Almwirtschaft und Schwaighöfe - ein Vergleich


Seminararbeit, 1998
22 Seiten

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Inhaltsverzeichnis

i. Vorwort

ii. Inhaltsverzeichnis

1. Almwirtschaft
1.2. Almwirtschaft allgemein
1.3. Besitzverhältnisse
1.4. Die Almweide
1.5. Vorbereitungen zur Almauffahrt
1.5.1. Das Aufsammeln
1.5.2. Die Pflege des Viehs vor der Almauffahrt
1.6. Die Almauffahrt
1.7. Der Almabtrieb
1.8. Das Almpersonal
1.9. Almgebäude
1.10. Almsiedlungen

2. Schwaighöfe
2.1. Schwaighöfe allgemein
2.2. Grundzins
2.3. Bedeutung der Schwaighöfe
2.4. Größe der Schwaighöfe

3. Abschließend

4. Literaturverzeichnis

i. Vorwort

In meiner Arbeit habe ich, als völliger Laie der Bergbauerngesellschaft, -wirtschaft und des bäuerlichen Lebens in alpiner Region, versucht einen Überblick über das Leben und die Normen des bäuerlichen Lebens im Gebiet des heutigen Österreich zur Zeit des Mittelalters zu geben. Dabei habe ich mich vor allem auf die Gebiete Tirols und des Landes Salzburg spezialisiert und hier ins Besondere auf die Regionen des Brennergebietes, auf das Ötztal, das Zillertal und das Stanzertal.

Auf besondere Probleme bin ich bei der Erforschung der Schwaighöfe gestoßen. Das Quellenmaterial, das mir hier zur Verfügung stand war äußerst knapp, da Standardwerke, wie das von Stolz nicht einmal über Fernleihe zur Verfügung gestellt werden konnten. Die genauere Beschäftigung mit alpiner Tradition, mit Problemen und dem täglichen Leben eines Bergbauern zur Zeit des Mittelalters hat mit großen Einblick in die Lebensgewohnheiten der Menschen allgemein in dieser Zeit gegeben. Der Hang zur Tradition, der bis zum heutigen Tag in kaum einer Gesellschaftsgruppe so ausgeprägt ist, erfährt in dieser Zeit seinen Ursprung. Der harte Kampf ums Überleben jeden Winter, die enge Beziehung zum Vieh haben den Bauernstand durch die Jahrhunderte geprägt, und die Bergbauern prägten wiederum die Natur. Ein Kreislauf den ich besonders faszinierend fand.

1. Almwirtschaft

1.1. Almwirtschaft allgemein

Almen sind nicht etwa Einrichtungen des Mittelalters oder der frühen Neuzeit. Almen gab es bereits in der Antike und sie existieren heute noch in Österreichs Bergen. Eine Alm ist eine landwirtschaftliche Institution oberhalb der Waldgrenze gelegen, die nur während der Sommermonate aktiv und ein Teil eines im Tal gelegenen Bauernhofes ist. Unter Almwirtschaft „verstehen wir nicht die gesamte Wirtschaft in den Alpenländern, sondern die Viehwirtschaft in der Almregion, also der im Gebirge vorwiegend oberhalb der klimatischen Waldgrenze gelegenen Pflanzenregion. Diese Nutzung ist zeitlich nur während der schneefreien wärmeren Jahreshälfte möglich und geschieht vornehmlich durch Beweidung , dann z. T. auch durch Heugewinnung.“1

R. Sieger geht in seiner Interpretation von Almwirtschaft noch weiter und definiert Almwirtschaft als Teil eines tiefer gelegenen Hofes. Sieger bezeichnet Almen als „jene Grundstücke im Gebirge, die während der günstigen Jahreszeit dem aufgetriebenen Vieh durch Beweidung Nahrung bieten und getrennt von den tiefer gelegenen Heimgütern bewirtschaftet werden, jedoch in einem organisatorischen Zusammenhang mit diesen stehen.“2

Die Tatsache, daß Almen auf Gebirgsregionen beschränkt sind, läßt sich schon vom Wort selbst ableiten. „Alp“ ist vermutlich keltischen Ursprungs und verwandt mit dem lateinischen Wort „alpes“, was „Gebirge“ bedeutet. Unser heutiger Ausdruck „Alm“ leitet sich vom Mittelhochdeutschen „alben“ ab. Almen findet man also im Gebirge.3

Man darf jedoch nicht den Trugschluß ziehen, daß Almen auf den österreichischen oder bayrischen Raum oder etwa die Alpen beschränkt sind. Ganz ähnliche Formen finden sich unter anderem auch „im Jura, in den Vogesen, Karpathen, Pyrenäen, in Norwegen, in außereuropäischen Gebirgsgegenden, z. B. im Kaukasus oder bei den Normaden in Tibet vor.“4

Seit wann es die Almwirtschaft gibt ist schwer zu sagen. Anhand von Funden in höheren Gebirgsregionen versucht man die Almwirtschaft zu datieren. Pittioni weist darauf hin, daß es zur Zeit des Spätneolithikums wohl kaum Almwirtschaft in unserem Raum gegeben hat, fügt jedoch bei, daß während der Bronzezeit und Hallstadtzeit Almwirtschaft wahrscheinlich ist. In der Latenezeit kann die Existenz von Hochweidenutzung bereits durch historische Überlieferung bestätigt werden. Dabei mußten jedoch einige Kriterien erfüllt werden. Die Hochweide mußte leicht zugänglich sein und nicht allzu weit von der Siedlung im Tal liegen. Von einigen Forschern wird jedoch die Eindeutigkeit von Pittionis Objektfunden in Bezug auf die Datierung der Almwirtschaft bezweifelt. Man argumentiert, daß vereinzelte Funde, selbst wenn sie fern von Pässen und Handelsrouten sind, nicht Eindeutigkeit über die Existenz von Almwirtschaft liefern können. Weitaus bedeutendere Beweiskraft haben in diesem Zusammenhang die überlieferten Ortsnamen. Wopfners Forschungen an Namensüberlieferungen sieht im Vorkommen vordeutscher und sogar vorromanischer Flurnamen in Gebirgsregionen den klaren Beweis für die Hochweidenutzung in der Urzeit. „K. Finsterwalder (1934 / 23) bezeichnet folgende Almnamen als vorromanisch: Floite, Igente, Tulfer, Stillupe, Nofertens, Ertems.“5 Deutsch sind dagegen die Namen wie: Boden, Mahdberg, Örlach, Roßfall und Durri im Paznaun.6

Im Stanzertal etwa haben etwa 63% der Almen vorromanische und 37% deutsche Namen.7 Die Almwirtschaft, die also währemd der Urzeit beginnt, erlebt während des Mittelalters eine wahre Blütezeit. Erst in späterer Zeit wird die Almnutzung sehr stark eingeschränkt und viele Almen in ihrer Existenz bedroht. Erst 1920 reagiert man mit einem Gesetz gegen das Sterben der Almen. Das „Gesetz vom 29. Jänner 1920, wirksam für das Land Tirol, betreffend den Schutz der Alpen und die Förderung der Alpwirtschaft, LGB1. Nr. 81 (in der durch das Gesetz vom 26. Jänner 1923, LGB1. Nr. 7 bedingter Fasung) bestimmt im §1: ‚Alle Alpen müssen samt ihren notwendigen Einrichtungen erhalten und bewirtschaftet werden.‘8

Die Almregionen selbst entstanden natürlich ohne jegliches menschliche Zutun. Lawinenabgänge, die einen dichten Waldbewuchs verhinderten, hinterließen eine Schichte fruchtbaren Schlamm. Nach der Schneeschmelze im Frühjahr begünstigte dieser Schlamm den Pflanzenwuchs und somit auch den Wuchs der verschiedensten Futterkräuter. Ein weiterer sehr großer Vorteil war dazu noch, daß dem Menschen mühevolle Waldrodungen erspart blieben.

1.2. Lage der Almen

Im Allgemeinen liegen Almen oberhalb der Baumgrenze. Individuell ist ihre Höhenlage sehr unterschiedlich. So findet man vereinzelt Almwirtschaften schon ab 900 Metern. Dies ist jedoch keinesfalls die Norm. Die Mehrzahl der Almen liegen zwischen 1100 und 2500 Metern. Wichtigstes Kriterium für die Höhenlage ist zweifellos die Bodenbeschaffenheit und die Nähe zur Talsiedlung. So gibt es auch im Gebirge Abstufungen zwischen guten Almen, meist an Sonnenhängen mit Zugang zu Wasser und günstiger Hangneigung, und schlechteren Almen in unübersichtlichem Gelände und schlechterer Bodenbeschaffenheit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In höheren Regionen gibt es nur noch wenige9 Almen. Am Beispiel des Zillertals wird ersichtlich, daß etwa zwei Drittel aller Almen unter 2000 Meter liegen.

1.3. Besitzverhältnisse

Bei Almenwirtschaften können verschiedene Besitzverhältnisse auftreten. So kann die Alm im Besitz einer Einzelperson sein. In diesem Fall spricht man von einer Privatalm. Außerdem gibt es noch sogenannte Gemeinschaftsalmen, die mindestens zwei Besitzer haben. Die Organisationsform hier, ist so, daß es eine Weidegemeinschaft gibt, das Personal jedoch getrennt von den Besitzern gestellt wird. Einzig der Käser und der Putzer werden für die gesamte Alm eingestellt (näheres zu den Aufgaben der Käser und Putzer im Kapitel über das Almpersonal).

Eine dritte Besitzform der Alm ist die „Servitusalm“. Diese sind Eigentum des Staates oder Herrschers und haben Berechtigte, welche die Alm nutzen dürfen.

Die drei Besitzformen sind unterschiedlich stark ausgeprägt, eine Hauptzahl bilden hier jedoch die Privat- und die Gemeinschaftsalmen.

„Von der Gesamtzahl von 184 Almen sind:

81 Privatalmen

91 Gemeinschaftsalmen

2 Servitusalmen

1.4. Die Almweide

Die Almweide diente als sogenannter Fitmacher für die Nutztiere der Bauern. Man darf bei der Betrachtung von landwirtschaftlichen Wirklichkeit im Mittelalter nicht von heutigen Maßstäben ausgehen. Man muß sich vorstellen, daß während des Winters das Vieh in kleinen engen Stallungen mit wenig Licht und Frischluft eingesperrt waren. Auf der Alm wird das Vieh mit Frischluft und nährreichem Futter versorgt und zugleich für den Winter abgehärtet. Das Almenfutter ist deshalb so wertvoll, da die Futterbeschaffenheit im Gebirge anders ist. Der wesentliche Unterschied ist, daß die „Pflanze weniger Stengel und also auch weniger Rauhfaser hat. Die stärkere Bestrahlung regt eine vermehrte Erzeugung von Nährstoffen an, die das Almfutter besonders wertvoll machen.“10

1.5. Vorbereitungen zur Almauffahrt

1. 5.1. Das Aufsammeln

Das sogenannte Ausammla oder Aufsammeln bedeutet, daß der Almmeister vor der Almauffahrt gemeinsam mit dem Senn oder der Sennin zu jedem Bauern, der Vieh auf die Alm treibt, geht, und Lebensmittel für jede Kuh einsammelt, die dieser mit auf die Alm schickt.

Für das Gebiet des Stanzertals war dies „gewöhnlich für jede Kuh: zwei bis drei Eier, einen Brocken Fleisch oder Speck, einen Mötzen (etwa drei Kilogramm) Roggen, wenn vorhanden noch etwas Reis oder Breie (Rollgerste).“11 Außerdem gab man noch Salz mit. Es ist dies ein Brauch, der über das Stanzertal hinaus reicht und auch im Engadin und im Paznaun sehr verbreitet.

1. 5.2. Die Pflege des Viehs vor der Almauffahrt

Da das Vieh ja während der Wintermonate dicht im Stall gedrängt war und sich durch viel Bewegung nicht das Horn der Klauen abwetzen konnte, mußte der Bauer selbst vor dem Almauftrieb die Klauen reinigen und abstemmen. Dies geschah meist mit einem einfachen Stemmeisenn und nur im äußersten Notfall wurde ein Schmied mit dem „Schnarten“ beauftragt.

Außerdem wird das Vieh noch mit dem sogenannten großen Geläute behängt. Im Tal dagegen trägt es nur kleinere Schellen. Schmieden haben sich vielerorts auf das Anfertigen dieses Geläutes spezialisiert. Wozu war dies nun gut? Es machte den Hirten nicht nur auf eine herannahende Kuh aufmerksam, durch den Klang konnte er sein Vieh von fremdem Vieh unterscheiden.

Die großen Glocken wurden durch schön verzierte Lederbänder, die manchmal auch mit dem Namen des Bauern versehen waren, am Hals der Kuh befestigt.

Zum Schluß putzt der Bauer sein Vieh noch sorgfältig mit Bürste und Striegel.

Der große Aufwand der vor so einer Almauffahrt betrieben wurde, dokumentiert sehr anschaulich Stolz des Bauern an seinem Vieh und auch den Wert den dieses Vieh für den Bauern hatte. Das Vieh war für den Bauern nicht nur Nutzvieh und Lebensgrundlage, sondern auch ein Zeichen seines Ansehens und ein Prestigeobjekt.

1.6. Die Almauffahrt

Es ist schwer einen bestimmten Tag für die Almauffahrt festzulegen, da diese sehr stark von den Witterungsverhältnissen abhängig ist, und oft von Jahr zu Jahr verschieden war. Im Stanzertal begann die Almauffahrt der Kühe Mitte Juni. Während die Schafe und Ziegen schon Ende Mai und Anfang Juni aufgetrieben wurden.12

Ein beliebter Auftreibstag für das Großvieh war der Veitstag. Dies dokumentiert auch ein alter Spruch, der besagt:

„Veitstag bricht an,

Wo man auf d’Alm fahren kann.“13

Alleine am Beispiel des Zillertals kann man erkennen wie schwierig es ist einen Zeitpunkt für einen Almauftrieb festzulegen. Hier erstreckt sich der Auftriebszeitraum über drei Monate. Dies ist durch die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit der Gesteinszonen bedingt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Daraus kann man erkennen, daß im Gneisgebiet die14 Almen schon wesentlich früher belegt sind als im Schieferbergland. Dies erscheint einem fast paradox, wenn man von deren Lage ausgeht. Im Schieferbergland finden wir jedoch sogenannte Asten, die den Almen vorgelagert sind, und wo das Vieh bis in die Junimonate bleibt.

Ein zweites Kriterium das ausschlaggebend für den Zeitpunkt des Almauftreibs neben der Gesteinszone ist, ist die Höhenlage der Alm.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus dieser Tabelle kann man deutlich ablesen, daß15 in den niederen Höhenstufen bereits wesentlich früher mit dem Almauftrieb begonnen wurde. Am 20. Mai sind etwa in der Zone zwischen 900 und 1200 Metern bereits neuen von 11 Almen bewirtschaftet, wobei zu diesem Termin in einer Höhe von 1800 bis 2100 Metern erst ein Fünftel der Almen ihren Almauftrieb abgeschlossen haben.

In manchen Gebieten, wie etwa im Oberinntal herrschte auch der Aberglaube niemals an einem Mittwoch oder Freitag einen Almauftreib vorzunehmen, da diese Tage als Unglückstage angesehen wurden. Man kann erkennen wie abergläubisch, aber auch wie besorgt der Bauer um sein Vieh war. Um es besonders während des Sommers vor Unglück zu schützen, besprengt er es mit Weihwasser und gibt ihm geweihtes Salz. „Das Salz wird oft noch mit geweihten Sachen vermischt. Die Blumen und Kräuter, die am Hoacha (Maria Himmelfahrtstag) in die Kirche gebracht werden, werden nach vierwöchiger Aufbewahrung in der Diele mit den Händen zermahlt und die nun fertigen Habluama (Heublumen) dem Salz beigegeben.“16

Gelegentlich wurde auch warmes Pech, vermengt mit geweihten Sachen, hinter die Hörner der Tiere gegossen. Dies sollte das Vieh vor Steinschlag und anderen Unfällen beschützen. All diese verschiedenen abergläubischen Rituale bezeugen nicht so sehr den Hang der Bauern zu mystischen oder ungewöhnlichen Bräuchen, sondern ihre große Sorge um das Tier und dessen außerordentlich hohen Stellenwert.

Sobald der genaue Zeitpunkt für die Almauffahrt festgelegt wurde, konnte mit dem Auftrieb begonnen werden. Hierfür gibt es in den einzelnen Gegenden verschiedene Traditionen. Während man beispielsweise im Stanzertal das Vieh gemeinsam auftreibt, ist dies keineswegs die Norm in anderen Gemeinden, wo der Bauer das Vieh selbst auftreibt.

Die Almwirtschaft selbst beginnt sobald sich das Vieh auf der Alm befndet. Das Almpersonal selbst ist bereits vor dem Vieh auf der Alm. So macht man sich schon am Vortag auf den Weg mit Bettzeug und Kleidung ausgestattet. Neben den Gegenständen für den persönlichen Gebrauch muß außerdem noch die Gerätschaft für den Viehbetrieb vom Tal mitgenommen werden. Wichtigste Werkzeuge hierfür sind der Treibkübel, ein Sturzfaß, der Preßrührer und der Melkstuhl. Außerdem muß die Liegestätte hergerichtet und Vorbereitungen für das Vieh getroffen werden.

1.7. Der Almabtrieb

Während die Almauftriebstermine sich auf bis zu drei Monate erstrecken können, beschränkt sich der Almabtrieb auf zwei Monate. Die wichtigsten Termine des Abtriebes im Zillertal sind Michaeli, am 29. September und der Rosenkranzsamstag, der erste Samstag im Oktober.

Im Stanzertal war der Abtriebstermin der St. Matthäustag am 21. September. Bei schlechter Witterung oder etwa bei Futtermangel wird früher von der Alm abgefahren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus dieser Tabelle wird ersichtlich, daß im16 Schieferbergland sowie im Gneisgebiet des Zillertals an Michaeli bereits mehr als 70% der Almen bereits abgetrieben haben. Im Gneisgebiet beginnt man etwas später mit dem Almabtrieb, was man wiederum auf die schon weiter oben erwähnten Asten zurückführen kann.

Der Almabtrieb ist nicht so sehr gestaffelt wie der Almauftrieb, sondern beschränkt sich im Wesentlichen auf die zwei Termine im September beziehungsweise Oktober. Dies wird auch ersichtlich, wenn man die Abtriebstermine gestaffelt nach Höhenstufen betrachtet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Höhenstufen, die für den stark gestaffelten18 Almauftrieb ausschlaggebend waren, spielen beim Abtrieb des Viehs eine weniger große Rolle. Vielleicht war der Grund dafür die Angst vor einem plötzlichen Wintereinbruch, der ja dann das Leben von Mensch und Tier gefährdet hätte.

Bevor Mensch und Vieh ins Tal zieht, werden die Tiere noch einmal schön geschmückt. Besonders verziert wird die Kuh, welche die meiste Milch gegeben hat, und die Kuh, die durch Stoßen und Stechen alle anderen Kühe besiegen konnte. Als besondere Auszeichnung wird der Stechkuh die sogenannte Stechtafel um den Hals gehängt, und sie darf auch den Zug ins Tal anführen. Gefolgt wird sie schließlich von der Milchkuh, die mit einer Milchstafel geschmückt ist. Dieser Kopfschmuck den die Kühe tragen ist besonders schön und wird von den Hirten selbst mit viel Sorgfalt angefertigt.

Beispiele für einen Milchs- und Stechstafel aus dem Stanzertal (entnommen von A. Moritz)19

„Den Kopf des Stechstafel schmückt ein kunstvoll verfertigter Kranz mit zwei Spielhahnfedern, die einen Spiegel umrahmen.. Eine Ehrensache und gleichzeitig eine das ganze Kunstvermögen in Anspruch nehmende Angelegenheit der Hirten ist es, die Miniaturgefäße (Melkeimer, Melkstuhl, Seiher, Käseleiter, Treibkübel usw.) recht sorgfältig und schön zu schnitzen, die neben einem aus Baumzweigen und Almblumen bestehenden Kranz den Kopfschmuck des Milchstafel bilden.“20

Die Tiere tragen jedoch nur ihren Schmuck, wenn während der Sommermonate kein Vieh, sei es durch Absturz oder eines anderen Grundes, zugrunde gegangen ist. Dieser Brauch demonstrierte einmal mehr die tiefe Verbundenheit von Mensch und Tier, die nur dann feiern und stolz auf ihre Arbeit sind, wenn auch dem Tier nichts passiert.

Außer den beiden durch Stech- und Milchstafel geschmückten Kühen, werden noch einige andere gute oder besonders schöne Kühe mit Lederriemen verziert und ihnen werden sogenannte Sennschellen umgehängt.

Ist das Vieh mit Kränzen und Schellen geschmückt, kann der Almabtrieb beginnen. Dies war keinesfalls eine leichte Angelegenheit und man benötigte oft zusätzliche Hilfe aus dem Tal. Hinunter geführt wurde das Vieh vom Hirt, der selbst mit geschmücktem Hut vor seiner Herde schreitet.

Beispiel für einen Almabtrieb aus Landeck (entnommen von A. Moritz)21

1.8. Das Almpersonal

Das Almpersonal kann man als Fachpersonal bezeichnen. Gewöhnlich stammt das Almpersonal aus dem Wirtschaftshof des Tales. Generell kann man sagen, daß der Anteil der Männer größer ist als der der Frauen, Altersstufen sind alle vertreten. Bei den Arbeitskräften unterscheidet man zwischen den Hüter, Melker, Senner, Käser und Putzer. Wobei die Hüter gewöhnlich die jüngsten und die Putzer die ältesten Arbeitskräfte sind. Am besten bezahlt sind die Senner, die für die Erzeugung von Fettkäse verantwortlich sind. Die Melker sind für das Vieh dem Bauern verantwortlich. Meistens sind es auch deren Söhne oder zumindest Verwandte. Zu ihrem Aufgabenbereich zählt das Melken und Füttern der Kühe und sie sorgen auch für das Einstallen und misten die Stallungen aus. Auf manchen Almen sind Senner und Melker eine Person.

Der Hüter ist im Gegensatz zum Melker nur für das Galtvieh oder für die Schafe verantwortlich.

Die Putzer sind für die Instandhaltung und Pflege der Weide verantwortlich. Sie sorgen für die Bewässerung und halten Gräben instande. Weiters sammeln sie den Mist und verteilen ihn auf der Weide. Die Arbeit des Putzers ist wohl die umfangreichste und anstrengendste aller Arbeiten auf der Alm.

1.9. Almgebäude

Der Glaube, daß jede Alm nur durch eine Hütte im Gebirge definiert ist, ist schlichtweg falsch. Zwar weisen viele Almen eine oder manchmal auch mehrere Hütten auf, eine Alm kann jedoch auch „hüttenlos“ sein.

Das Aussehen von Almhütten ist sehr einheitlich und weist keine gravierenden Unterschiede auf. Unterscheidungskriterium ist lediglich die Wahl der Baustoffe. Auch hier gibt es keine große Bandbreite. Hauptbaumaterialien waren Holz und Stein.

Am Beispiel des Zillertals kann man deutlich erkennen, welche Baustoffe in welchen Höhenlagen bevorzugt wurden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Man kann deutlich erkennen, daß die Hütten 22 in Holzbauweise stark überwiegen. In den Hochlägern gibt es jedoch eine Tendenz zur Steinbauweise oder zumindest zu einer Kombination aus Holz und Stein. Der Grund dafür mag wohl darin liegen, daß Gestein in höheren Lagen vorhanden war - in größerer Menge als Holz und weil Steinbauten außerdem in der Nacht die Wärme länger speichern.

Die bevorzugte Bauweise bei Holzbauten ist die Blockbauweise.

Manche Almhütten weisen auch einen kleinen Keller auf. Dieser sogenannte „Käsekeller“ diente zur Aufbewahrung und Kühlhaltung des Käses. Diese Keller sind durchwegs aus Stein gemauert.

Auch für die Ställe trifft dasselbe zu. Ställe sind etwa aus Holz oder aus Stein erbaut. Auch hier überwiegt die Holzbauweise deutlich der Steinbauten. Manchmal werden die beiden Materialien auch kombinert.

Man unterscheidet generell zwischen Ställen für das Großvieh und Stallungen , die für das Galtvieh bestimmt sind. Gerade bei den Einstallungen für das Kleinvieh ist die Holzbauweise sehr dominant.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Am konkreten Beispiel des Zillertals wird23 ersichtlich wie beliebt die Holzbauweise bei Einstallungen war. Besonders in Höhenlagen wird jedoch auch bei Ställen in Höhenlage Holz mit Stein kombiniert. Auch hier glaube ich liegt die Begründung, daß Stein leicht verfügbar war, und man auch die Tiere nicht frieren lassen wollte.

1.10. Almsiedlungen

Neben einzelnen Hütten mit Stallungen gibt es auch Almsiedlungen. Diese bestehen gewöhnlich aus einer Zentralen Hütte und mehreren Stallungen, die möglichst dicht aneinander gebaut sind, um die Arbeitswege gering zu halten. Dies trifft besonders für die Almen der Hochläger zu. In den Niederlägern trifft man auch mehrere Hütten mit Stallungen an. Die Zahl der Hütten ist abhängig von der Zahl der Besitzer. Trügerisch wirkt in diesem Zusammenhang die Bezeichnung der Gemeinschaftsalm, da doch der Besitz und das Tätigkeitfeld nicht gemeinschaftlich bewältigt wird, sondern jeder sehr abgesondert wohnt und arbeitet. Der Grund für diese strikte Trennung in vielen Bereichen ist es Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen. Man muß doch über einige Wochen hinweg auf engstem Siedlungsraum zusammen wohnen und Streitereien würden die Situation sehr stark verschärfen.

2. Schwaighöfe

2.1. Schwaighöfe allgemein

Der Ausdruck Schwaighof ist seit dem 12. und 13. Jahrhundert im deutschen Sprachgebrauch ausgeprägt und bezeichnet einen Wirtschaftshof an Berghängen oder Haupttälern, der einzig der Viehzucht und Milchwirtschaft ausgerichtet war. Im Gegensatz zu den Schwaighöfen, die hauptsächlich mit grundherrlichem Vieh ausgestattet waren, gab es daneben noch Kornhöfe. Ihr Viehbestand gibt der Schwaige auch den Namen, so bedeutet "Schwaige" im Mittelhochdeutschen "Herde" oder "Viehhof". "Ein Schwaighof war also ein Hof, auf dem eine Herde grunherrlichen Viehs, eine 'Schwaige' eingestellt war."24

Ein Schwaighöfe sind sehr unterschiedlich mit Vieh bestückt. So spricht man von einer normal großen Schwaige, wenn diese mit etwa fünf bis sechs Kühen bestückt ist. Es gibt aber auch Höfe, die mit bis zu fünfzehn Kühen ausgestattet sind.

Es gab aber auch Schwaigen, die mit einer sehr großen Viehzahl bestückt waren.

"... die Schwaige in Dornau bei Finkenberg, am Eingang ins Tux, wies im Jahre 1607 einen Bestand von 36 Rindern, 30 Geißen und einem Roß auf."25

Eine Schwaige dieser Größe dürfte allerdings eine Seltenheit gewesen sein. Neben den Rinderschwaigen gibt es außerdem noch Höfe die auf Schafhaltung ausgerichtet sind. Ein Beispiel ist der Schwaighöf des Klosters Marienberg im Hochtal Schling.

"Auf den im Hochtal Schling gelegenen Schwaigen des Klosters Marienberg mußten die Inhaber dreißig Melkschafe halten."26

Der Betreiber einer Schwaige versorgte gewöhnlich neben dem grundherrlichen Vieh auch eigenes Vieh. Für die Nutzung von Boden und Vieh des Grundherrn mußte der Betreiber der Schwaige einen Zins abgeben. Das Eigeninteresse der Grundherren förderte die Errichtung der Schwaighöfe enorm. Schwaighöfe waren also auf Grund und Boden des Grundherrn und wurden auf dem sogenannten "Gemein" errichtet.

"Die Schwaighöfe wie andere landwirtschaftliche Betriebe, die auf der Gemein errichtet wurden, mußten vom Landesfürsten oder dem von ihm mit der Handhabung von Gericht und Verwaltung betrauten Gerichtsherren Grundzins zahlen und wurden von der landesfürstlichen Grundherrlichkeit unterworfen. Höfe, die auf dem Boden weltlicher oder geistlicher Grundherren entstanden waren, hatten an diese einen Grundzins zu entrichten und unterstanden ihrer Grundherrschaft."27

Der Getreideanbau trat bei Schwaighöfen völlig in den Hintergrund. Nicht etwa weil diese Höfe auf Grund ihrer geographischen Lage keinerlei Möglichkeiten hatten, Getreide anzubauen, vielmehr war der Grund der, daß der Grundherr häufig den Getreidebadarf für die Schwaige selbst beisteuerte.

"Wegen des Gewinnes, der den Grundherren aus der Anlage eines neuen Schwaighofes erwuchs, förderten sie die Neugründung, abgesehen von der Ausstattung mit Vieh, auch durch die Beistellung von Getreide. Meist war die beigestellte Menge von solchem Ausmaß, daß nur an eine Versorgung mit Saatgut gedacht werden kann; in einzelnen Fällen ist sie immerhin so groß, daß sie auch als Zuschuß zum Bedarf von Brotgetreide in Betracht kam."28

Die geographische Abgeschlossenheit mancher Schwaigen, sowie deren auftretender Drang nach Selbstversorgung führten im Laufe der Zeit zu einem beschränkt auftretenden Kornanbau. Gebiete, wo man auf Schwaigen mit Kornanabau trifft, sind etwa die Ötztaler Alpen sowie die Ortler Alpen.

"Dieser (Kornanbau) war in Gebieten mit bedeutender Massenerhebung, so etwa in den Ötztaler und Ortler Alpen, noch in einer Höhenlage von 2000 Meter möglich. Auf dem einstigen Hof Mezlaun, der heutigen Untermair-Alm im Schnalstal, in einer Höhe von 2043 Meter, lag noch bei einem Haus ein Acker. Die Ungunst der Verkehrslage und die Schwierigkeit der Beförderung legten den Bewirtschaftern der Schwaighöfe das Bestreben nahe, nach Möglichkeit die Brotfrucht, deren sie für ihren Haushalt bedurften, auf dem Hofland zu erzeugen; mit anderen Worten: die räumliche Isolierung der Schwaighöfe löste das Streben nach Selbstversorgung aus."29

Ein weiterer Grund für die intensivere Nutzung des Bodens war die Aufteilung der Schwaige unter mehreren Besitzern. Diese Teilung fand bereits im 14. Jahrhundert statt - der Boden wurde durch Getreideanbau intensiver genutzt was sich darin manifestiert, daß Schwaigen Zehenten in Form von Getreide entrichten mußten.

2.2. Grundzins

Da in einer Schwaige hauptsächlich Viehzucht und Milchwirtschaft betrieben wurde, wurde der Zins dieser Wirtschaftsform angepaßt. So mußte der Bauer seinen Grundzins in Form von Käse abliefern. Neben diesem sogenannten Käsezins gab es auch noch Abgaben in Form von Schmalz, Fleisch und einzelnen Stücken lebenden Kleinviehs, sogar von Getreide. Die Menge der jährlichen Abgabe berief sich auf ca. 300 Käsen.

"Diese Zinskäse waren Sauerkäse, Käse aus saurer Magermilch, ähnlich unserem Graukäse; sie wogen 1/2 bis 1 1/2 Kilogramm (Wildschönau). Neben dem Käsezins erscheinen Abgaben von Schmalz, Fleisch, einzelenen Stücken lebenden Kleinviehs sowie - im Abstand von mehreren Jahren - einzelnen Stücken lebenden Großviehs."30

Ein Beispiel für die Abgabe von Getreide in Form von Zins ist der Hof Hochgenein in den Hochtälern des Brenners. Hier ist überliefert, daß im 14. Jahrhundert Hafer und Gerste gezinst wurden.

"Auf einem dieser Güter, dem Hof Hochgenein, der mit seiner Höhenlage von fast 1700 Meter alle anderen Höfe des Brennergebietes überragt und am steilen Hang des vorderen Schmirntals liegt, wurde seit alters ein bedeutender Getreidebau betrieben; 1370 zinste der Hof vierzig Mut Haber; es läßt sich nicht sicher feststellen, welches von den verschiedenen im Lande gebräuchlichen Mut gemeint ist, man darf wohl das Mut auf 30 - 40 Liter berechnen. Nach einem jüngeren Zehent - Verzeichnis hatte er 40 Metzen (= 205 Liter) Gerste zu zinsen."31

Das Eigeninteresse der Grundherren förderte die Errichtung der Schwaighöfe enorm.

2.3. Bedeutung der Schwaighöfe

Eine besondere Bedeutung kommt Schwaighöfen deshalb zu, da durch sie unzugängliche und abgeschiedene Täler und Gebirgsregionen dauerhaft besiedelt wurden. Im Gegensatz zu den Almwirtschaften, die ihre Alm ja nur während der Sommermonate bewirtschaften und sie geographisch nur unfern des Mutterhofes wählen, sind Schwaigen völlig unabhängig von einem Haupthof. Schwaighöfe sind dauerhaft besiedelt unabhängig von einem Haupthof durch die beginnende Intensivierung des Kornanbaus und deshalb vielfach dafür verantwortlich, daß Berggegenden besiedelt werden.

"Allenthalben im Lande breiteten sich die Schwaighöfe über bisher unbesiedelte Höhen aus, in viele Hochtäler drangen sie ein. Im Innersten mancher Hochtäler ist die Siedlung ausschließlich in Schwaighöfen erfolgt, so beispielsweise in Gschnitz. Hier ist sie auch ausschließlich der landesfürstlichen Grundherrschaft unterworfen."32

Die folgende Tabelle soll veranschaulichen wie groß der Einfluß der Schwaighöfe auf die Besiedelung von Begirgsregionen war. Hier werden die bäuerlichen Betriebe um den Brenner und auf der Brennerhöhe genauer untersucht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus dieser Tabelle wird 33 ersichtlich, daß bereits im 14. Jahrhundert neben Schwaighöfen noch andere bäuerliche Betriebe in den Hochtälern der Alpen existierten. So beruft sich die Gesamtzahl der Bauerngüter in Schmirn und Hintertux im 14. Jahrhundert etwa auf 31, wovon 21 Schwaighöfe waren. Die Verteilung der Schwaighöfe und deren prozentueller Anteil an der bäuerlichen Siedlung ist sehr unterschiedlich. Während es in Vals etwa nur einen einzigen Schwaighof gab, waren alle neun bäuerlichen Wirtschaften in Gschnitz Schwaighöfe.

Vor allem im 12. Und 13. Jahrhundert war der Bedarf nach Land so groß, daß Dauersiedlungen in extremen Höhenlagen angelegt wurden. Diese so hoch gelegenen Siedlungen konnten später nicht mehr gehalten werden und wurden aufgelöst.

"So manche Alm ist damals mit einem Schwaighof besetzt und zur ganzjährig bewohnten Siedlung geworden, die nach kürzerer oder längerer Zeit als Dauersiedlung wieder aufgegeben wurden; darunter befinden sich auch verschiedene Schwaighöfe, die oberhalb der heutigen Höhengrenze der Siedlung liegen. Manche der hochgelegenen Schwaigen sind schon nach verhältnismäßig kurzem Bestand wieder zu Almen geworden. Der schon genannte Hof Mezlaun (2043 Meter Seehöhe) ist bereits 1497 wieder als Alm nachweisbar"34

Zusammenfassend kann man bemerken, daß der oberste Teil der besiedelten Berghänge sowie die innersten Bergtäler von Schwaighöfen besiedelt waren.

2.4. Größe der Schwaighöfe

Eine Großzahl der neu gegründeten Schwaighöfe mußten ihr Gebiet durch Rodung von Waldstreifen vergrößern um überlebensfähig zu sein. Der frisch gerodete Boden ist in seiner Beschaffenheit anfangs jedoch nicht so ergiebig und fruchtbar als das ursprüngliche weideland. Daher mußten die gerodeten Waldflächen um ein vielfaches größer sein um den erwünschten Ertrag zu erlangen. Als ein mittleres Bauerngut wird ein Hof angesehen, dessen Größe nicht zehn Hektar übertroffen hat.

"Der Hof am Weerberg, der 1330 als Schwaige zu Hochsenne bezeichnet wird, verfügte vor seiner Teilung über ungefähr 13 Tagbau Felder; unter Felder ist jener Teil des Hoflandes zu verstehen, der in der Egartenwirtschaft abwechselnd als Wiese und als Acker benutzt wurde. 'Tagbau' bedeutet so viel Land, als an einem Arbeitstag bestellt werden kann; ein Tagbau Landes umfaßt also je nach Beschaffenheit des Bodens und nach Geländeform eine Fläche von recht verschiedenem Ausmaß, die zwischen 42 und 75 Ar schwankt. Später wird das Ausmaß eines Tagbaues festgelegt und mit 54 Ar angesetzt. Legt man diesen Mittelwert der Flächenberechnung zugrunde, so würden die Felder von Hochsenne auf 7 ha zu bemessen sein."35

Da gerade Schwaighöfe auf extensive Viehhaltung spezialisiert sind, ist eine Viehwirtschaft auf einem so relativ begrenzten Raum oft nur deshalb möglich, da den Höfen beträchtliche Weideflächen auf den Gemeinen zugesprochen wurden.

"Sehr viele der Schwaighöfe und Ackergüter waren mit Land der Gemein ausgestattet worden und daher grundsätzlich dem Landesfürsten oder dem Gerichtsherrn zinspflichtig. Die Anlage so manchen neuen Gutes kam aber gar nicht zur Kenntnis der landesfürstlichen Verwaltung. In solchen Fällen blieb das Gut zinsfrei und galt als Eigen des Bauern."36

Ein großes Problem der Schwaighöfe war auch die Versorgung des Viehs während der Wintermonate. Im Sommer lieferten die Weideflächen Futter für das Vieh, die Versorgung im Winter war dagegen problematisch und nicht mit unserer heutigen Fütterungs- Handhabung zu vergleichen. Das Vieh mußte oftmals den ganzen Winter durch hungern und fand meist nur spärliche Nahrung in den Waldweiden. Eine Fütterung im Stall, wie dies heute praktiziert wird, gab es damals nicht.

"Bei der in älteren Zeiten herrschenden Weidewirtschaft mußte sich das Vieh seine Nahrung während der guten Jahreszeit ausschließlich auf der Weide suchen. Die Wiesen lieferten nur ein schmales Winterfutter ; die Winterfütterung war nach heutigem Begriff sehr schlecht, das Vieh ist durch den langen Bergwinter hindurchgehungert worden. Weide stand nur in Form von Heimweide in den damals noch sehr ausgedehnten Wäldern in der Umgebung des Hofes zur Verfügung."37

Charakteristisch ist deshalb auch die relative Größe der Almweiden, die den Schwaighöfen zur Verfügung standen, ohne die sie auch nicht überlebensfähig gewesen wären.

3. Abschließend

Die Unterschiede zwischen reiner Almwirtschaft und Sachwaighöfen sind primär die, daß Almen nur während der Sommermonate bewirtschaftet wurden, während Schwaigen bäuerliche Dauerbetriebe waren. Charakteristisch für eine Schwaige ist weiters, daß sie auf grundherrlichem Gebiet errichtet wurde und deshalb ein Zins in Form von Naturalien zu entrichten war. Weiters zeichnet eine Schwaige die Ausrichtung auf Tierhaltung, insbesondere Kühe und Schafe, aus. Die Hauptbedeutung, die den Schwaigen zukommt, ist vor allem, daß sie abgeschlossene Täler und Berggegenden zum ersten Mal dauerhaft besiedelten und erschlossen. Die kulturellen und wirtschaftlichen Folgen die damit verbunden sind, sind unbestritten und wichtig für den gesamten alpinen Raum.

Es ist eine unglaubliche Tradition mit Alm- und Schwaigwirtschaft verbunden, deren kulturelle Folgen wir bis ins heutige alltägliche Leben verfolgen können. Es ist dies mit ein Grund, daß ich dieses Thema für meine Seminararbeit gewählt habe, da ein aktueller Bezug jederzeit hergestellt werden kann. Die Problematik um das Überleben von bäuerlichen Betrieben in extremen Bergregionen und die Aufgaben die die Natur noch heute an den Menschen stellt, beschäftigen uns bis in die Gegenwart.

4. Literaturverzeichnis

Grass, Nikolaus. Alm und Wein. Aufsätze aus Rechts- und Wirtschaftsgeschichte. Hildesheim: Weidmann, 1990.

Grass, Nikolaus. Rechtsgeschichte der Alpwirtschaft. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner, 1948.

Hensler, Emil. Landwirtschaft im Zillertal. Mit besonderer Berücksichtigung der Almwirtschaft. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner, 1953.

Lorenz

Moritz, Alois. Die Almwirtschaft im Stanzertal. Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte und Volkskunde einer Hochgebirgslandschaft Tirols. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner, 1956.

Sieger

Stolz, Otto. Rechtsgeschichte des Bauernstandes und der Landwirtschaft in Tirol und Vorarlberg. Hildesheim: Georg Olms Verlag, 1985.

Weiß

Wopfner, Hermann. Bergbauernbuch. Siedlungs- und Bevölkerungsgeschichte. 1. Band.Innsbruck: Universitätsverlag, 1995.

Wopfner, Hermann. Bergbauernbuch. Wirtschaftliches Leben. 3. Band. Innsbruck: Universitätsverlag, 1997.

[...]


1 Grass 1948, 368 - 370.

2 Sieger: „Beiträge zur Geographie der Almen in Österreich, 1925. 4 - 5.

3 Weiß 1941, 52.

4 Grass 1959, 160ff.

5 Hensler: „Landwirtschaft im Zillertal“, Seite 36.

6 Lorenz: „Strengen“, Seite 307.

7 Moritz: „Almwirtschaft“, Seite 83.

8 Hensler: „Landwirtschaft im Zillertal“, Seite 37 - 38.

9 Hensler: „Landwirtschaft im Zillertal“, Seite 52.

10 Hensler: „Landwirtschaft im Zillertal“, Seite 63.

11 Moritz: „Almwirtschaft“, Seite 27.

12 Moritz: „Almwirtschaft“, Seite 38.

13 Wopfner: „Alpenvereinswerk Tirol“, Seite 280.

14 Hensler: „Landwirtschaft im Zillertal“, Seite 79.

15 Hensler: „Landwirtschaft im Zillertal“, Seite 80.

16 Moritz: „Almwirtschaft“, Seite 40.

17 Hensler: „Landwirtschaft im Zillertal“, Seite 80.

18 Hensler: „Landwirtschaft im Zillertal“, Seite 80.

19 Moritz: „Almwirtschaft“, Seite 48.

20 Moritz: „Almwirtschaft“, Seite 65.

21 Moritz: „Almwirtschaft“, Seite 49.

22 Hensler: „Landwirtschaft im Zillertal“, Seite 87

23 Hensler: „Landwirtschaft im Zillertal“, Seite 88.

24 Wopfner: "Bergbauernbuch. 1. Band", Seite 80.

25 Wopfner: "Bergbauernbuch. 1. Band", Seite 86.

26 Wopfner: "Bergbauernbuch. 1. Band", Seite 80.

27 Wopfner: "Bergbauernbuch. 1. Band", Seite 82.

28 Wopfner: "Bergbauernbuch. 1. Band", Seite 82.

29 Wopfner: "Bergbauernbuch. 1. Band", Seite 82.

30 Wopfner: "Bergbauernbuch. 1. Band", Seite 82.

31 Wopfner: "Bergbauernbuch. 1. Band", Seite 84.

32 Wopfner: "Bergbauernbuch. 1. Band", Seite 83.

33 Wopfner: "Bergbauernbuch. 1. Band", Seite 83.

34 Wopfner: "Bergbauernbuch. 1. Band", Seite 86.

35 Wopfner: "Bergbauernbuch. 1. Band", Seite 84 - 85.

36 Wopfner: "Bergbauernbuch. 1. Band", Seite 86.

37 Wopfner: "Bergbauernbuch. 1. Band", Seite 86.

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Details

Titel
Almwirtschaft und Schwaighöfe - ein Vergleich
Autor
Jahr
1998
Seiten
22
Katalognummer
V95229
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Almwirtschaft, Schwaighöfe, Vergleich
Arbeit zitieren
Doris Haas (Autor), 1998, Almwirtschaft und Schwaighöfe - ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95229

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