Widerstand gegen den NS innerhalb des Militärs


Seminararbeit, 1997
20 Seiten, Note: 1

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INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Vorgeschichte
2.1 Die Entwicklung der Reichswehr/ Wehrmacht seit 1918
2.2 Das politische Denken der Führungsoffiziere und das Verhältnis von Militär und Staat
2.3 Zur Biographie Ludwig Becks bis 1938
2.4 Die politische Lage 1937/38 und die Reaktionen Becks auf die Weisung Hitlers vom 30.5.1938

3. Die Vortragsnotizen Ludwig Becks vom 16.7. und 19.7. 1938
3.1 Vorstellung der Quelle und quellenkritische Überlegungen
3.2 Bearbeitung/ Interpretation

4. Integration in den Gesamtzusammenhang
4.1 Biographie Becks ab 1938
4.2 Entwicklung des militärischen Widerstands bis zum 20. Juli 1944
4.2.1 Oppositionsansätze bis zur Sudetenkrise
4.2.2 'Widerstand' und Umsturzplanungen 1939-1941/42
4.2.3 Die Entwicklung bis zum 20. Juli 1944

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Verkörperung des 'militärischen Widerstands' gegen den Nationalsozialismus schlechthin ist, aus populärer wie auch aus wissenschaftlicher Perspektive, ganz offensichtlich noch immer der Attentatsversuch des 20. Juli 1944. Sicherlich ist dieses Datum mit dem wohl spektakulärsten Akt des Widerstands verbunden, es darf dabei aber nicht vernachlässigt werden, daß das Attentat am Ende einer langen Entwicklung der 'militärischen' bzw. militärisch-konservativen Opposition stand. Sowohl hohe Militärs als auch Preußisch- konservative (oft beides in einer Person) begrüßten mehrheitlich die 'Machtergreifung' Hitlers und seiner Partei als 'nationalen Neuanfang' - bis dieselben Personen nur wenige Jahre später zu 'Widerständlern' mit Staatsstreich- und Attentatsbemühungen wurden, mußten sich also einige Wandlungen vollziehen.

Ludwig Beck, seit 1933 Generalstabschef des Heeres, steht für eine solche Entwicklung. Sein Weg in den Widerstand soll, eingebunden in die entsprechenden innen- und außenpolitischen und militärischen Strukturen und Entwicklungen seiner Zeit, in dieser Arbeit nachvollzogen und analysiert werden. Als möglicher 'Wendepunkt' zwischen Loyalität zum Dritten Reich und beginnender Opposition sollen dabei besonders zwei Vortragsnotizen von 1938 beleuchtet werden, in denen Beck erstmals über rein fachliche Kritik an der Machtpolitik Hitlers hinausgeht, die inneren Verhältnisse im NS-Staat kritisiert und zu Gegenmaßnahmen aufruft. Die Quellen- und Literaturlage zum gewählten Thema gestaltet sich äußerst günstig. Ludwig Beck wie auch andere Mitglieder der militärischen Spitze äußerten sich in Denkschriften und Vorträgen zur militärisch-politischen Lage, des weiteren sind viele persönliche Notizen, Briefe und Erinnerungen sowie Sitzungsprotokolle etc. veröffentlicht.1 Ebensowenig mangelt es an Sekundärliteratur zur Geschichte der Reichswehr/ Wehrmacht und ihrem Verhältnis zu Weimarer Republik und NS-Staat und zum militärischen bzw. bürgerlich-konservativen Wi- derstand gegen den Nationalsozialismus. Speziell zur Biographie Ludwig Becks existieren verschiedene Monographien. Zu erwähnen sind hier die älteren, zwar anschaulichen, aber eher heroisierenden und wenig kritischen Darstellungen FOERSTERS2 und BUCHHEITS3 ; differenzierter und für die neuere Forschung wohl charakteristischer sind aber die Beck- Biographie REYNOLDS'4 und vielmehr noch die Ausführungen zur politisch-militärischen Vorstellungswelt des Generalstabschefs von MÜLLER5. Bei der Fülle der Literatur können im Rahmen dieser Arbeit nicht alle Werke eingehend berücksichtigt werden, deshalb wird für jeden Themenbereich von wenigen Werken ausgegangen und ggf. um abweichende oder ausführende Gedankengänge aus anderen Veröffentlichungen ergänzt.

Die Arbeit wird sich, um die zu bearbeitenden Quellen in den Gesamtzusammenhang ein- ordnen zu können, in drei Teile gliedern. Zunächst erfolgen einige Grundüberlegungen zur Vorgeschichte der Quellen: ein grundlegender Überblick über die Entwicklung der Reichswehr seit dem Ende des Ersten Weltkriegs und eine Charakterisierung der Führungsoffiziere in ihrem politischen Denken werden dabei Aussagen zu den direkten Bedingungsfaktoren der Quel- lentexte, nämlich der Biographie Ludwig Becks und der konkreten innen- und außenpoliti- schen Lage des Deutschen Reiches 1937/38 vorangestellt. Den Mittelteil der Arbeit wird die Analyse der Beck`schen Vortragsnotizen bilden. Nach einer kurzen Vorstellung der Quellen erfolgt die Bearbeitung der Texte anhand verschiedener Leitfragen, die vor allem auf das Verhältnis Becks zum NS-Staat, seine politisch-militärischen Vorstellungen und die Ansätze zum Widerstand abzielen werden. Den Abschluß bildet ein Ausblick auf das Fortwirken Becks nach 1938 und auf Entwicklungslinien des militärischen Widerstands bis zum Attentatsversuch des 20. Juli 1944.

2. Vorgeschichte

2.1 Die Entwicklung der Reichswehr/ Wehrmacht seit 1918

Für das Militär bedeutete das Ende das Ersten Weltkriegs und die Entstehung der Weimarer Republik in vielerlei Hinsicht einen Verlust des tradierten Ordnungssystems. Mit dem Zu- sammenbruch des Kaiserreiches hatte die Armee ihren wesentlichen Bezugspunkt, den Monarchen verloren6, und die revolutionären Wirren und sozialen Umwälzungen der nächsten Monate brachten schließlich einen Staat hervor, der mit Parlamentarismus und Demokratie den militärischen Traditionen und Vorstellungswelten widersprach.7 Der Versailler Vertrag beinhaltete außer den ohnehin schon als 'Schmach' empfundenen allgemeinen Paragraphen auch eine ganze Reihe von explizit militärischen Bestimmungen, die u.a. das Heer auf 100 000 Mann begrenzten, die allgemeine Wehrpflicht und die Oberste Heeresleitung aufhoben, eine umfassende Entwaffnung vorschrieben und die Marine auf ein Minimum reduzierten. Neben dieser Beschneidung von außen verlor das Militär aber auch im Inneren an sozialer Bedeutung und politischem Einfluß. So betonte die Verfassung vom 11.8.1919 den "Primat der Politik", unterstellte die Reichswehr einem demokratisch gewählten Staatsoberhaupt und band sie an die Kontrolle durch das Parlament.8

Die Streitkräfte mußten sich also unter völlig neuen Bedingungen reorganisieren. Zunächst mußte ein Umgang mit der neuen Staatsform gefunden werden - hier setzte sich, nach an- geblichen Differenzen, Seeckts "Prinzip des unpolitischen Soldaten" durch. Der Soldat, so die Idee, sollte sich aus dem politischen Tageskampf heraushalten, seine Aufgabe sei die Pflichterfüllung gegenüber dem Vaterland, die Wahrung der soldatischen Tradition und Ge- horsam letztendlich auch gegenüber der ungeliebten Verfassung.9 In der Praxis erwarteten die Reichswehr eher innenpolitische Aufgaben zur Wahrung der Ordnung und zum Schutz des Systems. Diese "permanente Polizeiaufgabe"10 mißfiel der militärischen Führung, war es doch eher ihr Ziel, durch aktive Revisionspolitik den status quo von 1914 wiederherzustellen. Als Voraussetzung für eine neue deutsche Großmacht galt dabei die Aufrüstung, die bereits ab 1919 mehr oder weniger illegal betrieben wurde. Unter Umgehung der Bestimmungen von Versailles wurden schon früh Grenzschutzeinheiten und Zeitfreiwillige eingesetzt, man bunkerte Waffen, um sie der Kontrolle der alliierten Kommission zu entziehen, entwickelte, ab 1924/25 sogar relativ unverhohlen, neue Waffen und stellte Fliegerstaffeln und zusätzliche Einheiten auf.11

Die NS-Spitze forcierte nach ihrer Machtübernahme die Rüstung. Seit 1933 fand ein Über- gang von der zuvor eher defensiven Planung zur Schaffung einer offensiven Wehrmacht statt, denn mit der Motorisierung, dem Ausbau der Luftwaffe und einer 'Tiefen-rüstung' sollte die Reichswehr auf einen offensiven Materialkrieg vorbereitet werden. Parallel dazu erfolgte die Militarisierung der Gesellschaft ('psychologische Aufrüstung' über Propaganda, wehrsportliche Übungen etc.) und der Wirtschaft (v.a. durch die Bestimmungen des "Vierjahresplans" von 1936). Im März 1935 wurde die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt, m August eine Heeresstärke von 250 000 Mann an-visiert, und bereits 1940 sollten nach Hitlers Vorstellungen 3,6 Mio. Soldaten bereit-stehen.12 Die Umsetzung dieser eindeutig offensiven Pläne begann schließlich im März 1936 mit dem Einmarsch ins nach dem Versailler Vertrag entmilitarisierte Rheinland.

Neben der neuen militärischen Stärke stellten die Nationalsozialisten der Reichswehr eine starke Position im Inneren in Aussicht: Hitler erklärte durch das "Zwei-Säulen-Prinzip" das Militär schon 1933 zur zweiten tragenden Instanz des neuen Staates neben der Partei und betonte die Bedeutung der Reichswehr auch danach immer wieder. Eine militärische 'Gegenelite zur Reichswehr' stellte allerdings die SA, die 'Parteiarmee' der NSDAP unter Führung Röhms dar, und bald begann ein "systemimmanenter Machtkampf"13 um die Gunst des Führers. Die SA stellte das Waffenträgermonopol der Reichswehr in Frage und agitierte offen gegen das Militär; die Reichswehr ihrerseits versuchte über verstärkte Aufrüstungs- bemühungen ('Zweites Rüstungsprogramm' 1933) und demonstrative politische Loyalität zur NS-Führung ("Selbstgleichschaltung"; v.a. auf Initiative des Reichswehrministers Blomberg14, der später auch für die Neuvereidigung der Reichswehr auf Hitler sorgte - s.u., 1.2.) Boden gut zu machen. Die Auseinandersetzungen endeten erst mit der Ausschaltung der SA im Röhm-Putsch (Juni/ Juli 1934), als die SA-Führer auf Befehl Hitlers ermordet und die Organisation zerschlagen wurde.

Die Reichswehrführung sah durch diesen Schlag das "Zwei-Säulen-Prinzip" bestätigt und hoffte, über einen weiteren Gewinn an Gewicht und Mitsprache ihre eigenen politischen Absichten im neuen Staat weiterhin durchsetzen zu können. Ziel war letztendlich eine Instrumentalisierung des NS-Regimes, Mittel dazu war zunächst das Werben um die Gunst des Führers und die Anerkennung des innenpolitischen Führungsanspruchs der NSDAP.15 Diese Strategie schlug offensichtlich fehl, die Reichswehr (1935 in 'Wehrmacht' umbenannt) blieb zwar neben den Parteiorganisationen stärkste Kraft im NS-System, wurde aber politisch so gut wie handlungsunfähig.

2.2 Das politische Denken der Führungsoffiziere und das Verhältnis von Militär und Staat

Nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages durften in die neue Reichswehr nur 4000 von ehemals 34000 Offizieren übernommen werden, entsprechend streng war die Auswahl. Dabei spielten v.a. die Herkunft und die (konservative) politische und soldatische Gesinnung eine Rolle, es fand verstärkte 'Selbstrekrutierung' statt, d.h. die Anwärter stammten aus den traditionellen Offiziersfamilien des Adels und des gehobenen Bürgertums.16 Auf diese Weise bildete sich eine militärische Elite, die sich von der demokratischen Gesellschaft abkapselte, sich von Staat und Parteipolitik distanzierte und so in einer Art 'Selbsttäuschungsmechanismus' an der alten Zeit des Preußentums und des Kaiserreiches festhielt17. Die Republik wurde als "Übergangserscheinung, die eines Tages [...] wieder verschwinden würde"18 betrachtet. Zwar sagte man offiziell allen politischen Extremen ab, doch konnte die Reichswehr bei einer ausgeprägten antidemokratischen und antiparlamentarischen Grundtendenz nicht mehr als eine 'gehorchende Loyalität' für die neue Ordnung aufbringen - ein 'Notbündnis' also. Die eigentlichen Hoffnungen lagen in der Schaffung eines neuen, autoritären Staates mit Sonderstellung der alten Eliten und natürlich der politisch-militärischen Großmachtstellung. Auch wenn in der militärischen Spitze keinesfalls Einigkeit bestand, wie und wann dieses Ziel zu erreichen sei - die Vorstellungen gingen von attentistischen Positionen bis hin zur Forderung nach einer gewaltsamen Beendigung der Republik - kann die militärische Führungsschicht insgesamt als national-konservativ und monarchistisch-restaurativ bezeichnet werden.19

Mit den skizzierten Forderungen konnte man die Grundideen des aufkommenden National- sozialismus leicht akzeptieren, viele der eigenen, bisher isolierten Vorstellungen erhielten über die NS-Ideologie sogar eine neue Massenbasis. Die 'Machtergreifung' Hitlers 1933 wurde begrüßt, und bestätigt sahen sich die Militärs in ihrer positiven Haltung, als der neue Reichskanzler im Februar des Jahres in seinem Programm den starken Staat, ein groß- deutsches Reich, die Militarisierung und den Antikommunismus propagierte und im März beim 'Tag von Potsdam' Einigkeit mit dem 'großen alten Mann' und Sinnbild des Preußentums, Reichspräsident Hindenburg, demonstrierte20. Vorbehalte gegenüber dem Nationalsozialismus - besonders bezüglich des anarchischen Straßenterrors der SA, des Vorgehens gegen die Kirchen und der parteipolitisch-korrupten Personalpolitik - wurden zwar geäußert, traten je- doch im praktischen Umgang mit dem neuen Regime eher in den Hintergrund.21 Das nächste Ereignis, das das Verhältnis zwischen Militär und NS-Staat nachhaltig prägte, war der Eid auf Hitler vom 2.8.1934. Die meisten Führungsoffiziere standen der neuen Eidesformel zunächst skeptisch gegenüber, schworen sie aber schließlich doch in der Hoffnung, alles werde sich zum Guten wenden. Der Eid forderte unbedingten Gehorsam gegenüber Hitler als Person, nicht mehr gegenüber Staat/ Verfassung als abstrakte Normen und Bezugspunkte und führte zu einer weiteren Verringerung der Distanz zwischen Militär und Nationalsozialismus.22 Schließlich erschwerte der Eid auch den späteren Widerstand, denn viele Offiziere waren trotz ihrer vielleicht oppositionellen Einstellung nicht bereit, den einmal geleisteten Schwur zu brechen und gegen den Eidträger Hitler vorzugehen.

Am Ende führten die Loyalitätsbemühungen der Reichswehr (s.o, 1.1), eigentlich nur Mittel zum Zweck, zum Verlust der 'traditionellen' Distanz zur Politik und zu einer engeren Verstrickung mit dem Nationalsozialismus, die später kaum wieder durchbrochen werden konnte.23

2.3 Zur Biographie Ludwig Becks bis 1938

Ludwig August Theodor Beck wurde am 29.6.1880 in Biebrich am Rhein geboren.24 Seine Familie - Vater Beck war Eisenhüttenfachmann und Unternehmer - gehörte der wohlhabenden Mittelschicht an und führte ein kultiviertes, wenn auch zurückgezogenes und relativ bescheidenes Leben. Bildung und Kultur spielten in der Erziehung der drei Söhne eine große Rolle, dazu wurden die Kinder durch den Geist des Humanismus, hohe moralische Ansprüche und Wertmaßstäbe und die Tradition geprägt. Praktische Politik spielte in der Familie, wie im Bildungsbürgertum generell, eine eher untergeordnete Rolle, die politische Grundhaltung des Vaters war jedoch konservativ, preußisch-nationalistisch und vor allem obrigkeits- und kaiser- treu.

Ludwig Beck schlug nach dem Abitur die Offizierslaufbahn ein und setzte damit eine Fami- lientradition, die der Vater unterbrochen hatte, fort. Durch seine hohe Bildung, seine Intelligenz und seinen Ehrgeiz tat sich Beck in der Armee bald hervor, 1908 wurde er in die Berliner Kriegsakademie aufgenommen. Den Ersten Weltkrieg erlebte Beck an der Westfront, wo er Freundschaft mit dem Kronprinzen Wilhelm schloß. Dort erfuhr er 1917 auch vom Tod seiner Frau Amalie, die er erst ein Jahr zuvor geheiratet hatte. Der Verlust der geliebten Frau be- deutete einen schweren Schlag für Beck, er zog sich in der Folgezeit immer weiter zurück und widmete sich, entschlossen, nicht wieder zu heiraten, ganz seinen militärischen Aufgaben: "Die Arbeit war sein Leben." So bedeuteten für den überzeugten Soldaten und Monarchisten die Umwälzungen des Jahres 1918 den Untergang einer Welt, zumal in derselben Zeit auch sein Vater starb.

Die Republik lehnte Beck strikt ab. Für ihn waren die Politiker unfähig, die inneren und äu- ßeren Probleme zu überwinden, und natürlich war es nicht einfach, sich mit der neuen mili- tärischen und machtpolitischen Situation nach dem Versailler Vertrag abzufinden. Trotz aller Vorbehalte entschloß sich Beck aber in der Reichswehr zu bleiben, er distanzierte sich - ganz nach dem "Prinzip des unpolitische Soldaten" - von der Politik und verfolgte in verschiedenen Aufgabenbereichen seine militärische Karriere. Dem aufkommenden Nationalsozialismus stand Beck zunächst positiv gegenüber, erfüllte das Programm der NSDAP doch seine Hoffnungen auf eine neue, autoritäre Führung. Ab 1931 bekannte er sich, vor allem von der Person Hitlers und dem italienischen Faschismus begeistert, offen zum Nationalsozialismus. Zur 'Machtergreifung' im Januar 1933 merkte er an: "Es ist der erste große Lichtblick seit 1918." Diese positive Einstellung behielt Beck auch in den folgenden Jahren bei. Zwar konnte er sich mit den Gewaltmethoden des neuen Regimes, verdeutlicht im Röhm-Putsch 1934, den revolutionären Seiten des Nationalsozialismus und dem neuen Eid auf Hitler nicht anfreunden, doch noch siegten Pflichtbewußtsein und Loyalität gegenüber den Zweifeln. Als frisch beför- derter Chef des Truppenamtes setzte sich Beck in den folgenden Jahren besonders für die all- gemeine Aufrüstung und die Stärkung des Heeres und der Heeresführung gegenüber dem Kriegs-ministerium und den anderen Waffengattungen ein.

In seinen sicherheitspolitischen Vorstellungen orientierte sich Beck stark an den Konzepten Seeckts, wonach die angestrebte Wiedererlangung der Großmachtstellung durch militärische Stärke, aber auch durch Verhandlungen mit Ost und West, militärischen Bündnissen und einem Balanceakt im Zusammenspiel der europäischen Mächte gelingen sollte.25 Krieg als letztes Mittel lehnte Beck nicht ab, jedoch sah er Deutschland nicht in der Lage, in absehbarer Zeit einen bewaffneten Konflikt mit England und/oder Frankreich durchstehen zu können. Vor diesem Hintergrund verfaßte Beck ab 1937, als im 'Hoßbach- Protokoll' die Expansions- und Eroberungsabsichten Hitlers konkret wurden, Notizen, in denen er die offensive, zu früh auf Krieg ausgerichtete Außenpolitik des Regimes mißbilligte.26

Vorsichtige Distanz zum Nationalsozialismus gewann Beck während der Blomberg- Fritsch-Krise, denn durch die Intrigen von SS und Gestapo gegen Fritsch und die Wehrmacht allgemein und die anschließenden Umbesetzungen in der Wehrmachtsführung sah er die Kom- petenzen, die Tradition und die Ehre des Militärs verletzt.27 So begab er sich zunächst in eine Art "loyale Opposition"28 und hoffte, über sein Amt noch positiven Einfluß auf die Au- ßenpolitik und die militärische Spitzenorganisation nehmen zu können. In diesem Sinne ver- suchte Beck auch Anfang Mai 1938 über eine Denkschrift an seinen Vorgesetzten Brauchitsch, die militärpolitsch wenig aussichtsreiche Lage Deutschlands darzulegen und dadurch gegen den Einmarsch in die Tschechoslowakei und den damit wahrscheinlichen Krieg zu wirken. In einer weiteren Stellungnahme, bezogen auf die politisch-strategischen Ausführungen Hitlers vom 28. Mai, äußerte der Generalstabschef erneut seine Zweifel an der Umsetzbarkeit der Planungen, hielt seine Kritik noch auf einer streng militärisch-fachlichen Ebene.29

2.4 Die politische Lage 1937/38 und die Reaktionen Becks auf die Weisung Hitlers vom 30.5.1938

Die politische Lage 1937/38 soll hier nur kurz skizziert werden. Im Wesentlichen prägten diese Zeit folgende Ereignisse und Entwicklungen:

- die im November 1937 konkret werdenden Okkupationspläne gegen Österreich und die Tschechoslowakei und die Expansionsabsichten Hitlers in Osteuropa, bekannt geworden durch das Protokoll Hoßbachs.
- die Intrigen der SS und Gestapo gegen hohe Militärs und deren Sturz Anfang 1938 ('Blomberg-Fritsch-Krise') sowie die darauf folgenden Umbesetzungen in der militärischen Spitze. Hitler selbst wird Kriegsminister, besetzt Posten im neu gegründeten Oberkommando der Wehrmacht (OKW) mit ihm Untergebenen und treibt damit die Gleichschaltung des Heeres voran. 30
- der 'Anschluß' Österreichs im März und die damit veränderte politisch-strategische Lage des Deutschen Reiches

Den Ereignissen ist gemeinsam, daß Hitler seinen Einfluß nach innen, besonders auf die militärische Führung, weiter festigen und einen außenpolitischen Erfolg feiern konnte, der sein Ansehen in Volk und Armee stärkten. Im gewissen Sinne wurde auch die Unentschlossenheit der Westmächte zum Eingreifen gegen sein expansives Vorgehen deutlich, und vermutlich erfolgte deswegen bald nach der Einverleibung Österreichs Hitlers Geheimbefehl zur Zerschlagung der Tschechoslowakei (30.5.1938).

Beck reagierte auf die Weisungen mit einer Denkschrift, die er am 3. Juni beim Oberbe- fehlshaber des Heeres einreichte. Erneut bezweifelte er die Umsetzbarkeit der Planungen - v.a. hielt er dabei den 'Überraschungsangriff' und die Besetzung der Tschechoslowakei in nur drei Tagen für unmöglich - verwies aber auch darauf, daß die Befehle aus dem OKW die Kompetenzen des Heeresgeneralstabs verletzten. Er hielte es für seine Pflicht mitzuteilen, so Beck weiter, daß die Weisungen einer fachlichen Überprüfung nicht standhielten und er des- wegen die Mitverantwortung für deren Umsetzung ablehnen müsse.31 Am 16. Juli erweiterte er diese Ausführungen vor dem Hintergrund der weiteren politisch-militärischen Entwicklung zu einer weiteren Denkschrift an Brauchitsch.32 Neben der Feststellung, ein Angriff Deutschlands auf die Tschechoslowakei werde über das sichere Eingreifen Englands und Frankreichs automatisch zu einem Krieg mit katastrophalen Folgen für das Reich führen, ging Beck jetzt erstmals auf die innenpolitischen Grundlagen eines solchen Krieges ein. Volk und Heer, führte er aus, würden den Sinn eines Krieges nicht sehen, das Vertrauen zur militärischen Führung werde durch unüberlegte Maßnahmen erschüttert, die Wirkungen der Propaganda könnten die Schwächen im militärischen Bereich nicht ausgleichen. Beck bestand deshalb darauf, die Vorbereitungen zum Einmarsch einzustellen, und forderte die kommandierenden Generäle auf, in dieser Frage Geschlossenheit zu zeigen und ihre Einwände vorzubringen.

3. Die Vortragsnotizen Ludwig Becks vom 16.7. und 19.7. 1938

3.1 Vorstellung der Quelle und quellenkritische Überlegungen

Bei den zu bearbeitenden Quellen handelt es sich um Notizen Ludwig Becks zu zwei Vorträgen, die er Mitte Juli 1938 als Generalstabschef des Heeres gegenüber seinem Vorgesetzten, dem Oberbefehlshaber des Heeres, Brauchitsch, hielt. Der erste Vortrag vom 16. Juli diente dabei vor allem zur Bekräftigung der Ausführungen einer Denkschrift, die Beck am selben Tag bei Brauchitsch eingereicht hatte (s.o., 2.4.); in seinem zweiten Referat drei Tage später konkretisierte und ergänzte Beck seine Handlungsaufforderungen an die militärischen Führer nochmals. Die Quellen stammen aus dem Nachlaß Becks und wurden erstmals 1949 von FOERSTER veröffentlicht33. Bei der Fassung, die der folgenden Analyse zugrunde liegt, handelt es sich um eine kommentierte Ausgabe MÜLLERS.34 Zu beachten ist, daß es sich bei den Quellen um die Notizen zu Vorträgen handelt, d.h., daß keineswegs sicher ist, daß Beck seine schriftlich fixierten Gedankengänge auch wortgetreu und komplett referierte - es ist nicht bekannt, was Brauchitsch u.a. tatsächlich als Vortrag hörten. Die Notizen enthalten nicht - wie die offiziell eingereichten Denkschriften - einen direkten Adressaten ("An den Herrn Oberbefehlshaber des Heeres" o.ä.), es bleibt daher auch unwahrscheinlich, daß die Zuhörer eine Kopie der Beck'schen Notizen - quasi als Thesenpapier - erhielten. Es ist also sinnvoll, die Texte als persönliche Aufzeichnungen Becks zu betrachten und sie bezüglich ihres appellativen Charakters nur in Grundzügen zu analysieren.

3.2 Bearbeitung/ Interpretation

In der Vortragsnotiz vom 16. Juli führt Beck seine Überlegungen von außenpolitischen Gedanken über die besondere Verantwortung der militärischen Führer gegenüber Staat und Volk bis hin zur Planung einer innenpolit. Auseinandersetzung mit SS und Gestapo und letzten Endes einer inneren Reform des nationalsozialistischen Systems.

Dabei geht er, wohl mit Bezug auf seine Denkschrift, die er kurz zuvor bei Brauchitsch ein- gereicht hatte, zunächst auf die Pläne Hitlers ein, die 'sudetendeutsche Frage' gewaltsam zu lösen. Beck sieht Hitler "in dieser Auffassung bestärkt durch eine Umgebung verant- wortungsloser, radikaler Elemente", diesem negativen Einfluß (mit Bezug zum "Falle Blomberg und Fritsch" sind hier offensichtlich SS und Gestapo gemeint) müßten die "aufrechten und staatsverantwortlichen und ernsten deutschen Männer" aus Verpflichtung gegenüber dem Reich entgegenwirken. Zu einem derartigen Eingreifen seien zuerst die Militärs berufen, was Beck mit dem besonderen fachlichen Wissen, aber auch ausgeprägten moralischen Fähigkeiten ("Gewissen und Verantwortung") begründet.

Letzte Konsequenz ist laut Beck ein kollektiver Rücktritt der Wehrmachtsführer - dieser Schritt würde gerechtferigt durch die besondere, über rein militärische Aufgaben hinaus- reichende "höchste Verantwortung vor dem gesamten Volke". Ein Rücktritt, so die weiteren Ausführungen, würden zu "erheblichen innerpolitische Spannungen" führen, Diffamierungen der 'Radikalen' würden einsetzen, die eine "klärende Auseinandersetzung zwischen Wehrmacht und SS" nötig machten.

Diese Überlegungen Becks sind in mehrfacher Hinsicht interessant. Sie geben zunächst einen Eindruck von Becks Politikverständnis und seine Vorstellungen über Position und Aufgabe des Militärs innerhalb des Staates, werfen dann aber auch ein Licht auf seine Beurteilung des Nationalsozialismus und bilden schließlich, mit Rücktrittsaufforderung und Bereitschaft zur innenpolitischen Auseinandersetzung, einen in seiner Bedeutung noch zu klärenden Ansatz zur Opposition.

Als erster Punkt soll hier das Politikverständnis behandelt werden. Bedeutsam sind auf jeden Fall die preußisch-konservative Prägung Becks durch das Elternhaus und seine starken moralischen Ansprüche, die die Staatsauffassung prägten. MÜLLER sieht in dem politischen Denken Becks vor allem eine enge Bindung zwischen militärischer und politischer Macht bzw. Verantwortung35. Führende Politiker und Militärs müßten gemeinsam und gleichberechtigt handeln und idealerweise zu einem persönlichen Vertrauensverhältnis kommen. Krieg, so die weitere Überlegung, sei ein Teilelement der Politik, und eben deshalb sollten die Militärs mitentscheidend in allen Bereichen des 'Politischen' tätig sein - auch in Innenpolitik, Verwaltung und Wirtschaft. Becks Staatsmodell beschreibt MÜLLER als "überindividuelles, von der Gesellschaft abgehobenes autoritäres Gebilde"36, der Staat ist die "Manifestation höherer Sittlichkeit"37 und die politischen wie militärischen Führer müssen mit besonderer Gewissenhaftigkeit diesem Anspruch gerecht werden.

Beide Punkte, die Vorstellung von der politischen Mitbestimmung der Militärs und die sittliche Verpflichtungen gegenüber dem Staat, tauchen deutlich in der Vortragsnotiz vom 16. Juli auf. Der "Soldat in höchster Stellung" ist eben nicht nur auf militärische Aufgaben verpflichtet, er muß auch zum allgemeinen Wohl von Volk und Staat handeln und sich dazu - wenn die politische Führung wie offensichtlich im Fall der machtpolitischen Planungen bezüglich der Tschechei versagt - in eigentlich sachfremde politische Bereiche einmischen. Die "aufrechten und ernsthaften Männer", in Becks Augen natürlich die Konservativen aus dem Kaiserreich, besitzen dabei sittliche Veranwortung "vor der Geschichte" als reichlich abstraktem Bezugspunkt.

In der gegenwärtigen Lage - dem nationalsozialistischen Staat im Sommer 1938 - ist das von Beck idealisierte Verhältnis von politischer und militärischer Führung gestört, denn nicht die Militärs haben den ihnen zustehenden Einfluß auf die Machtpolitik, sondern eben jene "verantwortungslosen, radikalen Elemente", die schon im Frühjahr mit ihren Intrigen gegen Fritsch ihre 'Feindschaft' gegenüber der sittlichen, konservativen Wehrmacht bewiesen hatten und nun ganz Deutschland gefährden, weil sie den Führer ungünstig beeinflussen. Um den Staat zu retten, aber auch, um das Idealbild der Machtverhältnisse wiederherzustellen, muß gehandelt werden: in einer Art innerpolitischen "Flurbereinigung"38, der "klärenden Auseinandersetzung zwischen Wehrmacht und SS", sollen die störenden Elemente beseitigt werden. "Außergwöhnliche Zeiten verlangen außergewöhnliche Handlungen!" - damit macht Beck deutlich, daß sich seine Forderungen, die Harmonie von Politik und Militär durch einen innerpolitische Kampf zu durchbrechen, nur auf die konkrete Situation beziehen, gewissermaßen als 'Notbremse' in einer Ausnahmesituation fungieren. Hitler selbst steht hier nicht zur Debatte, Beck glaubt noch an den 'vernünftigen Führer', mit dem eine Zu- sammenarbeit in einem reformierten, d.h. von radikalen Einflüssen befreiten System möglich ist.39

Drei Tage nach dem ersten Vortrag, sprach Beck erneut vor Brauchitsch. In den entspre- chenden Vortragsnotizen wiederholte er dabei die grunglegenden Gedanken, die er schon am 16. Juli geäußert hatte, bediente sich aber nun einer wesentlich drastischeren Sprache und konkretisierte seine Handlungsvorschläge, um dem zögernden Oberbefehlshaber des Heeres die Dringlichkeit seines Anliegens zu verdeutlichen. Die "Auseinandersetzung mit der SS und der Bonzokratie" wird in den Notizen als Voraussetzung "für die Widerherstellung geordneter Rechtsverhältnisse" bezeichnet, als die letzte Chance "das deutsche Volk und den Führer selbst" zu befreien. Beck nennt im Folgenden konkrete Namen "aufrechter und tüchtiger Männer", die er für seine Ziele gewinnen will und betont erneut die Notwendigkeit der Geschlossenheit bei allen Handlungen. Letztendlich faßt er seine Forderungen in "kurze, klare Parolen", die vor allem auf Rechtsstaatlichkeit, preußische Tugenden und Beseitigung der 'Radikalen' abheben.

Wie weit die Befreiung von Volk und Führer und die inneren Auseianderstezungen nach Becks Meinung gehen sollen, ob sie das NS-System in seinen Wurzeln treffen und schließlich auf einen Umsturz zielen sollen, oder gar schon eine konkrete Staatsstreichplanung darstellen, bleibt zu interpretieren. Dabei muß es auch um die Frage gehen, inwiefern Beck mit seinen Plänen Hitler direkt angreift. In der Literatur tauchen dabei vielfältige Ansätze auf, von denen einige hier vorgestellt werden sollen.

HOFFMANN geht mit seiner Interpratation am weitesten. Eine erfolgreiche Auseinandersetzung mit SS und Gestapo, so die Argumentation, würde dem Nationalsozialismus das Machtinstrument aus der Hand schlagen und insofern schon einen Staatsstreich darstellen. Hitler wäre dann zwar formell noch Staatsoberhaupt, könne seine diktatorischen Ansprüche aber nicht mehr durchsetzen. Becks "Parolen", hier wohl etwas hochtrabend als "Programm" bezeichnet, forderten dazu "nichts anderes, als die Beseitigung der NS-Herrschaft mit allem, was an ihr charakteristisch war". Er geht davon aus, daß Becks Äußerung zur "Befreiung des Führers" nur eine Fiktion gegenüber Brauchitsch sei, um diesen trotz seines Eides zum Handeln gegen das System zu bewegen.40 KRAUSNICK folgert aus der Tatsache, daß Beck im Juli 1938 in engem Gedankenaustausch mit oppositionellen Aktivisten wie Oster und Gisevius stand, mit den Parolen solle "eine mit dem Eid auf Hitler zunächst vereinbare taktische Form der Aktion" herausgearbeitet werden, nach einem "Anfangsstoß gegen die 'kriminelle' Gestapo" würden denn weitergehende Maßnahmen - auch gegen Hitler selbst - folgen.41

Vermutlich wird Beck hier von beiden Autoren überschätzt. Noch in der Denkschrift vom 16. Juli, im gewissen Sinne dem Bezugspunkt der beiden Vortagsnotizen, ist von einem derartig fundamentalem Widerstand gegen das gesamte System und vor allem gegen Hitler selbst nichts zu spüren. Beck hält wohl viel eher an der Illusion fest, den NS-Staat durch innere Säuberungen und die Einbeziehung neuer Protagonisten neben Hitler in seinem konservativen Sinne reformieren zu können, wirklich revolutionäre Absichten dürften ihm, auch aufgrund seiner Persönlichkeit, fern liegen. Für diese Annahme spricht, daß Beck mit Wagner und Bürckel zwei eng in das NS-System eingebundene Männer in seine Pläne einbezeihen will - dies würde er wohl kaum tun, wenn es ihm an einem radikalen Umsturz läge.

"Was Beck vorschwebte, war also eine auf dem Boden von Gesetz und Recht bis zur äußersten Konsequenz durchgeführte Aktion, die sich sowohl gegen die Kriegspolitik des Staatsoberhauptes als auch gegen das von ihm gezüchtete und gedeckte innerpolitische System richtete, nicht aber gegen die Person des Staatsoberhaupts selbst."42 - FOERSTER trifft mit seiner Einschätzung die Beck'schen Absichten wohl am ehesten, auch wenn sich die Forderungen des Generalstabschefs offensichtlich nicht gegen das gesamte innerpolitische System, sondern nur gegen besagte 'radikale Elemente', die ungünstigen Einfluß ausüben, richten.

Dennoch bilden die Notizen einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum Widerstand, denn zum ersten Mal äußert Beck hier offen Kritik an der Innenpolitik und schlägt, wenn auch vage, Alternativen vor. Er beschränkt sich nicht mehr auf militärisch-fachliche Eingaben, sondern verweist auf die gesamtpolitische Verantwortung der militärischen Führung und setzt zum Handeln an. Seine Pläne erscheinen illusorisch, vermutlich überschätzt er die Reformfähigkeit des NS-Systems, aber er formuliert hier bereits "übergeordnete politisch-moralische Maßstäbe für Militärs an höchster Stelle"43, die den späteren militärischen Widerstand prägten.

4. Integration in den Gesamtzusammenhang

4.1 Biographie Becks ab 1938

Beck mußte schnell feststellen, daß seine Versuche, über Denkschriften gegen den Krieg zu wirken und das NS-System im konservativen Sinne zu reformieren genauso wie seine wie- derholten Aufforderungen zum kollektiven Rücktritt der militärischen Führung keine Wirkung zeigten. Es fehlte vor allem an Rückendeckung und Unterstützung seitens Brauchitschs, dazu begann Hitler, die Entlassung des 'Querulanten' Beck zu fordern. Beck fing an, über die Wirkung seines Rücktritts auf die übrigen Militärs und auf das Ansehen des Generalstabs im Ausland nachzudenken, zögerte den entscheidenden Schritt aber zunächst hinaus, da er sich schwer von dem Posten trennen konnte und keinen geeigneten Nachfolger für sein Amt sah. Erst, als Hitler Beck bei einer Besprechung der Generäle am 4. August scharf attackierte, ent- schloß sich der Generalstabschef zum Rücktritt. Das entsprechende Gesuch reichte er am 18. August bei Brauchitsch ein.44 Auf Befehl Hitlers zog sich Beck schweigend von seinem Posten zurück, obwohl er damit die beabsichtigte öffentliche Wirkung verfehlte. Lediglich vor seinen Untergebenen hielt er eine kurze Ansprache, in der er seine Opposition gegen das "nationalsozialistische Kriegsabenteuer" bekräftigte. Beck erhielt, inzwischen erschöpft und resigniert, formell noch den Posten des Oberbefehlshabers der 1. Armee. Am 19. Oktober ging er schließlich als Generaloberst in Pension und beschäftigte sich in den nächsten Monaten jenseits der aktuellen Politik mit strategischen und militärgeschichtlichen Studien.

Becks Entwicklung zum "Mittelpunkt des gesamten bürgerlichen Widerstands"45 hat sich in der Folgezeit langsam vollzogen. Für die 'loyale Opposition' (s.o.) sah er keine Chance mehr, und nachdem auch die Westmächte auf den Einmarsch deutscher Truppen in die Tschechoslowakei (März 1939) keine Anstalten machten, Hitler Einhalt zu gebieten, gab Beck seine Loyalität auf. Zunächst beschränken sich seine Aktivitäten darauf, engen Kontakt mit Oster zu halten und die deutschen Angriffspläne auf Polen der britischen Botschaft zuzuspielen (August), um die Westmächte zum Handeln zu bewegen. Nach dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs und dem Freitod Fritschs an der Front kamen mit Selbstvorwürfen, in der Vergangenheit zu passiv gegenüber den Angriffen der Nationalsozialisten auf das 'traditionelle' Militär gewesen zu sein, persönliche Motive hinzu, und schließlich führten Überlegungen zu Stärke, Einsatzbereitschaft und Zielen der Alliierten zu der Erkenntnis, daß der Krieg nicht beendet werden könne, solange Hitler an der Macht sei. Da sich die Anstrengungen der Alliierten auf die Vernichtung des Nationalsozialismus konzentrierten, so Becks Theorie, müsse das Regime abgelöst werden, um Deutschland zu retten - handeln müßten dabei die alten preußischen Eliten.46

Zusammen mit Oster und Dohnanyi plante Beck 1939 den Sturz Hitlers für den Fall eines deutschen Angriffs auf Frankreich, gemeinsam mit Hassell und Goerdeler trieb er die politische Planung für die Zeit nach dem Umsturz voran und er versuchte, v.a. Brauchitsch und Halder für die Opposition zu gewinnen. In den folgenden Jahren hielt Beck sich zwar bei konkreten Handlungen im Hintergrund, wurde aber zur organisatorischen Zentrale des sich seit 1941 erweiternden 'Oppositionsnetzwerks' (zur allgem. Entwicklung der Opposition s.u., 4.2) und zog die Fäden bei den Verhandlungen der Verschwörer mit dem Ausland. Obwohl er nach einem geglückten Umsturz als neues Staatsoberhaupt vorgesehen war, hielt Beck sich gerade in innenpolitischen Debatten zurück. Im Großen und Ganzen stimmte er in diesen Dingen der Konzeption Goerdelers zu; er selber beschäftigte sich vielmehr mit außen- und militärpolitischen Fragen und hielt in diesem Bereich auch Vorträge vor der 'Mittwochsgesellschaft'.

Als Anfang 1944 die Kriegslage immer aussichtsloser wurde und die Verhandlungen mit den Alliierten über Konzessionen für den Fall des Umsturzes endgültig gescheitert waren stellte Beck fest: "Das Entscheidende ist nicht [...] die Folge für das Volk, sondern entscheidend ist, [...] daß es sittliche Pflicht ist, mit allen verfügbaren Mitteln diesen [...] geübten Verbrechen Einhalt zu tun."47 Jetzt ging es also nicht mehr ausschließlich darum, das Hitler-Regime zu stürzen, um Deutschland vor einer verheerenden Kriegsniederlage zu bewahren, sondern der Widerstand hatte eine rein moralische Dimension gewonnen. Es bestand eine Verpflichtung zur 'Bereinigung von Innen', die im Beck'schen Sinne natürlich von den alten Eliten ausgehen mußte: "Uns aus uns selbst gereinigt zu haben, ist allbedeutend."48

Im Juli 1944 konnte Beck nur noch darauf warten, daß Stauffenberg die Attentatspläne verwirklichte und die 'Operation Walküre' zum Umsturz in Gang gesetzt wurde. Als die Nachricht von Hitlers angeblichem Tod am Nachmittag des 20. Juli nach Berlin durchdrang, begab sich Beck mit den anderen Anführern der Verschwörung in die Bendelerstraße, wo er die vorläufigen Regierungsgeschäfte übernahm. Am Abend wurde jedoch bekannt, Hitler habe den Anschlag überlebt; der Putsch wurde niedergeworfen, die Anführer festgenommen und sofort hingerichtet. Nach zwei vergeblichen Selbstmordversuchen wurde schließlich auch Beck erschossen.49

4.2 Entwicklung des militärischen Widerstands bis zum 20. Juli 1944

Charakteristisch für den Widerstand des Militärs - oder richtiger: einzelner Persönlichkeiten aus dem militärischen Bereich - sind zunächst drei Dinge, nämlich zum Ersten die langsame Entwicklung der Opposition über mehrere Stadien, zum Zweiten die enge Verbindung zu Protagonisten und Ideen des national-konservativen Widerstands und zum Dritten die bis 1944 anhaltende Uneinheitlichkeit und Verzweigung der 'Widerstandsgruppen'. Im Folgenden sollen die Handelnden des militärischen Widerstands, ihre Pläne und ihre Aktionen kurz vorgestellt, vor allem aber die Strategien und Beweggründe sowie die äußeren Bedingungsfaktoren analysiert werden. Dabei bietet sich die Aufteilung in drei zeitliche Abschnitte an.

4.2.1 Oppositionsansätze bis zur Sudetenkrise

Wie bereits ausgeführt, standen die militärischen Eliten der 'Machtergreifung' des Natio- nalsozialismus zunächst positiv gegenüber; in den ersten Jahren des neuen Systems wurde Kritik nur vereinzelt gegenüber einigen 'Auswüchsen' des an sich gutgeheißenen Regimes geäußert. Die Entwicklung von dieser 'partiellen Kritik' zu grundsätzlicher Opposition vollzog in der Folgezeit über verschiedene Stadien, in denen sich das Verhältnis von Opposition und Kooperation gegenüber dem Nationalsozialismus immer weiter zu Gunsten der fundamentalen Ablehnung verschob.50

Den ersten großen Zusammenstoß der Militärelite mit der NS-Machtgruppe stellte der Konflikt mit der SA 1934 dar. Auch, wenn sich in diesem Fall Hitler durch sein Vorgehen gegen die 'Parteiarmee' als Bündnispartner der Reichswehr erwies, so bildeten die Ereignisse des Röhm-Putsches doch einen Ansatzpunkt zumindest zur Entfremdung einiger Militärs von Nationalsozialismus - die Gewaltmethoden, mit denen Hitler vorging, vor allem aber die politischen Morde an Konservativen wie Schleicher und Bredow, ließen erschrecken.51 In der Blomberg-Fritsch-Krise 1938 verfestigten sich diese Bedenken. Vor allem die Intrigen von SS und Gestapo gegen Fritsch und seine unehrenhafte Entlassung weckten Zorn bei den preußisch-konservativen Militärs, genauso stießen die personellen Umgestaltungen in der militärischen Spitze auf wenig Gegenliebe. GRAML sieht hier die 'Aufkündigung des Bündnisses konservativen Gruppen und der NS-Bewegung'52, und tatsächlich gewannen einige Schlüsselfiguren des späteren Widerstands wie Beck, Halder, Oster und Canaris nach den ernüchternden Erlebnissen der Fritsch-Affaire eine Distanz zum Nationalsozialismus, die als 'Ansatzpunkt zur Opposition' betrachtet werden kann. Um den Forderungen nach der Rehabilitation Fritschs Nachdruck zu verleihen, spielten die angehenden 'Verschwörer' sogar mit dem Gedanken, gegen SS und Gestapo zu putschen; derartige Absichten wurden aber schließlich doch als 'Meuterei' gegen den Staat verworfen53 - das Regime selbst blieb unantastbar.

Als die immer stärker werdende Kritik Becks und anderer am außenpolitischen Vorgehen Hitlers seit 1937 (s.o.) keine Wirkung zeigte, entstand schließlich auch in diesem Bereich ein echter Ansatzpunkt des Widerstands. Zunächst war das Ziel lediglich die Durchsetzung einer taktisch klügeren Außen- und Machtpolitik in der 'Sudetenkrise' zur Vermeidung des Krieges und die Aktionen hierzu bewegten sich innerhalb des bestehenden Systems (Denkschriften, Rücktritt etc.). Erst, als diese Versuche fehlschlugen, wurde Ende August 1938 über einen Staatsstreichs als letztes Mittel zur Kriegsverhinderung begonnen. Die entsprechenden Planungen Becks, Osters, Canaris', v. Witzlebens u.a. bezogen sich auf den Fall eines Kriegserklärung durch England oder Frankreich und zielten weniger auf einen Putsch gegen das System oder gar ein Attentat auf Hitler, sondern sie sollten vielmehr die Aufgabe der Hitlerschen Kriegspolitik bewirken54. Das Münchener Abkommen vom 29.9. 1938 bannte dann aber die Kriegsgefahr und machte damit die Staatsstreichpläne hinfällig, zumal in der allgemeinen Euphorie über den außenpolitischen Erfolg in der Sudetenfrage kaum mit einer breiten Unterstützung zu rechnen war.

Bis zum Herbst des Jahres 1939 brachen schließlich die regelmäßigen Kontakte der 'Verschwörer' ab, diese 'Auflösungserscheinungen' und die Resignation, die sich angesichts weiterer außenpolitischer Erfolge Hitlers (Eroberung der 'Resttschechei' im März 1939; Hitler- Stalin-Pakt' vom 23.8.1939) breit machten, verhinderten zunächst weitere Aktionen.

4.2.2 'Widerstand' und Umsturzplanungen 1939-1941/42

Die nächste Phase des Widerstands, von etwa Mitte 1939 bis zum Jahreswechsel 1941/42, war durch zwei grundlegende Entwicklungen geprägt: erstens fand die Erweiterung des 'Verschwörerkreises' und eine Intensivierung bzw. Systematisierung der Planungen statt, und zweitens setze sich in dieser Zeit die Überzeugung durch, Hitler müsse beseitigt werden, um einen Umsturz nach Innen durchsetzen und nach Außen absichern zu können. Von Witzleben, Oster, Beck, von Hassell u.a. begannen im Sommer 1939 mit der Ausar- beitung eines langfristigen Programms zu Umsturz. Bis zum Frühjahr 1940 sollten dabei dezentral Verschwörergruppen aufgebaut werden, die für die flächendeckende Verhaftung der NS-Funktionäre und für die Besetzung von Medieneinrichtungen, Verkehrswegen etc. sorgen sollten. Im Rahmen dieser Planungen intensivierten sich die Kontakte zwischen militärischen und zivilen Oppositionellen, es wurden nun auch Diplomaten und Gewerkschafter einbezogen und politische Alternativkonzepte konservativer Prägung (Goerdeler, Beck, Hassell) zum Nationalsozialismus erarbeitet.55 Zwar gelang es nicht, so wichtige Befehlshaber wie Fromm und Rundstedt für die Opposition zu gewinnen, Anfang 1941 schloß sich jedoch Gruppe jun- ger Offiziere aus Posen unter der Führung von Tresckows der Verschwörung an und brachte gewissermaßen neuen Elan mit.

Gerade diese jungen Offiziere bestärkten die Auffassung, die Beseitigung Hitlers sei die notwendige Voraussetzung für einen erfolgreichen Umsturz. Die Hoffnung, daß Regime würde bei anhaltenden Mißerfolgen von selbst zusammenbrechen, hatte sich nicht erfüllt, denn noch sorgten militärische Erfolge in Dänemark und Norwegen (April 1940) und an der Westfront (Sommer 1940) für Euphorie im Inneren; genauso waren die Verhandlungen mit den Westmächten - über Diplomaten im Vatikan und in der Schweiz - vorerst gescheitert.56 Die Verschwörer konnten den Engländern zwar ein Programm für die Zeit nach dem Krieg vorlegen und gaben wiederholt die Angriffspläne Hitlers weiter, aber dennoch wurden sie wenig ernst genommen - wohl vor allem, weil sie noch keine praktischen Ansätze zum Umsturz vorweisen konnten.

Gründe dafür, daß die Opposition trotz der starken inneren Weiterentwicklung bis 1942 zu keinem konkreten Staatsstreichversuch kam, waren vielfältig. Noch immer war die 'Militäropposition' sehr uneinheitlich in ihren Motiven und Zielen - ressortspezifische und taktische Überlegungen ('Anti-Kriegsausweitungsgruppe') standen hier prinzipieller Opposition gegenüber57 ; die wichtigste Voraussetzung für den Staatsstreich, eine innere Schwäche Hitlers, war nicht gegeben und letztlich wird die ablehnende, mißtrauische Haltung der Alliierten gegenüber den Widerständlern Verunsicherung über die 'Zeit danach' verursacht haben.58

4.2.3 Die Entwicklung bis zum 20. Juli 1944

1942 hatten sich in dem immer weitläufiger werdenden Netzwerk der Opposition drei Zentren herauskristallisiert. In Berlin formierte sich der 'alte Kern' um Beck, Oster und von Witzleben neu und gewann Mitstreiter in militärischen Führungsstäben und bei der Polizei, von Tresckow bildete mit von Schlabrendorff den Mittelpunkt der Verschwörergruppe an der Ostfront, und im Frankreich und Belgien hielten sich von Stülpnagel, von Hofacker, von Falkenhausen u.a. bereit.59

Ende 1942 begannen sowohl in Berlin als auch an der Ostfront Umsturzplanungen, die direkt auf die Ermordung Hitlers abzielten. Der Eidträger, so die Überlegung, mußte beseitigt werden, denn erst im eidfreien Zustand werde die Armee einen Umsturz und eine neue Führung dulden. In Berlin erklärte sich von Stauffenberg, der erst spät zum Widerstand gestoßen war, bereit, Hitler zu töten; im Osten machte sich parallel die Tresckow-Gruppe Gedanken um Methoden des Attentats. Versuche, Hitler Anfang 1943 bei einem Frontbesuch zu erschießen, scheitern aber ebenso wie die Bemühungen Tresckows/ Schlabrendorffs am 13. März, Hitlers Flugzeug zu sprengen, und der Attentatsversuch Gersdorffs im Berliner Zeughaus vom 21. März.

Seit 1943 hatte sich die Kriegslage entscheidend verändert: nach der Casablanca-Konferenz, auf der die Alliierten die bedingungslose Kapitulation Deutschlands forderten, der verheerenden Niederlage von Stalingrad und zunehmenden Problemen an der Westfront geriet das Deutsche Reich zunehmend unter Druck. Und auch die Grundlage der Verschwörung hatte sich geändert, denn die Möglichkeiten, nach einem erfolgreichen Umsturz durch ein Arrangement mit den Alliierten den deutschen Nationalstaat retten zu können, schwanden beträchtlich. Spätestens im Juni 1944, nach der Landung der Alliierten in der Normandie und zunehmenden Rückschlägen an der Ostfront verlor der Staatsstreich seinen militärisch- praktischen Sinn - die totale Niederlage war absehbar, die Alliierten sahen keinen Grund mehr, Zugeständnisse zu machen.60 Von Tresckow beschrieb die Widerstandsmotivation, die schließlich auch den Attentatsversuche und die Umsturzplanungen ('Operation Walküre') 194461 prägte, folgendermaßen: "Es kommt nicht mehr auf den praktischen Zweck an, sondern darauf, daß die deutsche Widerstandsbewegung vor der Welt und vor der Geschichte den entscheidenden Wurf gewagt hat."62

Die Entwicklung eines militärischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus vollzog sich also - zusammengefaßt - in folgenden Stufen: über den Kampf um Macht und politischen Einfluß innerhalb des Systems und über Differenzen um einzelne innen- und außenpolitische Maßnahmen gelangte man zu einer gewissen Distanz zum NS-Staat. Um aber eigene, preußisch-konservative Vorstellungen durchsetzen zu können, bedurfte es Veränderungen gerade in der Außenpolitik, die sich aber trotz vieler Versuche (Beck!) innerhalb des bestehenden Systems nicht durchführen ließen. Entsprechend mußte das System verändert werden; zunächst wurde dies mit dem Hintergrund versucht, durch einen Umsturz den Staat vor den fatalen Auswirkungen der Hitlerschen Kriegspolitik zu retten. Die Einsicht in den verbrecherischen, amoralischen Charakter des Nationalsozialismus bildete die letzte Stufe, der militärischeWiderstand wurde schließlich - wenn auch ziemlich spät, m.E. erst seit 1943/44, - zur "freien Tat des Gewissens und des Selbstopfers [...] allein gegründet auf ethisch-moralische Motivation."63

LITERATURVERZEICHNIS

- Buchheit, G.: Ludwig Beck, ein preußischer General. München 1964.
- Carsten, F. L.: Reichswehr und Politik 1918-1933. Köln, Berlin 1964.
- Deutsch, H.C.: Das Komplott oder Die Entmachtung der Generale. Blomberg-und-Fritsch- Krise. Hitlers Weg zum Krieg. o.O. 1974.
- Graml, H.: Miltärischer Widerstand. In: Benz, W./ Pehle, W.H. (Hrsg.): Lexikon des deutschen Widerstands. Frankfurt 1994, S. 83-97.
- Foerster, W.: Generaloberst Ludwig Beck. Sein Kampf gegen den Krieg. Aus den nachgelassenen Papieren des Generalstabschefs. München 1953.
- Hoffmann, P.: Der militärische Widerstand in der zweiten Kriegshälfte 1942- 1944/45. In: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Aufstand des Gewissens. Der Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime 1933-1945. 4. Aufl., Bonn 1994, S. 395- 419.
- ders.: Widerstand - Staatsstreich - Attentat. Der Kampf der Opposition gegen Hitler. München 1969
- Jacobsen, H.-A.: Militär, Staat und Gesellschaft in der Weimarer Republik. In: Bracher, K.D/ Funke, M./ Jacobsen, H.-A. (Hrsg.): Die Weimarer Republik 1918-1933. Politik - Wirtschaft - Gesellschaft. Bonn 1987. S. 343-368.
- Krausnick, H.: Vorgeschichte und Beginn des militärischen Widerstandes gegen Hitler. In: Vollmacht des Gewissens, Bd.1. Hrsg. von der Europäische Publikation e.V. Berlin 1960.
- Messerschmidt, M.: Die Wehrmacht im NS-Staat. In: Bracher, K. D./ Funke, M./ Jacobsen, H.A. (Hrsg.): Deutschland 1933-1945. Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft. Bonn 1992. S.377-403.
- Müller, K.-J.: General Ludwig Beck. Studien und Dokumente zur politisch-militärischen Vorstellungswelt und Tätigkeit des Generalstabschefs des deutschen Heeres 1933-1938. Boppard am Rhein 1980. (= Schriften des Bundesarchivs, Bd. 30)
- ders.: Staat und Politik im Denken Ludwig Becks. In: HZ 215, 1972, S. 607- 631.
- ders.: Über den "militärischen Widerstand". In: Steinbach, P./ Tuchel, J. (Hrsg.): Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Bonn 1994. S. 266-279.
- Reynolds, N.: Beck. Gehorsam und Widerstand. Das Leben des deutschen Generalstabschefs. Wiesbaden, München 1977.
- Rothfels, H.: Die deutsche Opposition gegen Hitler. Eine Würdigung. Frankfurt am Main, Hamburg 1958.
- Schmädecke, J.: Militärische Umsturzversuche und diplomatische Oppositionsbestrebungen zwischen der Münchener Konferenz und Stalingrad. In: Steinbach, P./ Tuchel, J. (Hrsg.): S. 294-318.
- Ueberschär, G. R.: Ansätze und Hindernisse der Militäropposition gegen Hitler in den ersten beiden Kriegsjahren (1939-1941). In: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): S. 365-393.
- van Roon, G.: Widerstand im Dritten Reich. Ein Überblick. 2. Aufl., München 1981.
- Walle, H.: Der 20. Juli 1944. Eine Chronik der Ereignisse von Attentat und Umsturzversuch. In: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): S. 685-703.

[...]


1 Die Aufzeichnungen Ludwig Becks sind u.a. zugänglich über: Müller, K.-J.: General Ludwig Beck. Studien und Dokumente zur politisch-militärischen Vorstellungswelt und Tätigkeit des Generalstabschefs des deutschen Heeres 1933-1938. Boppard am Rhein 1980. (künftig zit. als: Müller, Studien.)

2 vgl. Foerster, W.: Generaloberst Ludwig Beck. Sein Kampf gegen den Krieg. Aus den nachgelassenen Papieren des Generalstabschefs. München 1953, passim. (künftig zit. als: Foerster, Kampf.)

3 vgl. Buchheit, G.: Ludwig Beck. Ein preußischer General. München 1964, passim.

4 vgl. Reynolds, N.: Beck. Gehorsam und Widerstand. Das Leben des deutschen Generalstabschefs 1935-1938. o.O. 1977, passim. (künftig zit. als: Reynolds, Beck.)

5 vgl. Müller, Studien, passim; ferner: Müller, K.-J.: Staat und Politik im Denken Ludwig Becks. In: HZ, 215, 1972, 606-631, passim. (künftig zit. als: Müller, Staat und Politik.)

6 vgl. Carsten, F. L.: Reichswehr und Politik 1918-1933. Köln, Berlin 1946, S. 17.

(künftig zit. als: Carsten, Reichswehr.)

7 vgl. Jacobsen, H.-A.: Militär, Staat und Gesellschaft in der Weimarer Republik. In: Bracher, K./ Funke, M./ Jacobsen, H.-A. (Hrsg.): Die Weimarer Republik 1918-1933. Politik - Wirtschaft - Gesellschaft. Bonn 1987. 343-368, S. 343. (künftig zit. als: Jacobsen, Weimar.)

8 vgl. ebd., S. 350f.

9 Zu Seeckts "Prinzip des unpolitischen Soldaten" vgl. Jacobsen, Weimar, S. 356ff. und Carsten, Reichswehr, S. 103f.

10 Jacobsen, Weimar, S. 353.

11 Zur militärischen Vorbereitungen und Rüstung 1919-1933 vgl. Carsten, Reichswehr, S. 168ff., S. 240ff., S. 297ff., S. 401ff.

12 Zur nationalsozialistischen Rüstungsplanung vgl. Messerschmidt, M.: Die Wehrmacht im NS-Staat. In: Bracher, K. D./ Funke, M./ Jacobsen, H.-A. (Hrsg.): Deutschland 1933-1945. Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft. Bonn 1992, 377-403, S. 389ff.

(künftig zit. als: Messerschmidt, Wehrmacht.)

13 Müller, K.-J.: Über den "militärischen Widerstand". In: Steinbach, P./ Tuchel, J. (Hrsg.): Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Bonn 1994, 266-279, S. 269. (künftig zit. als: Müller, Widerstand.)

14 vgl. Messerschmidt, Wehrmacht, S. 380f.

15 vgl. ebd., S. 378f.

16 vgl. Jacobsen, Weimar, S. 355f.

17 Krausnick, H.: Vorgeschichte und Beginn des militärischen Widerstandes gegen Hitler. In: Europäische Publikation e.V. (Hrsg.): Vollmacht des Gewissens. Berlin 160. S. 185f. (künftig zit. als: Krausnick, Vorgeschichte.)

18 ebd., S. 184.

19 vgl. Jacobsen, Weimar, S. 346ff.

20 vgl. Müller, Studien, S. 64f.

21 vgl. Müller, Widerstand, S. 270.

22 vgl Krausnick, Vorgeschichte, S. 236ff.

23 vgl. Messerschamidt, Wehrmacht, S. 389; S. 402.

24 Die folgenden biographischen Angaben und Zitate sind entnommen aus: Reynolds, Beck, S. 11-70; auf gesonderte Fußnoten wird bis auf weiteres verzichtet.

25 vgl. Reynolds, Beck, S. 72f.

26 vgl. ebd., S. 102ff.

27 Zu Becks Position zur Blomberg-Fritsch-Krise vgl. ebd., S. 107ff.

28 ebd., S. 132.

29 vgl. Dokument Nr. 44: Betrachtungen zur militärpolitischen Lage im Mai 1938 vom 05.05.1938. In: Müller, Studien, S. 502-512. und Nr. 46: Stellungnahme zu den Ausführungen Hitlers [...] vom

29.5.1938; ebd., S.521-528.

30 Zu genauem Ablauf, Hintergründen, politischer Bedeutung und Folgen der Krise vgl. Deutsch, H. C.: Das Komplott oder Die Entmachtung der Generale. Blomberg-und-Fritsch-Krise. Hitlers Weg zum Krieg. o.O. 1974, passim.

31 vgl. Dokument Nr. 47: Denkschrift für den Oberbefehlshaber des Heeres [...] aus Anlaß einer Weisung des OKW vom 03.06.1938. In: Müller, Studien, S. 528-537.

32 vgl. Dokumente Nr. 48/49: Denkschrift [...] über die militärische Aussichtslosigkeit eines Krieges gegen die Tschechoslowakei vom 15.07.1938 (erste Fassung) und vom 16.07.1939 (Endfassung). In: Müller, Studien, S. 537-550.

33 Foerster, W.: Ein General kämpft gegen den Krieg: aus den nachgelassenen Papieren des Generalstabschefs Ludwig Beck. München 1949 [Erstauflage von Foerster, Kampf.]

34 beide Vortragsnotizen als Dokumente Nr. 50 und Nr. 51 in Müller, Studien, S. 551- 556.

35 vgl. Müller, Staat und Politik, S. 613ff.

36 ebd., S. 624.

37 ebd., S. 622.

38 Müller, Studien, S. 307.

39 Zu dieser Einschätzung kommt auch Reynolds, Beck, S. 146.

40 Interpretation Hoffmanns vgl.: Hoffmann, P.: Widerstand - Staatsstreich - Attentat. Der Kampf der Opposition gegen Hitler. München 1969, S. 102ff.

41 vgl. Krausnick, Vorgeschichte, S. 320f.

42 Foerster, Kampf, S. 127; Hervorhebungen S.K.

43 Müller, Studien, S. 310.

44 vgl. Reynolds, Beck, S. 150ff.

45 von Roon, G.: Widerstand im Dritten Reich. Ein Überblick. 2. Aufl., München 1981, S. 127. (künftig zit. als: Roon, Drittes Reich.)

46 vgl. Reynolds, Beck, S.172ff.

47 Ludwig Beck im Frühjahr 1944, zit. nach Reynolds, Beck, S. 226.

48 zit. nach Reynolds, Beck, S. 221.

49 Zur Rolle Becks am 20. Juli 1944 vgl. Reynolds, Beck, S. 222ff.

50 vgl. Müller, Widerstand, S. 268f.

51 vgl ebd., S. 270 sowie Graml, H.: Militärischer Widerstand. In: Benz, W./ Pehle, W. H. (Hrsg.): Lexikon des deutschen Widerstandes. Frankfurt am Main 1994. 83-97, S. 86. (künftig zit. als: Graml, milit. Widerstand.)

52 vgl. Graml, milit. Widerstand, S. 87.

53 vgl. Roon, Drittes Reich, S. 125f.

54 vgl. Graml, milit. Widerstand, S. 88f.

55 vgl. Schmädecke, J.: Militärische Umsturzversuche und diplomatische Oppositionsbestrebungen zwischen der Münchener Konferen und Stalingrad. In: Steinbach, P./ Tuchel, J. (Hrsg.): Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Bonn 1994, 294-318, S. 305ff.

56 vgl. Ueberschär, G. R.: Ansätze und Hindernisse der Militäropposition gegen Hitler in den ersten beiden Kriegsjahren (1939-1941). In: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Aufstand des Gewissens. Militärischer Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime 1933-1945. 4. Aufl., Berlin 1994, 365-385, S. 377ff. (künftig zit als: Ueberschär, Ansätze.)

57 Zur Entwicklung ethisch-moralischer Impulse des Widerstands seit 1938 und zum "Verhältnis von Moral und Sachkonflikt" vgl. Müller, Widerstand, S.275ff.

58 vgl. Ueberschär, Ansätze, S. 383f. sowie Rothfels, H.: Die Deutsche Opposition gegen Hitler. Eine Würdigung. Frankfurt am Main, Hamburg 1958. S. 82.

59 vgl. Hoffmann, P.: Der militärische Widerstand in der zweiten Kriegshälfte 1942-1944/45. In:

Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Aufstand des Gewissens. Militärischer Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime 1933-1945. 4. Aufl., Berlin 1994, 385-419, S. 400ff. (künftig zit. als: Hoffmann, 1942ff.)

60 vgl. ebd., S. 413.

61 Auf die detaillierte Beschreibung der Stauffenbergschen Attentatsversuche, der 'Walküre'-Planungen und der Ereignisse vom 20. Juli 1944 wird verzichtet, derartige Ausführungen würden im Rahmen dieser Arbeit zu weit gehen. Genaue, z.T. minutiöse Darstellungen sind zu finden u.a. in: Walle, H.: Der 20. Juli 1944. eine Chronik der Ereignisse von Attentat und Umsturzversuch. In: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Aufstand des Gewissens. Militärischer Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime 1933-1945. 4. Aufl., Berlin 1994, 685- 703, passim; und Hoffmann, 1942ff., S. 415ff.

62 zit. nach Müller, Widerstand, S. 279.

63 Müller, Widerstand, S. 279.

20 von 20 Seiten

Details

Titel
Widerstand gegen den NS innerhalb des Militärs
Note
1
Autor
Jahr
1997
Seiten
20
Katalognummer
V95231
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Widerstand, Militärs
Arbeit zitieren
Svenja Kunze (Autor), 1997, Widerstand gegen den NS innerhalb des Militärs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95231

Kommentare

  • Gast am 9.10.2001

    Widerstand gegen den <NS innnerhalb des Militärs.

    Tolle Arbeit, gute,nein, sehr gute Gliederung.

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Titel: Widerstand gegen den NS innerhalb des Militärs


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