Bücherverbrennungen, Zensur, Verfolgung. Das war die tatsächliche Realität der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Viele Personen mit dem bekannten Namen mussten damals ihr Zuhause verlassen, um sich wieder Meinungsfreiheit zu erschaffen. Darunter auch Lilly Becher, Ehefrau von Johannes Becher, dem berühmten Schriftsteller. Sie war Parteifunktionärin und im russischen Exil war sie als Übersetzerin tätig. Allerdings sind unter ihrem echten Namen kaum Arbeiten von ihr zu finden. In dieser Arbeit werden die zu Lilly Becher gefundenen Daten aus den Exil-Archiven zusammengefasst und dem Leser dargelegt. Dabei wird ihr Weg zur Sprachenmittlerin untersucht sowie eines ihrer bekannten Werke über das Konzentrationslager in Treblinka unter die Lupe genommen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Recherchebericht
3 Vita
4 Lilly Becher – Bibliographie
4.1 Übersetzungen
4.2 Originalbeiträge in Zeitschriften und Zeitungen
4.3 Originalwerke in Buchform
4.4 Herausgeberschaften
4.5 Beteiligungen an anderen Publikationen
4.6 Veröffentlichte Briefe
5 Der Weg von Publizistin zur Übersetzerin
5.1 In Berührung mit Sprachen
5.2 Die Hölle von Treblinka
5.3 Verschleierung der Identität
5.4 Pseudonyme und ihre Verwendung
6 Schluss
7 Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die übersetzerische Tätigkeit von Lilly Becher während ihres Exils, insbesondere im Kontext ihrer Arbeit im russischen Exil und der damit verbundenen Notwendigkeit, ihre Identität durch Pseudonyme zu verschleiern.
- Biographische Analyse der Publizistin und Übersetzerin Lilly Becher
- Untersuchung ihrer Exilübersetzungen und der Rolle von Pseudonymen
- Analyse der Übersetzungsarbeit von Die Hölle von Treblinka
- Diskussion über Anpassungsfähigkeit und berufliche Flexibilität im Exil
- Kritische Aufarbeitung der Quellenlage zur Person Lilly Becher
Auszug aus dem Buch
5.2 Die Hölle von Treblinka
Im Laufe der Entwicklung von Frau Becher als Übersetzerin hatte sie viele unterschiedliche Werke ins Deutsche übertragen. Nichtsdestotrotz gibt es meines Erachtens eines, das einer besonderen Stellung bedarf. Das liegt daran, was für eine ausschlaggebende Rolle diese Übersetzung in den nächsten Jahren nach ihrer Anfertigung hatte. Es geht um die Übersetzung der Broschüre von Wassilij Großmann unter dem Namen Die Hölle von Treblinka (1945).
Auf der Suche nach den Originalnamen der Werke, die Frau Becher übersetzt hatte, wurde festgestellt, dass die Übersetzungen eher abschnittsweise aus den Originalwerken angefertigt wurden. Unter allen ihren Übersetzungen fällt Die Hölle von Treblinka ausgesehen von der übersetzerischen Tätigkeit Bechers deswegen auf, weil sie als Ganzes übersetzt wurde: Von Anfang bis Ende. Diese Übersetzung erschien in dieser Form zuerst in der Internationalen Literatur. Sie wird bis heute immer wieder von unterschiedlichen Verlagen publiziert. Beim Illustrieren der Rückkehr von Frau Becher nach Deutschland spielt ihre Übersetzung ebenfalls eine zentrale Rolle:
Im Gepäck führte sie auch ihre letzte Übersetzungsarbeit aus dem Russischen mit sich: Wassilij Grossman[n] „Die Hölle von Treblinka“, eine 50-seitige Abrechnung mit den Schandtaten der Deutschen im Vernichtungslager Treblinka. Sie wurde noch in der Sowjetunion in „tausenden, abertausenden Exemplaren unter den deutschen Soldaten verteilt“ und erschien 1946 auch als Broschüre in Deutschland. Zuvor hatte der „Nachtexpress“ den Text bereits in Fortsetzungen veröffentlicht. Das Heft vermerkt auf der Innenseite: „Aus dem Russischen übertragen von L. Becher“. (Harder 2017: 57)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Situation des Exils und die schwierige Lage von jüdischen Schriftstellern und Übersetzern im nationalsozialistischen Deutschland ein und stellt Lilly Becher als Untersuchungsobjekt vor.
2 Recherchebericht: Dieser Abschnitt legt die methodische Vorgehensweise bei der Informationsbeschaffung dar, insbesondere die Arbeit mit Internetquellen und Archivmaterial aus dem Frankfurter Exilarchiv.
3 Vita: Das Kapitel bietet einen biographischen Abriss über das Leben von Lilly Becher, ihre politischen Aktivitäten und ihre Stationen im Exil.
4 Lilly Becher – Bibliographie: Hier wird eine detaillierte Auflistung ihrer Übersetzungen, Originalbeiträge, Buchveröffentlichungen, Herausgeberschaften und Briefe präsentiert.
5 Der Weg von Publizistin zur Übersetzerin: Dieses Hauptkapitel analysiert den beruflichen Wandel Bechers, ihre Sprachkenntnisse, die Bedeutung ihrer Übersetzungsarbeit für das Exil und die komplexe Verwendung von Pseudonymen zur Identitätsverschleierung.
6 Schluss: Das Kapitel zieht ein Fazit über die Bedeutung von Lilly Becher in der Geschichte des Übersetzens und reflektiert die Limitationen der vorliegenden Hausarbeit.
7 Bibliographie: Ein umfassendes Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Lilly Becher, Exilübersetzerin, Internationale Literatur, Die Hölle von Treblinka, Pseudonyme, Identitätsverschleierung, Nationalsozialismus, Exil, Übersetzungsanalyse, Publikationsgeschichte, Wassili Grossmann, Publizistik, Fremdsprachenerwerb, Exilarchiv, Jüdische Emigration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Leben und der übersetzerischen Tätigkeit der Publizistin Lilly Becher, die aufgrund ihrer jüdischen Abstammung und politischen Verfolgung ins Exil fliehen musste.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die biographischen Hintergründe, die bibliographische Erfassung ihres Werks, ihre Rolle als Exilübersetzerin sowie die Strategien zur Identitätssicherung durch Pseudonyme.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es zu rekonstruieren, wie Frau Becher zur Übersetzerin wurde, was sie zu dieser Tätigkeit bewegte und welche Bedeutung ihre Übersetzungen, insbesondere Die Hölle von Treblinka, einnahmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus biografischer Forschung, systematischer Auswertung von Nachlassdokumenten aus dem Frankfurter Exilarchiv und einer bibliographischen Analyse ihrer Publikationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Bibliographie und eine tiefgehende Analyse, die ihren beruflichen Werdegang, den Spracherwerb im Exil und die bewusste Nutzung von Pseudonymen beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Exilübersetzerin, Lilly Becher, Identitätsverschleierung, Pseudonyme, Exilpresse, Die Hölle von Treblinka und transkulturelle Kommunikation.
Warum war das Pseudonym „Lilly Paul“ für die Autorin von Bedeutung?
Das Pseudonym entstand durch ihren ersten Ehemann Fritz Paul und diente ihr dazu, trotz politischer Verfolgung ihre Arbeit im Exil fortzusetzen, ohne direkt mit ihrem echten Namen identifiziert zu werden.
Welche besondere Rolle spielt die Übersetzung von „Die Hölle von Treblinka“?
Es handelt sich um eine der bedeutendsten Arbeiten Bechers, da sie erstmals als Ganzes übersetzt wurde, als wichtige Informationsquelle diente und später die erste Übersetzung war, die ihren echten Namen trug.
- Arbeit zitieren
- Anna Busygina (Autor:in), 2020, Die Exilübersetzerin Lilly Becher. Der Weg von einer Publizistin zur Übersetzerin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/951088