Steiner, Rudolf


Referat / Aufsatz (Schule), 1998

4 Seiten


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Rudolf Steiner

vorgelegt von

Sebastian Loitsch

Rudolf Steiner wurde am 27.2.1861 im heutigen Jugoslawien geboren (Kraljevec auf der Mur-Insel). Sein Vater war als Beamter beschäftigt und zählte politisch zu den Freidenkern. Obwohl Rudolf Steiner in sehr einfachen Verhältnissen aufwuchs, zeigte er schon frühzeitig großes Interesse an naturwissenschaftlichen Ideen und Problemen, wie z.B. dem Kopernikanischen Weltsystem.

In früher Jugend erlebte Steiner das Denken als Erlebnis: "Rein im Geiste etwas erfassen zu können, das brachte mir ein inneres Glück...". Er versuchte die in der realen Welt gegensätzlichen Pole gedanklich zu erfassen und dialektisch zu vereinen. So z.B. unternahm er den Versuch, die Klarheit des mathematischen Denkens mit der Religionslehre in Einklang zu bringen.

Die häuslichen Verhältnisse Steiners ließen den Besuch einer höheren Schule zunächst nicht zu. Um die Werke von Fichte, Hegel oder Darwin studieren und verstehen zu können, mußte er sich die lateinische Sprache im Selbststudium aneignen. Die Leitfrage, die sich Steiner in diesem Lebensabschnitt stellte, war, das Verhältnis der physikalischen zur geistigen Welt zu begreifen. Er wollte den vorherrschenden Materialismus überwinden und überzeugend beweisen, daß das naturwissenschaftliche Weltbild begrenzt und nur durch ein spirituelles zu verstehen ist. Mit diesen Thesen war Steiner seiner Zeit gedanklich weit voraus.

1879 begann Steiner das Studium an der Technischen Hochschule zu Wien. Sein Interesse galt den Naturwissenschaften wie auch den Geisteswissenschaften gleichermaßen. In Karl Julius Schräer fand er einen hervorragenden Lehrer der deutschen Literatur, der ihm das Tor zu Goethes Gesamtwerk öffnete. Das weltoffene Wien gab Rudolf Steiner die einmalige Chance, mit namhaften Persönlichkeiten in gedanklichen Austausch treten zu können. Dazu zählten u.a. Rosa Mayreder, eine Vorkämpferin für die Gleichberechtigung der Geschlechter oder auch Otto Karl Lorenz für historische Themenkreise.

Aufbauend auf seine Goethe-Studien entwickelte Steiner 1886 die "Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung". 1882 schrieb er den bis heute besten Kommentar zu den botanisch soziologischen Schriften Goethes und wurde bereits als Einundzwanzigjähriger mit der Herausgabe der "Naturwissenschaftlichen Schriften Goethes" in "Kürschners Nationalliteratur" beauftragt. Steiners Bemühen galt in den Jahren 1882 bis 1896 insbesondere der philosophischen Begründung einer den Materialismus überwindenden Wissenschaft vom Organischen.

1890 siedelte Rudolf Steiner nach Weimar über, um im Goethe-und Schillerarchiv intensiv mitarbeiten zu können. Gleichzeitig wurde er einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler seiner Zeit und veröffentlichte diesbezüglich zahlreiche Schriften. Als Zeugnis seiner engen Verbundenheit mit Leben und Werk Goethes ließ er 28 Jahre später das erste Goetheanum in der Schweiz errichten.

1891 promovierte er in Rostock zum Doktor der Philosophie mit dem Thema: "Die Grundfrage der Erkenntnistheorie mit besonderer Rücksicht auf Fichtes Wissenschaftslehre". Schon in der Weimarer Zeit beeinflußten die beiden Philosophen Friedrich Nietzsche und Ernst Haeckel sein Denken und Schaffen. Rudolf Steiner konnte in die verschiedenen, sich widersprechenden Weltanschauungen eintreten und verstand diese meist besser als jene, die sie hervorbrachten. Er bemühte sich unterschiedliche intellektuelle Standpunkte und Ideen zusammenzuführen und erreichte dadurch den logischen Ausbau der Geisteswissenschaften, ohne einseitig hemmende Erkenntnisgrenzen. Das primäre Anliegen Steiners war das Postulat einer Philosophie der Freiheit, die die seelischen Beobachtungsresultate nach naturwissenschaftlichen Methoden verarbeitete.

1897 siedelte Steiner nach Berlin über, wo er gemeinsam mit Otto Erich Hartleben das "Magazin für Literatur" und die "Dramaturgischen Blätter" herausgab. Das Leben von Rudolf Steiner erfuhr durch seine Tätigkeit als Lehrer an der von Wilhelm Liebknecht gegründeten Arbeiter-Bildungsschule eine neue Qualität. Er unterrichtete hier weniger nach der gängigen marxistisch-materialistischen Weltanschauung, sondern seine Vorlesungen, Reden und Schriften wurden zunehmend durch seine eigenen antroposophischen Ideen bestimmt.

Sein weiteres Leben und Schaffen widmete Steiner der Gründung einer Antroposophischen Gesellschaft und die Umsetzung der in ihr enthaltenen Ideen in die Realität. Dies geschah über den Umweg der indisch-angelsächsischen Theosophie. Die Leitung der "Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft" hatte zu jener Zeit Marie von Sivers, die spätere zweite Frau Steiners. Da aber keine endgültige Lösung der westlichen Probleme mit einer solchen östlichen Theorie erreicht werden konnte, begründete Steiner 1913 eine eigene anthroposophische Theorie.

Von 1902 bis zu seinem Tode arbeitete er rastlos an der Antroposophie als Geisteswissenschaft. In der von ihm herausgegebenen Zeitschrift "Lucifer-Gnosis" wurden zum ersten Mal die Hauptinhalte der Theorie dargestellt. Nach Steiners Idee hat jeder Mensch die Fähigkeit, die Geisteswissenschaft zu verstehen und auch eigene Erkenntnisse in diese Disziplin einzubringen. Er führt darin weiter aus, daß das Leben nicht passiv hinzunehmen sei, sondern durch schöpferische Aktivität selbst gestaltet werden müsse.

In den folgenden Jahren referierte er in Berlin und anderen deutschen Großstädten über das Johannes- und Lukas-Evangelium. In seiner Christologie wird die Geschichte von Jesus Christus unter Berücksichtigung antroposophischer Gesichtspunkte interpretiert.

Diese revolutionäre Sichtweise Steiners legte den Grundstein für ein neues Verständnis eines modernen Christentums.

1910 führte Steiner in München sein erstes Mysterien-Drama auf, welches den künstlerischen Aspekt seiner antroposophischen Lehre widerspiegelt. In Zusammenarbeit mit seiner späteren zweiten Frau, Marie von Sievers (Steiner heiratete sie am 24.12.1914), werden insgesamt vier Mysterien-Dramen geschaffen und aufgeführt.

Während des Ersten Weltkrieges engagierte sich Rudolf Steiner in der Politik und versuchte verzweifelt, durch Gespräche mit hochrangigen Politikern der deutschen Geschichte noch eine Wende zu geben. Nach dem Krieg forderte er in einem Aufruf an das deutsche Volk die Aufgliederung des Staatsgebildes in ein geistiges, politisches und ein wirtschaftliches System. Den alten Idealen aus der Französischen Revolution, wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gab Steiner in jenen Tagen wieder neuen realistischen Inhalt.

1918 gründete er die Dreigliederungsbewegung. In ihr kamen Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten zusammen, um die Gesundung des gesellschaftlich- sozialen Lebens zu bewirken. In zahlreichen Vortragsreihen, insbesondere über soziale Fragen ("Aufruf an das deutsche Volk und an die Kulturwelt, Kernpunkte der sozialen Frage"), sprach er auch zu Arbeitern der Bosch-, Delmonte- und Daimler-Werke. Gleichzeitig unterstützte Steiner auch den Kommerzienrat und Direktor der "Waldorf Astoria", Emil Molt, der freiwillig vielschichtige soziale Maßnahmen (Kinderbetreuung und Bildungsarbeit für Erwachsene) in seine Fabrik einführte, bei der Gründung einer Betriebsschule. So entstand 1919 die erste Waldorfschule als Betriebsschule einer Zigarettenfabrik. Dieses revolutionäre Schulmodell sollte in erster Linie einer humanistischen Allgemeinbildung der Werktätigen dienen und dadurch den Anschluß an das herrschende Berufs- und Kulturleben vollziehen (mit Fächern wie Stricken, Weben, Buchbinden u.a.).

Rudolf Steiner gründete im Dezember 1923 nach einer Phase der Selbstbesinnung und Reformierung und gleichzeitig als Höhepunkt seines pädagogisch- philosophischen Schaffens, die allgemeine Anthroposophische Gesellschaft.

In den letzten Jahren seines Lebens hielt er noch zahlreiche pädagogische, theologische, medizinische und landwirtschaftliche Vorträge in größeren Städten Europas (Prag, Bern, Breslau, London, Oslo). Gleichzeitig war er mit der Erarbeitung seiner Selbstbiographie beschäftigt. Gemeinsam mit Dr. Ita Wegman veröffentlichte er die "Grundlagen für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen". Am 30. März 1925 stirbt Rudolf Steiner nach langer schwerer Krankheit.

"Die eigentliche, im höchsten Menschensinne schöpferische Tätigkeit Rudolf Steiners wird erst der Historiker enthüllen, der die Geschichte dieses erhabenen Lebens zu schreiben berufen sein wird." (Christian Morgenstern)

Literatur

Johannes Hemleben: Rudolf Steiner in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlts Monographien Bd. 79,Reinbek 1988, Seite 20

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Details

Titel
Steiner, Rudolf
Autor
Jahr
1998
Seiten
4
Katalognummer
V95045
Dateigröße
359 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kurze schriftlicher Ausarbeitung
Schlagworte
Steiner, Rudolf
Arbeit zitieren
Sebastian Loitsch (Autor), 1998, Steiner, Rudolf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95045

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