Livius und die mittlere Römische Republik


Referat / Aufsatz (Schule), 1999
11 Seiten
Anonym

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1.) Einleitung:

Anhand der Beispiele für die Jahre 218 - 208 v. Chr. soll gezeigt werden, welche Anstrengungen die Römer unternahmen, um dem Angriff Hannibals entgegentreten zu können. Zu beachten bleibt, wie in den Quellen jeweilige Ereignisse behandelt wurden. Natürlich war ein Sieg gegen einen zahlenmäßig überlegenen Feind ein wahrlich glänzender, also scheute man sich nicht, den Feind mit einem großen Heer darzustellen, die andere Möglichkeit war die, daß man die eigenen Truppen zahlenmäßig geringer einzuschätzte. Dieses Stilmittel wurde gern von den römischen Annalisten benutzt, ,,deren unzuverlässige und ausgeschmückte Darstellungen" in das Monumentalgeschichtswerk des Titus Livius ( 59 v. Chr. bis 17 n. Chr.) Einlaß fanden.

2.) 218:

Der Senat hatte die Provinzen, die den Konsuln unterstellt werden sollten, benannt. Durch Auslosung fiel Spanien an Cornelius, Afrika mit Sizilien an Sempronius. Für dieses Jahr wurden ihnen sechs Legionen zugesprochen und soviel Bundesgenossen, wie sie für notwendig hielten. Auch wurde ihnen eine Flotte zugeteilt, so groß wie sie gestellt werden konnte.

Die Römer hoben aus: 24.000 Mann zu Fuß

1.800 Mann zu Pferd;

die Bundesgenossen: 40.000 Mann zu Fuß

4.400 Mann zu Pferd.

Die Flotte bestand aus 220 Fünfruderern und 20 Schnellseglern. Danach fand eine Volksbefragung statt, ob Karthago der Krieg erklärt werden sollte. - Die ausgehobenen Truppen wurden wie folgt verteilt:

Sempronius bekam zwei Legionen zu je 4.000 Infanteristen und je 300 Reitern, 16.000 Fußsoldaten der Bundesgenossen und 1.800 Reiter der Bundesgenossen, 160 Kriegsschiffe und zwölf Schnellsegler. Mit diesen Streitkräften wurde er nach Sizilien geschickt, um von dort aus nach Afrika überzusetzen, wenn der andere Konsul die Punier vom Römischen Reich fernzuhalten in der Lage sein würde.

Cornelius erhielt eine geringere Zahl an Truppen, weil der Prätor L. Manlius gleichfalls mit Truppen ausgerüstet nach Gallien geschickt wurde. Bei Cornelius bezieht sich die Minderung hauptsächlich auf die beigegebene Flotte: er bekam 60 Fünfruderer. An Landstreitkräften erhielt er zwei römische Legionen mit der zugehörigen Reiterei und 1.600 Reiter der Bundesgenossen.

Die Provinz Gallien erhielt für die Dauer des 2. Punischen Krieges zwei römische Legionen, 10.000 Bundesgenossen zu Fuß, 600 römische - und 1.000 verbündete Reiter.

Diese Angaben schrieb Livius über die römischen Truppenaufgebote für das Jahr 218. Nun bleibt einzuschätzen, welcher Wahrheitsgehalt sich hinter diesen scheinbar präzisen Angaben verbirgt. Dieser Versuch, die Angaben möglichst protokollarisch erscheinen zu lassen, ist signifikant spätannalistisch, man versuchte seinen Darlegungen dadurch eine größere Glaubwürdigkeit formal zu vermitteln.

Welche Beurteilungen erfahren die von Livius gemachten Angaben von der historischen Kritik?

Die Meinungen der Historiker gehen weit voneinander ab. Polybios 3, 41 gibt die Anzahl der Truppen und Schiffe leider nicht genau an, so daß ein direkter Vergleich nicht möglich ist. Fabius hingegen liefert andere Angaben als Livius. Von Polybios werden aber in 3, 40 die Verhältnisse in Gallien genauer dargestellt, nach seinen Angaben sei Manlius lediglich mit nur einer Legion ausgestattet gewesen. Kahrstedt wertet die Berichte des Livius als vollständig erlogen ab. Er schließt aus Polybios III 107, 11, daß die Römer in jedem Jahr, mit Ausnahme von 216, vier Legionen aufgestellt hätten, alle davon abweichenden Angaben betrachtet er als reine Erfindung. De Sanctis versucht, Kahrstedt zu widerlegen, allerdings räumt er ein, daß Livius diese Angaben von seinen spätannalistischen Gewährsleuten übernommen hätte. Er glaubt aber, daß diese Zahlen letzten Endes auf Angaben in Senatsakten zurückgingen, von daher sieht er sie - mit einigen Abstrichen versehen - als glaubwürdig an. Auch Alfred Klotz vertritt wie de Sanctis die Anschauung, daß die ,,vielgeschmähte Annalistik", im Gegensatz zu den Aufzeichnungen von Polybios und Coelius Antipater, Material aus den Senatsakten enthalten hätte. Klotz wird in seiner Auffassung von Friedrich Cornelius unterstützt. Skepsis gegenüber den livianischen Darstellungen bezeugen Münzer, Scullard, Thiel, Rögler und Beversdorff. Gelzer beweist, daß gelegentlich echte Aktenstücke verwendet wurden, z. B. im Bericht über die Unterdrückung der Bacchanalien ( Liv. 39. 9 - 19 ), die Kontrolle über die Richtigkeit der Angaben liefert das inschriftlich erhaltene Rundschreiben der Konsuln von 186. Trotzdem hält Gelzer es für unvertretbar, die gesamten Angaben über Amtshandlungen und Senatssitzungen für aktenkundig zu halten. Dies macht jedoch P. Cantalupi, der die livianischen Angaben kritiklos übernimmt.

Vielleicht sollte man sich einmal vor Augen führen, welche Aufgabe die damalige Geschichtsschreibung erfüllen mußte oder sollte. Es war bereits damit Genüge getan, wenn die Ereignisse in schöner Form beschrieben wurden. Es brauchten nicht unbedingt die genauesten Angaben vorliegen, die Wahrscheinlichkeit der Richtigkeit galt als ausreichendes Kriterium.

Abschließend sei bemerkt, daß man weder der Annalistik vollen Glauben schenken sollte, man sie aber auch nicht abwerten darf; unsere Einstellung zu solchen Quellen muß eine unbedingt kritische sein, auch wenn diese Quellen unsere einzigen für diese Epochen sind.

Die Truppenstärke der römischen Streitkräfte im Zeitraum von 214 - 208: ,,Nach Cannae ist eine zusammenhängende Untersuchung der Heereszahlen nicht mehr möglich, da Polybios von da an nur in Fragmenten vorliegt, und die annalistische Tradition patriotisch entstellt ist. Einst akzeptierte man ruhig diese Tradition, und auch Beloch, der sonst so vielen übertriebenen Vorstellungen ein Ende gemacht hat, wollte sie nicht zur Seite legen. Erst Wiese, der sich schon früher auf einen anderen Standpunkt gestellt hatte, wagte es, Livius zu verwerfen ( Göttig. Gelehrt.-Anz. 1901)."

3.) 214:

Nach den Senatsbeschlüssen von 214 wurde P. Cornelius Lentulus Prätor von Sizilien; T. Otacilius zum zweitenmal Prätor und wiederum mit dem Flottenkommando betraut.Nach der griechischen Überlieferung hatte aber Ap. Claudius dort das Imperium inne, er habe eine Flotte von 100 Schiffen zur Verfügung gehabt. Nach Livius XXIV 10, 3. 11, 2 sq. sollen für dieses Jahr insgesamt 18 Legionen gebildet worden sein, wovon sechs durch erneute Aushebungen entstanden seien. Er gibt die Verteilung wie folgt an: zwei Legionen für Q. Fabius Maximus ( Konsul ),

zwei Legionen für M Claudius Marcellus ( Konsul ), zwei Legionen für Gallien ( ager gallicus ), zwei Legionen für Sardinien, zwei Legionen für Ti. Gtracchus; er behielt seine volones bei Luceria, zwei Legionen für Prätor Q. Fabius; zum Schutze Apuliens, eine Legion, die aus dem Aufgebot Varros in Picenum gebildet wurde, eine Legion, mit der M. Valerius Laevinus die Südostküste bei Brundisium schützen sollte, zwei legiones urbanae zum Schutze Roms und zwei Legionen für Sizilien.

In der livianischen Aufstellung würden sogar noch die beiden spanischen Legionen, die Besatzung der Castra Claudiana und die Besatzung des Lagers bei Suessula, die zwei Legionen stark war, fehlen. Dies würde bedeuten, daß Rom im Jahre 214 über 22 Legionen unter Waffen gehabt hätte. Wie erwähnt, sollen sechs neue Truppenteile ausgehoben worden sein. Zu den alten Legionen sind die sizilischen, die volones des Ti. Gracchus, die eine sardinische, die Legionen des Prätors Q. Fabius und eventuell auch die des Laevinus zu rechnen.

Zur Verdeutlichung des Kriegsgeschehens im Jahre 214:

1.) Die Schlacht von Benevent, die zwischen zwei Nebencorps geschlagen wurde. Nach Livius soll das Lager Hannos erobert worden sein, dessen ganze Armee bis auf 2.000 Mann vernichtet worden sei. Dies scheint eine maßlose Übertreibung zu sein, denn dagegen spricht, daß Hanno dem Gracchus einige Monate später in Lucanien eine Niederlage beibrachte.

2.) Im Herbst 214 eroberteten die Römer Casilinum zurück und machten es zu ihrer Operationsbasis für die Vergeltung an Capua.4.) 213:

Niese, der die Angaben von Livius vollständig verwirft, hält nur die Aussagen von Polybios VIII, 3 für brauchbar, die sich auf das Jahr 213 beziehen. Danach sei Marcellus nicht mehr Konsul, zwei Konsuln stünden auf italischem Boden, also mit zwei konsularischen Heeren. Livius gibt für 213 keine Summenzahl an, er zählt die Legionen einzeln auf. Es bestand ein Bestreben, die Truppen auf ihren Schauplätzen zu lassen und einen Kommandowechsel zu vermeiden, so behielt Ti. Gracchus seine zwei legiones volonum, Q. Fabius filius übernahm das Heer seines Vaters ( vormals konsularische Legionen ), M. Aemilius Lepidus übernahm zwei Legionen bei Luceria, Prätor P. Sempronius Tuditanus erhielt den Posten in Ariminum und somit die beiden Legionen des M. Pomponius, die legiones urbanae von 214 führte nun Cn. Fulvius Centimalus nach Suessula, welches zum Rekrutendepot bestimmt wurde. Eine gewisse Regelmäßigkeit ist dabei festzustellen, denn die vorjährigen legiones urbanae wurden jeweils im darauffolgendem Jahr nach Sueeula geführt und im dritten Jahr einem Imperator übergeben.

Marcellus kämpfte in Sizilien, ihm wurde dieser Kampfplatz während seines Amtsjahres zugewiesen. Er übernahm die Landmacht, wohingegen Ap. Claudius weiterhin die Flotte kommandierte. Bei der Belagerung von Syrakus wechselten die Kommandos, so daß nunmehr Claudius die Landmacht - und Marcellus, der zu diesem Zeitpunkt Prokonsul war, die Flotte befehligte. Zusätzlich standen in Sizilien die beiden legiones cannenses, deren Kommandant Proprätor M.Lentulus war. Dem Proprätor M. Valerius Laevinus wurde als Provinz Graecia et Macedonia zugewiesen, fraglich ist, ob diese Legion mitzuzählen ist. 214 geschieht dies, 212 hingegen nicht.

Q. Mucius Scaevola behielt seine zwei Legionen in Sardinien, desgleichen verblieben die in Picenum. Zu diesen 18 aufgezählten Legionen kämen noch die beiden spanischen und die legiones urbanae hinzu. Ausdrücklich wird für dieses Jahr die Aushebung von Ersatzmannschaften für die Bundesgenossen und die römischen Legionen bezeugt: sie sollen eine Zahl von ca. 20.000 Mann aufgebracht haben.

In Sizilien belagerte Marcellus Syrakus, beschränkte sich nach achtmonatiger Belagerung auf eine Blockade und konnte so Ap. Claudius zwei Drittel des Heeres überlassen. Mit dem ihm verbliebenen Drittel wandte er sich gegen die übergelaufenen Städte. Jedoch fühlte er sich dem karthagischem Heer, das aus 25.000 Mann Infanterie und 3.000 Reitern sowie zwölf Elefanten bestand, unterlegen. Ein syrakusisches Heer von 10.000 Fußsoldaten und 500 Reitern konnte er besiegen. Hieraus läßt sich schließen, daß das römische Gesamtheer in Sizilien größer als 10.000 - 12.000 Mann gewesen sein muß, weil sonst das Heer des Marcellus nur eine Stärke von 3.300 - 4.000 Mann gehabt hätte. Damit wären ihm die o.g. Erfolge nicht gelungen.

Niese und Beloch versuchen zu beweisen, daß 213 nur vier Legionen im Feld waren. Diese hätten ihrer Meinung nach genügt, um Hannibal im Schach zu halten, da er stark geschwächt war. Delbrück will zwar die hohe Anzahl von Legionen beibehalten, setzt dafür jedoch die Sollstärke auf teilweise nur 2.000 Mann fest. Diese unvollständigen Legionen hält auch Kromayer für gegeben.

5.) 212:

Die legiones urbanae von 214 waren 213 nach Suessula geschickt worden und wurden 212 von Fulvius übernommen. Prätor Cn. Fulvius Flaccus übernahm bei Luceria die Truppen und Aufgaben von M. Aemilius. Prätor C. Claudius Nero rückte mit seinen Truppen, die Varro 215 ausgehoben hatte, ins Lager nach Suessula ein. Die beiden legiones urbanae von 213 wurden unter Prätor M. Junius nach Etrurien beordert. Der Prokonsul Ti. Gracchus übernahm in Lucanien die zwei legiones volonum. P. Sempronius Tuditanus blieb in Ariminum. Auf Sizilien blieben zwei legiones cannenses unter P. Lentulus im Westen der Insel. Zwei Legionen blieben zur weiteren Belagerung von Syrakus im Osten unter Marcellus. Auf Sardinien befanden sich zwei Legionen unter Q. Mucius Scaevola. Hinzuzurechnen sind noch die beiden spanischen Legionen und die legiones urbanae. Dies würde eine Gesamtsumme von 23 Legionen ergeben ( Liv. XXV 3, 7 ).

Im Verlaufe dieses Jahres erfuhr der Heeresbestand große Veränderungen: die zwei legiones volonum wurden aufgelöst. Bei Herdonea erlitten die Römer eine schwere Niederlage. Von 18.000 Mann ( zwei Legionen zu je 4.000 Mann und je 5.000 Bundesgenossen ) entkamen nur 2.000 Mann. Fulvius konnte sich mit 200 Reitern retten. Die übriggebliebenen Truppenteile wurden in legiones cannenses eingegliedert und mußten unter den gleichen Bedingungen wie diese dienen. Fulvius sollte sich vor einem Kriegsgericht verantworten, entzog sich diesem jedoch, indem er nach Tarquinii in die Verbannung ging.

Livius erwähnt für das Jahr 212 den Untergang der Scipionen in Spanien, Antias legt diesen jedoch in das Jahr 211. Wenn man nach Livius rechnet, müßten sechs Legionen von den insgesamt 23 aufgezählten Legionen subtrahiert werden.

6.) 211:

Leichter zu übersehen ist der Bestand des Jahres 211. Damals lagen zwei konsularische Heere unter den Prokonsuln vor Capua ( insgesamt vier Legionen ). Hinzu kamen wahrscheinlich noch zwei Legionen des Proprätors Nero. Als Hannibal gegen Rom zog, sollen die Konsuln noch mit Aushebungen beschäftigt gewesen sein, so daß Hannibal dort eine starke Bewachung antraf. Zwei Legionen waren auf Sizilien, hinzu kamen noch Garnisonen und Besatzungen.

Bei Livius sind die Angaben über die Truppenverteilungen für 211 unvollständig: es ergibt sich eine Gesamtzahl von 17 Legionen:

vier vor Capua,

zwei in Etrurien, zwei in Gallien,

zwei in Sizilien mal drei = sechs Legionen, zwei in Sardinien und

eine Legion in Griechenland.

Cantalupi zählt nun noch die zwei legiones urbanae auf. Von Livius nicht erwähnt wurden die Legionen der neuen Konsuln Cn. Fulvius Centimalus und P. Sulpicius Galba und zwei Legionen in Suessula. Insgesamt ergäbe sich damit eine Summe von 23 Legionen. Von den spanischen Legionen waren nur zersprengte Reste geblieben; sie wurden erst nach der erfolgreichen Belagerung des abtrünnigen Capuas wieder aufgefüllt. Wie war die Lage in Rom, als Hannibal einen Vorstoß auf das Zentrum des römischen Reiches unternahm?

Die Einschätzungen sind unterschiedlicher Natur: Klotz gibt an, daß der Prokonsul Q. Fulvius mit ausgewählten Soldaten aus den Heeren, die vor Capua lagen mit einer Stärke von 15.000 Mann Fußsoldaten und 1.000 Reitern in Richtung Rom gezogen sei. Er soll in die Stadt eingerückt sein, als Hannibal sein Lager ca. acht Meilen von Rom entfernt aufschlug. Polybios hingegen weiß zu berichten, daß die Konsuln dieses Jahres noch mit Aushebungen beschäftigt waren, und von daher ein Heer bei Rom in Bereitschaft lag. Anzunehmen ist, daß ein ausreichend großes Heer bei Rom gelegen hat, da Hannibal abzog. Zu berücksichtigen ist auch die Tatsache, daß Rom sicherlich nicht im erstem Ansturm gefallen wäre und eine langfristige Belagerung aus rein versorgungstechnischen Gründen nicht möglich war, zumal die Zeit für die Römer lief, da Hannibal ohne Nachschub war.

7.) 210:

Inzwischen hatten die Römer Capua erobern können, so daß sie nun einige ihrer Truppen auflösen konnten. Dies war aus einer wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus sinnvoll, denn in den vorangegangenen Jahren hatte ca. ein Drittel der Bürger im Felde gestanden. Dies führte zu einer geringeren Produktion und diese Minderung sich doppelt auswirken mußte, weil die Legionen mit Proviant versorgt werden mußten. Der Krieg verursachte hohe Rüstungsausgaben. Die gesamte Last ruhte demnach auf einem kleinem Teil der Bevölkerung, was auf die Dauer zu verheerenden Wirkungen geführt hätte. Man löste die zwei Legionen des Marcellus auf, die bereits seit 214 auf Sizilien stationiert waren. Auch die Legion des Laevinus in Griechenland wurde aufgelöst. Die vor Capua stehenden vier Legionen wurden zur Neubildung des spanischen Heeres herangezogen. Es darf angenommen werden, daß deren Stärke aufgrund hoher Verluste vor Capua dezimiert war, zumal auch die älteren Jahrgänge aus dem Heer entlassen wurden. Diese Maßnahmen wurden getroffen, um die Landwirtschaft anzukurbeln.

Für das Jahr 210 soll die Truppenaufstellung folgendermaßen gewesen sein:

Die Konsuln erhielten je zwei Legionen, die im Vorjahr auf Nebenkriegsschauplätzen in Etrurien und Gallien gestanden hatten. Marcellus übernahm den Oberbefehl gegen Hannibal, Laevinus die sizilische Flotte und die beiden legiones cannenses. Die legiones urbanae von 211 wurden unter C. Calpurnius Piso nach Etrurien geschickt. Das konsularische Heer des Sulpicius von 211 wurde nach Gallien verlegt. In Apulien trat keine Änderung ein. Die zwei sardinischen Legionen traten unter den Befehl von Prätor P. Manlius Vulso. Zwei legiones urbanae wurden neu aufgestellt. Es ergibt sich für das Jahr 210 eine Gesamtsumme von 21 Legionen.

Im Laufe diese Jahres wurden zwei Legionen bei Herdonea vernichtet. Die Überlebenden schlugen sich zu Marcellus nach Samnien durch. P. Sulpicius erhielt Order, sein Heer zu entlassen. Entgegen diesen Befehl taucht es jedoch in den Senatsbeschlüssen von 209 wieder auf.

8.) 209:

Für das Jahr 209 führt Livius eine Gesamtzahl von 21 Legionen auf.

Von den Latinern und bundesgenössischen Gemeinden wurde erklärt, daß sie ihren militärischen und pekuniären Verpflichtungen nachzukommen nicht mehr in der Lage seien. Anzunehmen ist, daß die Heere der Bundesgenossen vergleichbar waren mit den Anteilen an Römern, also eine anteilgleiche Beteiligung vorlag.

Gliederung der 21 Legionen:

Fabius führte zwei Legionen gegen Tarent. Hierbei handelte es sich um die Legionen, die 210 in Etrurien gestanden hatten. Fulvius kämpfte gegen Hannibal in Lucanien und Bruttien mit zwei Legionen, die 210 von Laevinus auf Sizilien kommandiert worden waren. Die legiones urbanae von 210 wurden nach Etrurien geschickt und dem dortigen Oberbefehlshaber C. Calpurnius Piso unterstellt. Prätor L. Veturius Pilo wurden die beiden Legionen des C. Laetorius bei Ariminum zugesprochen. Marcellus behielt seine Truppen. Die Lage auf Sizilien blieb unverändert. Die legiones cannenses wurden einem Proprätor unterstellt. Die zwei sardinischen Legionen übernahm Prätor C. Aurebeleiusae von P. Manlius Vulso. P. Sulpicius, der laut Senatsbeschluss sein Heer hätte entlassen sollen, behielt nach Livius eine Legion und die Flotte. Ihm wurde Makedonien anvertraut. In Spanien sollen vier Legionen unter Scipio und Silanus gestanden haben; zudem existierten noch die zwei legiones urbanae.

9.) 208:

Für das Jahr 208 enthält die livianische Aufstellung ebenfalls eine Summe von 21 Legionen. Die Konsuln M. Marcellus und T. Quinctus Crispinus übernahmen jeweils zwei Legionen. Die verbliebenen Truppenteile führte Prätor Q. Caudius Flamen nach Tarent. Prätor S. Julius Caesar übernahm Sizilien mit allen dort stationierten Truppen. Prokonsul Q. Fulvius Flaccus erhielt den Oberbefehl über die bei Capua stehende Legion des T. Quinctius. Der Prätor urbanus von 209, Hostilius folgte C. Calpurnius im Oberbefehl über die beiden etrurischen Legionen. L. Veturius Philo und C. Aurunculeisae behielten ihre Kommandos in Gallien und Sardinien ( je zwei Legionen). In Spanien standen vier Legionen. Über die legiones urbanae von 209 wurde keine Verfügung getroffen. In der Zeit des Zensus von 209/208 dürften die Bestände der römischen Armee geringer einzuschätzen sein, da die Unterwerfung Siziliens vollendet war. Dementsprechend bezeugt auch Livius die Entlassung von zwei Legionen und der Veteranen.

Über die Größe der Flotten während der Dauer des 2. Punischen Krieges liegt kaum Zahlenmaterial vor. Polybios gibt für das Jahr 213 nur für die sizilische Flotte eine Zahl an: 100 Fünfruderer, die makedonische Flotte mag 50 Schiffe umfaßt haben, über die spanischen Seestreitkräfte der Römer liegen keine Zahlen vor. Anzunehmen ist, daß sie mehr als 30 Schiffe umfaßte.

10.) Die Bedeutung der Aussagen antiker Geschichtsschreiber für unser Verständnis von römischer Geschichte:

Die angegebenen Zahlen für die Jahre 218 - 208 dürften gezeigt haben, welche Anstrengungen von römischer Seite gemacht wurden, um Hannibal zu bekämpfen. Die Einschätzungen neuzeitlicher Historiker über diese Ereignisse sollten dazu dienen, dem vorgegebenen Quellenmaterial die richtige Deutung zu geben. Leider lassen sich keine genauen Angaben machen, da das vorliegende Quellenmaterial zu lückenhaft und unterschiedlich ist. Jedoch lassen sich allzu phantastische Zahlen auf ein Erträgliches reduzieren, wenn man folgende Tatsachen, die bei der Bearbeitung des Themas herausgearbeitet wurden, beachtet:

1.) Benutzten die Annalisten gerne das Stilmittel, die römischen Truppen je nach Bedarf zu verringern oder zu vergrößern, um einenSieg oder eine Niederlage entsprechend darstellen zu können.
2.) Hatten die Legionen nicht immer ihre Normzahl. Es gab Ausfälle bei Schlachten, Krankheiten und Todesfällen. Es gab vermißte - und auch gefangene Römer.In Ruhezeiten wurden größere Teile der Truppen beurlaubt.
3.) War die Stärke der Legionen in den verschiedenen Jahren nie konstant. Zu Beginn des 2. Punischen Krieges stellte die Bundesgenossen für ein konsularisches Heer ca. 16.000 Infanteristen und ca. 900 Reiter ( 2 Alen ), wohingegen die Römer für die zwei konsularischen Legionen jeweils 4.000 Fußsoldaten und 300 Berittene stellten. Um das Jahr 210 sank die Zahl der Bundesgenossen, die den Legionen zugeteilt wurden bis zu einem Gleichstand in der Zahl von Römern und socii.
4.) Konnten zu Beginn eines Jahres noch die Legionen der Konsuln des Vorjahres im Felde stehen, ein Kriegszug ließ sich nicht mit dem Ende der Legislaturperiode gleichfalls beenden. Von daher dürfte erklärbar sein, wenn es im ersten Moment zu sehr hohen Angaben kommt. Berechnet man die o.a. Tatsachen mit ein, dann reduzieren sich die gemachten Angaben beträchtlich. Wenn man davon ausgeht, daß alljährlich mindestens vier konsularische Legionen ausgehoben wurden und zählt man im Kriegsfall die Vorjahreslegionen der Konsuln mit, erreicht man bereits eine Summe von acht Legionen. Daneben existierten alljährlich zwei legiones urbanae, deren Existenz jedoch von einigen Historikern angezweifelt wird. Geht man aber davon aus, daß sie bei Livius regelmäßig aufgeführt werdern, die Truppen bei Rom ausgehoben und geschult werden mußten, außerdem brauchte Rom eine Notbesatzung; von daher erscheint die Existenz der legiones urbanae glaubhaft.

Darüberhinaus war Rom die ganze Zeit in Sizilien engagiert mit mindestens zwei Legionen, hinzuzurechnen sind noch die beiden legiones canneses. Von daher kommt man bereits auf eine Summe von über zehn Legionen.

Zu beachten ist, daß Livius des öfteren falsche Jahresangaben macht, so daß Legionen auch doppelt gezählt sein könnten.

Nicht zu vertreten ist, daß über längere Zeiten bis zu 23 Legionen im Feld gestanden haben sollen. Diese Angaben sind mit den Angaben über die Bevölkerungszahlen und der ökonomischen Lage des Staates unvereinbar.

Des weiteren zählte Livius die Truppen, die jeweils zu Beginn der neuen Legislaturperiode im Felde standen, jedoch kam es vor,daß truppen nach der Beendigug eines Feldzuges beurlaubt wurden. Die Aufstellung kann daher Legionen enthalten, die bereits aufgelöst waren. Hierbei ist es zu Verdopplungen und Überschneidungen gekommen.

Tatsache bleibt, daß Rom große Anstrengungen militärischer und wirtschaftlicher Art machen mußte, um Karthago Paroli bieten zu können. Die Grenzen der Aushebungsmöglichkeiten wurden immer dann erreicht, wenn eine wirtschaftliche Krise drohte. Der wehrfähige Teil der Bevölkerung war höher als der , der ausgehoben werden konnte, ohne daß die Wirtschaft zu verheerendem Schaden kam. Nur eine gesunde wirtschaftliche Basis erlaubte es, einen solchen Krieg zu führen.

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Details

Titel
Livius und die mittlere Römische Republik
Jahr
1999
Seiten
11
Katalognummer
V95030
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die römischen Truppenaufgebote während des 2. Punischen Krieges, überprüft anhand von Quellen (Livius XXI, 17) für den Zeitraum 218 - 208 v. Chr.
Schlagworte
Livius, Römische, Republik
Arbeit zitieren
Anonym, 1999, Livius und die mittlere Römische Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95030

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