Digitalisierung des Regionalverkehrs SPNV in Bayern. Eine kurze Betrachtung der Ökonomischen Marktanalyse


Seminararbeit, 2020

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kurzfassung

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Vorwort

1 Definition des Begriffes SPNV

2 Marktmodell-Check

3 Marktmodell - Auswahl

4 Vergleich der Entwicklung im Modell versus Realität

5 Wirkungen der Digitalisierung

Literaturverzeichnis

Kurzfassung

Anhand von unterschiedlichen Voraussetzungen wird überprüft, welches Marktmodell am meisten auf die Bahnbetreiber im Regionalverkehr des SPNV in Bayern zutrifft. Dabei wird festgestellt, dass viele Merkmale des Klassischen Marktmodells den SPNV entsprechen. Anschließend wird erklärt, wer für den SPNV in Bayern zuständig ist und wie der Wettbewerb aussieht.

Um das Thema abzuschließen, wird eine Annahme bzgl. der zukünftigen Entwicklung des SPNV durch Thomas Prechtl, einen der zwei Geschäftsführer der BEG erklärt.

Schlagwörter: Marktmodell, SPNV, BEG, Anbieter, Digitalisierung

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: BAG-SPNV: Mitglieder des SPNV in Deutschland

Abkürzungsverzeichnis

AEG = Allgemeines Eisenbahnnetz

BAG = Bundesarbeitsgemeinschaft

BEG = Bayerische Eisenbahngesellschaft

SPNV = Schienenpersonennahverkehr

Vorwort

Diese Seminararbeit soll eine Übersicht über die Entwicklung des Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Bayern unter dem Einfluss der Digitalisierung geben.

Als erstes wird der Begriff „SPNV“ definiert, um vorab klarzustellen um welchen Markt es sich handelt. Anschließend werden die unterschiedlichen bestehenden Marktmodelle vorgestellt und die jeweiligen Voraussetzungen bzw. Merkmale geschildert. Daraufhin wird das aktuell am besten passende Marktmodell für den SPNV ausgewählt und erklärt.

Letztlich wird die voraussichtliche Entwicklung des SPNV unter anderem aus finanzieller Hinsicht erläutert und die möglichen Effekte der Digitalisierung wie die Veränderung der Tickets in der Zukunft dargestellt.

1. Definition des Begriffes SPNV

Laut dem Allgemeinem Eisenbahnnetz (AEG) ist der „Schienenpersonennahverkehr […] ein Verkehrsdienst, dessen Hauptzweck es ist, die Verkehrsbedürfnisse im Stadt-, Vorort- oder Regionalverkehr abzudecken. Das ist im Zweifel der Fall, wenn in der Mehrzahl der Beförderungsfälle eines Zuges die gesamte Reiseweite 50 Kilometer oder die gesamte Reisezeit eine Stunde nicht übersteigt.“1

2. Marktmodell-Check

Zunächst werden die unterschiedlichen Marktmodelle erklärt und anschließend geprüft, ob die Voraussetzungen der jeweiligen Modelle auf den Markt der Bahnbetreiber im Regionalverkehr des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) in Bayern zutreffen. Ausgegangen wird jeweils von einem idealen Markt.

Das klassische Marktmodell ist das erste Modell, bei welchem die linearen Angebots- und Nachfragefunktionen jeweils vom Preis abhängig sind. Hierbei gibt es einen Auktionator, der den optimalen Marktpreis feststellt. Die Anbieter wissen jedoch, zu welchem Preis sie ihr Produkt anbieten möchten (abhängig von den Kosten und der Kapazität) und die Nachfrager haben einen persönlichen Reservationspreis (sog. willingness-to-pay), der den höchsten bereit zu zahlenden Preis angibt. Die Kaufkraft der Nachfrager ist notwendig, damit der Nutzen durch den Kauf eines Produktes realisiert werden kann.2 Dieses Modell trifft auf das SPNV in Bayern zu, da der BEG die Streckennetze für das Unternehmen mit dem wirtschaftlichsten Angebot vergibt.3

Das nächste Marktmodell ist das homogene Monopol. Bei diesem Modell handelt es sich um einen einzigen Unternehmer, dem Monopolisten, der die Marktmacht besitzt, über die Menge und den Preis bestimmen kann und ein Gewinnmaximum anstrebt. Je weniger produziert wird, umso höher ist der Preis und je mehr produziert wird, umso niedriger ist der Preis. Grundsätzlich ergibt sich die Nachfrage aus „der Abhängigkeit des Preises von der Menge der produzierten und verkaufbaren Gütern“.4 Der zu erzielende Marktpreis kann vom Monopolisten selbst gewählt werden. Hierbei wird der maximierte Gewinn am Cournot-Punkt gemessen und der Umsatz ergibt sich aus Preis*Menge.5 Allgemein sind die Preise beim Monopolisten höher, da immer eine Nachfrage besteht. Dieses Modell könnte auf den SPNV zutreffen, da er in Bayern der einzige Anbieter ist, bzw. der Aufgabenträger die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) ist.

Beim Marktmodell des homogenen Polypols, steht ein Unternehmen vielen kleinen Betrieben bei vollständigem Wettbewerb und Konkurrenz gegenüber. Es gibt viele Betriebe und viele Nachfrager, wobei keiner von ihnen die Marktmacht hat, da eine vollständige Preistransparenz herrscht. Die einzelnen Betriebe können jedoch selbst über die Produktionsmenge entscheiden, da alle ein gleichartiges Produkt erzeugen. Da im Polypol die Betriebe Mengenanpasser sind, ist der Nachfrager nicht dazu bereit einen höheren Preis als den des aufgerufenen Mengenpreises zu zahlen, da er meist eh nicht unterscheiden kann, von welchem Produzenten welches Produkt hergestellt wurde. Es besteht zudem das Ertragsgesetz, welches bedeutet, dass bei einer steigenden Produktionsmenge die Grenzkosten steigen. Auf langfristige Sicht können in diesem Modell neue Betriebe einsteigen und die bestehenden können ihre Kapazitäten aufbauen oder bei einer zu schlechten Nachfrage ihr Unternehmen schließen.6 Dieses Modell trifft nicht zu, da der SPNV kein kleiner Betrieb ist und er nicht viele Konkurrenten hat.

Beim homogenen Oligopol werden von mehr als zwei Anbietern die gleichen Produkte für viele Nachfrager angeboten. Anders beim heterogenen Dyopol/Oligopol, wo auch zwischen zwei und zehn Akteure vertreten sind, welche ähnliche aber nicht die gleichen Produkte anbieten. Die Produkte unterscheiden sich unter anderem in Qualitätseigenschaften, Marke, der Nähe zum Konsumenten, Kundenbindung etc. Es besteht eine Nachfrage zu jedem Produkt und bei kleinen Preisänderungen, verlieren die Akteure grundsätzlich ihre Nachfrager nicht an den Konkurrenten.7 Das heterogene Dyopol/Polypol trifft teilweise auf den SPNV zu, da es kaum Anbieter gibt und bei Preisänderungen die Nachfrager fast keine Möglichkeit haben, auf einen anderen Anbieter umzusteigen. Es wird beim SPNV und anderen Anbietern jedoch ein homogenes Produkt angeboten und kein heterogenes.

3. Marktmodell - Auswahl

Das am nächsten zutreffende Marktmodell auf den Bahnbetreiber im Regionalverkehr des SPNV in Bayern ist das klassische Marktmodell.

Anmerkung der Redaktion: Aus urheberrechtlichen Gründen wurde diese Abbildung entfernt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Aufgabenträger für den SPNV in ganz Deutschland sind die Mitglieder der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG)-SPNV. In Bayern ist seit dem Jahr 1996 hierfür nur die BEG – die Bayerische Eisenbahngesellschaft mbH zuständig. Die gesetzlichen Aufgaben eines SPNV-Aufgabenträgers werden in Form von einer Landesgesellschaft des Freistaats Bayern wahrgenommen. Die BEG hat somit in Bayern die Marktmacht.8 Vor 1996 hatte die Deutsche Bahn die Marktmacht in Bayern. Jedoch führt die BEG Wettbewerbsverfahren durch, indem es bestimmte Streckennetze und einzelne Strecken unterschiedlichen Unternehmen anbietet. Diese Strecken vergibt sie dann an das Unternehmen, welches das wirtschaftlichste Angebot in Bezug auf Preis und Qualität macht. Im ganzen Jahr werden in Bayern „von insgesamt 122 Millionen Zugkilometer im bayerischen SPNV 91 Millionen von der DB Regio und 31 Millionen von anderen Verkehrsunternehmen gefahren“.9

Aufgrund dessen trifft das Klassische Marktmodell am ehesten auf den Markt der Bahnbetreiber im Regionalverkehr SPNV in Bayern zu.

4. Vergleich der Entwicklung im Modell versus Realität

Jährlich erhält die BEG gut eine Milliarde Euro vom Freistaat. Mit fast rund zur Hälfte finanziert sich der Regional – und S-Bahn-Verkehr in Bayern somit durch staatliche Zuwendungen. Zur anderen Hälfte durch die Fahrgelderlöse. Die sog. Regionalisierungsmittel (Gelder) stehen dem Bund zu und dieser „leitet sie zur Finanzierung des SPNV an die Länder weiter.“10 Diese Steuergelder werden seit 1996 (seit Einführung der BEG) aber möglichst zugunsten des Nutzers eingesetzt.

Die Regionalisierungsmittel wurden in Deutschland seit 2016 von 7,5 auf ca. 8 Milliarden Euro aufgestockt. Es wurde sich auf eine Aufteilung der Regionalisierungsmittel der Länder geeinigt und der bayerische Anteil soll von 15,1 im Jahr 2016 auf 16,3 Prozent im Jahr 2031 steigen und daraus ergibt sich eine Planungssicherheit für die BEG für die nächsten Jahre.11

Auf langfristige Sicht wird die BEG weiterhin in Bayern als Aufgabenträger für den SPNV verantwortlich sein und im Jahr 2023 alle Strecken in Bayern im Wettbewerb vergeben haben. Das heißt, dass ab dem Jahr alle Unternehmen für das jeweilige Streckennetz bekannt sind, bis die Verträge irgendwann wieder auslaufen.12

5. Wirkungen der Digitalisierung

„Die Digitalisierung führt zu neuen Mobilitätskonzepten, verändert aber auch die Erwartungen der Nutzer an die Mobilität.“13 Doch was wünschen sich die Reisenden von der Digitalisierung in Bezug auf die zukünftige Mobilität?

Eine Umfrage des MÜNCHNER KREISES „Innovationsfelder der digitalen Welt – Bedürfnisse von übermorgen“ zufolge, in der „7.278 Privatpersonen zwischen 18 und 70 Jahren in sechs Ländern (USA, Brasilien, China, Indien, Südkorea und Deutschland) befragt wurden, stand fest, dass die Nutzer mehr wollen, als nur von A nach B zu kommen. Die Befragung ergab, dass viele Nutzer ihre Reisezeit für Aktivitäten wie z. B. Telefonieren, Arbeiten oder Kommunizieren nutzen möchten, aber ihnen ihre „Privatsphäre in Kombination mit Flexibilität, Nachhaltigkeit und Sorglosigkeit sowie Zeit für andere Aktivitäten“ wichtig ist. Ein großes Potential und viele Chancen bestehen hier für den Bahnverkehr.14

In Zukunft möchte die BEG den SPNV in Bayern immer weiter verbessern. Große Ziele, sind unter anderem, dass Engpässe in der Schieneninfrastruktur beseitigt werden und überall eine Barrierefreiheit gewährt werden kann.15 Weiterhin möchte der Staat in Bayern den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ausbauen. Dabei ist unter anderem eine Strecken-Elektrifizierung für den SPNV und der Ausbau des landesweiten Stundentakts in Bayern in Planung.16

Die Zukunft des SPNV stellt sich einer der zwei Geschäftsführer der BEG Thomas Prechtl aber folgend vor: Eine Abschaffung des Ticketsystems und Ersetzung durch eine Chip-Karte oder ein Smartphone, dass die Reiseetappen automatisch registriert, das günstigste Ticket bucht und den fälligen Betrag am Ende der Reise vom Konto abbucht. Durch solche Maßnahmen würde die Reise des Nutzers sich um einiges vereinfachen, da dieser z. B. kein Ticket mehr am Automaten kaufen müsste oder sich allgemein Gedanken um eine Fahrkarte machen muss.

Inwieweit diese Vorstellungen in der Zukunft verwirklicht werden, steht noch in den Sternen. Letztendlich ist die Digitalisierung eine unaufhaltsame Entwicklung, der man sich anpassen wird, um den Bedürfnissen aller Nutzer gerecht zu werden.

[...]


1 AEG, § 2 Abs. 12

2 Vgl. Goecke (2020a), Video: Der klassische Markt – Preisfindung & Preiseigenschaften

3 Vgl. BEG (2016a), Wettbewerb auf Bayerns Schienen

4 Goecke (2020b), Diagramme Monopolist, S. 1

5 Vgl. Goecke (2020c), Video: Homogenes Monopol Teil 1

6 Vgl. Goecke (2020d), Video: Homogenes Polypol klassischen Mengenanpasser bei Grenzkosten nach Ertragsgesetz kurzfristig

7 Vgl. Goecke (2020e), Video: Heterogene Oligopole Teil 1

8 Vgl. BAG-SPNV, Mitglieder

9 BEG (2016), Wettbewerb auf Bayerns Schienen

10 BEG (2016), Wettbewerb auf Bayerns Schienen

11 Vgl. BEG (2016), So finanziert sich der SPNV

12 Vgl. BEG (2016), Wettbewerb auf Bayerns Schienen, S. 51

13 BEG (2016a), Digitalisierung und Mobilität

14 Vgl. BEG (2016b), Digitalisierung und Mobilität

15 Vgl. BEG (2016a), Wettbewerb auf Bayerns Schienen, S. 51

16 Vgl. Bayerische Staatsregierung (2019), Wohnen, Bau und Verkehr

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Digitalisierung des Regionalverkehrs SPNV in Bayern. Eine kurze Betrachtung der Ökonomischen Marktanalyse
Hochschule
Hochschule München
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
11
Katalognummer
V950219
ISBN (eBook)
9783346288899
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marktmodell, SPNV, BEG, Anbieter, Digitalisierung
Arbeit zitieren
Emily Herkner (Autor:in), 2020, Digitalisierung des Regionalverkehrs SPNV in Bayern. Eine kurze Betrachtung der Ökonomischen Marktanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/950219

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