"Kampfzelle der Bewegung am Frontabschnitt Hochschule". Der politische Stil des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes vor 1933


Hausarbeit (Hauptseminar), 1999

42 Seiten, Note: 1


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GLIEDERUNG

1. EINLEITUNG

2. RAHMENBEDINGUNGEN
2.1. ÜBERFÜLLUNGSKRISE UND AKADEMISCHE MASSENARBEITSLOSIGKEIT
2.2. RADIKALISIERUNG UND POLITISIERUNG
2.3. „NACHKRIEGSGENERATION“

3. DER „NEUE POLITISCHE STIL“ DES NSDSTB
3.1. PROPAGANDA
3.2. POLITISCHE GEWALT
3.3. DER „POLITISCHE SOLDAT“

4. DIE POLITISCHEN CODES DER „JUGENDLICHKEIT“
4.1. DER „GENERATIONSKONFLIKT“
4.2. DIE „JUNGE GENERATION“
4.3. DAS VERHÄLTNIS ZUR JUGENDBEWEGUNG
4.4. DIE „JUGENDLICHKEIT“ DES NATIONALSOZIALISMUS

5. SCHLUSS

BIBLIOGRAPHIE

ANMERKUNGEN

1. EINLEITUNG

‘Eroberung der Hochschulen !’, das war das erklärte Ziel, als ausgehend von der Initiative des Jurastudenten Wilhelm Tempel im Jahre 1926 der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB)gegründet wur- de. Es gehört vielleicht zu einem der bemerkenswertesten Phänomene im Rahmen der Aufstiegsgeschichte des Nationalsozialismus, daß es über eineinhalb Jahre vor der sogenannten “Machtergreifung” Hitlers gelang, dieses Vorhaben innerhalb der deutschen Studentenschaft auf demokratischem Wege zu verwirklichen. Nach- dem in den ersten Jahren zumindest an allen größeren Hochschulen lokale Hochschulgruppen gegründet waren, begann der Durchbruch des NSDStB zu einem maßgeblichen politischen Faktor spätestens mit der Ablösung Tempels durch den Münchener Germanistikstudenten Baldur von Schirach und der dadurch beding- ten Kurskorrektur. Der unter Tempel vorherrschende sozialrevolutionäre, am linken Flügel der NSDAP um die Gebrüder Strasser orientierte, Ton wurde deutlich abgeschwächt und man bemühte sich verstärkt um eine Annäherung an die, die studentische Subkultur traditionellerweise prägenden, Korporationen. In der Folgezeit konnte der Studentenbund seinen Einfluß auf die studentische Politik kontinuierlich ausdehnen, bis er 1931 zur hegemonialen hochschulpolitischen Kraft wurde: Sein Stimmenanteil bei AStA-Wahlen stieg bei Wahlbeteili- gungen zwischen 60 und 80 Prozent von 12 Prozent im Jahr 1928 auf über 44 Prozent, an 28 Hochschulen konnte er die absolute Mehrheit, an einigen sogar eine Zweidrittelmehrheit erringen und als im Juli mit Walter Lienau schließlich der erste Nationalsozialist zum Vorsitzenden der Deutschen Studentenschaft gewählt wurde, erfüllte sich, was Baldur von Schirach bereits 1929 prophezeit hatte: „Unerbittlich werden wir unseren einsamen Weg gehen, bis das Ziel zur Wirklichkeit wurde [sic!]: die nationalsozialistische Studentenschaft.”1 Die Betonung der Einsamkeit entsprang dabei eher der Selbststilisierung des nationalsozialistischen Studenten als Kämpfer gegen eine Welt feindlicher Mächte. Tatsächliche konnte der Nationalsozialismus in keiner anderen gesell- schaftlichen Gruppe so rasch und so früh sich durchsetzen, wie innerhalb der deutschen akademischen Ju- gend.

Diese Entwicklung des Studentenbundes kann mit der Arbeit von Anselm Faust zumindest aus organisations- und politikgeschichtlicher Perspektive als weitestgehend erforscht gelten.2 Entsprechendes läßt sich mit Einschränkung für die politische Entwicklung der Studentenschaft in der Weimarer Republik insgesamt behaupten. Ihr wurde von Seiten der Forschung seit Mitte der 60er, insbesondere aber in den 70er Jahren - wahrscheinlich nicht zuletzt unter dem Eindruck der vorangehenden studentischen Proteste - gesteigerte Aufmerksamkeit geschenkt, welche sich unter anderem in den Studien von Michael Kater und Jürgen Schwarz,3 sowie in zahlreichen hieran anschließenden Lokalstudien niedergeschlagen hat.4 Daneben liegt mit der Arbeit von Michael Grüttner inzwischen auch eine detaillierte Studie zur Studentenschaft im Nationalsozialismus vor.5 Aufgrund dieser Forschungssituation scheint es gerechtfertigt, die im engeren Sinn dieser Forschungssituation scheint es gerechtfertigt, die im engeren Sinn politische Geschichte des NSDStB im folgenden weitestgehend auszuklammern. In dieser Arbeit soll es im wesentlichen darum gehen, den Natio- nalsozialismus als spezifische politische Subkultur innerhalb des studentischen Milieus zu begreifen und hier- von ausgehend, einzelne politisch-kulturelle Muster zu isolieren und näher zu beleuchten. Dabei wird vor allem nach, für den organisierten Nationalsozialismus an den Hochschulen spezifischen politischen Aktionsformen, Propagandamethoden, politischen Identitätsmodellen, dem Einfluß eines „generationellen Stils” und der Ver- wendung von in der politischen Kultur Weimars virulenter politischer Codes wie dem der „jungen Generation” zu fragen sein. Zur Erschließung dieses Problemkomplexes wird vor allem auf die Presse des NSDStB zurückge- griffen,6 womit der Schwerpunkt der hier zu treffenden Aussagen notwendig auf der diskursiven Seite der ‚politi- schen Kultur‘ liegen wird. Um aber überhaupt die politische Praxis des NSDStB zu kontextualisieren und damit seine Resonanz in der Studentenschaft verständlich zu machen, werden zunächst drei als wesentlich erachtete Rahmenbedingungen skizziert. Neben den schlechten materiellen Lebensbedingungen der Studierenden und der Überfüllungskrise des akademischen Arbeitsmarktes wird es um die hiermit zusammenhängende, aber sicher nicht monokausal ableitbare Tendenz zur Radikalisierung der akademische Jugend in der Weimarer Republik und die Einordnung dieser Entwicklung in einen Verstehensansatz der „Generation” gehen.

2. RAHMENBEDINGUNGEN

2.1. ÜBERFÜLLUNGSKRISE UND AKADEMISCHE MASSENARBEITSLOSIGKEIT

Einen entscheidenden Einfluß auf das politische Verhalten der Studierenden und ihre Stellung zur Weimarer Republik wird man der sozioökonomischen Situation und den beruflichen Zukunftsperspektiven der akademi- schen Jugend zurechnen müssen.7 Das zentrale sozialstrukturelle Problem der 20er Jahre war dabei die, sich bis zum Ende des Jahrzehnts verschärfende, Überfüllungskrise des akademischen Arbeitsmarktes, die sich in der zeitgenössischen Diskussion in Schlagworten wie „Vermassung” oder „Proletarisierung” niederschlug. Der seit etwa 1875 beobachtbare säkulare Prozeß zunehmender Studierendenzahlen wurde in den 20er Jahren durch Faktoren wie die Rückkehr der Frontstudenten, einen erleichterten Hochschulzugang, die soziale Öff- nung der Hochschulen für Kinder aus der unteren Mittelschicht und Frauen, die Vergrößerung der Alterskohorte der 18 bis 25jährigen und eine längere Verweildauer zusätzlich verstärkt. Die hierdurch ausgelöste Frequenz- explosion und insbesondere ihr Zusammenfallen mit der Weltwirtschaftskrise am Ende der 20er Jahre führte zu einer massenhaften Akademikerarbeitslosigkeit.8 Diese traf eine akademische Jugend, die ohnehin zu einem Großteil unter desolaten materiellen Bedingungen zu leben hatte, wobei insbesondere die „neuen“ Studenten- schichten von wirtschaftliche Krisen getroffen wurden. Fast jeder zweite Studierende lebte unter dem Existenz- minimum, gesundheitlichen Folgen wie Unterernährung oder Tuberkulose waren häufig anzutreffen und viele mußten als sogenannte „Werkstudenten” Lohnarbeit leisten, um sich ihren Lebensunterhalt zu sichern; eine Möglichkeit, die durch die wirtschaftliche Entwicklung zunehmend erschwert wurde.9 Die sozialpsychologi- schen Folgen dieser schlechten sozioökonomischen Bedingungen und der fehlenden beruflichen Perspektive können in einer massenhaften Verunsicherung, gesteigertem Krisenbewußtsein und verstärkten Statusängsten vermutet werden. Dieser Prozeß traf wahrscheinlich sowohl für die Kinder aus dem oberen, wie für diejenigen aus dem unteren Mittelstand zu. Unter den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen der Weimarer Republik konnte die Hochschule die von ihr erwartete Funktion einer Eintrittskarte für einen planbaren sozialen Aufstieg bzw. eines Sicherungsmechanismus für eine hohe gesellschaftliche Position nicht mehr uneinge- schränkt erfüllen. Nach Peukert korrespondierte mit dieser Leistungsunfähigkeit des Bildungssystems „»Sys- tem«feindschaft und Kulturkritik; einer »vergreisten« Republik, die ihren Nachwuchs nicht unterbringen konnte, wurde im Namen der »Jungen Generation« der erbitterte Kampf angesagt; eine stellenlose Generation fand sich in der aggressiv-nationalistischen Parole vom »Volk ohne Raum« wieder“.10 Entsprechend läßt sich der verschärfte Konkurrenzdruck innerhalb der akademischen Jugend als wichtiger Katalysator für die zunehmende Diskriminierung jüdischer Studierender verstehen. Diese zeichnete sich schon in den ersten Jahren der Repu- blik ab, als Deutsche Studententage und einzelne, insbesondere medizinische Fachschaften einen numerus clausus für jüdische Studenten forderten.11 In den meisten Korporationen waren Juden in der Regel schon vor dem Ersten Weltkrieg durch einen sogenannten „Arier-Paragraphen” ausgeschlossen worden;12 jetzt verbreitete ihre Verbandspresse zunehmend stereotype Vorstellungen von der „Überflutung” der Universitäten durch Ju- den13 und es gab zahlreiche Fälle alltäglicher Diffamierung bis hin zu offener Gewaltanwendung.14

2.2. RADIKALISIERUNG UND POLITISIERUNG

Nationalismus, Illiberalismus und Antisemitismus waren Phänomene, die nicht erst seit der Weimarer Republik innerhalb der Studentenschaft zu beobachten waren, sondern spätestens seit den 1880er Jahren zunehmend Verbreitung gefunden hatten. Konrad Jarausch spricht in diesem Zusammenhang von einer „Tendenzwende der akademischen Jugend” in Richtung Nationalismus und Antisemitismus15 und Norbert Kampe konstatiert für das Ende der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts die Entstehung eines akademischen Antisemitismus, der sich bis zur Jahrhundertwende in großen Teilen der Studentenschaft zu einer „rigiden sozialen Norm” mit entsprechenden Ausgrenzungspraktiken verfestigt hätte.16

Die Entwicklung der Studentenschaft in der Weimarer Republik war insgesamt durch eine zunehmende Radi- kalisierung und Politisierung nach rechts geprägt.17 Dieser Prozeß läßt sich grob in drei Phasen unterteilen. Die Erste, etwa von 1918 bis 1923 reichende, wurde im wesentlichen von den heimkehrenden Frontstudenten do- miniert. Hier kam es zunächst zu einzelnen Reformbestrebungen, die sich in begrenzen Demokratisierungspro- zessen und in der Etablierung von Institutionen zur kollektiven Selbsthilfe niederschlugen. Diese konstruktiven Ansätze wurden aber bald überdeckt von einer zunehmenden Rechtspolitisierung der Studentenschaft, die durch externe Faktoren wie militärische Niederlage, Revolution, Besetzung des Ruhrgebietes, Kämpfe in Ober- schlesien und im Baltikum oder Londoner Konferenz forciert wurde.18 Verstärkt breiteten sich in den frühen 20er Jahren, getragen von dem raschen Aufstieg des völkisch orientierten Deutschen Hochschulrings, der in dieser Zeit von über zwei Dritteln der Studentenschaft unterstützt wurde,19 antidemokratische, antiliberale, antisemiti- sche und großdeutsch-nationalistische Vorstellungen aus, die sich schließlich zu einer „politisch-kulturellen Hegemonie der Völkisch-Radikalen innerhalb der Studentenschaft”20 verdichteten. Diese Radikalisierung führte unter anderem dazu, daß sich 1922 in der Debatte um die Zugehörigkeitsformel der DSt die völkische Richtung durchsetzen konnte und damit zum erstenmal ein rassistisches Prinzip in einer staatlich anerkannten Vertre- tungskörperschaft durchgesetzt wurde.

Neben der starken Anziehungskraft völkisch-nationalistischen Denkens zeigte sich bei einem Teil der Kriegs- studentengeneration eine Verbindung solcher rechtsradikaler Vorstellungswelten mit internalisierten militärisch- gewalttätigen Handlungsmustern. Diese äußerte sich in der Beteiligung von Studenten an verschiedenen For- men von politischer Gewalt: An fast allen Hochschulen bildeten sich 1919/20 studentischen Freikorps zur Nie- derschlagung der linken Aufstände in Berlin, in Mitteldeutschland und im Ruhrgebiet; Studenteneinheiten en- gagierten sich in Oberschlesien und im Baltikum in den sogenannten „Volkstumskämpfen”, einzelne Studenten waren mitschuldig an den politischen Morden an Rathenau und Erzberger und schließlich beteiligten sie sich am Kapp- und am Hitler-Putsch.21

Nachdem diese „Kriegsgeneration” etwa 1923 die Hochschulen verlassen hatte, trat zunächst eine Phase rela- tiver politischer Zurückhaltung ein, wofür die sinkende Beteiligung an den AStA-Wahlen ein Indiz ist. Unterhalb dieser „beruhigten Oberfläche”22 verschärfte sich aber nicht nur der Becker-Konflikt, sondern in diese Zeit fällt auch der organisatorische Aufbau des NSDStB, der die Voraussetzungen für seinen späteren Erfolg schuf.23 Spätestens nach 1927 sollte sich zeigen, daß die neu an die Hochschulen gekommene Studentengeneration durch eine weit stärkere antidemokratische und antisemitische Radikalisierung und Politisierung charakterisiert war als ihre Vorgänger. Deutlichstes Indiz dieser Entwicklung war die Ablehnung der vom preußischen Kultus- minister Kurt Becker initiierten Urabstimmung. Gegen das hier für die Verfassung der DSt vorgeschlagene staatsbürgerliche Prinzip sprachen sich 77,6 Prozent der abgegebenen Stimmen aus. Dieses deutlich völkisch- rassistische Votum bedeutete gleichzeitig den Umschlag des seit Jahren schwelenden Konflikts in einen offe- nen Bruch mit dem republikanischen Staat, der innerhalb der Studentenschaft ohnehin nie eine breite Legiti- mationsbasis besessen hatte. Vor diesem Hintergrund kumulativer Radikalisierung und Politisierung der Stu- dentenschaft wird man den Erfolg des NSDStB kaum einer „Manipulation” bzw. „Instrumentalisierung” der aka- demischen Jugend durch den Nationalsozialismus zuschreiben können.24 Die zunehmende Verankerung nati- onalistischer, völkischer und antisemitischer Vorstellungswelten im Alltagsleben eines Großteils der Studieren- den war anscheinend von einer, auf äußere Bedingungen reagierenden, Binnendynamik geprägt und der Auf- stieg des Nationalsozialismus innerhalb dieses rechtsradikalen studentischen Milieus beruhte daher wahr- scheinlich in weiten Teilen auf seiner Fähigkeit, die hegemonialen rechtsradikalen Dispositionen politisch zu bündeln.25 Der Nationalsozialismus konnte dabei allem Anschein nach seine Attraktivität auf Studenten ver- schiedenster sozialer Herkunft und Studienrichtung ausüben.26 Daß man insgesamt den aus der Studenten- schaft selbst kommenden Impulsen einen nicht zu geringen Stellenwert wird beimessen müssen, zeigt die Ent- stehung des NSDStB. Seine Gründung und die Entwicklung der darauf folgenden Jahre ging auf die Initiative einzelner Studenten zurück und entsprang nicht den Bestrebungen der Führung der NSDAP, die den Studen- tenbund, sieht man von den Reden einzelner Parteigrößen vor studentischem Publikum ab, zumindest in den Anfangsjahren fast vollständig ignorierte.

2.3. NACHKRIEGSGENERATION

Aus der Perspektive von, in der Forschung verfolgten, Generationskonzepten erscheint die Radikalisierung der Studentenschaft als Teil eines allgemeineren Prozesses.27 Hier wird in der Regel - in Abgrenzung zu biologi- schen und universellen Vorstellungen von Generationen - davon ausgegangen, daß Generationen dann als wirkungsmächtige Faktoren in Erscheinungen treten, wenn einschneidende historische Ereignisse eine zu dieser Zeit heranwachsenden Altersgruppe so stark prägen, daß sie in ihren Einstellungen, Verhaltensweisen und in ihrer Mentalität Gemeinsamkeiten ausbildet, die sie deutlich von anderen Altersgruppen unterscheiden. Von einer solchen Wirksamkeit wird insbesondere für die Zwischenkriegszeit ausgegangen. Nach Hans Mommsen stellte der Generationskonflikt in Weimar eine „über einzelne gesellschaftliche Schichten und Be- rufsgruppen hinausreichende Erscheinung“ dar, „die offensichtlich den politischen Prozeß wesentlich mitge- prägt hat“.28

Als „Nachkriegsgeneration” (Olenhusen) „Kriegsjugendgeneration” (Gründel) oder „verlorene Generation” (Peukert) werden im wesentlichen jene Jahrgänge bezeichnet, die im ersten Jahrzehnt nach der Jahrhundert- wende geboren wurden. Sie verbrachten ihre Kindheit im ersten Weltkrieg, das heißt oft ohne Vater, und erleb- ten ihre politische Sozialisation vor allem in den Anfangsjahren der Weimarer Republik. Politisch prägend wa- ren daher unter anderem die als überraschend empfundene militärische Niederlage, der als „Diktat” verstande- ne Friedensvertrag, die Revolution, Freikorpskämpfe, politische Attentate, rechte Putschversuche, Inflation und Jugendarbeitslosigkeit, sowie die politische Sozialisation eines Teils dieser Jugend in paramilitärischen Ver- bänden oder in der bündischen Jugend. Die subjektive Identität einer solchen Generation konstitutierte sich im wesentlichen aus dem Bewußtsein eines Gegensatzes zur Vätergeneration.29 Ihre Sozialisationsbedingungen erklären zum Teil die Neigung eines signifikanten Teils dieser Altersgruppe zu Militanz und Aktivismus, ihre Ablehnung des bestehenden „Systems” und der etablierten Parteien, ihren schroffen Gegensatz zu den älteren Generationen, ihre Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt, ihre Erwartung einer radikalen Veränderung in der Zukunft und ihre politische Radikalisierung am Ende der 20er Jahre. Offensichtlich war es aber erst die durch hohe Jugendarbeitslosigkeit geprägte konkrete sozioökonomische Situation dieser Jugendlichen, die daraus resultierenden Perspektivlosigkeit und der Legitimationsverlust des bestehenden gesellschaftlichen Ordnung bzw. des Weimarer Staates, der zu einer Transformation solcher sozialisationsbedingten generationellen Dis- positionen in radikales politisches Handeln führte.

Diese Generation zog sich, im Gegensatz zur früheren bürgerlichen Jugendbewegung, nicht in die Gemein- schaft von Gleichaltrigen zurück, sondern übte - oft mit militanten Formen - politischen Protest und zielte auf die radikale Umwälzung des gesamten „Systems”. Ullrich Herbert sieht diese „Kriegsjugendgeneration” mit Rekurs auf Günther Gründels 1932 erschienenes Buch „Die Sendung der jungen Generation” durch einen „generatio- neller Lebensstil“ charakterisiert, dessen vorherrschende Kennzeichen „Kühle, Härte und ›Sachlichkeit‹” gewe- sen seien.30 Der Einfluß dieser Nachkriegsgeneration auf die Entwicklung des Nationalsozialismus wird unter anderem von Michael Kater und Irmtraud Götz von Olenhusen betont. Kater glaubt zwischen der Enttäuschung dieser Generation und dem Aufstieg der NSDAP einen Kausalzusammenhang ausmachen zu können und O- lenhusen versteht im Nationalsozialismus als Massenbewegung eine Protestbewegung der nicht- proletarischen „Nachkriegsgeneration”.31

Die Anwendung solcher Generationskonzepte zeitigt aber auch eine Reihe von Problemen. So scheint etwa die Annahme von Klassengrenzen transzendierenden generationellen Gemeinsamkeiten schwierig nachweisbar.32 Nach Jaeger läßt sich aufgrund von vielfachen Differenzierungen innerhalb einer Alterskohorte von einer, über Gemeinsamkeiten in jeweils einzelnen Gruppen-Belangen hinausgehenden Homogenität der Anschauung von Alters-Kohorten eigentlich gar nicht sprechen. Eine historische Generation sei immer nur eine Problemge- meinschaft, nicht aber eine Problemlösungsgemeinschaft.33 Hiervon ausgehend scheint es für die Zwischen- kriegszeit der fruchtbarste Ansatz zu sein, Aussagen zunächst auf die männliche bürgerliche Jugend zu be- schränken.

Eine weitere Schwierigkeit, das zeigt etwa die relativ unkritische Übernahme der Beschreibungen Georg Grün- dels durch Ullrich Herbert,34 scheint in der Verwischung der Grenzen von analytischem Instrumentarium und zeitgenössischem politischen Diskurs zu bestehen; schließlich fungiert der Begriff der „Generation“ und die damit verbundene Konstruktion einer klassenübergreifender Gemeinschaft nicht nur als wissenschaftlicher Idealtypus, sondern stellte gleichzeitig einen einflußreichen Topos der politischen Kultur Weimars dar. So läuft man Gefahr die politische Stoßrichtung des Topos „Generation“, die sich nicht zuletzt gegen die Annahme klassenmäßiger Spaltung moderner Gesellschaften richtet, indirekt zu bestätigen. Das Aufgreifen dieses politischen Diskurses durch die nationalsozialistischen Studenten und sein Einsatz zur politischer Mobilisierung der „Jugend“ soll weiter unten behandelt werden.

3. DER „NEUE POLITISCHE STIL“ DES NSDSTB

Die Differenz des NSDStB zu den, mit ihm konkurrierenden, Korporationen beruhte kaum auf unterschiedlichen politischen Positionen; hier lassen sich vor allem hinsichtlich des vertretenen Antisemitismus, der Forderung nach einer Volksgemeinschaft, dem Aufgreifen des Frontsoldatenmythos sowie nationalistischen, antidemokra- tischen und antirationalen Einstellungen weitestgehende Übereinstimmungen feststellen.35 Was die nationalso- zialistische Politik an den Hochschulen gegenüber den anderen studentischen Organisationen auszeichnete, war neben der Tatsache, daß er „eine schlagkräftige Zusammenfassung aller in der Studentenschaft bereits seit Jahren gängigen Ressentiments”36 leistete, in erster Linie sein offenes parteipolitisches Engagement. Sein Auftreten an das von NSDAP und SA orientierend, verfolgte der NSDStB politischen Aktionsformen, die an den deutschen Hochschulen bis dahin unbekannt waren und deren wichtigste Voraussetzung die, erst durch die Reformbestrebungen der Anfangsjahre geschaffene, politische Öffentlichkeit an den Hochschulen war.37 Auf diesem Aktionsfeld zeichnete sich der NSDStB vor allem durch den von ihm verfolgten „neuen politischen Stil“38 aus, der sich als aggressiv-gewalttätiger Aktivismus charakterisieren läßt und der den eigenen Anspruch, Fun- damentalopposition zu sein, unterstrich. Im Vergleich zu diesem Auftreten, mußte in den Augen vieler Studenten das politische Verhalten der Korporationen, ihre Beschränkung auf Standespolitik, ihre Rücksichtnahme auf bestehende Autoritätsverhältnisse, ihre Verpflichtung auf im wesentlichen an aristokratischen Normen orientier- ten Lebens- und Verhaltensformen, sowie der politische Einfluß der ‘Alten Herren’, der gegenüber dem studen- tischen Radikalismus oftmals bremsend wirkte, eher „verknöchert” und angesichts der Krise von Hochschule und Gesellschaft unangemessen erscheinen.

Selbst unter der korporationsfreundlichen Politik Schirachs war man publizistisch bemüht, diesen Gegensatz deutlich zu machen.39 So charakterisierte etwa Kurt Krüger, Hochschulgruppenführer in Leipzig, späterer Vorsit- zender der DSt und selbst aktiver Burschenschaftler die Verbindungen als unpolitische Gruppierungen, in de- nen „veraltete, phrasenhafte Vorstellungen” vorherrschten und von denen daher keine Taten zu erwarten sein.40 Die Pflicht des studentischen Nationalsozialismus bestand dagegen nach Krüger darin, die als nicht mehr an- gemessen eingestufte „allgemeine vaterländische oder nationale Betätigung” durch die „schärfste Politisierung der Studentenschaft” abzulösen und so zum „Träger des jungen vorwärtsdrängenden Studententums” zu wer- den.41

Insgesamt wird man sagen können, daß der NSDStB mit seinem Aktivismus, seinem offenen parteipolitischen Bekenntnis, der Benutzung ‘moderner’ aggressiver Propagandamethoden, dem Einsatz politischer Gewalt und seinem, an der politischen Kultur der SA orientiertem Idealbild vom nationalsozialistischen Studenten als „politi- schem Soldat” einen neuen politischen Stil in den Hochschulen verfolgte, dem man angesichts weitgehender ideologischen Übereinstimmung mit den meisten Korporationen bei der Frage nach den Bedingungen des raschen Erfolges des Nationalsozialismus in der deutschen akademischen Jugend einen nicht zu geringen Stellenwert wird beizumessen haben.

3.1 „PROPAGANDA DER TAT“

Trotz beschränkter finanzieller und personeller Möglichkeiten betrieb der NSDStB einen bis dahin für deutsche Hochschulen beispiellosen, am Vorbild von NSDAP und SA orientierten Propagandafeldzug.42 Die „Vertretung und Verbreitung der Ziele der NSDAP” wurde in den Satzungen von 1926 und 1929 als zentrale Aufgabe des NSDStB definiert.43 Um dieser gerecht zu werden, strebte man in den lokalen ASten gezielt solche Ämter, etwa das für Presse oder politische Bildung, an, die dem NSDStB den Zugang zur studentischen Öffentlichkeit er- leichterten und den Rückgriff auf Ressourcen der Studentenschaft ermöglichten.44 Die Priorität politischer Wer- bung in der Arbeit der lokalen Hochschulgruppen wird daneben bestätigt durch die, in der Presse der national- sozialistischen Studenten abgedruckten, Tätigkeitsberichte, sowie durch nostalgische Rückblicke ehemaliger Studentenbundsmitglieder auf die „Kampfzeit”, in denen jeweils die Beschreibung von Ausmaß und Form der eigenen propagandistischen Tätigkeit das zentrale Thema darstellt.45 Dieser politische Primat der Propaganda kam auch in der Selbstbeschreibung der nationalsozialistischen Studenten zum Ausdruck, wenn man sich etwa als „Trommler des neuen Deutschlands” verstand.46

Die zur Mobilisierung der akademischen Jugend angewandten Methoden bestanden vor allem in Diskussions- abenden, Flugblattaktionen, Massenkundgebungen und Aufmärschen. Zentrales Gewicht hatten dabei öffentli- che Reden von bekannten Nationalsozialisten. Dabei trifft für den NSDStB zu, was sich für die NSDAP für den Anfang der 30er Jahre feststellen läßt: keine andere politische Bewegung hatte zuvor eine solche Anzahl von Massenveranstaltungen organisiert. Beispielhaft hierfür ist das Engagement des Studentenführers Schirach, der im Sommer 1929 innerhalb eines Monats an 18 Hochschulen zum Thema „Der Kampf der Jugend” sprach.47 Der „neue politische Stil“ dieser nationalsozialistischen Massenveranstaltungen zeichnete sich nach Klaus Theweleit vor allem dadurch aus, daß es hier nicht zentral um den Inhalt der Rede ging, sondern vielmehr um die „Organisation der Erfahrung einer Lust“ und die Formierung von Wünschen.48 Die Initiative für solche Rede- versammlungen ging dabei nicht notwendig von den nationalsozialistischen Studenten selbst aus. Zumindest für die Zeit, als deren Einfluß auf die Hochschulpolitik noch begrenzt war, lassen sich Fälle nachweisen, in denen die Einladungen für Auftritte von nationalsozialistischen Parteigrößen von ASten ausgesprochen wurden, in denen Nationalsozialisten noch keine Rolle spielten.49

Insgesamt entfaltete sich die Propagandatätigkeit des NSDStB in zwei Richtungen. Neben dem Erreichen einer möglichst breiten studentischen Öffentlichkeit, galt es die eigenen Mitglieder durch interne „Sprechabende“ politisch zu schulen; sollten diese doch nach den elitären Vorstellungen der leitenden Studentenbundsmitglie- der auf ihre Rolle als Führer des zukünftigen „Dritten Reiches” vorbereitet werden.50 Charakteristisch für die propagandistische Tätigkeit des NSDStB war - ähnlich wie für den Nationalsozialismus insgesamt - ihre adres- satenspezifische Ausrichtung, d. h. die Orientierung an dem spezifischen soziokulturellem Milieu, in dem man politisch agierte.51 Deutlichster Ausdruck einer solchen Milieuorientierung war die, auf Gewinnung der studen- tischen ‘Massen’ zielende, Annäherungspolitik Schirachs an die Korporationen, insbesondere an die schlagen- den Verbindungen.52 Entsprechend hob er die Gemeinsamkeiten von NSDStB und Waffenstudenten hervor. Beide vereinten „eine gewisse Auslese des Menschenmaterials der heutigen Studentenschaft in ihren Reihen [...]: der Wille zur Tat und zur Waffe hat hier die einzig wertvollen aktivistischen Elemente zusammengefaßt. Und warum vereinigen sich die Aktivisten in den Bünden, die letzten Endes irgendwie dem Kampfe dienen? Weil wahre Jugend kämpfen will!“53

Ein weiteres Beispiel für diese adressatenspezifische Politik stellen die vom NSDStB an verschiedenen Universitäten und in der DSt konzertiert eingebrachten Anträge zum numerus clausus für jüdische Studierende bzw. zur Wehrverstärkung des Deutschen Reiches dar. Diese hatten zwar keinerlei Aussicht auf eine unmittelbare Umsetzung, man konnte sich bei diesen Themen aber einer breiten Zustimmung innerhalb der Studentenschaft sicher sein und so den Anschein des eigenen Aktivismus verstärken und die Sichtbarkeit des Studentenbundes in der studentischen Öffentlichkeit erhöhen. Spektakulärer und in der Anwendung propagandistischer Mittel wesentlich umfangreicher waren die Inszenierungen von sogenannten „Fällen”, d. h. die gezielte Verfolgung von jüdischen, republikanischen und pazifistischen Professoren.54 Zwar gab es solche „Fälle” schon vor dem Auftreten des NSDStB auf der akademischen Bühne, allerdings gewannen sie unter seiner maßgeblichen Federführung am Ende der 20er Jahre durch ihren ausgeprägten Kampagnencharakter eine neue Qualität und markierten einen tendenziellen Umschlag von einer eher individuellen und ungeplanten Diskriminierung in gezielte politische Aktionen. Ein zentrales und partiell erfolgreiches Ziel war es dabei, diese Kampagnen über das studentische Milieu hinaus auf eine möglichst breite ‚nationale Öffentlichkeit‘ auszudehnen. Dies zeigt beispielhaft der Fall des jüdischen und politisch links orientierten Heidelberger Statistiker Julius Gumbel.55 Schon 1924 hatten mit Stöcken bewaffnete Studenten versucht eine von ihm organisierte pazifistische Veranstaltung zu verhindern. Als es allerdings Anfang der 30er Jahre im hindern. Als es allerdings Anfang der 30er Jahre im Zusammenhang mit Gumbels Ernennung zum außeror- dentlichen Professor und einer Äußerung von ihm, wonach das bestgeeignetste Kriegsdenkmal eine Kohlrübe sei, wiederum zum Eklat kam, wurde von den rechtsradikalen Studenten mit beträchtlichem Aufwand und einer Fülle von Mitteln zur Mobilisierung der Öffentlichkeit eine Kampagne inszeniert, die sie sich über eineinhalb Jahre hinzog und 1932 schließlich mit dem Erfolg dieser „Studentenbewegung” von rechts und dem Entzug der Lehrerlaubnis Gumbels endete. Unter Federführung des NSDStB und mit Beteiligung der Korporationen, der NSDAP, der DNVP und des Stahlhelm wurden zur Mobilisierung der „nationalen Öffentlichkeit Heidelbergs” mehrere Massenveranstaltungen mit zwei- bis dreitausend Zuschauern organisiert, Unterschriftenaktionen, die anscheinend breite Unterstützung aus der Heidelberger Bevölkerung erhielten, initiiert und Hetzartikel in der nationalsozialistischen Presse veröffentlicht. Bezeichnend ist, daß, auch wenn die Universitätsleitung zunächst die verfaßte Studentenschaft aufgrund ihres Engagements auflöste und in den hieran anschließenden soge- nannten „Gumbelkrawallen” die von Studenten besetzte Universität polizeilich räumen ließ, die philosophische Fakultät schließlich doch den Forderungen der Studenten nach „Säuberung” der Hochschule nachkam. Die gleichzeitig angestrengten Disziplinarverfahren gegen nationalsozialistische Studenten führten lediglich zu Frei- sprüchen bzw. Verwarnungen. Hier, wie ähnlich auch in den „Fällen” Günther Dehn oder Ernst Cohn, zeigt sich, daß solche studentischen Ausschlußbewegungen, insbesondere wenn sie die Unterstützung von sympathisie- renden Dozenten besaßen,56 durchaus erfolgreich sein konnten.

Insgesamt zeichnete das Auftreten des NSDStB an den einzelnen Hochschulen die Intensität, die Ernsthaftigkeit und der Aktivismus, mit der er seine „Propaganda der Tat” betrieb, aus.57 Im Unterschied zu anderen studenti- schen Gruppen zielte dieser Aktivismus bewußt auf die Provokation von Universitätsleitung oder Staat,58 was dem Nationalsozialismus an den Hochschulen das Aussehen einer radikaler Opposition gegen „das System” verschaffte. Nicht nur die Fähigkeit, die in der Studentenschaft tief verwurzelten rechtsradikalen Dispositionen zugespitzt zu formulieren, sondern auch diese oft bewußt provokatorischen politischen Aktionsformen ließen den NSDStB - ähnlich wie andere nationalsozialistische Organisationen in ihrem spezifischen Handlungsseg- ment -59 als die radikalste studentische Gruppierung erscheinen. Der aggressive Aktivismus der nationalsozia- listischen Studenten und die Entfaltung eigenständiger Initiativen wurde dabei nicht unmittelbar durch die Machtübernahme durch den Nationalsozialismus gebrochen. Er reichte vielmehr bis ins Jahr 1934 hinein und verband sich durch den Zusammenbruch traditioneller Autoritätsstrukturen mit einer außergewöhnlichen Machtposition des NSDStB an den Hochschulen.60 Ausdruck dieser Verbindung von politischem Aktivismus mit Machtressourcen waren die spektakulären Bücherverbrennungen im Mai 1933 und die zum Teil erfolgreiche Verfolgung von Hochschullehrern, die von den Bestimmungen des Berufsbeamtengesetzes ausgenommen waren.

Eine der wichtigsten Voraussetzung für die Entfaltung eines solchen aktivistischen politischen Stils war das Engagement der Mitgliederbasis des NSDStB, was insbesondere angesichts der relativen zahlenmäßigen Schwäche des NSDStB gilt. Die Angehörigen der Hochschulgruppen hatten für die eigene Schulung und die propagandistische Arbeit innerhalb des NSDStB, aber auch für ihre Pflichten in der NSDAP, der sie obligato- risch angehörten, und in der SA, in der die Mitgliedschaft „Ehrensache” war, einen Großteil ihrer Zeit aufzubrin- gen und zum Teil persönliche Risiken, wie etwa die Relegation von der Hochschule, einzugehen.61

3.2 POLITISCHE GEWALT

Politische Gewalt war auf der Ebene von Sprache, Symbolik und Handeln derart tief im Alltag der Studenten- bundsmitglieder verankert, daß man geneigt ist, das Politikmodell des NSDStB als Fortsetzung des Kriegs mit anderen Mitteln zu beschreiben. Auftreten, Habitus, Identitätsmodelle und Wahrnehmungsmuster orientierten sich an einer bellizistischen Ordnung und trugen einen betont aggressiv-militärischen Charakter. Der NSDStB verstand sich nicht einfach als - wenn auch radikale - politische Hochschulgruppierung, sondern beschrieb sich als „Kampfzelle der Bewegung am Frontabschnitt Hochschule” bzw. als „Angriffsabschnitt in der großen Front, auf der der Nationalsozialismus [..] zur Macht strebt”.62 Primäres Ziel dieses „Kampfes”, darauf wurde bereits hingewiesen, war die Gewinnung der studentischen „Massen” für den Nationalsozialismus. Hochschul- politik, so heißt es etwa bei Krüger, sei „keine rein akademische Angelegenheit”, sondern ihre Aufgabe bestehe darin, „jeden geistig und körperlich jungen Studenten dem Nationalsozialismus und unseren Sturmabteilungen zuzuführen”.63 Die Stilisierung des Militärischen, Gewaltsamen und Brutalen im eigenen Handeln fungierte dabei nicht zuletzt als Abgrenzungskriterium gegenüber einer „nur akademischen” Politik. So wie die SA nach den Vorstellungen Hitlers kein „Debattierklub”, sondern eine terrorausübende und „zum äußersten entschlosse- ne Kampfgemeinschaft” sein sollte,64 erwartete man im Studentenbund, daß der „Kampf” an den Hochschulen nicht „akademisch”, sondern „folgerichtig, rücksichtslos, mit allen zu Gebote stehenden zweckmäßigen Mitteln und mit äußerster Entschlossenheit” geführt werden mußte.65 Schirach rechtfertigte die, auch von ihm erhobe- ne, Forderung nach Rücksichtslosigkeit und Brutalität mit der „Freiheit des Volkes”: Wenn es um diese gehe, sei „keine Zeit dazu, nachzudenken, ob die Form eines Kampfes den Anforderungen der sogenannten guten Gesellschaft” entspreche.66 Es erscheint aufgrund dieser zentralen Bedeutung des Militärischen für die Selbst- beschreibung des NSDStB naheliegend, daß gerade er es war, der Ende der 20er Jahre die ohnehin in der Studentenschaft populäre Frage des studentischen Wehrsports als vorrangigen Punkt auf der hochschulpoliti- schen Agenda etablierte. Obwohl sich der Studentenbund organisatorisch zunächst kaum mit der militärischen Ausbildung von Stahlhelm-Studentenring-Langemarck und Deutschem Hochschulring messen konnte, gelang es ihm, dieses Politikfeld erfolgreich diskursiv zu besetzen und so das Bild vom militanten Aktivismus des Natio- nalsozialismus an den Hochschulen noch zu verstärken.67

Auch auf der symbolischen Ebene politischen Handelns stand der Einsatz von gewalttätigen und militärischen Elementen, insbesondere in Form des Auftritts uniformierter und marschierender parteipolitischer Einheiten, im Zentrum des politischen Aktivismus der organisierten nationalsozialistischen Studenten. Ähnlich wie von den „braunen Kolonnen” der SA auf den Straßen wurden auch an den Hochschulen passende Gelegenheiten, vor allem die regelmäßig stattfindenden Langemarck- und Reichsgründungsfeiern, konsequent genutzt, um in militärischer Formation, im Braunhemd und unter der Hakenkreuzfahne „aufzumarschieren”.68 Zwar war das Tragen von Uniformen durch den Einfluß der Verbindungen in der studentischen Subkultur fest verankert, neu war allerdings die Präsenz solcher parteigebundener paramilitärischer Verbände. Dies verschaffte dem organi- sierten Nationalsozialismus an den Hochschulen neben einem Gemeinschaftsgefühl nach innen eine deutlich sichtbare Abgrenzung zu anderen studentischen Gruppierungen und eine dadurch bedingte gesteigerte öffent- liche Aufmerksamkeit.69 Die Bedeutung dieser symbolischen Politik für den NSDStB wird nicht zuletzt an den letztlich erfolgreichen Bestrebungen Schirachs deutlich, auch denjenigen Mitgliedern des Studentenbundes, die nicht in der SA waren, das Tragen von Braunhemd und Armbinde bei studentischen Feiern und Veranstal- tungen zur Pflicht zu machen.70 Teil des strategischen Kalküls war auch hier die gezielte Provokation der etab- lierten Autoritäten und der publizistischen Öffentlichkeit.71 Bestrebungen der Universitätsleitungen, durch Uni- formverbote solche Auftritte der nationalsozialistischen Studenten zu verhindern,72 verfehlten, ähnlich wie Verbo- te einzelner NSDStB-Hochschulgruppen, nicht nur ihre Wirkung, weil man in der Regel wußte, sie zu umgehen, sondern bedienten den Nimbus der radikalen Opposition gegen die etablierten Mächte und boten die Möglich- keit, sich als Opfer staatlicher Repression darzustellen.73

Die Inszenierung einer solchen symbolischen Militarisierung zielte wie der tatsächliche Einsatz von politischer Gewalt nicht allein auf eine möglichst radikale Abgrenzung vom „System” oder auf die Einschüchterung des politischen Gegners und derjenigen, von denen man Universität und Volk zu „säubern” versprach, sondern man rechnete daneben auf ihre „sinnlich-ästhetische Qualität”74 und die hierdurch bedingte Anziehungskraft auf eine radikalisierte Jugend:

„Eine marschierende SA-Abteilung wird auf solche Jungenschaft stets tiefen Eindruck machen, weil sie weiß, daß hier die neuen Frontkämpfer marschieren, die nicht zu vornehm oder zu feige dazu sind, ihre Ideen auch mit der Faust durchzusetzen.”75

Mit Benjamin könnte man in diesem Zusammenhang von einer „Ästhetisierung des politischen Lebens“ durch den Faschismus reden.76 Insgesamt wollten sich die nationalsozialistischen Studenten nicht nur mit ihrer „Weltanschauung”, sondern entsprechend ihrer Vorstellungen von einer nationalsozialistischen Identität auch durch einen komplementären politischen Stil von aller Bürgerlichkeit absetzen und sich so den Ausdruck einer radikalen und aktivistischen Bewegung geben, die sich als Avantgarde der „Deutschen Revolution“ verstand.77 Dieses politische Identifikationsmodell kondensierte in den Texten wie auf dem Campus im Bildnis disziplinierter und geordneter Einheiten aus uniformierten und marschierenden jungen Männern, die sich unbeirrbar auf ein Ziel hinbewegen und in dem Abweichung, Zögern, Spontaneität und Chaos genauso wenig Platz hatten, wie jede diskursive Auseinandersetzungen, in der Sprache eine andere Rolle spielt als die der Diffamierung, des Befehls oder des Textes zum „Hitlerlied”.78

Diese Militarisierung von Sprache und Symbolik fand ihre Entsprechung im tatsächlichen und regelmäßigen Einsatz von politischer Gewalt durch nationalsozialistische Studenten.79 Durch gewaltsame Störungen der Tref- fen anderer politischer Gruppen,80 Saal- und Straßenschlachten und insbesondere durch regelmäßige Angriffe auf jüdische, kommunistische oder republikanische Studierende gelang es, die „Subkultur der politischen Ge- walt”,81 die bereits auf den Straßen der Städte alltäglich geworden war, auf den Campus auszuweiten.82 Solche Angriffe auf politisch linksstehende Studierende, Juden, Frauen und Ausländer wurden, obwohl sich diese Gruppen an den Hochschulen in einer permanenten Minderheitenposition ohne nennenswerte Artikulations- chancen befanden, zur heroischen Tat stilisiert. Aus Wien ließ man im November 1927 etwa verlauten, daß hier die nationalsozialistischen Studenten den Kampf gegen Juden und Marxisten mit „äußerster Schärfe” aufge- nommen hätten. Bei den „blutigen Zusammenstößen” habe es sieben schwerverletzte Juden gegeben und schließlich hätten „100 Deutsche [...] die 4fache Überzahl aus der Universität gepeitscht.”83

Die nationalsozialistischen Studenten fühlten sich als Avantgarde einer revolutionären Bewegung. Die auf Permanenz gestellte Anwendung verschiedenen Formen politischer Gewalt produzierte ein, um die revolutionäre „Aura” von Radikalismus, Aggressivität, Brutalität und Grenzüberschreitung zentriertes Identifikationsmodell, dessen Funktion neben der Stabilisierung eigener politischer Identität vor allem in der Mobilisierung von ‘Widerstand’ gegen „das System” zu suchen ist. Im Bewußtsein der eigenen „Sendung” konnte die Kritik am eigenen gewalttätigen Vorgehen als Zeichen der Zugehörigkeit zu einer überkommenen Welt gedeutet werden. Nach Darstellung des Berliner NSDStB-Mitgliedes Fritz Hippler waren diese „in den letzten Jahren so zahlreich gewordenen Krawalle und täglichen Auseinandersetzungen in den Hochschulen” Ausdruck „wahrer radikaler Denkungsart” und einer „inneren Empörung”, die sich nicht mehr in „akademischer Weise” ausdrücken ließe. Die öffentliche Mißbilligung dieser „Manifestationen” - die Empörung darüber, „daß sich an den Universitäten wiederhole, was sich, wenn auch womöglich in noch schärferen Formen, tagtäglich in den Straßen abspiele”, das Beklagen des Niederganges von Sitte, Wohlerzogenheit und Anstand, wenn gebildete Leute täten, was man sonst nur von den ungebildeten Ständen erwarte - waren nach Hippler Ausdruck des Denkens einer älteren Generation, die notwendig dem „ungestümen Aufbäumen der deutschen Jugend, der Zukunft des deutschen Volkes” verständnislos gegenüberstehe. Insbesondere die Professoren Volkes” verständnislos gegenüberstehe. Insbesondere die Professoren erscheinen dabei in ihrer „Passivität, Lethargie und rein betrachtende Objektivität” und ihrem Pochen auf „akademische Sitte und Ordnung” als diejenigen „von gestern, die das heute verleugnen”. Dieses heute aber war hier identisch mit den ‘politisierten’ nationalsozialistischen Studenten selbst: „Heute, da wir die blutdurchtrunkene Wirklichkeit sind [!]”, die sich auf ihrem „ungestümen Vormarsch befindet“.84 Ähnlich wie Hippler, aber aus anderer Perspektive betonte Rudolf Arnheim, daß es wenig Anlaß gab, die gewalttätigen Aktionen des NSDStB als grundsätzlich der Universität fremd anzusehen. Die „Kampfweise” der „rüden Landsknechte der Sturmabteilungen”, die „mit Schlagring und Revolver” argumentierten, würden nur dem oberflächlichen Beobachter, der die Universität für den „Turnierplatz der Vernunft“ hielte, unheimlich grotesk vorkommen.85

Inwieweit die Anziehungskraft des NSDStB auf die akademische Jugend dem strategischen Einsatz von politi- scher Gewalt geschuldet war, läßt sich kaum mit Sicherheit beantworten. Immerhin zeigen die Vorgänge an der Berliner Universität vom Sommer 1929, daß die vom ihm verfolgten politischen Aktionsformen, die eine gewalt- tätige Diskriminierung von Minderheiten ebenso miteinschlossen, wie die offene Konfrontation mit Universitäts- leitung und Staatsmacht, viele Studenten nicht davon abhielten, nationalsozialistisch zu wählen. Hier kam es, nachdem sich der NSDStB dem Verbot einer Demonstration gegen den Young-Plan widersetzt hatte, zu Schlä- gereien mit linken Studenten, zum Schußwaffeneinsatz der Berliner Polizei und schließlich zu Schließung der Universität.86 In der nur eine Woche später abgehaltenen AStA-Wahl konnte der NSDStB seinen Stimmenanteil von 15 auf 20 Prozent erhöhen.

Insgesamt wird man dem Einsatz von politischer Gewalt innerhalb der nationalsozialistischen Politik an den Hochschulen eine wichtige Rolle beimessen müssen. Zwar hatte es auch zuvor von Studenten ausgehende Formen politischer Gewalt - bei der Diskriminierung von Juden und im Rahmen der Beteiligung an Freikorps- kämpfen, an rechten Umsturzversuchen, an politischen Attentaten - gegeben, allerdings war es erst der studen- tische Nationalsozialismus, der sie als gezielte und auf Permanenz gestellte politische Strategie einsetzte. Zwar konnte sich diese Praxis hinsichtlich ihrer Intensität nicht mit dem Vorbild SA messen, aber auch an den Hoch- schulen ging es neben der Einschüchterung von politisch Andersdenkenden, Juden und Ausländern vor allem um die propagandistische Wirkung der Inszenierung von politischer Gewalttätigkeit.87 Durch den aggressiven, offensiven und anti-autoritär Charakter dieser Gewalt gab man sich das Image einer jungen, kraftvollen, kom- promißlosen und siegesgewissen politischen Bewegung.88

3.3 DER „POLITISCHE SOLDAT”

„Nazi zu sein”, das bedeutete für die rechtsradikalen studentischen Akteure nicht nur die Übereinstimmung mit dem politischen Programm der NSDAP, sondern hieß an einem „Erlebnis” teilhaben,89 einen „nationalsozialisti- schen Lebensstil” verfolgen;90 war mit anderen Worten gleichbedeutend mit der Produktion einer politisch- kulturellen Identität, durch die spezifisch faschistische Wahrnehmungs- und Deutungsmuster bereitgestellt wurden.91 Zentrales Moment dieser ‚Identitätspolitik‘ war die unbedingte Ablehnung von, als bürgerlich identifi- zierten Wertvorstellungen wie Liberalismus, Wissenschaftlichkeit, Sekuritätsbedürfnis und Traditionalismus. Diesen gegenüber wurde ein rechtsradikal und antisemitisch gewendetes Pathos der Rebellion vertreten: „Die Parole lautet: „Lebet gefährlich!”.92 Die hier konstruierten Muster kollektiver politischer Identität rekurrierten - neben einzelnen Anleihen an die Jugendbewegung - vor allem auf den gewalttätig-militärischen Habitus des „SA-Mannes”. Zwar konnte die obligatorische Mitgliedschaft der NSDStB-Studenten in der SA nicht durchge- setzt werden, aber nach Schirach lag in der hiermit zu vollziehenden „Vereinigung der Arbeiter der Faust und der Stirn” der „eigentliche Sinn” des NSDStB.93 Tatsächlich lag der Anteil der zugleich in der SA aktiven NSDStB-Mitglieder zwischen 1928 und 1932 bei etwa 40%,94 was den Charakter des organisierten Nationalso- zialismus an den Hochschulen maßgeblich beeinflussen mußte. Analog zur Leitvorstellung des SA-Mitgliedes als „politischem Soldat der NSDAP”95 sollte der „neue Typus des deutschen Studenten” ein „politischer Kämp- fer, ein verantwortungsbewußter Kämpfer für den deutschen Sozialismus”96 bzw. „Soldat auf dem ihm zugewie- senen Kampfabschnitt aus der Gesamtfront des um seine Freiheit ringenden Deutschlands”97 sein. Die damit einhergehende Idealisierung von Brutalität und Gewalt fungierte als Abgrenzungscode gegenüber „akademi- scher Sitte und Anstand” und dem herkömmlichen Bild des Studenten:

„Und dann kam die Rücksichtslosigkeit - die Brutalität - die Demagogie. Jawohl ihr zartbesaiteten Edelge- wächse eines feuchtwarmen Treibhauses, wir Nationalsozialisten haben aus unserem Herzen nie eine Mördergrube gemacht. Wir haben wenigstens die Offenheit, es laut zu bekennen, daß wir rücksichtslos sind.”98

Gleichzeitig mit der Herstellung von Außendifferenz erzeugte dieser Gewaltkult eine Binnenidentität in dem Sinne, daß Brutalität und Rücksichtslosigkeit zu geschichtsmächtigen Charakteristika des eigenen Revolutionär-Seins avancierten:

„Wir, ja wir, ein junges Geschlecht, aus Rasse und Blut, wir schreiben für die, die Revolutionäre sind, Revolutionäre aus innerem Drang, Revolutionäre aus deutschem Bewußtsein, Revolutionäre mit der Brutalität und Rücksichtslosigkeit aller jener großen Revolutionäre, die ihrem Namen in die Weltgeschichte mit eisernem Griffel eingeschrieben haben.”99

Der „politische Soldat” im studentischen Milieu sollte dabei nicht nur jugendlich, hart, gesund, zielbewußt, völ- kisch, sportgestählt und „zur befreienden Tat” entschlossen, sondern analog zu dem vor allem in der SA betrie- benen Opfer- und Märtyrermythos auch sein Leben für die Bewegung opfern wollen. So hieß es etwa im Nach- ruf Baldur von Schirachs zu dem „unter den Kugeln des roten Mordes” gestorbenen Braunschweiger SA- Führers und Studentenbundmitgliedes Axel Schaffelt, daß dieser ein „typischer Sohn unserer Zeit” gewesen sei: „ein überlegener politischer Kämpfer, aber zugleich einer der bereit war, seine politische Überzeugung brutal unter Einsatz seines Lebens zu vertreten [...] Das junge Deutschland, für das er fiel, lebt, ihn zu rächen. Kamera- den, wie sind die Vergeltung.”100 Auch in Schirachs Kommentar zu den Berliner Auseinandersetzungen vom Sommer 1929 wird deutlich, daß hier „Härte” und Opferbereitschaft zu den politischen Qualitäten schlechthin gemacht wurden: „durch Schläge wird die Jugend nicht zermürbt, sondern gestählt [...] Die Herren von der No- vember-Republik haben eben immer noch nicht begriffen, daß es den SA-Kameraden, die bereit sind, für ihre Ideen zu sterben, höchst gleichgültig ist, ob sie verfolgt und verboten werden“.101 Die Mischung von soldati- schem Männlichkeitsideal, Opferkult und Motiven der Jugendbewegung bzw. des Wandervogels - auf die später noch eingegangen werden soll - macht beispielhaft ein Text des, aus der bündischen Jugend kommenden Volker von Alzey deutlich. Danach waren Fahrtenkittel und Braunhemd „Symbole von Lebensformen”; „Symbole des soldatisch disziplinierten” und des „faustisch-ringenden Menschen- und Deutschtums”. Sie beide strebten „aus der Stickluft bürgerlicher Enge hinaus“ und seien „geeint durch die Lust am Wagnis, des Körpers wie des Geistes”. Dieses unterscheide die „junge akademische Generation” von den „Akademikern alten Stils”. Sie habe „im Brausen der Massenversammlungen, im Gleichschritt der Sturmabteilungen, [...] im Maschinengewehrfeuer des Bürgerkrieges [...] das erschaut, was ihre hungernde Seele unter den Kathedern der Professoren, in den Salons der Zopf und Würdenträger, in den Büchern der Dekadenzliteratur vergeblich gesucht hatte: einen Glauben, der wert war, für ihn zu leben und zu sterben.”102

Im Zeichen des soldatischen Bildes deutscher Männlichkeit stand auch der Rekurs auf die, seit dem Erschei- nen von „Im Westen nichts neues” einsetzende, Konjunktur der Kriegsliteratur.103 Remarque wurde hier als „zartes pazifistisches Seelchen” charakterisiert. Die alleinige Teilnahme am Krieg machte diesen eben noch nicht zu jenem „inneren Erlebnis”, das Jünger in seiner Blut-und-Stahl-Romantik glorifizierte. Remarque sei an der Front nur als „Eingezogener” und daher „Sterbender” gewesen. Als „müder, alter und kranker deutscher liberalen Bürger” gehöre er einer Welt an, die in den „Stahlgewittern” des Krieges untergegangen sei. Diesem stand der echte „Frontsoldat” Jünger gegenüber, der so für einige der nationalsozialistischen Studenten zu ei- nem zentralen Bezugspunkt wurde.104 Nicht nur gegenüber Pazifisten und Liberalen, sondern auch gegenüber den „feministischen Figuren, die Männer sein wollen: bleich, verlebt [...] mit meist schwarzen Haar”105 fungierte der Frontkämpfer-Mann mit seinem „Körperpanzer”106 als Differenzmuster. In der komplementären Konstruktion von Weiblichkeit wurde „schön zu sein und Kinder zu kriegen”107 als Aufgabe der deutschen Frau bezeichnet, die etwa im Gegensatz stand zu stereotypen und für den nationalsozialistischen Studenten bedrohlichen Vor- stellungen vom „Vamp” und ihrer nicht auf Reproduktion gerichteten Sexualität: „die dekadenten Geschöpfe unter den Studentinnen [...], leblos, nichtssagend das Ganze und in der Mitte ein gemalter Mund mit einer qualmenden Zigarette”; wobei sich hier das für die soziale Konstruktion von Weiblichkeit allgemein typische Attribut „hysterisch” noch um das rassistische „jüdisch” ergänzt findet.

Insgesamt waren die verschiedenen Elemente von soldatischer Männlichkeit, Gewalt, Brutalität, Entschlossen- heit, Tatbereitschaft und Opferkult nicht nur taktische Einsätze im politischen Kampf um Macht, sondern wur- den als verbindliche soziale Normen für „den Nationalsozialisten” formuliert und produzierten so durch Außen- differenz eine nationalsozialistisch Binnenidentität. Allerdings ließ sich die, vor allem der egalitär- männerbündischen und eher proletarisch eingefärbten ‘SA-Kultur’ entliehenen Leitbilder nicht immer bruchlos in das elitäre Selbstverständnis der überwiegend aus dem Bürgertum stammenden Studentenbundmitgliedern integrieren. So erwartete etwa die Kieler Hochschulgruppe vom Studentenbund, daß hier nicht nur einfache Soldaten ausgebildet würden, sondern daß er zur „Kriegsschule für angehende Offiziere der Bewegung” wer- de.108 Auch im alltäglichen SA-Dienst der nationalsozialistischen Studenten brach sich der Anspruch von der „Vereinigung der Arbeiter der Faust und der Stirn” mit der Realität: Nicht selten kam es aufgrund des unter- schiedlichen soziokulturellen Hintergrundes zu Konflikten zwischen den akademischen Nationalsozialisten und den in der Regel bildungsferneren einfachen SA-Mitgliedern und -führern.109 Ähnliches gilt für den ausgepräg- ten Antiintellektualismus des Nationalsozialismus, dem man sich im NSDStB zwar verpflichtet fühlte, so lange er sich gegen die Vorstellungen von „Objektivität” und „Rationalismus” in der Wissenschaft wandte, dem man aber nicht den eigenen Anspruch geistiger Führerschaft opfern wollte. So sollte das Ziel des „Kampfes auf akademi- schen Boden” etwa in der „Schaffung einer nationalistischen Geistigkeit, einer Elite, die den Weg vom Geist zum lebendigen Volkstum wiederfindet”, liegen.110 Entsprechend der militarisierten Wahrnehmungsmuster wurde dabei die eigene ‚intellektuelle‘ Tätigkeit selbst militärisch codiert und etwa von einer „Roheit des Den- kens”, einer „allgemeinen Wehrpflicht des Geistes” oder einem „Kriegsdienst des Geistes” gesprochen.111 Das Paradoxe eines solchen antiintellektuellen Intellektualismus’ äußerte sich nicht zuletzt dann, wenn sich die nationalsozialistischen Studenten als „geistige Kämpfer für die Weltanschauung des Nationalsozialismus” be- zeichneten, die „mit wahrem Fanatismus, aber auch mit aller geistigen Gründlichkeit zu ihrem Träger und Vor- bereiter” würden.112

4. POLITISCHEN CODES DER „JUGENDLICHKEIT“

Neben dem Soldatisch-Agressiven spielten in der Selbstbeschreibung und Außenpropaganda der nationalsozi- alistischen Studenten das Aufgreifen der, in der politischen Kultur der Weimarer Republik virulenten Mythen der Jugend eine zentrale Rolle. Zu diesen politisch wirksamen Jugendmythen zählte im letzten Drittel vor allem der - an „reale“ generationelle Differenzen anknüpfende - Mythos der „jungen Generation“.113 Parallel zur insgesamt für die politische Kultur am Ende der 20er Jahre feststellbaren Ersetzung einer „ästhetischer Verinnerlichung des Abstraktums ‘Jugend’“ durch die „existentielle Erfahrung des Kollektivs ‘Generation’”114 verschwanden spätestens 1929 auch in der nationalsozialistischen Studentenpresse an die Jugendbewegung erinnernde, vage Vorstellungen vom Aufbruch der Jugend,115 zugunsten der, auf die Konstruktion politischer Akteure zielenden, Topoi „junge Generation“ bzw. „junge Front“.

Allem Anschein nach verstand es der Nationalsozialismus besser als andere politische Gruppierungen, erfolg- reich an die mit solchen politischen Mythen verbundenen Vorstellungen anzuknüpfen und sich als diejenige Bewegung zu präsentieren, welche die in diesem Zusammenhang erhobene Forderung nach der Bildung einer „jungen Front”, die quer zu den Klassengegensätzen liegen sollte, nicht nur radikal vertrat, sondern für die nähe- re Zukunft auch die Verwirklichung eines „jugendlichen Reiches” in Aussicht zu stellen vermochte. Im Gegen- satz etwa zum „Tat-Kreis”, ging es dem Nationalsozialismus weniger um eine „geistige Revolution”, als vielmehr um die Möglichkeit, aus der Bedienung vorgefundener Vorstellungen, Handlungsanstöße abzuleiten. Insbeson- dere die SA, aber auch die HJ und der NSDStB eröffneten jungen rechtsradikalen Männern und ihrem ausge- prägten Bedürfnis nach militantem Aktivismus in Form des „politischen Soldatentums” über den diskursiven Radikalismus hinausgehende und der Idealisierung von Antibürgerlichkeit und Brutalität entsprechende reale Handlungsräume. Die im Vergleich mit anderen rechtsradikalen paramilitärischen Organisationen starke An- ziehungskraft des Nationalsozialismus auf junge rechtsradikale Männer, wird nicht zuletzt in seinem dezidiert „politischer Kampf” um die Macht im Staat, in seinem, gegenüber dem eher elitärem und bürgerlichem Stahl- helm ausgeprägten „revolutionär”-antibürgerlichem Habitus und in der Tatsache zu suchen sein, daß hier die 18-25jährigen „jungen“ Männer nicht einfach in Jugendorganisation abgeschoben wurden, sondern als vollwer- tige Mitglieder anerkannt waren und eigenständig Führungsfunktionen wahrnehmen konnten.116 Während in der politischen Kultur am Ende der Weimarer Republik die Generationsmythen eine solche Prominenz gewon- nen hatten, daß sich ihnen kaum eine politische Bewegung entziehen konnte, mußten die nationalsozialisti- schen Deutungen dieser politischen Codes durch die Möglichkeit, sie in eine adäquat erscheinende politische Praxis einzubinden, in ihrer Glaubwürdigkeit bestärkt werden.

Im Zusammenhang mit der Analyse der nationalsozialistischen Studenten- bzw. Jugendpresse, ist bei der nati- onalsozialistischen Aneignung virulenter politischer Codes ein auffälliges Phänomen, daß es hier vor allem die jüngeren studentischen Autoren waren, die die Topoi „junge Generation” und „junge Front” aufgriffen und bear- beiteten. Wenn man auch insgesamt und wahrscheinlich zu Recht hervorgehoben hat, daß es mit der Herauskristallisierung der Jugend als eigenständige Sphäre im ausgehenden 19. Jahrhundert immer wieder Versuche ihrer Instrumentalisierung durch politischer Ideologien, Industrie, Werbung, staatliche Fürsorge und ihrer Instrumentalisierung durch politischer Ideologien, Industrie, Werbung, staatliche Fürsorge und eben auch durch den Nationalsozialismus gegeben hat, so zeigt diese Aktivität relativ junger nationalsozialistischen Mythopoeten, daß Impulse zur Konstruktion einer wahlweise „junge Generation” oder „junge Front” genannten „ ima gined community” (Benedict Andersen) auch von diesen ‚Jugendlichen‘ selbst ausgehen konnten.117 Die von ihnen formulierten Konzepte mündeten dabei keineswegs in einem in sich konsistenten politischen Mythos, sondern zeichnen sich vielmehr durch ihre Heterogenität aus: Begriffe wie der der „jungen Generation” wurden als Reservoir mit unterschiedlichsten, zum Teil sich widersprechenden Bedeutungen gefüllt.

4.1 „GENERATIONSKONFLIKT“

Der Generationskonflikt, der insbesondere in der Literatur schon längere Zeit, etwa in den expressionistischen Arbeiten von Walter Hasenclevers und Arnolt Bronnen, ein wichtiges Thema darstellte, avancierte in der politi- schen Kultur der Weimarer Republik zu einem einflußreichen politischen Wahrnehmungsmuster. Innerhalb der Stilisierung des Gegensatzes von Alt und Jung war dabei die polare Gegenüberstellung von der Unschuld einer verratenen und betrogenen Jugend auf der einen und der schuldhaften Verantwortung der Väter für die militäri- sche Niederlage und die sozialen wie ökonomischen Probleme der Nachkriegszeit auf der anderen Seite ein zentrales Motiv. Es schien als hätte die Jugend ihr Leben lang für die Versäumnisse der Väter zu zahlen. Dieses politische Deutungsmuster „Generationskonflikt” war insbesondere in der Diskussion um „Kriegsschuldlüge” und Reparationszahlungen prominent und vermochte nicht nur die Studentenschaft,118 sondern darüber hinaus in der, von Karl Otto Paetel initiierten, „Aktion der Jugend” im März 1930 ein breites Bündnis der organisierten rechtsradikalen Jugend gegen die „Erfüllungspolitik” der Regierung zu mobilisieren.119 Deutlich wird hier, daß mit dem Konflikt der Generationen keineswegs nur die konkreten Auseinandersetzungen zwischen Vätern und Söhnen gemeint waren, sondern daß der Gegensatz zur älteren Generation gleichgesetzt werden konnte mit einer Abgrenzung zum Liberalismus, zum Parlamentarismus, zur Bürgerlichkeit oder zu einer ganzen „mor- schen Welt“.

Eine relativ frühe nationalsozialistische Deutung der politischen Situation nach dem Muster des Generationskonfliktes stellt Gregor Strassers aus dem Jahr 1927 datierende und im Namen der Frontkämpfer formulierte Anklageschrift „Macht Platz ihr Alten” dar. Der Führer des linken Flügels der NSDAP, der mit seinem sozialrevolutionären Kurs erheblichen Einfluß auf die Gründungsgruppe des NSDStB um Wilhelm Tempel ausübte, verwendet hier die, auch später immer wieder aufgegriffenen, Topoi vom zurückliegenden und gegenwärtigen Leiden der Jungen, dem Versagen der älteren Generation, dem von ihr verübten Betrug um die Zukunft der Jugend und dem, aus diesen Motiven abgeleiteten, eigenen Führungsanspruch. Den politischen Führern, die hier als diejenigen identifiziert werden, die schon vor dem Krieg die Verantwortlichen Stellen besetzten, attestiert Strasser ein generelles Versagen. Die hieraus resultierenden Lasten würden allein den Strasser ein generelles Versagen. Die hieraus resultierenden Lasten würden allein den Jüngeren aufgebürdet, die somit um Gegenwart und Zukunft betrogen seien. Aus ihren „Wunden und Krankheiten”, den „geopferten Jugendjahren und [...] toten Freunden” leitet Strasser schließlich den Anspruch der Frontsoldaten ab, nicht nur Rechenschaft zu fordern, sondern an Stelle der „Alten” die Bühne der Geschichte zu betreten.120 Ein explizit instrumentelles Verhältnis zum Generationskonflikt findet sich bei Alfred Rosenberg. Nach ihm sollte es die zentrale Aufgabe der nationalsozialistischen Jugendorganisationen sein, „die Kinder der heutigen Bürger, Bauern, Handarbeiter usw. den Ideen ihrer Väter zu entfremden”.121

4.2 DIE „JUNGE GENERATION“

Wie in den angesprochenen analytischen Generationskonzepten deuteten auch Nationalsozialisten den Ge- gensatz der Generationen als Folge der durch Krieg und Nachkriegskrisen sich von älteren Generationen un- terscheidenden Sozialisationsbedingungen der „Nachkriegsjugend” und verbanden diese mit dem Aufruf zu einem gemeinsamen politischen Handeln. Nach Walter Richter hatten die Erfahrungen von Technisierung, rücksichtslosem Daseinskampf und politischem Terror, Frontjugend und Kriegsjugend zu einer „kommenden Generation“ zusammengeschweißt. Ihre Angehörigen seien durch das Leben „hart und verbittert“ geworden.122

In einem 1932 unter dem Titel „Das Recht der Jugend” erschienenen Artikel hieß es, daß die Nachkriegsgene- ration in „Not und Elend” geboren worden sei und den „ganzen Dreck der Nachkriegszeit am eigenen Körper” kennengelernt habe.123 Als prägende Ereignisse werden hier die Niederlage Deutschlands, seine „systemati- sche Knechtung”, Arbeitslosigkeit und das Versagen der Regierenden genannt. Jede Handlung dieser Genera- tion werde durch die Vorstellung einer Zukunft bestimmt, die „noch öder, noch trauriger als die Gegenwart” erscheine und in der sich das eigene Los nicht von dem der Väter unterscheide: „Wir sind Sklaven, weil wir Söhne von Sklaven sind”. Um das eigene Betrogensein deutlich zu machen, werden hier diese ‚harten‘ „Ju- genderlebnisse” mit dem ‚weichen‘, sorglosen, ungefährlichen, letztlich bürgerlichen Leben der „Vorkriegsju- gend” kontrastiert. Im Gegensatz zur existentiellen Bedrohung der Nachkriegsjugend habe der Lebensinhalt der Vorkriegsjugend in guten Zeugnissen und Tanzstunden, ihre Überschreitung in heimlich gerauchten Zigaretten bestanden. Haß auf die für den Betrug an der Zukunft verantwortlichen Älteren und der Wille gegen sie zu kämp- fen, werden hier als Folge dieses Gegensatzes genannt:

„Wir sind restlos erfüllt von dem Willen, gemeinsam zu kämpfen mit den armen leidenden Volksgenossen [...], aber auch von ungeheurem Haß gegen alle die, welche unsere Jugendzeit verdarben, sie verpesteten mit ihrem giftigen Geiste und uns den Weg in die Zukunft versperrten”

Die „verpfuschte Zukunft”, aber auch die durch Elend und Not erzeugte frühzeitige Reife dieser Generation, geben ihr das Recht zur aktiven Gestaltung des eigenen Schicksals, wobei der Nationalsozialismus diejenige Bewegung sei, die das „Sehnen und Drängen” dieser Generation „miterlebt und empfindet“. Ähnlich wie in die- sem Fall zielt auch bei Gerd Rühle die als „Trümmerhaufen” charakterisierte Gegenwart und die Zuschreibung der Verantwortung hierfür an eine „ältere bürgerliche Generation” auf eine radikaler Delegitimierung der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse: die ältere Generation verliert bei ihm jedes Recht, Autorität für sich einzuklagen.124 Mit Peukert könnte man in diesem Zusammenhang davon sprechen, daß der Verlust von Zukunftsperspektiven hier zur „panischen Flucht aus dem System” führt.125

Nach Thilo von Trotha hatten sich die natürlichen Konflikte zwischen Vätern und Söhnen durch den Krieg zum Gegensatz von „zwei Welten” verschärft, die sich „bis zur Vernichtung bekämpfen”.126 Ähnlich wie bei Gründel wird hier die „junge Generation“ als „ernst und hart, gewillt zur ‘Opposition um jeden Preis’, einsam, zugleich zügellos, leidenschaftlich und nüchtern” charakterisiert. Der Gegensatz zwischen der Welt der Väter und der der Söhne wurde dabei oft nach dem Schema bürgerlich-antibürgerlich beschrieben.127 So stellte man beispiels- weise dem bürgerlichen Sekuritätsstreben der „Pensionberechtigten und sicheren Gehaltsempfänger”, die sich mit den Dingen abgefunden hätten, das eigene existentielle und gefährliche Erleben des „auf Leben und Tod” für den „deutschen Sozialismus” kämpfenden „jungen Deutschlands” gegenüber.128 Das, allgemein in der Nachkriegsgeneration ausgeprägte, Desinteresse an den etablierten Parteien wurde bei den nationalsozialisti- schen Studenten zu ihrer radikalen Ablehnung verdichtet. In den „saturierten” Vorkriegsparteien sahen sie kei- nen Platz für die „junge nachdrängende Generation”.129 Stattdessen sollte „die Flamme der jungen Rebellion” mit ihrer „wunderbaren, unerschütterlichen Ablehnung des Liberalismus” an dem „morschen Gebälk” dieser Parteien fressen.130 Die Tagespolitik wurde von dieser Generation an ihren bündischen und frontsoldatischen Vorstellungswelten gemessen, denen keine der bestehenden Parteien außer den „jungen” Kommunisten und Nationalsozialisten genügen konnte. Politik begriff man als Kampf der Generationen, „in dem die Front der Ju- gend militant, aktivistisch, hart, kompromißlos nach dem Vorbild eines verklärten Frontkämpfertums für ein jugendliches Reich und gegen die etablierten Parteien und Interessengruppen zu Felde zog“.131 Entsprechend des, unter den nationalsozialistischen Studenten verbreiteten, Selbstverständnisses, revolutionäre Avantgarde einer jugendlich-rechtsradikalen Bewegung zu sein, gehörten sie nach Schirachs Worten zu den „Vordersten der neuen Front“.132 Zentral für die Vorstellung von der „jungen Front“ war bei den rechtsradikalen Studenten das Aufgreifen des Langemarckmythos, der nicht nur der Idealisierung von Krieg, Brutalität, soldatischer Männ- lichkeit, egalitärer männerbündischer Gemeinschaft und Opferbereitschaft diente, sondern gleichzeitig eine Verbindung zwischen Front- und Nachkriegsgeneration herstellte. Schirach etwa verstand unter der „neuen Front“ die „Jugend unseres Volkes, die bewußt an die alte Frontgeneration anknüpft, sich als die Erbin und Trägerin des gewaltigen Vermächtnisses der Stahlhelm-Deutschen empfindet”.133 Kurt Maßmann bezeichnete die „Studenten von heute“ als die neue Jugend, die „im Grunde ihres Wesens sozialistisch wie nationalistisch“ sei: „sie muß es zwangsläufig werden, wenn das Blut von Langemarck nicht vergeblich geflossen sein sollte [...] Sie will wieder opfern, will wieder kämpfen und wird stark genug sein, ein neues Reich zu bauen!”134

Auch das vor 1933 in zahlreichen Bünden und Jugendorganisationen verbreitete Gefühl der Mission der Jugend für das Ganze wurde von den nationalsozialistischen Studenten aufgegriffen. Entsprechend der Deutung des Generationskonfliktes als Widerstreit zweier entgegengesetzter Welten, wurde der Ausweg aus der, als Krisensi- tuation wahrgenommenen Gegenwart von dem Sieg der „jungen Generation” und einer, durch sie zu errichten- den, neuen Ordnung erwartet. An ihr läge es, das Neue zu schaffen: die „gewaltige Entscheidung, die große geschichtliche Wende, den Zusammenbruch der bestehenden Ordnung: Das Dritte Reich”.135 In dieser „jun- gen Generation” „offenbarte” sich in einer, von eschatologischen Heilserwartungen besetzten Vorstellungswelt der „Untergang einer alten Welt”;136 sie wurde so zu einem, die alten Formen zerbrechenden, „Wegsucher” und zum „Bahnbrecher eines neuen, zukünftigen Staates” stilisiert.137 In Vorwegnahme der, durch nationalsozialisti- sche Studenten 1933/34 tatsächlich betriebenen Säuberungsbestrebungen, wurde dabei in aller Offenheit formuliert, was passieren würde, wenn diese rechtsradikale Jugend ihre Mission zu erfüllen beginnt:

„Wenn wir den undeutschen Geist aus der Hochschule und Fabrik gebannt haben, dann wird der Weg für die Jungen frei. Dann wird sich zeigen, daß das junge Deutschland fähig ist, sein Schicksal zu meistern und sich sein Vaterland zu bauen.”138

Während der Begriff der Generation nach außen in der Regel zur Mobilisierung von Widerstand fungierte, galt es gleichzeitig, nach innen den Konfliktcharakter dieses Begriffe abzuschwächen und den Nationalsozialismus als Generationsgemeinschaft darzustellen. Dabei wurde immer wieder auf das Bild eines „Verschmelzen[s] der Männer der Front und der Jugend des Krieges” zurückgegriffen.139 Der Hitler nahestehende Schirach ging noch weiter und versuchte den Generationsbegriff ganz von einer Bezeichnung bestimmter Altersgruppen zu lösen und an Stelle gemeinsamer Erfahrungen solcher Alterskohorten, ein vom Alter unabhängiges Schicksal treten zu lassen: „Die Jugend des kommenden Deutschlands marschiert! Jünglinge, reife Männer und Greise sind zu einer Generation verschmolzen, Kameraden die das Schicksal einte.”140 Während sich der ‚Akademi- sche Beobachter‘ selbst als „das Blatt der neuen Front” sah: „Der Teil der deutschen Jugend, der eine deutsche Zukunft will, der Jugendbewegte, der Wehrbewegte, der revolutionäre Student”; sollte er nach Schirach eine Zeitschrift für jene sein, „die bewußt an die alte Frontgeneration anknüpfen”: „graue Haare [...] oder nicht, sie alle sind die Jugend des Deutschlands, das da kommt!”.141

4.3 DAS VERHÄLTNIS ZUR JUGENDBEWEGUNG

In dem Diskurs um die „junge Generation“ und die „Jugendlichkeit“ des Nationalsozialismus versuchten insbe- sondere aus der bündischen Jugend kommende Autoren, das Verhältnis zwischen Nationalsozialismus und Jugendbewegung zu klären.142 Insgesamt konnte bei dieser Bezugnahme Vorstellungen der Jugendbewegung von einer konfliktlosen, harmonischen Gesellschaft, vom Aufbrechen der „verkrusteten Welt” des Bürgertums, von einem selbstbestimmten Aufbruch der Jugend sowie das hier betriebene Führer-Gefolgschafts-Prinzip relativ bruchlos adaptiert und in einem nationalsozialistischen Sinn umgedeutet werden. Wenn sich auch bei den verschiedensten Autoren die Integration solcher Motive finden lassen, so differierten sie doch erheblich in der Bestimmung des Verhältnisses von Nationalsozialismus und Jugendbewegung. Die Positionierungen reich- ten von der Ablehnung der Jugendbewegung und der Betonung eines radikalen Bruches zwischen ihr und der nationalsozialistischen Jugend, bis zu Vorstellungen, die den Nationalsozialismus als praktische Verwirklichung der Ideen der Jugendbewegung begriffen und daher eine Kontinuität zwischen beiden betonten.

Konnte man auch allgemein an die Ablehnung der bürgerlichen Welt und das Aufbruchspathos der frühen Ju- gendbewegung anknüpfen, so mußte der zentrale Kritikpunkt, wollte man sich des Wandervogels im Dienste einer radikalisierten und politisierten Jugend bedienen, in der Einschätzung bestehen, daß die Opposition des Wandervogels lediglich in Form einer weltfremden Flucht in die Natur bestanden hat und nicht auf eine radikale Veränderung der politischen und gesellschaftlichen Strukturen zielte.143 Das apolitische Pathos der Erneuerung und das, eher auf die Perfektibilität des Einzelnen gerichtete, Selbstverständnis der Jugendbewegung144 wurde von der rechtsradikalen männlichen Jugend unter den Bedingungen einer umfassenden Krisensituation nicht mehr als angemessene Reaktion empfunden.

Parallel zur Politisierung und Militarisierung der Bünde in der Weimarer Republik warf man dem Wandervogel des Kaiserreiches das Fehlen von Härte, soldatischer Männlichkeit, Tatbereitschaft und politischem Kampf vor. An Stelle von „Spiel, Maskerade und tönender Phrase“ des Wandervogels sollten im Nationalsozialismus „Ein- satz, Tat und Erfüllung der Sehnsucht“ treten.145 Als typisch für eine von Frontsoldatenmythos und dem Ideal eines radikalen und militanten politischen Aktivismus’ einer „gehärteten Jugendbewegung“ geprägten Ableh- nung der frühen Jugendbewegung, kann etwa die Einschätzung eines Angehörigen der völkisch-bündischen Geusen angesehen werden. Danach hätte sich der Vorkriegswandervogel durch zu viel Gefühl und zu wenig Härte ausgezeichnet. Mit dem Treffen auf dem Hohen Meißner sei die Jugendbewegung zu einer ‘weibischen’ und „ungefährliche[n] Angelegenheit blutsfremder Intellektueller“ geworden. Erst der Krieg hätte die „Gefühls- romantik“ durch eine „politische Romantik“ abgelöst, die Jugendbewegung „gehärtet“ und ihr das „eherne, männliche Gesicht der Front” gegeben. Der Nationalsozialismus wird hier zu derjenigen Bewegung, die diese Militarisierung und Politisierung der Jugendbewegung aufnimmt und dadurch berufen ist, die „morsche Welt aus den Angeln zu heben, um eine neue an ihre Stelle zu setzen.”146 Ähnlich charakterisierte auch Alfred Ro- senberg den Wandel der Jugendbewegung, wenn er von der Ablösung der „schöne[n], naturnahe[n] Romantik des Wandervogels“ durch die „stählerne[n] Romantik“ der gegenwärtigen Jugendbewegung spricht. Während die ‘alte’ Jugendbewegung die Vergangenheit verklärt hätte und in die Natur gewandert sei, blicke die ‘neue’ mit „hellem, harten Blick in die Zukunft” und marschiere mit den „großen Schritten jungblütiger Kolonnen durch Deutschlands Straßen”.147

An anderer Stelle wurde die Jugendbewegung zum Ursprung des Nationalsozialismus umgedeutet bzw. der Nationalsozialismus zum Verwirklicher ihre Ideale stilisiert.148 Hier wurde der Wandervogel zu einem „rassi- schen Aufbäumen gegen ein artfremdes Leben“149 gemacht und man sprach von einer „Wiedergeburt des Wandervogels aus dem Geist des Nationalsozialismus”150 bzw. von der NSDAP als „politische[r] Form“ der „al- ten Wandervogelideale“, die den „Wandervogeltraum“ in der „rauhen Wirklichkeit“ erfülle.151 Nach Werner Laß, dem Führer der Freischar Schill, wurde im Nationalsozialismus der „Kampf um die Jugend zu einem Kampf der Jugend gegen die ältere Generation“. Durch seine Verbindung von „soldatischer Härte“ mit der „Tiefe und Ges- taltungskraft der Jugendbewegung” würde hier der „männlichen Typus“ geschaffen, „den die deutsche Jung- mannschaft braucht, wenn die Hoffnung der Nation auf ihr ruhen soll”. Mit dieser Verbindung von Frontsoldaten- tum und Jugendbewegung erhebe der Nationalsozialismus zu Recht den Anspruch, „die Bewegung der deut- schen Jugend“ darzustellen.152

Nicht nur die bürgerliche Jugendbewegung, sondern teilweise auch die kommunistischen Jugendorganisatio- nen konnten von nationalsozialistischer Seite aus gewürdigt werden. Insofern als primäres Charakteristikum der „neuen Generation“ nicht bestimmte, nach dem Rechts-Links-Schema differenzierbare politische Einstellungen angesehen wurden,153 sondern vielmehr ein ‘generationeller Lebensstil’, der sich durch die fundamentale Ab- lehnung bürgerlicher Verhaltensformen, den Willen zur radikalen Umgestaltung der Gesellschaft, einen militan- ten Aktivismus und revolutionäre Heilserwartungen auszeichnete, werden hier durchaus Verwandtschaften fest- gestellt. Werner Laß hielt es bei der „radikal kämpferischen Einstellung” der Kommunisten für natürlich, daß diese Anhang in der Jugend fanden.154 Alfred Rosenberg sah in der kommunistischen Jugend einer Vorläufer der Rebellion der Kinder des Bürgertums gegen ihre Eltern und hob ihre „kriegerische“ und „kampflustige“ Hal- tung hervor, die ihr seiner Meinung nach den Sieg über die „bürgerliche Schablonenmenschen” sicherte.155

4.4 DIE „JUGENDLICHKEIT“ DES NATIONALSOZIALISMUS

In der bewußten Integration solcher politisch virulenter Topoi wie „Jugend”, „junge Generation” oder „junge Front” in die nationalsozialistische Propaganda zeigt sich die, für die „Integrationspartei” NSDAP typische und partiell erfolgreiche Strategie der Formulierung gruppenspezifischer Angebote und Forderungen. Nicht zuletzt diese Fähigkeit ließ den Nationalsozialismus von der, in der Nachkriegsgeneration weit verbreiteten, Disposition zur politischen Radikalisierung profitieren. Die Übernahme der Codes der „Jugendlichkeit“ kumulierte bei den nationalsozialistischen Autoren schließlich in der Gleichsetzung von Nationalsozialismus und Jugendlichkeit.

Für Goebbels war der Nationalsozialismus diejenige Bewegung, die eine „jüngere und aggressivere Politik“ betreibe, weil sie „jugendlich ist und jugendlich denkt“ und die deshalb „immer Deutschlands Jugend hinter seinen Fahnen haben” würde.156 Nach Schirach war eine Bewegung so stark, „als sie Jugend besitzt [...] Daran gemessen ist der Nationalsozialismus die gewaltigste Bewegung auf dem Erdball, denn er ist die Jugend an sich [...], sie ist das Wesen dieser Bewegung”.157 Hitler selbst war für Schirach „der Exponent der deutschen Jugend“, weil er „in seiner Persönlichkeit, in seiner Haltung und seinem Willen diese Jugend verkörpert”.158 Daß die erfolgreiche „Programmierung von Jugendlichkeit“159 durch den Nationalsozialismus und die Produktion eines Images als „neue Front“, als Bewegung der „jungen Generation“, deren Führer aus der Frontgeneration kamen, während deren Gefolgschaft sich aus Nachkriegsgeneration rekrutierte, nicht nur propagandistisch erzeugte Illusion war, sondern daß die Akzeptabilität solcher politischer Mythen anscheinend maßgeblich von ihrer Bestätigung durch die „Tatsachen“ abhängen konnte, zeigen die als ausgesprochen „jugendlich“ charak- terisierbare Altersstruktur der Mitglieder und Wähler der NSDAP.160 Der Erfolg der NSDAP bei den September- wahlen 1930 wird, auch wenn sich dies statistisch nicht belegen läßt, wahrscheinlich auf die Jung- und Neu- wähler zurückzuführen sein. Die in den Reichstag einziehenden Nationalsozialisten hatten den jüngsten Alters- durchschnitt aller vertretenen Parteien. Das Bild der „Jugendlichkeit” der NSDAP bestätigt auch die Altersstruk- tur seiner Mitglieder. Die Neuzugänger waren zwischen 1925 und 1932 im Durchschnitt etwa 29 Jahre alt. Über die Hälfte der Mitglieder dieser Zeit war erst nach der Jahrhundertwende geboren. Damit muß die NSDAP nicht nur im Vergleich mit den konkurrierenden Parteien, sondern auch im Verhältnis zur Reichsbevölkerung als „jung” gelten. Dies trifft um so mehr auf die SA zu. Der paramilitärische Arm des Nationalsozialismus, dessen Mitgliederzahl zwischen 1930 und 1932 von 66000 auf 471000 explosionsartig anstieg, schien auf junge Män- ner unterschiedlichster sozialer Herkunft eine enorme Anziehungskraft ausgeübt zu haben. Das Durchschnittsalter der SA-Mitglieder lag am Ende der Weimarer Republik zwischen 25 und 26 Jahren, wobei über 87 Prozent von ihnen unter dreißig und etwa 59 Prozent unter fünfundzwanzig Jahren alt war. Die SA wies dabei eine ausgeprägt generationsspezifische Schichtung in dem Sinne auf, daß das Führerkorps sich eher aus der Frontkämpfergeneration zusammensetzte, während die einfachen Anhänger überwiegen der Nachkriegsgeneration angehörten.161 Auf verstärkten Radikalismus und Militanz gerade unter diesen jüngeren Mitgliedern deutet die Tatsache, daß die meisten in Berlin festgenommenen SA-Leute zwischen 17 und 20 alt waren.162 Faust zufolge fühlte sich die bürgerliche Jugend „hingezogen zu der Partei, die so jugendlich schien, die mit ihrem Revolutionsgehabe der verschwommenen romantischen Sehnsucht der jungen Generation nach Volksgemeinschaft und Erneuerung entgegenkam“.163 Man ist geneigt hinzuzufügen, daß diese Bewegung ebenso das Bedürfnis junger rechtsradikaler Männer nach militärisch-gewaltsamen Aktivismus in männer- bündlerischer Atmosphäre und uniformierten politischen Blöcken befriedigte.

5. ZUSAMMENFASSUNG

Angesichts einer zunehmenden Politisierung und Radikalisierung der akademischen Jugend nach rechts, ver- mochte es der NSDStB, die hegemonialen und tief in der studentischen Alltagskultur verwurzelten rechtsradika- len Dispositionen der Studentenschaft politisch zu bündeln. Aufgrund der weitestgehenden ideologischen Ü- bereinstimmung zwischen Korporationen und NSDStB scheint es plausibel zu sein, die Ursachen dieser Anzie- hungskraft nicht zuletzt in dem von ihm verfolgten „neuen politischen Stil“ zu suchen, der sich durch einen be- tont militant-aggressiven und aktivistischen Habitus auszeichnete. In diesem politischen Handlungsmodell wur- de ein umfangreicher Einsatz propagandistischer Mittel mit der strategischen Anwendung von offensiver und auf Dauer gestellter politischer Gewalt und einem, vom Ideal soldatischer Männlichkeit und revolutionärer Avant- garde geprägten, Muster kollektiver politischer Identität kombiniert. Dieses fand sich ergänzt durch das Aufgrei- fen von virulenten politischen Codes wie dem der „jungen Front“ bzw. der „jungen Generation“, die, ähnlich wie das Bild des „politischen Soldaten“, in der Lage waren, kollektive Binnenidentität durch möglichst radikale Ab- grenzung von der umgebenden sozialen Welt, insbesondere von den universitären und staatlichen Autoritäten, zu produzieren und Handlungsanstöße hieraus abzuleiten, für die der Nationalsozialismus entsprechende Akti- onsräume anbieten konnte. Insgesamt vermochte es der studentische Nationalsozialismus so, sich das Image einer jungen, kraftvollen, kompromißlosen und siegesgewissen politischen Bewegung zu geben, das anschei- nend auf eine radikalisierte und politisierte Generation rechtsradikaler „junger“ Männer besonders anziehend wirkte.

BIBLIOGRAPHIE

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Nr. 21/1 (Unruhen Dez. 1932 - Okt. 1934)

Nr. 22 (Maßnahmen gegen politische Organisationen der Studenten)

- ASTA 1919-1928

Nr. 146 (Schriftwechsel des Amtes für staatspolitische Bildung mit Persönlichkeiten 1926-1927)

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DER JUNGE REVOLUTIONÄR. Organ des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes, Berlin (1927 f.)

DIE DEUTSCHE ZUKUNFT. Monatsschrift des jungen Deutschland. Zentralorgan der nationalsozialistischen Ju- gend, München (1931 ff.)

NATIONALSOZIALISTISCHE HOCHSCHULBRIEFE. Kampfblatt des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes, Leipzig (1926 f.)

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[...]


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Zum studentischen Antisemitismus in der Weimarer Republik siehe Ströle-Bühler, Studentischer Antisemitismus in der Weimarer Republik. Eine Analyse der Burschenschaftlichen Blätter 1918 bis 1933, Frankfurt a. M. u. a. 1991; Hammerstein, Antisemitismus und deutsche Universitäten 1871-1933, Frankfurt a. M./ New York 1995. Eine mit der Studie von Kampe zum Kaiserreich vergleichbare Arbeit liegt für die Weimarer Republik noch nicht vor; Kampe, Studenten und „Judenfrage” im Deutschen Kaiserreich. Die Entstehung einer akademischen Trägerschicht des Antisemitismus, Göttingen 1988.

Einen Überblick über die Forschung zur Universität der Weimarer Republik insgesamt bieten: Jansen, Die Hochschule zwischen angefeindeter Demokratie und nationalsozialistischer Politisierung, in: NPL 38 (1993), S. 179-220; Chroust, Gießener Universität und Faschismus. Studenten und Hochschullehrer 1918-1945, 2 Bde., Münster, New York 1994, S. 1-32.

4 Kreutzberger, Studenten und Politik 1918-1933. Der Fall Freiburg im Breisgau, Göttingen 1972; Chroust, Gießener Universität; Giles, Students and National Socialism in Germany, Princeton 1985 (Breiter angelegt, aber überwiegend mit Rückgriff auf Quellen aus der Hamburger Universität).

Weitere, aber in dieser Arbeit nicht berücksichtigte Studien sind: Manfred Franze, Die Erlanger Studentenschaft 1918-1945, Würz- burg 1972; Peter Spitznagel, Studentenschaft und Nationalsozialismus in Würzburg 1927-1933, Phil.Diss. Würzburg 1974; Uwe Dietrich Adam, Hochschule und Nationalsozialismus. Die Universität Tübingen im Dritten Reich, Tübingen 1977. Norbert Giovanni- ni, Zwischen Republik und Faschismus. Heidelberger Studentinnen und Studenten 1918-1945, Weinheim 1990. Rainer Pöppin- ger, Absage an die Republik. Das politische Verhalten der Studentenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster 1918- 1935, Münster 1994; Michael Gehler, Studenten und Politik. Der Kampf um die Vorherrschaft an der Universität Innsbruck 1918- 1938, Innsbruck 1990.

5 Grüttner, Studenten im Dritten Reich, Paderborn 1995.

6 Von seiner Konzeption her ist der, in dieser Arbeit v.a. herangezogene, ‘Akademischer Beobachter’ nur bedingt aussagekräftig, da hier der Anspruch erhoben wurde, programmatische Zeitung der ganzen nationalsozialistischen Bewegung zu sein und daher z. T. Hochschuldozenten zu den Autoren zählten. Es ist anzunehmen, daß Zeitungen wie ‘Die Bewegung’, die den ‘Akademischen Beobachter’ ablöste und wesentlich populistischer konzipiert war, sowie von einzelnen Hochschulgruppen veröffentlichte Blätter wie die Berliner ‘Studentensignale’, die Dresdener ‘Sturmfahne’ oder die Münchener ‘Deutsche Revolution’ weit eher Auskunft über die politische Alltagskultur und das Selbstverständnis der nationalsozialistischen Studenten geben. Diese konnten allerdings nicht für diese Arbeit herangezogen werden.

7 Vgl. zum folgenden Jarausch, S. 129 ff.; Titze, Die zyklische Überproduktion von Akademikern im 19. und 20. Jahrhundert, in: GuG 10 (1984), S. 92-112.

Vor allem Jarausch und Kater sehen in „Bildungskrise” bzw. in einer „sozioökonomischen Verunsicherung” der Studenten die zentrale Ursache für die Radikalisierung der Studentenschaft in der Weimarer Republik. Der Zusammenhang zwischen sozioöko- nomischer Situation und politischer Radikalisierung, dafür spricht auch die Koinzidenz zwischen zyklischen Überproduktion von Akademikern und Ausbreitung von Illiberalismus und Antisemitismus in der deutschen Studentenschaft in den 1880er Jahren, ist nicht von der Hand zu weisen. In den Stagnationsphasen des Bildungssystems schlagen nach Einschätzung Peukerts die ideologi- schen Rezeptionsmuster der Abgänger in Richtung antiinstitutioneller Einstellungen, antirationalistischer Verhaltensweisen, Kultur- kritik und Krisenbewußtsein um; Peukert, Alltagsleben und Generationserfahrung von Jugendlichen in der Zwischenkriegszeit, in: Dowe (Hg.), Jugendprotest und Generationskonflikt in Europa im 20. Jahrhundert. Deutschland, England, Frankreich und Italien im Vergleich, Bonn 1986, S. 139-150; hier S.142. Gleichzeitig aber scheint eine rein monokausale Ableitung des politischen Verhal-

8 Nach Jarausch war das Nachwuchsangebot in den letzten Jahren der Weimarer Republik zwei- bis dreimal so groß wie der Bedarf an Neueinstellungen; Jarausch, S. 137.

9 Jarausch, S. 129-144; Kater, Studentenschaft, S. 43-80.

10 Peukert Die Weimarer Republik, Krisenjahre der klassischen Moderne, Frankfurt a. M. 1987, S. 99f.

11 Bleuel/Kinnert, S. 232-271; Zorn, S. 249 ff.

12 Kater, Studentenschaft, S. 145-47.

13 Ströle-Bühler, S. 55-65.

14 Kater, Studentenschaft, S. 43-80, Bleuel/Kinnert, S. 164-172; Chroust I, S. 130 ff.

15 Jarausch, S. 82-93.

16 Kampe, S. 205 ff.

17 Vgl. dazu die in Anm. 3 angegebene Literatur.

18 Diese politische Entwicklung wurde dabei in der Regel in den bekannten rechten Wahrnehmungsmustern „Dolchstoß”, „Novemberverbrecher” und „Versailler Diktat” wahrgenommen.

19 Vgl. Fließ/John, Deutscher Hochschulring (DHR) 1920-1933, in: Fricke u.a. (Hg.), Lexikon zur Parteiengeschichte. Die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien und Verbände in Deutschland (1789-1945), Bd. 2, Leipzig 1984, 116-127.

20 Herbert,»Generation der Sachlichkeit«. Die völkische Studentenbewegung der frühen zwanziger Jahre in Deutschland, in: Bajohr u. a. (Hg.), Zivilisation und Barbarei, Hamburg 1991, S. 115-144; hier S. 133. Dieser Aufsatz findet sich in veränderter Form als erstes Kapital von Herberts Bestbiographie wieder: ders., Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft 1903-1989, Bonn 1996, S. 42-69.

21 Zorn, S. 257-59, Schwarz, S. 225, Bleuel/Kinnert, S. 72-78. An letzterem nahm eine Einheit des DHR und ein SA-Studentenbataillon unter Rudolf Heß teil.

22 Faust I, S. 25.

23 Chroust bezeichnet diese Phase daher als „politische Inkubationszeit”; Chroust I, S. 43.

24 So wiederholt von Kater vertreten, der etwa von einer Indoktrination der bürgerlichen Studenten bzw. von einer Manipulation der Frustrationen und Hoffnungen der Jungen spricht; Kater, Generationskonflikt als Entwicklungsfaktor in den ersten Jahren der NS-Bewegung vor 1933, in: GuG 11 (1985), S. 217-243; hier: S. 239; ders., Studentenschaft, S. 135. Ebenso spricht Kreutzberger von einer „manipulativen Ausbeutung der Studentenschaft”; Kreutzberger, S. 107.

25 Chroust benutzt in diesem Zusammenhang das Bild von einem „politischen Kondensationskern”, Kater das eines „Brennglases, das die diffusen Strahlen bündelte”; Chroust I, S. 43; Kater, Studentenschaft, S. 154. Nach Kreutzberger war der NSDStB „eher Nutznießer als Verursacher der ‘Faschisierung’ der Studentenschaft”; Kreutzberger, S. 106.

26 Faust I, S. 117 f., Kater, Studentenschaft, 122 ff., Grüttner, S. 50 ff. Nach dem Urteil von Faust unterschieden sich die nationalsozialistischen Studenten in keiner Hinsicht wesentlich von ihren Kollegen. Im einzelnen läßt sich eine Unterrepräsentation innerhalb der Wähler- wie Mitgliedschaft des NSDStB lediglich von katholische Studenten sowie von Frauen nachweisen.

27 Allgemein zu Generationskonzepten: Jaeger, Generation in der Geschichte. Überlegungen zu einer umstrittenen , in: GuG 3 (1977), S. 429-451.

Zur Zwischenkriegszeit: Domansky, Politische Dimensionen von Jugendprotest und Jugendkonflikt in der Zwischenkriegszeit in Deutschland, in: Dowe (hg.), Jugendprotest und Generationskonflikt in Europa im 20. Jh. Deutschland, England, Frankreich und Italien im Vergleich, Bonn 1986, S. 113-137; Peukert, Alltagsleben, S. S. 139-150; Götz von Olenhusen, Jugendreich, Gottesreich, Deutsches Reich. Junge Generation, Religion und Politik 1928-1933, Köln 1987, insbes. S. 11-27., Herbert, Generation, S. 115- 118; Wohl, The Generation of 1914, Cambridge (Mass.) 1979.

Zum Nationalsozialismus: Kater, Generationskonflikt; Götz von Olenhusen, Die Krise der Nachkriegsgeneration und der Aufstieg des Nationalsozialismus, in: Jahrbuch des Archivs der deutschen Jugendbewegung, Bd. 12 (1980), S. 53-82.

28 Mommsen, Generationskonflikt und Jugendrevolte in der Weimarer Republik, in: Koebner/Janz(Hg.), „Mit uns zieht die neue Zeit”. Der Mythos Jugend, Frankfurt a. M. 1985, S. 50-67; hier: S. 51.

29 Mommsen, S. 52.

30 Herbert, Generation, S.117; ders., Best, S. 44.

31 Kater, Generationskonflikt. Hier werden gleichzeitig eine Reihe von Problemen des Genertionsmodell benannt: S. S.241-243; Götz von Olenhusen, Krise, S. 56 f.

32 Als solche klassenübergreifende Eigenschaften nennt Götz von Olenhusen Führer- und Autoritätsglaube, Gruppenidentität und Militarisierung. Insgesamt charakterisiert sie die Nachkriegsgeneration insgesamt als „neoautoritär“, Götz von Olenhusen, Krise, S. 78.

33 Jaeger, S. 443 f.

34 Nach Herbert beruht die Arbeit Gründels trotz Stilisierung auf richtigen Beobachtungen von Empfinden und Verhalten. In soweit „Stilisierung” die einzige von Herbert gemachte Einschränkung gegenüber der Arbeit des ‘konservativen Revolutionärs’ Gründel ist, scheint der politische Charakter von „Die Sendung der jungen Generation” deutlich unterschätzt zu werden. Gründels „Beobachtungen” sind ‘Arbeit am Mythos’ und nicht von dem Versuch zu trennen, die Eigenschaften dieser „jungen Generation” derart zu codieren, daß sie zum geschichtsmächtigen Faktor mutieren. Sie machen diese „jungen Generation” zum Exekutor eines - schon im Titel angesprochenen - heilsgeschichtlichen Plans. Als „Werkzeug eines höheren Willens” betrete sie die Weltbühne, um die „Mission der großen Wende zu übernehmen”. In der ‘harten Schule ihrer Jugend’, in den „Schützengräben des Weltkrieges und im Schmelzofen der Nachkriegszeit”, sind nach Gründel die „neuen Deutschen”, eine „Generation großer Tatmenschen” herangezüchtet worden, die endlich die „dünkelhaften Bildungs- und Verstandesschranken niedergerissen” hätten. In ihrer „dy- namischen Verschmelzung” mit der „Deutschen Revolution” wird die „junge Generation“ zu einer „neuen historischen Aktions- macht”, zum „Träger der kommenden großen deutschen Revolution”. Was zunächst als „Genration der Enterbten” aus dem Welt- krieg hervorgegangen sei, verwandele sich so in eine gegenwärtige „Generation der Berufenen” und in eine zukünftige „Genera- tion der Erwählten”. In seiner umfangreichen Betrachtung des Verhältnisses zwischen „junger Generation” und nationalsozialisti- scher Bewegung kommt Gründel zu dem Schluß, daß der Nationalsozialismus aus dem „einzigartigen Jugenderlebnis” entstanden sei und „die erste wahrhafte Positivierung ihres Kriegserlebnisses im Politischen” darstelle. Gründel, Die Sendung der jungen Generation. Versuch einer umfassenden revolutionären Sinndeutung der Krise, München 1932, S. 439 f., 41, 352 ff., 267, 269.

35 Faust I, S. 128 ff., 139 ff.; Jarausch, S. 157; Kreutzberger, S. 106. In den bis 1933 entstehenden Konflikte mit den Korporationen ging es daher vor allem um den Machtanspruch des NSDStB.

36 Kreutzberger, S. 106.

37 Vgl. Rundschreiben zum 12. Studententag an alle Hochschulgruppen, Führer und Vertreter des N.S.D.St.B. in Hannover (1929). Danach gab es keinen besseren Rahmen für die Propaganda „als den der D.St. mit ihren Astawahlen, Studentenzeitungen usw. Zudem sind wir heute nicht in der Lage außerhalb der D.St. viel zu erreichen.” Zit. Nach Faust I, S. 81. Die Übernahme der DSt und seines organisatorischen Apparates im Juli 1931 war daher vor allem von Bedeutung, weil sie zusätzliche Möglichkeiten für gezielte Kampagnen und gewalttätige Unruhen schuf.

38 Goebbels forderte von den Sprechabenden der NSDAP, daß sie einen „bestimmten neuen Stil repräsentieren“ und sich von den Veranstaltungen anderer politischer Parteien unterscheiden; Nach Paul, Aufstand der Bilder. Die NS-Propaganda vor 1933, Bonn 1990, S. 121.

39 Vgl. Kater, Studentenschaft, S. 80 ff.; Jarausch, S. 123, 157.

40 Kurt Krüger, Die Erneuerung der studentischen Verbindungen durch den Nationalsozialismus, in: AB 12 (Dezember 1929), S. 9-12; hier: S. 9.

41 Krüger, Nationalsozialistische Hochschulpolitik, in: AB 1 (Jan. 1929), S. 14 f.; hier: S. 14.

42 Vgl. hierzu Giles, The Rise of the Nationalsocialis Students’ Association and the Failure of Political Education in the Third Reich, in: Stachura (Hg.), The Shaping of the Nazi State, London 1978, S. 160-185; hier: S. 162 f.; Faust I, S. 39. Im folgenden geht es zunächst um Anspruch und Besonderheit der nationalsozialistischen Propaganda an den Hochschulen. Damit lassen sich noch keine Aussagen über ihre Wirksamkeit treffen. Zu dieser Diskrepanz von Omipotenzvorstellungen hinsichtlich der nationalsozialistischen Propaganda und der tatsächlichen Praxis vgl. Balistier, Die Tatpropaganda der SA. Erfolg und Mythos, in: Diesener/Gries (Hg.), Propaganda in Deutschland. Zur Geschichte der politischen Massenbeeinflussung im 20 Jh., Darmstadt 1996, S. 23-34; Paul, S. 255 ff.

43 Verfassung des National-Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (1926); Satzung des nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (Sommer 1926); Die Satzung des NSDStB (B. v. Schirach 1929); abgedruckt in: Faust II, S. 151 f.

44 In Kiel wurde im Sommersemester 1927, als der NSDStB zum ersten mal AStA Mandate erhielt, das Amt für politische Bildung, die Hochschulblätter und die akademische Lesehalle, in der man nach eigener Auskunft nationalsozialistische Literatur öffentlich auslegte, übernommen; Der Junge Revolutionär [JR] Nr. 5 (November 1927). In Erlangen stellte der NSDStB im WS 1928/29 neben dem 2. Vorsitzenden und dem 2. Schriftführer den Referenten für das Presseamt; AB 5, S. 19. In Rostock besetzte man im Wintersemester 1929/30 neben den Ämter des Schriftführers und des zweiten Vorsitzenden das Amt für politische Bildung, für Presse, die Hochschulzeitung und das Auslandsamt; AB 9 (September 1929), S. 19.

45 Als typisch können die der Berliner Hochschulgruppe gelten. Danach hatte man im WS 1928/20 50000 Flugblätter und 6000 Wochenzeitungen ‘Der Angriff’ verteilt sowie drei öffentliche Veranstaltungen abgehalten. Im darauffolgenden Sommersemester sollen es bereits 70000 Flugblätter und 8000 Zeitungen gewesen sein. Als Redner seien Goebbels, Schirach, Wagner, Wetzel und Hitler selbst an die Berliner Universität gekommen. Wie auch immer man den Realitätsgehalt dieser Zahlen einschätzt, sie zeigen, wie sehr die lokalen Hochschulgruppen bemüht waren, den hohen Grad ihrer propagandistischen Tätigkeit zu betonen; AB 2 (Februar 1929), S. 1.

In dem 1938 verfaßten Rückblick einiger Mitglieder der Bonner Hochschulgruppe auf den „Kampf gegen über altes, dickbäuchiges Bürgertum, gegen verkalkte Intelligenz, gegen jüdische und sich deutsch nennende Demagogen im Dienst fremder Mächte“ wird berichtet von: dem Kleben von Plakaten für die Reichstagswahl 1928, Auseinandersetzungen um das Schwarze Brett der Univer- sität, dem Einmarsch in Braunhemden und Hakenkreuzfahne in die Beethovenhalle anläßlich der Reichsgründungsfeier 1930, der das Verbot politischer Abordnungen bei solchen Anlässen durch den Senat nach sich zog, Massenveranstaltungen mit Schirach, Goebbels, Göring und Rosenberg als Rednern, Protesten gegen die Entfernung eines Ehrenmals für im Weltkrieg gefallene Stu- denten, Störungen kommunistischer Studentenveranstaltungen (Tränengas) bzw. von Vorlesungen unliebsamer Professoren. Zu dieser „fortlaufenden Propagandatätigkeit” heißt es, daß sie „eine immer größere Zahl der Andersdenkenden auf den Ernst der Zeit aufmerksam gemacht” habe; „Sie können es aber nicht übers Herz bringen, die allein wirkungsvolle - wenn auch häufig ‘un- akademische’ - Form unseres Kampfes gutzuheißen”; Wir tragen das Banner der Freiheit. 10 Jahre Kampf um eine Hochschule, Festschrift zur 10-Jahresfeier des NSD-Studentenbundes Hochschulgruppe Bonn. 14. bis 16. Januar 1938, Bonn 1938; Zitat S. 17.

46 Glauning, Verbindungsstudent und Nationalsozialismus, in: Nationalsozialistische Hochschulbriefe [HB] F. 2 (Januar/Februar 1927).

47 In der Rubrik ‘Aus der Hochschulbewegung’ wurde diese Rede von den einzelnen Sektionen als zentrales Ereignis des Semes- ters hervorgehoben. In Dresden soll der Reichsführer, der das „Bild des Wollens der jungen Hochschulbewegung” abgegeben habe, immer wieder von Beifallsstürmen unterbrochen worden sein. In Halle und Stuttgart sei die Versammlung überfüllt, in Mar- burg glänzend besucht gewesen und in Tübingen hätten 500 Studenten teilgenommen und es zahlreiche Neueintritte gegeben.

48 Theweleit, Männerphantasien, 2 Bde., Basel-Frankfurt a. M. 1986, hier: Bd. II; S. 150 f.; zur faschistischen Rede insgesamt: S. 137 ff.; vgl. Paul, S. 120 ff.

Über den Stil solcher Versammlungen gibt der Bericht des ‘Akademischen Beobachters’ zu einer Rede von Goebbels vor Studenten der Universität Hamburg Auskunft. In dem mit „Vernichtende Abfertigung eines Pazifisten” überschriebenen Artikel werden Goebbels polemischen Ausfälle gegen eine offensichtlich sozialdemokratischen und pazifistischen Studenten als „erheiterndes Nachspiel” bezeichnet; AB 7/8 (Juli/August 1929), S. 34 f.

49 Ein Beispiel ist die Einladung von Goebbels zu einem Vortragsabend über „Freunde und Gegner des Antisemitismus” durch das Amt für staatspolitische Bildung der Berliner Universität im Januar 1927. In seinem Antwortschreiben erklärte sich der Gauleiter Berlin-Brandenburg mit seiner Beteiligung prinzipiell einverstanden, machte aber gleichzeitig deutlich, daß er zum einen nicht in Anwesenheit von Juden sprechen würde und daß er daneben kein Freund, sondern ein „leidenschaftlicher Anhänger” des Anti- semitismus sei. Er werde daher „kein gutes Wort für den Antisemitismus einlegen”, sondern in „Angriffsform” den Antisemitismus gegen den „Philosemitismus” verteidigen. Nach dieser Ankündigung zog das Bildungsamt die Einladung mit dem Hinweis zurück, daß polemische Reden in ihren Veranstaltungen nicht gehalten werden dürften; Universitätsarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin, ASTA 1919-1928, Nr. 146.

In Leipzig, wo ebenfalls das Amt für politische Bildung Goebbels eingeladen hatte, konnte dieser nach Aussage nationalsozialistischer Studenten mit großen Erfolg über „Studenten und Staat“ sprechen. Die Einladung zu diesem Vortrag wahrscheinlich ohne zutun des NSDStB, der lediglich einen Sitz im AStA besaß und sich nach eigener Aussage aufgrund des „Übergewichtes unpolitischer Wirtschaftsspießer” nicht an dessen Arbeit beteiligte; JR 5 (November 1927).

50 Die „Heranbildung des Führernachwuchses für die NSDAP“ wurde in der Satzung des NSDStB von 1929 neben der wissenschaftlichen und propagandidtischen Arbeit als dritte Aufgabe des Studentenbundes definiert; Abgedruckt in: Faust II, S. 152. Vgl. Die Stumme Seele, von einem ‘deutschen Träumer’, in: AB 5 (1929), S. 1-8; hier S. 8: „Ziel [des Kampfes, M.C.] auf dem akademischen Boden ist [...] die Schaffung einer nationalistischen Geistigkeit, einer Elite, [...]die ihre Köpfe aus der jungen Generation ebenso wie aus dem jung gebliebenen Teil der alten Generation nehmen wird.”

51 Entsprechend sollten sich nach den strategischen Anweisungen Schirachs die propagandistischen Arbeitsmethoden der drei nationalsozialistischen Jugendverbänden (HJ, NSSB, NSDStB) „gemäß dem Wesen und der Resonanz der Menschen, die ge- worben werden sollen”, unterscheiden; Schirach, Über Organisation, in: Die Deutsche Zukunft [DZ] 1 Jg., H. 3 (August 1931), S. 7f.

52 Diese Annäherungspolitik ging soweit, daß Schirach den Studentenbund 1930 satisfaktionsfähig machte, indem er eine „Ehrenordnung“ einführte; Abgedruckt in Faust II, S, 153 ff.

53 Schirach, Wille und Weg des NSDStB, München 1929, S. 8; Zit. nach Faust I, S. 80.

54 Einige dieser „Fälle” finden sich ausführlich dokumentiert bei: Faust II, S. 51 ff.; Leisen, S. 161 ff.

55 Vgl. hierzu Jansen, Emil Julius Gumbel, Portrait eines Zivilisten, Heidelberg 1991, S. 21 ff.

56 Auf das Verhalten der Hochschullehrer kann hier nicht näher eingegangen werden. Es sei daher lediglich auf die Einschätzung Christian Jansens hingewiesen, der die Ablehnung der Weimarer Republik durch die überwiegende Mehrzahl der deutschen Gelehrten sozialpsychologisch aus der Erschütterung ihrer sozialen Rolle und ihres Sozialprestiges erklärt. Er kommt schließlich zu dem Ergebnis, daß die Publizistik und das politische Handeln der Hochschullehrer Breschen schlug, die der nationalsozialistischen Ideologie den Einbruch in das bildungsbürgerliche Bewußtsein erleichterten; Jansen, Politischer Opportunismus und moralische Indifferenz. Der Verfall liberaler Gelehrtenpolitik und seine Hintergründe am Beispiel der Universität Heidelberg, in: Bialas/Iggers (Hg.), Intellektuelle in der Weimarer Republik, Frankfurt a. M. 1996, S. 215-231.

57 Ein Indiz für den Grad dieses Aktivismuses liefert Giles für dieHamburger Universität. Hier sei der Erfolg des Eifers der Mitglieder gewesen, daß ihre Zahl von der Hamburger Polizei auf etwa 120 geschätzt wurde, obwohl die Hochschulgruppe tatsächliche keine Zweidutzend Mitglieder besaß; Giles, Students, S. 56.

58 So lautete etwa die Anweisung Schirachs an den 1931 gewählten nationalsozialistischen Vorstand der DSt, daß dieser zur „Aktivierung der Studentenschaft“ den „aktivistischsten Teil“ darstellen solle: „Die großen Grundzüge des Nationalsozialismus müssen gerade an so exponierter Stelle demonstrativ und unerbittlich vertreten werden. Die Amtsführung des neuen Vorstandes muß - ohne Gelegenheit zum Einschreiten zu bieten - eine fortgesetzte Provokation und Kampfansage für dieses System bedeuten”; Zit. nach Faust I, S. 24.

59 In diesem Sinn führt etwa Schubert-Weller die Attraktivität der HJ vor allem auf ihren Radikalismus zurück. Sie sei der „konse- quenteste, brachialste, der rücksichtsloseste” Jugendverband seiner Zeit gewesen. Parallel zu dem politischen Auftreten des NSDStB entwickelte sich danach auch die HJ zu einem „politischem Kampfjugendverband”, der als Klebekolonne für die Partei, Saalschutztruppe und Demonstrationsabteilung fungierte. Seine Einsätze seien auf massive öffentliche Sichtbarkeit abgestellt gewe- sen, welche nicht zuletzt durch bewaffnete Auseinandersetzungen mit Anhängern marxistischer Gruppen und des Reichsbanners erzielt wurde. Schubert-Weller, Hitlerjugend. Vom »Jungsturm Adolf Hitler« zur Staatsjugend des Dritten Reiches, Weinheim, München 1993; S. 11, 63 ff.

60 Vgl. Grüttner, S. 75-81.

61 Peukert mißt einer solchen Organisation des Alltags durch militarisierte Männerbünde im Zusammenhang mit dem, seiner Meinung nach in der Nachkriegsgeneration vorherrschenden, Gefühl der Überflüssigkeit und Unbrauchbarkeit zentrale Bedeutung bei. Die organisatorische Durchgestaltung und der durch politische Aktivität dynamisch strukturierte Alltag hätten den Verlust von Zeitbewußtsein und die Sinnleere kompensiert; Peukert, Alltagsleben, S. 148.

62 Kurt Krüger, Nationalsozialistische Hochschulpolitik, in: AB 1 (Jan. 1929) S. 14-15; hier: S. 14. Auf den Vorwurf Parteipolitik zu betreiben, reagierte der Gießener NSDStB in einem Flugblatt folgendermaßen: Der nationalsozialistische Deutsche Studentenbund hat niemals einen Hehl daraus gemacht, daß er ein Frontabschnitt der gesamten Bewegung ist, und ist stolz auf diese Tatsache; Zit. nach Chroust II, 1.4. [keine Seitenangaben].

63 Krüger, Der Nationalsozialismus in der D.St., in: AB 10/11 (Oktober/November 1929), S. 35-38; hier: S. 38.

64 Hitler, Mein Kampf, 2 Bde. in einem Bd., 6. Aufl., München 1930, S. 550: „Sie [die „jungen Burschen” des Ordnerdienstes; M.C.] waren durchdrungen von der Lehre, daß, wenn einmal die Vernunft schweige und die Gewalt die letzte Entscheidung habe, die beste Waffe der Verteidigung im Angriff liege; und daß unsere Ordnertruppe der Ruf schon vorangehen müsse, kein Debattierklub, sondern eine zum äußersten entschlossene Kampfgemeinschaft zu sein. Und wie hatte sich die Jugend nicht nach einer solchen Parole gesehnt! Wie ist diese Feldzugsgeneration enttäuscht und entrüstet gewesen, voll Ekel und Abscheu über die bürgerliche Schlappschwänzigkeit.”

65 Gerd Rühle, Nationalsozialistische Hochschulpolitik, in: JR 4 (August 1927)

66 Schmiedet eine Notgemeinschaft und dann - protestiert, in: AB 7/8 (Juli/August 1929), S. 34-37; hier: S. 36.

67 Vgl. Kater, Studentenschaft, S. 162 ff.

68 Vgl. Wir tagen das Banner der Freiheit, S. 21.

69 In einem Tätigkeitsbericht von 1926 schilderte ein Mitglied der Berliner Sektion stolz die Teilnahme einer nationalsozialistischen „uniformierten Fahnenordnung” an der Einweihung eines Gefallenendenkmals der Universität: Hier habe sich „zum erstenmal fast die gesamte Berliner Presse in Wort und Bild mit uns” beschäftigt; HB 2 (Januar/Februar 1926).

70 Kater, Studentenschaft, S. 188.

71 Dies trifft insbesondere für die frühe Phase des NSDStB unter Tempel zu: Im Sommer 1927 berichtet die Darmstädter Hochschulgruppe vom Auftreten ihrer „entschlossenen Kämpfer” in Uniform auf einer von den Korporationen veranstalteten Sonnenwendfeier, wobei ausführlich die negativen Reaktionen in der Presse zitiert werden. Der Bericht schließt mit der prophetischen Feststellung, daß „die Herren [...] später mal froh sein” werden, „wenn sie wegen ihrer blöden Schmierereien im Dritten Reich in staatliche Heilinstititute gesteckt werden und nicht vor ein deutsches Staatsgericht gestellt werden”; JR 3 (Juli 1927). Die Leipziger Sektion meldet als größten Erfolg ihres „Kampfes”, daß die ‘Leipziger Volkszeitung’ „in längeren Artikeln über den ‘nationalsozialistischen Terror in der Studentenschaft’ gejammert habe; JR 5 (November 1927). Vgl. Kurt Krüger, Der Nationalsozialismus in der D.St., in: AB 10/11 (Oktober/November 1929), S. 35-38.

Schon Hitler wußte, daß auch schlechte Publicity, Publicity ist: „Ganz gleich, ob sie über uns lachen oder schimpfen, ob sie uns als Hanswurste oder Verbrecher hinstellen; die Hauptsache ist, daß sie uns erwähnen, daß sie sich immer wieder mit uns beschäfti- gen”; Hitler, S. 544.

72 In einem Rundschreiben des Vororts der Rektorenkonferenz vom 9.12.1932 wurden die einzelnen Hochschulen gefragt, ob Uniformen oder auffallende politische Abzeichen bei ihnen verboten seien. Nach den von insgesamt achtzehn Universitäten und neun Technischen Hochschulen eingegangenen Antworten gab es an zwölf Hochschulen prinzipielle Uniformverbote und an vier Technischen Hochschulen ein solches Verbot für akademische Feiern. An sechs Hochschulen war daneben das Niederlegen von Kränzen durch parteipolitische Gruppierungen untersagt. Erlaubt bzw. geduldet wurde überall das Tragen von Abzeichen; Uni- versitätsarchiv, Rektor/Senat 21/1.

73 So war etwa im ‚Völkischen Beobachter‘, nach den von nationalsozialistischen Studenten ausgehenden Auseinandersetzungen an der Berliner Universität im Sommer 1929, zu lesen: „Der Gummiknüppel schützt den Geist von Versailles”; „Berliner Polizei prügelt deutsche Studenten”; „Zörgiebel-Polizei schießt auf deutsche Studenten”; es „wütet die Polizeiknüppeldiktatur”; VB Nr. 149 (30.6.1929); VB Nr. 150 (1.7.1929). Bei der Darstellung solcher Vorgänge nahm man sogar die, sonst von den nationalsozialistischen Studenten dezidiert abgelehnten akademischen Verhaltensnormen in Anspruch und hob hervor, wie besonnen sich die nationalsozialistischen Studenten verhielten, während „Juden und Marxisten sich [...] in einer Weise benahmen, die allen akademischen Sitten- und Anstandsformen Hohn spricht.” VB 39 (16./17.2.1930)

Schirach sah den NSDStB bei den Berliner Tumulten des Jahres 1929 als Opfer eines „ungeheuerlichen marxistischen Terrors”. Die Stilisierung des Opferstatus, zusammen mit dem Rekurs auf den Langemarckmythos und ein vages historische Entwicklungsgesetz rechtfertigen hier den eigenen Gewalteinsatz: „Auch an den Hochschulen gehen wir einer Zeit des Terrors entgegen. Mit allen Mitteln versucht man hier, dem Rad der Entwicklung hemmend in die Speichen zu greifen. Wir werden jeden Widerstand zu brechen wissen, denn in uns ist der Geist jener Studenten lebendig, die vor hundert Jahren an der Spitze des deutschen Freiheitszuges schritten und auch Langemarck ist in uns allen. Kameraden, die Parole lautet: Braunhemden in die Hochschule!”; Schirach, An die Gewehre, AB 10/11 (Oktober/November 1929), S. 39.

74 Vgl., insbesondere zur Faszination marschierender der SA-Kolonnen, Balistier. Gewalt und Ordnung. Kalkül und Faszination der SA, Münster 1989.

75 Werner Laß, Kampf der Jugend oder Kampf um die Jugend, in: AB 1 (Januar 1929), S. 8-11; hier: S. 10. Nach Franz von Pfeffers Bestimmung des Verhältnissen von Öffentlichkeit und SA war das geschlossene Auftreten als stärkste Propagandaform anzusehen: „Der Anblick einer starken Zahl innerlich und äußerlich gleichmäßiger disziplinierter Männer, deren restloser Kampfeswillen unzweideutig zu sehen [...] ist, macht auf jeden Deutschen den tiefsten Eindruck und spricht zu seinem Herzen eine überzeugendere und mitreißendere Sprache als Schrift und Rede und Logik je vermag.” Zit. nach Balistier, Gewalt, S. 33.

76 Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Gesammelte Schriften Bd. I.2, hrsg. von Tiedemann/Schweppenhäuser, 3. Aufl., Frankfurt a. M. 1990, S. 473-508; hier: S. 506

77 In Bezug auf die SA stellt Balistier fest, daß diese durch die Kombination von Bewegungskult und radikaler Entschlossenheit, durch die Einbeziehung terroristischer Mittel und einer antikapitalistischen Phrase eine revolutionäre „Aura“ um sich erzeugte und am Horizont „ein ganz anderes Leben“ erscheinen ließ; Balistier, S. 205.

78 Nach Hitler sollten die nationalsozialistischen Studenten nicht sitzen und studieren, sondern marschieren; nach Giles, Students, S. 60.

79 In einer, zusammen mit Goebbels abgehaltenen, Versammlung an der Hamburger Universität betonte Schirach etwa die Sinnlo- sigkeit von Protesten, denen durch eine bewaffnete Macht kein Nachdruck verliehen wird. Die Pflege des Frontgeistes an den Hochschulen sei daher wichtiger als alle Gelehrsamkeit; Schmiedet eine Notgemeinschaft und dann - protestiert, in: AB 7/8, S, 34- 37; hier: S. 35.

80 Vgl. Wir tragen das Banner der Freiheit, S. 30 f.

81 Merkl, Formen der nationalsozialistischen Gewaltanwendung: Die SA der Jahre 1925-1933, in: Mommsen (Hg.), Sozialprotest, Gewalt, Terror. Gewaltanwendung durch politische und gesellschaftliche Randgruppen im 19. und 20. Jahrhundert, Stuttgart 1982, S. 422-440; hier: S. 431. Dirk Walter macht in einer neueren Studie darauf aufmerksam, daß sich die am Ende der Weimarer Republik die zunehmende politische Gewalt der SA nicht nur in den Auseinandersetzungen mit der politischen Linken entlud, sondern von ihr am Rande von Straßenschlachten oder in Form geplanter und inszenierter Krawalle im öffentlichen Raum auch verstärkt antisemitisch motivierte Gewaltaktionen ausgingen. Diese stellt Walter in den Zusammenhang mit, während der gesamten Zeit der Republik zu beobachtenden gewalttätigen und kriminellen antisemitischen Handlungen aus der Bevölkerung; Walter, Antisemitische Kriminalität und Gewalt. Judenfeindschaft in der Weimarer Republik, Bonn 1999; insbes. S. 200 ff.

82 Ein Beispiel sind die Vorgänge vom 29.6.1931 an der Berliner Universität. Nach der Aussage des republikanischen Jurastuden- ten Heinrich Alstede vor dem Disziplinarausschuß der Universität, drang, nach einem zuvor vor dem Universitätsgebäude abge- haltenen Stehkonvent, eine größere Zahl uniformierter nationalsozialistischer Studenten in die Universität ein und „stürmten die Gänge hinauf”. Hier wurden jüdisch aussehende Studenten belästigt und geschlagen. Daraufhin wurden mit den Rufen „Juden raus, schlagt ihn nieder, haut ihn” im Foyer ein Assistent der juristischen Fakultät und ein kommunistischer Studenten Namens Goldstein mißhandelt. Den Abschluß der Aktion bildete das Zerschlagen der Anschlagbretter von republikanischen, jüdischen, sozialistischen und kommunistischen Gruppen. Dieser Vorfall führte zur Räumung der Universität durch die Polizei und zu ihrer zeitweiligen Schließung. In dem hierauf folgenden Disziplinarverfahren wurden zwei der Beteiligten nationalsozialistische Studenten wegen Verstoßes gegen die „akademische Sitte und Ordnung” von der Universität ausgeschlossen. Im Urteil hob man hervor, daß die Empörung der nationalsozialistischen Studenten aufgrund der vorangehenden Aktionen „Roter Studenten” - gemeint war ein vorangegangenes Stehkonvent der sozialistischen Studentengruppe - nachvollziehbar gewesen sei; Universitätsarchiv 21; Vgl. zu fast identisch verlaufenen Gewaltaktionen der nationalsozialistischen Studenten an der Berliner Universität in den beiden vorangegangenen Jahren Kater, Studentenschaft, S. 154 f.

83 JR 5 (November 1927).

84 Fritz Hippler, Aufruhr an den Hochschulen, in: DZ 1/11 (Juli 1932), S. 21-23; Ders., Offener Brief an Rektor und Senat der Friedrich-Wilhems-Universität zu Berlin, in: DZ1/9 (Februar 1932), S. 21-23. Letzterer Artikel ist eine Antwort auf Hipplers Relega- tion von der Berliner Universität, nachdem er von einem Balkon unter Entrollung der Hakenkreuzfahne eine Ansprache gehalten hatte.

85 Rudolf Arnheim, Zum Thema: Studentenkrawalle, in: Die Neue Rundschau, 43. Jg. der Freien Bühne, Berlin und Leipzig 1932, S. 284 f.

86 Vgl. VB Nr. 149 (30.6.1929); VB Nr. 150 (1.7.1929).

87 Nach Gerhard Paul war Gewalt neben Gefühl und Glaube die dritte tragende Säule der nationalsozialistischen Propaganda vor 1933; Paul, S. 53 f.

88 Bessel, Political Violence and the Rise of Nazism. The Storm Troopers in Eastern Germany 1925-1934, Yale 1984, S. 152 f.

89 Winfried, Lob der Intelligenz, AB 7/8 (Juli/August 1929), S. 16: „Nazi zu sein, mit Hitler an der Feldherrenhalle, mit den SALeuten in Berlin oder auch im Kampf mit einer ungeborenen Welt, die du selber zeugen sollst [...]”.

90 Vgl. Walter Ohlsen, Nationalsozialismus und Lebensstil, in: DZ 1/3 (Juli 1931), S. 17 f.; Volker von Alzey, Den Untertanen gewidmet, in: AB 7/8, S. 9-16.

91 Auf Deleuze/Guattari rekurrierend spricht Theweleit in diesem Zusammenhang von einer ‘faschistischen’ „Produktion des Realen”, Theweleit, S. 276.

92 Winfried, Lob der Intelligenz, AB 7/8 (Juli/August 1929), S. 16

93 Nach Faust I, S. 82.

94 Schätzung nach Kater, Studentenschaft, S. 187.

95 Völkischer Beobachter [VB] Nr. 94 (4. April 1931), Beilage „Der SA-Mann”.

96 Kurt Krüger, Die Erneuerung der studentischen Verbindungen durch den Nationalsozialismus, in: AB 12, S. 9-12; hier: S. 9. Der Aufsatz schließt mit: „Ein neuer Idealismus marschiert !”

97 Gerd Rühle, Nationalsozialismus in der Studentenschaft, in: DZ 1/11 (Juli 1932), S. 13 f.; hier: S. 14. Rühle, zu diesem Zeitpunkt Bundesführer der NSDStB, besaß die Mitgliedsnummer 649 der NSDAP und 290 der SS.

98 Störtebecker, Nach der Schlacht! in: Deutsche Revolution, F. 3 (8.12.1931); Zit. nach Faust I, S. 140.

Vgl. Adolf Hitler, Studentenschaft und Politik. Zum Kampf um die deutsche Studentenschaft, in: HB 2 (Januar/Februar 1927); Noch einmal abgedruckt in: JR 4 (August 1927): „Nicht bierehrliche Stichfestigkeit, sondern politische Schlagkraft ist jetzt nötig, und die Vorstellung der heutigen Zeit wird nicht mehr befriedigt durch den Studiosus von einst, das mehr oder weniger bemooste Haupt, als vielmehr durch den Mann, dessen Beschreibung heißt: Schlank wie ein Windhund, zäh wie Leder und hart wie Stahl.” Vgl. Von den Pfaden, An die Gebildeten deutschen Blutes, in: JR 5 (November 1927). Hier wird den mißgünstigen und nörgelnde Gebildeten mit ihrer Urteilskraft, hohen Geistigkeit, akademischen Kühle und zergliedernden Betrachtung der soldatische Mann gegenübergestellt: „Da müssen die Männer an die Front, die Schwert, Axt und Speer zu gebrauchen verstehen, und wo Eisen klingt, da fallen nicht nur Späne, da splittert und wettert es über und neben uns”.

99 „Deutsche Revolution”, in: Deutsche Revolution, F. 1 (9./11.11.1931); Zit. nach Faust I, S. 140.

100 DZ 1/12 (1932),S. 37.

101 Schirach, Jugend marschiert!, S. 1 f.

102 Volker von Alzey, Der Marschallstab, in: AB 9 (September 1929), S. 1-3; hier: S. 1.

103 Vgl. Sontheimer, S. 94 ff.

104 Reinhard Sunkel, Das Kriegsbuch der Gesellschaft „Im Westen nichts Neues”, in: AB 3 (März 1929), S. 10 f. Vgl. Kurt Maß- mann, Student von heute, in: DZ 1/7 (Dezember 1931), S. 14 f. Sunkel spricht hier von der „Remarque’sche Generation”, die vom Krieg zerstört wurde, nur noch dahinvegetiere und längst überwunden sei. In Kiel plante man für WS 1927/28 eine Schulungswoche, an der als Sprecher neben Feder und Graf Reventlow auch Ernst Jünger teilnehmen sollte; JR 5 (1927). Bei der Weihnachtsfeier 1928 des Münchener NSDStB, bei der auch Hitler anwesend war, rezitierte Schirach aus „In Stahlgewittern”; AB 1 (Januar 1929), S. 16.

105 H. Bosinger, Die Elite der Dekadenz, in: DZ 1/2 (1931), S. 13.

106 In seiner Untersuchung zu den Freikorpssoldaten geht Theweleit von einem „faschistischen Prozeß der Aneignung und Ver- wandlung von Realität” aus. Diesem soldatischen Mann sei jede selbständige lebendige Bewegung, insbesondere die Emotionalität und Sexualität von Frauen unerträglich. Seine Produktionsweise bestehe in der Verwandlung von Lebendigem in Totes, in einem „Abbau von Leben”. Aus den Elementen einer entlebendigte Welt würde hier eine neue Ordnung errichtet: „Die ihre Eigenlebens beraubte Realität wird neu formiert, zu großen übersichtlichen Blöcken zusammengeschoben, die als Baumaterial dienen für eine übersichtlichere, zukünftige monumentale Welt, das ‘Dritte Reich’. [...] Je lebloser, geordneter, monumentaler die Realität erscheint desto sicherer fühlen sich diese Männer. Die Gefahr ist die Lebendigkeit selbst.” Theweleit, Bd. 1, S. 270, 272 f.

107 Dorothea Gärtner, Die Aufgabe der Deutschen Studentin innerhalb des Nationalsozialismus, in: Die Bewegung F. 14 (13.3.1931); Zit. nach Faust I, S. 174.

108 Tätigkeitsbericht der Hogru Kiel SS 1928 (September 1928); Zit. nach Kater, Studentenschaft, S. 181.

109 Kater Studentenschaft, S. 186 ff.; ders., Randgruppe S. 172 ff.

110 Die Stumme Seele, von einem „deutschen Träumer”, in: AB 5 (Mai 1929), S. 1-8; hier: S. 8.

111 Ebda; Volker von Alzey, Den Untertanen gewidmet, in: AB 7/8 (Juli/August 1929), S. 9-16; hier: S. 16. Winfried, Lob der Intelligenz, in: ebda, S. 16.

112 AB 3 (März 1929), S. 16.

Die Inkommensurabilität von militärisch-gewalttätigen Leitbildern und der eigenen bürgerlich geprägten Praxis zeigt sich beispielsweise auch am Umgang mit dem Reichsführer Schirach, der aufgrund seiner großbürgerlichen Herkunft und seiner lyrischen Ambitionen den soldatischen Vorstellungen kaum gerecht werden konnte und daher als „verweichlicht” und „schöngeistig” galt. Zu seinem Gedichtband „Die Feier der neuen Front” hieß es dann eher entschuldigend im ‚Akademi-schen Beobachter‘, daß „die Jugend unserer Bewegung” eigentlich nicht wie er dichtet, sondern „marschiert und kämpft” und „Taten” entsprechend höher bewertet würden, als „feingesetzte Worte”. Schirachs Werk aber sei nicht einfach nur Dichtung, sondern „Bekenntnis”. Seine Verse würden „vorüberklingen wie die Schritte der Marschkolonnen der neuen Front”. Sie stünden da, wie ein „Denkmal des Ringens des jungen Geschlechts um das Dritte Reich”; AB 5 (Mai 1929), S. 18.

113 Vgl. hierzu und zum folgenden: Stambolis, Der Mythos der jungen Generation. Ein Beitrag zur politischen Kultur der Weimarer Republik, Bochum 1982.

114 Trommler, Mission ohne Ziel. Über den Kult der Jugend im modernen Deutschland, in: Koebner/Janz (Hg.), »Mit uns zieht die neue Zeit«. Der Mythos Jugend, Frankfurt a. M. 1985, S. 14-49; hier: S. 44.

115 Glauning etwa sprach von der Jugend als derjenigen Kraft, die „raus aus der enge des bürgerlichen Lebens” treibt und sich über die „enge, altersschwache, bürgerliche Gesellschaft” bewußt hinwegsetzt; Hans Glauning, Verbindungsstudent und National- sozialismus, in: HB 2 (Januar/Februar 1927), S. 4; ders., Die Jugend und der Staat, in: JR 3 (Juli 1927), S. 3 f.

116 Vgl. Götz von Olenhusen, Vom Jungstahlhelm zur SA: Die junge Nachkriegsgeneration in den paramilitärischen Verbänden der Weimarer Republik, in: W. R. Krabbe (Hg.): Politische Jugend in der Weimarer Republik, Bochum 1993,S. 146-182; hier: S. 166 f.

117 Nach Joachim Radkau nahm Hitler zunächst, bis auf einige verbale Konzessionen, kaum Rekurs auf Jugendmythen, was sich erst änderte, als er die Resonanz auf die Nachkriegsjugend erkannte; Radkau, Die singende und die tote Jugend. Der Umgang mit Jugendmythen im italienischen und deutschen Faschismus, in: Koebner/Janz (Hg.), »Mit uns zieht die neue Zeit«. Der Mythos Jugend, Frankfurt a. M. 1985, S. 97-127, hier: S. 108.

118 In einer Stellungnahme des Hannoversche Studententags zu den Reparationszahlungen heißt es etwa: “Niemals wird unsere Generation als uns bindendes und verpflichtendes Recht anerkennen, was die jetzt Handelnden und Verantwortlichen den Forderungen unserer Feinde zugestehen werden, Forderungen, die ihre sogen. Rechtsgrundlage allein in dem ungeheuerlichsten Betrug der Weltgeschichte, dem erpreßten Schuldbekenntnis des Versailler Diktates haben! Mag die Unterschrift deutscher Männer unserem Volk neue Ketten auferlegen - die Welt soll es hören: Die deutsche Jugend bleibt frei!”; Beschlüsse des 12. Deutschen Studententages, Nachrichtenblatt, F. 11/12 (Anf. August 1929); Zit. nach Faust I, S. 97

119 An dieser gegen den Young-Plan gerichteten Aktion beteiligten sich neben dem NSDStB die Freischar Schill, der NSSB, die HJ, der Jungstahlhelm, der Stahlhelm-Studentenring Langemarck, der DHR, der Wehrwolf und der Jungnationalen Bund.

120 Gregor Strasser, Macht Platz ihr Alten!, in: ders., Kampf um Deutschland. Reden und Aufsätze eines Nationalsozialisten, Mün- chen 1932, S. 171-174. Diese Anklage mündet schließlich in dem Imperativ: „[...] im Namen der Soldaten des großen Krieges, im Namen der Kämpfer des Dritten Reiches, im Namen der Geschichte und der Nation: ‘Macht Platz, ihr Alten, eure Zeit ist abgelaufen - die Zukunft steigt herauf, die Zukunft, die sich in uns kündet!!”

121 Rosenberg, Rebellion der Jugend, in: Nationalsozialistische Monatshefte [NSMH] 1. Jg., H. 2, „Kampf um die Jugend“ (1930), S. 50-59; hier: S. 52. In Umkehrung der gesellschaftlichen Rollenverteilung wies Rosenberg den jungen Nationalsozialisten in Form eines Aufbrechens der „alten Krusten” der Eltern und Wiederschenkens eines „verlorengegangenen Glaubens” entweder eine erzieherische Funktion zu, oder aber er forderte, insbesondere wenn es um „Söhne des marxistischen Arbeiters” ging, von den nationalsozialistischen Jugendorganisationen, daß sie „ihre Herzen durchglühen und sie dann losschicken auf ihre Väter und Mütter”.

122 Walter Richter, Jugend von heute - Volk von morgen, in: NSMH 1 Jg, H. 2 (1930), S. 15-21; hier: S. 16.

123 Franz Lieb, Das Recht der Jugend, in: DZ 1/9 (Februar 1932), S. 2 f.

124 Gerd Rühle, Bürgerdämmerung - Aufbruch der Jugend!, in: DZ 1/4 (September 1931), S. 16-18; hier: S. 18.

125 Peukert, Weimarer Republik, S. 252.

125 Kater, Studentenschaft, S. 101 ff.

126 Thilo von Trotha, Die Sendung der Jugend, in: NSMH 4/35, Schicksal und Aufgabe der deutschen Jugend (1933), S. 3-6; hier: S. 3.

127 ‘Die Deutsche Zukunft’ warb 1931 für eine Schalplatte Baldur von Schirachs mit dem Versprechen, daß dieser hier „in seiner überzeugenden revolutionären Art über Studenten und Arbeiter” spricht: „In diesen Sätzen erleben wir den stahlharten Willen einer neuen Generation, die der bürgerlichen Phrase den Glauben an den deutschen Sozialismus entgegensetzt.” DZ 1/2 (1931), S. 32.

Hier zeigen sich durchaus Überschneidungen zwischen den Vorstellungen der nationalsozialistischen Studenten und dem „neuen Nationalismus“ von Moeller van den Bruck oder des Jünger-Kreises. Dieser war nach Stefan Breuer unbürgerlich im Stil, unbür- gerlich in der Methode sowie unbürgerlich in seinem sozialen Adressaten und ließ sich mit seiner Verwerfung der Vergangenheit nicht einem spezifisch deutschen Antimodernismus zuordnen; Breuer, Der Neue Nationalismus in Weimar und seine Wurzeln, in: Berdinger (Hg.), Mythos und Nation. Studien zur Entwicklung des kollektiven Bewußtseins in der Neuzeit 3, Frankfurt a. M. 1996. S.257-274.

Auch bei den nationalsozialistischen Studenten fand sich, entgegen der verbreiteten Vorstellung vom grundsätzlichen Antimodernismus des Nationalsozialismus, scharfe Kritik an solchen antimodernistischen Ideen. Fritz Stader etwa verurteilte die „alte Generation“, weil sie „- bedauerlicherweise unter der Parole des völkischen Nationalismus - allen modernen Zeiterscheinungen und insbesondere der Technik den Kampf“ ansage; Fritz Stader, Wir und die Technik, in: AB 1 (Januar 1929); S. 11-14; hier: S. 11 f.

128 Gotthart Ammerlohn, Sozialismus und Jugend, in: DZ 1/4 (September 1931), S. 15 f.; hier: S. 15.

129 Volker von Alzey, Den Untertanen gewidmet, AB 7/8 (Juli/August 1929), S. 9-16; hier: S. 16.

130 Hein Schlecht, Jugend von Rechts bis Links, in: DZ 1/7 (Dezember 1931), S. 20-22.

131 Stambolis, S. 286. Diese Charakterisierung bezieht sich hier auf die Vorstellung des Führers der Deutschen Jungenschaft Eberhard Köbel. Sie kann aber uneingeschränkt auch für die nationalsozialistischen Studenten gelten.

132 Schirach, Nürnberg, in: AB 10/11 (Oktober/November 1929), S. 1f.; hier: S. 2.

133 Schirach, Die Feier der neuen Front, in: AB 2 (Februar 1929), S. 7

134 Kurt Maßmann, Studenten von heute, in: DZ 1/7 (1931), S. 14 f. Nach Werner Haverbeck waren die Studenten von Langemarck ein Vortrupp der „unter den Fahnen Adolf Hitlers kämpfende[n] Jugend“. Die nationalsozialistische Jugend fühle sich daher als „deren verpflichtete Erben in Haltung und Tatgesinnung“. Werner Haverbeck, Aufbruch der jungen Generation, in NSMH 4/35 (1933), S. 6-34; hier: S. 12.

135 Gerd Rühle, Bürgerdämmerung - Aufbruch der Jugend!, in: DZ 1/4 (September 1931), S. 16-18; hier: S. 18.

136 Hein Schlecht, Jugend von Rechts bis Links, in: DZ 1/7 (Dezember 1931), S. 20-22; hier: S. 20.

137 Theodor Blahut, Begrüßung zum 14. Deutschen Studententag in Graz, in: DZ 1/3 (August 1931), S. 5.

Schirach selbst sprach in ungeschminkter religiöser Heilserwartung davon, daß ein gütiger Gott den Studenten die Aufgabe gegeben hätte, als Herold des wahren Staates schon heute unsere Stimme zu erheben. Wir sind uns dieser geschichtlichen Sendung bewußt.” Schirach, Die Jugend marschiert!, in: AB 12 (Dezember 1929), S. 1 f.

138 Erklärung der Hallischen Studentenschaft zu Dehns Vorwurf einer zunehmenden Dämonisierung. Zit. nach Kater, Studenten- schaft, S. 160.

139 Heilo, Wege der Jugend, in: DZ 1/2 (Juli 1931), S. 20. Auch in der Forschung findet sich dieses undurchsichtige Bild einer „Verschmelzung” von Generationen. So vermag Kater 1918/19 eine „Verschmelzung der ‚Wandervogelkohorte‘ und der Generation der Kriegskinder zu einer großen Generationseinheit” zu erkennen; Kater, Generationskonflikt, S. 220.

140 Schirach, Zum Tag der Jugend, in: AB 7/8 (Juli/August 1929), S. 1

141 AB 2 (Februar 1929), S. 10, 7. Vgl. Hein Schlecht, Jugend von Rechts bis Links, in: DZ 1/7 (Dezember 1931), S. 20-22; hier: S. 20. Danach überwand die Bewegung Adolfs Hitlers die „Gefahr einander entfremdeter Generationen, weil ihre geniale Führung die Sprengwirkung der jungen Revolutionäre auf dem rechten Frontabschnitt wirken läßt“

142 Vgl. zum Verhältnis der Jugendbewegung zum Nationalsozialismus Stachura, Deutsche Jugendbewegung und Nationalsozialismus, in: Jahrbuch des Archivs der deutschen Jugendbewegung, Bd. 12, 1980, S. 35-52.

143 Als typisch hierfür kann die Einschätzung Fritz Staders gelten, wonach die bürgerliche Jugendbewegung „wesenlosen und verschwommenen Idealen“ nachjage, aus der Gegenwart fliehe und sich damit „außerhalb der Sphäre des lebendigen Lebens” stelle; Fritz Stader, Wir und die Technik, in: AB 1 (Januar 1929); S. 11-14; hier: S. 11 f.

144 Vgl. Nipperdey, Jugend und Politik um 1900, in: ders., Gesellschaft, Kultur, Theorie. Gesammelte Aufsätze zur neueren Geschichte, Göttingen 1976, S. 338-359; hier S. 344.

145 Heilo, Wege der Jugend, in: DZ 1 /2, S. 20 f.

146 Eckhardt, Die Wiedergeburt, in: AB 10/11 (Oktober/November 1929), S. 17.

147 Alfred Rosenberg, Rebellion der Jugend, in: NSMH 1. Jg., H. 2 (1930), S. 2-10; hier: S. 2 f.

148 Vgl. Werner Haverbeck, Aufbruch der jungen Nation, in: NSMH 4/35 (1933), S. 6-34; hier: S. 9 ff.

149 Gerd Rühle, Bürgerdämmerung - Aufbruch der Jugend!, in: DZ 1/4 (September 1931), S. 16-18; hier: S. 16.

150 Paul Eckhardt, Die Wiedergeburt des Wandervogels aus dem Geist des Nationalsozialismus, in: AB 7/8 (Juli/August 1929), S. 17-19.

151 Winfried, Der Weg der bündischen Jugend zum Nationalsozialismus, in: AB 9 (September 1929), S. 6 f. Vgl. ders., Wir und die Technik, in: AB 3 (März 1929), S. 8. Vgl. ders., Der Weg der Jugendbünde zum Nationalsozialismus, in: NSMH 1/2 (1930), S. 11- 15.

152 Werner Laß, Kampf der Jugend oder Kampf um die Jugend, AB 2 (Februar 1929), S. 8-11.

153 So etwa Rühle, der den „politischen Willen der jungen Generation“ durch die Gegnerschaft zu Liberalismus und Individualismus, durch sozialistische und antikapitalistische Einstellungen und durch das Eintreten für eine „völkische Gemeinschaft“ und ein „organisiertes Volk“ bestimmt sah. Diese Generation wollte danach eine „Volksgenossenschaft auf naturhaft blutmäßiger Grundlage“ Gerd Rühle, Unser politischer Wille, in: DZ 1/9 (Februar 1932), S. 8-10.

154 Laß, Kampf der Jugend oder Kampf um die Jugend, in: AB 1 (Januar 1929), S. 8-11; hier: S. 9.

155 Alfred Rosenberg, Rebellion der Jugend, in: NSMH 1/ 2 (1930), S. 53.

156 Josef Goebbels, Appell an die Jugend, in: DZ 1/1 (Juni 1931), S. 6.

157 Schirach, Der Sinn des Reichsjugendtages, in: DZ 2/2 (Oktober 1932), S. 1.

158 Schirach, Wir Jugend und die Wehrmacht, in: DZ 1/12 (August 1932), S. 1.

159 Trommler, Mission ohne Ziel. Über den Kult der Jugend im modernen Deutschland, in: Koebner/Janz (Hg.), »Mit uns zieht die neue Zeit«. Der Mythos Jugend, Frankfurt a. M. 1985, S. 14-49; hier: S. 18.

160 Falter, Hitlers Wähler, München 1991, S. 146 ff.; ders. Die Jungmitglieder der NSDAP zwischen 1925 und 1933. Ein demogra- phisches und soziales Profil, in: Krabbe (Hg.): Politische Jugend in der Weimarer Republik, Bochum 1993, S. 202-221; Kater, The Nazi Party. A social Profile of Members and Leaders 1919-1945, Cambridge (Mass.) 1983, S. 139 ff. Kater/Falter, Wähler und Mitglieder der NSDAP. Neue Forschungsergebnisse zur Soziographie des Nationalsozialismus 1925 bis 1933, in: GuG 19 (1993), S. 155 - 177.

161 Jamin, Zwischen den Klassen, Zur Sozialstruktur der SA-Führerschaft, Wuppertal 1984, S. 369.

162 Merkl, S. 434. Der Anteil der Vierzehn- bis Fünfundzwanzigjährigen an den Verurteilungen wegen Verstoßes gegen das Republikschutzgesetz stieg 1930 gegenüber 1928 um das Doppelte. Ihr Anteil an diesen Vergehen lag 1930 bei fast 43%.

163 Faust I, S. 76.

42 von 42 Seiten

Details

Titel
"Kampfzelle der Bewegung am Frontabschnitt Hochschule". Der politische Stil des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes vor 1933
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Veranstaltung
Hauptseminar: Kultur der Jugend im Kaiserreich und in der Weimarer Republik, Leitung: Prof. Wolfgang Hardtwig
Note
1
Autor
Jahr
1999
Seiten
42
Katalognummer
V95134
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kampfzelle, Bewegung, Frontabschnitt, Hochschule, Stil, Nationalsozialistischen, Deutschen, Studentenbundes, Hauptseminar, Kultur, Jugend, Kaiserreich, Weimarer, Republik, Leitung, Prof, Wolfgang, Hardtwig
Arbeit zitieren
Marco Clausen (Autor), 1999, "Kampfzelle der Bewegung am Frontabschnitt Hochschule". Der politische Stil des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes vor 1933, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95134

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