Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Ludwig van Beethovens berühmten Stück "Für Elise" als Filmmusik. Speziell wird darauf eingegangen, wie dieses Stück in zwei preisgekrönten Filmen von Quentin Tarantino, einem der erfolgreichsten US-amerikanischen Filmregisseure der Moderne, zitiert wird: "Inglourious Basterds" und "Django Unchained."
In beiden Filmen griff er auf Beethoven zurück. Die heitere klassische Ballade plus Tarantino-Filme im Italo-Western-Stil, die von blutiger Gewalt nur so strotzen - wie passen sie zusammen? Der Fokus der Arbeit liegt darin zu analysieren, wie diese kontrastierenden Phänomene, die äußerst brutale Geschichte über den Nationalsozialismus in Deutschland und über die Sklaverei in den USA einerseits und das klassische, graziöse Klavierstück andererseits, so zusammengefügt werden, dass diese zu einem höchst spannenden narrativen Filmerlebnis verschmelzen.
Es sollen Aspekte, wie beispielsweise die Funktion des Stücks "Für Elise" in der jeweiligen audiovisuellen Sequenz, die verwendeten Filmmusiktechniken des Filmregisseurs bzw. des Komponisten etc. näher untersucht werden. Dabei werden verschiedene Elemente auf der bildlichen Ebene (Bildinhalt, Schauspiel, Einstellungsgröße), auf der musikalischen Ebene (Musikinstrumente, Tempi, Tonarten) sowie die Dialoge berücksichtigt.
Jeder kennt sie: die insistierende chromatische Wechselnote „di dah di dah di dah di dah dah...“, der Beginn des Hauptthemas der rondoartigen Bagatelle "Für Elise" von Ludwig van Beethoven. Ob in Klassik-, Pop- oder Rockkonzerte, ob als Schlager, Hip-Hop- oder Rap-Song, ob in Werbungen oder in Filmen, ob am Telefon als Warteschleife, als Türgong oder im Musikunterricht bei Klavieranfängern – Für Elise, besonders ihr Hauptthema, ist überall präsent und beliebt bei jedem, unabhängig von sozialer und ethnischer Herkunft, Bildung und Alter.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Für Elise
2.2 Funktionen und Techniken der Filmmusik
2.3 Einsatz der Filmmusik bei Quentin Tarantino
2.4 Filmmusik von Ennio Morricone
3. Für Elise als Filmmusik bei Filmen von Tarantino
3.1 Der Film Inglourious Basterds (2009)
3.1.1 Inhalt des Films
3.1.2 Filmsequenz mit Für Elise
3.1.3 Audiovisuelle Analyse der Filmsequenz
3.2 Der Film Django Unchained (2012)
3.2.1 Inhalt des Films
3.2.2 Filmsequenz mit Für Elise
3.2.3 Audiovisuelle Analyse der Filmsequenz
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die funktionale und ästhetische Verwendung von Ludwig van Beethovens Klavierstück Für Elise als Filmmusik in den Werken Inglourious Basterds und Django Unchained von Quentin Tarantino. Dabei wird analysiert, wie die Integration klassischer Musik in das brutale Genre des Neo-Italo-Western narratologische Spannungsfelder erzeugt und zur psychologischen Charakterisierung sowie zur Vermittlung moralischer Positionen des Regisseurs beiträgt.
- Analyse der filmmusikalischen Techniken nach Ennio Morricone und Quentin Tarantino.
- Untersuchung der kontrastierenden Wirkung von Klassik und Gewaltdarstellung.
- Audiovisuelle Analyse spezifischer Schlüsselszenen in Tarantinos Filmen.
- Reflektion über die Rolle von Für Elise als Ausdruck von Identität und Machtverhältnissen.
- Vergleich zwischen diegetischem und non-diegetischem Musikeinsatz.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Filmsequenz mit Für Elise
Filmanfang: (0:00:00-0:00:38) Untertitel: Es war einmal... im Nazi besetzten Frankreich. 1941. Ein Jahr nach der Besetzung Frankreichs durch Deutschland. Ein einsamer Bauernhof ist in einer idyllischen Landschaft auf einem Hügel im Panoramabild zu sehen: Der Milchbauer LaPadite will einen Baumstamm entfernen und hackt ihn mit einer Axt. Seine Tochter Julie hängt die weiße Bettwäsche auf die Wäscheleine auf. Plötzlich nimmt sie das Geräusch der Automotoren wahr. Als sie das große weiße Laken zur Seite schiebt, ertönt Ennio Morricones La condanna, dessen Hauptthema viermal wiederholt wird.
Audiovisuelle Sequenz 1: (0:00:39-00:00:58) Man sieht auf einer Piste, die direkt zum Bauernhof führt, einen Konvoi. Julie ruft laut „Papa!“, als sie den Konvoi der deutschen Besatzer entdeckt. LaPadite hört sofort mit dem Holzhacken auf. Er versenkt die Axtschneide in dem Baumstumpf und setzt sich auf den Baumstamm. Seine zwei weiteren Töchter stürzen aus dem Haus, um zu sehen, was draußen gerade passiert. LaPadite ruft nervös, dass sie zurück ins Haus gehen und die Tür schließen sollen. Die Mädchen verschwinden schnell wieder ins Haus. Es herrscht eine düstere und gespannte Atmosphäre. Man ahnt, dass gleich etwas Schlimmes passieren wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Allgegenwärtigkeit von Beethovens Für Elise ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich des Einsatzes dieses Stücks in den Filmen von Quentin Tarantino.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieser Abschnitt beleuchtet die Entstehungsgeschichte und Rezeption von Für Elise sowie die grundlegenden Techniken der Filmmusik und die spezifischen Ansätze von Tarantino und Morricone.
3. Für Elise als Filmmusik bei Filmen von Tarantino: Hier werden die Filme Inglourious Basterds und Django Unchained detailliert inhaltsanalytisch und audiovisuell hinsichtlich der Integration von Für Elise untersucht.
4 Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Ergebnis, dass die Musik bei Tarantino als Kontrapunkt zur Handlung fungiert, um Katharsis zu erzeugen und moralische Distanzierungen zu den gezeigten Gewaltszenen zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Quentin Tarantino, Ennio Morricone, Für Elise, Filmmusik, Inglourious Basterds, Django Unchained, Neo-Italo-Western, audiovisuelle Analyse, Leitmotiv, Mood-Technik, Kontrapunktierung, Klassische Musik, Gewaltdarstellung, Filmästhetik, Dramaturgie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Funktion und den Effekt des klassischen Musikstücks Für Elise von Ludwig van Beethoven als Filmmusik in zwei ausgewählten Filmen von Quentin Tarantino.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Filmmusiktheorie, dem spezifischen Regiestil Tarantinos, der Zusammenarbeit mit dem Komponisten Ennio Morricone und der dramaturgischen Wirkung von Musik in gewaltgeprägten Filmsequenzen.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Es wird untersucht, wie das kontrastierende Aufeinandertreffen von klassischer Musik und brutaler Filmhandlung (Nationalsozialismus bzw. Sklaverei) genutzt wird, um narrative Spannung zu erzeugen und Emotionen zu steuern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine filmwissenschaftliche, audiovisuelle Analyse, bei der sowohl die Bildebene (Inhalt, Schnitt) als auch die musikalische Ebene (Instrumentierung, Tempo) in ihrer wechselseitigen Wirkung betrachtet werden.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil ist in zwei große Analyseteile gegliedert, welche die Handlungszusammenfassungen, detaillierte Beschreibungen der relevanten Sequenzen und eine fundierte audiovisuelle Auswertung für die Filme Inglourious Basterds und Django Unchained bieten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Filmmusik-Techniken, Neo-Italo-Western, Kontrapunktierung und die spezifische Ästhetik von Quentin Tarantino beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Nutzung von Für Elise in den beiden Filmen?
Während die Musik in Inglourious Basterds non-diegetisch die Atmosphäre unterstreicht, wird sie in Django Unchained als Teil der filmischen Realität (diegetisch) in einer zentralen, harfenbegleiteten Szene eingesetzt.
Welchen Einfluss hat die Musik auf die Darstellung von Dr. Schultz in Django Unchained?
Die Musik fungiert hier als Auslöser für ein emotionales Erdbeben bei der Figur Dr. Schultz, da der Kontrast zwischen der „zivilisierten“ klassischen Musik und der Grausamkeit des Sklavenhalters Candie für ihn unerträglich wird.
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- Oyungerel Lunke (Author), 2020, "Für Elise" als Filmmusik bei Quentin Tarantino in "Inglourious Basterds" und "Django Unchained". Klassik trifft auf Neo-Italo-Western, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/949991