Die Neue Sachlichkeit


Hausarbeit, 2000

8 Seiten


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INHALTSVERZEICHNIS

1. Ein historischer Überblick *
1.1. Deutschland zwischen 1918 und 1945 *

2. Die Literatur *
2.1. Zeit *
2.2. Unterschied zum Expressionismus: *
2.3. Idee der Neuen Sachlichkeit: *
2.4. Hauptströmungen der Neuen Sachlichkeit: *
2.4.1. Politisierung *
2.4.2. Vaterländische Literatur *
2.4.3. Sozialistischer Realismus *
2.4.4. Zivilisationskritik *

3. Werke und Autoren *
3.1. Ein Beispiel für einen Autor der Neuen Sachlichkeit: "Bertolt Brecht" *

1. Ein historischer Überblick

1.1. Deutschland zwischen 1918 und 1945

- Es war eine Zeit der großen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Änderungen und Erschütterungen: zwei Weltkriege und der Zusammenbruch mehrerer Systeme:
- das Kaiserreich (das Deutsche Reich) 1918,
- die Weimarer Republik 1933,
- die Nazidiktatur (von den Nazis "Drittes Reich" genannt) 1945.
- Die Weimarer Republik (1919-1933).
- Die Weimarer Republik war die erste demokratische Republik im deutschen Raum, aber die Republik hatte vom Anfang an viele Probleme:
- Ein verlorener Krieg mit einem Friedensvertrag (der Versailler Vertrag, 1919), der für Deutschland sehr schlecht war.
- Eine Zeit der Megainflation (1922-23).
- Die Weltwirtschaftskrise, die in Deutschland viel schlimmer war als in anderen Nationen (6 Millionen Arbeitslose).
- Viele Menschen waren mit der Republik unzufrieden, weil ihre Politiker die Probleme der Zeit nicht lösen konnten. Man sagte, die Weimarer Republik sei eine "Republik ohne Republikaner", weil so wenig Menschen an sie glaubten.
- Die radikalen politischen Parteien wurden immer populärer: Arbeiter gingen zu den Kommunisten (KPD = Kommunistische Partei Deutschland), die Kleinbürger gingen zu den Nationalsozialisten (NSDAP = Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei). Beide Parteien kämpften gegen die Republik und gegen einander.
- Der Kampf, zum Teil auf der Straße, der linken und rechten Extreme brachte das Land fast zum Bürgerkrieg, aber er brachte auch eine tiefere Verachtung der demokratischen Republik.

Der Nazistaat.

Im Januar 1933 wurde Hitler Kanzler, und er begann einen totalitären Staat: alles wurde kontrolliert.

Er begann auch sofort die Verfolgung

- der Juden,
- aber auch der Homosexuellen,
- der Zigeuner,
- der Kranken,
- und der politischen Gegner.

Viele Menschen (unter ihnen viele Künstler) verließen Deutschland; sie gingen ins Exil, weil sie gegen Hitler waren, auch weil sie Juden waren. Viele Schriftsteller erlebten persönliches Leid, Not und Fremdheit in der Emigration.

2. Die Literatur

In der Literatur dieser Zeit gab es noch den Expressionismus, aber ab dieser Zeit hat man keine einheitlichen Bewegungen mehr. Man sprach 1925-1930 von der Neuen Sachlichkeit, aber sie war eigentlich keine richtige Bewegung. Auch gab es Schriftsteller, die in keine Gruppe paßten, wie Bertolt Brecht und viele andere Kunstbewegungen.

2.1. Zeit

Die neue Sachlichkeit ist eine literarische Strömung im Deutschland der Zwischenkriegszeit, sie beginnt in den frühen 20er Jahren aufzukeimen, der Beginn der Epoche hängt mit dem Datum zusammen, an dem die Sachlichkeit in der Wirtschaft wieder hergestellt wurde: die Einführung der Rentenmark am 15.11.1923. Die Ernüchterung in der Literatur scheint eine Folge dieses für die Volkswirtschaft bedeutenden Ereignisses zu sein. Das Ende dieser Epoche ist nicht so genau abzustecken, jedoch mit der Nazi - Diktatur und dem 2. Weltkrieg beginnt diese Stilepoche langsam abzuklingen.

2.2. Unterschied zum Expressionismus:

Die Neue Sachlichkeit ist eine Reaktion auf den Expressionismus, in einigen Belangen ist ihm die neue Sachlichkeit sogar ähnlich. Die Grenze zwischen der neuen Sachlichkeit und dem Expressionismus ist manchmal schwimmend, da viele neusachliche Werke oft auch expressionistische Züge haben. Dies liegt daran, daßviele Schriftsteller der neuen Sachlichkeit wie Brecht, Toller oder Piscator vorher Expressionisten gewesen waren, die sich auf der Suche nach literarischen Gattungen und Stoffen, die ein breiteres Publikum versprachen als der etwas schwer zugängliche Expressionismus der Neuen Sachlichkeit zuwandten.

Im Unterschied zum Expressionismus, der den subjektiven Gefühlsausdruck, das Irrationale und das Idealistische betonte, wollte man in der Literatur der neuen Sachlichkeit die Fakten einer gesellschaftlichen Situation zeigen, wie sie waren, ohne Kommentar, ohne Subjektivität, und ohne eine offensichtlich erkennbare Politik.

Trotz der Objektivität ihrer Werke verlagerten viele Autoren die im Expressionismus begonnene Suche nach dem "neuen Menschen" in die politische Aktion: sie näherten sich hauptsächlich den Parteien mit utopischen Programmen an, vor allem dem Marxismus, jedoch teilweise auch dem Nationalsozialismus.

2.3. Idee der Neuen Sachlichkeit:

Die Idee hinter der Neuen Sachlichkeit: In einer demokratischen Gesellschaft sollte man die Bürger entscheiden lassen, was man gegen gewisse Mißstände tun sollte. Dazu mußdieser natürlich dementsprechend wachgerüttelt und informiert werden. Man wollte, indem man die Realität so beschrieb wie sie wirklich war, ohne Übertreibungen oder Beschönigungen, ein "Skandal der Fakten" verursachen, und dadurch schlechte Zustände in der Gesellschaft ändern, so ähnlich wie es auch im Naturalismus war, jedoch auf eine etwas fortschrittlichere, modernere, wenig übertriebenere Weise.

Die neue Sachlichkeit beruht vor allem auf den neuen Erkenntnissen, die aus verschiedenen Ideologien, aufgestellt von den größten Denkern des frühen 20.Jahrhunderts, (u.a. Marx, Einstein und Freud) entstanden. Von diesen ausgehend, wollen die Autoren der neuen Sachlichkeit in ihren Werken die Wirklichkeit "sachlich" (objektiv und realistisch) darstellen. Literarisch interessierten sich die eher tatsachenorientierten Autoren der neuen Sachlichkeit mehr an neuen Stoffen und deren Aussagemöglichkeit und weniger an formalen Experimenten wie im Expressionismus oder Dadaismus.

2.4. Hauptströmungen der Neuen Sachlichkeit: 2.4.1. Politisierung

Die Politisierung der Literatur ist eines der wesentlichen Kennzeichen der Neuen Sachlichkeit. Fragen der Politik und der Volkswirtschaft waren in hohem Maße Anlaßfür literarische Bestätigung, und die deutsche Politik seit 1933 (NSDAP) störte den Literaturbetrieb nicht nur, sondern zerstörte ihn. In den 20er Jahren hatten sich die Fronten der Kommunisten und Sozialisten gebildet, und wer unentschieden oder ermäßigt war, wurde von der einen oder anderen Seite von sich in Anspruch genommen. Ein Merkmal der nationalsozialistischen Politisierung war die systematische Eliminierung aller jüdischen Literatur und sämtlicher Literatur, die Kritik am NS-System übte, was viele Schriftsteller (z.B. Alfred Döblin, Thomas und Heinrich Mann, ...) in die Emigration trieb. Die Literatur wurde auf die nationalistische Richtung beschränkt und so sehr stark geschädigt.

2.4.2. Vaterländische Literatur

Die vaterländische Literatur ist ein Erbe aus der Kaiserzeit. Sie entstand aus einer Gesinnung, die z.B. Heinrich Mann schon um 1914 parodierte. Die Zeit zwischen den Weltkriegen war gekennzeichnet durch ein "antidemokratisches Denken". Die Mehrheit der Bevölkerung trauerte der Monarchie nach wünschte sich eine starke Führung durch einzelne. Literarisch wirksam ist das in Werken, in denen sich die Kraft des germanisch-kernhaften Menschen bewährt, eine Art "Elitedenken", die in einer Führerideologie gipfelt.

2.4.3. Sozialistischer Realismus

Die Politisierung, welche die volkshafte Dichtung immer stärker in die einseitige Richtung des Nationalsozialismus drängte, war im sozialistischen Realismus von vornherein vorhanden, jedoch auf einer ganz anderen Seite, nämlich auf der des Marxismus - Kommunismus. Nach dem Marxismus-Leninismus spiegeln Kunst und Literatur die gesellschaftlichen Verhältnisse wider: im kritischen Realismus zeigen sie die Widersprüche und Mißstände in der bestehenden Gesellschaft auf, im positiven sozialistischen Realismus wird der revolutionäre Kampf der Arbeiterklasse und der sozialistische Aufbau beschrieben.

2.4.4. Zivilisationskritik

Durch das Aufkeimen sozial revolutionären Literatur erlebte auch die Zivilisationskritik einen gewaltigen Aufschwung. Schon kurz nach dem Ende des Krieges sahen viele die Ansätze zu neuen kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa auftauchen, hielten die Gesellschaft aber nicht bereit, sich dagegen zu wehren.

Sie warnten auf humorvolle, aber aufrüttelnde im Kabarett und in Zeitschriften vor den Gefahren der modernen Zivilisation, und zwar mit den dort gepflegten literarischen Gattungen wie Gedicht, Song, Sketch, Skizze und Satire.

3. Werke und Autoren

Einige sehr bekannte Werke der Neuen Sachlichkeit sind z.B. Heinrich Manns "Professor Unrat", Falladas "Kleiner Mann - was nun" und Remarques "Im Westen nichts Neues", jedoch auch die Satire begann in der Neuen Sachlichkeit an Bedeutung zu gewinnen, der mit Abstand bekannteste Vertreter dieser Stilrichtung ist Erich Kästner ("Konferenz der Tiere") und auch das Drama wurde nicht vernachlässigt (Brecht, Zuckermayer).

Die Neue Sachlichkeit (New Objectivity) (1925-1930). Obwohl es keine Gruppe von Schriftstellern gab, die sich zur Neuen Sachlichkeit zählten, kann man doch einige Ähnlichkeiten in den Werken mancher Schriftsteller, die man mit der Neuen Sachlichkeit identifiziert.

Die politischen Schriftsteller:

Es gab viele Schriftsteller, die durch ihre Werke ein politisches Ziel zu erreichen helfen wollten.

Manche, wie Bertolt Brecht und Heinrich Mann (1871-1950) standen auf der linken, andere, wie Ernst Jünger (geb. 1895), auf der rechten Seite in der Politik.

Die apolitischen Schriftsteller:

Es gab auch Schriftsteller, wie zum Beispiel Thomas Mann und Robert Musil (1880-1942), die sich meistens aus der Politik hielten und versuchten, "reine, hohe Literatur" zu schreiben.

Andere haben gesellschaftskritische Werke geschrieben, die keine klaren politischen Ziele hatten, wie zum Beispiel Ödon von Horvath (1901-1938).

Die Exilliteratur (1933-1945):

Die Schriftsteller, die Deutschland wegen der Verfolgung der Nazis verlassen mußten, schrieben im Ausland weiter. Die meisten schrieben auf deutsch, manche lernten und schrieben in der Sprache ihrer Exilländer.

Für die Emigranten waren die wichtigsten Themen:

Die Schuld am Zweiten Weltkrieg.

Die Mitverantwortung für das Unrecht, das in Deutschland in der Nazizeit passierte.

Das Versagen der idealistischen Kultur angesichts der Brutalität der Nazis.

Die Perfektion des Verbrechens der Nazis.

In dieser Zeit überdachte man auch die traditionellen Literaturformen. Der Roman und das Drama waren die wichtigsten Genres, die überdacht und zum Teil geändert wurden. Das war nicht nur in Deutschland so, sondern in der ganzen westlichen Welt. (Beispiele: James Joyce in Großbritannien, Marcel Proust in Frankreich, Luigi Pirandello in Italien, John Dos Passos in den USA, usw.) Besonders wichtig in der deutschen Literatur in dieser Hinsicht waren Thomas Mann und Robert Musil.

3.1. Ein Beispiel für einen Autor der Neuen Sachlichkeit: "Bertolt Brecht"

Brecht wurde 1898 in Augsburg geboren und ist 1956 in Berlin gestorben. Er schrieb früh Verse und veröffentlichte schon 1914 seine ersten Werke. Er studierte Medizin und war Sanitäter im Ersten Weltkrieg. Seine ersten Dramen schrieb er nach dem Krieg in München, und um 1926 ging er nach Berlin, wo er dann große Erfolge hatte, zum Beispiel mit der Dreigroschenoper (1928).

Wegen Hitler mußte Brecht 1933 Deutschland verlassen. Er floh nach Prag und Wien, dann in die Schweiz, später nach Paris, Italien, dann fuhr er über Rußland nach Kalifornien, wo er in Santa Monika lebte. Über Amerika schrieb er böse Analysen, die er aber nicht veröffentlichte. Mit Charlie Chaplin war er befreundet, und er übernahm manches aus Chaplins Filmen in seine Dramen. Die Erstaufführung seines Dramas Galileo mit dem berühmten Schauspieler Charles Laughton in der Hauptrolle fand in Beverly Hills statt.

Nach dem Krieg hatte er Probleme mit der House Unamerican Activities Committee, weil die Mitglieder des Ausschußes glaubten, er sei Kommunist, und man suchte Kommunisten in Hollywood. Er mußte vor dem Ausschußaussagen, aber er sagte nur wenig, gab an, kein Englisch zu sprechen. Während sein Fall besprochen wurde, floh er in die Schweiz.

Wegen seiner sozialistischen Ideen erlaubte man ihm nicht, in die Bundesrepublik einzureisen, und er ging dann in die DDR, wo er bis zu seinem Tod lebte. In Berlin gründete er zusammen mit seiner Frau Helene Weigel das Berliner Ensemble.

Brechts Marxismus lag in der Idee der Veränderung der Veränderung, d.h. in der Dialektik. Er meinte, alles sollte immer in Bewegung sein, diskutiert und verbessert werden. Man sollte immer weitersuchen und weiterdenken. Er glaubte an

- die Notwendigkeit der sozialistischen Revolution;
- die Macht der Vernunft;
- die heraufkommende neue Zeit.

In den 20iger und frühen 30iger Jahren schrieb Brecht viele kommunistische Lehrstücke, wie zum Beispiel Die Maßnahme (1926). Er schrieb sie, weil er glaubte, das Theater sei ein Mittel zur politischen Aufklärung der proletarischen Massen. Das Theater soll revolutionäre Verhältnisse demonstrieren, auch soll man diese Themen auf der Bühne diskutieren. Das Theater hatte das Ziel zu lehren.

In diesen Stücken ist das Individuum weniger wichtig als die Masse, und das Individuum mußlernen, sich der Masse zu fügen. Es gab eine absolute Unterordnung des Einzelnen unter die Idee der sozialistischen Revolution, ja der Einzelne wurde sogar ausgelöscht. Später schrieb er Stücke, die weniger politisch waren, d.h., sie hatten doch noch immer eine klare ideologische Linie, aber diese war nicht so vordergründig wie in den früheren Werken.

Um seine Ziele zu erreichen, entwickelte Brecht Theorien über das Drama und das Theater, die für seine Werke, aber auch für das Theater des 20. Jahrhunderts von großer Bedeutung waren. Brecht und seine Ideen beeinflußten viele der wichtigsten Dramatiker unserer Zeit.

8 von 8 Seiten

Details

Titel
Die Neue Sachlichkeit
Autor
Jahr
2000
Seiten
8
Katalognummer
V95218
Dateigröße
369 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neue, Sachlichkeit
Arbeit zitieren
Hatice Dilek Özden (Autor), 2000, Die Neue Sachlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95218

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