Napoleon-Überwinder oder Vollender der französischen Revolution


Referat / Aufsatz (Schule), 1999

12 Seiten, Note: 2


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Napoleon als Vollender oder Überwinder der französischen Revolution
2.1. Die vollendeten Aspekte der französischen Revolution
2.2. Die Überwindung der Verhältnisse am Schluß der Revolution
2.3. Die Ära Napoleon und die Revolution

3. Die Auswirkungen auf die europäischen Gesellschaften
3.1. Ein Europa für Napoleon
3.2. Die französische Gesellschaft nach der Revolution
3.3. Die gesamtdeutsche Gesellschaft nach der französischen Revolution
3.3.1. Das Scheitern des napoleonischen Imperiums am deutschen Volk
3.3.2. Das deutsche Volk und die Besatzer
3.3.3. Die Hinterlassenschaften der französischen Herrschaft
3.3.4. Die Machtpolitik Napoleons in Deutschland
3.3.5. Die preußischen Reformen von 1807 bis 1821
3.3.6. Die Deutschen und ihr Nationalismus

4. Schlußbemerkung

1. Einleitung

Für die Hausarbeit im Fach Geschichte wurden mir die zwei folgenden Aufgabenstellungen zur Bearbeitung aufgetragen: 1. Diskutieren Sie die Frage: Napoleon - Vollender oder Überwinder der französischen Revolution! Und 2. Schlußfolgern Sie, welche Bedeutung die französische Revolution für die gesellschaftliche Entwicklung im 19. Jahrhundert hatte.

Dazu werde ich im ersten Teil die Maßnahmen der Politik Napoleons aufzeigen, welche die Vollendung der Gedanken und politischen Verhaltensweisen der französischen Revolution beinhalteten und sie mit den Ergebnissen seiner Herrschaft gegenüberstellen, die eine Überwindung der Revolution darstellen. Als dann wird eine Entscheidung der Frage folgen. Die Bearbeitung des zweiten Teils gestaltet sich in folgender Weise. Zunächst werde ich die Auswirkung auf die französische Gesellschaft darstellen und danach auf die gesamtdeutsche. Eine Trennung hierbei ist etwas schwieriger, da die Entwicklung dieser beiden Gesellschaften in einigen Bereichen parallel verlief. Auch habe ich in diesem Bezug die Aufgabenstellung für mich präzisiert, und mich auf die deutsche und französische Gesellschaft konzentriert. Der eindeutige Schwerpunkt liegt hierbei auf der deutschen Gesellschaft, wobei oft die preußische eine große Rolle spielt, insbesondere auch die preußischen Reformen.

Mein Bestreben ist es, auch in der mangelnden Komplexität dem Anspruch einer Hausarbeit gerecht zu werden. Auch habe ich es versucht, die förmliche Gestaltung den allgemeinen Anforderungen anzupassen.

2. Napoleon als Vollender oder Überwinder der französischen Revolution

2.1. Die vollendeten Aspekte der französischen Revolution

Napoleon hatte es geschafft, durch seine militärischen Erfolge und die erfolgreiche Wirtschaftspolitik die breiten Volksmassen hinter sich zu bringen. Und dies trotz der allgegenwärtigen Zensur, der Verbannungen und der straffen autoritären Führung. Doch die Belebung der Wirtschaft und die niedrigen Lebensmittelpreise begünstigten seinen politischen Erfolg. Somit war die Grundlage geschaffen, für die Fortführung einer Politik nach seinen Maßstäben, wobei er wesentliche Gedanken aus der revolutionären Zeit übernahm. Er trat für diese Aspekte als Vollender in Erscheinung. Er führte sie zu einem Ziel (die Hegemonie in Europa) und versuchte sie mit einem Ergebnis abzuschließen.

Die Einführung des Code Napoléon, bestehend aus dem Code civil (1804) und dem Code pénal (1810), führte die in der französischen Revolution geprägten Gedanken fort. Unter anderem sicherte er die Rechtsgleichheit der Bürger (im Zivil- und Strafrecht), die persönliche Freiheit und den Besitz von Eigentum, die Vertragsfreiheit und die Wirtschaftsfreiheit. Durch das Plebiszit band Napoleon breite Bevölkerungsschichten an die Regierungsgewalt. Seine innenpolitische Grundidee, der Ausgleich der politischen und sozialen Kräfte, fand auch im Umgang mit der Kirche Anwendung. Er erhob den Katholizismus zur Staatsreligion und führte die Zivilehe und Ehescheidung als rechtsgültige Normen ein.

Napoleon wollte ein Europa in Hegemonie schaffen. Dazu setzte er die Politik der Revolutionsregierung fort und versuchte eine kontinentaleuropäische Staatenwelt zu schaffen. Vor allem die Länder um Frankreich versuchte er nach den republikanische Prinzipien zu gestalten. Dies zog umfangreiche territoriale und politische Veränderungen nach sich.

2.2. Die Überwindung der Verhältnisse am Schluß der Revolution

Napoleon Bonaparte schuf im nachrevolutionären Frankreich einen plebiszitären Despotismus auf Grundlage einer Militärdiktatur. Mit diesem Ergebnis stellte er sich als Überwinder der Machtverhältnisse, die zum Ende der französischen Revolution hin herrschten, dar. Sie wurden gewissermaßen besiegt, verdrängt und bezwungen.

1802 ließ er sich das Konsulat auf Lebenszeit verleihen. Danach, 1804, führte er das erbliche Kaisertum ein. Diese beiden Maßnahmen sind jeweils durch ein Plebiszit, einer Volksabstimmung, mit überwältigender Mehrheit im Volke entschieden worden. Der Kaisertitel Napoleons stand für einen neuen Machtanspruch im neuen entstehenden Europa. Frankreich besaß nun wieder eine autoritäre Regierungsform. Die Repräsentativverfassung mit implementierter Volkssouveränität war nur Fassade. Es war eine neue Monarchie entstanden. Im Prinzip herrschte Napoleon absolut. Seine Regierungsgewalt übte er durch eine straffe und zentral geführte Bürokratie aus. Die Bürokratie war allein der Zentrale verantwortlich und mußte deren Absichten mit Nachdruck durchsetzen. Wobei die Zentrale indirekt Napoleon unterstand.

2.3. Die Ära Napoleon und die Revolution

Die Herrschaft Napoleons beinhaltete Beides: Die Fortführung und Vollendung von politischen Ideen und Gedanken der Revolution. Sowie auch die Beendigung, Abschaffung, Überwindung von Aspekten der revolutionären Regierung. Seine Herrschaft schuf eine der wesentlichen Voraussetzungen für die moderne Geschichte Europas.

3. Die Auswirkungen auf die europäischen Gesellschaften

3.1. Ein Europa für Napoleon

Den außenpolitischen Gestaltungsabsichten Napoleons nach, war Europa eine antiquierte Staatenwelt, die es zu zertrümmern galt. Er teilte es für sich in mittelgroße Staaten auf, die unter seiner direkten bzw. indirekten Regie standen. Dabei wollte er sie im Inneren nach französischen Vorbild, eine Zentralgewalt mit hierarchisch aufgebauter untergeordneter Verwaltung, modernisieren. Letztendlich bereitete dies den Boden für eine Neuordnung der Völker auf nationaler Basis.

3.2. Die französische Gesellschaft nach der Revolution

In der Vollendung der Reformgedanken der revolutionären Kräfte, führte Napoleon Bonaparte umfangreiche soziale, administrative und rechtliche Reformen durch. Damit schuf er ein epochemachendes einheitliches Organisationssystem der öffentliche Belange. Die geschriebenen Gesetzbücher sollten noch weit über die französischen Grenzen hinaus Rechtsgeschichte schreiben. Sie besaßen eine neue moderne bürgerliche Ausrichtung und sollten zunächst auch Vorlage für das Rechtswesen in den von Frankreich besetzten oder abhängigen Gebieten sein. Auch im wirtschaftlichen Bereich gab es immense Auswirkungen. Um die Hegemonie in Kontinentaleuropa durchzusetzen, bediente sich Napoleon Bonaparte u.a. einer Kontinentalsperre. Wobei er England zu schwächen suchte. Sie erzwang zugleich den Aufbau eigenständiger Industrien. Auch förderte das neue liberale Gesetzwesen die Entfaltung der Nationalwirtschaft. Die Wirtschaftsgrenzen verlagerten sich von den Küsten hinweg in das Landesinnere. Damit fand eine Konzentration auf die nationalen Binnenmärkte statt. Es wurden größere Wirtschaftsräume durch den Abbau von Binnenzöllen (Folge war dabei die Gründung des Zollvereins) und die Freigabe der Gewerbe geschaffen. Ein neues Steuersystem mit gleicher Steuerpflicht für alle wurde etabliert. Weiterhin fand eine Industrialisierung wichtiger Gewerbezweige (Textilproduktion, Kohlebergbau, Eisen- und Stahlerzeugung) statt. Trotzalledem bildete der Landbesitz weiterhin die Hauptquelle des Reichtums und des Sozialprestiges.

3.3. Die gesamtdeutsche Gesellschaft nach der französischen Revolution

3.3.1. Das Scheitern des napoleonischen Imperiums am deutschen Volk

Die auf Eroberung und politische sowie territoriale Vereinnahmung ausgerichtete Außenpolitik Napoleons, schwor die kriegerische Konfrontation mit dem zersplittertem Deutschland, dabei vor allem Preußen, herauf. Die Schlachten bei Austerlitz (Dreikaiserschlacht, 1805), bei Jena und Auerstedt (1806) waren siegreich für Napoleon. So konnte er 1806 mit seinem Heer in Berlin einmarschieren. Im Frieden von Tilsit (1807) wurde von Frankreich diktiert, daß Preußen weite Teile seines Territoriums abzutreten hat. Damit zerschlug er die Großmachtstellung Preußens und gründete den frankreichhörigen Rheinbund. In den von Frankreich eroberten und abhängigen Gebieten kam es zu einer Welle nationaler Erhebungen, wobei sich der Widerstand gegen die napoleonische Herrschaft neu formierte. Nach der Niederlage Napoleons in Rußland gärte es im deutschen Volk, daß durch die neue Einigkeit in der Nation vereinten Widerstand erkennen ließ. Alle Bevölkerungsschichten hatte daran teil. Gefördert wurde dieser einerseits durch eine nationale Hochstimmung. Die Bauern waren durch das Oktoberedikt von der Erbuntertänigkeit befreit, die Handwerker und Unternehmer profitierten von der Gewerbefreiheit und das Bildungsbürgertum hatte neue Aufstiegsmöglichkeiten durch das reformierte Heeres- und Bildungswesen. Andererseits aber auch durch die enormen Belastungen der französischen Besatzung. Jene entstanden durch die Kontinentalsperre, und die Kriegsentschädigungen. Diese führten zu Bankrotten, Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen. Ein großer Teil der preußischen Bevölkerung lebte im materiellen Elend. Damit war auch der gemeine Mann kriegsbereit. Bereits um 1809 diskutierten preußische Militärs einen nationalen Volkskrieg. Im Februar 1813 verbündete sich Preußen mit Rußland. Und im gleichen Jahr kam es zur Völkerschlacht bei Leipzig. Preußen brachte dabei in Koalition mit England, Rußland, Österreich und Schweden Napoleon zu Fall.

3.3.2. Das deutsche Volk und die Besatzer

In den Jahren 1789 bis 1792/93 kam es zu einer neuartigen Aufbruchstimmung unter den Philosophen, Dichtern und politisch interessierten Intellektuellen Deutschlands. Sie bejahten, begrüßten und begeisterten sich für die Hauptgedanken der französischen Revolution. Am Ende dieses Zeitraums flaute diese Begeisterung jedoch ab. Die Bevölkerung der eroberten Gebiete erhoffte sich eine Herstellung der Freiheit, die Durchsetzung der Gleichheit, eine stärker herausgebildete nationale Einheit und neue Formen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens. Jedoch mußte sie feststellen, daß ihre Hoffnungen nur teilweise erfüllt wurden. Vielmehr wurden ihr die „Geschenke auf der Spitze der Bajonette“, begleitet von militärischer Okkupation und Requisition und Tausenden mehr oder weniger schweren Quälereien, beigebracht. Auch penetrierte das ständige Selbstlob der Franzosen. Ausbeutung, Plünderung ja zuweilen auch Mord beeinflußten die Beziehungen der Völker zu den Besatzern negativ. So wurde die aufgesetzte Verfassung nur von Minderheiten getragen. Die nationale Abwehrhaltung gegen Frankreich war stärker, als das dessen neue politische und soziale Ideen die Menschen hätten gewinnen können. So entfaltete sich ein neuer Nationalismus, durch die Reaktionen gegen das napoleonische Empire.

3.3.3. Die Hinterlassenschaften der französischen Herrschaft 7

Erst in nachnapoleonischer Zeit traten die liberalen Errungenschaften der Revolution (Forderungen nach Durchsetzung und Vollendung des Programmes von 1789 bis 1791) in den Vordergrund. Auch die Restauration konnte diesen Prozeß nicht aufhalten. Tiefe Spuren hinterließ bis heute die französische Herrschaft unter anderem auch in Deutschland (hier zunächst nur in den linksrheinischen Gebieten). Vor allem in den Bereichen der Verwaltung, dem geistigen Leben, der Sozialstruktur und der wirtschaftlichen sowie rechtlichen Öffentlichkeit. Viele Institutionen blieben nach der französischen Herrschaft erhalten. Hier wirkt sich auch wieder der Code civil (Bestandteil des Code Napoléon) aus. Eingeführt wurden die Selbstverwaltung auf den Ebenen der Departements, Kantone und Gemeinden (natürlich unter den Weisungen der Zentralgewalt), die Mündlichkeit und Öffentlichkeit der Rechtsprechung, die Geschworenengerichte und die Abschaffung der Grundherrschaft und Zünfte.

3.3.4. Die Machtpolitik Napoleons in Deutschland

Die durchgeführte Säkularisierung (Einziehung kirchlichen Eigentums durch den Staat) nahm der Reichskirche die Vorrangstellung als weltliche Macht und dem Deutschen Kaiser die Stütze seiner Zentralgewalt. Im Zuge der Mediatisierung (Beseitigung der Reichsunmittelbarkeit) begann in den links- und rechtsrheinischen Gebieten ein politischer und gesellschaftlicher Umwälzungsprozeß, der die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation nach sich zog. Im Reichsdeputationshauptschluß zu Regensburg (1803) und im Frieden von Preßburg (1805/06) wurde die Zahl der Herrschaften von 250 auf 39 reduziert. Es entstanden neue größere Mittelstaaten, wie etwa: Bayern, Baden, Württemberg und Preußen. Damit traten 16 süd- und westdeutsche Staaten in den Rheinbund (1806) und verkündeten den Reichsaustritt (1.8.1806). Hernach gab Kaiser Franz II die Krone ab (6.8.1806). Im Jahre 1815 wurde dann der deutsche „Staatenbund“ verwirklicht, als einzige Möglichkeit einer gemeinsamen nationalen Staatlichkeit. Die Rheinbundstaaten und die Modellstaaten Berg und Westfalen öffneten sich den napoleonischen Reformen. Sie zentralisierten die Verwaltungen, beseitigten Steuerprivilegien und Ämtermonopole für obere Stände und errichteten eine Gesellschaft der freien Stände. Sie schufen damit die Voraussetzungen für eine einheitliche Staatenorganisation.

3.3.5. Die preußischen Reformen von 1807 bis 1821

Nach der Niederlage gegen Napoleon (1806) und dem Frieden von Tilsit (1807) war Preußen entscheidend geschwächt. Zur Wiederherstellung der Großmachtstellung und zur Bewältigung der Lasten durch die Entschädigungszahlungen, Kriegsfolgen und der Kontinentalsperre waren umfangreiche politische und, vor allem, wirtschaftliche Reformen notwendig. Anders als in Frankreich, wo die Revolution vom selbstbewußtem Bürgertum getragen wurde, waren es hier die leitenden Staatsbeamten, die die Initiative einbrachten. Daher auch der Begriff der „Revolution von oben“. Geleitet wurden sie dabei von den Ideen der Aufklärung und des Frühliberalismus. Bedeutende Personen dieses Prozesses waren u.a. Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (1757-1831) und Karl August von Hardenberg (1750-1822). Beeinflußt vom englischem Staatswesen war für Stein die Selbstverwaltung Kern eines zeitgemäßen Gemeinwesens. Er wollte die Geschicke der Nation in ihre eigenen Hände legen. Hardenberg wollte die Kräfte des Gemeinwesens reorganisieren. Er wollte einen Liberalismus, bei dem die Staatsbürger aller Stände in einer gewissen Rangordnung leben. Hardenberg und Stein waren von den Gedanken der Aufklärungsphilosophie und den Ideen der französischen Revolution geprägt. Bestandteil der preußischen Reformen war die Reorganisation der Verwaltung. Dabei wurde in den Jahren 1806-1815 eine Kabinettsreform durchgeführt. Es entstanden 1808 fünf Ministerien (Inneres, Finanzen, Außenpolitik, Kriegsführung und Justiz) modernen Stils, mit strengen Instanzen. 1815 wurden Provinzregierungen eingeführt und 1817 ein Staatsrat geschaffen. Hierbei handelt es sich um ein Beamtenparlament, daß verantwortlicher Träger der politischen Willensbildung ist. Für die Reform des Militärs zeichneten vor allem die Generale Scharnhorst, Gneisenau, Clausewitz und Boyen verantwortlich. 1813/1814 wurde die allgemeine Wehrpflicht mit einer Dienstzeit von drei bis vier Jahren eingeführt. Sie wurde als patriotische Bürgerpflicht verstanden und bewirkte eine gesellschaftliche Erweiterung. Das Adelsmonopol für die Offiziersstellen wurde abgeschafft und das Leistungsprinzip wurde eingeführt. Weiterhin verschwanden entehrende Strafen aus dem Militäralltag. Wilhelm von Humboldt (1769-1859) gilt als Gestalter der Bildungsreform. Sie sollte innerhalb des Erziehungs- und Bildungswesens die freie Persönlichkeitsentfaltung und das Verantwortungsbewußtsein für die Nation fördern. 1810 wurde die Berliner Universität gegründet. Fortan waren Universitäten der geistige Mittelpunkt der Freiheitsbewegung. Die neuen humanistischen Gymnasien sollten eine gehobene Abiturausbildung gewährleisten. Am 9.10.1807 wurde das Oktoberedikt, auch Bauernedikt, verfaßt. Als Bestandteil der gesellschaftlichen Reformen hob es mit der Abschaffung der Grundherrschaft die Ständeordnung auf. Es erleichterte den Besitz und den freien Gebrauch von Grundeigentum. Die Bauern konnten frei wirtschaften. Es entstand eine neue Klasse der Landbesitzer. Mit dem, am 14.9.1811 erlassenden, Regulierungsedikt wurde das Oktoberedikt dann erfüllt. Allerdings benachteiligte die Pflicht zu nicht gerade geringen Entschädigungen die Bauern.

Der 19.11.1808 brachte eine neue Städteordnung. Hierin wurde die Selbstverwaltung, unter staatlicher Aufsicht, in bestimmten Bereichen, wie z.B.: Fürsorgeangelegenheiten, Haushalt, Finanzen und Schulen, festgehalten. Mindestens zwei Drittel der Stadtverordneten im Stadtparlament (die Legislative) waren Hausbesitzer. Sie wählten auch den Magistrat (die Exekutive), dem ein Bürgermeister vorstand. 1831 wurden teilweise die Freiheiten der Städte wieder zurückgenommen. Im Jahre 1810 wurde durch die eingerichtete Gewerbefreiheit ein gesamtwirtschaftlicher Markt emanzipiert. Durch die Beseitigung von Zunftschranken wurden unabhängige Gewerbetreibende, ein freier Markt und freie Preise gefördert.

1812 wurde ein Gesetz zur Judenemanzipation verabschiedet. Es stellte sie zwar rechtlich gleich, schloß sie aber weiterhin von gehobenen politischen Ämtern aus.

Das Finanzedikt vom 27.10.1810 beinhaltete u.a. die Entscheidung für eine Repräsentativverfassung. Jedoch scheiterte diese am Adel.

Wohingegen die preußische Verordnung vom 22.5.1815 eine der Verfassung vorausgehende konstitutionelle Festlegung darstellt.

Am 11.7.1821 entschied der König, das die Reform auf die Einrichtung von Kreis und Provinzialständen, wo der Adel allenthalben eine dominante Rolle spielt, zu begrenzen sei. Die Prvonzialständische Verfassung von 1823 stellte einen Kompromiß zwischen der altständischen Repräsentation und den vorhandenen modernen Tendenzen dar.

Es zeigte sich wiedereinmal, daß das monarchische Prinzip mit dem demokratischem Verständnis unversöhnlich ist. Die bürokratische Revolution von oben führte zu einer staatlichen Bürokratieherrschaft, mit einer selbständigen Landesaristrokatie. Auch ergaben sich schwerwiegende soziale Konsequenzen aus der Umstellung der Wirtschaftsordnung. Die neuen Klassen der völlig verarmten und unterbezahlten Fabrikarbeiter und Landproletarier und die Massenarmut. Damit sind die preußischen Reformen Nährboden für die Revolution von 1848/1849. Trotzdem sollte man den Blick auch auf das neue gestärkte Nationalbewußtsein, welches sich durch die Bildungs- und Heeresreform entwickelte, lenken.

3.3.6. Die Deutschen und ihr Nationalismus

Der Nationalismus mit Inhalt der politischen Solidarisierung war dem deutschen Volke zunächst weithin fremd. Es hatte sich zunächst wenig Chancen gegen den unbeliebten Regenten ausgemacht. Erst die verheerende Niederlage in Rußland sollte dies ändern.

Als Reaktion auf die französische Besetzung brach auch in Deutschland ein emotionaler Nationalismus auf. Doch hier war es am Anfang eher die Kulturnation, basierend auf Sprache, Geschichte, Sitte und Brauchtum, Märchen und Sagen, Recht, Religion und Heimat. In der Publizistik kamen wieder Gedanken auf, die das Nationalbewußtsein bilden wollten und die Kräfte des Widerstandes zu bündeln. Auch die künstlerische Zeit der Aufklärung ging auf diesen Prozeß ein, so wurde unter anderem unser aller Nationalhymne, „Das Lied der Deutschen“ von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, verfaßt. Das Beispiel der französischen Revolution hat die deutsche Nationalidee im Sinne geistiger und politischer Freiheit und Einheit belebt. Die aufsteigende bürgerliche Gesellschaft entwickelte ein immer stärkeres Nationalbewußtsein. Dieses erfaßte auch breite Bevölkerungsschichten, die sich dann im Kampfe gegen den Besatzer zusammenfanden. Nach dem Sieg über Napoleon wurde in Ideen der deutsche Nationalstaat als demokratischer Rechts- und Verfassungsstaat gefordert. Allerdings hatten die anderen europäischen Mächte (England, Frankreich und Rußland) etwas dagegen. So führten die Friedens- und Bündnisverträge der Jahre 1813 und 1815 zu einer unabhängigen deutschen Staatenverbindung mit politisch selbständigen Territorialstaaten. Dies bedeutete zunächst ein Verzicht auf staatliche Einheit.

4. Schlußbemerkung

Für uns Deutsche ist der Zeitraum nach der französischen Revolution ein eminent wichtiger.

Napoleon Bonaparte hat nicht nur Not, Elend und Unterdrückung zu uns gebracht. Er hat unser Deutschland ein Stück weit in Richtung Einheit geführt. Er hat uns ein fortschrittlicheres liberaleres Verwaltungs- Rechts- und Wirtschaftssystem gezeigt, daß auch heute noch europaweit in Ansätzen eine Rolle spielt. Im Widerstand gegen die Besatzung ist unser Volk zu einer Nation, mit einem Nationalbewußtsein, zusammengewachsen. War dies der Grundstein für unsere heutige föderative Bundesrepublik?

12 von 12 Seiten

Details

Titel
Napoleon-Überwinder oder Vollender der französischen Revolution
Note
2
Autor
Jahr
1999
Seiten
12
Katalognummer
V95255
Dateigröße
345 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Napoleon-Überwinder, Vollender, Revolution
Arbeit zitieren
Daniel Sowa (Autor), 1999, Napoleon-Überwinder oder Vollender der französischen Revolution, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95255

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