Die Arbeit thematisiert Seefahrtsmetaphern und ihre Funktion in Andreas Gryphius' „Leo Armenius", "Carolus Stuardus" und "Papinian“, unter besonderer Berücksichtigung von Hans Blumenbergs "Schiffbruch mit Zuschauer".
Dem Philosophen Hans Blumenberg dient die Eröffnung des zweiten Buchs Lukrez’ „De rerum natura“ als Initialbild für die 1979 publizierte Schrift „Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher.“ Anhand einer Vielzahl von Beispielen aus Philosophie und Literatur von der Antike bis ins 20. Jahrhundert untersucht er den Wandel der Bedeutung von Schiffbruch Metaphern.
Inhaltsverzeichnis
1. Seefahrt und Souveränität in Trauerspielen von Andreas Gryphius
1.1 Schiffbruch mit Zuschauer – Paradigma einer Daseinsmetapher
1.2 Leo Armenius – Das Drama der konstantia
1.3 Ermordete Majestät oder Carolus Stuardus – Das Staatsschiff in der Krise
1.4 Papinianus – Die Synthese aus Machtkonflikt und Souveränität
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Schiffbruchsmetaphorik in den Trauerspielen von Andreas Gryphius, wobei insbesondere die Korrelation zwischen dem barocken Ideal der constantia und dem metaphorischen Topos des „Schiffbruchs mit Zuschauer“ (nach Hans Blumenberg) analysiert wird, um das Verhältnis von politischer Souveränität und menschlicher Fragilität zu ergründen.
- Die Funktion der nautischen Metaphorik im barocken Weltbild.
- Die Darstellung politischer Herrschaft und deren Scheitern im Drama.
- Die Rolle des Herrschers als beobachtender „Zuschauer“ der eigenen Gefährdung.
- Die Analyse der Trauerspiele Leo Armenius, Carolus Stuardus und Papinianus hinsichtlich ihres Metapherngebrauchs.
Auszug aus dem Buch
Seefahrt und Souveränität in Trauerspielen von Andreas Gryphius
Diese Szenerie eröffnet das zweite Buch von Lukrez’ De rerum natura. Dem Philosophen Hans Blumenberg, der dieser Tage anlässlich seines 100. Geburtstags flächendeckend in den Feuilletons geehrt wird, dient sie als Initialbild für die 1979 publizierte Schrift Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher. Anhand einer Vielzahl von Beispielen aus Philosophie und Literatur von der Antike bis ins 20. Jahrhundert untersucht er den Wandel der Bedeutung von Schiffbruchsmetaphern. Der Mensch, so Blumenberg, „führt sein Leben und errichtet seine Institutionen auf dem festen Lande. Die Bewegung seines Daseins im ganzen jedoch sucht er bevorzugt unter der Metaphorik der gewagten Seefahrt zu begreifen. Das Repertoire dieser nautischen Daseinsmetaphorik ist reichhaltig. Es gibt Küsten und Inseln, Hafen und hohes Meer, Riffe und Stürme, Untiefen und Windstillen, Segel und Steuerruder […]. Oft dient die Vorstellung der Gefährdungen auf der hohen See nur dazu, die Behaglichkeit und Ruhe, die Sicherheit und Heiterkeit des Hafens vorzustellen, in dem die Seefahrt ihr Ende finden soll.“
Voraussetzung für jene „Bedeutungslast“ sei nicht nur das Meer als „naturgegebene Grenze des Raumes menschlicher Unternehmungen“, sondern auch als „Sphäre der Unberechenbarkeit, Gesetzlosigkeit, Orientierungswidrigkeit“. In Blumenbergs Interpretation der oben zitierten Lukrez’schen Konstellation steht weniger das Verhältnis von „leidenden und nicht-leidenden“ Menschen, also Schiffbrüchigem und Zuschauer, im Vordergrund, nicht das Vergnügen am Unglück des Anderen, als vielmehr der „Genuß des eigenen unbetroffenen Standorts“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Seefahrt und Souveränität in Trauerspielen von Andreas Gryphius: Einleitung in die Thematik der Schiffbruchsmetaphorik unter Bezugnahme auf die Philosophie Hans Blumenbergs.
1.1 Schiffbruch mit Zuschauer – Paradigma einer Daseinsmetapher: Theoretische Herleitung der Verbindung zwischen der barocken Daseinsform und der nautischen Bildwelt, insbesondere im Hinblick auf das Ideal der constantia.
1.2 Leo Armenius – Das Drama der konstantia: Untersuchung von Gryphius' erstem Trauerspiel hinsichtlich der Frage, wie die Titelfigur ihre Souveränität in einer turbulenten, nautisch codierten Welt behauptet.
1.3 Ermordete Majestät oder Carolus Stuardus – Das Staatsschiff in der Krise: Analyse des Dramas über König Karl I. und dessen Stilisierung als imitatio christi im Angesicht der politischen Katastrophe.
1.4 Papinianus – Die Synthese aus Machtkonflikt und Souveränität: Betrachtung des letzten Trauerspiels, das als formale und inhaltliche Synthese der vorangegangenen Stücke hinsichtlich der Zuschauer-Position gedeutet wird.
Schlüsselwörter
Andreas Gryphius, Schiffbruch, Blumenberg, Barock, Trauerspiel, Daseinsmetapher, Constantia, Souveränität, Leo Armenius, Carolus Stuardus, Papinianus, Staatsschiff, Machtkonflikt, Zuschauer-Metaphorik, Literaturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Verwendung nautischer Metaphern, insbesondere das Bild des Schiffbruchs, in den Dramen von Andreas Gryphius vor dem Hintergrund barocker Weltanschauungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Philosophie der Daseinsmetaphorik nach Hans Blumenberg, die barocke Vorstellung von constantia (Beständigkeit) und die politische Dimension von Herrschaftsbildern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Gryphius die Metaphorik des Schiffbruchs nutzt, um das Handeln und die Souveränität seiner Protagonisten im Spannungsfeld zwischen politischer Krise und innerer Haltung zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die intertextuelle Bezüge zu philosophischen Werken (Lukrez, Blumenberg, Lipsius) herstellt und diese auf die Dramentexte von Gryphius anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von drei spezifischen Trauerspielen: Leo Armenius, Carolus Stuardus und Papinianus, wobei jeweils deren nautische Bildlichkeit analysiert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Andreas Gryphius, Schiffbruch mit Zuschauer, barocke Metaphorik, Constantia, Souveränität und Staatsschiff.
Wie unterscheidet sich die Interpretation der Rolle des Königs in „Carolus Stuardus“ von der in „Leo Armenius“?
Während Leo Armenius seine Position durch aktive, wenngleich prekäre Selbstbeobachtung zu sichern versucht, inszeniert sich Karl in Carolus Stuardus als imitatio christi, die über die irdischen Wirren erhebt.
Welche Bedeutung kommt dem „festen Grund“ in der Arbeit zu?
Der „feste Grund“ symbolisiert sowohl die physische Sicherheit des Zuschauers als auch das moralische oder politische Fundament, das Gryphius’ Figuren in einer von Unbeständigkeit geprägten Welt suchen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Seefahrt und Souveränität in Trauerspielen von Andreas Gryphius, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/948936