Die Blütezeit des Kameralismus


Referat / Aufsatz (Schule), 1998
6 Seiten

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Einleitung

Wenn man die Epoche des Merkantilismus betrachtet, ist zu beachten, daß in Deutschland diese Epoche Kameralismus genannt wird. Die kameralistische Periode hat die ganzen Wirtschafts- und Sozialbereiche der Zeit beeinflußt und einZiel war, es die Industrie weiter zu entfalten. In dieser Zeit wurde besonders der überregionale Absatz, insbesondere der Export des ausgerichteten Gewerbes für die industrielle Entfaltung gefordert. Dieses Referat soll nun dieses Teilstück des Kameralismus, also die Entwicklung des Dienstleistungssektors im Bereich des Handels und der Handelspolitik aufgreifen, die in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg und im 18. Jahrhundert stattfand.

1. Der Außenhandel

1.1 Die Entwicklung des Außenhandlessektors in Europa

Im 18. Jahrhundert, besonders aber auch in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, kam es zu einer erheblichen Ausdehnung im Bereich des Außenhandels. Doch erst am Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Niveau der Vorkriegszeit wieder erreicht. Aufgrund des starken Zuzugs der Landbevölkerung konnte sich die städtische Wirtschaft schnell wieder erholen. Infolge der niedrigen Agrarpreise in den folgenden Jahrzehnten nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges, stieg die Konkurrenzfähigkeit des Exportgewerbes. ,,Der Handel wurde jetzt allerdings nicht mehr von den süddeutschen Handels- und Gewerbeständigen getragen, sondern von den Küstenstädten der Nordsee (z.B. Bremen und Hamburg) und von den Niederländern und Engländern."1

Da inzwischen der größte Teil der überseeischen Gebiete in den Händen der Niederländer und den Engländern befand, war der Überseehandel nur mit deren Einwilligung oder den Handelsorganisationen dieser Länder in Gang zu halten. Denn die Spanier sowie die Portugiesen waren am Ende des 16. Jahrhunderts von den Niederländern und den Engländern nach und nach immer mehr aus ihren Handelsterritorien, die sie fast monopolartig ausgebaut hatten, verdrängt worden. Ein äußerer Indikatior hierfür war die Gründung zweier Handelsgesellschaften, 1600 Gründung der Ostindischen Kompagnie in England und 1602 Gründung der Niederländisch-Ostindischen Kompagnie. Diese zwei Handelsgesellschaften sollten den entscheidenden Einfluß auf den europäischen Überseehandel über mehr als ein Jahrhundert erlangen.

England gelang es, mit Hilfe von drei Kriegen zwischen Niederländern und den Engländern, die Dominanz der Niederländer zu eliminieren.1a Diese Kriege verhalfen England wieder zu einer besseren Vormachtstellung. Die Niederländer jedoch konnten aufgrund ihrer günstigen Lage an der Rheinmündung noch einige Zeit ein hohes Niveau des überseeischen Handels aufrechterhalten. ,,Die Engländer überrundeten in der Schiffskapazität und damit vermutlich auch im Handelsvolumen die Niederländer erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts."2 Erst im 18. und 19. Jahrhundert brachte die koloniale Ausdehnung Englands eine erhebliche Verschiebung des Gleichgewichts zwischen den beiden Konkurrenten.

Nun eröffnete sich in der Entwicklung des deutschen Außenhandels eine viel Zahl von Anknüpfungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel das Exportgewebe. "Die Exportgewerbe in dem Gürtel von Oberschlesien bis Aachen, um und in Berlin, ferner in Süddeutschland."3 In diesem Gürtel wurden sowohl Produkte und Waren für die außereuropäischen Märkte, als auch für die europäischen Verbraucher produziert. Durch diese Entwicklung wuchsen bald große Handelsplätze. Einer dieser Handelsregionen war Leipzig, denn Leipzig hatte ,,vor allem für den Absatz von westeuropäischen Waren in Osteuropa (Rußland, Polen) wichtige Messen"4. Auch ein wichtig gewordener Standpunkt war Hamburg geworden. Durch die Anbindungen an die Elbe und das Kanalsystem in der Brandenburger Region, sowie die Anbindung an die Oder5. Mit Hilfe dieser Anbindungen konnten von Hamburg aus fast alle wichtigen Handels- und Gewerbezentren in Mitteleuropa angesteuert werden und von diesen Waren bezogen werden.

Dieser Handel wurde nur wenig durch die kameralistisch-merkantilistische Wirtschaftspolitik, vornehmlich durch die weitverbreitete Zollpolitik6 in den bedeutendsten Staaten in Europa, beeinträchtigt. ,,Die allgemeine Exportförderung hatte dem Handel erheblich neue Impulse gegeben."7 Nur die Aufzeichnungen der Stadt Preußen verzeichnen eine Zufuhr an größeren Edelmetall- und Geldmengen. Auch verzeichnet ist, daß Preußen ca. 55 Millionen Taler Staatsschatz hatte im Jahre 1786. Dieser Wert entsprach zu der Zeit immerhin rund 30 - 40% des jährlichen Volkseinkommen in Preußen. Wenn man bei diesen Zahlen eine Exportquote von 4 - 5%8 sieht, waren diese Mittel sehr wahrscheinlich durch die Exportüberschüsse entstanden. Doch auch ein Grund dafür könnte gewesen sein, daß sich die Mengen an Edelmetallgeld verringert haben, und das man auf andere Zahlungsmittel ausgewichen ist.9

In dieser Zeit ist in Preußen ein Mangel an Geld oder auch an Edelmetall nicht festzustellen, somit ist zu der Zeit wohl genügend Edelmetall importiert worden. Doch ist auch zu beachten, daß ca. 10 - 15 Millionen Taler als Getreide und Ausrüstungmaterialien in Festungen wie Breslau und Magdeburg untergebracht waren.

In welchem Ausmaß sich der Außenhandel in den deutschen Territorien ausgebreitet hat, laßt sich nur schwer rekonstruieren, da detairte Angaben fehlen. In der Zeitspanne zwischen der Mitte des 17. Jahrhunderts und zu Beginn des 18. Jahrhunderts ist vermutlich nicht viel Außenhandel betrieben worden, denn es war zu der Zeit auf einem niedrigen Niveau. In der Zeit danach hat es den Anschein als ob die starken ,,Wirtschaftsvörderungen in fast allen Staaten Europas die nachteiligen Wirkungen der Merkantilpolitik neutralisiert haben, so daß mit zunehmender Bevölkerungszahl und mit zunehmender Ausdehnung des Gewerbes auch ein stark zunehmender interregionaler und ... internationaler Warenaustausch eingetreten ist"10.

1.2 Umfang des deutschen Außenhandels

Zu den Dimensionen des Außenhandels in Deutschland zum Ende dieser Zeitperiode kann man infolge auch unzähliger Berechnungen nicht viel sagen, man kann nur vage Angaben machen. Nach diesen Berechnungen lagen die exportierten und importierten Waren bei jeweils rund 360 Millionen Mark im Jahr11. Die Exportquote lag damit bei etwa 8 - 9% gemessen am Sozialprodukt8. Deutschland hatte am Ende des 18. Jahrhunderts eine ansehnliche Ausfuhr von Fertigwaren. Dies ist eine wichtige Grundbedingung zur Beschaffung von Divisen für Importe. Außerdem trug dies auch zur Beschleunigung des folgenden Industrialisierungsprozesses bei. Ein großer Teil des Exportes war im Sektor der

Textilindustrie, somit war dieser Bereich ein wichtiger Bestandteil in der deutschen Industrie. In den Bereichen Gewerbe und in der Ausfuhr von Waren wurde ca. die Hälfte der wirtschaftlichen Vorgänge durch die Textilindustrie bestimmt. Keine so führende Rolle hatte die Landwirtschaft mehr. ,,Nicht nach der Menge, jedoch nach dem Wert überwogen aber die über Hamburg, Bremen und niederländische Häfen oder über den Landweg nach Osteuropa gehenden Fertigwarenausfuhren."12

2. Der Binnenhandel

2.1. überregionaler Handel

Der Großhandel über weitere Entfernungen wurde normalerweise von den Kaufleuten betrieben, welche auch für den Außenhandel zuständig waren. Als Außenhandel konnte man auch schon damals den Handel mit weiteren Entfernungen innerhalb Deutschlands bezeichnen, denn bei weiteren Strecken waren oft Grenzen der zahlreichen Staaten Deutschlands zu überqueren .

2.2 örtlicher Handel

Im örtlichen Handel bestand eine intensive Verbindung zwischen den Produzierenden und den Nachfragern. Der größte Anteil des Einkommens der breiten Bevölkerung wurde für Nahrungsmittel verwendet. Deshalb waren ,,Naturale Vorgänge"13 damals noch weit verbreitet. Das ortsansässige Handwerk versorgte die Bevölkerung und die einzelnen Betriebe mit Produkten, so daß in diesem Bereich auch keine Beanspruchung des Handels stattfand.

Aufgrund dieser Tatsache konnte das Volumen des Binnenhandels nicht sehr groß sein, doch trotzdem hatte sich der hauptberufliche Handel recht weit spezialisiert. Sogenannte `Höker', `Materialisten' und `Kaufleute' waren oft mit einem weiten Warenangebot bestückt; wie Nahrungsmittel, Genußmittel und Gewürze, Farbwaren, Tabak und Kramwaren (Kleineisen- und Kurzwaren). Doch diese Händlerschicht hatte sich jeweils auf ein bestimmtes Gebiet spezialisiert: die Höker handelten mit Nahrungsmitteln, die Materialisten hatten sich auf die übrigen Waren spezialisiert. Doch es gab auch andere Händler, die bestimmte Warengruppen verkauften. Die Händlerdichte war in Deutschland um 1800 nicht sehr groß. So kamen etwa 2 - 2,5 Höker, Materialisten, Kaufleute und verschiedene andere Händler mit einem weiten Warenangebot auf je 1.000 Einwohner. Händler mit einer Spezialisierung auf einzelne Waren bzw. Warengruppen kamen nur auf ca. 1,5 -2,5 Händler je 1.000 Einwohner. Die Händlerdichte war abhängig von der Bevölkerungsdichte. Also je höher die Bevölkerungszahl je Flächeninhalt, desto höher war die Anzahl der Händler in der Region. Somit stieg die Tätigkeits- und Einkommenschance des Handels mit zunehmender Bevölkerungsdichte. Die Selbstversorgung durch z.B. Landwirtschaft nahm immer mehr ab und die Einführung des Marktgeschehens war somit eingeleitet und nahm immer mehr zu.

Schluß

Der Handel in der Zeit des Kameralismus ist ein zu großes und weitverzweigtes Thema, um es hier in allen Einzelheiten darzulegen. Somit habe ich mich auf die wesentlichsten Themengebiete begrenzt. Die Rekonstruktion einiger Sachlagen ist aus heutiger Sicht nicht ganz einfach und auch nicht ganz präzise. In dieser Zeit ist der Handel sehr ausgeprägt worden.

Literaturverzeichnis:

Henning, Friedrich Wilhelm: Das vorindustrielle Deutschland 800 bis 1800 Paderborn, 1974

Herman Kellenbenz: Deutsche Wirtschaftsgeschichte; Bd.I Von den Anfängen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts München, 1977

Heinrich Bechtel: Wirtschafts- und Sozialgeschichte Deutschlands Wirtschaftsstile und Lebensfor- men von der Vorzeit bis zur Gegenwart München, 1967

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Details

Titel
Die Blütezeit des Kameralismus
Autor
Jahr
1998
Seiten
6
Katalognummer
V95043
Dateigröße
378 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Blütezeit, Kameralismus
Arbeit zitieren
Matthias Meyer (Autor), 1998, Die Blütezeit des Kameralismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95043

Kommentare

  • Gast am 23.8.2000

    Danke.

    Hi Matthias!
    Erstmal super Kompliement für Dein Referat!
    War mit eine echt gute Hilfe in meinem VWL-Referat. Ich hab jetzt auch endlich verstanden, was mir eine großße Auswahl an Geschichtsbüchern - die hier vor mir liegt - darüber vermitteln wollte!

    Jetzt muss ich nur noch auf eine gute Benotung hoffen!

    Katti

  • Gast am 9.3.2001

    Dr..

    Das soll wohl nicht dein ernst sein, das was du hier geschrieben hast als eine "Hausarbeit" zu bezeichnen.

  • Gast am 13.5.2010

    Hallo Mathias! Lass mich raten, Fach: Geschichte, Jahrgangsstufe: 11, Lehrkraft: Herr Wittge ??
    Bin nun auch in den Genuss gekommen soch ein Referat zu schreiben. Und wie der Zufall es so will hab ich genau dein Thema. Meinst du, dass es zu auffällig ist wenn ich es übernehme??

    LG Anke Evers

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