Vergleich von Print- und Onlinezeitschrift am Beispiel der "Werben und Verkaufen"


Seminararbeit, 1999

15 Seiten


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Gliederung

1. Funktion des Journalismus
1.1 Funktionen der Medien in der Demokratie

2. Besonderheiten des Mediums Internet, im Hinblick auf Online-Zeitungen
2.1 Multimedialität
2.2 Vernetzung
2.3 Große Speicherkapazität
2.4 Globale Verbreitung
2.5 Permanente Aktualisierbarkeit mit minimaler Reaktionszeit
2.6 Selektiviät und Interaktivität

3. Print- und Onlineversion der „Werben&Verkaufen“ im Vergleich
3.1 Untersuchungskriterien
3.2 Umfang
3.3 Struktur
3.4 Unterschiede innerhalb der Artikel
3.5 Serviceelemente
3.6 Zeitdifferenz
3.7 Interaktivität
3.8 Vernetzung

4. Zusammenfassung und Ausblick

5. Anhang:
5.1 Literatur

1. Funktion von Journalisten

„Medien dürfen alles und müssen nichts“, so kritisierte der Schriftsteller Martin Walser1 im Jahr 1993 die Arbeit der Journalisten in der Bundesrepublik. Ganz so einseitig ist die journalistische Tätigkeit jedoch nicht zu sehen. Die Medien erfüllen für die Gesellschaft wichtige Aufgaben. Diese sozialen Funktionen sollen hier kurz aufgeführt werden.

1.1 Funktion der Medien in der Demokratie

Den Massenmedien werden in der Demokratie, drei sich teilweise überschneiden- de Funktionen zugeordnet: Sie haben zu Informieren, bei der Meinungsbildung mitzuwirken, und die Regierung zu kontrollieren und Kritik auszuüben. Um ihren Pflichten gerecht zu werden, sollten Journalisten so vollständig, sachlich und verständlich wie möglich informieren, damit ihre Rezipienten in der Lage sind, dasöffentliche Geschehen zu verfolgen. Ihre Aufgabe ist es den Nutzern die wirt- schaftlichen, sozialen und politischen Kontexte zu vermitteln. Die Medien sollen diese komplexen Zusammenhänge entwirren und so jedem ermöglichen sich in Gesellschaft und Politik zurechtzufinden. Das beinhaltet auch die Möglichkeit für die Nutzer sich aktiv daran zu beteiligen.

Diese Verpflichtung verlangt vom Journalisten ein weit gefächertes Wissensspektrum und die Fähigkeit Sachverhalte klar darzustellen.

Auch bei der Meinungsbildung spielen die Massenmedien eine wichtige Rolle. Sie diskutieren Fragenöffentlichen Interesses. Stellen verschiedene Positionen vor, und bieten so dem Leser die Möglichkeit sich seine „eigene Meinung“ zu bilden. „Den Boden für neues Denken, Innovation und neue Zielbestimmungen zu bereiten, ist auch Aufgabe der Medien2 “, so Rita Süssmuth 1993.

Ebenso sollte es Aufgabe der Medien sein, Gruppen, die nicht im Parlament ver- treten sind, oder die keine ausreichende Lobby besitzen, zu Wort kommen zu las- sen. Ihnen wird also die Vertretung von Minderheiten zugesprochen. Im parlamentarischen Regierungssystem liegt die Aufgabe der Opposition darin, die Regierung zu kontrollieren, undöffentlich Kritik auszuüben. Diese wird unterstützt durch die Kritik- und Kontrollfunktion der Medien. Durch die Berichterstattung der Medien war es schon mehrmals möglich, Skandale aufzudecken, die dem einfachen Bürger sonst verborgen geblieben wären. Die Medien haben in diesem Bereich viel Macht, und die Karriere eines Politikers steht und fällt nicht selten, mit dem Wohlwollen, oder der Kritik der Medien. Diese Macht sollte sorgfältig und ab- wägend eingesetzt werden. Um objektiv zu bleiben sollte nicht einseitig berichtet werden. Außerdem sollte, um dem Rezipienten die Freiheit der Entscheidung, über richtig oder falsch, nicht abzuerkennen, immer klar erkennbar sein, wo eine Nachrichtenmeldung aufhört und die Meinung des einzelnen Journalisten anfängt.

Eine weitere Funktion, die Medien in der in der modernen Gesellschaft zu leisten haben, ist es zu unterhalten. Sie bieten dem Nutzer eine Vielzahl von Möglichkeiten sich zu entspannen und vom Alltag Abstand zu nehmen. Zudem liefern sie so oft den Hintergrund für soziale Kommunikation. Die Medien legen durch ihre Berichterstattung die Agenda der Themen fest über die in der Gesellschaft geredet wird. Ohne die Medien, die die Komplexität des gesamten Lebensumfelds verringern, ist ein Leben, in der heutigen Gesellschaft kaum vorzustellen.3

2. Besonderheiten des Mediums Internet, im Hinblick auf Online-Zeitungen

Das Internet wurde, als Kind des kalten Kriegs, dazu geschaffen, im Falle eines nuklearen Angriffs, die Funktion der Netzwerke sicherzustellen, und so die aka- demische und militärische Forschung in Amerika zu schützen. Doch heute ist es auf dem Weg sich zu einem Massenmedium zu entwickeln, das den Printmedien ernsthaft Konkurrenz machen kann. Das Internet untersteht keiner kommerziellen Organisation, deshalb sind die meisten dort angebotenen Dienste kostenlos. Die Zahl der Internet-Nutzer ist in den letzten Jahren so drastisch gestiegen, daß auch die Zeitungsverlage vor dieser neuen Entwicklung die Augen nicht mehr ver- schließen konnten4. Ihr vorrangiges Ziel ist es nun, die eigene Position auf dem Leser- und Anzeigenmarkt zu sichern. So befinden sich die Verlage in einer para- doxen Situation: Verharren sie in ihrer sicheren Position, auf dem (Print-) Zei- tungsmarkt, riskieren sie, dass andere Anbieter die traditionellen Felder der Zeitung neu besetzen. Forcieren sie hingegen die Entwicklung selbst, tragen sie dazu bei, daß sich Online-Inhalte mit denen der Zeitung überschneiden und sie sich so selber die zahlenden Leser wegnehmen.5 Und doch, die Hinwendung zu den neu- en Medien, ist über kurz oder lang für die Verlage unumgänglich: Christopher J. Feola, Direktor des Media Center am „America Press Institute in Reston, prognos- tiziert, daß nur jene Zeitungsverlage erfolgreich sein werden, die sich künftig als Informationsunternehmen verstehen. Er sieht eine Parallele zum Niedergang der amerikanischen Eisenbahn Gesellschaften, die in der Konkurrenz zum neuen Au- tomobil unterlegen gewesen waren. Aus dem einfachen Grund: „because they failed to understand that they were in the transportation business, not in the train business“6.

In dieser Hinsicht ist in den letzten Jahren viel passiert. Seit dem die „Schweriner Volkszeitung“ im Mai 1995, als erste Zeitung online ging, sind fast alle namhaften Zeitungen und Zeitschriften nachgezogen. Laut dem Bundesverband deutscher Zeitungsverleger7 publizierten im Februar 1999, 148 Zeitungen im Internet. Online findet man die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die „Welt“ oder auch die „BildZeitung“, um nur drei der namhaftesten zu nennen.

Durch sein großes technisches Potential bietet das Medium Internet eine Vielzahl von Möglichkeiten, die es im folgenden zu diskutieren gilt.

2.1 Mulitmedialität

Das World Wide Web (WWW) ist ein Dienst im Internet, der 1989 entwickelt wur- de. Das WWW bietet eine einheitliche Bedieneroberfläche und die Möglichkeit der Einbindung multimedialer Komponenten. Es erlaubt die Kombination von Text, Fotos, Graphiken, Video, Animationen und Tönen. Allerdings nutzen die Zeitungs- anbieter im Internet diese Möglichkeiten noch sehr spärlich. Das liegt jedoch nur zu einem kleinen Teil an den technischen Grenzen. Ein weiterer Grund ist der dadurch entstehende personelle Aufwand. Vor allem aber, werden in der Ver- wendung mulitmedialer Elemente auch rechtliche Probleme gesehen. „Wir kommen dann in den Grenzbereich zum Rundfunk, wie gehen wir dann mit der Medienrecht-Gesetzgebung um. Das neue Multimediagesetz hat da ganz enge Rah- men. Wir haben hier eine Landesanstalt für neue Medien, die sehr stark darauf achtet, dass keine rundfunkähnlichen nhalte angeboten werden“, so G.A. Schrei- ber, Leiter der Abteilung Multimedia des Süddeutschen Verlags, im Juli 1997.8 Zudem neigen die Verlage dazu, das Internet als ein rein publizistisches Medium zu sehen. Verbreitet wird demnach meist eine, mehr oder minder genaue Kopie der Printausgabe.

2.2 Vernetzung

Das WWW arbeitet mit dem Hypertextprinzip. Ein Hypertext-System besteht aus multimedialen Dokumenten (Text, Bild, Ton, Video), die netzartig miteinander ver- knüpft sind. Der Leser ist dadurch an keine Reihenfolge beim Durchblättern der einzelnen Seiten gebunden. Durch Anklicken der in der Regel blau gekennzeich- neten Dokumentelemente („Links“) wird der Leser zum nächsten Dokument wei- tergeleitet.

Hier ist grundsätzlich zwischen drei Arten von Links zu unterscheiden. Es sind Sprünge möglich:

- In der Seite selbst („seiten-intern“)
- In eine andere Seite der selben Webpräsentation („site-intern“)
- Der Sprung aus dem eigenen Angebot weg in eine andere Präsentation („ex- tern“)

Bei Online- Zeitungen findet man immer mehr seiten-interne, wie auch site-interne Links. Diese dienen dazu, dem Nutzer das Auffinden von Zusatzinformationen im eigenen Angebot zu erleichtern. Sie sind der Ersatz für das Blättern der Zeitung. Mit externen Links wird, vor allem bei Tageszeitungen, noch sehr zögerlich umge- gangen. Hier muß schnell publiziert werden und so ist es dem Redakteur nicht immer möglich , aus der Informationsflut des Internet, passende, und vor allem zuverlässige Informationen herauszusuchen, und den Lesern anzubieten.

Bei der Normierung des Rezeptionsverlaufs liegt das Hypertextprinzip zwischen der Freiheit des Zeitung lesen, wo je nach Interesse vor und zurück geblättert werden kann, und dem weitreichendem Zwang des Programmflusses beim Fernsehen9. Das räumliche Nebeneinander, das das Bild der gedruckten Zeitung prägt, wird von der Größe des Bildschirms eingeschränkt. Ersatz für das Schweifen des Blickes, beim Überfliegen einer Zeitung, oder das Weiterblättern sind die Links, die jedoch nur einen Teil der denkbaren Möglichkeiten anbieten.

Da das Hypertextprinzip eine andere Art der Rezeption des Textes verlangt, ist es auch Aufgabe von Online-Journalisten, dem Rechnung zu tragen. Es muß Ab- stand genommen werden vom rein linearen Erzählen. Da der Leser, je nach Inte- resse, von Informationseinheit zu Informationseinheit springen kann, sollten diese „Informationshäppchen“ auch so angerichtet werden, daß man sich hier sowohl kurz informieren kann und auch die Möglichkeit besteht, Hintergrundinformationen abzurufen.

Ein Vorteil den das Internet bietet ist, daß hier, im Gegensatz zur gedruckten Zeitung, kein Platzmangel herrscht. Dies bietet die Möglichkeit Zusatzinformationen, die den Rahmen der Zeitung sprengen würden zu einem Thema anzubieten. So ergänzen sich Print- und Onlineausgabe einer Zeitung.

2.3 Große Speicherkapazität

Das Internet ist ein riesiges, kaum ausfüllbares „Nachrichtenloch“10 Hier finden Journalisten, wie auch Leser vor allem zwei Angebote.

Zum einen Datenbänke mit Abrufinformationen. Vor allem im Service-Bereich leis- ten sie gute Dienste, stellen andererseits aber auch eine Gefahr für die Einnah- mequellen der Zeitungen dar. Hier werden zum Beispiel Kfz-, oder Wohnungsan- gebote veröffentlicht, die es dem Nutzer ermöglicht, schnell und einfach, durch vorheriges Eingrenzen des Gesuchten, die in Frage kommenden Angebote zu fin- den. Zum anderen halten Verlage große Archive bereit. Ältere Beiträge wandern nicht, wie bei der gedruckten Zeitung ins Altpapier oder verstauben in Archivregalen, sondern bleiben für den Rezipienten lange Zeit abrufbar. Das Archiv, das so auch ein Teil des journalistischen Gesamtprodukt wird, muß aber auch gewartet werden. Ein offenes, leicht zugängliches Archiv, schafft eine Transparenz journa- listischer Berichterstattung11. Da die Beiträge, die hier hineingestellt werden, nicht der Vergänglichkeit der Zeitung unterliegen, muß vorher von den betreuenden Journalisten gewissenhaft entschieden werden, was hier publiziert wird und was nicht.

2.4 Globale Verbreitung

Ein weiteres Kennzeichen von Computermedien ist ihre Globalität. Durch die Computernetze sind sie, theoretisch überall auf der Welt gleichzeitig, zu empfan- gen. Weltweit dürften im Web mehr als 3.00012 Zeitungen vertreten sein. Das bringt dem Leser auf der einen Seite ein schier unglaubliches Maß an Zei- tungsvielfalt, schafft aber für die Verlage grenzenlose Konkurrenz. Hier ist es allein der Name der Zeitung, durch den das Online-Produkt hohe Glaubwürdigkeit erhält. An den 1998 von Andrè Duck13 erhobenen Nutzungsdaten fällt auf, daß vor allem, nicht im regionalen Verbreitungsgebiet Wohnende, die Angebote nutzten. Vor al- lem jene, die angeben früher einmal im jeweiligen Gebiet gewohnt zu haben, freu- en sich über die Möglichkeit, sich so über das regionale Geschehen zu informie- ren. Fast ein Viertel nutzt das Online-Angebot aus dem Ausland.

2.5 Permanente Aktualisierbarkeit, bei minimaler Reaktionszeit

Das Internet ist ein schnelles Medium. Genau wie bei Fernehen und Hörfunk ist es hier möglich, Dinge im Moment ihres Geschehen zu publizieren. Damit können die Zeitungsverlage in der Aktualität zum Rundfunk aufschließen. Es gibt keine festen Aktualisierungszeitpunkte und keine „Dead-Line“ mehr. In der Regel werden Online-Zeitungen ein bis zweimal am Tag aktualisiert. Nicht mit eingerechnet sind hier die Angebote, die einen „Nachrichtenticker“ wie den Dienst von dpa-Online, oder den Ticker den die w&v-online auf ihrer Seite eingerichtet haben. Dieser ergänzt das aktuelle Webangebot mehrmals täglich um aktuelle Nachrichten.

2.6 Selektivität und Interaktivität

Wenn das Wort „Internet“ fällt, so muß man meist nicht lange auf das Wort Interak- tivität gewartet werden. Doch häufig wird hier Interaktivität mit Selektivität ver- wechselt.

Der Rezipient selektiert, wenn er unter vorab festgelegten, standardisierten Handlungsoptionen beim Mediengebrauch wählen kann. Er bewegt sich also, in unserem Falle, zum Beispiel in einem Hypertextsystem und kann entscheiden, welche Seite er zunächst sehen möchte.

Von Interaktivität spricht man erst dann, wenn ein Gegenüber auch auf die Anfra- gen reagiert. Als interaktive Elemente in Zeitungen findet man vor allem „News Groups“, in denen sich Interessierte zu einem Thema äußern. Hier kommt es oft zu einem regen Austausch von E-mails, die von den Nutzern direkt ins Netz ge- stellt werden können. Weitere Möglichkeiten der Interaktion, die sich immer größe- rer Beliebtheit erfreuen, sind etwa „Live Chats“, in denen mehrere Personen in „Echtzeit“ miteinander kommunizieren können, Mailinglisten, Diskussionsforen oder Gästebücher.

Ein weitere Möglichkeit, die zur Zeit sehr häufig diskutiert wird, sind individuell zu- sammengestellte Zeitungen, wie „Daily me“. Hier kann der Nutzer sich eine, mit den ihn interessierenden Themen gefüllte Zeitung zusammenstellen, die er täglich abrufen kann. Dieses wird jedoch kritisiert, da die Zeitung hier ihre integrative Kraft für die Gesellschaft verliert, da es so keine gemeinsame Themenagenda mehr gibt14.

3. Print- und Onlineversion der Werben &Verkaufen im Vergleich

Im Folgenden sollen die medienspezifischen Unterschiede zwischen der Print- und der Onlineausgabe der Wochenzeitung „Werben &Verkaufen“ herausgestellt wer- den. „w&v online - das Netz der Kommunikation“ ist die tagesaktuelle Online- Tochter des Branchenmagazins. Hier findet man, wie auch in der Print-Ausgabe aktuelle Informationen rund um die Werbe- und Medienbranche, Verlage, Agenturen und Unternehmen. Das Web-Angebot, der wöchentlich erscheinenden Zeitung umfaßt etwa 200 Artikel.

Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit ist die 9. Ausgabe der w&v, vom 26.02.99 und die entsprechende Online-Ausgabe.

3.1 Untersuchungskriterien

Die Unterschiede der beiden Publikationen sollen, in Anlehnung an Christoph Neubergers Untersuchung: “Nachrichten-Recycling oder Online-Journalismus?“15 anhand folgender Kriterien heraus gearbeitet werden: Zunächst werden Umfang und Struktur der Ausgaben verglichen. Danach soll auf die Unterschiede innerhalb eines Artikels eingegangen werden. Zuletzt werden die Serviceleistungen, die Zeitdifferenz der Publikation, sowie die interaktiven Elemente, die die Online- Ausgabe bietet, untersucht.

Da die Untersuchung der vollständigen Ausgaben den hier gebotenen Rahmen sprengen würde, wurden repräsentativ erscheinende Ausschnitte ausgewählt, und anhand dieser die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dargestellt.

3.2 Umfang

Die Online-Ausgabe der w&v setzt mehr auf Service, als auf bloße Abkupferung der Print-Ausgabe. Auf der Homepage, also der Startseite, befindet sich ein Link, zur aktuellen Ausgabe. Hier kommt man zum Inhaltsverzeichnis, welches eine Ko- pie der Print-Ausgabe ist16. Dieses Inhaltsverzeichnis soll den Leser reizen, sich die Print-Ausgabe zu kaufen, denn in der Online-Ausgabe sind nur vier von 84 Artikeln zu lesen.

Ziel der Online Publikation ist es nicht, sich die zahlenden Leser selbst wegzunehmen, sondern, Angebote zu schaffen, die die Parallelnutzung beider Ausgaben empfiehlt und forciert.

3.3 Struktur

Von der Struktur her unterscheiden sich die beiden Angebote ebenfalls relativ stark, da ja wie erwähnt, die w&v-online zum größten Teil aus Zusatzangeboten besteht. Die Ressorts News, Marketingkommunikation, Agenturen, Medien, Multimedia, Job&Karriere und Rubriken, die den Inhalt der Print-Ausgabe bestimmen, erhalten in der Online-Ausgabe nur einen sehr geringen Anteil. Die OnlineAusgabe bietet statt dessen, eine Vielzahl zusätzlicher Datenbanken an, auf die im Punkt „Service“ noch näher eingegangen wird.

3.4 Unterschiede innerhalb der Artikel

Diese Untersuchung kann sich nur auf die vier, aus der Printausgabe übernommenen Artikel, der Online Ausgabe beziehen. Hier interessiert vor allem, ob die Artikel direkt, also Wort für Wort übernommen wurden, oder ob sie, den medienspezifischen Anforderungen gemäß, überarbeitet wurden.

In denen, im Internet publizierten vier Artikeln der w&v, wurden die redaktionellen Beiträge wortwörtlich aus der Printausgabe übernommen. Meist steht dahinter ein rechtlicher Grund: Die Rechte an den Artikeln besitzen die Autoren. Die Online- Redakteure können die Beiträge also nicht nach Belieben kürzen oder umschrei- ben.

Die Unterschiede der Print - und der Online Ausgabe finden sich bei der w&v allein in der Darstellung. Im Artikel: “Autowerbung - Feintuning und Facelifting“17 wurden die Fotos an anderen Stellen eingefügt, zudem sind nur drei, der ursprünglich vier Fotos abgebildet. Des weiteren wurden die zwei Graphiken, die in der Print-Ausgabe zu finden sind, hier ganz weg gelassen.

In dem Artikel: „PR - keine Tabus18 “ wurde ebenfalls ein Bild, wie auch ein zum Beitrag gehörender Infokasten weggelassen. Dies wohl aus technischen Gründen, da sonst die Ladezeit der Seite, auf ein nicht mehr zumutbares Maß steigen wür- de.

Die Artikel: „Kirchen“19 und „Springer & Jacoby“20 wurden, weder inhaltlich, noch in der Darstellung verändert.

3.5 Servicebereiche

Wie schon oben erwähnt, setzt die w&v-online vor allem auf den Servicebereich. Auf ihrer Homepage sind zahlreiche Datenbanken zu finden, in denen sich der Nutzer meist kostenlos Informationen aus dem Netz holen kann.

In der Online-Ausgabe finden sich zehn Service-Angebote:

- Die Jobbörse, zum schnellen Durchsuchen des Stellenmarkts · Die Praktikabörse
- Das Kampagnenarchiv · Das Etatarchiv
- Das w&v Business-Wetter
- Termine: 200 Seminare, Messen, Veranstaltungen · w&v Weckruf (externer Link)
- Die web-Rolle, der Online-Dienst für die werbetreibende Wirtschaft
- Who is who, ein Archiv über die „Leute“ der Branche, mit 2500 Einträgen
- Der Dienstleisterguide, zum Auffinden der idealen Direktmarketing-, Event- oder Internet- Agentur.

Diese Fülle an Angeboten, kann die Print-Ausgabe natürlich nicht leisten. So ergänzen sich die beiden Publikationen. Keine nimmt der Anderen eines ihrer spezifischen Gebiete weg, und wird so zur eigenen Konkurrenz. Statt dessen werden Zusatzangebote, die zum einen werbewirksam sind, und zum anderen die Anforderungen der Zielgruppe ganz befriedigen, geboten.

Eine weitere Leistung die die w&v-online ihren Kunden bietet ist der Ticker. Dieser wird täglich zwei, bis dreimal aktualisiert und bietet das Aktuellste aus der Werbeund Medienbranche. Diesen Ticker, der stets etwa 15-20 Meldungen enthält, ist in vier Ressorts aufgeteilt: Agenturen, Medien, Interaktiv und Unternehmen. Der Ticker kann entweder direkt im Internet abgerufen werden, oder wird auf Bestellung einmal täglich als E-mail verschickt.

3.6 Zeitdifferenz

Im Zusammenhang mit der Publikation von pressespezifischen Inhalten im Inter- net wird oft vom Vorteil der Zeitersparnis gesprochen. Im Internet kann ja zeit- gleich mit der Produktion auch publiziert werden. Die w&v-online nutzt dies vor allem bei ihrem Ticker. Ebenso kann man die aktuelle Ausgabe, schon am Abend vor dem Erscheinen der Printausgabe im Internet abrufen. Doch hier entsteht, auf Grund der geringen Übernahmequote keine Gefahr, daß den zahlenden Lesern der Print-Ausgabe Nachteile gegenüber den Online-Lesern entstehen.

3.7 Interaktivität

Mit interaktiven Elementen geht die w&v-online sehr sparsam um. Es ist zwar ein Gästebuch, das sogenannte „Forum“21 vorhanden, in das sich pro Woche, etwa fünf bis zehn Leser eintragen. Es werden meist Leserbriefe über im Heft, oder der Online-Ausgabe befindliche Themen geschrieben. Antworten der Redaktion sind jedoch sehr selten.

Den Nutzern der Internet-Ausgabe wird zudem noch die Möglichkeit geboten, an einer wöchentlichen Umfrage teilzunehmen. Von Interaktivität kann man auch hier kaum sprechen, da kein menschliches Gegenüber auf die Eingabe reagiert. Den Redakteuren der Online-Ausgabe können zusätzlich direkt per Mausklick E- Mails geschrieben werden. Hier läßt sich jedoch keine Aussage treffen, in welchem Maße diese Anfragen der Leser beantwortet werden.

3.8 Vernetzung

In der w&v-online sind viele Links zu finden. Schön ist vor allem die Navigations- leiste22 gestaltet, die immer zu sehen bleibt, und von der aus, zu jeder Zeit, in je- des Angebot gesprungen werden kann. Und doch sind die Möglichkeiten des Hy- pertexprinzips nicht völlig ausgeschöpft. Es gibt zwar keine Seite im Web- Angebot, auf der nicht mindestens ein site-interner Link angebracht ist. Auf den meisten Seiten sind auch seiten-interne Links zu finden, die dem Leser ermögli- chen wieder zum Anfang eines Artikels zu springen. Doch da die längeren Artikel,aus der Print-Ausgabe lediglich übernommen wurden, und keine weiterführenden Links eingesetzt wurden, sind sie weniger gut zu lesen, da man auf Grund der einschränkenden Größe des Bildschirms ständig weiter „scrollen“ muß. Die einzigen externen Links führen, zum Ableger der w&v, dem „new media report“ und zum „Weckruf“. Weitere rein externe Links sind nicht vorhanden.

4 Zusammenfassung und Ausblick

Die „w&v-online“ ist, wie auch ihre Schwester die Zeitschrift „Werben und Verkau- fen“ ein sehr erfolgreiches Produkt. Dem Verlag ist es gelungen, sich durch die im Internet publizierte Online-Ausgabe nicht selbst zur Konkurrenz zu werden: Jede Publikation hat einen anderen Schwerpunkt den sie bedient. Während die „Wer- ben und Verkaufen“ seit Jahren fester Bestandteil der Lektüre eines jeden aus der Werbe- und Medienbranche ist, bietet die „w&v-online“ weiterführende Informatio- nen und Serviceleistungen an. Die Online-Publikation ist übersichtlich gestaltet, und läßt in ihrer Aufmachung sofort das Stammprodukt wieder erkennen. So ist das Vertrauen, das die Leser, der Print-Ausgabe entgegenbringen gut auf die On- line-Ausgabe übertragen worden. Fotos und graphische Elemente werden anspre- chend eingesetzt, weitere multimediale Elemente sind nicht zu finden, stellen bei diesem Angebot jedoch auch keinen großen Verlust dar.

Das Online-Angebot der w&v ist eine sehr gute Ergänzung der Zeitung und trägt zum positiven Image der Zeitschrift bei, ohne die Bedeutung des Print-Produkts zu beschneiden.

5. Anhang

5.1 Literatur

- Baer, Oliver: Online-Zeitungen und elektronisches Publizieren, in: Wilke, Jür-
gen; Imhof, Christiane (Hrsg.): Multimedia. Vorraussetzungen, Anwendungen, Probleme, Berlin 1997, S.225-234
- Bleuel, Jens: Online publizieren im Internet, Pflustadt 1995
- Bundeszentrale für politische Bildung(Hrsg.): Massenmedien, Bonn, 1998
- Dernbach, Beatrice; Rühl, Manfred; u.a.(Hrsg.): Publizistik im vernetzten Zeitalter, Opladen 1998
- Falken Verlag(Hrsg.): Das große Falken Buch moderner Zitate, in Infopedia,Niederhausen 1996
- Meier, Klaus(Hrsg.): Internet-Journalismus, Konstanz, 1998
- Neuberger, Christoph; Tonnemacher, Jan (Hrsg.): Online, die Zukunft der Zeitung?, Opladen 1999
- Wagner, Franc: Sind Printmedien im Internet Online-Medien? In: Pfammatter, René (Hrsg.): Multi-Media-Mania, Reflexionen zu Aspekten neuer Medien, Konstanz 1998, S.191-211
- Werben und Verkaufen, Ausg. Nr.8 <26.02.99>
- www.bdzv.de <22.02.99>
- www.wuv.de <26.02.-01.03.99>

[...]


1 Infopedia, Niederhausen, 1996

2 Infopedia, Niederhausen, 1996

3 Vgl.: Bundeszentrale für politische Bildung(Hrsg.): Massenmedien, Bonn, 1998, S.3 ff

4 Derzeit nutzen der Gfk-online Studie zufolge 8,4 Millionen Personen in Deutschland zumindest gelegentlich das Internet

5 Vgl. Neuberger: Vom Papier auf den Bildschirm, in:ders. (Hrsg.): Online- Die Zukunft der Zeitung, Opladen, 1999, S.54

6 Neuberger, Christoph: Vom Papier auf den Bildschirm, in ders. (Hrsg.) Online - die Zukunft der Zeitung?, Opladen, 1999, S.33

7 www.bvdz.de <22.2.99>

8 Mehlen, Matthias: Die Online Redaktionen deutscher Tageszeitungen, in: Neuberger (Hrsg.) Online, die Zukunft der Tageszeitung, Opladen, 1999; S. 112

9 Vgl.Neuberger: Vom Papier auf den Bildschirm, in: ders.: Online - die Zukunft der Zeitung, Opladen, 1999 S.35

10 Vgl. Neuberger: Vom Papier auf den Bildschirm, in: ders.: Online - die Zukunft der Zeitung, Opladen, 1999, S. 36

11 Vgl.: Meier, Klaus: Internet-Journalismus, Konstanz, 1998, S.77ff

12 Vgl. Neuberger, Vom Papier auf den Bildschirm, in: ders.: Online - die Zukunft der Zeitung, Opladen, 1999 S.38

13 Duck, André: Männlich, gebildet, jung, liest, in: Neuberger (Hrsg.), S. 168ff 8

14 Vgl.:Neuberger, S. 41

15 Neuberger: Nachrichten-Recycling oder Online-Journalismus, in:ders: Online-Die Zukunft der Zeitung?, Opladen, 1999 S.252ff.

16 Siehe Anhang

17 W&V, Ausg.:8, 26.02.99, S.8

18 ebenda, S.124

19 ebenda, S.20

20 ebenda, S.116

21 siehe Anhang

22 siehe Anhang

15 von 15 Seiten

Details

Titel
Vergleich von Print- und Onlinezeitschrift am Beispiel der "Werben und Verkaufen"
Veranstaltung
Proseminar II, Medienlehre Presse
Autor
Jahr
1999
Seiten
15
Katalognummer
V94918
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleich, Print-, Onlinezeitschrift, Beispiel, Werben, Verkaufen, Proseminar, Dozentin, Frau, Nawratil, Medienlehre, Presse
Arbeit zitieren
jule scherer (Autor), 1999, Vergleich von Print- und Onlinezeitschrift am Beispiel der "Werben und Verkaufen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94918

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