Corona fordert das deutsche Gesundheitswesen heraus. Aber schon vor 2020 belasteten demographischer Wandel und Fachkräftemangel die Heil- und Hilfserbringer schwer. Das trifft sowohl aus gesundheitspolitischer als auch aus unternehmenspolitischer Sicht zu. Besonders dringend wird das Thema durch Fachkräftemangel, Digitalisierung und dem "War of Talents” auf dem Arbeitsmarkt.
Soziale Beziehungen spielen heute zunehmend eine Schlüsselrolle für den betriebswirtschaftlichen Unternehmenserfolg. Doch wie groß ist ihr Einfluss auf die Gesundheit der Fachkräfte? Und welche Formen gibt es tatsächlich und wird die Gesundheit messbar durch Formen sozialer Unterstützung verstärkt? Diesen Fragen geht Dr. phil. Franziska Zippel in Ihrem Buch "Der Einfluss sozialer Beziehungen und Unterstützung im Arbeits- und Privatleben auf die wahrgenommene Gesundheit. Eine empirische Querschnittsuntersuchung" nach.
Einen starken "Hebel" dafür stellt die Stärkung zwischenmenschlicher Beziehungen dar, was Dr. phil. Franziska Zippel heraushebt. Als analytische Zielgruppe dient Ihr dabei die Gruppe der PhysiotherapeutInnen. Ihre aufschlussreiche Studie ist dabei nicht nur für diese Berufsgruppe geeignet, sondern bietet wichtige Informationen für das gesamte Gesundheitswesen.
Inhaltsverzeichnis
1 Kapitel 1: Einleitung
2 Kapitel 2: Theoretischer und empirischer Hintergrund
2.1 Soziale Beziehungen
2.2 Soziale Unterstützung
2.3 Gesundheit
2.4 Zusammenfassung
3 Kapitel 3: Methode
3.1 Hypothesen
3.2 Untersuchungsplanung
3.3 Konkretisierung der Messinstrumente
3.4 Methodik der Datenauswertung
4 Kapitel 4: Ergebnisse der empirischen Untersuchung
4.1 Demografische Daten der Stichprobe
4.2 Gesundheitsbezogene Daten der Stichprobe
4.3 Daten der theoriegeleiteten Datenreduktion
4.4 Modellauswertung
4.5 Ergebniszusammenfassung
5 Kapitel 5: Schlussbetrachtung
5.1 Diskussion und offener Forschungsbedarf
5.2 Limitationen
5.3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss von sozialen Beziehungen und sozialer Unterstützung auf die wahrgenommene Gesundheit von angestellten Physiotherapeuten. Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen diesen sozialen Faktoren und der Arbeitsfähigkeit zu analysieren, um Erkenntnisse für das betriebliche Gesundheitsmanagement zu gewinnen.
- Soziale Beziehungen am Arbeitsplatz und im Privatleben
- Konzept und Struktur der sozialen Unterstützung
- Gesundheitsindikatoren bei Physiotherapeuten
- Wirkmodelle von Unterstützung (Haupt-Effekt- vs. Puffer-Modell)
- Empirische Analyse der Zusammenhänge mittels Regressions- und Mediationsmodellen
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Merkmale sozialer persönlicher Beziehungen
Soziale Beziehungen werden nach Lenz und Nestmann (2009, S. 10f.) durch fünf wesentliche Merkmale geprägt: Erstens: durch das Moment der personellen Unersetzbarkeit. Personen einer persönlichen Beziehung sind an eine Rolle (z.B. als Elternteil, als Kind) gebunden und nicht austauschbar. Die persönliche Beziehung endet mit dem Ausscheiden einer Person und kann durch eine neue persönliche Beziehung abgelöst nicht aber ersetzt werden. Stirbt ein Elternteil, endet die Rolle des Kindes ebenso wie die des Partners in der Paarbeziehung. Anders verhält es sich in Organisationen. Diese differenzieren zwischen Person und Position, so dass eine Organisation im Normalfall auch nach einem Personalwechsel weiter Bestand hat. In diesem Fall endet konkret eine informelle persönliche Beziehung zwischen Kolleginnen und Kollegen, die zum Beispiel durch Sympathie, Wohlwollen und gute Zusammenarbeit geprägt oder auch durch Abneigung und Konkurrenz gekennzeichnet gewesen sein kann. Die formelle Kolleg/innenrolle bleibt erhalten, sobald ein neuer Kollege / eine neue Kollegin eingestellt wird. (Sieckendick 2009, 472)
Die Unersetzbarkeit von Personen in (informellen) persönlichen Beziehungen kann nach Huinik (1995) in einer einmaligen Weise dafür sorgen, das Grundbedürfnis nach persönlicher Fundierung zu befriedigen. Persönliche Beziehungen zeichnen sich zum Zweiten nach Lenz und Nestmann (2009, 11) durch die Fortdauer-Idealisierung aus. Sie sind darauf angewiesen, in Interaktionen fortgesetzt und aktualisiert zu werden. Im Unterschied zur „herkömmlichen Interaktion“ zeichnen sich persönliche Beziehungen durch „Kontinuität“, „Dauerhaftigkeit“ und dem „pragmatischen Motiv“ aus, diese Beziehung auf absehbare Zeit fortzusetzen. Ein weiteres Merkmal persönlicher Beziehungen besteht in dem Vorhandensein eines persönlichen Wissens. In einer persönlichen Beziehung hat „in der gegenseitigen Wahrnehmung die persönliche Identität Vorrang vor der sozialen Identität“. Das an „die Einzigartigkeit der Person gebundene Wissen (persönliches Wissen)“ dominiert in dieser Beziehung über ein an „die soziale Typik gebundenes Wissen (z.B. die soziale Rolle des Studenten, des Professors, des Arbeitgebers etc.)“. Dieses Merkmal unterscheidet persönliche Beziehungen von Rollenbeziehungen, die auf einer bloßen sozialen Kategorisierung aufbauen. Ein viertes Merkmal stellt die emotional fundierte gegenseitige Bindung der Beziehungspersonen dar, die durch die kontinuierliche Fortsetzung einer Beziehung entsteht.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1: Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen im Kontext des demographischen Wandels und betont die Bedeutung von Human- und Sozialkapital für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg.
Kapitel 2: Theoretischer und empirischer Hintergrund: Das Kapitel erläutert die theoretischen Konzepte sozialer Beziehungen und Unterstützung sowie deren Einfluss auf die Gesundheit, insbesondere im beruflichen Setting von Physiotherapeuten.
Kapitel 3: Methode: Hier werden die Forschungshypothesen hergeleitet, das Untersuchungsdesign (Querschnittsstudie) beschrieben und die methodische Vorgehensweise bei der Datenerhebung und -auswertung dargelegt.
Kapitel 4: Ergebnisse der empirischen Untersuchung: Dieses Kapitel präsentiert die statistische Auswertung der empirischen Daten, einschließlich der Modellüberprüfungen und der Analyse von Moderations- und Mediatoreffekten.
Kapitel 5: Schlussbetrachtung: Die Ergebnisse werden diskutiert, wobei Praxisrelevanz, Limitationen der Studie und zukünftige Forschungsansätze abgeleitet werden.
Schlüsselwörter
soziale Beziehungen, soziale Unterstützung, Gesundheit, Arbeitsfähigkeit, Physiotherapeuten, betriebliches Gesundheitsmanagement, Humanressourcen, Arbeit, Berufsbeständigkeit, Stressbewältigung, Personalmangel, Arbeitsplatz, berufliche Belastung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Dissertation untersucht den Einfluss sozialer Beziehungen und sozialer Unterstützung im Arbeits- und Privatleben auf die wahrgenommene Gesundheit von angestellten Physiotherapeuten in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen soziale Netzwerke am Arbeitsplatz, Konzepte der sozialen Unterstützung, Mitarbeitergesundheit, Arbeitsfähigkeit und berufliche Belastungen im physiotherapeutischen Bereich.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu klären, ob soziale Beziehungen einen direkten Effekt auf die Gesundheit haben und ob dieser Effekt durch soziale Unterstützung verstärkt wird oder ob soziale Unterstützung per se einen positiven Einfluss ausübt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine empirische Querschnittsstudie mit 511 Physiotherapeuten durchgeführt. Die Datenauswertung erfolgte durch Faktorenanalysen und lineare multivariate Regressionsanalysen sowie Moderator- und Mediationsanalysen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich theoretisch mit den Konstrukten sozialer Beziehungen und Unterstützung und empirisch mit der Hypothesentestung und Ergebnisdarstellung der Auswirkungen auf die Gesundheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen soziale Beziehungen, soziale Unterstützung, Gesundheit, Arbeitsfähigkeit und Physiotherapeuten.
Welche Rolle spielt das Alter bei den Ergebnissen?
Die Untersuchung zeigt, dass das Alter als Moderator fungiert, wobei soziale Beziehungen und Unterstützung bei älteren Physiotherapeuten (43-67 Jahre) einen signifikant anderen Einfluss auf die Gesundheit haben als bei jüngeren.
Warum wurde auf ein Strukturgleichungsmodell verzichtet?
Aufgrund der im Vergleich zur Modellkomplexität zu geringen Fallzahl sowie der schiefen Geschlechterverteilung entschied man sich bewusst für die schrittweise Analyse in einzelnen Ebenen (Bottom-up-Prinzip).
- Arbeit zitieren
- Dr. Franziska Zippel (Autor:in), 2015, Der Einfluss sozialer Beziehungen und Unterstützung im Arbeits- und Privatleben auf die wahrgenommene Gesundheit. Eine empirische Querschnittsuntersuchung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/949824