Sekten. die 5 Phasen der Indoktrination

Wo werben Sekten und welche Menschen werden Mitglieder?


Facharbeit (Schule), 1998

7 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Was ist eine Sekte?

Wo werben Sekten ihre neuen Mitglieder Welche Menschen gehen in eine Sekte

Die fünf Phasen der Indoktrination ( [lat.] ideologisch Beeinflussungen )

1. Die Anwerbung

2. Einführung in die Heilslehre

3. Einbindung in die Gruppe

4. Entfremdung von der Umwelt und Isolation

5. Festigung der Heilslehre

Quellennachweis:

Einleitung

Es gibt immer mehr Glaubensrichtungen, welche oft gefährlich für den Staat, die Jugend und den einzelnen sind. In Deutschland gibt es ca. 300 "Sekten" mit 0,5 - 2,5 Millionen Mitgliedern.

Was ist eine Sekte?

Das Wort "Sekte" leitet sich vom lateinischen "secta" (Richtung, Richtlinie) ab. Als Sekte wird also eine Abspaltung einer vorherrschenden oder bestehenden Religionsgemeinschaft verstanden. In der frühchristlichen Zeit galten die Christen aus der Sicht der Juden als Jüdische Sekte. Das Wort "Sekte" ist ursprünglich neutral, also frei von jeder Wertung!

Im Jahr 1648 wurde bestimmt, daß außer der katholischen, evangelischen und den reformierten Kirchen keine "Religionen und Sekten" in Deutschland geduldet werden dürfen. Sie wurden jedoch zunehmend vom Staat geduldet. Seit der Auflösung der Staatskirche im Jahr 1919 ist der Begriff "Sekte" in Deutschland nicht mehr Definiert.

Gruppen die man heute als Sekte bezeichnet weisen, trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft und Lehren, fast alle die folgenden Merkmale auf:

- Sie behaupten als einzige ein "Rettendes Rezept" zu haben, mit dem sie "jetzt und hier" sowohl die Probleme des Einzelnen als auch der gesamten Menschheit zu lösen in der Lage sind. Dabei fällt auf, daß die Versprechen absolut sind: z.B. "absolutes" Glück , "wahrer" Frieden, "vollkommene" Gesundheit.
- Es ist immer eine Führung vorhanden, welche aus einer Person ( Vereinigungskirche ) oder mehreren Personen ( Zeugen Jehovas ) besteht. Dieser Führung ist unbedingter Gehorsam zu leisten. An ihren Entscheidungen ist keinesfalls zu zweifeln oder Kritik anzumelden.
- Ein weiters Merkmal von vereinnahmenden Gruppen und Sekten ist die Indoktrination (ideologische Beeinflussung, in eine bestimmte Richtung drängen). Der Unterschied zwischen einer Gehirnwäsche und der Indoktrination ist, daß eine Indoktrination freiwillig verläuft.
- Die nur zum Teil übernommene Lehre der Abstammungsreligionen werden verfälscht, einige Schriften oder zusätzliche Offenbarungen mit hoher Verbindlichkeit zugefügt. · Mangelnde Dialogfähigkeit und -bereitschaft mit den Kirchen und anderen religiösen Gemeinschaften
- Auffallend ist auch die aggressive Werbung, geistige Enge, Intoleranz und Fanatismus · Distanzierung von der Gesellschaft

Wo werben Sekten ihre neuen Mitglieder

Das Missionieren auf der Straße und an der Haustür nimmt heute oft eine untergeordnete Rolle ein. Zunehmend an Bedeutung gewinnen die Unter- oder Tarnorganisationen. Eine Gruppe hat oft Dutzende von Unter- oder Tarnorganisationen hervorgebracht. Häufig distanzieren sich die Mutterorganisationen von ihren "Töchtern". Das macht das Ganze noch unüberschaubarer und problematischer. Welche Dimensionen die Unter- oder Tarnorganisationen einnehmen läßt sich leicht verdeutlichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wenn man zu einer Studentenorganisation eingeladen wird, kann es sich z. B. auch um die Mun- Sekte handeln.

Volkshochschulen sind ein beliebtes Werbefeld für Sekten usw. Es ist bekannt geworden, daß Scientology , Bhgwan-Anhänger oder Anhänger Transzendentalen Meditation Kurse an Volkshochschulen gegeben haben.

Sekten versuchen außerdem in Schulen, Kindergärten, Nachhilfeorganisationen und durch Nachhilfelehrer an die Kinder heranzukommen. Als Beispiel kann man hier Ziel e.V. ( Zentrum für individuelles und effektives Lehrnen ) oder die Appla-School von Scientology anführen.

Eine von den Strategie der Kinder Gottes ist das sogenannte " flirty fishing ". Dort verführen die weiblichen Mitglieder Männer manchmal zuerst ins Bett.

Welche Menschen gehen in eine Sekte

"Wie kann man nur so dumm sein und den Scharlatanen auf den Leim kriechen". So oder ähnlich ist die Meinung der Mehrheit der Bevölkerung. Die Mehrheit der Bevölkerung ist nicht anfällig für totalitäre religiöse Heilsprinzipien. Es daher für die Meisten nur schwer zu verstehen, weshalb so viele Menschen ihr bisheriges Leben umstellen oder aufgeben und in der Isolation einer fanatischen Gruppe leben. Die Anfälligkeit für diese Gruppen hat jedoch nicht mit der Intelligenz zu tun, sondern vielmehr mit unserer Lebensweise, dem psychischen Befinden und der gesellschaftlichen Entwicklung. Es ist auch kein bestimmter Menschentyp der von einer Sekte angesprochen wird. Vielmehr sind für unterschiedliche Persönlichkeiten auch unterschiedliche Sekten interessant. Eine erfolgsorientierte Person wird eher einer Sekte angesprochen die ihm verspricht sein geistiger Potential hundertprozentig erhöht wie z.B. Scientology. Ein nach innen gewandter wird sich eher einer meditativen Guru-Bewegung anschließen z.B. Osho-Bewegung. Für ein nach außen Orientierten kommt eher eine Bewegung mit aktiven Einsatzmöglichkeiten in frage, wie z.B. missionarische Tätigkeiten und Predigeinsätze. Ein Mitglied der Scientology würde wahrscheinlich den Kontakt mit der Osho-Bewegung ablehnen und umgekehrt.

Die fünf Phasen der Indoktrination ( [lat.] ideologisch Beeinflussungen )

Die Indoktrination verläuft in mehreren Stufen, die aufeinander abgestimmt sind, sich teilweise überschneiden oder ineinander übergehen .

- Anwerbung
- Einführung in die Heilslehre
- Einbinden in die Gruppe
- Entfremdung und Isolation von der Umwelt · Festigung der Heilslehre

1. Die Anwerbung

Sekten sind Spezialisten im Erkennen der Schwächen und Ängste der Menschen in der modernen Welt. Sie haben die Indoktrinationsmethoden und teilweise ihre Heilslehre auf die Bedürfnisse vieler Menschen angepaßt. Die psychische Beeinflussung beginnt bereits beim ersten Kontakt mit möglichen Interessenten. Die Mitglieder verfolgen von Beginn an das Ziel bei den umworbenen Personen, Sehnsüchte zu wecken. Ein Gespräch mit außenstehenden Personen ist von den Sektenanhänger nie zweckfrei, sie haben stets die versteckte Absicht neue Mitglieder zu werben. In der ersten Stufe, also der Anwerbung, scheuen sich die Mitglieder nicht, notfalls aus taktischen Gründen heraus, die eigende Heilstheorie zu verleugnen. Sie versuchen alles, um ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Um die Ängste, welche durch die öffentliche Kritik hervorgerufen werden abzubauen bekommen die Interessenten teilweise fingierte oder nicht nachprüfbare Informationen.

Mit einer Überdosis an Zuwendung und Gruppensolidarität werden sie in ein bisher kaum erlebtes euphorisches Bad der Emotionen geworfen und das Selbstbewußtsein wird künstlich aufgebaut. Es wird das Bild einer großen, glücklichen Gemeinschaft vermittelt. Außenstehende sind oft hingerissen von der perfekten Harmonie.

Eine wirksame Methode ist auch das eigene Bekenntnis des Sektenanhängers, wo nach ihr eigenes Leben eine entscheidende Wende genommen hat als sie ihren Glauben angenommen hat. Da die Sektenmitglieder sehr freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit auftreten, sehen die Interessenten keinen Grund, ihnen zu mißtrauen.

2. Einführung in die Heilslehre

Haben sich die Angeworbenen von den Heilsversprechungen ködern lassen und ist ihre Sehnsucht geweckt, werden sie in die Grundzüge der Heilslehre eingeführt. Bei der Einführung wird die Gefühls- und Gedankenkontrolle verstärkt. Dabei wird das Ziel verfolgt den Angeworbenen sachte an die Ideologie und den Kult heranzuführen. Die Einführung erfolgt in erster Linie durch Kurse, Seminare, Bibelstunden und Tonbänder. Am wichtigsten ist allerdings das persönliche Gespräch mit den Kultanhängern, die bei den neuen Mitgliedern bald eine Vertrauensstellung einnehmen.. Die Überbetonung der Gefühlsebene gehört zur Strategie der Sekten. Die emotionale Verwirrung überlagert das kritische Bewußtsein und nimmt die Möglichkeit, die Ideologien und Heilsversprechungen zu hinterfragen. Die Lehre wird den Angeworbenen nur häppchenweise verraten. Wenn man ihnen sofort die ganze Heilslehre offenbaren würde, würden Sie mißtrauisch werden und die Praktiken und offensichtlichen Widersprüche nicht schlucken. Die neuen Anhänger sollen zwar schnell Heilserlebnisse erfahren, aber die angebliche Befreiung muß schwer erarbeitet oder erkauft werden. Das "absolute" Heil werden die Anhänger jedoch nie erreichen, denn das oberste Gebot einer Indoktrination ist, daß das Opfer das Ziel nie erreicht. Wenn das "absolute" Heil erreicht wird, wird die Gruppe als Vermittler überflüssig und verliert damit die Macht über den Anhänger.

3. Einbindung in die Gruppe

Um die Anhänger einzubinden, haben die meisten Gruppen Mischformen gebildet. Die besonders stark ideologisierten Mitglieder engagieren sich als Vollzeit-Mitglieder, die übrigen wirken als Sympathisanten oder assoziierte Mitglieder in ihrer Freizeit mit. Die 3.Stufe ist der heikelste Schritt der Indoktrination, denn nun werden die Sektenmittglieder mit den Sektenalttag konfrontiert, also der Missionstätigkeit, der Geldbeschaffung und den Ritualen. Sie müssen allmählich die Anforderungen der Gruppe erfüllen. Wer die Erwartungen nicht erfüllt, also den Ernst der Lage nicht erkannt hat und damit das Gruppenziel gefährdet, muß mit Sanktionen oder moralischen Druckmitteln, Liebesentzug und Ausgrenzung rechnen. Als Ausgleich bietet die Gruppe das Gefühl der Geborgenheit.

Wer andere von ihrem Kult oder Glauben überzeugen will, muß die Gedankengänge übernehmen und beginnt nach kurzer Zeit, sich mit dem Kult zu identifizieren. Besonders wirkungsvoll ist die Indoktrination deshalb beim Missionieren. Viele Gruppen binden deshalb ihre neuen Mitglieder schon früh in die Werbe- und Expansionstätigkeit ein. Die Mitglieder denken, daß sie zur ausgewählten Elite gehören, die die Menschheit zur Erlösung führen.

4. Entfremdung von der Umwelt und Isolation

Sekten versuchen zwar schon in der 2. und 3. Phase der Indoktrination die neuen Anhänger von der Umwelt zu entfremden, aber die Isolation beginnt erst nach der Einbindung in die Gruppe. Die Isolation verfolgt den Zweck, die Mitglieder von sämtlichen unerwünschten Einflüssen der Außenwelt abzuschirmen. In erster Linie wollen die Gruppen die neuen Mitglieder von ihren Angehörigen und Freunden isolieren, da von den Bezugspersonen die größte Gefahr ausgeht. Deshalb verfrachten einige Gruppen ihre Mitglieder ins Ausland z.B. die Mun-Sekte ( Vereinigungskirche ) und die Kinder Gottes.

In dieser Phase werden die bisherigen Lebenserfahrungen schlechtgemacht. Wenn sich die neuen Mitglieder nicht ständig als Sünder fühlen wollen, müssen sie ihr früheres Leben verdrängen und damit die Sektenidentität verstärken. Die hohe, Arbeitsbelastung ( Zeugen Jehovas ca. 16-17 Stunden /Woche ) ist das einfachste und unverdächtigste Mittel zur Isolation. Die Mitglieder werden angetrieben, ihre Missionsziele so rasch wie möglich umzusetzen, weil sie die einzigen sind, die den Untergang, den Satan aufhalten oder das Reich Gottes auf Erden vorbereiten können.

Ihr wahres Gesicht zeigen Sekten auch, wenn es um die Wahl des Lebenspartners geht. Gelingt es den Sekten nicht, den Partner in die Bewegung hineinzulocken, weil er kritisch gesinnt ist, versucht die Sekte mit moralischen Druckmitteln diese zu trennen z.B. Neuapostolische Kirche, Zeugen Jehovas.

Bei Scientology wird sogar eine Art von Lügendetektor, eingesetzt um zu erfahren, ob kritische Personen sich im Umfeld aufhalten.

Die meisten Sekten benutzen auch die Sprache zur Indoktrination. Viele Sekten haben eine eigene Sprache entwickelt. Durch sie wird den Mitglieder vermittelt, daß sie in eine spirituelle, mystische, religiöse Sphäre vorstoßen.

5. Festigung der Heilslehre

Nach der Einbindung in die Gruppe wird die Indoktrination unvermindert fortgesetzt. In dieser Phase der Indoktrination geht es darum, die Bewußtseinskontrolle und die Abhängigkeit zu verstärken. Die endlose Wiederholung der Rituale und die permanente Überforderung sollen verhindern, daß sich die ursprüngliche Identität wieder einnistet, da sich diese nicht auslöschen, sondern nur überdecken läßt. Die größte Gefahr für Sekten sind die Erinnerungen an die Jugend, Familie, die erste Verliebtheit, da sie kaum zerstörbare Brücken zur verdrängten Identität sind. Deshalb werden alle Erlebnisse aus der Vergangenheit abgewertet oder als sinnlos und sündig bezeichnet. Mit der Umwertung aller Werte wollen sie die emotionale Verbindung zur Vergangenheit unterbinden, da diese für sie die größte Gefahr für sie ist. Das Ziel der Indoktrination ist erreicht, wenn sich das neue Mitglied nur mit Scham an seine Vergangenheit erinnert.

Quellennachweis:

Hansjörg Hemminger Was ist eine Sekte

M. Grünwald Verlag, Quell Verlag

Heide Marie Cammans

Die neuen Heilsbringer Georg Bitter Verlag KG

Meister und Geister

Arbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendschutz Hamburg e.V.

Friedrich-Wilhelm Haack

Jugendsekten

Beltz Verlag

Hugo Stamm Sekten

Kreuz Verlag

7 von 7 Seiten

Details

Titel
Sekten. die 5 Phasen der Indoktrination
Untertitel
Wo werben Sekten und welche Menschen werden Mitglieder?
Autor
Jahr
1998
Seiten
7
Katalognummer
V94975
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Was ist eine Sekte?, Wo werben Sekten ihre neuen Mitglieder?, Welche Menschen gehen in eine Sekte?, Die fünf Phasen der Indoktrination ([lat.] ideologisch Beeinflussungen)
Schlagworte
Sekten
Arbeit zitieren
Andreas Schulze (Autor), 1998, Sekten. die 5 Phasen der Indoktrination, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94975

Kommentare

  • Gast am 8.3.2002

    Hallo.

    hallo du da
    weisst du was es für jugendsekten gibt und was sind jugendsekten ? bitte antworte schnell.

    deine seite ist nicht gut da find ich nichts über jugendsekten das ist lang weilich

  • Gast am 9.3.2002

    Sekten.

    wow... da hast du dich aber mächtig ins zeug gelegt... echt spitze... Danke :)

  • Gast am 29.3.2002

    Abgrenzung von Sekten.

    Die Aussagen sind nicht differenziert genug. Einzelne Hinweise gelten auch für jeden Sportverein oder anderen Verein der gleiche Ziele verfolgt. Auch Leistungs- sportler verbringen 20 und mehr Stunden mit Ihren "Doktrinen" und setzen sie resolut durch.

  • Gast am 18.6.2007

    mun-sekte.

    hi
    ich würde gerne mehr über die mun sekte in erfahrung bringen, also auch was die gefahren der sekte sind und was passiert wenn man drin ist und wieder raus möchte. kannst du mir da helfen? hast du vllt auch eine linksammlung wo ich das nachschlagen könnte?

    gruss

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