Die Konstruktion der fremden Identität in Zeiten der Globalisierung und die Mediennutzung von türkischen MigrantInnen. Zusammenhänge und Einflussfaktoren


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

30 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Globalisierung

3. Dezentrierung der Identitäten (nach Stuart Hall)
3.1. Medien als Konstrukteure von Identitätsräumen
3.2. Konstruktion der „fremden Identität“

4. Mediennutzung von MigrantInnen am Beispiel ausgewählter Studien
4.1. Türkisch-niederländisches Online-Forum „Hababam“ als Aushandlungsort der transnationalen Identität
4.2. Fernsehnutzung türkischer MigrantInnen als Beitrag zur Identitätsstiftung in der neuen Heimat

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Was versteht man unter dem Begriff „Globalisierung“ und inwiefern kann dieser Begriff eingegrenzt werden? Wie wirkt sich solch eine postmoderne Erscheinung auf die Gesellschaft und Identitätsbildung aus? Welche zusammenhängenden Aspekte der Globalisierung und der Medienkommunikation rücken dabei in den Vordergrund? Welchen Stellenwert nimmt Migration als ein Teilaspekt der Globalisierung in der postmodernen Gesellschaft ein? Diese Fragen bilden ein grundlegendes Konstrukt für die Ausarbeitung der Forschungsfrage nach der Konstruktion einer fremden Identität in Zeiten der Globalisierung. Unser zentrales Erkenntnisinteresse ist, mit Hilfe der Untersuchung der Mediennutzung von MigrantInnen zu ermitteln, wie die Identität der MigrantInnen als eine fremde Identität hervorgebracht und aufrechterhalten wird. Ergänzend versuchen wir zu klären, ob die Phänomene Globalisierung und Entwicklung der (fremden) Identität parallel verlaufen.

Das Thema der Dezentrierung und Hybridisierung von Identitäten in der post-modernen Zeit, die von Stuart Hall aufgegriffen wird, ist eine Folge, die aus den Globalisierungsprozessen resultiert. Dabei ist es wichtig zu definieren, was „postmodern“ bedeutet, um die heutige Situation korrekt vor dem Hintergrund der Globalisierungsprozesse zu erfassen. In Anbetracht dessen wird die Diskussion zum Thema Migration und Multikulturalität in unserer „zusammenrückenden“ Welt bestärkt. In Deutschland wird oft diskutiert, inwiefern sich die Identitäten der „globalisierten“ Menschen, speziell mit einem Migrationshintergrund, verändern, verschieben oder auch festigen können und welche Rolle dabei die Medien bzw. die Medienrezeption spielt? Diese Diskussion wollen wir in unserer Arbeit aufarbeiten und lehnen uns hierbei an die Arbeiten von Stuart Hall an, denn diese untermauern die erwähnten Standpunkte und bilden somit ein theoretisches Korsett für die weitere Ausarbeitung, die in Berührung mit dem medialen Angebot der globalisierten Gesellschaft kommt.

In den abschließenden Kapiteln der vorliegenden Hausarbeit werden anhand von Studien zur Medienrezeption von MigrantInnen beispielhaft Prozesse der Identitätsbildung beschrieben. Hierbei werden die theoretischen Grundlagen als eine Stütze für die Darbietung des Beispiels dienen.

Im Anschluss werden in einer Schlussfolgerung die Ergebnisse der Untersuchung sowie der gesamten Arbeit und zukünftige Trends zusammengefasst und evaluiert.

2. Globalisierung

Der Begriff der „Globalisierung“ ist zum Sammelbegriff geworden, denn er vereint alle gesellschaftlichen Prozesse, die in dem postmodernen Zeitalter zustande kommen. In unserer Arbeit definieren wir die Moderne als den Zeitpunkt des Aufstiegs des kapitalistischen Unternehmertums und der Etablierung des Systems von Nationalstaaten.1 Das postmoderne Zeitalter dagegen stellt eine Herausforderung der Moderne dar: Staaten verlieren ihre Souveränität, soziale Klassen und nationalstaatliche Institutionen werden von transnationalen Akteuren und Netzwerken einer transnationalen Zivilgesellschaft abgelöst.2 Rasante Veränderungen und Wandlungen wie diese spielen sich in der Politik, Wirtschaft und Kultur, auf der Mikro- und Makroebene, ab. Die Wandlungsprozesse auf der Mikroebene werden im späteren Verlauf der Arbeit detaillierter erläutert.

Die Globalisierung ist ein aktiver Vorgang, der die Welt zu einem globalen Markt, zu einer Weltinnenpolitik3 und zu einem globalen Kulturpalast werden lässt. Demgemäß ist anzumerken, dass das Zustandekommen der globalisierten Welt auf einer gut durchdachten wirtschaftlichen Strategie beruht, die eine weltweite Umstrukturierung und eine Internationalisierung im Bereich der Ökonomie und der damit verbundenen Produktions- und Arbeitsverhältnissen forciert.

Global Players beeinflussen die Entwicklung von globalen Finanzmärkten in großem Maß, einerseits bringen sie auf der Suche nach Märkten Arbeitslosigkeit, Konkurrenz und Wirtschaftskrisen, andererseits auch Dynamik und grenzüberschreitende Verflechtungen sowohl auf dem Arbeitsmarkt, als auch in Kulturen und Gesellschaften.4

Jedoch überwiegt in dem gesellschaftlichen Diskurs der negative Aspekt des Einflusses der Globalisierungsprozesse. Sabine Hess und Ramona Lenz merken in ihrem Buchprojekt „Kulturelle Globalisierung und Geschlecht“ an, dass eine Art von Deregulierungen und Umstrukturierungen „für die meisten Regionen und Menschen der Welt dramatische sozio-ökonomische Verschlechterungen“5 mit sich bringen. Die aufgeführten Auswirkungen auf die Gesellschaft sind das Markenzeichen der postmodernen Zeit, die unmittelbar von den Globalisierungsprozessen geprägt ist.

Neben den ökonomischen Verschiebungen finden soziale und kulturelle Verschiebungen statt. Diese erfolgen auf der Mikroebene: der Wertewandel ist im Aufbruch und die „alten“ sozio-kulturellen Muster gelten nicht mehr. Rolf Frankenberger beschreibt in seiner Arbeit „Gesellschaft – Individuum – Gouvernementalität“ die Ambivalenzen der postmodernen Gesellschaft, die er mit neu geltenden, voneinander abhängenden Eigenschaften wie Flexibilisierung, Enttraditionalisierung und Individualisierung vor dem Hintergrund der Globalisierung charakterisiert. Diese Perspektive ist wichtig für unsere weitere Untersuchung, sodass wir die Multidimensionalität der Globalisierung nachvollziehen und den Bezug zwischen den individuellen Veränderungen und der Bildung von (fremden) Identitäten herstellen können.

Daneben spielt für unsere Arbeit die Globalisierung der Medienkommunikation eine wichtige Rolle. Während die Globalisierung als eine Zunahme weltweiter Konnektivitäten verstanden wird, wird die Globalisierung der Medienkommunikation als ein Prozess der Zunahme weltweiter kommunikativer Konnektivitäten bezeichnet.6 Seit der Etablierung der digitalen und elektronischen Medien haben sich diese Konnektivitäten einerseits intensiviert, andererseits veralltäglicht. Darüber hinaus ist die Globalisierung der Medienkommunikation eine zentrale Herausforderung für die Medienpolitik, denn in der digitalisierten Welt des 21. Jahrhunderts entstehen weiterhin die „alten“ Probleme: Machthabende genießen das volle Nutzen der kommunikativen Konnektivitäten, wodurch regionale kulturelle Hegemonien und Ungleichheiten wie auch kulturelle Konflikte im Rahmen der transkulturellen Kommunikationsprozesse auftreten. Diese Voraussetzungen modifizieren die Identitätsbildung und sind somit für unsere Arbeit vor großer Bedeutung. Im nachstehenden Kapitel veranschaulichen wir zunächst den Stellenwert der Migration in Globalisierung und die damit verbundenen Herausforderungen wie auch „Weltprobleme“7, bevor wir uns dem großen Kapitel der Identitätsbildung widmen.

Migration – ein Weltproblem

Um die Positionierung des Phänomens Migration in einer globalisierten Welt bewerten zu können, muss der Begriff zuerst definiert werden. Migration bzw. Ein- und Auswanderung ist eine hervorgehende Folge bzw. ein Resultat aus den Globalisierungsprozessen, die im gesamtgesellschaftlichen Diskurs verankert ist.

Migration ist ebenfalls ein komplexer und übergreifender Begriff, der unter dem Slogan der Multikulturalität oder auch dem „Integrationsdrama“ zu finden ist.

Sie gehört zu den vier, von Klaus Müller beschriebenen, „Weltproblemen“, zu denen außerdem Umwelt, Armut - globale Ungleichheit und globale Finanzmärkte gehören. Diese „Weltprobleme“ sind in Folge der Globalisierung entstanden und stehen nun im Mittelpunkt der „Weltinnenpolitik“.

Diese „Weltprobleme“ sind allen Menschen in der postmodernen Zeit ein Begriff, denn sie füllen den öffentlichen und medialen Raum aus. Beispielsweise liegt für das Umweltproblem symbolhaft die Klimakatastrophe zugrunde, obwohl diese bereits seit Jahrzehnten im Anlauf ist.8 In unserer Arbeit gehen wir konkret auf das „Weltproblem“ Migration ein, da die anderen Weltprobleme überwiegend in einem indirekten Zusammenhang zu unserer Fragestellung stehen und aus Platzgründen nicht detaillierter erläutert werden können.

Das vierte Weltproblem der Globalisierung, die Migration, resultiert „aus Staatszerfall, Informalisierung und gesellschaftlicher Desintegration“.9 Die zunehmend starke internationale Verflechtung aus Politik, Wirtschaft und Kultur führt zu einer „neuen“ Form von Gesellschaft10, die einerseits von den Grenzverschiebungen und der allgemeinen Liberalisierung profitiert und andererseits in der flexiblen, mediatisierten und individualisierten Weltordnung untergeht.

Reisen und Wohnen, wohin und wo man möchte oder mit Freunden aus allen Teilen der Erde einen Live-Chat zu veranstalten, gehört beispielsweise zu den neuen Möglichkeiten der globalisierten Lebensgestaltung. Der propagierte „flexible Mensch“ kann in dem Zeitalter der Flexibilisierung, der Individualisierung und der Mediatisierung nicht immer den Anforderungen seiner Arbeit, seiner Ausbildung oder ähnlichem standhalten und kann nicht selten daran verzweifeln.

Die Identitätslage der globalisierten Menschen befindet sich somit im Wandlungsprozess, wobei die Aus- und Einwanderung unter anderem einen Einfluss auf die Identitätsbildung und das Aufrechterhalten der Nationalkultur nimmt.

Der Migrationsdiskurs ist fest in der neuen Weltgesellschaft verankert, weil er als eine Konsequenz aus der Auflösung von Staatsgrenzen und aus den immer wachsenden Ungleichheiten auf nationaler und internationaler Ebene resultiert. Migration ist ein Weltproblem, dass mit vielen negativen Seiten besetzt ist, denn es handelt sich in der Regel nicht um die reichen Unternehmerfamilien, die ihren Wohnsitz von Europa aus in die USA verlegen, sondern vielmehr geht es um die Flüchtlingsfamilien. Aufgrund einiger politischer Systeme und teilweise unterdrückender Gesellschaftsstrukturen versuchen Menschen wörtlich vor diesen zu fliehen. Sie immigrieren dem Elend ihres heimischen Landes wegen, in ein reicheres Land, um eine bessere Möglichkeit zum Wohnen, zum Arbeiten und zum Leben zu haben. Ihr Land ist nicht mehr im Stande diese Bedingungen zu bieten, wenngleich dieses Problem aufgrund vielerlei Ursachen, wie zum Beispiel des Staatszerfalles der UDSSR oder der Desintegration von Christen in den muslimisch geprägten Ländern, wie es in dem Kosovo- Konflikt der Fall ist, zustande kommt. Migration wird somit als ein Ausweg in ein neues Leben betrachtet und hängt oftmals mit den neuen Identitätsbildungsprozessen zusammen.

Im Allgemeinen können Migrationsgründe sowohl kultureller, politischer als auch ökonomischer Art sein und unmittelbar den bestehenden Globalisierungsstrukturen, wie ungleicher Ressourcenverteilung oder globaler Finanzregelung, unterliegen.

Auf den Daten aufbauend, offenbart sich die „Globalisierung als ein höchst ungleicher Prozess, der neue und alte Ausbeutungs- und Ungleichheitsverhältnisse entlang von Zentren-Peripherien, Geschlecht, nationaler Zugehörigkeit und Klasse noch verschärft.“11 Die dargestellten Ursachen der Migration haben in erster Linie einen politischen oder wirtschaftlichen Ursprung. Wichtig ist für uns aber auch die Feststellung, dass die kulturellen und sozialen Auswirkungen der „Weltgesellschaft“ die Identitätsbildung von MigrantInnen und ihre Rezeptionsweisen der von uns ausgewählter Medien entscheidend beeinflussen.

Demgemäß beschränken wir uns in unserer Arbeit auf die kulturellen Auswirkungen, die im Rahmen der Migration stattfinden und spezifizieren in den folgenden Kapiteln die Medien als eine machtvolle gesellschaftliche Instanz, die diese Prozesse der Globalisierung ermöglicht.

3. Dezentrierung der Identitäten (nach Stuart Hall)

In diesem Kapitel möchten wir uns, anlehnend an die Arbeiten von dem britischen Soziologen und wichtigen Mitbegründer der Cultural Studies, Stuart Hall, mit dem Thema der Identität des modernen Individuums beschäftigen. Die Auseinandersetzung mit der modernen Identität knüpft unmittelbar an die dargestellte Globalisierungstheorie und deren Auswirkungen am Beispiel der Migration an.

Unter der „Krise der Identität“12 versteht Stuart Hall die Identität des globalisierten Individuums, die sich mitten in einem kritischen Wandlungsprozess befindet. In diesem gesellschaftlichen Prozess ist sie den kulturellen Veränderungen unterworfen, die sich aufgrund der modernen Gesellschaftsstrukturen verschieben. Die Identität geht aus der Zuordnung zu einer Ethnie, Rasse, Sprache, Religion und der nationalen Kultur hervor.13 Aufgrund der Verschiebungen in den gesellschaftlich-sozialen Strukturen lässt sich feststellen, dass sich die identitätsstiftenden Ressourcen und somit die individuellen Identitäten parallel dazu entwickeln und verändern.

In der „Dezentrierungsthese“ wendet sich der Autor zunächst der nationalen Identität zu, die in der Tat eine der wichtigsten Grundlagen für die Identitätsbildung darstellt. Zur Definition des Selbst brauchen wir, nach Scruton, mehrere Anhaltspunkte wie Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft, einer Gruppe, einer Klasse, einem Staat oder einer Nation, um die nationale Identität herauszubilden.14 Darauf basierend beschreibt Hall, dass der Mensch nicht mit einer vorhandenen Identität geboren wird, sondern sie erst im Laufe seiner Sozialisation gebildet werden muss.

Die Identitätsbildung wird in der Regel von äußeren Faktoren beeinflusst, unter denen „kulturellen Repräsentationen“ zu verstehen sind. Das „System der kulturellen Repräsentationen“15 ist ein gesellschaftlicher Raum, der die identitätsstiftende Bedeutung der nationalen Kultur für ihre Individuen produziert. Die nationale Kultur stellt somit einen abgeschlossenen, bedeutungsvollen, symbolhaften und zeitlichen Raum dar, aus dem die nationale Kultur und ihre Identität hervorgehen. In Zeiten der Globalisierung kommt es zu Identitätsverschiebungen, die durch die Zeit-Raum-Verdichtung zustande kommen. Die Neugestaltung der Zeit-Raum-Konstellationen wirkt sich folglich auf die Identitätsverortung und Identitätsrepräsentation aus.16

„Identitäten sind symbolisch in Raum und Zeit verortet“17, sodass die Identitätsbildung also einen abgeschlossenen und ausbalancierten Zustand darstellt. Die Familie, der Geburtsort und das Heimatland sind bekannte Raum-und-Zeit-Konstellationen, die uns einerseits als einzelne Individuen und andererseits als einen Teil der Gesellschaft prägen. Viele Menschen fühlen ihre Verbundenheit zu ihrer Heimat oder ihrem Geburtsort wie zu Orten, wo ihr Ursprung liegt, wo sie zum ersten Mal die Luft einatmeten und das Leben kennen lernten. Im Zuge der Globalisierung, verbunden mit dem technischen Fortschritt und den weitgehenden globalen Entwicklungen im Bereich der Medienkommunikation, werden diese Zeit- und Raum – Verbindungen immer schwächer, sowie die Verbundenheit zu eigenen Ursprungsorten bzw. Wurzeln zu schwinden scheint.

Auf der theoretischen Grundlage der vorliegenden Arbeit von Stuart Hall werden wir Medien als Konstrukteure18 von Identitätsräumen näher untersuchen. Anschließend werden Konstrukte der fremden Identität am Beispiel der Mediennutzung von MigrantInnen dargeboten.

3.1. Medien als Konstrukteure von Identitätsräumen

David Harveys brachte als Erster das umfassende Thema der Globalisierung als eine Verdichtung von Zeit und Raum mit den kommunikationstechnologischen Entwicklungen der neuen, postmodernen Zeit in Zusammenhang.19 Es handelt sich um eine relativ frühe Arbeit auf dem Forschungsgebiet der Soziologie und Kommunikationswissenschaften. Der Untersuchungsgegenstand von Harveys Arbeiten wurde weiterhin von weiteren Vertretern der Cultural Studies, wie Stuart Hall oder John Fiske, aufgefangen und untersucht.

„Kultur wird dabei in der Tradition der Cultural Studies als komplexer konfliktärer Zusammenhang konzeptualisiert, der vor dem Hintergrund materieller und ideologischer Voraussetzungen durch Leute mit spezifischen Interessen immer wieder verändert und damit neu geschaffen werden kann. (…) Kultur und kulturelle Orientierungen sind zunehmend temporäre und ortungebundenere Phänomene.“20

Kultur und Kulturerzeugnisse unterliegen ebenfalls einem ständigen Wandel, wobei sie maßgeblich dazu tendieren ortungebunden zu sein um dem Fortschritt der Medientechnologie und den verschiedenen Rezeptionsweisen der „Weltgesellschaft“ gerecht zu werden.

Beispielsweise nehmen viele Jugendliche an der Hip-Hop-Kultur teil, indem sie neben der Rezeption der Hip-Hop-Musik im Fernsehen oder Radio auch Wert darauflegen, den Lebensstil von Vertretern des Hip-Hops, beispielsweise das Tragen legerer und sportiver Kleidung, nachzuahmen. Diese Personen waren nie zuvor in Ghettos oder Slums der großen amerikanischen Städte, wo die Kultur des Hip-Hops entstanden ist. Nichtsdestotrotz fühlt sich jeder von Jugendlichen hellhäutiger Abstammung der, ursprünglich von farbigen Künstlern geprägten, Kultur verbunden.

Solch plakative Beispiele finden wir in den unterschiedlichen identitätsstiftenden Räumen der Gesellschaft vor, die von Lebensarten und Kleidungsstilen bis zu bestimmten Verhaltensmustern reichen. Die Identität setzt sich aus räumlichen und zeitlichen Merkmalen und Mustern zusammen, die sich, aufgrund der vielfältigen Globalisierungsprozesse, wiederrum zu wandeln scheinen.

Nun möchten wir den Begriff der „Medienidentität“ einbringen. Andreas Hepps Vorstellung von diesem Umstand ist, dass „die verschiedenen Aspekte der Identität einer Person auf kulturellen Ressourcen beruhen, die in zunehmenden Maße medial vermittelt sind.“21

Offenbar spielen Medien eine wichtige Rolle – sie konstruieren die gesellschaftlichen Identitätsräume mit, indem sie als „Bedeutungsproduzenten“22 der Diskurse gelten. Medien reproduzieren und produzieren nicht nur die bestehenden Diskurse, sondern „reflektieren auch die Veränderungen von Räumen, die Verschiebung von Grenzen und den Wandel von den Identitätskonzepten“23. Medien spielen somit die Vermittlungsrolle zwischen den gesellschaftlichen Diskursen und den Identitätsräumen der Individuen.

Die Annahme über den aktiven Vorgang der Rezeption ist auf Stuart Halls „Encoding/Decoding – Modell“ zurückzuführen, das die Theorie des passiven Rezipienten ablöste. Menschen, als Zuschauer, Zuhörer und im Allgemeinen als Rezipienten, nehmen die Information aus den Medien, oft unbewusst, auf und geben sie, allerdings in überarbeiteter Form, zurück. Die vom Rezipienten überarbeitete Information füllt den diskursiven Raum aus - die wiederrum von den Medienproduzenten aufgefangen und in den neuen Medienformaten umgesetzt wird. Dieses revolutionäre Modell ist als eine Art Kreislauf zu verstehen, denn es findet ein ständiger Austausch zwischen der Rezipienten- und der Produzentenebene statt, der auf den Diskursen und den öffentlichen Räumen basiert.

[...]


1 Vgl. Hepp, Andreas/Krotz, Friedrich, Winter, Carsten (2005): Globalisierung der Medienkommunikation. Eine Einführung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH. S. 311.

2 Vgl. Müller, Klaus (2002): Globalisierung. Frankfurt a. M. / New York: Campus Verlag GmbH. S. 12.

3 Ebd. S.7.

4 Vgl. Becker, Jörg/ Luger, Kurt (2005): Zwischen Giant Neighbours und US-Kulturindustrie. Medienentwicklung und kultureller Wandel im asiatischen Zeitalter. In: Hepp, Andreas/Krotz, Friedrich, Winter, Carsten (Hrsg.): Globalisierung der Medienkommunikation. Eine Einführung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH. S. 275.

5 Vgl. Hess, Sabine / Lenz, Ramona (2001): Kulturelle Globalisierung und Geschlecht – ein Buchprojekt. In: Dies.: Geschlecht und Globalisierung. Ein kulturwissenschaftlicher Streifzug durch transnationale Räume. Königstein / Taunus: Ulrike Helmer Verlag. S. 11.

6 Vgl. Hepp, Andreas/Krotz, Friedrich/Winter, Carsten, Globalisierung der Medienkommunikation, S. 7.

7 Vgl. Müller, Klaus (2002): Globalisierung. Frankfurt a. M. / New York: Campus Verlag GmbH. S.9.

8 Ebd. S. 10.

9 Ebd. S. 11.

10 Ebd. S. 12.

11 Hess, Sabine / Lenz, Ramona (2001): Kulturelle Globalisierung und Geschlecht – ein Buchprojekt. In: Dies.: Geschlecht und Globalisierung. Ein kulturwissenschaftlicher Streifzug durch transnationale Räume. Königstein / Taunus: Ulrike Helmer Verlag. S. 11

12 Vgl. Hall, Stuart (1999): Kulturelle Identität und Globalisierung. In: Hörning, Karl H. / Winter, Rainer (Hrsg.): Widerspenstige Kulturen. Cultural Studies als Herausforderung. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. S. 393.

13 Ebd. S. 393.

14 Vgl. Scruton 1986, S. 156. In: Hall, Stuart (1999): Kulturelle Identität und Globalisierung. In: Hörning, Karl H. / Winter, Rainer (Hrsg.): Widerspenstige Kulturen. Cultural Studies als Herausforderung. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. S. 393.

15 Ebd. S. 415.

16 Ebd. S. 426.

17 Hall, Stuart (1999): Kulturelle Identität und Globalisierung. In: Hörning, Karl H. / Winter, Rainer (Hrsg.): Widerspenstige Kulturen. Cultural Studies als Herausforderung. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. S. 426.

18 Vgl. Titel von Hipfl, Brigitte (2004): Medien als Konstrukteure (trans-) nationaler Identitätsräume. In: Hipfl, Brigitte / Klaus, Elisabeth / Scheer, Ute (Hrsg.): Identitätsräume. Nation, Körper und Geschlecht in den Medien. Eine Topografie. Bielefeld: transcript Verlag.

19 Vgl. Winter, Carsten (2005): Von der Globalisierungstheorie zur Medienkulturforschung. In: Hepp, Andreas / Krotz, Friedrich / Winter, Carsten (Hrsg.): Globalisierung der Medienkommunikation. Eine Einführung. Wiesbaden: LIT. S. 77.

20 Winter, Carsten (2005): Von der Globalisierungstheorie zur Medienkulturforschung. In: Hepp, Andreas / Krotz, Friedrich / Winter, Carsten (Hrsg.): Globalisierung der Medienkommunikation. Eine Einführung. Wiesbaden: LIT. S. 78.

21 Hepp, Andreas (2003): Deterritorialisierung und die Aneignung von Medienidentität: Identität in Zeiten der Globalisierung von Medienkommunikation. In: Winter, Carsten / Thomas, Tanja / Hepp, Andreas (Hrsg.): Medienidentitäten. Identität im Kontext von Globalisierung und Medienkultur. Köln: Herbert von Halem Verlag. S. 95.

22 Hipfl, Brigitte / Klaus, Elisabeth / Scheer, Ute (Hrsg.) (2004): Einleitung: mediale Identitätsräume. In: Dies. : Identitätsräume. Nation, Körper und Geschlecht in den Medien. Eine Topografie. Bielefeld: transcript Verlag. S. 9.

23 Hipfl, Brigitte / Klaus, Elisabeth / Scheer, Ute (Hrsg.) (2004): Einleitung: mediale Identitätsräume. In: Dies. : Identitätsräume. Nation, Körper und Geschlecht in den Medien. Eine Topografie. Bielefeld: transcript Verlag. S. 10.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Die Konstruktion der fremden Identität in Zeiten der Globalisierung und die Mediennutzung von türkischen MigrantInnen. Zusammenhänge und Einflussfaktoren
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
2,0
Jahr
2009
Seiten
30
Katalognummer
V949585
ISBN (eBook)
9783346311405
ISBN (Buch)
9783346311412
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konstruktion, identität, zeiten, globalisierung, mediennutzung, migrantinnen, zusammenhänge, einflussfaktoren
Arbeit zitieren
Anonym, 2009, Die Konstruktion der fremden Identität in Zeiten der Globalisierung und die Mediennutzung von türkischen MigrantInnen. Zusammenhänge und Einflussfaktoren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/949585

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