Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, das Mediennutzungsverhalten in der Coronakrise in Österreich mithilfe empirischer, qualitativer Interviews zu beleuchten. Es ist sowohl für die Gesellschaft als solches, aber auch für die sendenden Medienanstalten wichtig zu wissen, wie sich das Mediennutzungsverhalten in Krisenzeiten, besonders im aktuellen Aspekt der Coronakrise äußert. Dabei ist dies für die zukünftige strategische Ausrichtung als auch der Programmplanung unumgänglich. Daraus soll der Nutzen gezogen werden, dass mit der Beantwortung der folgend gestellten Forschungsfrage mögliche Perspektiven für Public Value in der Zeit nach Krise herausgearbeitet werden: Inwiefern beeinflusst die Coronakrise das Mediennutzungsverhalten von öffentlich-rechtlichen Inhalten in Österreich?
Daraus resultiert die Subforschungsfrage: Welche Finanzierungsmethoden für Medieninhalte werden bevorzugt?
Als Methode zur Beantwortung der gestellten Forschungsfragen wurde die Form von qualitativen Interviews gewählt. Zusätzlich sollen die aus den Interviews gewonnen Erkenntnisse anhand einer Literaturarbeit theoretisch verortet werden. Ein genauer Überblick über die Erhebung wird in weiterer Folge in Punkt fünf gegeben.
Gerade in Zeiten wie diesen, inmitten der COVID19-Pandemie, weltweiten Lockdowns und Ausgangsbeschränkungen scheint eine unabhängige, freie Berichterstattung wichtiger als je zuvor. Im März 2018 stimmten die Schweizerinnen und Schweizer im Rahmen einer Volksabstimmung darüber ab, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk SRG und in weiterer Folge seine Finanzierung abgeschafft werden soll. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich diese Diskussion auch über Deutschland und Österreich bzw. intensivierte Diese.
Noch nicht allzu lange ist es her, als sich ein österreichischer Politiker, damals noch Mitglieder der amtierenden Bundesregierung, mit einem öffentlich-rechtlichen Journalisten ein breites, mediales Gefecht lieferte. Der Streit endete vor Gericht: Damit ist die Debatte über die Inhalte und die Notwendigkeit eines öffentlich-rechtlichen Senders und der Public Value auch wieder in der breiten Masse in Österreich angekommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einführung in das Forschungsproblem
3. Forschungsziel
3.1 Forschungsfragen
4. Agenda Setting & Public Value
4.1 Agenda Setting Ansatz
4.1.1 Medienagenda vs. Publikumsagenda
4.2 Wirkungsverläufe in der Medienwirkungsforschung
4.2.1 Kumulationsmodell
5. Methodik & Auswertung
5.1 Interviews, Setting & Auswertung
5.2 Ergebnisse der Analyse
5.3 Resümee
6. Beantwortung der Forschungsfragen
7.1 Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Mediennutzungsverhalten der österreichischen Bevölkerung während der COVID-19-Pandemie mit besonderem Fokus auf öffentlich-rechtliche Medienangebote. Ziel ist es, mithilfe qualitativer Interviews zu eruieren, inwiefern die Krise das Informationsverhalten beeinflusst, welche Erwartungen an den Journalismus gestellt werden und wie Rezipienten zu unterschiedlichen Finanzierungsmodellen für Medieninhalte stehen.
- Rolle und Bedeutung des Public Value in Krisenzeiten.
- Theoretische Verortung durch den Agenda-Setting-Ansatz.
- Empirische Analyse des Mediennutzungsverhaltens während der COVID-19-Pandemie.
- Einstellung der Rezipienten zu GIS-Gebühr, Werbung und alternativen Finanzierungsmodellen.
- Qualitative Auswertung von Experten- und Anwenderinterviews.
Auszug aus dem Buch
5.1 Interviews, Setting & Auswertung
Die Probandinen und Probanden wurden innerhalb des persönlichen Bekanntenkreises unter betracht des entsprechenden Quotenplans ausgewählt. So konnte eine breite Abbildung der unterschiedlichen Bildungsgrade sowie Alterstaffeln erreicht werden. Die tatsächliche Interviewführung gestaltete sich insofern als schwierig, als dass die Interviews selbst mit den Probandinnen und Probanden via Skype, Zoom, Face Time und anderen Hilfsmitteln geführt wurden. Diese Problematik gründet jedoch hauptsächlich in der Aktualität der Forschung, wurden doch die Interviews inmitten der COVID-19 Pandemie und dem zum Zeitraum der Interviews in der Feldzeit von 02. bis 13. Mai 2020 geführt, in der das Kontaktverbot mit nicht im eigenen Haushalt lebenden Personen bestand.
Wie auf dem folgenden Quotenplan ersichtlich wurden innerhalb der an diesem Forschungsthema arbeitenden Gruppe gesamt sechs Interviews, jeweils zwei pro Person geführt. Die durchschnittliche Interviewdauer lag bei 29 Minuten. Vor Beginn jedes Interviews wurde die Probandin oder der Proband selbstverständlich auf das Aufnahmegerät hingewiesen und um das Einverständnis und eine Datenverarbeitungserlaubnis gebeten. Den Interviewten wurde ein kurzer Überblick über das Thema des Interviews und eine grobe Zeitangabe gegeben. Außerdem wurden sie auf die Anonymität und den vertraulichen Umgang mit ihren Angaben und Daten hingewiesen. Die Interviewten sollten so frei wie möglich antworten, es war jedenfalls ein Anliegen, das jeweilige Interview so zu steuern, dass es nicht in Belangloses, bzw. für die vorliegende Forschung unwichtiges abdriftet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Relevanz unabhängiger Berichterstattung in Krisenzeiten wie der COVID-19-Pandemie und bettet die Debatte über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und dessen Public Value in einen aktuellen gesellschaftlichen Kontext ein.
2. Einführung in das Forschungsproblem: Dieses Kapitel definiert den Begriff Public Value und erörtert die gesellschaftlichen Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich, insbesondere im Spannungsfeld zwischen dualem Rundfunksystem und werbefinanzierter Marktkonkurrenz.
3. Forschungsziel: Das Kapitel erläutert das Ziel der Arbeit, das Mediennutzungsverhalten in der Coronakrise empirisch zu erfassen, um daraus Erkenntnisse für die zukünftige Programmplanung und strategische Ausrichtung zu gewinnen.
4. Agenda Setting & Public Value: Hier wird der theoretische Rahmen aufgespannt, indem der Agenda-Setting-Ansatz erläutert und die Rolle der Medien bei der Konstruktion der sozialen Realität sowie die Bedeutung des Kumulationsmodells für die Themenwahrnehmung des Publikums dargelegt werden.
5. Methodik & Auswertung: Dieses Kapitel beschreibt den Einsatz qualitativer, leitfadengestützter Interviews als Forschungsmethode sowie deren Durchführung und systematische Auswertung mittels der Methode nach Mayring.
6. Beantwortung der Forschungsfragen: Die Ergebnisse der empirischen Erhebung werden zusammengefasst, um die Forschungsfrage nach dem veränderten Mediennutzungsverhalten sowie die Subforschungsfrage nach präferierten Finanzierungsmethoden zu beantworten.
Schlüsselwörter
Public Value, COVID-19-Pandemie, Österreich, öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Agenda Setting, Mediennutzung, Medienwirkungsforschung, Kumulationsmodell, GIS-Gebühr, Qualitätsjournalismus, Medienvertrauen, Finanzierungsmodelle, qualitative Inhaltsanalyse, Medienkonsum, Krisenkommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert, wie sich das Mediennutzungsverhalten der Österreicher während der COVID-19-Pandemie verändert hat und welche Rolle öffentlich-rechtliche Medien in dieser Zeit als Informationsquelle und Public-Value-Dienstleister spielen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung durch den Agenda-Setting-Ansatz, die Bedeutung von Public Value im dualen Rundfunksystem sowie die empirische Untersuchung von Nutzerpräferenzen in Krisenzeiten.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das primäre Ziel ist es, durch qualitative Interviews aufzuzeigen, wie Rezipienten die Berichterstattung während der Coronakrise bewerten und welche Erwartungen sie an die Finanzierung und Qualität öffentlich-rechtlicher Medien stellen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor verwendet einen qualitativen Forschungsansatz. Dabei wurden leitfadengestützte Interviews geführt und die gewonnenen Daten anschließend mittels deduktiver qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Verortung von Agenda Setting und Public Value, der methodischen Vorgehensweise bei der Datenerhebung sowie der anschließenden Interpretation der Interviewergebnisse hinsichtlich Mediennutzung und Finanzierungsakzeptanz.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Charakterisierende Begriffe sind unter anderem Public Value, Mediennutzung, Agenda Setting, COVID-19-Pandemie und GIS-Gebühr.
Wie bewerten die Probanden die Finanzierung durch die GIS-Gebühr?
Die Interviews ergaben, dass die GIS-Gebühr bei den Befragten grundsätzlich akzeptiert wird, solange sie als notwendiges Finanzierungsinstrument für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wahrgenommen wird.
Welchen Einfluss hat die Coronakrise auf die Nutzung öffentlich-rechtlicher Medien?
Die Studie zeigt, dass die Krise zu einer erhöhten Aufmerksamkeit für öffentlich-rechtliche Nachrichtenformate geführt hat, da diese als besonders vertrauenswürdige Informationsquellen während der Ausgangsbeschränkungen wahrgenommen wurden.
- Arbeit zitieren
- Christian Marx (Autor:in), 2020, Der Public Value der öffentlich-rechtlichen Medien in Österreich während der Coronakrise. Der Einfluss auf das Nutzungsverhalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/952080