Die aktuellen politischen Beziehungen Deutschlands zu seinen ehemaligen Kolonien in Afrika


Seminararbeit, 1999
31 Seiten, Note: 2+

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INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 HAUPTTEIL
2.1 DAS DEUTSCHE KOLONIALREICH IN AFRIKA
2.1.1 Deutsch-S ü dwestafrika
2.1.2 Togo
2.1.3 Kamerun
2.1.4 Deutsch-Ostafrika
2.2 DIE POLITISCHEN BEZIEHUNGEN DEUTSCHLANDS ZU DEN NACHFOLGESTAATEN SEINER EHEMALIGEN AFRIKANISCHEN KOLONIEN
2.2.1 Namibia
2.2.2 Togo
2.2.3 Kamerun
2.2.4 Tansania
2.2.5 Burundi
2.2.6 Ruanda

3 ABSCHLIESSENDE BEURTEILUNG

LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

Der afrikanische Kontinent spielte für Deutschland lange Zeit eine untergeordnete Rolle. Erst im 19. Jahrhundert begannen sich die Beziehungen zu intensivieren. Vor allem Händler und Missionare, häufig die Wegbereiter des staatlichen Kolonialismus, versuchten, zunehmend Einfluß zu gewinnen. Als Ägypten 1882 von britischen Truppen besetzt wurde, endete die bisherige informelle "Paramountcy" Englands über den afrikanischen Kontinent. In der Folgezeit versuchten die europäischen Staaten, möglichst große Teile Afrikas in Besitz zu nehmen. An diesem sogenannten "Scramble for Africa" beteiligte sich auch das noch junge Deutsche Reich unter seinem Reichskanzler Bismarck, indem es 1884/85 die Gebiete Deutsch-Südwestafrika, Togo, Kamerun sowie Deutsch-Ostafrika unter deutschen "Schutz" stellte. Bereits nach dem ersten Weltkrieg hatte das Deutsche Reich seine Kolonien aber wieder verloren. Für diese war aber die koloniale Periode noch lange nicht beendet, denn sie wurden als Mandatsgebiete des Völkerbundes weitervergeben.

Nach der Dekolonisationsphase in Afrika ließ sich noch eine stark von Machtinteressen geleitete Politik der ehemaligen Kolonialherren, v.a. Frankreichs, gegenüber den früheren afrikanischen Kolonien feststellen. Deutschland war zunächst mit dem Wiederaufbau beschäftigt, reihte sich aber mit der Gründung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 1961 in die Gemeinschaft der Entwicklungshilfe-Geberstaaten ein.1

In dieser Arbeit möchte ich untersuchen, inwieweit die Bundesrepublik Deutschland auch, wie andere europäische Staaten (v.a. Frankreich) eine spezifische Politik gegenüber seinen ehemaligen afrikanischen Kolonien verfolgt. Dabei habe ich versucht, mich auf die Situation in den neunziger Jahren zu konzentrieren, wobei ich mich v. a. auf die Untersuchung der Außen- und Entwicklungspolitik beschränkt habe.

Da zu diesem Thema noch keine Monographie vorliegt, habe ich mich überwiegend auf die offizielle Literatur des BMZ und seiner Durchführungsorganisationen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gestützt. Außerdem habe ich Veröffentlichungen des Auswärtigen Amtes sowie Bundestagsdrucksachen herangezogen. Als sehr hilfreich erwies sich auch das jährliche erscheinende Afrika-Jahrbuch, in dem die deutsch-afrikanischen Beziehungen jeweils im Überblick dargestellt werden.2

2 Hauptteil

2.1 Das deutsche Kolonialreich in Afrika

Die deutsche Kolonialperiode begann im Jahre 1884. Bismarck hatte einem deutschen "Kolonialabenteuer" bis zu diesem Zeitpunkt immer negativ gegenübergestanden.3 Bezeichnend für seine Einstellung gegenüber einem deutschen Kolonialbesitz ist die berühmte Antwort, die er einem Befürworter von Kolonien entgegenbrachte: "Ihre Karte von Afrika ist ja sehr schön, aber meine Karte von Afrika liegt in Europa. Hier liegt Rußland und hier liegt Frankreich, und wir sind in der Mitte, das ist meine Karte von Afrika."4 Über die Motive, die den Reichskanzler dazu bewogen haben könnten, seine skeptische Haltung kurzfristig aufzugeben, gibt es eine bereits lang anhaltende Kontroverse.5 Letztendlich blieb der Erwerb von Kolonien (Bismarck nannte sie "Schutzgebiete") nur eine kurze Episode, denn Bismarck ließ bereits wenig später davon ab. Im Folgenden möchte ich die deutsche Herrschaft in den einzelnen afrikanischen Kolonien kurz charakterisieren.

2.1.1 Deutsch-Südwestafrika

Deutsch-Südwestafrika war das erste "Schutzgebiet", welches das deutsche Reich ausrief.6 Im April 1884 wurde einem Schutzgesuch des Bremer Händlers F. A. E. Lüderitz stattgegeben, der in der Folgezeit ein Gebiet von insgesamt ca. 580000 m² durch ungleiche Verträge mit Einheimischen erwarb. Dieses Gebiet verlief vom Kunene-Fluß im Norden bis zum Oranje-Fluß im Süden unter Ausschluß der unter englischer Verwaltung stehenden Walfischbai. Lüderitz mußte aber aufgrund finanzieller Probleme seinen Erwerb bereits 1885 an die "Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika" verkaufen. Nachdem sich Bismarcks Plan, die Verwaltung und "Inwertsetzung" der Kolonie von dieser privaten Gesellschaft durchführen zu lassen, zerschlagen hatte, kam es zu einer auch formell-administrativen Inbesitznahme des Gebietes. Der Herrschaftsanspruch des Deutschen Reiches sollte dabei v. a. durch den Ausbau der Besiedlungspolitik gefestigt werden.7

Aufgrund der steigenden Aggressivität der weißen Siedler, der zunehmenden Rechtsunsicherheit der schwarzen Bevölkerung, der Beschneidung ihrer Lebensgrundlage (Viehwirtschaft) und der Zerstörung ihres traditionellen sozialen Gefüges, kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen der Kolonialmacht und der einheimischen Bevölkerung. Diese gipfelten in dem von 1904 bis 1907 andauernden Aufstand der Stämme Herero und Nama, dem bekanntesten Aufstand der deutschen Kolonialgeschichte.8 Die Grausamkeit der deutschen "Schutztruppe" bei der Verfolgung des Hererostammes weist bereits auf spätere nationalsozialistische Vernichtungsmethoden hin.9 Der Hererostamm wurde in die Omahekewüste getrieben, wo seine Mitglieder durch Wassermangel zum größten Teil den Tod fanden. Insgesamt wurde ca. 75-80% der Herero während des Krieges und anschließend in den Sammellagern getötet. Von den Nama überlebten ca. 50%. Den weißen Siedlern gelang es in dieser Phase, zunehmend politischen Einfluß zu erlangen. Als 1908 große Diamantenvorkommen in Südwestafrika gefunden wurden, begann sich auch die Wirtschaft für dieses Gebiet zu interessieren. Trotz der Einnahmen aus diesem Wirtschaftszweig blieb die Kolonie für das Reich allerdings immer defizitär, v. a. aufgrund der hohen Ausgaben für die "Schutztruppe".10 Das schließt allerdings hohe Gewinne einzelner Privatpersonen in Deutsch-Südwestafrika nicht aus.

Nach der Kriegserklärung Englands an das Deutsche Reich eroberte die Südafrikanische Union, die sich als englisches Dominion auch im Kriegszustand mit dem Deutschen Reich befand, das "Schutzgebiet".11 Bereits am 9. Juli 1915 kapitulierte die deutsche "Schutztruppe". Deutsch-Südwestafrika kam nach dem Versailler Vertrag als C-Mandat des Völkerbundes unter die Verwaltung der Südafrikanischen Union.

2.1.2 Togo

Togo gelangte am 5.und 6. Juli 1884 unter deutsche Herrschaft.12 Der deutsche Sonderbeauftragte, Reichskommissar Dr. Gustav Nachtigal, wollte durch die Proklamation dieses "Schutzgebietes" den deutschen Handel schützen. Es folgten einige Grenzabsprachen mit Frankreich und England, wodurch Togo seine eigenartige territoriale Form erhielt.

In Togo übernahm das Deutsche Reich bereits 1885 Verwaltungsfunktionen, zunächst ausgeübt durch den Gouverneur von Kamerun, Freiherr Julius v. Soden.

Togo war, im Gegensatz zu Südwestafrika, keine Siedlungskolonie, sondern als Handelskolonie gedacht.13 Außerdem blieb Togo weitestgehend von Aufständen verschont, was zum einen an der Politik des gemäßigten Gouverneurs v. Zech (1905-1910) lag und zum anderen auch daran, daß bereits lange Zeit vor der deutschen Herrschaft umfangreiche Kontakte zu weißen Missionaren und Händlern bestanden hatten, wodurch die einheimische Bevölkerung schon an die weiße Präsenz gewöhnt war. Die Missionare sorgten auch für eine, im Vergleich zu den anderen Kolonien, überdurchschnittliche schulische Ausbildung der Bevölkerung. So lag die Scholarisationsquote 1914 bei 1,4%.14

Als sich im Zuge der "Mise en valeur" der Kolonie die Politik gegenüber den Eingeboren verschärfte, wandte sich eine Gruppe aus liberalen Händlern und Missionaren gegen die brutalen Praktiken v. a. der "Deutschen Togo-Gesellschaft".15 Daraufhin wurde eine Landkommission eingesetzt, die Rechtswidrigkeiten bei Vertragsabschlüssen mit Eingeborenen aufdeckte. 1910 führte die Kolonialverwaltung eine Landreform durch, die togolesische Besitzungen schützte und damit den Aufbau einer indigenen Wirtschaft förderte.

Auf anderem Gebiet hatte der Protest von Missionaren und Händlern keine Konsequenzen. Sie wandten sich gegen die menschenverachtenden Praktiken beim Branntweinhandel. Branntwein stellte während der gesamten deutschen Kolonialzeit das wichtigste Importgut für Togo dar. Er wurde sogar zur Bezahlung von Arbeitskräften im Staatsdienst verwendet.

Besonders engagiert hatte sich das Deutsche Reich im Eisenbahnbau. Wichtige Verbindungslinien wurden geschaffen, wobei die Arbeiter brutal mißhandelt wurden und teilweise sogar die Flucht ergriffen.

Togo verfügte insgesamt, als einzige deutsche Kolonie in Afrika, über größere Einnahmen als Ausgaben.16 Das lag v. a. an den geringen Aufwendungen für die Polizeitruppe. Außerdem gelang es, einheimische Produzenten in das Wirtschaftsgefüge zu integrieren, die sich schnell den Gesetzen des Weltmarktes anpaßten und damit die positive wirtschaftliche Entwicklung der Kolonie förderten.

Bereits am 25. August 1914 mußte die Polizeitruppe Togos vor den Engländern und Franzosen kapitulieren, die sich 1916 in einem Geheimvertrag über die Aufteilung Togos einigten und 1922 für diese Gebiete ein Völkerbundsmandat erhielten.

2.1.3 Kamerun

Die deutsche "Schutzherrschaft" über Kamerun begann am 14.7.1884.17 Reichskommissar Nachtigal proklamierte sie, um englischen und französischen Interessen in diesem Gebiet zuvorzukommen. An der Kamerunküste hatten bereits einige hanseatische Handelshäuser Faktoreien errichtet und einen florierenden Handel etabliert, den es zu schützen galt.

Kamerun blieb aber in der Folgezeit keine Handelskolonie (wie Togo) und wurde auch keine Siedlungskolonie (wie Deutsch-Südwestafrika), sondern beheimatete eine Vielzahl von Plantagengesellschaften. Mit dem System der Plantagenwirtschaft sind auch die größten Auseinandersetzungen verbunden, die es in Kamerun gab.18 Die Plantagengesellschaften brauchten zum einen geeignetes Land und zum anderen ein großes Arbeitskräftereservoir. Deswegen zwangen sie viele Einheimische zur Landabgabe und trieben die indigene Bevölkerung dazu, sich als Plantagenarbeiter zu verdingen. Dieses System fand zunächst die Unterstützung des Gouverneurs Jesco v. Puttkamer (1895-1907). Als die Mißstände in zunehmenden Maße in die Diskussionen des Reichstags drangen, war v. Puttkamer nicht mehr tragbar. Nach seiner Entlassung versuchte das Deutsche Reich, die Politik gegenüber den Einheimischen zu mildern, doch traten immer wieder Probleme wegen des Verhaltens der Plantagengesellschaften, auf.

Kamerun stand mit seinem Export an Kolonialwaren an der Spitze der deutschen Kolonien.19 Hauptexportprodukte waren Kautschuk, Elfenbein, Kakao, Palmöl und Palmkerne. Demgegenüber stand v. a. ein Import von Branntwein und Waffen. Trotzdem war der Handel des Deutschen Reiches mit seiner Kolonie insgesamt gesehen marginal.

Kamerun wurde dann nach dem 1. Weltkrieg als B-Mandat des Völkerbundes zwischen England und Frankreich aufgeteilt. Trotz des brutalen Vorgehens gegen die Bevölkerung, genoß das Deutsche Reich nach dem 1. Weltkrieg ein hohes Ansehen in Kamerun. Horst Gründer führt diese Diskrepanz darauf zurück, daß das deutsche Kolonialverwaltung bereits eine kleine indigene Elite herangezogen hatte, die nicht vergaß, wem sie ihren Aufstieg zu verdanken hatte, deren Ruf nach dem Deutschen Reich allerdings auch gegen die Kolonialpolitik Frankreichs und Englands gerichtet war.20

2.1.4 Deutsch-Ostafrika

Die Ausrufung des "Schutzgebietes" Deutsch-Ostafrika am 25.4.1885 ist eng mit der Person Carl Peters verbunden.21 Dieser geltungsbedürftige Abenteurer hatte zuvor einige ungleiche Verträge mit einheimischen Stammesfürsten abgeschlossen und erhielt den "Schutzbrief" des Reiches, indem er eine Verwaltung und "Inwertsetzung" des Gebietes durch die von ihm gegründete "DeutschOstafrikanische Gesellschaft" in Aussicht stellte.22 Diese Pläne scheiterten allerdings rasch, so daß das Reich frühzeitig eine "effektive" Inbesitznahme des Gebietes durchführen mußte.

Die Zeit der deutschen Kolonialherrschaft in Ostafrika ist geprägt von vielen Aufständen der Einheimischen, die durch Strafexpeditionen und Unterwerfungsfeldzüge von den Kolonialherren beantwortet wurden.23 Höhepunkt dieser Vorgänge ist der Maji-Maji-Aufstand von 1905, der seinen Namen von dem maji-Wasser ableitet, einer Mischung von Mais, Hirse und Wasser aus dem Rufiji-Fluß. Die Einnahme des maji- Wassers sollte gegen die Kugeln der Weißen schützen. Ursache dieses größten Aufstandes in Deutsch-Ostafrika war die Unterdrückung der indigenen Bevölkerung, die sich v. a. in Fronarbeiten, Mißhandlungen der einheimischen Arbeitskräfte, einer hohen Hüttensteuer und betrügerischen Lohnpraktiken äußerte. Der Aufstand wurde ähnlich brutal niedergeschlagen wie der Herero-Nama-Aufstand in Deutsch- Südwestafrika - weit über 75000 Tote waren die Folge. Nach dem Aufstand fand in der Kolonialverwaltung ein Umdenken statt. Hatte die Kolonie bisher überwiegend als Plantagen- und Siedlungskolonie fungiert, sollte sie jetzt, nach dem Vorbild Togos, in eine Handelskolonie umgewandelt werden. Diese Pläne scheiterten und die Entwicklung verlief entsprechend der vorher angelegten Strukturen Es kam zu einem weiteren Zustrom weißer Siedler, und auch die Plantagenwirtschaft wurde weiter ausgebaut. Die Siedler agierten in der Folge immer aggressiver gegen die Einheimischen, und die Plantagengesellschaften verschärften ihre Rekrutierungsmaßnahmen, um sich Arbeitskräfte zu beschaffen, so daß die unhaltbare Situation in Deutsch-Ostafrika auch im Reichstag zur Sprache kam.

Nach dem zumindest administrativen Wandel im Umgang mit der indigenen Bevölkerung, forcierte man v. a. die Bildung der Einheimischen. Die nachhaltigen Folgen waren u. a. die Etablierung einer kleinen indigenen Elite und die Durchsetzung des Suaheli als stammesübergreifende Landessprache.

Wirtschaftlich gesehen, beanspruchte Deutsch-Ostafrika sehr hohe Reichszuschüsse - die höchsten der afrikanischen Kolonien nach Deutsch-Südwestafrika. Hauptexportprodukte waren Baumwolle, Kautschuk und Sisal. Mit der Zeit bildete sich eine afrikanische Zwischenhändlerschicht, mit deren Aufgaben bis dahin ausschließlich Inder betraut waren.

Deutsch-Ostafrika wurde erst 1918 erobert. Der größte Teil DeutschOstafrikas (das heutige Tansania ohne Sansibar) fiel 1922 als Völkerbundmandat an Großbritannien und wurde Britisch-Ostafrika angegliedert. Der übrige Teil kam als Ruanda-Urundi unter die Mandatsherrschaft Belgiens.

2.2 Die politischen Beziehungen Deutschlands zu den Nachfolgestaaten seiner ehemaligen afrikanischen Kolonien

2.2.1 Namibia

Namibia, das ehemalige Deutsch-Südwestafrika, erlangte am 21.3.1990 seine Unabhängigkeit von Südafrika. Seitdem ist Namibia eine parlamentarische Demokratie. Bei den ersten allgemeinen Parlamentswahlen 1994 erreichte die South West Africa People's Organisation (SWAPO) eine Zweidrittelmehrheit. Gleichzeitig wurde der bisherige Präsident Nujoma (SWAPO) im Amt bestätigt.24

Die größten Probleme Namibias sind die Desertifikation, eine extrem ungleiche Einkommens- und Landverteilung zugunsten der weißen Bevölkerung und eine weitgehende Abhängigkeit von der Wirtschaft Südafrikas.25

Entwicklungshilfeprojekte von deutscher Seite fanden schon vor der Unabhängigkeit Namibias statt. Das brachte der Bundesrepublik den Vorwurf ein, das Apartheidsregime zu unterstützen.26 Überhaupt verhielt sich Deutschland zurückhaltend gegenüber den Unabhängigkeitsbestrebungen Namibias. Die Gründe dafür waren, daß man den Wirtschaftspartner Südafrika nicht verstimmen wollte und daß die negative Propaganda eines Großteils der deutschstämmigen Einwohner Namibias (ca. 2% der Bevölkerung) gegen die Unabhängigkeit Wirkung zeigte. Viele Angehörige dieser sogenannten „Südwester“, deren Vorfahren oftmals als Siedler in die Kolonie gekommen waren, sind einem reaktionären Geist verhaftet und fürchteten materielle Verluste bei einer Unabhängigkeit Namibias.27 Besonders großen Einfluß hatten sie auf Mitglieder der CSU, die in den 80er Jahren mit Jürgen Warnke den Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung stellte.28

Mit Beginn der Unabhängigkeit unterstützte Deutschland die Entwicklung Namibias und die Bekämpfung seiner Probleme in ungewöhnlich hohem Maße. Insgesamt flossen seit der Unabhängigkeit bis einschließlich 1997 657,4 Mio. DM an Entwicklungshilfe nach Namibia.29 Deutschland lag damit an der Spitze der Geberstaaten.30 Die grundsätzlichen Ziele der Entwicklungshilfe wurden bereits 1989 (also ein Jahr vor der Unabhängigkeit) in einer Gesamtkonzeption für Namibia erarbeitet. Sie umfassen folgende Punkte:31

- Entwicklung des privaten Sektors
- Rationellere Organisation der öffentlichen Verwaltung und der vom Staat unterhaltenen Infrastruktur
- Förderung und Aufbau nicht-staatlicher Trägerstrukturen

Im Rahmen dieser Gesamtkonzeption erfolgte die Entwicklungszusammenarbeit in den Bereichen materielle und soziale Infrastruktur, privatwirtschaftliche Entwicklung, Bildung und Ausbildung sowie Umwelt- und Ressourcenschutz.32 Außerdem erhält die Republik Namibia umfangreiche Politikberatung.33

Zwischen den Regierungen Deutschlands und Namibias wurden insgesamt vier Abkommen geschlossen:34

- Rahmenabkommen über Technische Zusammenarbeit vom 18.4.91
- Investitionsschutzvertrag vom 21.1.94
- Doppelbesteuerungsabkommen vom 2.12.93 (Juli 95 in Kraft getreten)
- Abkommen über Kulturelle Zusammenarbeit vom 5.6.91

Die starke Verbindung zwischen Namibia und Deutschland wurde auch durch die relativ ausgeprägte Besuchsdiplomatie deutlich. So besuchte Entwicklungshilfeminister Spranger Namibia 1993, um damit Unterstützung für den namibischen Regierungskurs zu signalisieren.35 Zwei Jahre später besuchte Bundeskanzler Helmut Kohl, bei seiner zweiten Afrikareise überhaupt (!), die ehemalige Kolonie.36 Kohl lobte die Politik Nujomas, mußte sich aber auch den Vorwurf gefallen lassen, er habe bei seinem Besuch die Akzente zu sehr auf die deutsche Minderheit gelegt.

Im darauffolgenden Jahr weilte der namibische Staatspräsident Numoja vom 16.-21.6.1996 in Deutschland, nachdem der Besuch bereits in den beiden Jahren zuvor verschoben worden war.37 Nujoma wünschte sich eine Fortsetzung der guten Beziehungen und warb um mehr Direktinvestitionen. Außerdem betonte er, daß die ca. 40000 Deutschstämmigen im Lande ein Band zwischen beiden Staaten sind. 1997 fand ein Besuch des namibischen Ministerpräsidenten Hage Geinbob in Deutschland statt.38 Bei einem Zusammentreffen zwischen Außenminister Kinkel und Geinbob wurde die „traditionell enge deutsch- namibische Partnerschaft“39 hervorgehoben. Diese solle weiter fortgesetzt werden. Kinkel stellte in diesem Zusammenhang fest: „Unsere kulturellen Beziehungen sind so vielfältig, wie mit keinem anderen afrikanischen Land. Eine wichtige Rolle haben hier die ca. 20000 Angehörigen der deutschen Minderheit in Namibia. Deshalb gehört zu unseren Zielen auch die Förderung der deutschen Sprache, die in Namibia einen festen Platz einnimmt.“40 Auf die deutschstämmigen Namibier und die traditionelle Verbindung zwischen Deutschland und Namibia, deren Wurzeln in der Kolonialzeit liegen, wird auch in offiziellen Broschüren und Berichten verwiesen. So schreibt die KfW: „Im Bewußtsein einer Mitverantwortung Deutschlands für den Versöhnungs- und Ausgleichsprozeß in Namibia beschloß der deutsche Bundestag - unter Betonung der besonderen deutsch- namibischen Beziehungen -, dem Land im ersten Jahr der Unabhängigkeit DM 100 Mio. an Entwicklungshilfe zu gewähren.“41 Auch im Länderbericht Namibia des BMZ heißt es: „Das für ein Land mit einer Bevölkerung von rd. 1,6 Millionen umfangreiche Entwicklungsprogramm trägt den besonderen deutsch-namibischen Beziehungen Rechnung.“42

2.2.2 Togo

Der unter französischer Verwaltung stehende Teil Togos wurde am 27.4.1960 unabhängig, wohingegen das von Großbritannien verwaltete westliche Gebiet Togos bereits 1956 der Goldküste (heutiges Ghana) angegliedert worden war.

Seit der Unabhängigkeit Togos erhielt das Land hohe finanzielle Unterstützung durch die Bundesrepublik Deutschland. Insgesamt bekam Togo in der Zeit von 1961-1996 Mittel aus der Entwicklungszusammenarbeit in Höhe von 1.193,7 Mio. DM.43 Dieser Betrag gliedert sich in 637,7 Mio. DM für Technische Zusammenarbeit im weiteren Sinne und 556 Mio. DM für Finanzielle Zusammenarbeit. Pro Kopf bedeutet das ca. 300 DM, was eine der höchsten Pro-Kopf- Raten in der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit darstellt.44 Seit 1993 ist die Entwicklungszusammenarbeit mit Togo allerdings suspendiert.45 Diese Maßnahme vollzog die Bundesregierung aufgrund der Rückschritte Togos im Demokratisierungsprozeß. Präsident Eyadéma torpediert immer wieder geschickt die Demokratisierungsbemühungen und hält die Macht fest in seinen Händen.46 Auch die Menschenrechtslage in Togo ist sehr unbefriedigend: Oppositionelle werden verfolgt und Verletzungen der Grundrechte sind an der Tagesordnung.47 Der direkte Auslöser für die Aussetzung der Entwicklungshilfe war allerdings die blutige Auflösung einer friedlichen Demonstration im Januar 1993, die im Rahmen des Besuchs von Staatsminister Schäfer stattfand.48 Deutschland engagierte sich auch in Kooperation mit Frankreich für eine Überwindung der innenpolitischen Konflikte.49 Die 1993 nach Colmar einberufenen Friedensgespräche scheiterten aber schnell. Lediglich vier Projekte der Technischen Zusammenarbeit werden seitdem weitergeführt: Das Projekt "Krankenhaus Bé" (Stadtteil von Lomé), die Maßnahme "Förderung primärer Gesundheitsdienste in der Zentralregion", das Vorhaben "Förderung des Handwerks" und das Projekt "Ländliche Entwicklung in der Zentralregion".50 Diese Maßnahmen wurden nicht suspendiert, da sie nach Meinung der Bundesregierung unmittelbar der Bevölkerung zu Gute kommen.51 1996 bemühte sich der togoische Premierminister Kwasi Klutse bei einem Deutschland-Besuch zwar um die Aufhebung des Entwicklungshilfestopps, allerdings ohne Erfolg.52 Eine Wiederaufnahme der gesamten Entwicklungszusammenarbeit ist auch nach den mißglückten Präsidenten- und Parlamentswahlen 1998/99 noch nicht absehbar.

Von deutscher Seite wird im Rahmen der Beziehungen zu Togo so gut wie nie auf die Kolonialzeit verwiesen. Wenn überhaupt, werden vage Formulierungen verwendet. So sprach Rita Süssmuth bei der Begrüßung einer Delegation unter Führung des togoischen Parlamentspräsidenten 1996 lediglich von "alten Verbindungen" zwischen Togo und Deutschland.53 In Togo hingegen, scheint man den historischen Verbindungen größere Bedeutung beizumessen.54 Die Frage ist allerdings, ob diese von der Regierung nur instrumentalisiert werden, um an Gelder zu gelangen. In der Bevölkerung herrscht aber der Literatur zu Folge eine positive Stimmung gegenüber den ehemaligen Kolonialherren.55

2.2.3 Kamerun

Am 1.1.1960 wurde das unter französischer Verwaltung stehende Gebiet Kameruns unabhängig. Der südliche Teil des unter britischer Verwaltung stehenden Gebietes von Kamerun wurde mit der Gründung der "Bundesrepublik Kamerun" am 1.10.1961 eingegliedert.

Kamerun wurde umgehend bei seiner Unabhängigkeit von deutscher Seite anerkannt. Es kam auch sofort zur Aufnahme politischer Beziehungen, z. B. besuchte der kamerunische Präsident Ahidjo die Bundesrepublik Deutschland 1963. 1966 folgte dann der Gegenbesuch von Bundespräsident Lübke.56 Hierbei spielte die gemeinsame koloniale Vergangenheit der beiden Staaten als "Katalysator der deutsch- kamerunischen Beziehungen"57 eine gewisse Rolle. Vor allem mit Präsident Ahidjo gab es aber in der Folgezeit Probleme, die sich an der Verwendung der Entwicklungshilfegelder entzündeten.58 Ahidjo wehrte sich gegen die Projektgebundenheit der Mittel. Die Konflikte hielten bis zur Ablösung Ahidjos durch Paul Biyá 1982 an. Trotzdem hatte die Bundesrepublik Deutschland bis 1986 Entwicklungshilfegelder im Umfang von ca. 900 Mio. DM zur Verfügung gestellt.59 Deutschland lag damit hinter Frankreich an zweiter Stelle der Geberstaaten.60 Daran hat sich auch in den neunziger Jahren nichts geändert.61 Die größten Probleme Kameruns sind momentan die hohe Auslandsverschuldung, die hohe Arbeitslosigkeit und die damit verbundene weitere Verarmung der Bevölkerung, der Abbau des Bildungssektors und die zunehmenden sozialen Spannungen.62 Auch die Menschenrechtslage in Kamerun ist immer noch unbefriedigend.63 So ist die Opposition immer wieder Repressalien ausgesetzt. Die Parlaments- und Präsidentenwahlen 1997 wurden von Regierungsseite so stark manipuliert, daß die Regierungspartei Rassemblement Démocratique du Peuple Camerounais (RDPC) im Parlament die absolute Mehrheit der Sitze erlangte. Die politischen Rahmenbedingungen sind auch, neben der schlechten Zahlungsmoral, ein Grund für die weitgehende Einstellung der Universität von Benin in Lomé, Bonn 1985 (= Schriftenreihe der Deutschen AfrikaStiftung, Bd. 26), S. 85. der Finanziellen Zusammenarbeit von deutscher Seite seit 1990.64 Die bisher unterstützten Projekte konzentrierten sich v. a. auf die Bereiche Basisgesundheitsversorgung, Verkehrsinfrastruktur, Trinkwasserversorgung, ländliche Entwicklung sowie Umweltschutz. Diese Schwerpunkte sollen auch beibehalten werden, wobei dem Umweltschutz eine stärkere Bedeutung zugemessen werden soll.

Die Unterstützung Kameruns wird von offizieller Seite Deutschlands nirgends mit der Geschichte Kameruns als deutsche Kolonie in Verbindung gebracht.

2.2.4 Tansania

Die Beziehungen Deutschlands zu Tansania gestalteten sich nach der Unabhängigkeit des afrikanischen Landes vom 3.12.1961 zunächst gut.65 In der Folgezeit kam es allerdings zu Auseinandersetzungen zwischen der Bundesregierung und dem tansanischen Präsidenten Nyerere, bei denen es um die Anerkennung der DDR ging.66 Mit der Übernahme des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung durch Erhard Eppler 1967 änderte sich das Verhältnis. Tansania wurde, v. a. aufgrund Epplers Sympathie für die Entwicklungsvorstellungen Nyereres, zu einem "Schwerpunktland der westdeutschen Entwicklungshilfe"67. So erhielt das Land von 1962-1982 bilaterale Entwicklungshilfe von der Bundesrepublik Deutschland in Höhe von 1324,3 Mio. DM. Diese gliederte sich in 723,3 Mio. DM Finanzielle Hilfe und 601 Mio.

Technische.68 Mit dem Wechsel der Regierung 1982 zur CDU/FDP- Koalition endete diese Periode. Die Mittel für Tansania wurden stark zurückgefahren. Hofmeier spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer Bestrafung dafür, vorher ein "Lieblingskind" Epplers gewesen zu sein.69

In den neunziger Jahren gehört Tansania aber wieder zu einem der Hauptempfängerländer deutscher Entwicklungshilfe. Trotz der im Vergleich zu anderen Staaten Subsahara-Afrikas hohen Zuwendungen, die Tansania im Laufe der Jahre erhalten hat, gibt es noch große Probleme im Land.70 So leben ca. 50% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, wobei 36% als besonders arm gelten. Auch der schwach ausgebaute Bildungsbereich ist ein großer Hindernisfaktor für die Entwicklung Tansanias. Desweiteren hat Tansania mit einem sehr hohen Bevölkerungswachstum zu kämpfen. Bei der Investitionstätigkeit sind dem Staat außerdem beide Hände gebunden, denn 40% des Haushaltes müssen für die Tilgung der sehr hohen Auslandsverschuldung ausgegeben werden. Ein großes Problem ist auch die stark verbreitete Korruption. Hinzu kommen aber auch noch Menschenrechtsprobleme, die v. a. die Insel Sansibar betreffen. Dort wurden die Wahlergebnisse bei den Parlamentswahlen 1995 manipuliert. Außerdem wird die Opposition auf Sansibar verfolgt und unterdrückt.

Die Maßnahmen der deutschen Entwicklungshilfe konzentrierten sich daher v. a. auf die Ziele Grundbedürfnisbefriedigung/Armutsminderung, nachhaltige Ressourcenbewirtschaftung und Ausbau und Erhaltung der materiellen Infrastruktur.71

Tansania war 1992 Station des Bundespräsidenten v. Weizsäcker.72 Er wollte damit den Reformweg der tansanischen Regierung hervorheben und konnte bei seinem Besuch auch an die deutsch-tansanische Kolonialvergangenheit anknüpfen. Außenminister Kinkel besuchte Tansania 1995, v.a. um sich ein Bild von den Problemen im Gebiet der Großen Seen zu machen.73

1997 besuchte der tansanische Ministerpräsident Frederick Sumayé Deutschland. Dabei ging es v. a. um die Steigerung der Privatinvestitionen in Tansania.74

Im Rahmen der deutsch-tansanischen Beziehungen wird in den neunziger Jahren nicht mehr auf die tansanische Vergangenheit als Hauptbestandteil der Kolonie Deutsch-Ostafrika rekurriert.

2.2.5 Burundi

Gemeinsam mit Ruanda wurde Burundi am 1.7.1962 von der UNO in die Unabhängigkeit entlassen.

1988 setzte ein Demokratisierungsprozeß in Burundi ein, denn Präsident Buyoya mußte dem innenpolitischen Ruf und dem Druck des Auslandes nach Reformen nachgeben.75 1992 wurde eine demokratische Verfassung eingeführt und bei den folgenden Präsidentschaftswahlen am 1.6.1993 konnte sich Melchior Ndadaye von der neugegründeten Partei "Front pour la Démocratie au Burundi" (FRODEBU) gegen Buyoya durchsetzen. Bereits am 21.10. putschte das Militär gegen den neugewählten Präsidenten, der ermordet wurde.

In der Folgezeit neutralisierte sich die Macht des Parlaments und die der wechselnden Präsidenten, wobei die politischen Machtspiele bürgerkriegsähnlichen Zuständen begleitet wurden. Am 25.7.1996 putschte sich dann der Ex-Präsident Buyoya wieder an die Macht zurück, die er seitdem innehat.

Zwischen Deutschland und Burundi ist die Entwicklungszusammenarbeit seit 1993 praktisch eingestellt. Da sich die innenpolitische Lage seitdem nicht entspannt hat und auch keine Demokratisierungsbemühungen zu erkennen sind, ist eine Aufhebung dieser Sperre auch nicht absehbar.

Außenminister Kinkel besuchte im Juli 1995 Ostafrika, wobei auch ein Kurzbesuch in Burundi auf dem Programm stand, der als Demonstration der Sorge über die Zustände in diesem Land gedacht war.76 Anfang des Jahres 1996 besuchte dann der burundische Präsident Sylvestre Ntibantunganya inoffiziell Bonn.77 Wenige Wochen zuvor war bereits Ex-Präsident Pierre Buyoya dort gewesen, der, wie oben geschildert, im Juli 1996 durch einen Putsch wieder die Macht übernahm und seinen Premierminister Pascal-Firmin Ndimira im November 1996 nach Bonn schickte, um dort für Unterstützung zu werben. Dieser mußte aber unverrichteter Dinge zurückkehren, da man ihm deutlich gemacht hatte, ohne Fortschritte bei der nationalen Versöhnung die Entwicklungszusammenarbeit nicht wieder aufzunehmen. Am 18.6.98 traf sich dann Staatsminister Schäfer mit dem burundischen Parlamentspräsidenten Léonce Ngendakumana zu einem Gespräch über die Friedensbemühungen in Burundi.78 Die Bitte, über die Wiederaufnahme der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit nachzudenken, nahm Schäfer zur Kenntnis, unterstrich aber, daß diese Maßnahme erst durchgeführt werden könnte, "sobald die Friedensbemühungen zu unumkehrbaren Fortschritten geführt und sich die Sicherheitslage spürbar verbessert hätten"79.

2.2.6 Ruanda

Ruanda erlangte am 1.7.1962 unter Abtrennung von Burundi die Unabhängigkeit. Die Bundesrepublik Deutschland nahm am 13.2.1963 diplomatischen Beziehungen zu dem jungen Staat auf, wobei die Kolonialzeit die Aufnahme der Beziehungen erleichterte.80 In der Folgezeit avancierte Ruanda zu einem Schwerpunktland für die bundesdeutsche Entwicklungshilfe. So erhielt Ruanda im Zeitraum von 1963-1986 rd. 600 Mio. DM an Entwicklungshilfe, aufgeteilt in 280 Mio. für Finanzielle Zusammenarbeit, 202 Mio. für Technische Zusammenarbeit und 116 Mio. für sonstige Zusammenarbeit.81 Für Ruanda war Deutschland lange Zeit zweitwichtigster Geberstaat an Entwicklungshilfe (nach Belgien).82

In den letzten Jahren spielte sich in Ruanda ein ethnische Tragödie ab.83 Im Sommer 1990 sah es zunächst so aus, als wäre Ruanda auf dem Weg zur Demokratisierung. Diese Entwicklung fand aber durch den einsetzenden Bürgerkrieg ein abruptes Ende. Die Auseinandersetzungen, die sich v. a. um den Konflikt zwischen den Hutu- und Tutsi-Volksgruppen rankten, dauerten Jahre mit einer Vielzahl von Toten auf beiden Seiten. Letztendlich siegte die von den Tutsi unterstützte "Front Patriotique Rwandais" (FPR) unter ihrem Führer Paul Kagamé, der seitdem auch in der Regierung die Fäden in den Händen hält.

Die deutsche Politik gegenüber Ruanda in den neunziger Jahren steht dementsprechend ganz im Zeichen der Konflikte in dem afrikanischen Staat. Allein 1994 stellte Deutschland 266 Mio. DM für humanitäre Hilfsaktionen zur Verfügung, wovon 90 Mio. aus dem BMZ-Haushalt stammten.84 Im April 1995 wurde die durch den Krieg unterbrochene Entwicklungszusammenarbeit wieder aufgenommen.85 Daß Deutschland bereits so frühzeitig mit der Unterstützung der neuen FPR- Regierung begann, widersprach dem Kurs der anderen Geber (v.a. Frankreichs und Belgiens). Die Befürworter dieses Kurses führten jedoch an, "daß man angesichts der starken Mitverantwortung für die Vergangenheit nunmehr auch zur Mithilfe beim Neuanfang verpflichtet sei und nicht einfach abseits stehen könne"86. Deutschland wurde durch sein Engagement zum wichtigsten bilateralen Entwicklungshilfegeber in Ruanda.87 Im Mittelpunkt steht seitdem der Wiederaufbau der Grundstruktur der Gesundheitsversorgung, der ländlichen Trinkwasserversorgung, des Bildungswesens, Justizwesens und des Ressourcenschutzes. Hinzu kommen noch umfangreiche Maßnahmen zur Reintegration der Flüchtlinge.88

Auch die Besuchspolitik ist relativ ausgeprägt. 1994 besuchte Ruandas Staatspräsident Bizimungu die Bundesrepublik und bat um Aufbauhilfe für sein Land. Außenminister Kinkel stattete Ruanda, im Rahmen seiner Ostafrikareise, 1995 einen Besuch ab und unterstrich damit das außerordentliche Engagement Deutschlands für den Wiederaufbau in Ruanda.89 1996 besuchte der ruandische Ministerpräsident Pierre Célestin Rwigema die Bundesrepublik.90 Er erhielt die Bestätigung, daß Deutschland weiterhin als größter bilateraler Entwicklungshilfegeber für den Wiederaufbau Ruandas tätig sein wolle, wobei aber auch Fortschritte v. a. in der Menschenrechtslage in Ruanda angemahnt wurden. Im folgenden Jahr besuchte der ruandische Vizepräsident und Verteidigungsminister Paul Kagamé aus Anlaß des fünfzehnjährigen Bestehens der Partnerschaft Ruanda/Rheinland-Pfalz die Bundesrepublik.91 Dabei traf er sowohl mit Bundespräsident Herzog als auch mit Außenminister Kinkel zusammen. Kinkel und Kagamé betonten die "traditionell enge deutsch-ruandische Partnerschaft"92. Auch in diesem Gespräch wurde die deutsche Aufbauhilfe gewürdigt und eine Verbesserung der innenpolitischen Lage v. a. bei den Menschenrechten von Kinkel gefordert. Im Juni folgte dann der Gegenbesuch des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck, der einen Fortbestand der Partnerschaft seines Bundeslandes mit Ruanda trotz der schwierigen Lage bekräftigte.93

3 Abschließende Beurteilung

Betrachtet man die Beziehungen Deutschlands zu den Nachfolgestaaten seiner ehemaligen Kolonien in Afrika insgesamt so läßt sich keine einheitliche spezifische Politik gegenüber diesen Staaten erkennen. Die historischen Bindungen haben zwar die Kontaktaufnahme zu den noch jungen afrikanischen Staaten nach der Dekolonisation erleichtert, spielen aber heute eine untergeordnete Rolle. Andere Kriterien sind in den neunziger Jahren wichtiger geworden. Vor allem Fortschritte bei der wirtschaftlichen Entwicklung und der Demokratisierung werden honoriert, und Fehlverhalten der afrikanischen Regierungen durch eine Reduzierung der Entwicklungszusammenarbeit bestraft. Dementsprechend werden im "Konzept für die deutsche entwicklungspolitische Zusammenarbeit mit den Ländern Afrikas südlich der Sahara" des BMZ die neuen Akzente ("good governance") ausführlich erläutert, wohingegen koloniale Bindungen nur am Rande erwähnt werden.94 Auch in der umfangreichen Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage der Grünen "Zur Lage in Afrika und der Afrika-Politik der Bundesregierung" findet sich nirgends ein Hinweis auf besondere Verbindungen zu den ehemaligen Kolonien.95 Dem Eindruck eines Vorrangs der "good governance"-Aspekte vor kolonialen Verbindungen, entspricht auch die Entscheidung der neuen Entwicklungsministerin Wiezcorek-Zeul bei ihrer ersten offiziellen Afrikareise das demokratische Musterland Mali zu besuchen und nicht eine ehemalige deutsche Kolonie.96 Der Grund für die, auch im europäischen Vergleich, geringe Beachtung der kolonialen Verbindungen liegt m. E. in der Kürze der deutschen Kolonialphase, die bereits 1919 endete, und der marginalen Bedeutung der Kolonien für das Deutsche Reich. Dies bedingte eine wesentlich geringere Beschäftigung mit der deutschen Kolonialvergangenheit und den deutschen Beziehungen zum afrikanischen Kontinent als in den anderen europäischen Staaten. Meines Erachtens spielen die historischen Bindungen nur noch in den Beziehungen zu Namibia und Ruanda eine größere Rolle. Das zeigt zum einen die relativ ausgeprägte Besuchsdiplomatie und zum anderen die im Vergleich hohen finanziellen Mittel, die diesen beiden Ländern zur Verfügung gestellt werden. Dieses besondere Engagement wird auch immer wieder mit der historischen Verantwortung für diese beiden Länder in Verbindung gebracht.

Die relativ große Unterstützung für die Entwicklung Tansanias wird hingegen mit der schlechten Gesamtsituation der Bevölkerung begründet.

Auch in den Beziehungen zu Kamerun spielt die koloniale Vergangenheit nur noch eine marginale Rolle.

Togo und Burundi haben hingegen die Konditionalität bei der Vergabe der Entwicklungshilfe stark zu spüren bekommen. Togos Demokratisierungsrückschritte wurden umgehend mit der Einstellung der Entwicklungszusammenarbeit beantwortet, genauso wie Burundi für seine mangelnden innenpolitischen Fortschritte bestraft wurde. In diesem Zusammenhang half auch die Vergangenheit als ehemalige deutsche Kolonien nichts. Die Politik der BRD gegenüber Burundi und Ruanda wirkt allerdings widersprüchlich. In Ruanda wurde bereits frühzeitig ein gewaltsam an die Macht gekommenes Regime von deutscher Seite unterstützt, wohingegen Burundi die Hilfe versagt wurde.

Insgesamt erscheint mir eine weitere Reduzierung des Einflusses von kolonialen Verbindungen auf die Entwicklungspolitik im Hinblick auf einen zukünftigen Ausbau der noch schwach entwickelten "Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik" (GASP) der EU, angebracht zu sein. Das wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Harmonisierung der europäischen Interessen auf dem afrikanischen Kontinent. Gleichzeitig könnte dadurch eine gleichberechtigte Behandlung der Entwicklungsländer erreicht werden.

Literaturverzeichnis

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Strizek, Helmut: Kongo/Zaire - Ruanda - Burundi. Stabilität durch neue Militärherrschaft? Studie zur "neuen Ordnung" in Zentralafrika, Köln 1998 (= Afrika-Studien, Bd. 129).

[...]


1 Deutschland hatte zwar schon 1956 angefangen Entwicklungshilfe zu vergeben, allerdings war dafür zunächst noch das Auswärtige Amt zuständig. Zur Geschichte der deutschen Entwicklungspolitik s. Nuscheler, Franz: Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik, 4. völlig neu bearb. Aufl., Bonn 1995.

2 Für diese Arbeit wurden verwendet: Institut für Afrika-Kunde (Hrsg.): Afrika Jahrbuch 1992 ff., Opladen 1993 ff.

3 Fröhlich, Michael: Imperialismus. Deutsche Kolonial- und Weltpolitik 1880 bis 1914, München 1994, S. 31 ff. (im Folgenden zitiert: Fröhlich, Imperialismus).

4 Zitiert nach Craig, Gordon A.: Deutsche Geschichte 1866-1945. Vom Norddeutschen Bund bis zum Ende des dritten Reiches, München 1993, S. 114.

5 Da dieser Aspekt für den Fortgang dieser Arbeit keine Rolle mehr spielt, verweise ich auf die gute Zusammenfassung des Diskussionsstandes in: Gründer, Horst: Geschichte der deutschen Kolonien, 3. verb. und erg. Aufl. mit neuer Bibliogr., Paderborn. München et al. 1995, S. 51-63 (im Folgenden zitiert: Gründer, Kolonien).

6 Hierzu und zu dem Folgenden: Gründer, Kolonien, S.80 ff.

7 Brenke, Gabriele: Die Bundesrepublik Deutschland und der Namibia-Konflikt, München 1989 (=Reihe: Internationale Politik und Wirtschaft, Bd. 56), S. 8 f. (im Folgenden zitiert: Brenke, Namibia-Konflikt).

8 Hierzu und zu dem Folgenden: Gründer, Kolonien, S. 118 ff. und Brenke, NamibiaKonflikt, S. 9.

9 Gründer, Kolonien, S. 124,

10 Gründer, Kolonien, S. 126 f.

11 Brenke, Namibia-Konflikt, S. 10 f.

12 Hierzu und zu dem Folgenden: Gründer, Kolonien, S. 83 f., Fröhlich, Imperialismus, S. 38.

13 Gründer, Kolonien S. 128.

14 Ebd.

15 Hierzu und zu dem Folgenden: Ebd., S. 133 ff. und Fröhlich, Imperialismus, S. 38.

16 Gründer, Kolonien S. 137.

17 Hierzu und zu dem Folgenden: Ebd., S. 82 f.

18 Hierzu und zu dem Folgenden: Ebd., S. 146 ff.

19 Hierzu und zu dem Folgenden: Ebd., S. 143 ff.

20 Ebd., S. 153.

21 Fröhlich, Imperialismus, S. 39 f.

22 Ebd., S. 40.

23 Hierzu und zu dem Folgenden: Gründer, Kolonien, S. 154 ff.

24 BMZ (Hrsg.): Länderbericht Namibia, Stand: Februar 1998, S. 9 (im Folgenden zitiert: Länderbericht Namibia).

25 Ebd., S. 11 f.

26 Siehe dazu u.a. Melber, Henning: Bundesdeutsche Bildungshilfe in Namibia: Ein Beitrag zu neuen Abhängigkeiten?, in: Freyhold, Klaus v./Tetzlaff, Rainer (Hrsg.): Die "afrikanische Krise" und die Krise der Entwicklungspolitik, Münster. Hamburg 1991 (= Schriften der Vereinigung von Afrikanisten in Deutschland, Bd. 11), S. 102 ff. und Dibengue, Augustin: Zur Vormachtstellung Frankreichs im frankophonen Afrika. Die Beziehungen Kameruns zu Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland von 1960 bis Anfang der achtziger Jahre im Vergleich, Diss., Aachen 1994 (= Aachener Studien Sozialwissenschaften, Bd. 11), S. 309 ff. (im Folgenden zitiert: Dibengue, Vormachtstellung Frankreichs).

27 Ganns, Harald: Ein Botschafter blickt zurück. Gedanken zum Thema Namibia, in: Afrikanischer Heimatkalender 1994, S. 71 ff.

28 Zu dem Einfluß der „Südwester“ auf die Namibia-Politik Deutschlands s. Haspel, Annelie: Kontinuität oder Wandel?: Das besondere Verhältnis von Deutschen zu Namibia, Diss., Hamburg 1995, S. 187 ff. Negativ zu einem Einfluß der "Südwester" auf die deutsche Politik äußern sich: Helbig, Helga/ Helbig, Ludwig: Mythos Deutsch- Südwest. Namibia und die Deutschen, Weinheim. Basel 1983, S. 259ff. Sie bezeichnen den Verweis der Bundesregierung auf die Namibia-Deutschen nur als einen Vorwand, um die ökonomischen Interessen (v. a. am Uran) zu verschleiern.

29 Länderbericht Namibia, S. 17. Diese Zahl umfaßt die Finanzielle Zusammenarbeit und die Technische Zusammenarbeit im engeren und weiteren Sinne. Bei der Beurteilung dieser Summe muß man bedenken, daß Namibia nur 2 Mio. Einwohner hat (Stand 1997). Die Einwohnerzahlen der anderen Staaten für 1997 lauten: Ruanda 6,7 Mio.; Burundi 6,4 Mio.;Kamerun 13,7 Mio.; Togo 4,2 Mio.; Tansania 30,5 Mio.

30 Hofmeier, Rolf: Deutsch-Afrikanische Beziehungen 1996, in: Institut für Afrika- Kunde (Hrsg.): Afrika-Jahrbuch 1996. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Afrika südlich der Sahara, Opladen 1997, S. 26 (im Folgenden zitiert: Hofmeier, Afrika 1996).

31 Länderbericht Namibia, S. 14.

32 Ebd.

33 Ebd.

34 Zu dem Folgenden: Ebd., S. 17.

35 Hofmeier, Rolf: Deutsch-Afrikanische Beziehungen 1993, in: Institut für Afrika- Kunde (Hrsg.): Afrika-Jahrbuch 1993, S. 20 (im Folgenden zitiert: Hofmeier, Afrika 1993).

36 Zu dem Besuch Kohls s. Hofmeier, Rolf: Deutsch-Afrikanische Beziehungen 1995, in: Institut für Afrika-Kunde (Hrsg.): Afrika-Jahrbuch 1995, Opladen 1996 (im Folgenden zitiert: Hofmeier, Afrika 1995).

37 Hierzu und zu dem Folgenden: Hofmeier, Afrika 1996, S. 26.

38 Hofmeier, Rolf: Deutsch-Afrikanische Beziehungen 1997, in: Institut für Afrika- Kunde (Hrsg.): Afrika-Jahrbuch 1997. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Afrika südlich der Sahara, Opladen 1998, S. 26 (im Folgenden zitiert: Hofmeier, Afrika 1997) und Auswärtiges Amt: Kinkel trifft namibischen Premierminister, http://www.auswaertiges-amt.de/5%5Flaende/nam/54c%2Dnam1.html, Stand 26.6.99.

39 Auswärtiges Amt: Kinkel trifft namibischen Premierminister,

http://www.auswaertiges-amt.de/5%5Flaende/nam/54c%2Dnam1.html, Stand 26.6.99.

40 Ebd.

41 KfW (Hrsg.): Finanzielle Zusammenarbeit mit Namibia. Versöhnung und Chancengleichheit fördern, Februar 1998, S. 4 [Broschüre].

42 Länderbericht Namibia, S. 14.

43 BMZ (Hrsg.): Länderbericht Republik Togo, Stand: Januar 1998, S. 14 (im Folgenden zitiert: Länderbericht Togo).

44 Ebd., S. 14, Anm. 8.

45 Länderbericht Togo, S. 15 ff.; Deutscher Bundestag/Drucksache 13/6210 vom 21.11.1996: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Uschi Eid und der Fraktion Bündnis Bundesrepublik Deutschland mit Togo, S. Togo).

46 Länderbericht Togo, S. 9 ff.

47 Ebd., S. 13 f.

48 Ebd., S. 10 u. 15. 90/Die Grünen zur Zusammenarbeit der 1f.(im Folgenden zitiert: Kleine Anfrage

49 Zu der Konferenz s. Hofmeier, Afrika 1993, S. 18.

50 Kleine Anfrage Togo, S. 1. Zu den einzelnen Projekten s. Länderbericht Togo, S. 17 f.

51 Kleine Anfrage Togo, S. 1.

52 Hofmeier, Afrika 1996, S. 28.

53 Deutscher Bundestag/ Plenarprotokoll 13/95 vom 14.03.1996, S. 8387.

54 Länderbericht Togo, S. 14.

55 Siehe dazu u. a. Avornyo, Raphael Quarshie: Deutschland und Togo (1884-1987), Diss., Frankfurt a. M. 1989 (=Schriften zum Staats- und Völkerrecht, Bd. 30), S. 143 und Agbodan, Mavor/Kouassi, Kwam: Die deutsch-togolesische Zusammenarbeit von 1960 bis heute, in: Deutsche Afrika-Stiftung (Hrsg.): Togo seit der Berliner Konferenz 1884-1984. Ein deutsch-togolesisches Geschichtsseminar vom 19.-21. März 1984 an

56 Zu den gegenseitigen Besuchen siehe: Dibengue, Vormachtstellung Frankreichs, S. 321 ff.

57 Ebd., S. 319.

58 Dibengue, Vormachtstellung Frankreichs, S. 319 und Mabé, Jacob Emmanuel: Deutsche Entwicklungspolitik in Kamerun. Theorie und Praxis, Frankfurt a. M. 1993 (= Europäische Hochschulschriften: Reihe 31, Politikwissenschaft, Bd. 228), S. 159 (im Folgenden zitiert: Mabé, Entwicklungspolitik).

59 Mabé, Entwicklungspolitik, S. 160.

60 Ebd.

61 Zu den Zahlen für die Entwicklungshilfe 1994, 1995, 1996 siehe BMZ (Hrsg.): Länderbericht Kamerun, Stand: Mai 1999, S. 11 (im Folgenden zitiert: Länderbericht Kamerun).

62 Hierzu und zu dem Folgenden: Ebd., S. 2 ff.

63 Hierzu und zu dem Folgenden: Mehler, Andreas: Kamerun 1997, in: Institut für Afrika-Kunde (Hrsg.): Afrika-Jahrbuch 1997, Opladen 1998, S. 189 ff.

64 Länderbericht Kamerun, S. 6.

65 Tansania hieß zu Beginn seiner Unabhängigkeit noch Tanganyika, wurde aber dann 1964 im Zuge der Union mit der Insel Sansibar in Tansania umbenannt.

66 Zu der Entwicklung der deutsch-tansanischen Beziehungen s. den Beitrag Rolf Hofmeiers in der Podiumsdiskussion: Von der "kolonialen Entwicklung" zum "Entwicklungskolonialismus", in Heyden, Ulrich van der/Oppen, Achim von (Hrsg.): Tanzania: Koloniale Vergangenheit und neuer Aufbruch, Münster 1996 (= Afrikanische Studien, Bd. 7), S. 91 ff. (im Folgenden zitiert: Podiumsdiskussion).

67 Ebd., S. 91.

68 Schröder, Herbert: Ostafrika: Von Bismarck zu Nyerere, Afrika-Post, Dezember 1984, S. 26.

69 Podiumsdiskussion, S. 92.

70 Zu den im Folgenden geschilderten Problemen s. BMZ (Hrsg.): Länderbericht Tansania, Stand April 1998, S. 3 ff. (im Folgenden zitiert: Länderbericht Tansania).

71 Ebd., S. 7 ff.

72 Zu dem Besuch Weizsäckers s. Hofmeier, Rolf: Deutsch-afrikanische Beziehungen 1992, in: Institut für Afrika-Kunde (Hrsg.): Afrika-Jahrbuch 1992, Opladen 1993, S. 14.

73 Hofmeier, Afrika 1995, S. 25.

74 Sumayé besuchte die "Tanzania Trade and Investment Conference" in Hamburg. Zu dem Besuch s. Auswärtiges Amt: Beziehungen zu Ostafrika 1997, http://www.auswaertiges-amt.de/3%5Fauspol/2/3%2D2%2D3b.html, Stand: 26.6.99 und Hofmeier, Afrika 1997, S. 26.

75 Zu der innenpolitischen Entwicklung in Burundi ab 1988 s. Strizek, Helmut: Kongo/Zaire - Ruanda - Burundi. Stabilität durch neue Militärherrschaft? Studie zur "neuen Ordnung" in Zentralafrika, Köln 1998 (= Afrika-Studien, Bd. 129) S. 127 ff. (im Folgenden zitiert: Strizek, Kongo/Zaire).

76 Hofmeier, Afrika 1995, S. 25 f.

77 Hierzu und zu dem Folgenden: Hofmeier, Afrika 1996, S. 27f.

78 Auswärtiges Amt: Staatsminister Schäfer trifft burundischen Parlamentspräsidenten, http://www.auswaertiges-amt.de/6%5Farchiv/98/p/p980619c.html, Stand 26.6.99.

79 Ebd.

80 Bindseil, Reinhart: Ruanda und Deutschland seit den Tagen Richard Kandts. Historischer Abriß der deutsch-ruandischen Beziehungen mit einer biographischen Würdigung des einstigen kaiserlichen Residenten, Berlin 1988, S. 239 ff.

81 Ebd., S. 35.

82 Ebd., S. 245.

83 Zu dem Folgenden: Strizek, Kongo/Zaire, S. 133 ff; S. 166 ff.

84 Hofmeier, Rolf: Deutsch-afrikanische Beziehungen 1994, in: Institut für Afrika-Kunde (Hrsg.): Afrika-Jahrbuch 1994, Opladen 1995, S. 17 ff. (im Folgenden zitiert: Hofmeier, Afrika 1994).

85 BMZ (Hrsg.): Journalisten-Handbuch Entwicklungspolitik 1998, Bonn 1998, S. 101 (im Folgenden zitiert: Journalisten-Handbuch).

86 Hofmeier, Afrika 1994, S. 19.

87 Hofmeier, Afrika 1995, S. 25.

88 Journalisten-Handbuch, S. 101.

89 Hofmeier, Afrika 1995, S. 25.

90 Hofmeier, Afrika 1996, S. 28.

91 Hofmeier, Afrika 1997, S. 26; Auswärtiges Amt: Kinkel trifft ruandischen Vizepräsidenten, http://www.auswaertiges-amt.de/6%5Farchiv/97/p/p970521a.html, Stand 26.6.99 und Auswärtiges Amt: Beziehungen zu Zentralafrika 1997, http://www.auswaertiges-amt.de/3%5Fauspol/2/3%2D2%2D3e.html, Stand 26.6.99. Zu der Partnerschaft Ruanda/Rheinland-Pfalz s. Bindseil, Ruanda, S. 251 ff.

92 Auswärtiges Amt: Kinkel trifft ruandischen Vizepräsidenten, http://www.auswaertiges-amt.de/6%5Farchiv/97/p/p970521a.html.

93 Hofmeier, Afrika 1997, S. 30.

94 BMZ: Konzept für die deutsche entwicklungspolitische Zusammenarbeit mit Ländern Afrikas südlich der Sahara, Bonn 1998 (= BMZ-aktuell, Nr. 89/März '98), S. 12 ff, 5.

95 Deutscher Bundestag/Drucksache 13/4532 vom 7.5.1996: Antwort der Bundesregierung auf die Großen Anfragen der Abgeordneten Dr. Uschi Eid und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen "Zur Lage in Afrika und zur Afrikapolitik der Bundesregierung (Teil I und Teil II).

96 O.V.: Regionale Organisationen stärken. Bundesentwicklungsministerin WiezcorekZeul setzt auf Zusammenarbeit/Besuch in Afrika, Frankfurter Rundschau, Ausgabe D, Nr. 192 vom 16.07.1999, S. 9.

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Details

Titel
Die aktuellen politischen Beziehungen Deutschlands zu seinen ehemaligen Kolonien in Afrika
Note
2+
Autor
Jahr
1999
Seiten
31
Katalognummer
V95077
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Beziehungen, Deutschlands, Kolonien, Afrika
Arbeit zitieren
Henning Türk (Autor), 1999, Die aktuellen politischen Beziehungen Deutschlands zu seinen ehemaligen Kolonien in Afrika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95077

Kommentare

  • Gast am 11.5.2001

    Deutschland - ehemalige afr. Kolonien.

    große Fleißarbeit
    wurde Tansania wirklich erst 1918 erobert??
    übersichtlich
    viele Vertiefungsanregungen durch Quellen und Fußnoten
    flüssig lesbar

    ich gebe 5 Punkte

  • Gast am 9.11.2008

    Deutschland und seine Geschichte.

    Es ist eine sehr große Arbeit (1,7). Das Thema wird öfters nur einseitig behandelt. In der normalen Gesllschaft ist sie kaum bekannt. Man sollte sich deswegen nicht schämen, denn selbst viele deutsche Politiker oder Dozenten wissen, weniger über diese Zeit. Die vorliegende Arbeit bietet allerdings die Möglichkeit sich rasch einen Einblick in die deutsche Kolonialgeschichte zu verschaffen. Ich kann nur die Lektüre weiterempfehlen.

    Nicolas

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Titel: Die aktuellen politischen Beziehungen Deutschlands zu seinen ehemaligen Kolonien in Afrika


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