Diese Arbeit untersucht die Frage, ob sich etwas nach dem Hitler-Regime in beiden deutschen Staaten, die sich jeweils die Gleichberechtigung von Mann und Frau ins Grundgesetz bzw. in die Verfassung geschrieben hatten, verändert hat, oder ob alte Geschlechterrollen aus der NS-Zeit schlicht konserviert und in eine neue staatliche Ordnung hinübergerettet wurden.
Nun soll hier untersucht werden, inwieweit sich das Frauenbild, aber auch die Stellung von Frauen in Gesellschaft und Politik im Vergleich zur Periode des Nationalsozialismus gewandelt haben. Hatte jede Frau als einziges „die Pflicht, heiter und anmutig zu sein“, wie der renommierteste Eheberater der jungen Bundesrepublik, Walter von Hollander, in seiner Zeitschrift schrieb? Oder war es ihr mittlerweile gelungen, veraltete Wertvorstellungen zu durchbrechen und so einen weiteren Schritt Richtung Emanzipation zu machen?
Nicht zuletzt muss bei der Untersuchung dieser Fragen berücksichtigt werden, inwieweit die frauenpolitischen Realität in beiden deutschen Staaten divergierten, um sich ein vollständiges Bild davon machen zu können, wie die verschiedenen Systeme mit dem gesellschaftlichen Erbe des Nationalsozialismus umgingen. Hierzu wird der Zeitraum von 30-40 Jahren nach Kriegsende berücksichtigt werden.
Der Kollaps des dritten Reiches war in vielerlei Hinsicht der Beginn einer neuen Ära. Die Besatzung durch die Siegermächte machten eine völlige Neuorientierung in Politik, Ökonomie und Gesellschaft möglich. Frauen waren zum damaligen Zeitpunkt in ein neues Spannungsverhältnis geraten: Zunächst noch durch die Propaganda zu „Gebärmaschinen“ umfunktioniert, übernahmen sie nach Kriegsende die Rolle des Ernährers der Familie, da die Männer unabkömmlich waren. Dieses „Matriarchat“ wurde aber in Frage gestellt, als die Ehemänner zurückkamen und die Wiederherstellung des patriarchalischen Familienmodells auf Basis der absoluten Gehorsamkeit der Frau gegenüber dem Mann zurückforderten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gleichberechtigung im Sozialismus
2.1 Der Anfang der DDR-Frauenpolitik
2.1.1 Frauen in der Theorie des Sozialismus
2.1.2 „Staatliche“ Emanzipation
2.2 Bevölkerungspolitik in den 70ern
2.3 Das Revidieren des Vereinbarkeitskonzeptes
3. Frauen in der jungen Bundesrepublik
3.1 Die arbeitende Frau im Widerspruch zum konservativen Gesellschaftsbild
3.1.1 Die Währungsreform und ihre Konsequenzen für Arbeitnehmerinnen
3.1.2 Gleichberechtigung durch Gewerkschaften?
3.2 „Familienpolitik“ und Frauenbild in der Adenauer-Ära
3.2.1 Die katholische Kirche und Kritik an Frauenerwerbsarbeit
3.2.2 Ein Ministerium als Abwehrinstanz gegen Emanzipation
3.3 Frauenbewegung im Zeichen der 68er-Proteste
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel des Frauenbildes und der gesellschaftlichen Stellung von Frauen in den beiden deutschen Staaten in den ersten drei bis vier Jahrzehnten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Ziel ist es zu analysieren, ob und wie die DDR und die junge Bundesrepublik mit dem Erbe der Geschlechterrollen des Nationalsozialismus umgingen und ob tatsächliche Emanzipation stattfand.
- Vergleich der staatlich gelenkten Emanzipation in der DDR versus konservativer Rollenbilder in der BRD.
- Analyse der Rolle der Frau im Erwerbsleben unter wirtschaftlichen und ideologischen Vorzeichen.
- Untersuchung des Einflusses von Politik, Kirche und gesellschaftlichen Institutionen auf das Frauenbild.
- Bewertung der Auswirkungen der 68er-Proteste auf die westdeutsche Frauenbewegung.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Die Währungsreform und ihre Konsequenzen für Arbeitnehmerinnen
Auch wenn die Währungsreform 1948 nicht wie befürchtet zu einem rapiden Anstieg der Arbeitslosigkeit führte, so kann man trotzdem die plötzliche Erhöhung der Frauenarbeitslosigkeit auf sie zurückführen.
Durch die Einführung der Deutschen Mark hatte das Geld wieder einen Gegenwert. Das höhere Warenangebotes führte zu hoher Nachfrage. Die Kaufkraft konnte aber nicht dauerhaft mit den steigenden Preisen Schritt halten. Zusammen mit dem nicht abreißenden Strom von Kriegsflüchtlingen bedingte dies einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf bis zu 12.8% im März des Jahres 1950. Diese Entwicklung förderte die Bereitschaft zur Verdrängung von Frauen, die zuvor Männerstellen übernommen hatten, zugunsten aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrender männlicher Arbeitskräfte. Dies war ja auch die Gelegenheit, die Tradition vom arbeitenden Mann und der Frau am Herd als gesellschaftliche Norm wiederherzustellen.
Auch die Politik trug ihren Teil dazu bei, Frauen den Einstieg und/oder Verbleib im Berufsleben zu erschweren. Allerdings gab es durchaus Differenzen über den Umgang mit berufstätigen Frauen. So lehnte etwa das nordrhein-westfälische Innenministerium das eigentlich vorgeschriebene und von mehreren Behörden auch praktizierte Entlassen von Beamtinnen nach deren Heirat ab:
„Außerdem aber muß man zu der Auffassung, daß die §§63 ff. DBG nicht mehr anwendbar sind, auch schon im Hinblick auf die Motive gelangen, die zu der Übernahme dieser Bestimmungen in das neue Beamtengesetz von 1937 geführt haben. Diese Motive lassen unschwer erkennen, daß es sich dabei um rein nationalsozialistisches Gedankengut gehandelt hatte.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Ausgangssituation der Frau nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit hinsichtlich des Emanzipationsverlaufs in beiden deutschen Staaten.
2. Gleichberechtigung im Sozialismus: Dieses Kapitel behandelt die Frauenpolitik der DDR, die durch ideologische Vorgaben und ökonomische Notwendigkeiten geprägt war, sowie die staatliche Steuerung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
3. Frauen in der jungen Bundesrepublik: Hier wird das konservative Gesellschaftsbild der frühen BRD untersucht, welches durch die Währungsreform, den Einfluss der Kirche und eine gezielte Familienpolitik die berufliche Emanzipation von Frauen eher zu behindern suchte.
4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass weder der Sozialismus noch die Demokratie automatisch zur Gleichberechtigung führten, wobei jedoch in beiden Systemen Ansätze für einen Wandel und spätere emanzipatorische Erfolge sichtbar wurden.
Schlüsselwörter
Frauenemanzipation, DDR-Frauenpolitik, Bundesrepublik Deutschland, Nachkriegszeit, Geschlechterrollen, Sozialismus, Familienpolitik, Erwerbstätigkeit, 68er-Bewegung, Nationalsozialismus, Frauenbild, Emanzipation, Arbeitsmarkt, Vereinbarkeit, Konservatismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die gesellschaftliche Stellung und das Bild der Frau in der DDR und der jungen Bundesrepublik in den ersten Jahrzehnten nach 1945.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der staatlichen Frauenpolitik, der Erwerbstätigkeit von Frauen sowie dem Einfluss traditioneller Geschlechterrollen, die aus der NS-Zeit übernommen wurden.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob sich die Stellung der Frau nach dem Hitler-Regime in beiden Staaten tatsächlich verbessert hat oder ob alte Geschlechterrollen lediglich konserviert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Primär- und Sekundärquellen basiert, um die divergenten frauenpolitischen Ansätze zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der „staatlichen“ Emanzipation im Sozialismus und das konservative Frauenbild sowie die Auswirkungen der Adenauer-Ära und der 68er-Proteste im Westen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Frauenemanzipation, Geschlechterrollen, DDR-Frauenpolitik, Familienpolitik und die Frauenbewegung der 68er.
Welchen Einfluss hatte die katholische Kirche auf das Frauenbild in der BRD?
Die Kirche übte massiven moralischen Druck aus, indem sie die Erwerbstätigkeit von Frauen als ehezersetzend und kinderfeindlich diffamierte, um das traditionelle Familienmodell zu stützen.
Wie wirkten sich die 68er-Proteste auf die Situation der Frauen aus?
Obwohl Frauen innerhalb der 68er-Bewegung zunächst auf Widerstand stießen, ermöglichte die interne Organisation die Entstehung eines neuen weiblichen Milieus und legte den Grundstein für die moderne Frauenbewegung.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2017, Frauen nach dem Hitler-Regime in der BRD und der DDR. Ein Vergleich der Emanzipation in beiden Staaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/950128