Es werden in der Arbeit Motive thematisiert, welche der Ursprung für die Entwicklung von Nachhaltigkeitsaspekten innerhalb des europäischen Finanzsystems sind. Aufgrund der heutigen Relevanz dieser Thematik ist es somit unabdingbar, sich mit folgender Forschungsfrage zu beschäftigen: Welche Veränderungen innerhalb des Investmentprozesses erfordern die Beachtung von Sustainability Issues?
Da innerhalb des europäischen Finanzsystems, Nachhaltigkeitsaspekte insbesondere die Investmentbranche prägen, ist der Investmentprozess elementarer Bestandteil der Forschungsfrage. Um die Veränderung des Investmentprozesses zu beschreiben und eine Antwort auf die Forschungsfrage zu finden, wurden moderne Ansätze nachhaltiger Portfoliotheorien untersucht. Des Weiteren sind die Empfehlungen der High-Level Expert Group (HLEG) on Sustainable Finance, aus dem Abschlussreport an die Europäische Union (EU), als fundamentale Basis für die Initiative ökologischer und sozialer Investmentlösungsansätze herangezogen worden. Durch die Analyse der Primäremissionen nachhaltiger Finanzprodukte auf Basis bankinterner, auf Nachhaltigkeit ausgerichteter Investmentansätze führender europäischer Pionier-Banken, ließen sich erste Rückschlüsse auf die Veränderungen der Investmentprozesse durch die Beachtung von Sustainability Issues ziehen. Des Weiteren wurde ein Vergleich zwischen den systemrelevanten deutschen und französischen Großbanken gezogen, um die Bedeutsamkeit von Nachhaltigkeitsaspekten in beiden Ländern bewerten zu können.
Die in der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse bilden lediglich das theoretische und semipraktische Fundament eines umfangreichen Strukturwandels innerhalb des europäischen Finanzmarktes. Zukünftige wissenschaftliche Arbeiten werden sich mit der praktischen Umsetzung der Legislativvorschläge des EU Aktionsplanes beschäftigen können. Daraus resultierend wird es möglich sein zu bewerten, inwieweit der EU Aktionsplan zur Förderung eines nachhaltigeren Investmentprozesses innerhalb des europäischen Finanzsystems, die bestehenden Portfolioansätze der Finanzinstitute modifiziert hat
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Hintergrund und Zielsetzung
1.2 Klärung der Terminologie
1.3 Methodik
2 Nachhaltige Investmentansätze
2.1 Aktiver Investmentansatz
2.2 Passiver Investmentansatz
2.2.1 Negative Selektion
2.2.2 Positive Selektion
2.2.3 Best-of-Class Konzept als Praxisansatz
2.3 Der nachhaltige Investmentprozess in der Praxis
3 Abschlussreport der HLEG on Sustainable Finance
3.1 Zielformulierungen der EU
3.2 Themenfelder zur Transformation des Finanzsystems
3.3 Empfehlungen zur Errichtung eines nachhaltigen Finanzsystems
3.3.1 Kernempfehlungen
3.3.2 Querschnittsempfehlungen
3.3.3 Branchenspezifische Empfehlungen
3.3.4 Weitgreifende Empfehlungen
4 Die Investitionskette eines nachhaltigen Finanzsystems
4.1 Die Neuausrichtung der Kapitalströme zu nachhaltigen Investitionen
4.2 Die Implementierung von Nachhaltigkeitsaspekten in das Risikomanagement
4.3 Förderung von Transparenz und Langfristigkeit
5 Nachhaltige Investmentansätze systemrelevanter Banken in der Praxis
5.1 Am Beispiel deutscher Großbanken
5.2 Am Beispiel französischer Großbanken
6 Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die durch die Implementierung von Nachhaltigkeitsaspekten verursachten Veränderungen innerhalb des Investmentprozesses zu beschreiben und diese den Kapitalmarktakteuren transparenter darzustellen, unter Einbeziehung der Empfehlungen der HLEG on Sustainable Finance und des EU-Aktionsplans.
- Grundlagen nachhaltiger Investmentansätze und Portfoliotheorien
- Analyse der HLEG-Empfehlungen zur Transformation des europäischen Finanzsystems
- Die Rolle der Investitionskette bei der Neuausrichtung von Kapitalströmen
- Vergleich der Umsetzung nachhaltiger Investmentansätze bei deutschen und französischen Großbanken
Auszug aus dem Buch
2.1 Aktiver Investmentansatz
Der aktive Investmentansatz beinhaltet Strategien, bei denen Anteilseigner durch ein direktes Investment aktive Einflussnahme auf das Beteiligungsunternehmen nehmen. Ein direktes Investment impliziert den Besitz von Unternehmensanteilen in Form von Aktien.
Es handelt sich bei dem aktiven Investmentansatz um sogenannte Post-Investment-Strategien bei denen Aktionäre versuchen die Bedeutung von ESG-Themen innerhalb des Beteiligungsunternehmens zu stärken, nachdem diese sich bereits mit Kapital an einem Unternehmen beteiligt haben. Die Einflussnahme der Anteilseigner durch ein direktes Engagement auf die Entscheidungsfindung des Managements wird in der Fachsprache als Shareholder Activism beschrieben (vgl. Odell/Ali 2016: 100). Aktionären stehen diverse Instrumente zur Auswahl, die Ihnen ermöglichen die Beachtung von ESG-Themen im Beteiligungsunternehmen zu forcieren.
Shareholder Activism als Möglichkeit einer aktiven Einflussnahme auf Investitionsentscheidungen eines Unternehmens hat viele verschiedene Formen. Eines der zentralen Instrumente ist jedoch die Einflussnahme der Investoren durch bilaterale Gespräche mit der Unternehmensleitung. Der Dialog mit dem Management ist eine Möglichkeit aktiv Einfluss auf das Investitionsverhalten der Gesellschaft zu nehmen und dadurch ESG-Themen Teil der Unternehmensphilosophie werden zu lassen (vgl. Guay et al. 2004: 129).
Insofern dieser kritisch geführte Dialog mit der Unternehmensführung nicht die gewünschten Resultate hinsichtlich einer nachhaltigen und weitsichtigen Investmentphilosophie mit sich bringt, werden Aktionärsbeschlüsse eingesetzt, wodurch alle Aktionäre die Möglichkeit erhalten über ein bestimmtes Thema abzustimmen. Wenn das Unternehmen nicht zustimmt, dem Aktionärsbeschluss aktiv nachzukommen, hat die Hauptversammlung die Möglichkeit im Rahmen der eigenen Stimmrechtsausübung eines jeden Aktionärs aufgrund des Vertrauensverlustes, den Vorstand der Kapitalgesellschaft abzuberufen. Der letzte und drastischste Schritt der aktiven Einflussnahme der Aktionäre wäre die Desinvestition und die damit verbundene Veräußerung der Unternehmensanteile über den Sekundärmarkt. Die Folge, welche aus dem Verhalten seitens der Aktionäre resultiert, wäre ein Einbruch des Unternehmenswertes und ein Vertrauensverlust des Marktes in die Werthaltigkeit der Anteile der betroffenen Gesellschaft (vgl. Serafeim 2016: 3).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz nachhaltiger Finanzmärkte ein, klärt die grundlegenden Begrifflichkeiten und erläutert die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2 Nachhaltige Investmentansätze: Dieses Kapitel erläutert verschiedene Ansätze wie den aktiven und passiven Investmentansatz sowie deren Unterkategorien wie Negativ- und Positivselektion.
3 Abschlussreport der HLEG on Sustainable Finance: Hier werden die Zielformulierungen der EU sowie die daraus resultierenden 28 Empfehlungen zur Errichtung eines nachhaltigen Finanzsystems detailliert beschrieben.
4 Die Investitionskette eines nachhaltigen Finanzsystems: Dieses Kapitel behandelt die zehn Maßnahmen des EU-Aktionsplans und deren Einfluss auf die Neuausrichtung von Kapitalströmen sowie das Risikomanagement.
5 Nachhaltige Investmentansätze systemrelevanter Banken in der Praxis: Es erfolgt eine Analyse und ein Vergleich der Implementierung von Nachhaltigkeitsansätzen bei führenden deutschen und französischen Banken.
6 Ausblick: Das letzte Kapitel resümiert die Notwendigkeit eines harmonisierten europäischen Investmentprozesses und identifiziert Handlungsbedarfe für die Zukunft.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, Investmentprozess, ESG-Kriterien, HLEG, EU-Aktionsplan, Kapitalallokation, Socially Responsible Investing, Finanzsystem, Nachhaltigkeitsindizes, Risikomanagement, Großbanken, Transparenz, Nachhaltige Geldanlagen, Finanzmarkt, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie der Investmentprozess innerhalb des europäischen Finanzsystems durch die zunehmende Beachtung von Nachhaltigkeitsaspekten (Sustainability Issues) verändert wird und werden muss.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den nachhaltigen Investmentansätzen, den Empfehlungen der EU-Expertenkommission (HLEG) sowie der praktischen Umsetzung dieser Aspekte durch systemrelevante Großbanken in Deutschland und Frankreich.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die notwendigen Veränderungen im Investmentprozess zu beschreiben, die sich aus der Integration von ESG-Kriterien ergeben, und eine transparente Grundlage für Marktteilnehmer zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf wissenschaftlichen Journals, Monographien sowie publizierten Reports führender Finanzinstitute basiert, ergänzt durch eine Analyse der EU-Legislativvorschläge.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Investmentansätze, die Empfehlungen der HLEG, die EU-Aktionspläne zur Transformation der Finanzmärkte und vergleicht konkret die Strategien großer deutscher und französischer Banken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Nachhaltigkeit, ESG-Kriterien, Investmentprozess, EU-Aktionsplan, Finanzmarkt, Kapitalallokation und Socially Responsible Investing.
Wie unterscheidet sich die Situation der Banken in Frankreich von Deutschland?
Frankreich hat durch Artikel 173 bereits früh eine gesetzliche Verankerung der Berichterstattungspflichten geschaffen, während in Deutschland eine solche verpflichtende gesetzliche Reglementierung bisher fehlt.
Was ist das SIRIS-Tool und welche Rolle spielt es?
Das SIRIS (Sustainable Investment Research Information System) ist ein von der Union Investment genutztes System, das über 100 Ausschlusskriterien und weitere ESG-Analysen umfasst, um nachhaltige Portfolios zu erstellen.
- Arbeit zitieren
- Daniel Dell'Erba (Autor:in), 2018, Die Veränderung des Investmentprozesses durch die Beachtung von Sustainability Issues, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/949822