Die Geschichte des Landes Ghana nach Erlangen der Unabhängigkeit 1957


Hausarbeit, 1999

19 Seiten


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1.Einleitung:

Wenn man sich mit der Geschichte Ghanas nach der Unabhängigkeit 1957 befaßt, werden verschiedene Gründe für das Scheitern des einstigen positiven Paradebeispiels1 sichtbar. Seit der Unabhängigkeit hat das Land zehn verschiedene Regierungsformen unter acht Regierungen erlebt und das in einem Zeitraum von knapp 40 Jahren (1957-1997).

In dieser Arbeit soll der Schwerpunkt auf den Anfängen des Landes Ghana liegen, mit einer Untersuchung der Regierungszeit des CPP (Conventions People ´ s Party) von 1957-1966, unter ihrem charismatischen Führer Kwame Nkrumah, ferner soll, als ein Vergleich, die Übergangszeit unter dem NLC (National Liberation Council) 1966-1969 und die demokratische Regierung der Progressive Party von 1969 bis Anfang 1972 unter Kofi Busia, einem früheren Widersacher Nkrumah, untersucht werden. .

Einer der Hauptgründe für das Scheitern, sowohl der CPP als auch aller anderen Nachfolger, liegt in der mißlichen wirtschaftlichen Lage, die auch die Bevölkerung zu spüren bekam. Hohe Auslandsverschuldung, große Abwertung der Landeswährung, sinkendes Pro-Kopf- Einkommen, das sind die Probleme mit denen Ghana seit der Unabhängigkeit zu kämpfen hat.2 Die Frage, die sich hierbei stellt, ist die, ob diese mißliche Lage einzig aus der Politik Nkrumahs resultiert, oder ob die nachfolgenden Regierungen eine ähnliche Mitschuld daran haben.

Die zweite Frage ist, ob nur die wirtschaftliche Lage oder auch andere Probleme, wie Tribalismus oder ethnische Konflikte eine Rolle in der bewegten Politik Ghanas spielen oder gespielt haben. Sicher ist, daßin Ghana kaum offene bewaffnete Konflikte zwischen den einzelnen Stämmen stattfanden, auch spielten ethnische Konflikte in der Politik keine größere Rolle, mit Ausnahme der Wahlen 1969. Die Gründe für die jeweilige Unzufriedenheit der Ghanaer sind meistens in der eigenen wirtschaftlichen Situation zu suchen. Die Regierungswechsel wurden von der Bevölkerung weder mit Begeisterung bejubelt, noch trafen sie auf große Ablehnung, sie wurden meist hingenommen. Auch gingen keine größeren Aufstände den jeweiligen Regierungswechseln voraus. Die Unzufriedenheit wurde von den jeweiligen Putschisten (der NLC 1966, Lt. Arthur 1967, Acheampong 1972, Rawlings 1979 und 1982) artikuliert und die, in ihren Augen, erforderlichen Konsequenzen gezogen. Der größte Faktor war bei den jeweiligen Coupés die wirtschaftliche Ausgangssituation, ideelle und stammesbezogene Ziele spielten eine untergeordnete Rolle.3

Auch wurde das politische System oder dessen Ideologie niemals direkt in Frage gestellt, vielmehr wurde eher die Frage nach den aus den Ideologien resultierenden wirtschaftliche Konsequenzen gestellt. Selbst als der NLC den Sozialismus Nkrumahs kritisierte hatten sie das Beispiel der Korruption und Mißwirtschaft vor Augen, weniger dessen ideologische Vorstellungen.

Also läßt sich aus obengenannten Gründen folgende Annahme formulieren: Seit der Unabhängigkeit Ghanas 1957 haben finanzielle und wirtschaftliche Gründe stets die Politik des Landes bestimmt, tribalistische und ideelle Tendenzen spielten und spielen in Ghana eine untergeordnete Rolle.

Anhand der Untersuchung soll aufgezeigt werden, wie großder Einflußder verschiedenen Faktoren auf die Politik Ghanas in den ersten 15 Jahren war und inwiefern die ethnischen und Stammesgegensätze eine Rolle spielten.

Um dies zu verdeutlichen, wird im ersten Abschnitt die Geschichte der Kolonie Goldküste, insbesondere in den Jahren vor der Unabhängigkeit, kurz skizziert. Danach soll die Politik des jungen Staates Ghana unter Nkrumah und seiner CPP untersucht werden. Hier liegt der Schwerpunkt auf seinen Bemühungen den Tribalismus zu beseitigen, seiner Wirtschaftspolitik und seiner Wendung zum Sozialismus, und seinem Verständnis dieser Ideologie. Mit dem Einschreiten des Militärs 1966 und dem Ziel die Korruption zu beseitigen und die wirtschaftliche Situation zu verbessern beschäftigt sich der nächste Abschnitt. Auch sollen hier die Bemühungen aufgezeigt werden, Ghana vom Sozialismus weg und zum Westen hin zu bewegen. Die Übergabe der Macht an eine demokratische Regierung behandelt der nächste Abschnitt, der sich hauptsächlich mit der Regierungszeit Busias und dem Gründen für sein Scheitern befaßt. Im letzten Abschnitt wird noch einmal kurz auf die Geschichte Ghanas nach dem Sturz Busias im Januar 1972, und die verschiedenen Regierungen mit ihren Bemühungen Ghana wieder zu einem Musterland zu machen, eingegangen.

2.Ghana vor der Unabhängigkeit 1957

Ghana ging 1957 aus der ehemaligen Kolonie Goldküste und der Transvolta - Region hervor. Die Kolonie Goldküste bestand aus den Gebieten der Colony (die Küstengebiete im Süden), dem Gebiet der Ashanti und den Northern Territories. Die Ashanti waren erst 1901 nach langen Kriegen mit den Briten in die Kolonie eingegliedert worden, nachdem die Kolonialherren sie mit Hilfe der Fante (größter Stamm der Colony) besiegt hatten. Hier rührt auch der Konflikte zwischen Ashanti und Fante her. Ein anderer Konflikt war die Benachteiligung der Ashanti Region und vor allem des Nordens durch die Briten, die Küstenregion wurde ihnen stets vorgezogen.4 Die Transvolta - Region (oder auch West - Togo) kam 1954 kurz vor der Unabhängigkeit nach einer Volksbefragung, in der sich die Bewohner für den Anschlußausgesprochen hatten, zur Goldküste hinzu. In der Colony herrschte bis 1927 das Prinzip der indirekten Herrschaft, die Briten ließen den Eingeborenen Teile der Verwaltung, behielten aber die endgültige Enscheidungsgewalt.5

Erste Entwicklungspläne für die Goldküste entstanden 1919 unter Gouverneur Guggisberg, der zum ersten Mal einen Strategischen Entwicklungsplan vorlegte, der nicht aus der Sicht Großbritanniens, sondern aus Sicht der Goldküste die Probleme anpackte. Sein Zehnjahresplan hatte die Industrialisierung Ghanas als Ziel. Die Goldküste lebte zu dieser Zeit vor allem vom Export des Kakaos (2/3 der Deviseneinnahmen) und dem Abbau von Rohstoffen wie Bauxit oder Mangan und dem Abbau von Gold und Diamanten, eine weiterverarbeitende Industrie war nicht vorhanden.6 Der Zweite Zehnjahresplan, der 1946 unter Gouverneur Burns in Kraft trat, sollte vor allem die kleineren und mittleren Betriebe fördern. Burns reformierte auch den Legislativrat, nach dem eine Untersuchung Lord Haileys 1942 eine Reformpolitik für die Goldküste empfohlen hatte, in diesem herrschte von jetzt an eine Mehrheit der Eingeborenen, auch die Region der Ashanti fiel endlich in den Befugnisbereich, der Norden hingegen besaßnoch keine Möglichkeit zur Mitbestimmung.7

In diesem Legislativrat, der auch schon die Unabhängigkeit zum Ziel hatte saßen zwei verschiedene Gruppen von Einheimischen: Die Gebildeten (educated Africans), die von der Erziehung durch die Briten profitiert hatten, und die Häuptlinge (Chiefs). Hier standen sich die traditionellen Werte der Häuptlinge und das Fortschrittsdenken der Gebildeten gegenüber. Die Gebildeten standen aber auch in einem anderem Konflikt: der Moderne, die sie durch ihre Ausbildung geprägt hatte, und dem Panafrikansimus, der aus ihrem traditionellem Verständnis herrührte. Auch waren sie gegenüber den Chiefs in einer finanziell schlechteren Lage, sie profitierten weit weniger von Ghanas Kakaoexport als die Chiefs, die Tribute von den Kakaobauern erhielten, sie waren auf Einnahmen aus dem tertiären Sektor angewiesen, aus diesem Grund drängten sie in die öffentlichen Ämter.8 Beide Gruppen sahen sich aber auch als einzige Bevölkerungsgruppen in der Lage die Politik der Kolonie zu bestimmen, und wurden von den Briten auch in diesem Glauben unterstützt.

Mit Blick auf die Unabhängigkeit und die ersten Parlamentswahlen, die 1951 stattfanden, gründeten sich Ende der vierziger Jahre die ersten Parteien, die meist allerdings nur einen Stamm vertraten und daher eine regionale Rolle spielten. Mit Gründung der CPP (Conventions People ´ s Party) 1949 trat eine neue Partei auf, die, trotzdem ihre Mitglieder größtenteils Fante waren, überregional auftrat und sich als Partei des Volkes verstand. Sie war aus der United Gold Coast Convention hervorgegangen, die als Repräsentation der Gebildeten verstanden wurde. Deren Vorsitzender Kwame Nkrumah, der zwei Jahre zuvor in seine Heimat zurückgeholt worden war, übernahm auch den Vorsitz der CPP. Nkrumah baute die Partei nach dem leninschen Parteikonzept stark zentralistisch auf. Er baute auch einen inneren Machtkreis an der Spitze der Partei auf, der stark auf ihn eingeschworen war.9 Diese Partei gewann 1951 die Parlamentswahlen und Nkrumah wurde zum Premierminister unter paternalistischer Aufsicht des Gouverneurs.10 Nachdem auch die zweiten Parlamentswahlen 1954 für die CPP mit einer klaren Mehrheit der Sitze ausging, wobei die Oppositionellen trotz eines 44% Stimmenanteils nur halb so viele Sitze wie die CPP erhielten, formierte sich eine größere Opposition gegen die CPP, die vor allem aus Gebildeten der Ashanti bestand, die meist sogar ehemalige CPP oder UGCC Mitglieder waren. Diese Opposition, die sich National Liberation Movement (NLM) nannte, trat auch mit einem nationalem Anspruch auf, einer ihrer Führer war Dr. Kofi Busia, der später selber Premierminister wurde. Im Gegensatz zur CPP waren sie nicht auf eine zentralistischen Staat aus, vielmehr forderten sie einen Bundesstaat. Schon zu der Zeit wurden Vorwürfe gegen den CPP laut, indem vor Korruption der Partei gewarnt wurde. Dem NLM gelang es, noch vor der Unabhängigkeit, 1956 Neuwahlen anzusetzen. Trotz den Warnungen Busias vor Korruption und Diktatur gewann der CPP die Wahlen und erhielt, dank des britischen Wahlsystems, die Mehrheit der Sitze. Mit dieser Mehrheit ging Ghana im März 1957 auch in die Unabhängigkeit.11

3.Ghana unter der CCP

Die gesamte Regierungszeit Nkrumahs und damit die der CPP läßt sich in zwei Abschnitte einteilen: einmal in die Zeit von 1957 bis 1960/61, in der die CPP ein parlamentarisches Mehrparteiensystem nach Westminster Vorbild dominierte, und die Zeit von 1960/61 bis zum Putsch 1966 in der von einem totalitären Einparteiensystem sozialistischer Prägung und zentralistischer Führung ausgegangen wird.12

Während in der Regierungsform ein klarer Einschnitt gemacht werden kann, sind die Ziele der Politik Nkrumahs nicht in verschiedene Epochen einzuteilen. Diese Politik machte zwar einen Wandel zum Sozialismus durch, allerdings war sie von Anfang an vom Opportunismus geprägt, der Volksmund sprach vom ,,Nkrumahism, the highest stage of opportunism."13 Auch sind sowohl die hohen Staatsschulden sowie eine falsche Wirtschaftspolitik der Nkrumah zum Teil anzulasten, zumal sich auch westliche Investoren zurückzogen, da der sozialitische Kurs des Landes ihnen zuwider lief.14 Den größte Einflußauf die Wirtschaft hatte und hat der Weltmarktpreis für Kakao, denn Ghana ist wie kaum ein anderes Land vom Erlös aus dem Kakaoverkauf abhängig.

Die CPP hatte nicht nur negativen Einflußauf Ghanas Politik, vielmehr sind ihr die Anhebung des Bildungsniveaus und Maßnahmen gegen den Tribalismus hoch anzurechnen. Besonders letztere sind bis jetzt einzigartig in der Geschichte des Landes geblieben, keine andere Regierung, und kein anderes Regierungsoberhaupt, hat sich dafür eingesetzt, diese Gefahr für das Land einzudämmen.

Einer der größten Faktoren, die für den Sturz Nkrumahs verantwortlich waren, war die Korruption der Regierungs- und Parteieliten. Das ging soweit, das Institution wie die National Development Corporation (NADECO) geschaffen wurden, die Beiträge kassierten und dann denjenigen, die bezahlt hatten, Regierungsaufträge zukommen ließen. Auch einzelne Parteimitglieder profitierten immer mehr von der Korruption, ein Faktum, das Nkrumah unter anderem mit dem Dawn Broadcast 1961 unterbinden wollte. Dieser untersagte den Parteiführern den Besitz von mehr als zwei Häusern und zwei Autos, richtig eindämmen konnte er die Korruption nicht. Vielmehr waren die Fehler, die die Korruption begünstigten, meist schon im Vorfeld gemacht worden.15

In der Außenpolitik engagierte sich Nkrumah für den Panafrikanismus (,, Africa must unite"), er förderte den Gedanken der ,,Vereinigten Staaten von Afrika" mit Ghana als Zentrale. Auch unterstütze er die drei panafrikanischen Institutionen, den Auswärtigen Dienst, der sogar in den Commonwealth eingebettet war, das Bureau of African Affairs und das African Affairs Secreteriat. Auch hier konnte sich der ghanaische Präsident für keine klare Position entscheiden, er operierte hier ebenfalls mit seiner opportunistischen Haltung, die auch die Innenpolitik dominierte.16

3.1 Ghana von 1957 bis 1960/61:

Nach der Unabhängigkeit übernahm die CPP die ehemalige Kolonialverwaltung, sie strukturierte sie nicht um, die Europäischen Beamte wurden durch Ghanaer ersetzt, die sich in der Partei hochgedient hatte, aber nicht unbedingt eine Qualifikation vorweisen konnten. Auch wurde das Häuptlingssystem kaum angetastet, Nkrumah ließaber oppositionelle und ihm nicht genehme Häuptlinge durch ihm wohlgesonnene Chiefs ersetzen und ordnete das House of Chiefs der Zentralregierung unter. Das unabhängige Ghana stütze sich also im wesentlichen auf die alten Strukturen der Kolonie Goldküste, an den wichtigsten Stellen des Landes wurden aber Gefolgsleute der neuen Machthaber eingesetzt.17

1958 erließdie Regierung Nkrumahs den Preventive Detention Act, der die Ausweisung oder Inhaftierung oppositioneller Politiker zur Folge hatte. Im selben Jahr hatte die Regierung im Industrial Relation Act ein Streikverbot erlassen, und so die demokratischen Grundrechte stark eingeschränkt. Die republikanische Verfassung, die 1960 dem Präsidenten eine Kompetenz- und Machthäufung erlaubte und die Verurteilung der Streikenden 1961 als ,,nationale Verräter" waren weitere Schritte, um die demokratischen Elemente weiter einzuschränken.18

3.2 Ghana von 1960/61 bis 1966

Nachdem Nkrumah 1960 durch eine Verfassung zum Präsidenten gewählt worden war, begann eine Veränderung vom liberalkapitalistischem Staat zu einem plebiszitär abgesicherten Einparteiensystem.19 Die CPP wandte sich dem Ostblock zu, ließBerater aus der UdSSR und China in das Land und schickte seine eigenen Leute nach Russland, damit sie dort ausgebildet wurden. Ein weiterer Schritt war die Ideologisierung des Erziehungswesens, es wurden Institutionen für die Ausbildung der Bevölkerung geschaffen, einmal die Young Pioneer Bewegung, gegründet 1960, und das Institute of Ideology, als eigene Hochschule, sowie die National Association of Socialist Students Organisation (NASSO).20

Die Personenzentrierung in der Partei nahm zu, interne Säuberungen fanden statt, um die Macht des ,,Erlösers" (Osagyefo) Nkrumah zu festigen. So mußte der Finanzminister, und spätere Rivale Busias im Wahlkampf 1969, Komla A. Gbedemah, nach dem Streik 1961 zurücktreten21 und mehrere Angehörige des linken Parteiflügels mußten sich, nach einem Bombenanschlag 1962, vor Gericht verantworten. So hatte der Parteivorsitzende die zwei konkurrierenden Parteiflügel praktisch ihrer Köpfe beraubt und seine eigene Position wieder gestärkt, allerdings begann auch so sein Weg in die Selbstisolation.22

Auch die nächsten Schritte auf dem Weg zum totalitärem System waren klar zu erkennen: die Absetzung des obersten Richters 1963, nachdem dieser die ,,Verschwörer" des Bombenanschlags freigesprochen hatte, die Abschaffung der Parlamentswahlen, die Auflösung der Oppositionsparteien und Einführung des Einparteiensystems1964, sowie der Aufbau eines eigenen Regiments, das neben der regulären Armee existierte.23

Diese Eingriffe in das System und die Hinwendung zum Sozialismus, aber noch mehr die Mißwirtschaft, damit verbunden die schlechteren Lebensbedingungen, und Korruption hatten schließlich die Unzufriedenheit des Volkes, aber vor allem die Unzufriedenheit des Militärs zu Folge, das sich im Februar 1966 zu einem Putsch gegen den Präsidenten und sein totalitäres System entschloß.

3.3 ,,Nation Building" in Ghana: Versuche, den Tribalismus zu beseitigen

Kwame Nkrumah hat als einziger Regierungschefs Ghanas wirkungsvoll versucht den Tribalismus zu beseitigen und ein Gefühl für Ghana als Nation zu fördern. Seine Mitarbeiter kamen aus verschiedenen Stämmen, die Partei verstand sich als Sprachrohr des gesamten Volkes. Ebenso ist es ihm gelungen den bis dahin ziemlich alleinstehenden Norden in das politische System einzugliedern.

Auch zeigt es sich in der, von ihm neu vorgenommen, Einteilung der ghanaischen Stämme in Sprachgruppen. Hierbei wurden die zwei größten sich rivalisierenden Stämme des Landes die Fante und Ashanti in eine Sprachgruppe eingeteilt, um so ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu schaffen. Das Land wurde in acht Regionen unterteilt, wobei die Ashanti Region nunmehr auf ein Drittel reduziert wurde, die Abhängigkeit einzelner Regionen untereinander wurde größer, als zur Kolonialzeit. Sozialreformen wurden als Weg gesehen, die Bürger enger an das Land zu binden.24 In den oben erwähnten ideologischen Institutionen sind klare Ansätze zu erkennen, die kolonialen Mentalitäten, und damit das Stammesdenken, zu beseitigen und ein Nationalbewußtsein für Ghana zu schaffen.

3.4 Die Wirtschaftspolitik Nkrumahs: Sozialismus und staatliche Intervention

Die Wirtschaftspolitik Ghanas unter der CPP ist von einem Wunsch bestimmt: Die Industrialisierung voranzutreiben und damit die Ablösung der von Ausländern kontrollierten Industrie durch eine einheimische weiterverarbeitende Industrie , das heißt, die Wirtschaft unabhängig von ausländischen Firmen zu machen. Das Hauptziel sollte die Loslösung der ghanaischen Wirtschaft vom Ausland und die Selbstversorgung sein. So wurden die Einfuhrzölle erhöht, um die einheimische Wirtschaft zu fördern, Privatpersonen wurde der Einkauf im Ausland untersagt und die Devisenausgaben für ausländische Nahrungsmittel wurden bis auf einige Ausnahmen gestrichen.25

In dem zweitem Fünf - Jahres Plan, der im März 1959 verabschiedet wurde (den Ersten hatte der Legislativrat unter Nkrumah 1951 entworfen), waren große Summen zur Förderung der Industrie vorgesehen, außerdem war der Bau von 600 Fabriken geplant.26

Der von der Industrial Development Corporation (IDC) ausgearbeitete Plan zeigte den größten Fehler in der Wirtschaftspolitik auf: Trotz guter Intention wurde das Geld in zu viele unproduktive Projekte investiert, diese konnten den erhofften Aufschwung der Wirtschaft kaum bewirken, der erhoffte Effekt der Industrialisierung, nämlich die Selbstversorgung des Landes, konnte nicht eintreten. Diese Fehlinvestitionen und die Unrentabilität der Staatsbetriebe, die große Verluste erwirtschafteten, trugen zum großen Teil zur Verschuldung des Landes bei.

Das Parteiprogramm Work and Happiness 1962 und der Sieben - Jahresplan, der sich auf dieses Programm berief und 1964 in Kraft trat, stoppte den Fünf - Jahresplan, als vorrangiges Ziel galt die ,,Befreiung unserer Wirtschaft von fremder Kontrolle und Beherrschung".27

Der Sieben - Jahresplan sah Milliardeninvestitionen vor, allerdings wurde hier auf die Hilfe des westlichen Auslands gehofft, ein Widerspruch den man nicht verleugnen kann, da man auf die Hilfe derjenigen angewiesen war, von denen man sich lossagen wollte.28

Ein ähnlich großer Faktor für die wirtschaftliche Krise ist der Sturz des Kakaopreises, Ghanas Deviseneinkommen schrumpfte dadurch erheblich.

Die positiven Ergebnisse dieser Politik sind im Ausbau der Infrastruktur, der Einführung einer eigenen Währung, dem Cedi, der Anhebung der Gehälter der Arbeiter und dem Bau des Volta - Staudamms, der Elektrizität für alle Industrien lieferte, zu finden.

Die Probleme, die diese Wirtschaftspolitik hinterließ, waren, neben der hohen Auslandsverschuldung, das sinkende Pro - Kopf - Einkommen, Verschlechterung des Lebensstandards, sowie eine zu hohe Bewertung des Cedi, Probleme, mit denen die Nachfolger Nkrumahs in den folgenden Jahren zu kämpfen hatten. Auch die Interventionen des Internationalen Währungsfonds wurden von der CPP ignoriert, die geforderte Senkung der Staatsausgaben wurde, unter Nkrumah, nie erfüllt.29

4. Ghana in der Übergangszeit unter dem NLC 1966 - 1969

Am 24. Februar 1966 gelangte der National Liberation Council durch einen Miltitärputsch an die Macht. Er sah seine Aufgabe von Anfang an als Übergangsregierung zur Vorbereitung eines demokratischen parlamentarischen Systems.

Der Staatsstreich erfolgte unblutig zu einer Zeit, in der Nkrumah im Ausland weilte. Vom Militär und der Polizei getragen, setzten die Putschisten bedeutende Parteisekretäre fest und besetzten eine Radiostation, ebenso erfolgte ein Angriff auf das Flagstaff House, dem Regierungssitz. Nach geringem Widerstand konnten die Regierungstreuen festgesetzt werden, der Staatsstreich war geglückt.30

Der NLC bestand aus acht Mitgliedern unter Vorsitz des Generals Ankrah, der nicht direkt am Staatsstreich teilgenommen hatte. Von den acht Mitgliedern kamen jeweils vier aus dem Militär und vier repräsentierten die Polizei, wobei die Hauptakteure des Staatsstreiches, Major Affira, Colonel Kottoka, Generalmajor Ocran und Polizeichef Harlley, einen Sitz bekamen. Auch wurde keiner bestimmten Stammesgruppe der Vorzug gegeben, anhand der Herkunft der Mitglieder ließsich eine Stammesüberlegenheit ausschließen.31

Die Aufgabe dieses Befreiungsrates war es eine neue Verfassung zu schaffen und eine neue Regierung wählen zu lassen. Er gab sich innenpolitisch anti - sozialistisch und außenpolitisch pro - westlich, wies Entwicklungshelfer aus China und der UdSSR aus, eine Tatsache, die Kuba und China dazu veranlaßte sämtliche diplomatischen Beziehungen abzubrechen und die UdSSR ihren Botschafter abziehen ließ, während der Britische Commisioner, der aufgrund der Rhodesienkrise abgezogen worden war, ins Land zurückkehrte.

Als seine Aufgaben erklärte der Rat folgende:32

- Beseitigung der Korruption: es wurden 40 Untersuchungskommisionen gegründet, die sich mit den Verfehlungen der führenden CPP - Politiker befaßten, die Strafen vielen nicht allzu hart aus.
- Reorganisation der Verwaltung: Der NLC erkannte das Häuptlingswesen klar an, er versuchte durch Einführung von Verwaltungskomitees33 für die Regionen die Verwaltung umzustrukturieren. Eine weitere Handlung war die Absetzung aller unter Nkrumah ernannten Häuptlinge und damit eine Wiederherstellung des alten Häuptlingssystems.
- Wiederherstellung bürgerlich demokratischer Freiheiten, durch Entlassung von politischen Häftlingen.
- Vorbereitung einer neuen Zivilregierung, durch Gründung einer Verfassungskommission am 15.11.1966 (Verfassung muß,,Volkssouveränität [...] Prinzip der streitbaren Demokratie[...] Unabänderlichkeit bestimmter Verfassungsparagraphen"34 beinhalten). Eine weitere Maßnahe war die Gründung des Centre for Civic Education 196735 und die Bildung der Nationalversammlung am 5.11.1968.

Unter dem NLC war es immer wieder zu Streiks gekommen, außerdem zeigten ein Putschversuch (Lt. Arthur 1967) und die Verhaftung einiger hoher Offiziere mit dem Vorwurf der Konspiration, daßdie Einheit der Armee brüchig wurde. Beide Faktoren ließen den Abtritt des NLC leichter erscheinen.

4.1 Wirtschaftspolitik unter dem NLC

Nach der Machtübernahme setze der NLC den Sieben - Jahres Plan der CPP aus, auch wurden die Empfehlungen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) nun beachtet, und der Cedi drastisch abgewertet. Es wurden mehrere Umschuldungsverträge mit Gläubigern geschlossen, um einen Aufschub bei der Kredittilgung zu erreichen. Um die wirtschaftliche Not der Bevölkerung zu lindern, wurden Steuern auf Grundnahrungsmittel gesenkt und drastische Sparmaßnahmen für den Staatshaushalt verordnet.36

Ebenso wurden die unrentablen Staatsbetriebe geschlossen, andere privatisiert und die Workers Brigade aufgelöst. Dies hatte eine erneute Arbeitslosenschwemme zur Folge, die durch die Verkleinerung des Beamtenapparats noch forciert wurde.37

Als der NLC 1969 abtrat hatten die wirtschaftlichen Probleme keineswegs abgenommen, vielmehr hatten sich das Pro - Kopf - Einkommen und die Realeinkommen verringert, während sich die Arbeitslosigkeit und die sozialen Spannungen vergrößert hatten.38

5. Ghana im demokratischen System unter der Progressive Party

Am 28. August des Jahres 1969 gewann die Progressive Party mit 75 Prozent der Stimmen die ersten Parlamentswahlen in Ghana seit 13 Jahren. Ihr Vorsitzender Dr. Busia hatte sich in der Wahl gegen den Spitzenkandidaten der Liberalen (NAL) K.A. Gbedemah durchgesetzt. Beide Spitzenkandidaten waren in einer Diffamierungskampagne aufeinander losgegangen. Gbedemah, ehemaliger Finanzminister, wurde als Schreckensbild des Nkrumah Regimes angesehen, während Busia vorgeworfen wurde, seine vorherigen Positionen in den NLC Institutionen zu seinen eigenen politischen Zwecken genutzt zu haben, zumal vor dem 1. Mai 1969 Parteiaktivitäten nicht zugelassen waren.

Diese Wahl zeigte größere tribalistische Tendenzen auf: Während sich die Parteiprogramme glichen und auf Ideologien gänzlich verzichtet wurde, wurde die NAL in der Volta Region gewählt, in der die Ewe eine klare Überlegenheit hatten, während die Akanvölker fast ausnahmslos die PP wählten.39

In der Regierung Busias waren vor allem alte Mitstreiter im Kampf gegen Nkrumah zu finden, die sich größtenteils aus den Ashanti und Fante rekrutierten, der Norden und die Volta - Region waren wenig bis gar nicht vertreten.

Die von Busia erklärten Ziele zur Demokratisierung des Landes beinhalteten unter anderem die Anhebung des Lebenstandards, die Chancengleichheit für Alle, den Schutz des Individuums und der Gemeinschaft und den Schutz vor dem Machtmißbrauch der Herrschenden.40

In der Außenpolitik beanspruchte er Blockfreiheit und eine strikte Neutralität für Ghana, allerdings war die Abhängigkeit vom Westen zu groß, um eine völlige Neutralität zu garantieren.

Er beschwor die Unzufriedenheit der Beamten herauf, als im Februar 1970 über 500 ,,unloyale" civil servants nicht mehr neu ernannt wurden, mit der Begründung Beamte hätten sich politisch neutral zu verhalten. Dies lies ein Manager nicht auf sich sitzen und klagte vor dem Supreme Court. Nachdem die Richter der Klage stattgegeben hatten wurde ihnen von Seiten der Regierung ein Rücktritt nahegelegt. Dieser Eingriff in die Judikative, sowie das Ignorieren einer Gewerkschaft, die unabhängig von der TUC gegründet wurde und das Festhalten an der staatlichen Kontrolle der Journalisten zeigte, wie die Regierung bereit war die Exekutive weiter zu stärken und damit die Macht auf sich zu konzentrieren.41

5.1 Die Wirtschaftspolitik Busias

Die Wirtschaftspolitik der zweiten Republik war in erster Linie eine Weiterführung der Politik des NLC. Es wurden Bemühungen angestellt in Verhandlungen mit den Gläubigern zu treten, um günstige Bedingungen für die Tilgung der Staatsschulden zu haben. Die Gläubiger zeigten mangelnden Willen einer, für Ghana günstigeren, längerfristigen Lösung zuzustimmen, Investoren sahen keine Notwendigkeit ihr Engagement zu erhöhen.42

Anders als Nkrumah setzte Busia auf die Landwirtschaft und die Verbesserung der Lebensbedingungen in den ländlichen Gegenden. Allerdings geschah dies zu willkürlich und zu unstrukturiert, als das die Investitionen effektiv gewesen wären. Ebenfalls zur Verbesserung der Lebensbedingungen wurden die Importlizenzen gelockert, ein Importboom wurde ausgelöst, dem die ghanaische Wirtschaft, aufgrund des gesunkenen Kakaopreises machtlos gegenüberstand.43

Ein weiterer Punkt in dem Wirtschaftsprogramm war die Ghanaisierung der Wirtschaft und die Beseitigung der Arbeitslosigkeit. Aus diesem Grund wurden sämtliche Fremdarbeiter, die meist aus anderen afrikanischen Ländern stammten, aus dem Land ausgewiesen, bestimmte Berufe sollten nur den Ghanaern vorbehalten sein.44

Die Regierung hielt sich auch an die vom IWF gemachten Vorschläge zur Wirtschaftsstabilisierung. Als sie im Dezember 1971 eine Schockabwertung des Cedi aufgrund einer Empfehlung des Währungsfonds war das für Colonel Acheampong und seine Militärs der Grund zur Machtübernahme. Am 13. Januar 1972 übernahm seine Regierung des National Redemption Council (NRC) unter Acheampong die Macht.45

6. Ghana von 1972 bis 1993

Im Gegensatz zum ersten Militärputsch sah sich der NRC nicht als Übergangsregierung, sie prägten in ihrer Programmatik den Begriff der Self - Reliance. Der NRC wertete den Cedi wieder auf und setzte die Verträge aus den Umschuldungsverhandlungen des NLC aus. Ein Programm zur Selbstversorgung, Operation Feed Yourself genannt, wurde in Gang gesetzt, um die Lebensmittelimporte und Preissteigerungen einzuschränken. Mit diesen Maßnahmen war der NRC zwar die erste Regierung seit 10 Jahren, unter der es keine Erhöhung der Auslandsverschuldung gab, allerdings löste sich diese Politik durch Inkompetenz und Korruption selbst auf.46

1978 übernahm General Akuffo in einer Palastrevolution den Posten Acheampongs, der als öffentliches Aushängeschild mit den Mißständen identifiziert und so untragbar wurde. Die Politik des Supreme Military Council zeichnete sich durch seine Halbherzigkeit aus, Chancen zu weitergreifenden Reformen, wie die Währungsreform 1979, wurden leichtfertig verspielt.47 Als die von Akuffo angekündigten Wahlen zu einer Zivilregierung schon kurz bevor standen, putschte das Militär erneut. Diesmal traten aber die unteren Dienstränge in Form des Armed Forces Revolutionary Council (AFRC), unter dem Anführer J. J. Rawlings, in Erscheinung. Nach einem gescheitertem Putsch im Mai ´79, gelang ihnen im Juni der Staatsstreich. Die Legitimation holte Rawlings aus der ,,Seele des einfachen Mannes" und der moralischen Empörung über Korruption und Mißwirtschaft. Am 16. Juni wurde Acheampong als Verantwortlicher dieser Mißstände öffentlich erschossen. Unter diesen Umständen fanden die Wahlen zu einer neuen Zivilregierung statt, die am 24. September die Macht vom AFRC übernahm.48

Die neue Regierung unter dem Präsidenten Limann bemühte sich auch kaum die Mißstände aufzuheben. Als Rawlings im Dezember1981 erneut putschte, hatten sich Haushaltsdefizit und Korruption noch vergrößert, die Infrastruktur und Großindustrie waren zusammengefallen und die Eliten abgewandert.49

Mit Rawlings hatte Ghana seinen Helden wieder, der nicht durch die Macht korrumpiert war, wie sein Abgang 1979 deutlich machte. Er richtete im ganzen Land sogenannte Volksverteidigungskomitees ein, die das Land vor Korruption und konterrevolutionären Bewegung schützen sollte. Unter der Regierung des Provisional National Defence Councils (PNDC) stabilisierte sich das Land, durch Zusammenarbeit mit dem IWF, eines Programms für den Wiederaufbau, sowie der Abwertung des Cedi um 5000 Prozent und der Förderung des Exportsektors hat Rawlings Ghana wieder zu einem Musterland des gelungenen Wirtschaftsaufbaus gemacht, ein Verdienst, der 1993 bei der Wahl zur vierten Republik mit dem Gewinn der Wahl und dem Präsidentensitz honoriert wurde.50

7. Fazit

Ghanas Geschichte seit der Unabhängigkeit ist stark von der CPP und Nkrumah geprägt worden, zumal die Vorbereitung jener Unabhängigkeit auch schon von ihnen beeinflußt worden war. Ghana hatte in der Nachfolgezeit immer wieder mit wirtschaftlichen Problemen und Auslandsverschuldung zu kämpfen, die Frage, ob die alleinige Schuld Nkrumah zuzuschreiben ist, ist nicht eindeutig zu beantworten, sicher ist, daßdie Nachfolger ebenfalls die elementaren Probleme nicht zu beseitigen wußten. Die Regierungsübernahmen fanden immer wieder ihre Begründung in der wirtschaftlichen Lage, besonders zu sehen bei Acheampong 1972, der den ,, economic war" heraufbeschwor, und der Korruption. Der Verlust der demokratischen Elemente, wie bei Nkrumah und Busia, spielte ebenfalls eine größere Rolle, die Mißbilligung konnte noch stärker artikuliert werden. Die diversen Wirtschaftsprogramme, die in Ghana angewandt wurden enthielten auch immer Elemente der jeweiligen Ideologien, wie die Staatsbetriebe bei Nkrumah und die Einführung seiner Workers Brigade waren eindeutige sozialistische Elemente, die beim NLC für Unbehagen sorgten, während Busia und der NLC durch Abschaffung jener staatlichen Betriebe eine Privatwirtschaft förderten. Keine Rolle in der Wirtschaftspolitik spielte hingegen der Tribalismus, Bevorzugungen gegenüber dem jeweiligen Stamm der Eliten oder Protektionismus gegenüber Stammesmitgliedern scheinen keinen großen Einflußausgeübt zu haben. Die Wirtschaft und die Lebensbedingungen waren, aufgrund der dort vorhandenen Defizite, immer der größte Faktor der die Politik stets bestimmte.

Daßder Tribalismus in Ghana nach der Unabhängigkeit eine Rolle spielte, zeigte die Wahl 1969 in der die Stämme der Ewe und der Ashanti ihre eigenen Parteien wählten, und die des jeweils anderen Stammes nicht aufgrund ihres Programmes, sondern aufgrund der Herkunft ihrer Eliten verunglimpften. Hier zeigt sich aber auch, daßes Nkrumah anscheinend gelungen war, die Animositäten zwischen den Fante und den Ashanti, die noch aus der Kolonialzeit herrührten, zu beseitigen, da sie beide die Progressive Party unterstützten. Da alle Regierungen das Häuptlingswesen im großen und ganzen beibehielten, blieb das traditionelle Stammeswesen auch gegenwärtig, der Abbau der tribalischen Institutionen wurde von keinem ghanaischen Politiker gefordert.

Ideologische Ideen traten besonders bei Nkrumah, später abgemildert bei Rawlings, auf, während die anderen Politiker sich auf die demokratische Verständnis stützten, das aus der Kolonialzeit herrührte. Nachdem Nkrumahs Sozialismus gescheitert war, wurden Ideologien, egal aus welchem politischem Lager, von den Politikern kaum noch als Grundlage der Politik genommen, der NLC sprach sich besonders gegen Ideologien aus, weniger wegen des Inhalts, als wegen der schlechten Erfahrungen, die man gemacht hatte. Außer der CPP gab es keine regierende Partei oder Institution, die sich zu einem der beiden Blöcke im bipolaren System bekannte, vielmehr legten alle Wert auf eine Neutralität, die, bedingt durch die Wirtschaft, zum Westen tendierte. Nkrumah scheint hier eine Abneigung gegenüber Ideologien, insbesondere gegenüber dem Sozialismus, durch seine gescheiterte Politik gefördert zu haben.

Ghanas Politik wurde im großen Maße von der Wirtschaft bestimmt, die aber durch die Faktoren Tribalismus und Ideologie mit beeinflußt wurde. Die großen Fehler in der Wirtschaftspolitik Nkrumah s wurden in den ,,sozialistischen Jahren" des Landes gemacht, beseitigt werden konnten sie erst Ende der Achtziger Jahre. War die Wirtschaftspolitik besonders unter der CPP ein Ergebnis der Ideologie, so läßt in den nachfolgende Jahren dieser Einflußnach, sie wird später von der Auslandsverschuldung und den schlechteren wirtschaftlichen Zuständen bestimmt. Diese waren teilweise Ergebnis der sozialistischen Politik, sie wurden aber noch durch Fehlmaßnahmen verschärft, so daßdas Land durch eigentliche Rettungsmaßnahmen noch mehr in die Misere reingezogen wurde. Konflikte unter den Stämmen, sowie Unterdrückung einzelner Stämme, wie sie in anderen Ländern Afrikas zu finden sind, haben keine Rolle in der Politik gespielt, die Ghanaer scheinen, trotz ihres Stammeswesens, eher eine koloniale Mentalität angeeignet zu haben. Interessant ist auch, das die Häuptlinge nach der Unabhängigkeit ihre politische Rolle verloren, die Politik wurde von den Gebildeten bestimmt, die Stammesfürsten zogen sich aus der allgemeinen Politik des Landes zurück.

Die Faktoren, die in der Politik eine Rolle spielten, sind teilweise miteinander verbunden, die Dominanz der Wirtschaftsfaktoren ist aber nicht zu übersehen, Ghana ist also ein Land, das durch Mißwirtschaft, unter der Ideologie des Sozialismus, seinen Ruf als Musterland verloren hat, und in den letzten vierzig Jahren dem einstigen Wohlstand hinterherlief, wobei es den jeweils Herrschenden nicht gelang, die wirtschaftliche Lage zu verbessern. In Ghana spielen weniger Ethnizitäten eine Rolle, als die wirtschaftliche Versorgung. Es scheint, als sei das Land zu stark vom Kolonialismus geprägt, und das Nationalgefühl zu großals das die traditionellen Faktoren eine große Rolle spielen könnten.

8. Literaturverzeichnis

- AGYEMAN, Dominic Kofi: ,,Erziehung und Nationwerdung in Ghana"; München, 1973.
- ANSPRENGER, Franz; TRAEDER, Heide; TETZLAFF, Rainer: ,,Die politische Entwicklung Ghanas von Nkrumah bis Busia"; München, 1972.
- BOHLE, Hans - Georg (Hrsg.); HOLTKAMP, Thomas: ,,Dezentralisierung und Partizipation in Ghana"; Saarbrücken, Fort Lauderdale, 1993.
- EDUSA - EYISON, Ebenezer Odo: ,,Ghana: Eine kritische Darstellung der Versuche, die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme zu lösen (von Nkrumah bis Acheampong), und eigene Lösungsvorschläge"; Heidelberg, 1981.
- FRIEDRICH EBERT STIFTUNG; THOMI, Walter: ,,25 Jahre Ghana: zum Prozeßder Dekolonisation und Staatsbildung in Schwarzafrika"; Bonn, 1983.
- NKRUMAH, Kwame: ,,Schwarze Fanfare: Meine Lebensgeschichte"; München, 1958.
- SCHMIDT - KALLERT, Einhard: ,,Perthes Länderprofile: Ghana"; Gotha, 1994.
- SIEBOLD, Thomas: Ghana 1957 - 1987: ,,Entwicklung und Rückentwicklung, Verschuldung und IWF Intervention"; Hamburg, 1988.
- STATISTISCHES BUNDESAMT (Hrsg.): ,,Länderbericht Ghana"; Wiesbaden, 1994.
- TETZLAFF, Rainer: ,,Ghana: Fehlgeschlagene Versuche der Befreiung" in: GROHS, Gerhard; TIBI, Bassam (Hrsg.): ,,Zur Soziologie der Dekolonisation in Afrika"; S. 219 - 264; Frankfurt a. M., 1973.
.- VON ZEDLITZ, Albrecht: ,,Ethnisch - nationale Integration und Erziehung in Ghana: Ethnische und nationale Einstellungen unter den Fante, Asante, Dagbamba und Ewe"; Hohenschäftlarn, 1984.

[...]


1 vgl. Ansprenger, S. 8

2 vgl. Siebold, S. 5 - 6

3 vgl. Schmidt - Kallert, S. 39-40

4 vgl. Edusa - Eyison, S. 11 ff

5 vgl. Schmidt - Kallert, S. 23 f

6 vgl. ebenda, S. 41

7 vgl. ebenda, S. 41-43

8 vgl. Ansprenger, S. 16

9 vgl. ebenda, S. 20-21

10 vgl. Tetzlaff, S. 229

11 vgl. Ansprenger, S. 22-23

12 vgl. Schmidt - Kallert, S. 39-40

13 Ansprenger, S. 20

14 vgl. Siebold, S. 5

15 vgl. Tetzlaff, S. 243 -249

16 vgl. Ansprenger, S. 39 - 40

17 vgl. ebenda

18 vgl. Tetzlaff, S. 241

19 vgl. Siebold, S. 5

20 vgl. Agyeman, S. 190 - 191

21 Eisenbahn- und Hafenarbeiter hatten ohne Einverständnis der Gewerkschaft (TUC) gegen Preissteigerungen demonstriert

22 vgl. Ansprenger, S. 52 ff

23 vgl. Tetzlaff, S. 241 - 242

24 einen Staat, dem man etwas verdankt, kann man eher akzeptieren

25 Edusa - Edyison, S. 187 f

26 vgl. Schmidt - Kallert, S. 43 - 45

27 Program of the CPP for Work and Happines zitiert in: Tetzlaff, S. 234

28 vgl. Schmidt - Kallert, S. 45 - 46

29 vgl. Siebold, S. 5

30 vgl. Ansprenger, S. 68 - 72

31 vgl. ebenda, S. 81 - 82

32 vgl. ebenda, S. 89 ff

33 bestehend aus dem führenden Armee- und dem führenden Polizeioffizier der Region

34 Ansprenger, S.104

35 Vorsitzender des Kuratoriums war Dr. Busia

36 vgl. Ansprenger, S. 97 - 103

37 vgl. Siebold, S. 6

38 vgl. Schmidt - Kallert, S. 46 - 48

39 vgl. Ansprenger, S. 132 - 192

40 vgl. ebenda, S. 218

41 vgl. ebenda, S. 223 - 225

42 vgl. Schmidt - Kallert, S. 48

43 vgl. ebenda

44 vgl. Ansprenger, S. 225 - 228

45 vgl. Thomi, S. 31

46 vgl. ebenda, S. 31 - 39

47 vgl. ebenda, S. 39 - 41

48 vgl. ebenda, S. 42 - 44

49 vgl. Schmidt - Kallert, S. 50

50 vgl. ebenda, S. 51

19 von 19 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte des Landes Ghana nach Erlangen der Unabhängigkeit 1957
Autor
Jahr
1999
Seiten
19
Katalognummer
V95192
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Geschichte Ghanas nach der Unabhängigkeit 1957, In dieser Arbeit sollder Schwerpunkt auf den Anfängen des Landes Ghana liegen, mit einer Untersuchung der Regierungszeit des CPP (Conventions People´s Party) von 1957-1966, unter ihrem charismatischen Führer Kwame Nkrumah, ferner soll, als ein Vergleich, dieÜbergangszeit unter dem NLC (National Liberation Council) 1966-1969 und die demokratische Regierung der Progressive Party von 1969 bis Anfang 1972 unter Kofi Busia, einem früheren Widersacher Nkrumah, untersucht werden..
Schlagworte
Ghana
Arbeit zitieren
Sven Kittelmann (Autor), 1999, Die Geschichte des Landes Ghana nach Erlangen der Unabhängigkeit 1957, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95192

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