Das Deutschlandbild im französischen Nachrichtenmagazin Le Point


Seminararbeit, 1999
34 Seiten

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Gliederung

A. Voraussetzungen und Erläuterungen

B. Das Deutschlandbild in Le Point
1. Das Nachrichtenmagazin Le Point
1.1. Geschichte
1.2. Auflagen
1.3. Leserschaft
1.4. Redaktion
1.5. Selbstverständnis
1.6. Aufbau
2. Analyse
2.1. Quantitative Analyse
2.1.1. Aufteilung nach Ressorts
2.1.2. Aufteilung nach Themen
2.1.3. Aufteilung nach Darstellungsformen
2.1.4. Bebilderung
2.2. Qualitative Analyse
2.2.1. Die Themenschwerpunkte
2.2.2. Fallbeispiele
2.2.3. Die Rolle der Deutschlandkorrespondentin
3. Fazit: Wie wird Deutschland in Le Point beschrieben?

C. Kurzer Vergleich des Fazits mit den Ergebnissen der Studien über die Nachrichtenmagazine L'Express, Le Nouvel Observateur und L'Ev é nement du Jeudi
1. Gemeinsamkeiten
2. Unterschiede

D. Anhang

E. Literaturverzeichnis

A. Voraussetzungen und Erläuterungen

Das Verhältnis der Nachbarn Deutschland und Frankreich war schon immer ein ganz besonderes. Es ist geprägt durch eine bewegte Geschichte, durch Klischees, Stereotype, Mißverständnisse und Ängste, aber auch durch Freundschaft und Annäherung. Diese Arbeit versucht darzulegen, wie Deutschland und die Deutschen in einem französischen Medium über einen begrenzten Zeitraum hinweg beschrieben und beurteilt werden. Dazu ist es notwendig, zumindest kurz und ansatzweise auf das geschichtlich begründete Deutschlandbild der Franzosen einzugehen.

Mit dem Schock und der Demütigung des Krieges von 1870/71 entstand in Frankreich ein deutsches Feindbild. Das Bild der ,,zwei Deutschlands", (schon vorher in Mme de Staëls De L'Allemagne entworfen) verstärkte sich: Das Deutschland der Dichter und Denker versus das Deutschland der Gewalt, der friedliche, katholische Süden versus das protestantische, militärische Preußen...1 Dieser Mythos hielt sich hartnäckig und verschob sich nur nach dem Zweiten Weltkrieg: Jetzt waren Bayern und das Rheinland ,,die Guten", während die DDR als Nachfolgerin Preußens als ,,böse" galt.2 Und selbst nach der Wiedervereinigung kann man die ,,zwei Deutschlands" noch erkennen - wie diese Arbeit zeigen wird.

Ein anderer Aspekt des französischen Deutschlandbilds zieht sich ebenfalls wie ein roter Faden durch die Geschichte: Die Angst vor einem großen, mächtigen Deutschland. Diese Sorge zeigt sich zum Beispiel in der Rezeption der Wiedervereinigung durch die französischen Medien: Nach anfänglicher Freude wird die ,,Angst der Franzosen von einem zu großen Deutschland"3 sichtbar, natürlich auch, was die wirtschaftliche Stärke des Nachbarn betrifft. Eine These von Joseph Jurt besagt, ,,daß Zeiten des Umbruchs besonders ,stereotypogen` sind"4, Neues und Überraschendes wird auf Altbekanntes zurückgeführt. Damit läßt sich auch erklären, warum in den französischen Medien immer wieder gerne auf die deutsche Nazivergangenheit angespielt wird und bei vielen Gelegenheiten - so auch bei der Wiedervereinigung - sofort die Schlagworte Reich und F Ührer fallen.5 Weitere Klischees und Stereotype: Der ,,häßliche Deutsche", der aufgrund der Vergangenheit ein Problem mit seinem Nationalbewußtsein und der fleißige und disziplinierte, pünktliche, korrekte bis langweilige Deutsche.

Das Ziel dieser Arbeit ist, zu ermitteln, was man über das aktuelle Deutschlandbild in einem französischen Medium sagen kann. Tauchen die alten Stereotype noch auf? Hat sich seit der Wiedervereinigung etwas in der Berichterstattung verändert? Wird positiv oder negativ über Deutschland berichtet?

Untersucht wurde das politische Wochenmagazin Le Point von Januar bis einschließlich Oktober 1998. In diesen Zeitraum fallen Ereignisse, die für die Quantität und Qualität der Berichterstattung sicher eine Rolle spielen: Das 35jährige Jubiläum des Elysée-Vertrages, die Fußball-WM in Frankreich mit den Ausschreitungen der deutschen Hooligans, der Wahlkampf in Deutschland und natürlich die Bundestagswahl am 27. September 1998 mit ihren Folgen. Es wurden alle Beiträge untersucht, in denen Deutschland vorkam, unterschieden wurde nach Thematik, Umfang der Artikel, Inhalt, Tenor, Autor und Aufmachung, d.h. Fotos, Titelthemen etc.

Bevor ich zur eigentlichen Untersuchung komme, noch einige kurze Vorbemerkungen zu Presse und Journalismus in Frankreich:

Die Unterschiede im Vergleich zu Deutschland bestehen nicht nur darin, daß sich das Pressewesen in Frankreich auf Paris konzentriert6, wichtig ist auch der etwas anders verstandene Journalismus: Der französische Journalist reflektiert und kommentiert gerne, er drückt mehr seine Meinung zu einem Thema aus - von recherchierten Fakten ausgehend -, als daß er diese Fakten neutral darstellt.7 Zudem steht in Frankreich der Autor eines Artikels mehr im Vordergrund und in der Öffentlichkeit als in Deutschland8, wo viele Artikel gar nicht oder nur mit Namenskürzeln gekennzeichnet werden.

Zu diesen Voraussetzungen werden sich in der folgenden Studie noch andere Fak-toren gesellen wie Nachrichtenwerte und die Rolle von Auslandskorrespondenten. Vor der quantitativen und qualitativen Analyse der Deutschlandberichterstattung in Le Point steht jedoch eine kurze Charakterisierung des Magazins.

B. Das Deutschlandbild in Le Point

1. Das Nachrichtenmagazin Le Point

Le Point gehört zusammen mit L'Express, Le Nouvel Observateur, L'Ev é nement du Jeudi und der jungen Publikation Marianne zu den fünf wichtigen ,,newsmagazines" der französischen Presselandschaft. Die Magazinpresse spielt in Frankreich eine große Rolle, so verzeichnet die Untergattung ,,presse nationale d'information générale et politique" (Nationale Presse mit allgemeinen und politischen Informationen), zu der auch die obengenannten Zeitschriften gehören, 76 Titel.9

1.1. Geschichte

Le Point wurde am 25. September 1972 in Paris von Claude Imbert gegründet und erschien anfangs jeden Montag. Die erste Ausgabe trägt den Titel ,,Crise de régime?" (Regierungskrise?). Drei Jahre später schreibt das Blatt schwarze Zahlen, erscheint zum 157.

Mal und zählt 150 Mitarbeiter. Im Januar 1989 wird Le Point zum ,,hebdomadaire du samedi" (samstags erscheinende Wochenzeitschrift). 1994 dann, aufgrund einer allgemeinen Krise der Wochenmagazine, der Relaunch: ein neues Layout wird gestaltet, das Logo bekommt sein heutiges Aussehen, das Format wird größer und der Inhalt erweitert sich. Gleichzeitig wird im harten Konkurrenzkampf mit den anderen Blättern, vor allen den oben genannten (außer Marianne, die es erst seit 1997 gibt), der Preis von ehemals 20 Franc auf 18 Franc, das sind ca. 6 DM, gesenkt. Die Auflagen steigen wieder an. Ebenfalls im Jahr 1994 erscheint die erste Zusatzausgabe von Le Point: Le Point Grandes Ecoles et Universit é s (für Hochschulen und Universitäten). Wegen des großen Erfolgs dieser ab sofort monatlich erscheinenden Ausgabe wird, in Zusammenarbeit mit der Business Week, die Ausgabe Affaires auf den Markt gebracht, die seitdem wöchentlich zu haben ist.

1996 bis 1997 wird die neue Form von Le Point nochmals leicht verändert und verbessert, vor allem wird der redaktionelle Teil erweitert, so daß er nun im Schnitt 93 Seiten pro Ausgabe beträgt.10

Wichtig ist, daß Le Point seit 1992 drei Mal den Besitzer wechselte (genauso wie L'Express): Bis 1996 war die Générale Occidentale, Gesellschaft des Multimediasektors und Tochterfirma von Alcatel Alsthom, Hauptaktionärin, dann wurde CEP Communications (Havas-Tochter) Eigentümer. Als 1997 CEP von Havas geschluckt wird, kauft die Gruppe François Pinault-Le Printemps-La Redoute das Magazin zu einem Preis von 120 Millionen Francs.11 Diese Veränderungen belegen zum einen die Verbindung von Presse und Wirtschaft, besonders auf dem französischen Zeitschriftenmarkt, zum anderen aber auch die Krise der Wochenmagazine in den 90er Jahren.

1.2. Auflagen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1a:

Wie man an der Grafik erkennen kann, hat Le Point noch relativ wenig unter der Krise der Wochenmagazine Mitte der 90er Jahre gelitten. Während Le Nouvel Observateur in dieser Zeit sogar Boden gegenüber dem stärksten Konkurrenten L'Express gut machen konnte, heißt der Verlierer L'Ev é nement du Jeudi - dessen Zahlen sinken weiter...

1.3. Leserschaft

Le Point ist eine Abonnentenzeitschrift, besonders für französische Verhältnisse, denn in Frankreich werden weitaus mehr Presseprodukte am Kiosk erworben als in Deutschland12: über 2/3 der Auflage wird per Abo verkauft.

Die Leser bestehen zu 45% aus Frauen, 55% sind Männer.

In der Altersgruppe der 35 bis 49jährigen findet man den Hauptteil der Leser, nämlich 32%. Der Rest verteilt sich ziemlich gleichmäßig auf die anderen Altersstufen. 37% der Leser wohnen im Raum Paris, 63% Prozent in der ,,Provinz", d.h. im übrigen Frankreich.

Ein Drittel der Le Point -Leser sind selbständig oder üben eine Führungsposition aus, 27% sind nicht erwerbstätig (nicht zu verwechseln mit arbeitslos!), 16% üben Lehrberufe aus, 12% sind Arbeiter und 8% Angestellte. Ebenfalls ein Drittel der Leser beziehen ein Jahreseinkommen von 240.000 Franc und mehr, und ganze 45% haben einen höheren Schulabschluß.13

Die Leserschaft von Le Point ist also gebildet, verdient gut und ist beruflich erfolgreich.

1.4. Redaktion

Gegründet wurde Le Point von Claude Imbert, der heute das Blatt als Direktor leitet. Er war ab 1959 Chefredakteur des Politikressorts bei AFP (Agence France Presse, die französische Presseagentur), ab 1966 Chefredakteur beim Express, danach ein Jahr bei Paris Match (1971 bis 1972), bis er 1972 Le Point gründete. Nebenbei arbeitete er von 1976 bis 1996 für Europe 1, ein privates Radio und schrieb Bücher, zum Beispiel ,,Ce que je crois" und ,,Par bonheur". Der ,,directeur" der Redaktion ist Jean Schmitt - sein beruflicher Weg führte ihn von France- soir (Tageszeitung) über L'Express und L'Usine Novelle 1973 zu Le Point, wo er seit 1995 seine heutige Position als Redaktionsleiter einnimmt.

Sein Stellvertreter ist Michel Colomès, er war ab 1960 Reporter beim Fernsehsender ORTF (heute sind das die Gesellschaften France 3, Radio France und TDF, eine Kommunikationsgesellschaft), präsentierte dort Sendungen und war Chefreporter. Ab 1968 war Michel Colomès bei RTL für die Morgensendungen verantwortlich. Gleich 1972, im Gründungsjahr, kam er zu Le Point, wurde dort schnell Chefredakteur und ist heute stellvertretender Direktor der Redaktion.

Bei Le Point gibt es heute keinen allgemeinen Chefredakteur, stattdessen hat jedes der fünf Ressorts einen: ,,France - Politique Interieure - Investigations" (Frankreich, Innenpolitik, Reportagen), ,,Monde - Politique Etrangère" (Ausland, Außenpolitik), ,,Economie - Europe - Environnement - Sciences" (Wirtschaft, Europa, Umwelt und Wissenschaft), ,,Société - Télévision" (Gesellschaft, TV) und ,,Culture" (Kultur). In diesen Ressorts arbeiten je ca. 10 weitere Redakteure und freie Mitarbeiter. Des weiteren gibt es sechs Fotoredakteure.14 Le Point hat Auslandskorrespondenten in Amsterdam, Berlin, Beirut, Budapest, Hongkong, Jerusalem, Kairo, London, Madrid, Moskau, New York, Peking, Pretoria, Rio de Janeiro, Rom und San Francisco, also in 15 Ländern der Welt.

Jahren in Berlin. Sie ist mit einem Deutschen verheiratet und war Korrespondentin für Lib é ration, bevor sie anfing, für Le Point zu arbeiten. Auch in der deutschen Presselandschaft stolpert man immer wieder über ihren Namen: So nahm sie zum Beispiel am ARD-Presseclub vom 8. Februar 1998 teil, Thema ,,Arbeitslose gegen Bonn" oder schreibt ab und zu politische Kommentare für die taz (z.B. ,,Armer Gérard!", taz Nr. 5640 vom 21.9.1998, Seite 12).15 Madame Hugues ist außerdem Buchautorin: ,,Le bonheur allemand" (Das deutsche Glück) erschien im September 1998.

,,Sie beschreibt Deutschland mit Besuchen bei Helmut Kohl, einem deutschen Mittelstandsunternehmen, einem Frauenfrühstück, bei alternativen Umweltschützern oder in der Sparkasse. Wer das Buch liest versteht, warum Franzosen Deutschland mit Langeweile verbinden. Unsere Nachbarn sehen die Deutschen als «abhängig von materiellen Werten, zu diszipliniert, verkrampfte Ökos, schulmeisterhaft, ohne Humor und gequält durch ihre Vergangenheit».

Überrascht ist Pascale Hugues immer wieder, wie streng die Deutschen mit sich selbst sind. Wenn sie kritisiert werden, antworteten Deutsche: «Du hast recht. Wir Deutschen haben keinen Sinn für Humor, und wir verstehen es nicht zu leben.» Sie gestehen Italienern und Franzosen das Talent zu, ihr Leben zu genießen. Nur eines darf man einem Deutschen offenbar nicht sagen: Daß er sehr deutsch ist.

In einer kleinen Firma in Süddeutschland fällt der Journalistin mit einer Mischung aus Bewunderung und Ungläubigkeit auf, daß alles reibungslos funktioniert. Selbst bei Streiks seien die Deutschen unglaublich zivilisiert. Sie kämen pünktlich um acht Uhr morgens zum Streik. Auch gegen Atomkraft werde in Deutschland mit «Systematik» gekämpft. Die Autorin belegt das mit dem deutschen Boykott von französischen Produkten wie Käse und Wein während der französischen Atomversuche auf dem Mururoa-Atoll.

Die Sparkasse ist für Pascale Hugues der Inbegriff des sparsamen Deutschen: «Die nationale Identität hat sich um den wirtschaftlichen Erfolg aufgebaut.» Deshalb werde auch der Verlust der Mark durch den Euro als nationale Trauer empfunden. Bei Restaurantbesuchen will niemand zuviel zahlen: «Die Deutschen lieben es, getrennt zu zahlen. Jeder diktiert der Bedienung im Detail, was er gegessen und getrunken hat.» Das ist ganz anders in Frankreich, wo man unkompliziert die Summe durch die Zahl der Esser teilt."16

Hier deutet sich schon an, welch wichtige Rolle die Auslandskorrespondentin für die Berichterstattung von Le Point spielt. Obwohl sie seit langem in Deutschland lebt, ist sie ganz Französin geblieben und bestätigt ihren Landsleuten in ihrem Buch manche Klischees. Ob sich das auch auf das Deutschlandbild, wie es in Le Point gezeichnet wird, auswirkt, wird die folgende Untersuchung herauszufinden versuchen.

1.5. Selbstdarstellung

Le Point versteht sich als unabhängiges Magazin: ,,Trier méthodiquement, classer, choisir et expliquer, donner un sens aux gesticulations que diffusent les écrans et les agences, c'est l'ambition du Point."17 (D.h. frei übersetzt: systematisch auswählen, einordnen, erklären und den Dingen einen Sinn geben)

Das Magazin will nicht den Moden und Wellen folgen, sondern die wichtigen Dinge erkennen und darüber reden, bevor sie in Mode sind (z.B. Umwelt, Klonen und Ethik, die deutsche Wiedervereinigung).

Le Point will weder Partei für irgendeine Seite ergreifen noch sich beeinflussen lassen:

,,Donner chaque semaine l'essentiel de ce qu'un honnête homme doit savoir pour comprendre ce qui va venir."18 (Frei übersetzt: Dem Mann auf der Straße jede Woche das Wichtigste mitteilen, damit er verstehen kann, was passiert.)

Le Point betrachtet sich als intellektuell, Unabhängigkeit ist eines der Leitprinzipien, man geht von einer freien Gesellschaft und Wirtschaft aus.19 In Frankreich wird Le Point eher als konservativ eingestuft.

1.6. Aufbau

Der Umfang einer normalen Ausgabe des Point schwankt zwischen knapp 100 und 150 Seiten. Im Schnitt findet man in Le Point 93 Seiten redaktionelle Beiträge. Ein paarmal im Jahr kommen Spezialeditionen heraus, die dann ca. 80 Seiten mehr beinhalten (z.B. ,,Spécial New York", ,,Portugal" oder ,,Sauvez le monde" - Rettet die Erde).

Die verschiedenen Ressorts teilen sich wie folgt auf:

Am Anfang steht der Leitartikel des Direktors, ,,L'éditorial de Claude Imbert", ein ausführlicher Kommentar von einer Seite Umfang.

Danach folgt in LASER die knappe, komprimierte Behandlung aktueller Themen, eingeleitet vom Kommentar der Ressortleiterin ,,Frankreich", ,,La lettre de Catherine Pégard". Die LASER -Themen sind unterteilt in France (Innenpolitik), Monde (Außenpolitik), Economie (Wirtschaft), Sciences (Wissenschaft) und Soci é t é (Gesellschaft).

Danach werden ausgesuchte Themen ausführlich behandelt, in DOSSIERS, oft kann man zu einem Thema mehrere Artikel mit unterschiedlichen Darstellungsformen lesen, z.B. eine Reportage kombiniert mit einem Interview und einem Kommentar. Die Einteilung von DOSSIERS ist die gleiche wie die von LASER, nur ohne Sciences.

Als dritter Teil folgt CULTURE mit den Einteilungen Edition / Art / Cin é ma etc. (Bücher, Kunst, Kino usw.), pro Heft wird ein Schwerpunkt gesetzt. Danach kommt der Serviceteil Loisirs mit (u.a.) Restaurant- und Reisetips, ,,Vermischtem", Internetseite, Glossen und den Leserbriefen.

Am Schluß hat Bernard-Henri Lévy, ein bekannter französischer Kommentator, noch eine Seite Platz für seine ,,bloc-notes".20

Auf der Titelseite des Point findet man meist ein großes Foto, selten nur eine Grafik oder Zeichnung. Ein bis drei Themen erscheinen auf dem Titel, eines groß als Auf-macher, ein bis zwei weitere verhältnismäßig klein.

2. Analyse

Im ersten Teil der Analyse sollen hauptsächlich die Zahlen dargelegt werden, die bei der Auswertung von Le Point herausgekommen sind. Diese Statistiken allein können noch keine Antworten auf die eigentlichen Fragestellungen geben, die dieser Arbeit zugrunde liegen, sind jedoch die Basis für den zweiten Schritt, die Analyse der Inhalte und der Art, wie diese Inhalte dargestellt werden.

2.1. Quantitative Analyse

Insgesamt fanden sich in den Ausgaben von Le Point von Januar bis Oktober 1998, also in 44 Heften, 123 Artikel, die Deutschland behandelten oder in denen Deutschland bzw. Deutsche vorkamen. In vier Ausgaben war nichts über Deutschland zu finden, das ergibt einen Durchschnitt von ca. drei Artikeln pro Heft. Eine Häufung von Beiträgen, die sich mit Deutschland befassen, kann man in der Ausgabe vom 24. Januar 1998 feststellen - Anlaß war das 35jährige Jubiläum des Elyséevertrages. Viel über Deutschland berichtet wurde außerdem Ende September, auf dem Höhepunkt des deutschen Wahlkampfes kurz vor der Entscheidung am 27. September 1998 sowie in der ersten Ausgabe des Point nach der Wahl, am 3. Oktober 1998: In diesen beiden Heften waren richtiggehende ,,Deutschland-Specials" zu finden, mehrere Seiten exklusive Deutschlandberichterstattung. Allerdings wurden diese Seiten nicht als Special deklariert.

2.1.1. Aufteilung nach Ressorts

Wie nicht anders zu erwarten, finden sich die meisten der 123 Artikel im Ressort LASER Monde, nämlich 34, also ein knappes Drittel. 21 Beiträge sind dann im DOSSIER -Teil des Ressorts Monde zu finden, danach folgt Economie (Wirtschaft) mit 17 und Culture (Kultur) mit zwölf Artikeln. Der Rest der Beiträge verteilt sich mit keinem bis sechs Treffern relativ gleichmäßig auf die übrigen Ressorts. Kein Artikel findet sich lediglich in LASER Sciences (Wissenschaft).21

2.1.2. Aufteilung nach Themen

Bei dieser Aufschlüsselung wurde zwischen sechs Themengebieten unterschieden, ohne hier schon auf den genauen Inhalt und Aspekte wie Tenor etc. einzugehen:

- Deutschland exklusiv
- Deutschland und Frankreich
- Deutschland, Frankreich und Europa
- Deutschland, Frankreich und Drittländer
- Deutschland wird am Rande erwähnt22
- Deutschland als Handlungsort

Was ergibt nun diese Aufteilung?

Die Berichterstattung über ,,Deutschland exklusiv" nimmt mit Abstand den ersten Rang ein - 81 Artikel, das sind 65%, beschäftigten sich in Le Point ausschließlich mit Deutschland oder Deutschen.

Deutschland und Frankreich, also z.B. die nachbarschaftlichen Beziehungen oder Berichte, in denen wirtschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Ländern das Thema sind, folgen - weit abgeschlagen - mit 18 Artikeln bzw. 14% auf Platz zwei.

Mit Deutschland, Frankreich und Europa beschäftigten sich 14 (11%) der gefundenen Beiträge, dann folgen die letzten drei Themen mit sechs, fünf und einem Treffer.23

2.1.3. Aufteilung nach Darstellungsformen

Die meisten, nämlich 28 oder knapp 23% der Artikel, sind Berichte.24

Reportagen finden sich 25, also etwas über 20%, an dritter Stelle kommen die kürzeren Meldungen mit 23 Treffern (ca. 19%). Eine große Rolle spielen auch Porträts deutscher Personen (17 Artikel bzw. 14% und Kommentare (14 Artikel oder 11%). Besonders, wenn man den Umfang der Reportagen mit heranzieht25, kann man schon feststellen, daß Deutschland ein wichtiges Thema in Le Point ist: von den 25 gefundenen Reportagen haben 25 einen Umfang von einer Seite oder mehr, fünf erstrecken sich sogar über mehr als drei Seiten im Heft!26

Die große Zahl der Kurzmeldungen (fast 80% derer sind unter 1/8 Seite lang) zeigt, daß sich das Thema Deutschland wie ein roter Faden durch die Berichterstattung des Point zieht.27

2.1.4. Bebilderung

Le Point ist ein sehr lebendig aufgemachtes Magazin mit vielen farbigen, meist sehr aussagekräftigen Fotos.

Zu den 123 zwischen Januar und Oktober 1998 gefundenen Beiträgen gibt es 99 Fotos. Zieht man die (generell unbebilderten) Kurzmeldungen von der Gesamtanzahl der Artikel ab, kommt also auf einen Bericht, eine Reportage, ein Porträt etc. jeweils ca. ein Foto. Karikaturen findet man sehr wenige in Le Point, insgesamt waren es bei den Deutschland- Artikeln nur vier, und auch die Zahl der Grafiken hielt sich mit bloßen zwei sehr in Grenzen.28

2.2. Qualitative Analyse

In diesem Teil der Arbeit bietet es sich an, Themenschwerpunkte aufzuzeigen, dann anhand von Fallbeispielen Typisches vorzuführen und die Rolle der Nachrichtenfaktoren zu überprüfen, um schließlich noch zu überlegen, welchen Einfluß die Auslandskorrespondentin des Point, Pascale Hugues, auf dessen Berichterstattung haben könnte.

2.2.1. Die Themenschwerpunkte

Das Thema ,,deutsche Politik" belegt in der Berichterstattung des Point den ersten Platz - darüber wurde in den 10 Monaten des Untersuchungszeitraumes am häufigsten geschrieben, und zwar 43mal. Das sind immerhin 35% der gesamten Berichterstattung!29 Über die deutsche Politik im Zusammenhang mit der Bundestagswahl wurde 24mal berichtet, die meisten dieser Artikel befaßten sich mit dem Zweikampf Kohl gegen Schröder:

6 Artikel: Helmut Kohl und Gerhard Schröder gegenübergestellt.

7 Artikel: Gerhard Schröder.

6 Artikel: Helmut Kohl.

Was die Fotos betrifft, geht das ,,Rennen" Kohl gegen Schröder mit jeweils 11 Bildern unentschieden aus.

Weitere Themen der deutschen Politik sind z.B. der große Lauschangriff, die Stasi- Vergangenheit von Gregor Gysi, der Wahlerfolg der DVU in Ostdeutschland, die Grünen usw.

,,Deutsche Wirtschaft" ist das zweitwichtigste Thema, 19 Artikel befassen sich damit. Es wird über deutsche Firmen und Wirtschaftsbosse berichtet: Mercedes, BMW, VW, Bertelsmann, SAP, die Telekom etc. kommen vor; Jürgen Schneider, Jürgen Schrempp und Ferdinand Piëch30 werden porträtiert. Immerhin 18mal ist Kultur im Zusammenhang mit Deutschland einen Artikel wert: Buchbesprechungen, Bertolt Brecht, Richard Wagner, Heinrich Heine, Baden-Baden als Kulturstadt, Otto Dix, Nietzsche, Anne-Sophie Mutter, Ernst Jünger, Sigmund Freud... Sogar bei Restauranttips kommt Deutschland zweimal vor, des weiteren wird über Hamburg, den Schwarzwald und Heidelberg berichtet.

Nach diesen drei Themenschwerpunkten - deutsche Politik, Wirtschaft und Kultur - kommen die deutsch-französischen Beziehungen, Europapolitik und Euro sowie gesellschaftliche Themen.

Über die Hooligan-Krawalle bei der Fußball-WM in Frankreich Ende Juni 1998 findet sich nur eine große, 5 ½ Seiten lange Reportage, in der die Gewalttat der deutschen Hooligans gegen Daniel Nivel allerdings nicht das Hauptthema ist: wegen dieses Verbrechens werden Fragen zur französischen Sicherheitspolitik und zum französischen Recht gestellt. In einem separaten Kasten berichtet Pascale Hugues über die deutschen Hooligans (siehe Fallbeispiel), einen solchen Bericht gibt es auch vom Korrespondenten in London zu den britischen Hooligans.

Die Nazivergangenheit der Deutschen wird nicht übermäßig oft herangezogen, es wird auch nur einige wenige Male über Rechtsextremismus berichtet, z.B. beim Wahlerfolg der DVU. Die Quellen der Artikel sind bei den Kurzmeldungen nicht bezeichnet, es dürfte sich jedoch um Agenturmaterial handeln. Alle längeren Berichte sind namentlich gekennzeichnet. ¼ der Artikel über Deutschland stammen aus der Feder von Pascale Hugues, die restlichen Beiträge sind von den Redakteuren der jeweiligen Ressorts (z.B. Dominique Audibert, Ressort Außenpolitik), von Reportern oder Kommentatoren.

Zitiert werden in den Artikeln die deutschen Presseorgane Focus (1), Spiegel (2), Stern (1), Handelsblatt (3), taz (1), BILD (2) Zeit (1), S Üddeutsche Zeitung (2), ARD (2) und ZDF (2).

2.2.2. Fallbeispiele

Ein Beispiel zum Thema ,,Wahlpolitik" und Gerhard Schröder ist das Porträt des damaligen Kanzlerkandidaten, das Pascale Hugues im Februar 1998 schrieb:

1) ,,Gerhard Schröder, das Chamäleon"

,,Gerhard Schröder, Kandidat der SPD (...) ist didaktisch, einfach, direkt, lächelt. (...) Wenn die Stunde des Schweinernen und der Bierkrüge kommt, ist Gerhard Schröder wie ein Fisch im Wasser.(...)

Der Kandidat Gerhard Schröder wird im Lauf dieses Wahlmarathons mehrmals seinen Ton verändern und seine Rede abändern, um sich an sein Publikum anzupassen. Ohne sich je zu widersprechen, ohne sich zu verzetteln. Mit beeindruckender Raffinesse und Professionalität. (...)

Diese Energie, zu kämpfen, dieses Talent, verschiedene Arten von Publikum zu überzeugen, er verdankt sie seiner Geschichte eines Mannes aus dem Volk, der ganz alleine die Sprossen der Machtleiter erklommen hat. (...)

Gerhard Schröder hat aus diesen mageren Jahren ein Siegertemperament behalten und einen eisernen Willen - beides wird ihm noch Erfolge bringen. Davon ist er überzeugt. Der Ministerpräsident hat nie ein Hehl daraus gemacht, das die Kanzlerschaft sein Ziel ist. Das sagt er ohne Umschweife und ohne sich dafür zu genieren.

Aber auch wenn der forsche Schröder die unterschiedlichsten Massen bezaubern kann (...), er ist trotzdem das schwarze Schaf seiner Partei."31

Das große Foto zum Porträt zeigt einen strahlenden Gerhard Schröder beim Tanz mit einer ebenfalls strahlenden und jung aussehenden Doris. Der Text gibt ein umfassendes Bild des deutschen Kanzlerkandidaten, beschreibt ihn kritisch, aber nicht direkt unfreundlich. Es werden auch die Hintergründe beleuchtet, der Leser erfährt viel über die SPD. Als Gesamtbild bleibt in Erinnerung: Schröder ist selbstbewußt, kann mit den Menschen umgehen, sein Wille und seine Energie sind bewundernswert, aber man hat das Gefühl, er rede dem jeweiligen Publikum manchmal nach dem Mund, sei ein Blender... Man merkt deutlich, daß die Autorin den Kanzlerkandidaten leicht skeptisch beäugt und seinem Charme nicht ,,auf den Leim geht".

Die Nachrichtenfaktoren, die für die Auswahl dieses Themas eine Rolle spielen, sind Nähe, Relevanz und Prominenz32: Wer im benachbarten Deutschland Kanzler wird und welche Partei an die Macht kommt, ist für Frankreich wichtig und wirkt sich aus. Und ein potentieller Nachfolger Helmut Kohls ist auf jeden Fall prominent.

Was das deutsch-französische Sonderverhältnis angeht, zeigt sich hier, daß Deutschland der wichtigste Nachbar Frankreichs ist. Mit Helmut Kohl sind die Franzosen bisher immer ,,gut gefahren", als Europabefürworter aus Überzeugung und Vertreter des ,,deutsch-französischen Tandems" als Motor Europas sowie durch seine Freundschaft mit Mitterand genießt er in Frankreich große Sympathien. So ist es logisch, daß sein Herausforderer von großem Interesse ist und kritisch und ausführlich begutachtet wird.

Ein weiteres Beispiel, diesmal zum Thema ,,rechtsextreme Parteien", aus Anlaß des überraschenden Erfolgs der DVU in Sachsen-Anhalt:

2) ,,Ex-Ostdeutschland: das braune Abdriften"

,,(...) Dieser schwarze Sonntag für die Demokratie jenseits des Rheins sagt viel aus über die Enttäuschung im Osten. (...) Sicherlich bleibt der extremistische Fieberschub von Sachsen- Anhalt ein äußerst vereinzeltes Symptom in Ostdeutschland. Die Wähler, flatterhafter als im Westen, haben ohne Übergang Nazismus und Stalinismus durchlaufen, ohne die Erfahrung der Demokratie zu machen. Die Sympathie für die Thesen der Rechtsextremen ist erst in den letzten Jahren in den neuen Ländern gewachsen. Sie spiegelt, klagen die Sozialdemokraten an, das Versagen der Vereinigungspolitik von Helmut Kohl (...). Im Moment gibt es kaum Sorge, daß die DVU im Westen ein ähnliches Ergebnis erreicht."33

Hier spielen die Nachrichtenfaktoren Nähe und Relevanz eine Rolle - schließlich hat man auch in Frankreich große Probleme mit der rechtsextremen Partei Le Front National. Der Faktor Überraschung ist sicher auch dabei, denn mit diesem Erfolg der DVU hatte niemand gerechnet, auch nicht in Deutschland.

Der Artikel ist ebenfalls von Pascale Hugues und zeigt beispielhaft, wie in Le Point mit dem Thema ,,Rechtsextremismus" umgegangen wird: sachlich, ohne alte Ängste zu schüren oder Klischees hervorzuholen. Der Erfolg der DVU wird explizit als ,,Abdriften" (schon im Titel) dargestellt, es werden Ursachen und Gründe erläutert und betont, daß dieser Erfolg der Rechten ein ,,vereinzeltes Symptom" ist. Das alte Vorurteil ,,Deutsche sind Nazis" wird so auf keinen Fall bekräftigt.

Was man allerdings beobachten kann - nicht nur in diesem Artikel -, ist, daß die Deutschen in den neuen Bundesländern nicht besonders sympathisch gezeichnet werden. Hier kann man mutmaßen, daß das alte Stereotyp der ,,zwei Deutschlands" in einer neuen Form nach der Wiedervereinigung durchscheint, indem nun Ostdeutschland die Rolle des ,,bösen Deutschland" übernimmt. Um diese These zu beweisen, bedürfte es allerdings einer eigenen Studie zu diesem Thema.

Ein zweiter Artikel zum Rechtsradikalismus, ebenfalls von Pascale Hugues, bestätigt das Bild:

3) ,,Deutschland: Die Rechtsextremen stehen zur Debatte"

,,Die Rechtsextremen in Deutschland können 48000 Aktivisten zählen. (...)

Schlecht organisiert (...), haben die rechtsextremen Parteien es seit dem Krieg nie geschafft, durch die Tür des Bundestags zu kommen. Und ihre Wahlerfolge im Westen haben sich auf periodische Fieberschübe beschränkt."

Hier wird gleich im ersten Satz gezeigt, daß die Rechtsextremen in Deutschland eine Minderheit sind - belegt mit einer Zahl. Und wieder taucht das Bild des ,,rechtsextremen Fieberschubs" auf, wie auch im obigen Artikel.

Zum Thema Wirtschaft stellvertretend ein Artikel des zweiten Deutschlandkorrespondenten des Point, Christophe Bourdoiseau:

4) ,,Industrie: Der große Aufschwung"

,,Die Stunde der Internationalisierung hat geschlagen, in Wolfsburg wie in ganz Deutschland. Und wie der größte europäische Autohersteller [VW] stellen auch die anderen deutschen Industrien wieder neu ein. Der große Tiefpunkt von 1995, des ,,Alptraumjahrs", ist vorbei. (...) Getragen von einer positiven Konjunktur, bekommt die deutsche Wirtschaft ihre Farbe zurück."34

Die 1 ½ Seiten lange Reportage nennt immer wieder Namen deutscher Wirtschaftsunternehmen und -bosse: VW, Daimler-Benz, Deutsche Bank, Jürgen Schrempp, Ferdinand Piëch, BMW, Allianz, Bertelsmann, SAP, Brokat AG, Deutsche Telekom etc... Hier ist der Nachrichtenfaktor Prominenz zu nennen, denn es werden nur wirklich bekannte Unternehmen und Personen erwähnt. Außerdem ist das Thema für Frankreich als Deutschlands Wirtschaftspartner Nummer eins relevant.

Kurz vor der Bundestagswahl 1998 erschien in Le Point eine große Reportage von Pascale Hugues, in der sie den Lesern die deutsche Gesellschaft näherbringen will:

5) ,,Wovon träumen die Deutschen?"

[Zitate der Interviewten:]

,,Als dritte Generation nach dem Krieg würden wir gerne nicht länger diese schreckliche Schuld tragen, die uns aufgrund unserer Geschichte erdrückt, uns, die wir weder Glatzköpfe sind noch rechtsextrem wählen. Wir wollen die deutsche Fußballmannschaft unterstützen können, ohne daß uns unser ,Hurra` im Hals stecken bleibt, weil wir Angst haben, daß man uns im Ausland als ,häßliche Deutsche` behandelt. Das ist unfair."

,,Es gibt keine andere Nation auf der Welt, die so viele Versicherungen abschließt wie Deutschland. Das Leben muß ohne Risiken und Überraschungen sein."

,,...die Jungs träumen davon, einen BMW zu fahren..."

,,Ich arbeite von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr abends, ich habe zehn Tage Urlaub im Jahr, und ich bin kein Einzelfall."35

Dieser Artikel zitiert zwar die Deutschen und ist so nicht direkt von einer Französin verfaßt, aber die Auswahl der Zitate läßt doch ein gewisses Bild erkennen. Es wird klargemacht, daß ,,die Deutschen" keine Rechtsextremen sind und sich gerne von ihrer Vergangenheit losmachen wollen, die nun schon zwei Generationen zurückliegt. Auf der anderen Seite wird der sicherheitsbewußte, disziplinierte, nicht besonders lebenslustige Deutsche gezeigt, der viel arbeitet und alles, was er besitzt, bewahren will - zum Beispiel sein Auto. Insgesamt werden die Deutschen positiv dargestellt und freundlich charakterisiert.

Das Thema deutsch-französische Freundschaft soll auch nicht vernachlässigt werden: Pascale Hugues verfaßte zum 35jährigen Jubiläum des Elysée-Vertrages einen zweiseitigen Artikel:

6) ,,Frankreich-Deutschland: von neuem der Beweis"

Am wichtigsten sind in diesem Artikel die Abschnitte ,,Sprachen" und ,,Klischees", weil sie am meisten über die Verständigung der beiden Völker aussagen:

,,In Frankreich wird das Deutsche als schwierige Sprache

aufgefaßt, die einem die Türen zu einem Land öffnet, das nach wie vor als abweisend beurteilt wird."

,,Die Klischees sind hartnäckig. Fünfunddreißig Jahre nach der Versöhnung bleibt ein Deutscher in den Augen der Franzosen rätselhaft: diszipliniert, pünktlich, arbeitsam, humorlos... Bestenfalls ein langweiliger Tölpel, schlimmstenfalls ein heimtückischer Nationalist, oft übelster Absichten verdächtigt. (...) Was die negativen Vorurteile angeht, ist Deutschland viel stärker belastet. Die Deutschen, verfolgt von dem Bild, das man sich im Ausland von ihnen macht, leiden darunter, so ungeliebt zu sein. Helmut Kohl, Fatalist, hat dahingehend resigniert: ,Mit uns muß man leben, wie man mit der Wettervorhersage leben muß.` "36

Obwohl hier die Klischees und Vorurteile, die die Franzosen gegenüber den Deutschen hegen, nur zusammengefaßt und zitiert werden, werden sie auch nicht widerlegt. Das Klischee vom ungeliebten, häßlichen Deutschen wird für den Leser sogar bestärkt, indem Pascale Hugues schreibt, die Deutschen sähen sich selbst als ungeliebt an. Sie ist zwar persönlich der Meinung, daß das ,,ein Problem der Deutschen" sei37, in diesem Artikel wird jedoch nicht klar, daß dieses Bild nicht stimmt.

In den Artikeln zum deutsch-französischen Verhältnis und zum Stand der Beziehungen 35

Jahre nach der Versöhnung wird insgesamt folgendes gesagt: Das politische Verhältnis ist gut, es gibt zwar Mißtöne, aber keine Kluften. Die Bevölkerung dagegen ist der deutsch- französischen Freundschaft gegenüber eher gleichgültig.

Als weiteres Beispiel nun der ½seitige Artikel, ebenfalls von der Deutschlandkorrespondentin, zum Thema Hooligans. Hier zitiert sie den Hooligan-Experten Axel Pannicke und Eberhard Seidel-Pielen, Spezialist für Rechtsextremismus:

7)

,,Axel Pannicke und die deutschen Experten (...) unterscheiden zwischen den Hooligans und ,diesen Kriminellen`, die Daniel Nivel zusammengeschlagen haben."

,,Die deutschen Hooligans (...) gehören meist gar keiner Partei an und treten generell nicht bei den rechtsextremen Randgruppen in Erscheinung."

Man sieht, daß auf zweierlei Wert gelegt wird: Deutsche Hooligans sind keine Neonazis und diejenigen, die den Polizisten Nivel zusammenschlugen, sind nicht ,,die deutschen Hooligans".

Bei der Hooligan-Reportage sind die Nachrichtenfaktoren offensichtlich: die räumliche Nähe sowie natürliche die Negativität (Kontroverse, Aggression, Konflikt und Schaden).

Nach der Bundestagswahl war das Interesse an Deutschland natürlich genauso groß wie in der heißen Phase des Wahlkampfes. In der ersten Ausgabe nach dem Wahlsonntag, am 3. Oktober 1998, erschien in Le Point ein Leitartikel vom Direktor des Blattes, Claude Imbert:

8) ,,Die grosse Nation"

,,Die Macht der ,grossen Nation`, des ,großen Deutschland`, wird in Bonn das kleine rheinische Theater schließen. Es lebe Preußen und seine große Oper!"

,,Ein neues Berlin (...) erhebt sich in seinen tausend Baustellen auf den Ruinen des Dritten Reiches und des Kommunismus, um die modernste Hauptstadt des Jahres 2000 zu werden. Und es ist, mit Berlin, ein neues Deutschland, das seine immense Größe zeigt und den Schwerpunkt ganz Europas verschiebt." ,,(...) Schröder sticht weniger als Besieger Kohls hervor denn als Botschafter neuer Generationen."

,,Über Schröder kann man jetzt erst Klatsch verbreiten. Dieser Verführer hat seine Meinungen so oft gewechselt wie seine Ehefrauen (vier). (...) Das ist ein Mann des Nordens: Seine Sympathie gehört London."38

Der Ausdruck ,,Die grosse Nation" ist mit einer Fußnote versehen:

,, >Die grosse Nation<: so nennen die Deutschen Frankreich, oft, um es zu verspotten."

Hier zeigen sich deutlich die Ängste Frankreichs vor einem zu großen, mächtigen

Deutschland, das Europa aus dem Gleichgewicht bringt. Mit Schröder, dem ,,Verführer" und London-Sympathisanten, scheint Europa sowieso gefährdet. Claude Imbert verzichtet auch nicht auf alte Symbolik: Berlin wird auf den ,,Ruinen des Dritten Reiches und des Kommunismus" erbaut, Preußen ist auf einmal wieder da.

Nachrichtenfaktor in diesem Leitartikel ist die politische Nähe.

2.2.3. Die Rolle der Deutschlandkorrespondentin

Auslandskorrespondenten beeinflussen immer die Berichterstattung eines Mediums, und im Fall des Point kann man die These aufstellen, daß das Bild, das sich der Leser der Zeitschrift über Deutschland macht, besonders stark von der Deutschlandkorrespondentin Pascale Hugues geprägt wird. Sie lebt nämlich schon seit zehn Jahren in Deutschland und ist sogar mit einem Deutschen verheiratet - die Korrespondenten der anderen französischen Zeitungen und Zeitschriften bleiben üblicherweise nicht länger als zwei oder drei Jahre in Deutschland. Ihre Ziele, die sie mit ihrer Arbeit für Le Point verfolgt, beschreibt Pascale Hugues so:

,,Die Leser sollen Deutschland einfach besser kennenlernen - vom politischen System bis zu den Gewohnheiten der Menschen, die in diesem Land leben. Ich versuche, den Franzosen die deutsche Mentalität zu erklären, damit sie vieles besser verstehen können: Zum Beispiel, warum in Deutschland die Atomkraft so ein wichtiges Thema ist. In Frankreich schüttelt man nur den Kopf darüber, wie heiß die ganze Sache in Deutschland diskutiert wird. Oder das Thema Ausländerfeindlichkeit: das wird in Frankreich stark beachtet, weil man auch selbst Probleme hat wie die Front National. Ich berichte deshalb, daß die Rechtsradikalen in Deutschland eine Minderheit sind und versuche, nicht immer wieder auf die deutsche Nazivergangenheit hinzuweisen - was in Frankreich gerne getan wird. Deshalb schreibe ich zum Beispiel auch von Lichterketten gegen Ausländerfeindlichkeit usw., um das Bild realistisch und gerecht zu machen. Was ich aber auch möchte, ist, vom deutschen Alltag zu berichten, von den kleinen Dingen - denn die sind sehr wichtig, wenn man ein Land und seine Bewohner verstehen will."39

Immerhin stammt, wie oben bereits erwähnt, ein Viertel der Artikel über Deutschland aus Mme Hugues` Feder, und zu allen wichtigen Themen gab es einen Beitrag von ihr, direkt aus Berlin.

Natürlich gibt es in der täglichen Arbeit auch Zwänge und Probleme:

,,Manchmal ist es ein bißchen frustrierend, weil einfach zu wenig Platz da ist. Ich würde Themen oft gerne ausführlicher behandeln und genauer, aber das geht eben oft nicht. Wenn Wahlen sind oder sonstige wichtige Ereignisse, habe ich immer viel Platz, aber wenn in Deutschland gerade nichts abläuft, was Frankreich direkt betrifft, sieht das anders aus. Ich wollte zum Beispiel gerade etwas über die Grünen schreiben, aber als ich das vorschlug, sagte die Redaktion in Paris nur: Schon wieder Deutschland?"40

Hier erkennt man deutlich, was schon bei den Fallbeispielen ersichtlich wurde: Der Nachrichtenfaktor Nähe spielt in der Auswahl der Themen die größte Rolle. Dazu Pascale Hugues:

,,In Frankreich interessiert man sich nicht nur für Deutschland, sondern auch für die anderen Länder, vor allem Nordafrika und auch Spanien und England. Damit ein Thema gedruckt wird, muß schon eine gewisse Nähe zu Frankreich vorhanden sein."41

Meint sie denn, daß sie freundlicher über die Deutschen schreibt, als es vielleicht ein Franzose tun würde, der in Paris sitzt?

,,Das ist so ein spezielles Problem der Deutschen: Sie meinen immer, nein sie erwarten sogar, daß man böse über sie schreibt. ,Der häßliche Deutsche` - dieses Klischee ist meiner Meinung nach in Deutschland tiefer verankert als in Frankreich, wo es angeblich herkommt! In anderen Ländern ist das nicht so. Ich war vorher lange in England, und kein Engländer hat erwartet, daß im Ausland negativ über ihn berichtet wird."42

Sicher ist, daß sie als ,,Insiderin" ein besseres Bild von Deutschland und den Deutschen geben kann als jemand, der in der Redaktion in Paris sitzt und nur zu wichtigen Großereignissen nach Deutschland reist.

Man findet in den Artikeln von Pascale Hugues kaum Klischees, Bilder oder Stereotype, und der Tenor ist zwar manchmal kritisch, aber immer wohlwollend bis freundlich. Man kann also zusammenfassend sagen, daß Mme Hugues die Berichterstattung ihres Magazins über Deutschland positiv beeinflußt. Das wird besonders im Kontrast zu den Beiträgen anderer Autoren deutlich, zum Beispiel wenn man den Leitartikel von Claude Imbert am 3. Oktober 1998 betrachtet.43

Hier geht es weitaus weniger sachlich zu, es wird auf das Dritte Reich verwiesen, Klischees werden gebraucht und richtiggehend Ängste geschürt. Diese Inhalte findet man in keinem von Pascale Hugues` Artikeln. Auch wenn man merkt, daß sie Gerhard Schröder gegenüber skeptisch ist, ist ihre Berichterstattung über ihn stets fair, sachlich und ausgewogen.

3. Fazit:

Wie wird Deutschland in Le Point beschrieben? 7 Thesen

Gleich zu Anfang der Zusammenfassung: Ein vollkommen klares und einheitliches Bild von Deutschland läßt sich aus der Untersuchung von 123 Artikeln zu den unterschiedlichsten Themen nicht ableiten. Dazu spielen viel zu viele Faktoren eine Rolle, z.B. die Meinung der einzelnen Autoren. Ich werde deshalb die Punkte nennen, die bei der Untersuchung besonders aufgefallen sind und ein paar Thesen formulieren, die ich dann knapp belege.

1. These: Ostdeutschland wird im Point eher negativ dargestellt

Allein wenn man sich Titel der Artikel ansieht, in denen es um den Osten geht, wird diese These bestätigt: ,,Ex-Ostdeutschland: das braune Abdriften" und ,,Ex-DDR: Die Undankbarkeit der Ossis". Und auch in den Texten kann man immer wieder lesen: In Ostdeutschland hat man das größte Problem mit dem Rechtsradikalismus, die höchste Arbeitslosigkeit, die Wähler aus den neuen Ländern sind flatterhaft und unreif für die Demokratie. Auch die Stasivergangenheit kommt einmal vor, in einem Artikel über Gregor Gysi.

Die These trifft also zu.

2. These: Dem Point -Leser wird vermittelt: Den Deutschen sind Autos sehr wichtig

Zum einen wird viel über deutsche Autos berichtet, vor allem über Mercedes, BMW und VW, das zeigt dem französischen Leser schon, daß Deutschland ein ,,Autoland" ist. Zur weiteren Belegung der These noch zwei Zitate:

,,...die Jungs träumen davon, einen BMW zu fahren..."44, ,,Die Grünen wollen die Geschwindigkeit auf den Autobahnen auf 90km/h und in den Ortschaften auf 30km/h reduzieren. In diesem Land, wo das Auto König ist, hatte dieser Vorschlag den Effekt einer Bombe und machte die Erfolgsaussichten der Grünen bei den Wahlen in diesem Herbst so gut wie zunichte."45

Die These stimmt also ebenfalls.

3. These: Der Leser von Le Point erfährt: In Deutschland gibt es ein Problem mit Rechtsradikalen, allerdings sind diese eine Minderheit Wie oben schon erläutert, versucht vor allem Pascale Hugues, in dieser Sache die Franzosen aufzuklären und zu beruhigen, indem sie einiges klarstellt und beleuchtet. Trotzdem bleibt es in den Köpfen der Leser, daß es in Deutschland Rechtsextreme gibt und Probleme mit Ausländerfeindlichkeit - was ja auch leider der Realität entspricht.

Die These trifft zu.

4. These: Dem Leser wird vermittelt: Deutschland besitzt eine starke, wachsende Wirtschaft Daß diese These ebenfalls wahr ist, ergibt sich aus den oben genannten Beispielen zur Berichterstattung über die Wirtschaft in Deutschland. Deutschland wird als Wirtschaftspartner, aber auch Konkurrent gesehen.

Damit hängt die fünfte These zusammen:

5. These: Der Point -Leser lernt: Die Deutschen haben ein Problem mit ihrer Vergangenheit und ihrem Nationalbewußtsein Pascale Hugues sagt: ,,Die nationale Identität [der Deutschen] hat sich um den wirtschaftlichen Erfolg aufgebaut." So erklärt sie in ihrem Buch ,,Le bonheur allemand", warum die Deutschen so an ihrer D-Mark hängen.46

Und das zeigt sich auch in ihren Artikeln in Le Point, so zum Beispiel in ,,Euro: Die fatalistischen Deutschen":

,,Man bekommt den Eindruck, daß das Kommen des Euro eine nationale Obsession ist: keine Zeitung, kein Magazin, das nicht seinen Experten aufgefahren hat, um seinen Lesern Sicherheit zu geben. (...) Denn unsere Nachbarn von der anderen Seite des Rheins tun sich viel schwerer als die anderen Europäer, ihre nationale Währung aufzugeben. (...) Die Mark ist der rückhaltgebende Wert dieses Deutschlands, das nach dem Nazischrecken von den zivilisierten Nationen geächtet wurde. Ein Ersatz des Nationalstolzes für dieses Land... Für die Deutschen ist die Mark das Synonym für Frieden, Stabilität und materiellen Wohlstand."47

An anderer Stelle wird gesagt, daß die Deutschen deshalb so europafreundlich eingestellt sind, weil sie mit der europäischen Identität ihre fehlende deutsche ersetzten. Die These trifft also zu.

6. These: Le Point vermeidet Klischees, Stereotype und Bilder weitgehend

Auf der Suche nach Bildern (wie Germania, Michel, die Pickelhaube, Gretchen usw.) wurde ich in Le Point nicht in einem einzigen Fall fündig. Es gibt auch keine Karikaturen, die solche Bilder benützen: Die einzigen Karikaturen, die vorkamen, waren zwei: Ein Porträt von Helmut Kohl und eines von Gerhard Schröder.

Auch was Klischees und Stereotype angeht, findet man selten Belege. Eine Ausnahme ist das oben erläuterte Klischee vom autoverliebten Deutschen.

Ein weiteres Stereotyp: Bayern und das Rheinland werden positiv, ,,Preußen" negativ gesehen. Über Bayern liest man: ,,Land, in dem man gut lebt", ,,hegt seine Andersartigkeit", ,,Sun Belt von Deutschland", ,,Biergarten". Ostdeutschland wird eher negativ dargestellt (siehe oben), und Claude Imbert greift in seinem Leitartikel das ungeliebte Preußen wieder auf.

Ansonsten findet man nur höchst selten offen dargestellte Klischees. Nur zweimal kommt der Ausdruck ,,sales boches", häßliche Deutsche, vor, das ,,Land der Dichter und Komponisten" gar nur einmal.

Die These läßt sich also ebenfalls verifizieren.

7. These: Kohl war den Franzosen lieber als Schröder

Diese Tatsache wird in den vielen Artikeln über Kohl, Schröder oder den Kampf der beiden klar. Kohl ist bzw. war für die Franzosen der Europa-Befürworter, ein Frankophiler aus dem ,,guten" Rheinland (und eigentlich sogar noch Bayern), mit Mitterand befreundet und eine Garantie für die Weiterführung der guten deutsch-französischen Beziehungen. Schröder dagegen, der Mann aus dem protestantischen Norden, erscheint den Franzosen als charmanter Schaumschläger, für Europa nur aus praktischen Gründen, Kritik am Euro übend, ein Pragmatiker mit wenig Sinn für Kultur... Vor allem wird Schröder trotz aller Dementis nach wie vor verdächtigt, das Dreieck Berlin-London-Paris ausbauen zu wollen und eher anglophil denn frankophil zu sein.

Die These trifft zu.

Zusammenfassend läßt sich also sagen:

Die Berichterstattung über Deutschland in Le Point ist sachlich, aufmerksam und wohlwollend. Klischees und Stereotype werden bis auf ein paar Ausnahmen vermieden, lassen sich aber nicht aus der Welt schaffen, manche werden unbeabsichtigt untermauert. Es gibt durchaus Ängste vor einem politisch und wirtschaftlich stärker gewordenen Deutschland, aber man glaubt in Frankreich trotzdem an die guten nachbarschaftlichen Beziehungen und an den Erfolg des vereinten Europas.

C. Kurzer Vergleich des Fazits mit den Ergebnissen der Studien über die Nachrichtenmagazine L'Express, Le Nouvel Observateur und L'Ev é nement du Jeudi

1. Gemeinsamkeiten

Zum Thema deutsch-französischen Beziehungen stellen alle vier Zeitschriften fest: die weitere Entwicklung ist unklar, obwohl die Basis gut ist. Nach der Wahl hört man besorgte Töne ob des Weiterbestehens des ,,couple franco-allemand", man hat Angst davor, daß Schröder sich vermehrt England zuwendet.

In allen Blättern wird Kohl eher positiv, Schröder eher negativ dargestellt.

Die Berichterstattung über deutsche Kultur wird in Le Point, L'Express, Le Nouvel Observateur und L'Ev é nement du Jeudi großgeschrieben.

Im allgemeinen tauchen wenig Berichte über die deutschen WM-Hooligans auf, in L'Ev é nement sogar kein einziger.

In der Berichterstattung über die deutsche Wirtschaft wird Deutschland oft als Konkurrent dargestellt.

In allen Heften wird auf die Nazi-Vergangenheit Bezug genommen, in Le Point am wenigsten, in L'Ev é nement am häufigsten.

Der Tenor der Artikel ist meist sachlich, oft gibt es auch kritische, kommentierende Töne. Es werden keine auffälligen Freund- oder Feindbilder konstruiert.

Die Darstellungsform der Artikel ist meist die Reportage oder ein Bericht (allerdings nicht so nüchtern, faktenbezogen und sachlich gehalten wie in der deutschen Presse).

2. Unterschiede

Es fällt auf, daß in L'Ev é nement viel weniger Artikel über Deutschland zu finden waren als in den anderen drei Zeitschriften, nur ungefähr ein Drittel soviel.

Die Top-Themen sind im Nouvel Observateur die Wirtschaft, in L'Express und Le Point die Wahlpolitk, in L'Ev é nement dagegen Kultur und Geschichte!

Insgesamt ist das Deutschlandbild in Le Point am positivsten gezeichnet, während die Forschenden es beim Nouvel Observateur, in L'Express und L'Ev é nement eher als negativ ansahen.

Aber vielleicht liegt das ja auch an den Deutschen selbst, wie Pascale Hugues sagt: ,,Das ist so ein spezielles Problem der Deutschen: Sie erwarten immer, daß man böse über sie schreibt." Und wer etwas erwartet, findet es bekanntlich auch...

D. Anhang

Abbildung 1b

Aufbau von Le Point

Ressorts:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2a

Aufteilung nach Ressorts und Größe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2b

Aufteilung nach Themengebieten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2c

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2d

Aufteilung nach journalistischen Darstellungsformen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2e

Bebilderung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2f

Aufteilung nach Artikelgröße

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Vgl. List, Juliane: Zerrbild Deutschland: wie uns Engländer, Franzosen und Amerikaner seit der Wiedervereinigung sehen, Köln 1992, S. 54.

2 Ebd., S. 55

3 Koch, Ursula E.: Michel und Marianne nach dem Fall der Berliner Mauer: Wechselseitige Wahrnehmung in den Medien, in: Frankreich-Jahrbuch 1995, Hrsg.: Deutsch-Französisches Institut, Opladen 1996, S. 81.

4 Jurt, Joseph: Deutsch-französische Fremd- und Selbstbilder in der Literatur und Publizistik der Gegenwart, in: : Frankreich-Jahrbuch 1995, Hrsg.: Deutsch-Französisches Institut, Opladen 1996, S. 77.

5 Vgl. ebd., S. 76.

6 Vgl. Koch, Ursula E.: Marianne und Michael nach dem Fall der Berliner Mauer, S. 84.

7 Vgl. Feyel, Gilles: La presse et le journalisme en France: histoire, état et perspectives, Vortrag am Institut für Kommunikationswissenschaft der LMU München am 03.02.1999.

8 Vgl Koch, Ursula E.: Marianne und Michael nach dem Fall der Berliner Mauer, S. 84.

9 Vgl. Feyel, Gilles: La presse et le journalisme en France: histoire, état et perspectives, Vortrag am Institut für Kommunikationswissenschaft der LMU München am 03.02.1999.

10 Vgl. ,,Le Point 25 ans", eine Veröffentlichung zum 25jährigen Jubiläum, Paris 1997.

11 Vgl. Feyel, Gilles: La presse et le journalisme en France: histoire, état et perspectives, Vortrag am Institut für Kommunikationswissenschaft der LMU München am 03.02.1999.

12 Vgl. Koch, Marianne und Michel nach dem Fall der Berliner Mauer, S. 84.

13 Vgl. ,,Le Point 25 ans", eine Veröffentlichung zum 25jährigen Jubiläum, Paris 1997.

14 Vgl. ,,Le Point 25 ans", eine Veröffentlichung zum 25jährigen Jubiläum, Paris 1997 sowie die Internetseiten http://www.tdf.fr/ und http://www.afp.fr/.

15 Quelle: Online-Archiv der taz, http://www.taz.de/.

16 Kuchenbecker, Tanja: Beobachtungen einer Französin in Berlin über die Deutschen, in: Berliner Morgenpost vom 10.10.1998.

17 Schmitt, Jean: La manière Point, in ,,Le Point 25 ans", eine Veröffentlichung zum 25jährigen Jubiläum, Paris 1997.

18 ebd.

19 Vgl. Schmitt, Jean: La manière Point, in ,,Le Point 25 ans", eine Veröffentlichung zum 25jährigen Jubiläum, Paris 1997.

20 Vgl. zur besseren Übersicht Abbildung 1b im Anhang.

21 Zur besseren Übersicht vgl. Abbildung 2a im Anhang.

22 Dieser Punkt wurde im Laufe der Bearbeitung zusätzlich eingefügt, da es einige wenige Artikel gab, die sich nicht unter die anderen Themen eingliedern ließen, in denen Deutschland aber erwähnt wurde und die somit nicht völlig unter den Tisch fallen können.

23 Zur besseren Übersicht: vgl. Abbildung 2b und 2c im Anhang.

24 Die Kategorie ,,Bericht" wurde unter Berücksichtigung des etwas unterschiedlichen Schreibstils und Journalismusverständnisses in Frankreich (siehe Einleitung) nicht ganz so streng angewendet, wie man es bei einer Studie über deutsche Medien hätte tun müssen. D.h. ein Artikel wurde auch dann als ,,Bericht" gezählt, wenn er nicht der klassisch nüchternen Form entsprach oder z.B. der Unterton einer Meinung des Autors zu erkennen war.

25 Vgl. Abbildung 2d im Anhang.

26 Bei der Berechnung des Artikelumfangs wurden Bilder mit zum Text gerechnet, also der gesamte Artikel inklusive Foto o.ä. ausgemessen.

27 Vgl. auch Abbildung 2f im Anhang.

28 Vgl. Abbildung 2e im Anhang.

29 Bei dieser Zählung wurden die politischen Themen ,,Europa" und ,,deutsch-französische Beziehungen" nicht berücksichtigt.

30 Er ist zwar Österreicher, wird hier aber wie ein Deutscher gewertet, da er in Deutschland lebt und eine deutsche Firma leitet.

31 Le Point Nr. 1327 vom 21.02.1998, S. 68f.

32 Nachrichtenfaktoren nach Staab.

33 Le Point Nr. 1337 vom 02.05.1998, S. 22.

34 Le Point Nr. 1359 vom 03.10.1998, S. 78f.

35 Le Point Nr. 1357 vom 19.09.1998, S. 82ff.

36 Le Point Nr. 1323 vom 24.01.1998, S. 58ff.

37 Vgl. den nächsten Punkt, 2.2.3., ,,Die Rolle der Deutschlandkorrespondentin".

38 Le Point Nr. 1359 vom 03.10.1998, S. 5.

39 Telefonat mit Pascale Hugues am 01.03.1999.

40 Ebd.

41 Ebd.

42 Ebd.

43 Vgl. Fallbeispiel 8).

44 Le Point Nr. 1357 vom 19.09.1998, S. 83.

45 Le Point Nr. 1347 vom 11.07.1998, S. 21.

46 Kuchenbecker, Tanja: Beobachtungen einer Französin in Berlin über die Deutschen, in: Berliner Morgenpost vom 10.10.1998.

47 Le Point Nr. 1336 vom 25.04.1998, S. 63ff.

34 von 34 Seiten

Details

Titel
Das Deutschlandbild im französischen Nachrichtenmagazin Le Point
Autor
Jahr
1999
Seiten
34
Katalognummer
V95152
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutschlandbild, Nachrichtenmagazin, Point
Arbeit zitieren
Anette Göttlicher (Autor), 1999, Das Deutschlandbild im französischen Nachrichtenmagazin Le Point, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95152

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