Medien in Südtirol -"Die Dornenkrone"


Hausarbeit, 1996
17 Seiten

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Vorgeschichte zur Dornenkrone

Exkurs:

Zur Analyse in den drei Tageszeitungen:

Alto Adige - Il Mattino - Dolomiten
Ad Graphik 1: Anzahl der Artikel
Ad Graphik 2: Anzahl der Bilder
Ad Graphik 3, 4 und 5: Abbildungen Dolomiten, Alto Adige, il Mattino
Ad Graphik 6: Artikelerscheinungen auf der Titelseite
Ad Graphik 7: Journalistische Form
Ad Graphik 8: Verfasser der Artikel
Ad Graphik 9: Bewertungen der Artikel
Ad Graphik 10: Bedruckte Seiten vom 16.-30.09.1997

Exkurs: Politiker-ranking in den untersuchten Medien

Schlußbemerkung

Einleitung

In der Medienlandschaft Südtirol haben wir aufgrund der ethnischen Bevölkerungskonstellationen, sowohl deutsch- als auch italienischsprachige Tageszeitungen. Dabei handelt es sich um die deutschsprachigen Tageszeitungen Dolomiten und Tageszeitung; und um die italienischsprachigen Tageszeitungen Alto Adige und il Mattino. Sei es die Dolomiten, wie der Alto Adige sind die ältesten und am meist verbreitesten Tageszeitungen in Südtirol. Durch das in Südtirol vorhandene ethnische cleavage, was sich auch in der Berichterstattung der Medien niederschlägt, haben wir im vorliegenden Beitrag untersucht inwieweit dies bestätigt wird. Zu diesem Zwecke haben wir über einen Zeitraum von zwei Wochen (15.-30.09.1997) die Tageszeitungen Dolomiten, Alto Adige und Il Mattino bei deren Berichterstattung über die Polemik, welche durch die beabsichtigte Aufstellung der Dornenkrone vor der Innsbrucker Hofburg entstanden war analysiert

Vorgeschichte zur Dornenkrone

Das Tiroler Gedenkjahr 1984 begann in positiver Weise durch den Besuch des italienischen Ministerpräsidenten Bettino Craxi in Wien. Einer der Hauptgesprächspunkte war die Behandlung der noch offenen Durchführungsbestimmungen des Paketes". Craxi wurde vomösterreichischen Außenminister Erwin Lanc aufgefordert die schon ausgehandelten Maßnahmen endlich durchzuführen. Craxi reagierte positiv. Das änderte sich allerdings im Herbst 1984.

Ein Festumzug, der anläßlich der 175-Jahr-Feier des Tiroler Freiheitskampfes von 1809 in Innsbruck durchgeführt wurde, ließ die Emotionen wieder hochgehen. Neben Plakaten, wie Los von Rom", erregte besonders eine von den Schützen mitgetragene Dornenkrone, die das Leiden der Südtiroler unter der italienischen Fremdherrschaft" dokumentieren sollte, nicht nur die Gemüter der italienischsprachigen Bevölkerung Südtirols, sondern es fand auch ein breites Echo in den nationalen Medien Italiens.

Aber die Dornenkrone war inzwischen keine Neuigkeit mehr, als die Schützen bei dem oben erwähntem Umzug damit aufmarschierten. Bereits im Jahre 1959 trugen die Schützen eine Dornenkrone durch Innsbruck. Da aber diese Dornenkrone am Passionsspielort Erl aufgestellt wurde, war es schwierig das aufgestellte Denkmal ab- und wieder aufzubauen. Dem Leutascher Schmied Arnold Mair wurde die Herstellung einer neuen Dornenkrone in Auftrag gegeben. Obwohl der Wiltener Schützenkomandant Ganahl es heftig dementierte1, wurde dieser Auftrag in Millionenhöhe (ital. Lire) von rechtsextremen Kreise2 initiiert und mit Geldern der Hermann-Niermann-Stiftungs3 finanziert.

Das Kunstwerk"4 sollte dann im Jahre 1984 nach dem Festumzug als Denkmal irgendwo aufgestellt werden. Dieser Plan wurde damals auch von Altlandeshauptmann Wallnöfer mitunterstützt. Und so kam es daß in den Jahren 1985/86 mehrere Standorte dafür ins Auge gefaßt wurden, ohne daß letztendlich die Ausfindung eines definitiven Standortes ausgemacht wurde.

So lag dann die Dornenkrone über zehn Jahre vergessen im Hof des Innsbrucker Zeughauses und störte niemanden. Bis das Gespenst der Dornenkrone wieder auftauchte. Aufgrund eines Beschlusses des Innsbrucker Gemeinderates unter Leitung von Bürgermeister Herwig van Staa (Schwiegersohn von Altlandeshauptmann Eduard Wallnöfer) sollte sie am 27.09.1997 offiziell als Denkmal vor der Hofburg aufgestellt werden. Dies verursachte erwartungsgemäß einen Aufschrei der Empörung seitens der italienischenöffentlichkeit und führte zu einer Reihe von Polemiken, die sich vor allem in den lokalen Medien Südtirols niederschlug.

Exkurs:

Die verschiedenen Stellungnahmen von Politikern und Persönlichkeiten zum Thema der festlichen Aufstellung der Dornenkrone

- Für Südtirols Altlandeshauptmann Silvius Magnago und für Bischof Gargitter5 bedeutete der Festumzug mit der Dornenkrone anläßlich des Tiroler Gedenktages" im Jahre 1984 als eine Niederlage.
- Erhard Hartung, 1. Sprecher der Kameradschaft der ehemaligen Südtiroler Freiheitskämpfer, schreibt am 30.07.1997 in einem Brief an die Nord- und Südtiroler Politiker, wo er wie folgt kommentiert: Die Aufstellung der im Landesfestzug 1984 mitgetragenen Dornenkrone an einen würdigen Platz in der Landeshauptstadt liegt uns am Herzen. Damit soll nicht provoziert, sondern an erlittenes Leid erinnert werden..."
- Der Publizist und Historiker Wolfgang Pfaundler, der in Italien wegen Terrorismus verurteilt wurde und in Nordtirol großes Ansehen genießt, erklärte in einem Interview mit dem ORF: mit der Aufstellung werden zwar nicht alle aufgrund der Reaktionen die vom Ausland zu erwarten sind einverstanden sein, aber ich befürworte dies, weil man damit den Gedanken an Südtirol aufrecht erhält und damit man sich nicht an die derzeitige Situation eines in zwei Teilen zerrissenen Landes so einfach gewöhnt"6
- Innsbrucks Bürgermeister Herwig van Staa erklärte am 17.09.1997 7 : mir gefällt die Dornenkrone sehr gut und ich sehe sie als ein wirkliches Erinnerungsstück".
- Der Landeshauptmann Wendelin Weingartner vertrat dieselbe Meinung von BM van Staa und bezeichnete die Dornenkrone als ein zeitgeschichtliches Dokument" für eine Phase, die zu einem relativ guten Ende gekommen sei. Sie stellt aber kein Denkmal dar, sondern sie sollte in der Bevölkerung als ein Symbol des Leids durch die Abtrennung Südtirols präsent. bleiben"8
- Der Bürgermeister von Bozen Salghetti Drioli sah dies anläßlich einer Pressekonferenz am selben Tag ganz anders. Er bezeichnete die Dornenkrone als äußerst geschmacklos", welche als ein Symbol des Martyriums Christi erneut für politische Zwecke mißbraucht wird"9 indem man sie in den Rang eines Denkmals zu erheben versucht.
- Der Gemeinderat der Stadt Bozen, Guido Margheri sieht in der Aufstellung der Dornenkrone eine Initiative die zu einer Destabilisierung der Autonomie und das friedliche Zusammenleben der Volksgruppen", sowie die Freundschaft zwischenösterreich und Italien"10 führen würde.
- Die TiroleröGB11 -Jugend tritt für das Einschmelzen der Dornenkrone und hält die geplante Denkmalsetzung als ein nationalistisches Outing"12 des Innsbrucker Bürgermeisters.
- Der Bundesmajor der Südtiroler Schützen, Stephan Gutweniger sah die Notwendigkeit dieses Denkmal zu errichten. Die Dornenkrone ist ein Symbol für die Trennung Tirols, nix weiters", verlautete er in einem Interview mit der Tageszeitung. 13
- Der stellvertretende Landeshauptmann von Südtirol Michele Di Puppo läßt die Arme fallen: Das verstehe ich nicht. Weingartner und van Staa sind in verschiedenen europäischen Initiativen aktiv, und dann kommen sie mit so etwas daher und stellen in Innsbruck eine Art Pendant auf."14
- Der Innsbrucker Politologe und Rechtsextremismus-Experte Reinhold Gärtner sieht die Krone als Indiz der mangelnden Sensibilität der Tiroler Politiker. Er befürchtet, daß die Dornenkrone ein Angelpunkt für nationalistische Gruppen werden könnte."15
- Gert Amman, Direktor des Landesmuseum Ferdinandeums, bezeichnet die Dornenkrone in einen Leserbrief als Unding".16
- Der angeseheneösterreichische Politologe Anton Pelinka kommentierte am 24.09.97 im Standard den Streitfall Dornenkrone". Die Tiroler Politik fördert mit der Dornenkrone ein unheilvolles Tirolklischee. Zu diesem wirklichkeitswidrigen Bild gehört die Beschwörung eines bäuerlichen Landes, das es längst nicht mehr gibt. Und dazu zählt auch die Instrumentalisierung religiöser Zeichen für politische Zwecke..."17
- Der Landeshauptmann von Südtirol, Luis Durnwalder erklärte in der Presse": von Dornen für Südtirol könne man nicht sprechen. Die Aufstellung der umstrittenen Dornenkrone in Innsbruck würde nur Wunden aufreißen. Uns ist nicht gedient, wenn wir in rechte Eck gedrängt werden. Deshalb wollen wir nicht, daß nach einem Aufmarsch der Faschisten beim Siegesdenkmal in Bozen ein Aufmarsch der Rechten in Innsbruck stattfindet"18.
- Für den Innsbrucker Dozenten für Zeitgeschichte Michael Gehler war nämlich die aktuelle Dornenkrone ein idealtypischer Indikator"19 für das Verhältnis zwischen Südtirol und Nordtirol.
- Der Leiter des Tiroler Landesinstituts, Benno Erhard erklärte: immer wieder stellt man in solchen Diskussionen fest", wobei er die Dornenkronen-Diskussion meint, daß sich die Nordtiroler als die besseren Südtiroler aufspielen."20
- Der ehemalige Botschafter und als Staatssekretär im Außenministerium tätige Ludwig Steiner kann dies nur unterstreichen: Die Südtiroler wissen sehr wohl, was sie für richtig halten."21
- Selbst der freiheitliche Stadtsenator, Florian Federspiel, rückte von diesem Vorhaben ab: Wird die Dornenkrone nämlich vor der Hofburg aufgestellt, dann könnte sie die Aufmerksamkeit der italienischen Touristen und ihren Unmut erregen. Dies zum Schaden der Innsbrucker Tourismuswirtschaft."22
- Auch SVP-Obmann Siegfried Brugger äußerte sich mit Trittsicherheit, wenn es um die Dornenkrone geht: Die Dornenkrone ist in ihrer Vermessenheit und verirrten Überhöhtheit das Symbol der Exilattentäter im Kampf um Anerkennung und Ehre."23

Abschließend kann gesagt werden, daß bei diesem Exkurs zum Thema Dornenkrone die Meinungen quer durch den ethnischen Schrebergarten gehen und sich stark differenzieren.

Die Stellungnahmen auf der Tiroler Seite gehen diesbezüglich vielfach auseinander, während die Südtiroler ein klares Nein" zur Dornenkrone vertreten.

Zur Analyse in den drei Tageszeitungen:

Alto Adige - Il Mattino - Dolomiten

Wie bereits eingangs unserer Untersuchung erwähnt, haben wir für unsere Analyse die drei auflagenstärksten Tageszeitungen Südtirols (Dolomiten - Alto-Adige - il Mattino) vom 15. bis 30. September 1997 herangezogen, wobei alle Artikel, die über die Dornenkrone berichteten, näher unter die Lupe genommen wurden.

Da der Umfang der Berichterstattung größer war, als anfangs von uns angenommen, sahen wir uns gezwungen eine Art Schablone zu entwerfen, um die betreffenden Medien Tag für Tag nach dem unten ausgewählten Schema getrennt zu untersuchen. Nachstehend kann auf übersichtlicher Weise festgestellt werden, zu welchem Zeitpunkt, in welchem Ausmaß und in welcher Art die untersuchten Tageszeitungen über die Dornenkrone berichtet haben.

Schließlich haben wir in einer zweiten Phase die erfaßten Informationen mit Hilfe eines Tabellenkalkulationsprogrammes grafisch ausgewertet: angefangen bei der Anzahl der Artikel, Anzahl der Bilder, der Bilderinhalte, der Titelseitenerscheinungen, der Artikelplazierungen insgesamt, der Ausfindigmachung der Verfasser und bis hin zur Bestimmung der journalistischen Form.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 1

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Graphik 1: Anzahl der Artikel

Bei vorliegendem Kurvendiagramm ist die Anzahl der Artikel über die Dornenkrone im untersuchtem Zeitraum auf übersichtlicherweise graphisch dargestellt. Dabei wurden die meisten Artikel, wobei wir alle Artikel inklusive Leserbriefe in Betracht gezogen haben, vom Alto Adige mit insgesamt 32 Artikel, der Mattino mit insgesamt 31 Artikel und die Dolomiten mit insgesamt 24 Artikel redigiert.

Bei einer gegenüberstellenden Analyse der drei untersuchten Tageszeitungen lassen sich folgende Besonderheiten feststellen: der Alto Adige hat an vier Tagen mehr über die Dornenkrone geschrieben als die anderen beiden Tageszeitungen. Dies war am 17., 18., 23. und 24. September 1997 der Fall. Während der Mattino am 19. und 23. September das Primat an Veröffentlichungen erreichte, trat dies hingegen bei der Dolomiten erst am 25. und 30. September ein, wobei sie am 30. September nur Leserbriefe zu diesem Thema abdruckte. Ein weiterer interessanter Aspekt war, daß der Mattino über den gesamten Zeitraum ununterbrochen über die Thematik berichtete, während der Alto Adige eine Unterbrechung am 27., 29. und 30.09.1997 hatte, indem er darüber überhaupt nicht berichtete und die Dolomiten ebenfalls eine Unterbrechung am 19., 20., 21., 22., 27. und 28.09.1997 hatte.

Obwohl die Dolomiten am 30.09.1997 insgesamt 8 Artikel (alles Leserbriefe) veröffentlichte, bleibt der Mattino absoluter Spitzenreiter durch die Veröffentlichung von 7 Artikeln am 23. September, gefolgt vom Alto Adige, mit 5 Artikeln am 24. September.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 2

Ad Graphik 2: Anzahl der Bilder

Wie bereits bekannt, wird durch die Ergänzung von Bildmaterial, die Aussagekraft eines veröffentlichten Artikels verstärkt. So verwendeten auch die drei Tageszeitungen eine Vielzahl von Bildmaterial, um auch den oberflächlichsten Leser" fesseln zu können. Wie aus der Grafik hervorgeht, verwendet der Mattino mit insgesamt 9 Bildern am 23.09.1997 die größte Anzahl davon, während der Alto Adige mit insgesamt 6 Bilder am 18.09.1997 folgt und schließlich die Dolomiten mit 3 Bilder am selben Tag an letzter Stelle steht. Man könnte von der Annahme ausgehen, daß die Anzahl des veröffentlichten Bildmaterials in unmittelbaren Zusammenhang mit der Anzahl der veröffentlichten Artikeln steht. Dies trifft allerdings so nur beim Mattino zu, welcher an jenen Tagen wo er am meisten Artikeln veröffentlichte auch das meiste dazugehörige Bildmaterial mitveröffentlichte. Während der Alto Adige am 18.09.1997 die 4 publizierten Artikel mit 6 Bildern und am 24.09.1997 die 5 veröffentlichten Artikel lediglich mit 3 Bildern ausstattete. Ähnliches Phänomen kann man auch bei der Dolomiten beobachten, wo am 18.09.1997 die 3 Artikel mit ebenfalls 3 Bildern versehen wurden und am 25.09.1997 hingegen die 4 erschienen Artikel ohne Bildmaterial ausgestattet wurden.

Grafik 3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ad Graphik 3, 4 und 5: Abbildungen Dolomiten , Alto Adige , il Mattino

Als weiterer Schritt wurde untersucht, welches Bildmaterial die drei Tageszeitungen verwendeten. Dabei konnten einige Gemeinsamkeiten festgestellt werden, und zu diesem Zwecke wurde das untersuchte Bildmaterial verschiedenen Kategorien zugeordnet: Dornenkrone, Schützen, Schützenumzug mit Dornenkrone, verschiedene Politiker, Karikaturen und Sonstiges ( wo unter anderem die Abbildung vom Stift Stams eingeordnet wurde). Auffällig war in diesem Zusammenhang, daß die beiden italienischen Tageszeitungen Alto Adige und Mattino Bilder von Politikern bevorzugten, während die Dolomiten vorwiegend Karikaturen einsetzte. Außerdem verwendete der Alto Adige das Bild des Schützenumzuges mit der Dornenkrone häufiger als das Bild mit der bloßen Dornenkrone. Der Mattino hingegen setzte das Bild der Schützenöfters als jenes des Schützenumzuges mit der Dornenkrone ein. Ferner kamen im Alto Adige überhaupt keine Karikaturen vor, während der Mattino und die Dolomiten ihrerseits im selben Ausmaß sehr wohl Karikaturen verwenden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 6

Ad Graphik 6: Artikelerscheinungen auf der Titelseite

Im Zeitraum vom 16.9. - 30.9.1997 wurden die Tageszeitungen Dolomiten, Alto Adige und il Mattino daraufhin untersucht, wieviele Artikel zum Thema Dornenkrone auf der Titelseite der jeweiligen Tageszeitung veröffentlicht wurden. Dabei zeigte sich, daß die Dolomiten keinen einzigen Artikel auf der ersten Seite abdruckte. Die Tageszeitung Alto Adige ließ 46 % aller Artikel auf der Seite 1 erscheinen. Il Mattino veröffentlichte 40 % seiner erschienenen Artikel auf der Titelseite.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 7

Ad Graphik 7: Journalistische Form

Im Zeitraum vom 16.9 - 30.9.1997 wurden die Tageszeitungen Dolomiten, Alto Adige und il Mattino nach ihren journalistischen Formen untersucht. Der Bericht wurde von Alto Adige am meisten bevorzugt. Immerhin erschienen von 32 Artikel 27 in Form eines Berichtes. Bei der Tageszeitung il Mattino zeichnete sich ähnliches ab. Von 31 abgedruckten Artikel waren 24 Artikel in Form eines Berichtes veröffentlicht. 1 Artikel war in Form einer Reportage, 3 Kommentare, und 3 Leserbriefe wurden abgedruckt. Anders präsentierte sich die Tageszeitung Dolomiten. Von 24 untersuchten Artikel, waren 9 Berichte, 1 Reportage und 14 Leserbriefe.

Grafik 8

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Ad Graphik 8: Verfasser der Artikel

Alle Artikel im Zeitraum von 16.9. - 30.9.1997, die zum Thema Dornenkrone in den Tageszeitungen Dolomiten, Alto Adige und il Mattino veröffentlicht wurden, wurden unter dem Aspekt untersucht, ob der Verfasser bekannt oder unbekannt ist. Wir kamen zu folgendes Ergebnis: Von 24 erschienen Artikel der Tageszeitung Dolomiten waren 22 mit dem Namen des Verfassers versehen, 2 Artikel waren unbekannten Ursprungs. Alto Adige veröffentlichte 32 Artikel. Von diesen waren 15 mit dem Namen des Verfassers gekennzeichnet, 17 nicht.

Bei der Tageszeitung il Mattino geht die Schere noch weiter auseinander, denn von 31 gedruckten Artikel waren nur 13 Artikel mit dem Namen des Verfassers und 18 nicht sichtlich mit dem Namen des Verfassers versehen.

Grafik 9

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ad Graphik 9: Bewertungen der Artikel

Die zu untersuchenden Tageszeitungen wurden nach ihren Artikeln im bekannten Zeitraum nach ihren Bewertungen bzw. Schreibstil analysiert. Es wurden folgende Kriterien zur Analyse festgelegt:

Positv: das heißt, der Verfasser schreibt den Artikel dahin, daß mehrheitlich Befürworter der Dornenkrone zu Wort kommen, bzw. der Aufstellung der Dornenkrone nichts im Weg legen. Negativ : das heißt, die Artikel wurden so verfaßt, daß auf keinen Fall die Dornenkrone auf einenöffentlich zugänglichen Platz aufgestellt werden könne. Die Gegner kommen hier zur Gänze zu Wort.

Neutral: das heißt, Befürworter und Gegner der Dornenkrone kommen zu gleichen Teilen zu Wort, es bleibt dem Leser vorbehalten, für welche Seite er sich entscheidet. Sonstiges: Dies beinhaltet Leserbriefe der Tageszeitung Dolomiten. Hier wurden Briefe von Leser veröffentlicht, die zwar im Brief das Wort "Dornenkrone" beinhalten, jedoch vom Inhalt ein anderes Thema haben.

Von 24 veröffentlichten Artikel waren bei der Tageszeitung Dolomiten 9 Artikel vorwiegend positiv, 8 Artikel negativ (dies beinhaltet zum großen Teil Leserbriefe, die negativ verfaßt wurden), 5 Artikel wurden neutral abgefaßt und 2 Artikel fallen unter sonstiges. Von 32 abgedruckten Artikel erschien bei der Tageszeitung Alto Adige kein einziger, der uns positiv erschien. 17 Artikel waren negativ und 15 neutral gehalten.

Von 31 Artikel der Tageszeitung il Mattino war ein einziger Artikel für die Aufstellung der Dornenkrone (dieser wurde vom Innsbrucker Bürgermeister Herwig van Staa verfaßt), 19 Artikel waren gegen die Aufstellung der Dornenkrone, 11 Artikel zeigten pro und Kontra zur Aufstellung der Dornenkrone auf.

Grafik 10

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ad Graphik 10: Bedruckte Seiten vom 16.-30.09.1997

Wie bereits aus der ersten Grafik ersichtlich, hat der Alto Adige die meisten Artikel über die Dornenkrone veröffentlicht. Dafür aber hat der Mattino mehr Druckfläche bei seiner Berichterstattung verwendet, nämlich insgesamt acht Seiten, während der Alto Adige sieben Seiten und die Dolomiten lediglich zweieinhalb Seiten insgesamt abdruckte. Bei der Berechnung vorgenannter Druckfläche wurden auch die dazugehörigen Überschriften, Bilder und Untertitel mit berücksichtigt. Alle drei Tageszeitungen verfügen in etwa über dasselbe Seitenformat (ca. 1182 cm2).

Exkurs: Politiker-ranking in den untersuchten Medien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Nummern in Klammern ist die Anzahl der Erscheinungen)

Anhand obiger Tabelle ersieht man, daß für die Berichterstattung der Dornenkrone eine Vielzahl an Bildern von Politikern verwendet wurde. Auffallend dabei ist, daß der Alto Adige und der Mattino, sowohl Bilder von deutsch- als auch von italienischsprachigen Politikern abdruckte. Beim Alto Adige bevorzugte man es sogar mehrmals deutschsprachige Politiker abzubilden. Hierfür wurden Bilder von Silvius Magnago, Herwig van Staa und Wendelin Weingartner jeweils dreimal verwendet. Obwohl die Dolomiten am wenigsten über die Dornenkrone berichtete bediente sie sich ausschließlich mit Bildern deutschsprachiger Politiker.

Schlußbemerkung

Diese hochinteressante Untersuchung über ein so heißes" politisches Thema, wie die Dornenkrone, kristallisierte sich für die an dieser sozialwissenschaftlichen Forschung Beteiligten als einmalige Erfahrung heraus.

Durch die unterschiedliche Behandlung der Thematik seitens der drei großen Tageszeitungen (Alto-Adige, il Mattino, Dolomiten) verfestigte sich der Eindruck über die oftmals zitierte Wertunfreiheit in der Berichterstattung dieser Medien. So kann man durchaus sagen, daß von ihnen kein außerordentlicher Beitrag für die friedliche Koexistenz der beiden bzw. der drei Sprachgruppen in Südtirol geleistet wird. Im Gegenteil die Verfasser dieses Berichtes sind zu dem Schluß gekommen, daß die Sprachgruppen in Südtirol gegeneinander aufgehetzt werden und neue Gräben unter den ethnischen Gruppen aufgerissen werden. Das Zusammenleben der Volksgruppen funktioniert in der Praxis weitaus besser, als es die Medien oft darstellen, dies ist jedoch vor allem der Vernunft der Bevölkerung zuzuschreiben. Natürlich haben auch idealistische Vorkämpfer auf politischer Ebene, wie der allseits beliebte und leider auf so tragische Weise aus unserer Mitte entrissene Alexander Langer, diese Haltung bestärkt. Sicher ist, daß dieses Spiel mit dem Feuer lediglich den zwei Großparteien Südtirols zugute kommt, wo eine sich auf der deutscher Seite befindet und die andere auf italienischen. Ein Umdenken bezug auf dieses Thema wäre an der Schwelle des Dritten Jahrtausends mehr als überfällig.

[...]


1 Profil", Nr. 22.09.97

2 Kameradschaft der ehemaligen Freiheitskämpfer (Erhard Hartung 1. Sprecher), Innsbrucker Burschenschaft Brixia, die verbotene Nationaldemokratische Partei (NDP) (Norbert Burger, Südtirolterrorist und Gründer)...

3 FF", Nr. 39/97, S. 26

4 Tageszeitung", Nr. 182/97, S. 4

5 FF", Nr. 41/97 S. 22

6 ANSA, 15.09.97, 13:50

7 Tageszeitung", Nr. 182/97

8 ebd.

9 ebd.

10 ebd.

11öGB =österreichischer Gewerkschafts Bund

12 Tageszeitung", Nr. 182/97

13 Tageszeitung", Nr. 184/97

14 FF", Nr. 39/97, S. 27

15 Profil", Nr. 39/97

16 Tageszeitung", Nr. 186/97, S. 13

17 Standard", 24.09.1997

18 Die Presse", 26.09.1997

19 ebd.

20 ebd.

21 ebd.

22 FF", Nr. 41/97, S. 23

23 FF", Nr. 42/97, S. 16

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Medien in Südtirol -"Die Dornenkrone"
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Autor
Jahr
1996
Seiten
17
Katalognummer
V94919
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es geht hier um eine Printmedienanalyse ueber ein politisches sehr praegnantes Thema, naemlich der Dornenkrone. Hoffe und glaube, dass diese Arbeit und die Aufarbeitung dieses Themas mehrere interessieren wird, da naemlich so ueber die Suedtiroler Medien nichts gibt
Schlagworte
Medien, Südtirol, Dornenkrone
Arbeit zitieren
Norbert; Sleiter Alexander (Autor), 1996, Medien in Südtirol -"Die Dornenkrone", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94919

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