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Bürokratie und Geschlecht. Geschlechtskonstruktionen im bürokratisch-demokratischen Staat

Title: Bürokratie und Geschlecht. Geschlechtskonstruktionen im bürokratisch-demokratischen Staat

Seminar Paper , 2007 , 34 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Alexandra Samoleit (Author)

Gender Studies
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Diese Arbeit beschäftigt sich mit folgenden Fragen: Welches Beziehungsgefüge besteht zwischen Staat und Geschlecht? Inwieweit reproduziert der Staat tatsächlich Normen einer männerdominierten Gesellschaft? Wie wirkt sich das Geschlechterverhältnis in seiner theoretischen und praktischen Form auf geschlechtsspezifische Herrschaftsverhältnisse und staatliche Institutionalisierungsprozesse aus? Welche Bedeutung kommt dem Staat hinsichtlich geschlechtlicher Diskriminierung in der Gesellschaft zu? Welchen Einfluss hat das Wohlfahrtssystem auf die Emanzipation oder Unterdrückung von Frauen und Männern und wie wirkt sich dies auf die gesellschaftlichen Geschlechterdefinitionen aus?

Im ersten Teil der Arbeit soll ein kurzer Überblick über den Forschungsstand und die verwendeten Autoren erfolgen, bevor die Begrifflichkeiten Bürokratie, Staat und Geschlecht erläutert werden. Der zweite Teil befasst sich mit der historischen Charakterisierung des Staats als männliches Konstrukt. Dem folgend wird betrachtet, wie der Bürokratisierungsprozess auf verschiedene Aspekte des menschlichen Lebens im Staat Einfluss hat. Im vierten Teil soll konkret betrachtet werden, in welchem Verhältnis weibliche und männliche Geschlechtskonstruktionen zum bürokratischen Staat stehen und in welcher Art und Weise Männer und Frauen in ihrer Lebenswelt von geschlechtlicher Diskriminierung durch den Staat betroffen sind.

Abschließend wird zusammengefasst, welche Implikationen eine geschlechtliche Staatsstruktur für das Staatssubjekt hat.
Der Prozess der Modernisierung, Rationalisierung und Demokratisierung, in dessen Zuge sich das bürokratische System moderner Nationalstaaten herausbildete, scheint bei oberflächlicher Betrachtung ein Prozess der Vermännlichung gewesen zu sein. Der Staat hat historisch einen distinktiv männlichen Charakter, der sich in unterschiedlichen Begrifflichkeiten artikuliert.

Das Geschlechter- und Strukturverhältnis im Nationalstaat wurde lange Zeit als patriarchalisch beschrieben. Der Staat wurde und wird als eine Art Männerbund verstanden, was sich auf seine eingeschlechtliche, organisatorische Struktur bezieht, in der politische und wirtschaftliche Positionen mehrheitlich durch Männer besetzt sind. In diesem Zusammenhang schwingt ein intrinsischer Maskulinismus in Form eines öffentlichen Ideologiesystems zur gesellschaftlichen Propaganda männlicher Überlegenheit mit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begrifflichkeit und Forschungsstand

2.1 Forschungsstand

2.2 Bürokratie

2.3 Der Staat

2.4 Kapitalismus

2.5 Geschlecht

3. Der „männliche Staat“ Teil 1

3.1 Die „Männlichkeit“ bürokratischer Verwaltung

3.2 Selektion und Institutionalisierung von Gefühlen

3.3 Der Staat als Männerbund

4. Die bürokratische Normativierung des Staatssubjekts

4.1 Selbsterhaltung bürokratischer Strukturen und deren gesellschaftliche Verankerung

4.2 Die Private Sphäre

4.2.1 Sphärentrennung

4.2.2 Der Ehevertrag bei John Locke

4.3 Die „bürokratisierte“ Familie

4.3.1 Die Ehe unter dem Einfluss von Bürokratisierung und Kapitalismus

4.3.2 Jugendgerichtsbarkeit zur Durchsetzung normativer Strukturen in der Familie

4.4 Geschlechterkonstruktion in der Erziehung und Bildung

4.4.1 Geschlechterunterschiede in der Kindererziehung

4.4.2 Die öffentliche Bildung

4.5 Der Wohlfahrtstaat als bürokratische Kontrollinstanz

4.5.1 Konsumenten und Klienten in der bürokratischen Hierarchie

4.5.2 Weibliche Klienten

5. Geschlechterdiskriminierung im bürokratischen Staatssystem

5.1 Frauen im bürokratischen Staat

5.1.1 Historische Kontinuität weiblicher Unterdrückung

5.1.2 Feministische Staatstheorie

5.2 Männer im bürokratischen Staat

5.2.1 Der „männliche“ Staat Teil 2

5.2.2 Der Maskulinistische Staat und die Realität männlicher Macht

6. Schlussfolgerung - Das bürokratisierte Staatssubjekt

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Beziehungsgefüge zwischen Staat und Geschlecht und analysiert, inwiefern bürokratische Strukturen im modernen demokratischen Staat die Normen einer männerdominierten Gesellschaft reproduzieren und zur Institutionalisierung von Geschlechterungleichheit beitragen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich das bürokratische Staatssystem auf die Emanzipation oder Unterdrückung von Frauen und Männern auswirkt und wie dies gesellschaftliche Geschlechterdefinitionen beeinflusst.

  • Der Staat als "männliches" Konstrukt und Männerbund
  • Die Rolle von Bürokratie bei der Normativierung des Staatssubjekts
  • Einfluss von Wohlfahrtsstaat und Kapitalismus auf Geschlechterverhältnisse
  • Geschlechtsspezifische Diskriminierung innerhalb staatlicher Institutionen
  • Feministische Perspektiven auf Staatstheorie und Machtverhältnisse

Auszug aus dem Buch

3.3 Der Staat als Männerbund

Die „männlichen“ Institutionen des Staates werden historisch in Verbindung mit dem Begriff des Männerbundes gebracht. (siehe dazu vor allem Eva Kreisky und Nicolaus Sombart) Um ihren hegemonialen Anspruch auf Macht zu sichern, schließen sich Männer nach dieser Theorie zu Gruppen zusammen, um ihre Dominanz in der Gesellschaft zu erhalten. Dieser Zusammenschluss kann freiwillig und bewusst, aber auch unbewusst und informell geschehen.

Männerbünde sind dabei nicht nur funktionelle Allianzen, sondern vielmehr Wertegemeinschaften, die nicht nur auf einem rationalen Nutzenprinzip, sondern auf emotionaler und affektiver Bindung beruhen. Sie zeichnen sich durch eine extrem hierarchische Binnenstruktur aus, in dem sie sich um einen „Anführer“ gruppieren und ihre Wertmaßstäbe und Denkmuster nach dieser Ordnung ausrichten. Dabei spielen nach innen Treue, Ehre, Gehorsam, Gefolgschaft und Unterwerfung, nach außen aber vor allem die Konstruktion künstlicher Feindbilder eine große Rolle.

Am eindeutigsten spiegelt sich eine solche Organisationsstruktur im Militär wieder, welches nicht ohne Grund Vorbild für gesellschaftliche Strukturen, wie Bürokratie und Sozialpolitik im Staat, ist. Die Entwicklung von Männerbünden ist mit der Entwicklung des deutschen Zentralstaates nach einem soldatischen Organisationsmodell im wilhelminischen Kaiserreich verbunden. Als exklusiv männliche Institution ist der Staat das Gegenstück zur Familie, der Sphäre also, die eindeutig weiblich konnotiert ist. Das verbindende Element eines exklusiv männlichen, soldatisch-martialischen Wertekodex fungiert gleichzeitig als Abgrenzung nach außen, gegen den Feind, der diese Männlichkeit bedroht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des "männlichen Staates" ein und thematisiert das Spannungsfeld zwischen demokratischem Gleichheitsanspruch und realen geschlechtsspezifischen Machtverhältnissen.

2. Begrifflichkeit und Forschungsstand: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Bürokratie, Staat, Kapitalismus und Geschlecht und gibt einen Überblick über den wissenschaftlichen Diskurs sowie die verwendeten theoretischen Ansätze.

3. Der „männliche Staat“ Teil 1: Hier wird der Staat als historisches Männerkonstrukt analysiert, wobei die „Männlichkeit“ der Verwaltung, die Selektion von Gefühlen und die Theorie des Männerbundes im Fokus stehen.

4. Die bürokratische Normativierung des Staatssubjekts: Das Kapitel untersucht, wie Bürokratie durch das Eindringen in die Privatsphäre, Familie und Bildung das Handeln und Bewusstsein der Bürger strukturiert und kontrolliert.

5. Geschlechterdiskriminierung im bürokratischen Staatssystem: Hier wird die spezifische Diskriminierung von Frauen und Männern im staatlichen System sowie die feministische Staatstheorie kritisch reflektiert.

6. Schlussfolgerung - Das bürokratisierte Staatssubjekt: Die Schlussfolgerung fasst zusammen, dass der Staat ein historisches Konstrukt bleibt und das Staatssubjekt trotz bürokratischer Durchdringung durch menschliche Eigenschaften wie Kreativität und Widerstand geprägt bleibt.

Schlüsselwörter

Bürokratie, Staat, Geschlecht, Männlichkeit, Weiblichkeit, Männerbund, Geschlechterungleichheit, Wohlfahrtsstaat, Kapitalismus, Feministische Staatstheorie, Machtstrukturen, Diskriminierung, Soziale Konstruktion, Verwaltungssoziologie, Staatssubjekt

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Zusammenspiel zwischen bürokratischen Staatsstrukturen und der sozialen Konstruktion von Geschlecht, um aufzuzeigen, wie staatliches Handeln Geschlechterungleichheiten reproduziert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die historische Entwicklung des Staates als männlich konnotierte Institution, die bürokratische Durchdringung privater Lebensbereiche wie Familie und Bildung sowie die Auswirkungen des Wohlfahrtsstaates auf die Geschlechterrollen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die geschlechtsspezifische Prägung staatlicher Herrschaftsverhältnisse aufzudecken und zu untersuchen, wie bürokratische Prozesse Frauen und Männer in ihrer Lebenswelt diskriminieren oder kontrollieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse unter Einbeziehung feministischer Staatstheorien, der Soziologie Max Webers sowie der kritischen Männerforschung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Transformation des Staates als maskulinistisches Konstrukt, der bürokratischen Normativierung der Familie und Erziehung sowie der geschlechtsspezifischen Wirkung von Wohlfahrtsleistungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlüsselbegriffe umfassen Bürokratie, Staat, Geschlecht, Männerbund, Machtstrukturen und feministische Staatstheorie.

Warum wird der Staat in dieser Arbeit als "Männerbund" bezeichnet?

Der Begriff bezieht sich auf die historische und strukturelle Organisation staatlicher Institutionen, in denen Männer exklusive Machtpositionen besetzen und Wertegemeinschaften bilden, die auf männlich konnotierten Verhaltenskodizes wie Ehre und Loyalität basieren.

Wie beeinflusst der Wohlfahrtsstaat die Rolle von Frauen?

Der Wohlfahrtsstaat wird als bürokratische Kontrollinstanz beschrieben, die durch eine lohnarbeitszentrierte Ausrichtung Frauen häufig in ökonomische Abhängigkeit drängt und das traditionelle Modell der Ehe subventioniert, was eine eigenständige Emanzipation erschwert.

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Details

Title
Bürokratie und Geschlecht. Geschlechtskonstruktionen im bürokratisch-demokratischen Staat
College
University of Erfurt
Grade
1,7
Author
Alexandra Samoleit (Author)
Publication Year
2007
Pages
34
Catalog Number
V950126
ISBN (eBook)
9783346292537
ISBN (Book)
9783346292544
Language
German
Tags
Bürokratie Demokratie Staat Nation Gender Geschlecht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexandra Samoleit (Author), 2007, Bürokratie und Geschlecht. Geschlechtskonstruktionen im bürokratisch-demokratischen Staat, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/950126
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