Einführung in Anschlußtechnologien und Euro-ISDN


Seminararbeit, 1998
16 Seiten, Note: 1

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Motivation

Ende 1997 hat die Deutsche Telekom die Digitalisierung ihres Telefonfestnetzes abgeschlossen.

Zu diesem Zeitpunkt waren ca. 16% der zum Endbenutzer geschalteten Leitungen als

ISDN-Leitungen ausgeführt. Waren bei Einführung des ISDN in der Bundesrepublik die damit einhergehenden Komfortmerkmale noch bahnbrechende Neuerungen, sind heute, gerade wegen der Digitalisierung des analogen Netzes auch dort Anklopfen, Rückfragen/Makeln, Dreierkonferenz, Anrufweiterschaltung, automatischer Rückruf bei Besetzt, Anzeige und Übermittlung der Rufnummer möglich.

Die Vorteile von ISDN jenseits dieser Telefoniefunktionen sind dennoch groß genug, seine Verbreitung auch in Zukunft weiter voranzutreiben:

Eines dieser Merkmale ist die Diensteintegration. Sprache und Daten gehen über ein Netz, wobei jeder Dienst im Optimalfall automatisch mit dem richtigen Endgerät assoziiert wird und eine Verbindung aufbauen kann.

Für Datenkommunikation ist auch der selbst im Vergleich zum digitalisierten

Telefonnetz sehr schnelle Verbindungsaufbau, sowie die störungsfreiere Übertragung

von Vorteil. Ebenso ermöglicht die flexible Zusammenschaltung mehrerer ISDN-Kanäle schnelle Übertragung größerer Datenmengen.

Das ISDN-Netz bietet so heute die, wenn auch eingeschränkte Möglichkeit, zu multimedialer Kommunikation, was auch immer das heißen mag.

Inhaltsüberblick

Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, einen einführenden Überblick über die ISDNTechnologie zu vermitteln.

Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Zunächst wird eine kurze Einführung in Leitungsund Kanaltechnologien, sowie Anschlußvarianten gegeben.

Der zweite Teil baut darauf auf und geht etwas näher auf die Signalisierungsmechanismen, die als Euro-ISDN bezeichnet werden, ein.

Die gegebene Kürze bedingt eine oberflächliche aber, so ist zu hoffen, für den Einstieg günstige Sichtweise.

Im einzelnen wurde auf eine detaillierte Schilderung der einzelnen ISDN-Dienste zugunsten der technologischen Darstellung verzichtet.

Auch die Kommunikation mittels ISDN-PC-Karte, sowie die Softwareschnittstelle CAPI und das Thema computergestütztes Telefonieren (CTI) finden hier keine Behandlung.

Der Fokus liegt zudem auf der Nutzerseite. Dies ist so zu verstehen, daß die vorrangig die Technologien behandelt werden, die beim ISDN-Kunden zum Einsatz kommen, bzw. die Signale erläutert werden, die im Endgerät ankommen. Wie ISDN in den Vermittlungstellen und auf Weitverkehrsebene umgesetzt wird, wird hier ausgeblendet.

Begriffsdefinitionen

Im folgenden Text werden einige Begriffe verwendet, die zum eindeutigen Verständnis vorab festgesetzt werden.

Kanal Übertragungsweg, auf dem eine Information in eine Richtung übertragen werden kann.

Leitung Physikalisches Übertragungsmedium, wie z.B. Kupferkabel

Verbindung Koppelung von Kommunikationspartnern, Möglichkeit des Informationsaustausches

Protokoll Kommunikationsvorschrift, Konvention für das Austauschen von Nachrichten. Ziel ist der eindeutige Transfer von Information.

Teil 1: Anschlußtechnologien und -varianten

1.1 Grundlegendes zur ISDN-Technologie

Anders als im analogen Telefonnetz, wo beim Endbenutzer jeweils ein Kabelpaar pro Verbindung nötig ist, überträgt das ISDN über eine Leitung mehrere Kanäle, mit denen mehrere Verbindungen gleichzeitig möglich sind.

Dabei unterscheidet man zwei Kanalarten:

Der B-Kanal (bearer-channel), über den die eigentliche Nutzinformation läuft. Über ihn können bis zu 64 kbit/s übertragen werden.

Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich bei den durch das Netz übertragenen Daten nun um Telefon-, Telefax- oder z.B. Internetdaten handelt. Einmal digitalisiert überträgt sie das ISDN-Netz nach dem Grundsatz Bit=Bit, ohne sie zu interpretieren.

Der D-Kanal (delta-channel3 ) dient als Steuerkanal. Pro Anschluß ist ein D-Kanal realisiert. Die Bandbreite variiert je nach Anschlußart (s.u.). Über den D-Kanal kommunizieren in der Hauptsache Vermittlungsstelle und Endgeräte miteinander, um die für den Verbindungsauf- und abbau nötigen Informationen auszutauschen. Über den D-Kanal läuft also meist nur die "Übertragung von Steuerinformationen von und zum Netz. Diesen Vorgang nennt man auch Zeichengabe" oder Signalling. Allerdings können im B-Kanal auch kleinere Datenmengen transparent, das heißt in diesem Falle unverändert, durch das Netz geleitet werden. Dies bezeichnet man als User- user-signalling.

Im Euro-ISDN ist zusätzlich die Möglichkeit vorgesehen, im D-Kanal Daten für Paketvemittelnde Netze, wie z.B. das Datex-P-Netz der Deutschen Telekom, zu übertragen. Dieser nur für den Basisanschluß (s.u.) verfügbare Dienst kann mit 9.600 bit/s genutzt werden, dürfte aber heute kaum praktische Relevanz besitzen.

Sowohl B- als auch D-Kanal "garantieren, daß die übertragenen Bitströme im Vollduplexbetrieb ausgetauscht werden können. Vollduplex bedeutet, daß gleichzeitig in beide Richtungen Daten übertragen werden können." Die entsprechenden Endgeräte vorausgesetzt, ist es also möglich, auf einem B-Kanal pro Sekunde 64 kbit zu senden und in der selben Sekunde 64 kbit zu empfangen. Nach der anfänglich gegebenen Definition ist also ein ISDN-Kanal zwei Kanäle in einem. In dieser Arbeit wird dennoch für die Summe aus Hin- und Rückkanal z.B. eines B-Kanals der Singular verwandt.

1.1.1 Ausnahme von der Bit=Bit-Regel

Oben wurde erwähnt, daß das ISDN-Netz die digital übermittelten Daten zwischen zwei Endstellen nicht verändert. Dies gilt für alle bisher eingesetzten Dienste, bis auf die Telefonie uneingeschränkt.

Audiodaten werden PCM-kodiert über das ISDN-Netz übertragen.

PCM (pulse code modulation) ist ein Digitalisierungsverfahren und ordnet damit jedem Samplingwert, der vom analogen Sprachsignal periodisch abgetastet wird, einen bestimmten digitalwert, also eine Zahl zu. Dabei geschieht die Quantifizierung, also die Zuordnung von diskreten Werten zu den Abtastwerten, für die Verwendung im digitalen Telfonnetz nicht linear, sondern einer logarithmischen Kurve angenähert. Ziel ist eine subjektive Qualitätsverbesserung der Sprachübertragung.

Die Form der quantifizierten Funktion nennt man auch Kennlinie. "Leider ist die Kennlinie international nicht einheitlich. In Nordamerika und Japan folgt sie dem sogenannten m -Gesetz, in Europa, dem A-Gesetz (engl. m -Law, bzw. A-Law) ."

An den entsprechenden Netzübergängen muß also, um Verzerrungen der Übertragung zu vermeiden, eine PCM-Konvertierung durchgeführt werden.

Die Audiodatenübertragung erfolgt im ISDN übrigens mit einer Bandbreite von 3,1 kHz, die mit einer Samplingfrequenz von 8 kHz bei 8 bittiger Auflösung erreicht wird.9

1.2 Anschlußkonfigurationen

Die im Netz der Deutschen Telekom üblichen Anschlußkonfigurationen sind:

- Der ISDN-Basisanschluß mit zwei B-Kanälen á 64 kBit/s und einem D-Kanal mit 16 kBit/s und
- der Primärmultiplexanschluß mit 30 B-Kanälen á 64 kBit/s und einem D-Kanal mit 64 kBit/s.

1.2.1 Unterschied zu den USA

Unter anderem in den USA differiert die Konfiguration des Primärmultiplexanschlusses (dort Primary Rate Interface, PRI) geringfügig: Es stehen lediglich 23 B-Kanäle und ein D-Kanal á 64 kbit/s zur Verfügung. Die Konfiguration des Basisanschlusses (Basic Rate Interface, BRI) in den Vereinigten Staaten ist die gleiche wie auch in Europa.

Die geringere Übertragungsleistung in den USA hat historische Gründe. Dort wurden seit 1962 digitale Multiplexleitungen nach dem Standard T1 installiert.

Diese bieten eine Übertragungsleistung von 1,544 Mbit/s, womit man 24 Kanäle á 64 kbit/s nutzbar machen kann. In Europa kam statt dessen der ITU-Standard E1 zum Einsatz, der Übertragungen mit einer Datenrate von 2,048 Mbit/s und somit 31 ISDNKanäle ermöglicht,.

1.2.2 Leitungstechnologie

Beim Basisanschluß findet als Leitungsmaterial von der Vermittlungsstelle zum Kundenanschluß die herkömmliche Telefonlitze (ein verdrilltes Kupferaderpaar) Verwendung.

Der Primärmultiplexanschluß wird mit zwei Kupferaderpaaren, also vier Leitungen oder zwei Glasfasern realisiert.

1.2.3 Netzabschluß

Die Grenze zwischen öffentlichem Netz und dem Verantwortungsbereich des Benutzers wurde mit fortschreitender Liberalisierung des bundesdeutschen Kommunikationsnetzes am Hausanschluß, der ‘Telefondose', gezogen.

An der Grenze des ISDN-Netzes wird zu der in aller Regel vorhandenen Telefondose noch ein Netzabschlußgerät, ein sogenannter Network Terminator (NT) in den Räumen des Nutzers installiert.

"Dem Netzabschluß kommen eine Vielzahl von Aufgaben zu:

- Bereitstellung einer standardisierten Schnittstelle [..., s.u.]
- Fehlerdiagnose und Störungseingrenzung

Der Netzabschluß beinhaltet technische Einrichtungen, die eine schnelle Fehlerdiagnose und Störungseingrenzung ermöglichen, ohne dafür in den privaten Bereich der Endstellenbetreiber eindringen zu müssen. Eventuell auftretende Störungen können so [...] erkannt und behoben werden.

- Anpassen [der Signale von der Endstellenseite] an die Übertragungseigenschaften des Netzes [und umgekehrt] [...]
- Spannungsversorgung der Telefone Die Spannungsversorgung für bis zu vier am Basisanschluß betriebene ISDN- Telefone erfolgt über den Netzabschluß. Werden mehr als vier Telefone am Basisanschluß angeschlossen, bedarf es einer zusätzlichen Spannungsversorgung, für die der Kunde selbst sorgen muß.
- Schutz des Netzes bei Fehlern im Endstellenbereich [...]"

1.3 ISDN-Schnittstellen

Je nachdem, ob es sich um einen Basis- oder um einen Primärmultiplexanschluß handelt und welche Leitungstechnologie verwendet wird, kommen sowohl auf der Benutzer- als auch auf der Netzseite unterschiedliche Schnittstellen zum Einsatz.

1.3.1 Schnittstellen am Basisanschluß

Von der ISDN-Vermittlungsstelle werden, wie oben schon erwähnt, zwei Kupferleitungen an den NT herangeführt. Dem NT bietet sich eine sogenannte UK0- Schnittstelle. "Über sie werden brutto 160 kbit/s übertragen - zuzüglich zu den zwei B- Kanälen und dem D-Kanal kommt [...] noch ein Service- und Signalisierungskanal."

Der NT wandelt nun das von der Vermittlungsstelle kommende Signal um und stellt anwenderseitig eine "international standardisierte S0-Schnittstelle" zur Verfügung. Die S0-Schnittstelle macht die drei Kanäle des Basisanschlusses (zwei B-Kanäle, einen D- Kanal) für den Endbenutzer zugänglich.

Der S0 -Anschluß ist 4polig. Der Anschluß erfolgt über 8polige sogenannte ‘Westernstecker’ nach RJ-45 mit in der Regel nur vier belegten Anschlüssen. In der Terminologie der Deutschen Telekom heißen die S0-Steckdosen IAE (ISDN Anschlußeinheit).

1.3.1.1 Anschlußausführungen (Mehrgeräte- und Analagenanschluß) Den Basisanschluß gibt es in zwei unterschiedlichen Ausführungen:

- Der Mehrgeräteanschluß wird in der Ortsvermittlungsstelle so konfiguriert, daß auf der Teilnehmerseite ein Bussystem realisiert werden kann: Bis zu zwölf IAEen können auf dem Bus angebracht werden, acht Endgeräte dürfen gleichzeitig an der S0-Schnittstelle angeschlossen werden. Dieses Verfahren nennt man Point-to-multipoint.

Die Ortsvermittlungsstelle sendet dabei ihre Informationen auf den gesamten Bus, die Endgeräte erhalten alle die Information über z.B. einen ankommenden Ruf. Das erste Gerät, das der Vermittlung signalisiert, es sei kompatibel mit dem ankommenden Dienst und bereit den Anruf anzunehmen (beispielsweise, wenn der Hörer eines Telefons abgenommen wird), wird mit dem anrufenden Teilnehmer verbunden.

- Der Anlagenanschluß ist für Point-to-point-Übertragung ausgelegt.

Auch hier stellt kommt aus dem NT die S0-Schnittstelle. Allerdings kann nur ein einziges Endgerät, in der Regel eine Telefonanlage oder eine spezielle PC-Karte, angeschlossen werden. Sie ist dafür verantwortlich, daß die ihr nachgeschalteten Geräte eine entsprechende Signalisierung erhalten. Im Gegensatz zum Basisanschluß, wo einzelne, voneinander unabhängige Rufnummern vergeben werden, Erhält man beim Anlagenanschluß einen Rufnummernblock, der eine Basisnummer beinhaltet. Der Benutzer kann selbst Durchwahlnummern definieren, z.B. die Durchwahl ‘-0’ für die für die Zentrale.18

1.3.2 Schnittstellen am Primärmultiplexanschluß

Beim Primärmulitiplexanschluß ist in der BRD die S2M -Schnittstelle gebräuchlich. '2M' steht für 2 Mbit/s. Er wird über zwei Kupferdoppeladern, also vier Leitungen, oder zwei Glasfasern an den NT herangeführt.

Von der Vermittlungsstelle zum Netzwerkabschluß heißen die Schnittstellen UK2Mfür Kupferverkabelung und UG2M bei Glasfasern.

Der Primärmultiplexanschluß ist ausschließlich als Anlagenanschluß (Point-to-point) erhältlich.

1.3.3 Übertragungsverfahren der S-Schnittstellen

Die Daten auf dem S 0- und dem S2M-Kanal erfolgen zeitseriell. Das heißt, daß ‘Rahmen’, also gewisse Bitfolgenabschnitte gebildet werden, in denen die Nutzdaten der einzelnen Kanäle nacheinander übertragen werden. Dies geschieht mit einer hohen Datenrate, so daß die Datenraten für die einzelnen Kanäle gewähleitstet bleiben.

Die parallele Datenübertragung auf zwei B-Kanälen ist also lediglich ein Erklärungsmodell für die Funktionsweise des ISDN. "Bei der S0-Schnittstelle sind es 48 bit, die im Takt von 4000 Hz (also alle 250 ms) jeweils [in einem Rahmen] neu zusammengestellt werden."

In jedem Rahmen werden zwei Byte pro B-Kanal und 4 bit für den D-Kanal zusammengefaßt. Die restlichen 12 bit dienen der Steuerung und Sysnchronisation.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Rahmentruktur bei der S 0 -Schnittstelle 20

1.3.4 Anschlußmöglichkeit für Telefonanlagen

Telefonanlagen können sowohl am Anlagen- als auch am Mehrgeräteanschluß angeschlossen werden. Sie können auf der netzabgewandten Seite sowohl wiederum S0- Mehrgeräte- oder Anlagenanschlüsse, S2M -Schnittstellen, analoge Telefonanschlüsse oder proprietäre Interfaces zur Verfügung stellen.

Teil II: D-Kanal-Protokolle

"Anfang 1989 wurde ISDN offiziell in Deutschland eingeführt. Zu diesem Zeitpunkt gab es zwar schon weitreichende CCITT-Empfehlungen, aber noch keinen verbindlichen internationalen Standard. Auf Basis der bereits vorhandenen Empfehlungen entstand das Protokoll 1TR6, d.h. die nationale ISDN-Version.

Ende 1993 war ISDN flächendeckend in den alten Bundesländern verfügbar.

Gleichzeitig wurde DSS 1 als zumindest europaweit standartisiertes Protokoll unter dem Namen Euro-ISDN eingeführt."

Die Übertragung im D-Kanal setzt sich aus drei Schichten zusammen.

Die unterste Schicht, auch Schicht 1 genannt, ist für die reine Bitübertragung zuständig. Dies geschieht nach den ITU-Empfehlungen I.430 und I.431. Schicht 2 wird als Sicherungsschicht bezeichnet. Sie "übernimmt die gesicherte Übermittlung der Steuerinformationen und der eventuell im D-Kanal übertragenen paketierten Daten" (ITU-Empfehlungen Q.920 und Q.921).

Schicht 3 schließlich ist die Vermittlungsschicht. "Innerhalb dieser Schicht wird die eigentliche Benutzersignalisierung realisiert. Dazu gehören die Funktionen, die sowohl zum Auf- und Abbau von ISDN-Verbindungen als auch zur Realisierung von ISDNDienstmerkmalen erforderlich sind.19 "

In der dritten Schicht manifestiert sich der Unterschied zwischen nationalem und Euro- ISDN. Nur sie mußte beim Übergang auf Euro-ISDN angepaßt werden. Das Schicht-3- Protokoll DSS 1 (Digital Subscriber Signalling System No. 1), das in den ITU- Empfehlungen I.930 und I.931 beschrieben wird, wird allerdings nur für die Kommunikation zwischen Vermittlungsstelle und Endgerät eingesetzt. Für die Steuerung zwischen den Ortsvermittlungsstellen wird das Zeichengbesystem Nr. 7 verwendet (Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Steuerung und Datenübermittlung

Die Kommunikation in Schicht 3 des D-Kanals erfolgt über DSS 1-Nachrichten. Dies sind Bytefolgen mit einer maximalen Länge von 260 Byte.

Eine Schicht-3-Nachricht besteht aus einem Nachrichtenkopf und ggf. zusätzlichen Nachrichtenelementen.

Der Nachrichtenkopf enthält folgende Elemente:

- Protokolldiskriminator

Ein Byte, das die Information darüber trägt, welches Protokoll zur D Kanalkommuniktaion verwendet wird. Der Protokolldiskriminator für das DSS 1- Protokoll hat den Wert 8.

- Referenznummer

Da mehrere Anrufe und Steuerungstransaktionen gleichzeitig über einen D-Kanal in Bearbeitung sein können, muß eine für die betreffende Verbindung eindeutige Referenznummer angegeben werden. Diese wird entweder vom ISDN-Endgerät oder von der ISDN-Vermittlungsstelle vergeben, je nachdem, von welcher Seite die erste Nachricht dieser Transaktion gesandt wurde. Die Referenznummer dient nur zur Kommunikation von Endgerät und Vermittlung. Sie wird nicht über das Netz transportiert. Die Länge der Referenznummer beträgt 1..3 Byte, das erste Byte enthält die Längenangabe.

- Nachrichtentyp

Je nachdem, welche Information übermittelt werden soll, wird der Nachrichtentyp auf den entsprechenden Wert gesetzt. Die Empfehlung Q.931 definiert 25 Nachrichtentypen, von denen nachfolgend einige anhand eines Beispiels erläutert werden sollen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Schematischer Anrufablauf im D-Kanal bis zu dem Zeitpunkt, an dem die beiden Gegenstellen eine Verbindungüber einen B-Kanal aufgebaut haben.

Endeinrichtung A sendet eine SETUP-Message, um einen Verbindungsaufbau einzuleiten. In der Nachricht können unter anderem Quell- und Zielrufnummer und der gewünschte B-Kanal angegeben werden. Daraufhin empfängt die Endeinrichtung eine SETUP-ACKNOWLEDGE-Message, die anzeigt, daß die SETUP-Message empfangen wurde, aber zum Verbindungsaufbau noch weitere Informationen nötig sind.

Diese werden mit den INFORMATION-Nachrichten an das Netz übermittelt. Der Haupteinsatzzweck ist die Wahl während der User schon das Freizeichen hört. Bei der Blockwahl werden dem Endgerät hingegen vor dem Senden der SETUP-Nachricht alle Informationen eingegeben, so daß beim ersten kontakt mit dem Netz in einer Nachricht alle Notwendigen Parameter übergeben werden können.

Nachdem der gerufene Anschluß eindeutig identifizierbar ist, stellt das Netz eine D- Kanalverbindung zu ihm her und sendet die SETUP-Nachricht, vorausgesetzt, es stehen noch B-Kanäle zum Verbindungsaufbau zur Verfügung. Ist dies nicht der Fall, sendet das Netz eine RELEASE COMPLETE- oder DISCONNECT-Nachricht, in der der Grund für das Nichtzustandekommen der Verbindung vermerkt wurde (nicht in der Abbildung).

Wird hingegen eine SETUP-Nachricht versandt, können wiederum wie in j die Nummer des Anrufenden, die Rufnummer, auf der der Anruf singnalisiert wird, die Dienstekennung sowie eine Angabe über den zu verwendenden B-Kanal, sowie zusätzliche Daten übertragen werden.

Der durchbrochene Pfeil im Bild nach dem Eintreffen der SETUP Nachricht am Endgerätepool B soll symbolisieren, daß alle Endgeräte im Pool diese Nachricht erhalten und nun darauf reagieren können, aber nicht reagieren müssen.

Unter Endgerätepool ist eine Menge von Endgeräten gemeint, auf die die Adressierung zutrifft. So können beispielsweise ein Telefon und eine ISDN-PC-Karte darauf programmiert sein, die selbe Rufnummer zu überwachen und dabei auf unterschiedliche aber auch auf gleiche angeforderte Dienstmerkmale (z.B. Telefonie und digitales Fax) reagieren.

Innerhalb eines gewissen Zeitintervalls wartet das Netz auf eine ALERTING-Nachricht aus dem Endgerätepool.

Die ALERTING-Nachricht teilt dem Netz mit, daß mindestens ein Endgerät bereit ist, den Ruf anzunehmen, daß aber vor der Verbindung noch ein endgeräteinterner Prozeß ablaufen muß (z.B. muß das Telefon klingeln, bevor jemand abnimmt). Das Netz sendet nun seinerseits eine ALERTING-Nachricht an den rufenden User, der damit ebenfalls über diesen Sachverhalt aufgeklärt wird.

Ist ein Endgerät in der Lage, eine Verbindung über einen B-Kanal aufzubauen, sendet es die CONNECT-Nachricht, die auch der rufende User übermittelt bekommt. Das Netz sendet dem Endgerät danach eine CONNECT ACKNOWLEDGE-Nachricht, um dem Endgerät mitzuteilen, daß es den B-Kanal belegen kann. Dies muß geschehen, um den Fall abzufangen, daß mehrere Endgeräte in einem kurzen Zeitintervall die CONNECT-Nachricht senden. Hier muß das Netz das erste antwortende Endgerät feststellen und ihm die Verbindung erlauben.

Nun können Daten auf dem B-Kanal übertragen werden. Soll eine Kanalbündelung erfolgen, muß diese Prozedur für jeden B-Kanal wiederholt werden.

Ausblick

Die Übertragungsleistungen der Kupferdoppelader sind mit ISDN noch nicht ausgeschöpft. Als ISDN-Nachfolger wird zur Zeit ADSL (Asymmetric Digital Subscriber Line) diskutiert. Die Technologie ist zum Teil vergleichbar mit ISDN, z.B. erfolgt das Signalling ebenfalls out-band, also über einen separaten Kanal. ADSL ist, wie der Name vermuten läßt, ein asymmetrisches Verfahren, bei dem bis zu 640 kbit/s vom Nutzer zum Netz (upstream) und bis zu 9 Mbit/s vom Netz zum Nutzer (downstream) übertragen werden können. ISDN und der analoge Telefondienst sollen im ADSL integriert werden.

Die Asynchronität prädestiniert ADSL zum Empfang von Multimediadaten, wie zum Beispiel bei der Internetnutzung, da der Nutzer hier in der Regel weniger Daten zum Netz sendet, als er empfängt. Inwiefern ADSL ISDN für professionelle Telefonie zu ersetzen vermag, bleibt abzuwarten. Eventuell besteht auch die Möglichkeit, daß sich ISDN durch raschen Ausbau des offenbar zukunftsträchtigeren ADSL und anderer verwandter Technologien als Bestandteil von ADSL international stärker verbreitet als bisher. Allerdings ist es mindestens ebenso wahrscheinlich, daß ISDN außerhalb Deutschlands durch ADSL seine technische Relevanz vollkommen verliert.

Literatur

Badach, Anatol; Merz, Knut; Müller, Stefan: ISDN und CAPI, Berlin, Offenbach 1994 Boesen, Albert; Meilen, Matthias; Kötz, Wilf01

16 von 16 Seiten

Details

Titel
Einführung in Anschlußtechnologien und Euro-ISDN
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Institut für Publizistik-undKommunikationswissenschaften PS 28 540: Systematik der IuK-Technologien
Note
1
Autor
Jahr
1998
Seiten
16
Katalognummer
V94890
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine kurze (!) Einführung in die Anschluß- und Leitungstechnologie des ISDN-Netzes, sowie eine ebenfalls knappe Einführung in das Protokoll, das man als Euro-ISDN kennt
Schlagworte
Einführung, Anschlußtechnologien, Euro-ISDN, Institut, Publizistik-undKommunikationswissenschaften, Systematik, IuK-Technologien
Arbeit zitieren
Simon Berg (Autor), 1998, Einführung in Anschlußtechnologien und Euro-ISDN, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94890

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