (Anhang, Seite 132, sm 37) sowie Verbrechen, die möglichst hohe soziale Betroffenheit erzeugen.

Zwar kann sich die Bandbreite der gewählten Themen innerhalb eines Magazinbeitrags relativ groß gestalten (vgl. Anhang Seite 132, ag 113), über einen längeren Zeitraum betrachtet, entsteht jedoch aus diesem ersten heterogenen Eindruck schnell ein homogenes Bild. Somit ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß den BoulevardMagazinen ein niedriges Ausmaß an Informationsqualität zugesprochen wird. Ganz abgesehen davon, daß durch die homogene Themenauswahl über kurz oder lang gewisse Ermüdungserscheinungen hinsichtlich der Rezeptionsbereitschaft auftreten und, wie es ein Diskussionsteilnehmer treffend ausdrückt, eine ,,wahnsinnige Übersättigung" (Anhang, Seite 132, ag 11) entsteht.

,,Ja gut, aber wenn es immer die selben Themen sind, dann

guckst du dir selbst die Berieselung nicht mehr an, weil bei dem

10. Kindermörder schaltest du irgendwann mal ab oder um. Also ich meine, insofern ist Qualität...Themen noch so, daßdu irgendwie verschiedene Sachen und verschiedene Beiträge hast, und nicht immer nur Mord und Totschlag hast, oder immer so den Kindermörder hast." (Anhang, Seite 132, ag 91)

,,...wir haben uns jetzt 4 angeguckt, und die waren wirklich allesehrähnlich, es geht immer um irgendwelche Gerichtsfälle oderKindesmißhandlungen oder irgendwelche Verbrechen sonstwie und es wird auch immer nach gleicher Art aufgezogen, also ich denke mir, diese Themensparte ist halt SUPER abgegriffen und da wird eins wies andere..." (Anhang, Seite 132, ag 11)

Die negative Einschätzung der Informationsqualität von Boulevard-Magazinen tritt auch bei der Beurteilung der Informationspräsentation wieder auf (vgl. Anhang, Seite 134).

Aus der Sicht der Diskussionsteilnehmer zeichnet sich bei den Boulevard-Magazinen die Art und Weise der Informationsvermittlung durch eine oberflächliche, oftmals unseriöse sowie äußerst einseitige und unsachliche Form der Berichterstattung aus. Somit stehen die Boulevard-Magazine mit ihrer reißerischen und skandalösen Aufmachung dem Sensationsjournalismus sehr nahe.

,,Also, diese Boulevard-Magazine haben ja eigentlich

überhaupt keinen Anspruch auf was, was irgendwie informativ wäre...das sind einfach irgendwelche reißerischen Themen, die man da aufführt..." (Anhang, Seite 134, jk 41)

,,Während dort, das ist eben auch wieder ganz viel

Meinungsmache in diesen Boulevard-Magazinen. Da kommt

immer wieder nicht so sehr der Nachrichtenaspekt sondern, wie können wir die Leute jetzt packen, und was für ein Schwein das war oder was auch immer." (Anhang, Seite 134, jk 55).

5.2.5 Informationsqualität und -präsentation bei Politikmagazinen

Auch hier lassen sich im Vergleich zu den Boulevard-Magazinen erhebliche Unterschiede ausmachen. Während sich, aus Sicht der Diskussions-Teilnehmer, die Boulevard-Magazine durch ihren stark unterhaltenden Charakter in Form des Sensationsjournalismus auszeichnen, übernehmen die Politikmagazine die Funktion der seriösen Informationsvermittlung.

,,Natürlich ist die Information an sich die sie rüberbringen wollen das wichtigsteüberhaupt, gerade bei einem Politikmagazin" (Anhang, Seite 135, ch 19).

Ausschlaggebend für die Qualität eines Politikmagazins ist hierbei die neutrale Darstellung eines Sachverhalts unter Berücksichtigung kontroverser Meinungen sowie die Vermittlung von Hintergrundinformationen (vgl. Anhang, Seite 133, u.a. ch 80, ch 140, ch 145, jk 53). Stark personenzentrierte Berichterstattung, vor allem verbunden mit der Verletzung der Intimsphäre einer Person sowie ,,Klatsch und Tratsch" sind eher unerwünscht und widersprechen dem geforderten informativen Charakter eines Politikbeitrags (vgl. Anhang, Seite 133, u.a. bs 88, ch 39).

,,...ja es sowas von super-uninteressant, es interessiert michüberhaupt nicht, es hat nichtsüber seine Politik oder seine Einstellung zu ganz bestimmten polit. Themen zu tun, ob er (Bill Clinton) sie vögelt oder ob er's läßt." (Anhang, Seite 133, ch201)

Aber gerade dieser Sachlichkeitsanspruch aus Rezipientensicht führt zu der Tatsache, daß Politikbeiträge und ergo ihre Thematiken oft als ,,trocken" und langweilig" empfunden werden.

,,Also wenn ich wirklich einen trockenen Beitrag mir anschau, dann mußes mich wirklich wahnsinnig interessieren, damit ich auch dabei bleibe." (Anhang, Seite 130, bs 212)

Bleibt abschließend zu sagen, daß die Diskussions-Teilnehmer einer etwas unterhaltsameren Magazingestaltung kombiniert mit einem gewissen Esprit im Sinnes des nachfolgenden Zitats durchaus nicht abgeneigt sind, solange, wie bereits erwähnt, der informative Charakter nicht verloren geht.

,,...Ja, z.B. beim Kienzle und beim Hauser. Das ist doch immerganz witzig, diese Wortspiele, da. Also, da bleibe ich schonmalso hängen...", ,,Ja, diese Mischung aus...Witz und trotzdemInformation" (Anhang, Seite 135, jk 186, jk 94)

Zudem wurde, als Anregung für eine bessere Gestaltung der Informationspräsentation, der Vorschlag gebracht, zu Beginn eines Magazinbeitrags eine Art ,,Informationsintro" einzuführen. Dieses ,,Informationsintro, welches kurz die Kernaussagen des Beitrags vermittelt, soll dem Zuschauer als Orientierungs- und Verständnishilfe dienen und ähnlich der Funktion von Trailern eine aufmerksamkeitssteigernde Wirkung erzielen. (vgl. Anhang, Seite 135).

5.3 Moderator

5.3.1 Beeinflußt das Image des Moderators das Image der Sendung - oder ist es umgekehrt? (Kat. D u. G)

Der Großteil der Befragten ist sich darüber einig, daß der Moderator eine Sendung prägt. Das gilt sowohl für Politik- wie auch für Boulevard-Magazine, wenn auch mit verschiedener Gewichtung.

Die Moderatoren von Politikmagazinen tragen mit ihrem persönlichen Image und der Art, in der sie sich selbst und das Thema präsentieren maßgeblich zur Glaubwürdigkeit der präsentierten Beiträge bei (siehe auch 5.5.3).

(zu Aust) weil ... eh ... weil, wenn jemand von vornherein der

Chefredakteur des Spiegels ist, auch dem man ein bißchen mehr Seriösität zubilligt und der auch so eine Art hat, das so darzustellen, als würde das wirklich von innen rauskommen,was er sagt. (...)

(Anhang S. 146 ag 49)

Abbildung 7: Moderator

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Insgesamt sie jedoch weit weniger ein Thema als die Moderatoren von Boulevard- Magazinen. Das Image der Moderatoren von Boulevard-Magazinen wirkt sich sowohl positiv wie auch negativ aus. Viele Moderatoren sind beim Publikum bekannt und werden als Markenzeichen der Sendung empfunden. Je nach Einschätzung des Betrachters wirkt ihr Auftauchen auf dem Bildschirm dann entweder als ,,Zap-Faktor" (Also, ich schalte dann automatisch weiter. Wenn ich sehe: aha das ist die Moderatorin von taff, dann schalte ich sofort weiter. Da brauche ich gar nicht weiter gucken - Anhang S. 146 ch 121) oder sie interessieren den Zuschauer für ihre Sendung durch ihre Art der Ansage oder der Themenpräsentation.

(...) man hat Sympathien, wen man auch wirklich gerne sieht,

im Gegensatz zu Küppersbusch oder so was, da weißman ja, da kommt intelligente Unterhaltung, wobei ich Ludwig oder Barbara Ehligmann ... okay, seicht und leicht, ja, ich glaube da gibt es schon so eine Verbindung.

(Anhang S. 145 ag 55)

Dabei scheint es so, als könne ein Moderator, der von einem Politik- oder Nachrichtenmagazin zu Boulevardthemen wechselt, sein eher seriöses Image mitnehmen. Dagegen ist für die Diskussionsteilnehmer ein Wechsel in umgekehrter Richtung eher nicht vorstellbar. Offensichtlich lassen sich bei Boulevard-Magazinen das Image von Moderator und Sendung nur schlecht voneinander trennen - wer nun was genau prägt, müßte durch gezieltere Befragungen erfaßt werden.

Also ich glaube es ist wahnsinnig schwer für jemanden, der vorher eine Boulevardsendung gemacht hat mal in, sagen wir mal in ein seriöses in Anführungsstrichen Nachrichtenmagazin aufzuzeigen. Das würde der nicht schaffen.

(Anhang S. 140 sm 94)

Also gerade weil, wenn jemand was anderes ... wie Nina Ruge, vorher Heute, Heute nacht da gemacht hat, dann hat man schon eine andere Erwartung, als wenn jetzt, wenn jemand praktisch mit, ein Gesicht praktisch mit der Sendung wächst. Anhang S. 144 sm 91)

5.3.2 Damit die Sendung mir gefällt, muß mir der Moderator sympathisch sein (Kat. H)

Wie schon im vorangehenden Kapitel festgelegt, ist die Person des Moderators für die Magazine beider Sparten ausschlaggebend. Das gilt für Politikmagazine zwar in geringerem Maße, weil hier das Interesse des Zuschauers sehr viel stärker auf Themen und Beiträge ausgerichtet ist, kann aber durchaus dazu führen, daß eine Sendung nicht gesehen wird.

Wenn ich so durchdrücke ist der Mod. Nicht so wichtig ... Aber

es spielt schon eine Rolle. Ich meine, wenn mir der Moderator vielleicht nicht gefällt, dann müssen schon die Themen viel spannender sein, damit ich dranbleibe, als wenn ich jemanden mag.

(Anhang S. 139 jk 169)

Bei Boulevard-Magazinen dagegen läßt sich nicht genau sagen, ob die Zuschauer wirklich wegzappen, wenn sie den Moderator nicht sympathisch finden. Sie benennen zwar verschiedenste Moderatoren (Ehligmann, Ullrich Meyer, etc.) und sagen, daß sie sie nicht mögen - auf der anderen Seite läßt jedoch allein dieser hohe Kenntnisstand (es werden über alle Gruppendiskussionen fast dreimal so viele Moderatoren von Boulevard-Sendungen genannt als solche von Politikmagazinen) auch auf Rezeption schließen. Offensichtlich ist bei Boulevard-Moderatoren die Emotionalisierung viel höher, und zwar bzgl. Sympathie ebenso wie Antipathie.

Aber wenn ich jetzt so durchzappe und dann ... sehe ich halt die Schrowange oder wen auch, dann höre ich dann eher zu, was die zu sagen haben.

(Anhang S. 138 jk 161)

Also mein Lieblingsmoderator ist Ullrich Meyer. Ich mußihn nur sehen und würd ihn gern erschießen.

(Anhang S. 139 bs 139)

5.3.3 Soll der Moderator neutral bleiben oder seine persönliche Meinung u. seine Emotionen einbringen? (Kat. A u. B)

Auch hier zeigt sich wieder eindeutig, daß die Diskussions-Teilnehmer an Boulevardund Politikmagazine verschiedene Ansprüche haben. Der Moderator von Politikmagazinen soll auf jeden Fall eher neutral sein, und zwar nicht nur in seinen Meinungsäußerungen, sondern auch in der körperlichen Präsenz (keine hektischen Bewegungen, o.ä.) - oder wenn er seine eigene Meinung einbringt, dann muß diese ganz klar von den harten Fakten getrennt und als solche kenntlich sein. Denn die Zuschauer nutzen Politik- und Nachrichtenmagazine zur Information und damit zur Meinungsbildung - und dabei möchten sie sich zumindest unbeeinflußt fühlen.

Er mußschon mal neutral sein und unbefangen und das ganz neutral rüberbringen. Das erwarte ich schon einmal vom Moderator.

(Anhang S. 151 ch 48)

... möchte ich mir meine Meinung selber bilden. Ich möchte mich nicht von dem Moderator beeinflussen lassen. Meine Meinung will ich mir durch den Bericht bilden. Und wenn ich gut informiert bin, kann ich mir meine Meinung selber bilden. (Anhang S. 151 ch 54)

Bei Boulevard-Magazinen dagegen ist weniger die eigene Meinung des Moderators Thema sondern seine Emotionen. Auch hier sind die Diskussionsteilnehmer sich nicht einig - sind einerseits die emotionale Mimik und entsprechende Äußerungen des Moderators Unterhaltungsfaktor, so werden diese Gefühlsäußerungen häufig auch als heuchlerisch und übertrieben empfunden (vgl. Anhang S. 149).

5.4 Nutzungsgewohnheiten

Die Grobkategorie ,,Nutzungsgewohnheiten" umfaßt insgesamt 147 Netto-Aussagen, wobei hiervon 50 % aller Aussagen auf die Nutzungsgewohnheiten von BoulevardMagazinen entfallen. Die andere Hälfte splittet sich in ,,Nutzungsgewohnheiten allgemein" mit 37 % sowie ,,Nutzungsgewohnheiten Politikmagazine" mit 13 % auf.

Abbildung 8: Nutzungsgewohnheiten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5.4.1 Nutzungsgewohnheiten allgemein

Generell läßt sich sagen, daß das Fernsehen in erster Linie als Unterhaltungsmedium genutzt wird und dies auch eher im passiven als im aktiven Sinne (vgl. Anhang, Seite 153, 156). Die Programmauswahl erfolgt somit seltener gezielt und bewußt sondern in der Regel eher zufällig über das Zappen. Fernsehen dient vorrangig der Entspannung und zum Abschalten, z.B. nach einem anstrengenden Arbeitstag. Häufig ist es sogar der Fall, daß der Fernseher während der Verrichtung anderer Tätigkeiten im Hintergrund und nebenbei läuft. Der Grad der Fernsehnutzung (tägl. Nutzungsdauer) ist unter anderem von Faktoren wie z.B.: der Tagesform und dem verbleibenden Freizeitkontingent abhängig (vgl. Anhang, Seite 153, 156).

Als Informationsmedium scheint das Fernsehen aus Sicht der Diskussionsteilnehmer weniger geeignet zu sein (vgl. Anhang, Seite 155). Informationen über das aktuelle Tages- und Zeitgeschehen werden zwar über die Rezeption der Nachrichten vornehmlich der Tagesschau um 20:00 Uhr - abgedeckt, das Bedürfnis nach Hintergrundinformationen jedoch eher über andere Medien wie z.B. Fachliteratur und zunehmend auch das Internet befriedigt.

Spezifische Sender- bzw. Magazinvorlieben konnten zwar anhand des hier vorliegenden Datenmaterials nicht ausgemacht werden, eine latent vorhandene Bevorzugung der öffentlich-recht-lichen Programme und ihrer Magazinsendungen läßt sich jedoch erkennen. Zudem zeigt sich, daß sich die Diskussionsteilnehmer der divergierenden Programm- und Magazingestaltung von öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern durchaus bewußt sind und ihnen auch unterschiedliche Qualitätsansprüche zuschreiben. (vgl. Anhang, Seite 156)

Hinsichtlich den Nutzungskriterien wie Motivation, Einstellung und Anspruch, lassen sich zwischen Boulevard- und Politikbeiträgen deutliche Unterschiede feststellen.

5.4.2 Nutzungsgewohnheiten von Boulevard-Magazine

p>So wie es vielen wohl peinlich ist, auf offener Straße die Bild-Zeitung zu lesen oder bei der Lektüre eines ,,Beate-Uhse"-Kataloges erwischt zu werden, verhält es sich auch mit der Rezeption von Boulevard-Magazinen. Nur vereinzelte GruppendiskussionsTeilnehmer geben offen zu, daß sie gerne bzw. des öfteren Boulevard-Magazine wie z.B. ,,Brisant" oder ,,Explosiv" sehen. Der weitaus größere Teil der Diskussions-Teilnehmer lehnt die Rezeption von Boulevard-Beiträgen entweder strikt ab oder aber, bekennt sich zwar zu einer Rezeption derselbigen, verbunden jedoch mit einem ,,schlechten Gewissen" (vgl. Anhang, Seite 157).

Inwiefern die ,,soziale Erwünschtheit" hier einen Einfluß auf die Aussagen der Diskussionsteilnehmer hatte, läßt sich zwar schwer sagen, ihre Existenz jedoch, allein nach folgendem Zitat, stark vermuten.

,,Aber das ist Geschmackssache. Ich meine, viele Leute, auch inmeiner Familie, die schauen sich dann lieber diese Boulevardsachen an...die nicht besser, aber unterhaltsamer aufgemacht sind eben. Ich würde mich dem aber nicht anschließen." (Anhang, Seite 157, jk 136)

Der bereits oben aufgeführte Unterhaltungsanspruch an das Fernsehen spiegelt sich auch in den Motiven für die Rezeption von Boulevard-Magazinen wieder (vgl. Anhang, Seite 158). Folgendes Zitat faßt die Kernmotive der Boulevard-Magazin-Nutzung äußerst treffend zusammen:

,,Ich mein es ist auch mal total schön einfach diese Glotze anzuschalten und nebenbei irgendwas zu wurschteln und da läuft halt irgendein Senf und du man kriegt's mit und man kriegteigentlich doch nicht mit, wo man sich auch nicht so konzentrieren muß, wie eben einfach bei diesen Mistsendungen, ja, da kannst echt tausend Sachen einfach nebenbei machen." (Anhang, Seite 158, bs 179)

Außerdem wird allein anhand dieses Zitats deutlich, daß die Boulevard-Magazine mit einem äußerst negativen Image besetzt sind. Aus Sicht der Diskussionsteilnehmer bewegen sich die Boulevard-Magazine auf einem niedrigen und anspruchslosem Niveau, vergleichbar mit der ,,Bild"-Zeitung. ,,Easy watching" (Anhang, Seite 159, sm 128) konzipiert für die breite Masse und ausgelegt auf hohe Einschaltquoten (vgl. Anhang, Seite 159)

5.4.3 Nutzungsgewohnheiten von Politikmagazinen

Ganz im Gegensatz zu den Boulevard-Magazinen werden die Politikmagazine als ,,hochqualitative Sendungen" (Anhang, Seite 160, sm 169) mit gehobenerem Niveau definiert, zugeschnitten auf ein ebenso anspruchsvolles Publikum. Politikmagazine zielen somit nicht auf hohe Einschaltquoten sondern auf maximale Qualität. Dieses anspruchsvolle Niveau ist es jedoch, was zu einer geringeren Rezeption führt. Politikmagazine entsprechen nicht der Form von Fernsehunterhaltung, die nebenbei und zwischendurch rezipiert werden kann, sondern bedürfen eines gewissen hohen Maßes an Konzentration und Aufmerksamkeit.

Interessant ist die - unter Berücksichtigung der Punkte 5.2 sowie 5.4 - latent vorhandene Paradoxie zwischen dem Anspruch an eine Magazinsendung und dem realen Nutzungsverhalten. Zwar wollen die Diskussionsteilnehmer, wie bei den Politikmagazinen gefordert, einen gewissen Qualitätsanspruch verwirklicht sehen, rezipiert werden jedoch lieber und häufiger Magazinsendungen, die sich auf dem ,,niedrigen" Niveau der Boulevard-Magazine bewegen.

5.5 Glaubwürdigkeit

5.5.1 Allgemeines zur Glaubwürdigkeit

Der Glaubwürdigkeit als Qualitätskriterium wird von Seiten der Diskussionsteilnehmer ein gewisses hohes Maß an Relevanz eingeräumt (vgl. Anhang, Seite 162, ag 67, jk 106).

Schwierig ist es jedoch, den Grad der Glaubwürdigkeit eines Magazinbeitrages zu bestimmen, da das Ausmaß an Glaubwürdigkeit sich wiederum in der subjektiven Wahrnehmung und dem persönlichen Vorwissen der einzelnen Person verankert sieht.

,,Ich meine, die eigene Allround-Bildung, daßman weiß..."

(Anhang, Seite 162, ch 31)

,,...da hab ich schon gedacht, daßdas nicht sein kann, weil eshalt...Da denk ich mir halt, ja gibt's dasüberhaupt, sowas. Sowas darf doch garnicht sein. Also wenn ich dann denk, naja, also, daßes sowas einfach nicht geben darf." (Anhang, Seite 162, sb 142)

Aus diesem Grunde wird der Berichterstattung generell eine gewisse Skepsis entgegengebracht.

,,...Man kann sich auf nichts verlassen...Von daher bin ich daeher sehr skeptisch, was immer produziert wird." (Anhang, Seite 162, jk 127)

Abbildung 9: Glaubwürdigkeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5.5.2 Der Einfluß des Senders und der Magazinart auf die Glaubwürdigkeit

Eine Differenzierung hinsichtlich des Ausmaßes an Glaubwürdigkeit findet auch in Hinblick auf die Sender sowie die unterschiedlichen Magazinarten statt. So wird den öffentlich-rechtlichen Sendern mehr Glaubwürdigkeit geschenkt, als den Privaten[17]. Den öffentlich-rechtlichen wird eher der informativ-seriöse Charakter zugesprochen, die privaten Sender hingegen mit Sensationsjournalismus und ,,Showmacherei" identifiziert (vgl. Anhang, Seite 163).

,,Wobei das auch immer Senderabhängig ist, was man so

glaubt. also ich stelle das bei mir fest, ich würde soÖ.-R. hat immer so `nen Touch zu mehr Seriosität als wenn ich so RTL,Pro 7 sehe..schon immer mehr Geschichtenmacherei." (Anhang, Seite 163, ag 34)

Diese Senderdifferenzierung wirkt sich auch implizit auf die Magazinbeurteilung hinsichtlich Glaubwürdigkeit und Qualität aus.

,,Ja, das Außenrum, wo's eingebunden wird. Ja je nachdem,

wenn irgendetwas sehr reißerisch aufgemacht ist, irgendwo

so'ne, ja ich sage mal, so'ne Informationsshow, dann bei vielen Privaten auch, dann habe ich da schon eher Zweifel, als wenn mir das, wie gesagt in den Nachrichten oder dem ,,heute Journal" oder so erzählt wird. Oder meinetwegen auch im ,,auslandsjournal" oder so, das ist dann - also das hat für dann schon irgendwie eine andere Qualität." (Anhang, Seite 163, sb84)

5.5.3 Kriterien der Beitragsgestaltung und ihre Auswirkung auf die Glaubwürdigkeit

Der Einsatz von Ironie bei Magazinbeiträgen, z.B. in Form von Persiflagen, muß so offensichtlich und eindeutig erfolgen, daß es für den Rezipienten auch nachvollziehbar ist. Ansonsten führt es zu Verwirrung und dem Eindruck unglaubwürdiger Berichterstattung, was wiederum ein reaktantes Verhalten in Form von Verärgerung und Weg.- bzw. Abschalten bewirkt (vgl. Anhang, Seite 164).

Inhaltliche Gestaltungskriterien wie z.B. ein schlüssiger, logischer Argumentationsaufbau, Lieferung von Hintergrundinformationen, Darstellung von Meinungsvielfalt innerhalb eines Beitrages sowie gute Recherchearbeit werden von Seiten der Diskussionsteilnehmer als glaubwürdigkeitssteigernde Faktoren eingeschätzt. (vgl. Anhang, Seite 165)

Ob der Einsatz von Interviews die Glaubwürdigkeit eines Magazinbeitrages erhöhen kann, ist umstritten. Zwar liefern Interviews einen gewissen Grad an Authentizität, unterliegen jedoch durch die Möglichkeit der gezielten Schnittechnik der Manipulierbarkeit (vgl. Anhang, Seite 166).

Ein Einfluß des Moderators auf die Glaubwürdigkeit von Boulevard-Beiträgen läßt sich hier nicht eindeutig feststellen. Wenn überhaupt, so ist das Ausmaß der Glaubwürdigkeit eine Frage der Sympathiebekundung gegenüber dem Moderator (vgl. Anhang, Seite 167). Die generelle Rolle des Moderators wird zudem unter Punkt 5.3 umfassend erörtert.

5.5.4 Die Glaubwürdigkeit von Boulevard-Magazinen

Berücksichtigt man die unter Punkt 5.5.2 aufgezeigte Grundeinstellung, so wird verständlich, warum sich der Glaubwürdigkeitsanspruch an Boulevard-Magazine von Haus aus niedrig gestaltet , ,,Also, ich stelle den Anspruch da gar nicht. (daßdie Beiträge glaubhaft sind)..." (Anhang, Seite 168, sm 52) und den Boulevard-Magazinen im generellen auch wenig Glaubwürdigkeit geschenkt wird. Aus Sicht der Diskussionsteilnehmer bewegen sich die Boulevard-Magazine auf einem relativ niedrigen Niveau und werden als ,,Bildzeitung im Fernsehen" (Anhang, Seite 168, bs 156) bezeichnet.

Ausschlaggebend für diese Einstellung ist sicherlich auch die Art und Weise der Aufmachung von Boulevard-Magazinen. Sämtliche inhaltliche Gestaltungskriterien, die unter Punkt 5.5.3 als aufmerksamkeitssteigernde Faktoren angegeben werden, werden bei der redaktionellen Gestaltung von Boulevard-Magazinen nicht berücksichtigt. Hinzu kommt die unsachliche und stark auf die Gefühlsebene ausgerichtete Form der Berichterstattung (vgl. Anhang, Seite 169).

Somit rückt die Glaubwürdigkeit als Qualitätskriterium in den Hintergrund wohingegen dem Unterhaltungscharakter ein höheres Stellenmaß eingeräumt wird, ,,So was ist lustig das schaut man sich an, da möcht ich auch keinen Glaubwürdigkeit haben," (Anhang, Seite 168, bs 47). Diese Tatsache sieht sich auch im Punkt ,,Nutzungsgewohnheiten" bestätigt.

5.5.5 Die Glaubwürdigkeit von Politikmagazinen

Mit nur 7 Aussagen weist die Feinkategorie ,,J - Der Glaubwürdigkeitsanspruch an Politikmagazine/Informationssendungen" im Vergleich zur Feinkategorie ,,G - Der Glaubwürdigkeitsanspruch an Boulevard-Magazine" mit 21 Aussagen eine ziemlich geringe Besetzung auf. Dies deutet darauf hin, daß die Glaubwürdigkeit von Politikmagazinen kein allzu diskussionswürdiger Punkt für die Befragten ist. Berücksichtigt man hierbei die Ergebnisse aus Punkt 5.5.2, so liegt die Vermutung nahe, daß den Politikmagazinen automatisch ein hoher Grad an Glaubwürdigkeit eingeräumt wird. Auf jeden Fall ist, laut Aussagen der Diskussionsteilnehmer, die Existenz der Glaubwürdigkeit sowohl bei Nachrichtensendungen als auch bei Politikmagazinen oberstes Postulat (vgl. Anhang, Seite 170).

5.6 Objektivität

Abbildung 10: Objektivität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5.6.1 Echte Objektivität ist nicht möglich - das Magazin sollte sich aber wenigstens darum bemühen (Kat. A)

Das Thema Objektivität wurde über alle Gruppen hinweg diskutiert. Dabei waren sich die Diskussions-Teilnehmer darüber einig, daß eine objektive Darstellung von keiner Magazinart erwartet werden kann. Bestenfalls könne man sich durch die Präsentation möglichst vieler Blickwinkel und persönlicher Meinungen einem objektiven Standpunkt nähern.

In diesem Zusammenhang wurde auch klar, daß es Politikmagazinen und deren Moderatoren nicht übel genommen wird, wenn sie eine bestimmte politische Richtung verfolgen - allerdings nur dann, wenn klargemacht wird, daß es so ist (siehe auch: Meinung von harten Fakten trennen unter 5.3.3).

Die Diskussions-Teilnehmer wiesen auch darauf hin, daß solche Meinungsäußerungen oder politische Ausrichtungen Zuschauer, die eine andere Richtung vertreten eher abschrecken - und entsprechend solche, die gleicher Meinung sind ansprechen.

Sagen wir mal - ausgewogen, oder versuchte Ausgewogenheit. Objektivität kann man diskutieren, es gibt Leute, die meinen es gibt keine O., der Meinung bin ich auch, aber ich glaube wir sehen das jetzt insofern so, daßDu z.B. alle Parteien mal hörst. (Anhang S. 172 ch 157)

... aber Qualität hat für mich schon etwas mit versuchter Objektivität zu tun.

(Anhang S. 172 ch 161)

Also mich stört halt wahnsinnig bei politischen Beiträgen, wenn ich sofort merke, welcher Partei der Moderator. Und ich bin vielleicht die andere Seite - dann mag ich mir das schon gar nicht mehr anschauen.

(Anhang S. 174 ch 60)

Dementsprechend die Objektivität ist immer die meine und suche mir dann entsprechend die Sendungen aus. (Anhang S. 173 SB 111)

Objektivität im Zusammenhang mit Boulevard-Magazinen ist eine eher schwach besetzte Unterkategorie, zwar äußern die Diskussions-Teilnehmer, daß sie auch hier etwas mehr Meinungsvielfalt begrüßen würden. Das folgende Zitat ist sehr typisch für Aussagen in diesem Zusammenhang und die gewählte Formulierung ,,wo ich so das Gefühl hab ..." gibt einen deutlichen Fingerzeig darauf, daß es sich hierbei um Antworten aus sozialer Erwünschtheit handelt.

Also ehrlich gesagt ein bißchen beleuchten, ein bißchen des ein bißchen des, wo ich so das Gefühl hab, ich kann mir danach meine eigene Meinung auch bildenüber des.

(Anhang S. 174 bs 82)

5.6.2 Objektivität ist für mich nur wichtig, wenn ich mich eher informieren als unterhalten will (Kat. D)

Hier tritt klar zu Tage, daß Objektivität bei Politikmagazinen mehr oder weniger vorausgesetzt wird, dagegen bei Boulevard-Magazinen so gut wie keine Rolle spielt. Allerdings: Wenn ein Boulevard-Magazin sich mit einem gesellschaftlich relevanten oder vom Zuschauer als so empfundenen - Thema beschäftigt, dann wird auch hier der Wunsch nach Objektivität laut.

Aber wenn ich halt ein Boulevard-Magazin anschau, dann möchte ich das gar nicht haben, weil dann wär's langweilig. Also wenn die ... irgendwie lustigen Rudelsex auf Mallorca berichten, dann ist es langweilig, wenn die das ganz objektiv berichten und die einen finden das gut und die anderen finden das schlecht. Das ist langweilig halt.

(Anhang S. 175 bs 70)

Ich würde immer noch sagen, das hängt vom Thema ab, beim

Kettensägen-Klaus wünsche ich mir keine Objektivität, aber bei einem Kindermörder sieht es schon wieder anders aus. (Anhang S. 178 ag 79)

5.6.3 Objektivität allgemein (alle Kategorien mit weniger 15% Besetzung)

Wie bereits unter erläutert, erwarten die Zuschauer i.d.R. auch von Politikmagazinen nicht, daß sie wirklich objektive Darstellungen zeigen. Aber sie möchten sie Möglichkeit haben, die Informationen, die ihnen präsentiert werden, richtig einzuordnen. Wird nicht kenntlich gemacht (auch hier vorwiegend auf Politikmagazine bezogen), daß die Berichterstattung wesentliche Perspektiven nicht berücksichtigt, dann führt das zu einer schlechteren Qualitätsbewertung. In diesem Zusammenhang wird ganz deutlich, daß an die beiden Magazinarten ganz verschiedene Qualitätsmaßstäbe angelegt werden; denn von einem Boulevard-Magazin wird Objektivität einfach nicht erwartet.

5.7 Ideal

Sinn und Zweck der Einrichtung der Grobkategorie ,,Ideal" war es, Anhaltspunkte für die zukünftige Gestaltung eines ,,Ideal"-Magazinbeitrages zu finden.

Mit nur 15 Netto-Aussagen (vgl. Anhang, Seite 182) weist die ,,Ideal"-Kategorie im Sinne eines saturierten Kategoriensystems[18] jedoch eine geringe Besetzung auf. Dies liegt in erster Linie darin begründet, daß von Seiten der Diskussionsteilnehmer nur wenige konkrete Verbesserungsvorschläge genannt wurden.

Deshalb erscheint hier eine nähere Analyse und Interpretation der Ideal-Aussagen nach dem Prinzip der Feinkodierung wenig sinnvoll. Abgesehen davon wurde der Großteil der Ideal-Aussagen durch die Möglichkeit der Doppelkodierung bereits in den oben aufgeführten Grobkategorien behandelt. Dort lassen sich anhand der zahlreich geäußerten Kritikpunkte, im Umkehrschluß, einige Anregungen für eine bessere Beitragsgestaltung ablesen.

Trotz der geringen Besetzung der ,,Ideal"-Kategorie, gestaltet sich das Ideal eines Magazinbeitrages aus Rezipientensicht als ein sehr interessanter Forschungsaspekt, der bei weitergehenden Forschungsschritten wie z.B. der Befragung durchaus berücksichtigt werden sollte.

Bei näherem Interesse lassen sich alle Aussagen der ,,Ideal"-Kategorie auf der Seite 182 im Anhang nachlesen.

5.8 Die drei wichtigsten Qualitätskriterien für beide Magazinarten

5.8.1 Mindmap

Um zu vermeiden, daß sich die Diskussions-Teilnehmer in einer allgemeinen Diskussion darüber, was Qualität nun sei, verstrickten, wurde erst am Ende des Diskussionsteils der Qualitätsbegriff eingeführt. Dazu wurde eine Folie aufgelegt, die die von der Arbeitsgruppe vorgesehenen Stichpunkte als Kriterien zur Qualitätsbestimmung zeigte. Die grafische Darstellung entspricht der sog. Mindmap - bei dieser Darstellungsform steht der Hauptbegriff in der Mitte und allen Punkten, die diesen Begriff definieren oder mitbestimmen werden eigen ,,Äste" zugeordnet. Dann wurden die DiskussionsTeilnehmer gefragt, ob sie dieser Definition zustimmen, und ob es möglicherweise weitere Kriterien gibt, die noch nicht behandelt wurden.

Es stellte sich heraus, daß nur insgesamt vier Stichpunkte nicht ausdrücklich erwähnt worden waren (vgl. Anhang S. 183): Sender (öffentlich-rechtlich vs. Privat), Ethik/Anstand, Recherche/Hintergrundinformationen und Attraktivität/Unterhaltsamkeit. Alle diese Punkte ließen sich unter den vorgegebenen Stichpunkten erfassen und sind in der Auswertung enthalten. In einer weiterführenden quantitativen Studie müßte ihnen allerdings bei der Itemdefinition mehr Raum eingeräumt werden, als das hier geschehen ist.

5.8.2 Ranking

Aus diesen mit allen Diskussions-Teilnehmern erarbeiteten Qualitätskriterien hat nun jeder einzelne Teilnehmer seine persönliche Top-3-Liste zusammengestellt. Dabei wurde nochmals deutlich, daß die Zuschauer die beiden Magazinarten gar nicht mit dem gleichen Maß messen wollen: Die Mitglieder der Gruppen, die die gemischten Beiträge gesehen hatten, bestanden darauf, für beide Magazinarten ein getrenntes Ranking zu erstellen.

5.8.2.1 Top-3-Kriterien für Politikmagazine

Tabelle 1: Politikmagazine - Häufigkeitsauszählung gesamt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Tabelle 1 werden alle für die Diskussionsteilnehmer zur Auswahl stehenden Kriterien aufgelistet und ihnen die zugehörigen Häufigkeiten zugewiesen. Dabei wurde für jeden Stichpunkt ausgezählt, wie oft er an erster, zweiter oder dritter Stelle genannt wurde. Aus dieser Tabelle wurde nun ein Gesamtranking errechnet, daß die Rankings aller Diskussions-Teilnehmer Politikmagazinen erfaßt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Politikmagazin - Top 3 (Gesamtranking)

Aus Tabelle 2 wird ersichtlich, wie das Gesamtranking erstellt wurde, respektive welches Kriterium wie häufig auf welchem Rangplatz erwähnt wurde. Aus diesen Auszählungen wurde dann ein Gesamtranking erstellt.

Die Zuschauer werten also das Thema als wichtigstes Qualitätsmerkmal, dicht gefolgt von Glaubwürdigkeit, Darstellungsform und Objektivität, die alle zehnmal auf Platz 2 gesetzt wurden. Der Moderator schließlich fällt weit ab, insgesamt nur viermal genannt, und spielt damit eine untergeordnete Rolle.

5.8.2.2 Top-3-Kriterien für Boulevard-Magazine

Tabelle 3: Boulevard-Magazine - Häufigkeitsauszählung gesamt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Tabelle 3 werden alle für die Diskussionsteilnehmer zur Auswahl stehenden Kriterien aufgelistet und ihnen die zugehörigen Häufigkeiten zugewiesen. Dabei wurde für jeden Stichpunkt ausgezählt, wie oft er an erster, zweiter oder dritter Stelle genannt wurde.

Aus dieser Tabelle wurde nun ein Gesamtranking errechnet, daß die Rankings aller Diskussions-Teilnehmer Boulevard-Magazinen erfaßt:

Tabelle 4 zeigt, daß auch für Boulevard-Magazine das Thema ausschlaggebendes Kriterium ist - erst der Vergleich mit den Einzelaussagen der Teilnehmer zeigt aber, daß der Begriff ,,Thema" hier anders definiert ist. Zwar gilt für beide Magazinarten, ,,das Thema muß mich interessieren", aber bei Politikmagazinen ist ein intellektuelles Interesse gemeint, bei Boulevard-Magazinen steht der Unterhaltungsaspekt im Vordergrund. Vermutlich wurde darum auch der Punkt ,,Darstellungsform" ebenfalls auf Platz 1 gesetzt, da die Präsentation in ansprechender Form für die Unterhaltung unerläßlich ist.

Platz 3 belegt die Objektivität. Wird die Auswertung der Aussagen hierzu (vgl. 5.6) hinzugezogen, so kann diese Plazierung eigentlich nur auf soziale Erwünschtheit zurückgeführt werden; denn dort wird nur sehr leise und eher zögerlich nach Objektivität bei Boulevard-Magazinen verlangt. Viel präsenter sind Aussagen, die zugunsten der Unterhaltung (hier auf Platz 4) gerne auf Objektivität verzichten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Boulevard-Magazine - Top 3 (Gesamtranking)

6 Typologie der Rezipienten

6.1 Allgemeines und Vorgehensweise

Da sich die vorliegende Untersuchung auf Rezipienten bezieht, erschien es nach der Aussagenauswertung sinnvoll, eine Typologie der Magazinseher in bezug auf deren Qualitätskriterien zu erstellen. Die Literatur zur qualitativen Sozialforschung verweist hierbei immer wieder auf die auf Max Weber zurückgehende Methode der Idealtypenkonstruktion. Idealtypen sollen, vom empirischen Material ausgehend, Fälle mit besonders markanten Eigenschaften konstruieren. Dies geschieht durch die einseitige Steigerung bestimmter Ausprägungen in Abhängigkeit vom Forschungsinteresse. Im Gegensatz dazu versucht man beim realtypischen Vorgehen "echte" Fälle aus dem Material herauszuarbeiten, die besonders charakteristisch erscheinen und diese dann näher zu beschreiben.

Der allgemeine Grundgedanke aller typologischen Analysen ist es, nach festgelegten Kriterien solche Bestandteile aus dem Material herauszufiltern, die das Material in besonderer Weise repräsentieren. In unserem Fall empfiehlt sich diese Technik auch deshalb, weil sie besonders geeignet ist in die große Menge des Materials Ordnung zu bringen, ohne auf (Einzel-) Fallbeschreibungen zu verzichten.[19]

Allgemein empfiehlt bei der Typenkonstruktion sich ein mehrstufiges Vorgehen

1. Festlegung von Typisierungsdimension und -kriterium
2. Fallkontrastierung
3. Typenkonstruktion
4. Beschreibung und Überprüfung der so gewonnenen Typen

Festlegung der Typisierungs dimension ist nach Mayring die "inhaltlich Festlegung über welche Materialbestandteile typisiert werden soll". Als Typisierungs kriterium stehen zunächst einen die klassischen Idealtypen nach Weber zur Verfügung. Typisiert werden kann jedoch auch über besonders häufige Ausprägungen, extreme Ausprägungen (Extremtypen) oder Fälle von besonderem theoretischen Interesse.[20] Im zweiten Schritt werden die Einzelfälle auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten hin untersucht. Dies erfolgt nach dem Prinzip der maximalen und minimalen Kontrastierung. Minimal heißt dabei Vergleich von möglichst ähnlichen Fällen, maximal der von möglichst verschiedenen Fällen. Dieses Vorgehen soll sowohl zu einem systematisierten Verstehen von Einzelfälle führen als auch das Verstehen der allgemeinen, über die vorliegenden Fälle hinausgehenden Zusammenhänge fördern. Die Fälle mit maximalen Ähnlichkeiten werden zu Gruppen (=Typen) zusammengefaßt), die sich gegeneinander durch die maximalen Unterschiede abgrenzen.[21] Wenn so ein Set von Typen festgelegt wurde, wird im letzten Schritt das Material herausgefiltert, das die Typen besonders anschaulich und detailliert beschreibt. Gleichzeitig wird die gefundene Typisierung nochmals am Material rücküberprüft.[22]

6.2 Auswertung

Die Typisierungsdimension für die typologische Auswertung der Gruppendiskussionen sind die Qualitätsansprüche, die die Rezipienten an Boulevard- und Politmagazine stellen sowie deren Nutzungsgewohnheiten. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang, ob sich für Boulevard- und Politmagazine unterschiedlich Typen herausbilden. Als Typisierungskriterium wurde eine Mischung aus Ideal- und Extremtypisierung gewählt.

Das genaue Vorgehen bei der Fallkontrastierung und Typenkonstruktion wird an dieser Stelle nicht näher beschrieben. Statt dessen stelle ich zunächst die Ergebnisse der Typologisierung vor, um diese im folgenden näher zu beschreiben sowie mit Zitaten aus den Gruppendiskussionen zu belegen. Nach Durchsicht des Materials wurde die in Tabelle 5 erläuterte Typologie erstellt.

Im Boulevardbereich kann als Extremtyp, der in einer Diskussionsgruppe beinahe in Reinform vorkam, der "Sensationalist" festgehalten werden. Dieser Typ bezieht sich speziell auf Boulevard-Magazine. Er gibt unumwunden zu, diese anzusehen und erhebt stellt dabei keinen Anspruch glaubwürdige und seriöse Beiträge zu sehen.

Des find ich aber grad ganz lustig, da eher diese

Schlammschlachten, so dieses boulevardeske?, so en bißchen draufhauen, ich schau es meistens eigentlich ganz gern an,auch wenn ich natürlich genau weißdann irgendwie, des stimmtnicht oder so, ich find es eigentlich ganz lustig dann. [...] Gradman weiß, man sagt sich ja oft, des stimmt natürlich nicht aber es ist irgendwie ganz, es hat einen hohen Unterhaltungswert, find ich . Man mußes ja nicht glauben was man dann sagt. [23]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5: Typologie der Rezipienten

Gerade die ,,sensationelle" Aufmachung der Magazine und deren reißerischer

,,Bildzeitungs"-Stil machen für den Sensationalisten deren Unterhaltungswert aus, welcher gleichzeitig sein Qualitätsmaßstab für dieses Genre ist. Was Ihn anzieht ist die für Boulevard-Magazine typische zugespitzte und einseitige Darstellung:

... wenn ich ein halt ein Boulevardmagazin anschau, dann

möcht ich das gar nicht haben, weil dann wär's langweilig, Alsowenn dieirgendwie lustigen Rudelsex auf Mallorca berichten, dann ist es langweilig, wenn die das ganz objektiv berichten und die einen finden des gut und die anderen finden das schlecht. [...] [24]

An Nachrichten und Politmagazinen hingegen legt er andere Maßstäbe an: hier legt er Wert Objektivität und Meinungsvielfalt.

Wenn ich Tagesthemen hab oder Talk im Turm dann kann ich das unterschreiben, dann mußseriös sein dann kann's auch stocknüchtern sein wenn's ein gutes Thema ist, dann schau ich's mir an. Dann erwarte ich auch Objektivität und publizistische Meinung und pipapo aber wenn ich halt taff anschau, dann möcht ich Trash pur haben, dann möcht ich halt wirklich ne richtig miese Boulevardgeschichte, wo Leute weinen und Babys sterben dann möcht ich nicht was nüchternes sehen ... [25]

In krassem Gegensatz dazu steht auf Seite der Politmagazine der ,,Informationssucher".

Der Konsum von Boulevard-Magazinen entspricht nicht seiner Motivation möglichst pointiert dargestellte und relevante Informationen aus einem Beitrag aufzunehmen.

... daßman gleich erst einmal am Anfang kurz umreißt um was es eigentlich geht und nicht ewig erst einmal anfährt: arme herzschwache Leute und so, daßman eigentlich mal dann dahinter kommt, es geht hier um wirtschaftliches. Also ich hätte es zum Beispiel besser gefunden, wenn man gleich davon gesprochen hätte, es geht ja darum wie man also diesen Wirtschaftsmarkt beeinflussen kann, dadurch daßman Gerüchte in die Welt setzt. So unpointierte Sachen. Einfach am Anfang, das gleich mal sagt und das dann und dann kann man irgendwie auch besser entscheiden, schaue ich mir das weiter an oder nicht oder ist es für mich von Relevanz oder nicht. [26]

Beim Informationssucher lassen sich zwei Ausprägungen feststellen. Einmal der ,,Hardliner" der von einem Magazinbeiträge vor allem Ausführlichkeit und Hintergrundinformationen fordert:

Zum einen habe ich den Anspruch, daßich mehr darüber,über ein,über dieses,über ein Thema erfahre, was mich interessiert, als das, was ich in der Zeitung so lesen könnte. Zum anderen habe ich den Anspruch, daßich, daßich nicht, daßich schon darüber informiert werde, aber daßes mir, daßes mir klargemacht wird ... Und ich habe den Anspruch anPolitmagazine, Themen aufzugreifen, die - die vielleicht nicht soso tagesaktuell oder brandheißsind, sondern vielleicht tatsächlich mehr Hintergrundinformationen bringt. [27]

Demgegenüber wünscht der ,,Fast-Food-Spezialist" schnelle, in leicht verständlichen Häppchen aufbereitete Information, so daß er schnell das Wesentliche eines für ihn interessanten Themas erfassen kann:

... für mich ist es wichtiger, ob ein Informationsflußtatsächlich stattfindet oder ob es nur eine Wiederholung ist von bestimmten

Informationsteilen, die immer wieder passieren. Wie zum

Beispiel bei dem letzten Bericht ... Ob der jetzt 95 oder 96 oder 97 in Tokio oder in Toronto oder sonstwo gesprochen hat,interessiert mich eigentlich an sich nicht wirklich ... das läßtsich irgendwie kürzer fassen ... [28]

Die Gemeinsamkeit von Sensationalist und Informationssucher ist, daß beide sehr genau wissen was sie von welcher Magazinform erwarten und daß beide ihre jeweiligen Gratifikationen bewußt bei der einen oder anderen Magazinform suchen.

Demgegenüber steht in beiden Genres der ,,Passivnutzer". Sowohl bei den Polit- als auch bei den Boulevard-Magazinen gibt es Rezipienten, die sich einfach nur ,,berieseln" lassen wollen, sei es durch informative oder unterhaltende Inhalte und denen dies auch bewußt ist. Der Anteil der Aussagen zur Passivnutzung überwiegt jedoch bei den Boulevard-Magazinen deutlich:

Ich mein es ist auch mal total schön einfach diese Glotze anzuschalten und nebenbei irgendwas zu wurschteln und da

läuft halt irgendein Senf und du man kriegt's mit und man kriegteigentlich doch nicht mit, wo man sich auch nicht so konzentrieren muß, wie eben einfach bei diesen bei diesen Mistsendungen, ja. da kannst echt tausend Sachen einfach nebenbei machen. Also wie gesagt, wenn du Talk im Turm anguckst, dann mußt du halt dann wirklich dasitzen und ahja...man konzentriert sich einfach anders. [29]

... wenn ich eben abends später nach Hause komme und irgendwie schon den ganzen Tag vor der Flimmerkiste saßund mich konzentrieren mußte und vielleicht auf dem Rückweg noch was gelesen hab - hm - daßich dann wirklich zuhause die Glotze so zum Belämmern und Abschalten nutze - also nicht nur um mich da irgenwie fortzubilden oder mich mit neuen Themen zu befassen. [30]

In bezug auf beide Magazinformen läßt sich ein Rezipiententyp ausmachen den man als den ,,Schuldbewußten" bezeichnen könnte. Dieses Schuldbewußtsein äußert sich jedoch bei Boulevard- und Politmagazinen auf unterschiedliche Art. Beim Boulevard-Genre haben im Gegensatz zum Sensationalisten die meisten Rezipienten ein schlechtes Gewissen beim Konsum der Sendungen. Die diesbezüglichen Aussagen laufen im Prinzip alle nach dem Muster ,,ich weiß ja daß die Sendung schlecht ist, aber ich schaue sie trotzdem manchmal an". In diesem Zusammenhang erwähnen die Rezipienten auch häufig, nur zufällig ,,beim durchzappen" auf Boulevard-Magazine zu stoßen. Dieses Phänomen hängt jedoch sicherlich auch eng mit dem Problem der sozialen Erwünschtheit von Aussagen zusammen: Aus Furcht vor sozialer Verurteilung passen sich die Personen, die eine evtl. unpopuläre Meinung vertreten, den Normen und Erwartungen der Gruppe bzw. des Untersuchungsleiters an.[31]

Also so, so auch beim rumzappen vielleicht jetzt, also wenn, würde ich reinkommen und wenn ein Beitrag kommen würde, der mich interessiert, würde ich den vielleicht auch anschauen, aber normalerweise nicht [32]

In bezug auf politische Magazine zeigten einige der untersuchten Personen einen Anfluß von Schuldbewußtsein, weil sie diese nicht oder nur selten anschauen, also Reaktionen im Sinne von ,,man sollte ja, aber ...".

Also, ich finde es schon schade, bei mir eigentlich. Ich meine,eigentlich sollte man sich solche Sachen doch eher angucken, als irgendwelche Filme oder Serien. Aber wenn ich dannabends müde bin ... ich meine ... da ist man einfach zu faul(lachen) und dann guckt man eben eher das andere an, das weniger anstrengt. [33]

Ein Rezipienten-Idealtyp, der in bezug auf die Boulevard-Magazine relativ deutlich zutage trat, ist der ,,Pseudo-Intellektuelle". In diesem Fall spielt die oben bereits erwähnte soziale Erwünschtheit vermutlich eine noch größere Rolle als bei den Schuldbewußten Personen. Der -Pseudo-Intellektuelle Typ lehnt Boulevard-Magazine (nach außen hin) voll und ganz ab. In seiner Reinform gibt er sogar an, diese Magazinform überhaupt nicht zu konsumieren. Boulevard-Magazine sind aus Sicht des Pseudo-Intellektuellen etwas für den wenig bis durchschnittlich Intelligenten ,,Normalverbraucher".

Auffällig ist jedoch bei Personen die diese extrem ablehnende Haltung zeigen, daß sie meist die Sendungen und ihre Inhalte zumindest so gut kennen, daß sie mitreden können. Tritt in Verbindung mit diesem Verhalten noch ein vermuteter third-person- effect (Aussagen wie: ,,ich kenne jemanden, der ...") auf, liegt die Vermutung nahe, daß die Abneigung dieser Personen gegen das Boulevard-Genre nur vorgeschoben ist, um sich selbst innerhalb der Diskussion nicht in ein negatives Licht zu stellen:

Die geht einfach nur auf die Zielgruppe, die sie haben wollen und das ist nunmal der Durchschnittsbürger. Und ich schließe also ich kenne zum Beispiel meine Mutter ist das beste Beispiel. Die sieht sich fast jeden Abend Explosiv an, ja, und dann erzählt sie mir wenn wir mal miteinander telefonieren, was denn alles in Explosiv passiert ist. Und ich so: Mutter, danke für das Gespräch, es interessiert mich nicht. [34]

Dafür spricht auch, daß in den Diskussionen, in denen von Anfang an selbstverständlich über den Konsum von Boulevard-Magazinen diskutiert wurde, dieses Phänomen nicht so stark zu beobachten war.

7 Zusammenfassung und Ausblick

Die am Anfang des Projekts gestellten Forschungsfragen können zwar beantwortet werden, aufgrund der beschränkten Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die Grundgesamtheit durch die qualitative Untersuchungsmethode muß jedoch dazu gesagt werden, daß die einzelnen Punkte durch quantitative Untersuchungen vertieft und gestützt werden müßten. Die Ergebnisse des Projektes liefern jedoch eine hervorragende Ausgangsbasis zum Entwurf eines Fragebogens oder auch zur Entwicklung einer quantitativen Inhaltsanalyse.

Forschungsfrage 1 und 2 lassen sich zusammenfassen:

7.1 Welche Qualitätskriterien existieren bei Boulevard- und Politikmagazinen aus Sicht der Rezipienten? Und: Gibt es Unterschiede in der Qualitätsbeurteilung bei Boulevard- und Politikmagazinen?

Der deutlichste Unterschied in der Qualitätsbeurteilung beider Magazinarten liegt darin, daß die Rezipienten mit verschiedenen Erwartungshaltungen an Boulevard- oder Politikmagazine herangehen.

Politikmagazine sehen sie sich hauptsächlich zur Informationsbeschaffung an - dabei möchten sie einerseits schnell, andererseits aber auch möglichst umfassend informiert werden. Daher erwarten sie von einem Politikmagazin in kompakter Form solide recherchierte Hintergrundinformationen. Gelingt es den Redaktionen, eine Prise Ironie (aber gut dosiert) mit einzubringen, so macht das den Rezipienten ihre ,,Pflichtübung" angenehmer - es darf allerdings dadurch nicht der Eindruck entstehen, die Berichterstattung/die Informationen seien fragwürdig. Damit wird das Thema und die journalistische u. gestalterische Professionalität zum Qualitätskriterium Nr. 1 für Politikmagazine. Glaubwürdigkeit und Objektivität werden ebenfalls erwartet.

Boulevard-Magazine dagegen werden zur Unterhaltung angesehen, und damit ist auch zugrundeliegende Qualitätskriterium dieser Magazinart umschrieben: Alle betrachteten Komponenten müssen zu einem unterhaltsamen Ganzen zusammenwirken. Die bearbeiteten Themen werden von vornherein als nebensächlich angesehen und intensive Recherche und Hintergrundinformationen daher eher nicht erwartet. Eben weil die Themen so dünn sind, müssen sie auch schnell aufeinander folgen, denn der Zuschauer möchte sich gar nicht näher mit ihnen befassen. Nur wenn diese Voraussetzungen miteinbezogen werden, kann man von Thema u. Professionalität als wichtigen Kriterien zur Beurteilungen von Boulevard-Magazinen ausgehen - sie beziehen sich jedoch auf völlig andere Inhalte als bei Politikmagazinen. Die Themen sollen unterhaltend sein, die journalistische Professionalität ist nebensächlich, in erster Linie soll ein BoulevardMagazin ansprechend gestaltet sein. Glaubwürdigkeit und Objektivität treten völlig in den Hintergrund.

Aus Sicht der Rezipienten ist es demnach nicht legitim, Boulevard- und Politikmagazine im Hinblick auf Qualitätskriterien miteinander zu vergleichen.

7.2 Lassen sich bei unterschiedlichen Personen Gemeinsamkeiten erkennen, so daß man diese typologisieren kann?

Zusammenfassend läßt sich zur Typologie der Rezipienten sagen, daß es sowohl Typen gibt, die für Boulevard bzw. Politmagazine spezifisch sind, als auch solche, die auf beide Genres anwendbar sind. Einige dieser Erkenntnisse sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da sie durch sozial erwünschte Aussagen zustande gekommen sein könnten. Die herausgearbeiteten Typen sind Idealtypen, die in reiner Form nur sehr selten vorkommen. Ein ,,wirklicher" Rezipient vereint oft der Regel bestimmte charakteristische Aspekte mehrerer Idealtypen in sich. So kann beispielsweise ein Sensationalist durchaus schuldbewußt sein, weil er sich keine Politmagazine ansieht Oder ein Informationssuchender einen pseudo-intellektuellen Einschlag haben.

Literaturverzeichnis

Bortz, Jürgen und Nicola Döring (²1995): Forschungsmethoden und Evaluation für Sozialwissenschaftler, Berlin u.a.: Springer.

Deimling, S., Bortz, J. und Gmel, G (1993). Zur Glaubwürdigkeit von Fernsehanstalten. Entwicklung und Erprobung eines Erhebungsinstrumentes. Medienpsychologie 5, 3/1993, S203-220. Zusammenfassung in: Media-Perspektiven 5/94, S. 256.

Flick, Uwe (1995). Qualitative Forschung. Theorie, Methoden, Anwendung in Psychologie und Sozialwissenschaften, Reibeck bei Hamburg: Rowohlt.

Gerhardt, Uta (1986). Verstehende Strukturanalyse: Die Konstruktion von Idealtypen als Analyseschritt bei der Auswertung qualitativer Forschungsmaterialien, in: HansGeorg Soeffner (Hg.). Sozialstruktur und soziale Typik, Frankfurt a.M., New York: Campus.

Mayring, Philipp (³1996). Einführung in die qualitative Sozialforschung. Eine Anleitung zu qualitativem Denken, Weinheim, Psychologie Verlags Union.

Mayring, Philip (51995). Qualitative Inhaltsanalyse: Grundlagen und Techniken, Weinheim: Deutscher Studien Verlag.

Neumann, Peter (1996). Markt- und Werbepsychologische Projekte (Skript) 1996/97 Noelle-Neumann, Elisabeth. Alle, nicht jeder, München: Dt. Taschenbuch Verlag,

Oehmichen, Ekkehardt (1993). Qualität im Fernsehen aus Zuschauerperspektive. Media Perspektiven 1/1993, S. 16-20.

Rosengren, Erik und Carlsson, Mats und Tagerund, Yael (1991). Quality in Programming: Views from the North. Studies of Broadcasting, 27, S. 21-81.

Schatz, Heribert und Schulz, Winfried (1992). Qualität von Fersehprogrammen: Kriterien und Methoden zur Beurteilung von Programmqualität im dualen Rundfunksystem. Media Perspektiven 11/1992, S. 690-712.

Schenk, Michael und Gralla, Susanne (1993). Qualitätsfernsehen aus der Sicht des

Publikums. Media Perspektiven 1/1993, S. 8-15.

Schnell/Hill/Esser. Methoden der empirischen Sozialforschung München 1993

Transkription: Hauptseminar von Prof. Dr. Hans-Bernd Brosius: ,,Qualität im Fernsehen" am Institut für Kommunikationswissenschaft der Ludwig-MaximiliansUniversität München, Wintersemester 1996/97.

[...]


1 Michael Schenk, Susanne Gralla: Qualitätsfernsehen aus der Sicht des Publikums. Media Perspektiven 1/1993, S. 9

2 Schenk / Gralla, S. 8

3 Diese Kriterien wurden im Wintersemester 1996/97 an der Universität München am Institut für Kommunikationswissenschaft im Rahmen des Hauptseminars ,,Qualität im Fernsehen" von Prof. Dr. Hans-Bernd Brosius erarbeitet.

4 Heribert Schatz, Winfried Schulz: Qualität von Fersehprogrammen: Kriterien und Methoden zur Beurteilung von Programmqualität im dualen Rundfunksystem. Media Perspektiven, 11/1992, S. 690-712

5 Schatz / Schulz, S. 692

6 Schatz / Schulz, S. 690-691

7 Schatz / Schulz, S. 710

8 Erik Rosengren, Mats Carlsson, Yael Tagerund: Quality in Programmin: Views from the North. Studies of Broadcasting, 27, S. 21-81

9 Michael Schenk, Susanne Gralla: Qualitätsfernsehen aus der Sicht des Publikums. Media Perspektiven, 1/1993, S. 8

10 Ekkehardt Oehmichen: Qualität im Fernsehen aus Zuschauerperspektive. Media Perspektiven, 1/1993, S. 16

11 Oehmichen, Ekkehardt (1993). Qualität im Fernsehen aus Zuschauerperspektive. Media Perspektiven 1/1993, S. 17

12 Neumann, Peter (1996). Markt- und Werbepsychologische Projekte (Skript) 1996/97, S. 37

13 Schnell/Hill/Esser: Methoden der empirischen Sozialforschung München 1993; Noelle-Neumann, Elisabeth: Alle, nicht jeder, München: Dt. Taschenbuch Verlag, 1996; Neumann, Peter (1996). Markt- und Werbepsychologische Projekte (Skript) 1996/97

14 Oehmichen, Ekkehardt (1993). Qualität im Fernsehen aus Zuschauerperspektive. Media Perspektiven 1/1993, S. 17; Neumann, Peter (1996). Markt- und Werbepsychologische Projekte, S. 37

15 Bortz, Jürgen/Döring N.: Forschungsmethoden und Evaluation; Berlin, Springer, 199[2], S. 305

16 Bortz, Jürgen/Döring N.: Forschungsmethoden und Evaluation; Berlin, Springer, 1995[2], S. 305

17 Dieses Ergebnis bestätigt sich auch durch die Studie ,,Zur Glaubwürdigkeit von Fernsehanstalten. Entwicklung und Erprobung eines Erhebungsinstrumentes" von Deimling, S./Bortz, J. und Gmel, G. in: Medienpsychologie 5, 3/1993, S. 203-220, wonach der ARD und dem ZDF die höchste Glaubwürdigkeit zugesprochen wird (vgl. MediaPerspektiven 5/94: ARD-Forschungsdienst. Beurteilung der Programmqualität im Fernsehen, S. 256).

18 Vgl. Bortz, J. und Döring, N. (1995): Forschungsmethoden und Evaluation für Sozialwissenschaftler (2. Auflage). Heidelberg Berlin: Springer, S. 306

19 Vgl. Mayring (1996), S. 105ff

20 Vgl. Mayring (1995), S. 84.

21 Vgl. Flick (1995), S. 255f sowie Gerhard (1986), S. 69.

22 Vgl. Mayring (1996), S. 106.

23 Siehe Anhang Seite 73 bs 24, Seite 59 bs 25

24 Siehe Anhang Seite 90 bs 70

25 Siehe Anhang Seite 76 bs 184, Seite 23 bs 185, Seite 91, bs 186

26 Vgl. Anhang, S. 57 ch 40, S. 21 ch 41

27 Vgl. Anhang, S. 57 ch 139, S. 16 ch 140/141, S. 45 ch 142, S. 89 ch 143, S. 57 ch 144

28 Vgl. Anhang, S. 16 ch 16, S. 66 ch 17

29 Vgl. Anhang, S. 31 bs 180, S. 91 bs 181/182, S. 39 bs 183

30 Vgl. Anhang, S. 40 sb 1

31 Vgl. Bortz / Döring (1995), S. 212f.

32 Vgl. Anhang, S. 33 sm 26

33 Vgl. Anhang, S. 57 jk 18.

34 Vgl Anhang , S. 72 ch 150, S. 42 116

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Details

Titel
Qualität von Politik- und Boulevardmagazinen aus Rezipientensicht, qualitative Studie
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Hauptseminar Empirische Studien zur Qualität von Fernsehprogrammen
Note
Sehr Gut
Autor
Jahr
1998
Seiten
59
Katalognummer
V94882
Dateigröße
663 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Qualität, Politik-, Boulevardmagazinen, Rezipientensicht, Studie, Hauptseminar, Empirische, Studien, Qualität, Fernsehprogrammen
Arbeit zitieren
Stefanie; Goerbing Behnke (Autor), 1998, Qualität von Politik- und Boulevardmagazinen aus Rezipientensicht, qualitative Studie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94882

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