Projektkostenrechnung auf der Basis einer Lebenszyklusrechnung


Hausarbeit (Hauptseminar), 1999

17 Seiten


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INHALTSVERZEICHNIS

A. PROBLEMSTELLUNG

B. GRÜNDE FÜR DIE ENTWICKLUNG EINER LEBENSZYKLUSORIENTIERTEN PROJEKTKOSTENRECHNUNG
I. Besonderheiten eines lebenszyklusorientierten Projektcontrolling
1. Klärung des Projektbegriffs im Zusammenhang mit der Lebenszyklusrechnung
2. Einordnung des lebenszyklusorientierten Projektcontrolling bzw. der Projektkostenrechnung und Unterschiede zum klassischen Projektcontrolling
II. Die Anforderungen und Ziele des lebenszyklusorientierten Projektcontrolling III. Schwächen traditioneller Instrumente und Probleme der Umsetzung einer lebenszyklusorientierten Projektkostenrechnung
1. Probleme in Bezug auf Planungs- und Kontrollaufgaben
2. Hauptprobleme bei der Umsetzung einer lebenszyklusorientierten Projektkostenrechnung

C. GESTALTUNG EINER LEBENSZYKLUSORIENTIERTEN PROJEKTKOSTENRECHNUNG
I. Aufgabe und Leistung einer lebenszyklusorientierten Projektkostenrechnung II. Riezlers Ansatz für eine lebenszyklusorientierte Projektkostenrechnung III. Beurteilung des Ansatzes von Riezler

D. SCHLUßBETRACHTUNG ZUR LEBENSZYKLUSORIENTIERTEN PROJEKTKOSTENRECHNUNG

E. LITERATURVERZEICHNIS

A. Problemstellung

In den vergangenen Jahren konnte vermehrt festgestellt werden, daß die Instrumente zur strategischen Planung, die seit den 50er Jahren entwickelt wurden, nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprechen. Jene waren für die industrielle Produktionssituation der Vergangenheit gut entwickelt worden,1 können aber den jetzigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Kennzeichnend für die damalige Epoche waren langfristig stabile Märkte, hohe Kostenanteile an der Produktion und hohe Anteile der kurzfristig variablen Kosten.2 Die Gegenwart zeichnet sich aber durch Schnellebigkeit aus: Die Lebensdauer von Produkten und Potentialen sinkt3, die Kostenstruktur verschiebt und Organisation- und Managementkonzepte verändern sich.4 In der Vergangenheit zeichnete sich das interne Rechnungswesen durch eine periodenweise Betrachtung aus. Aufgrund der eben beschriebenen Entwicklung werden jedoch Forderungen nach einem mehr strategisch ausgerichteten Controlling mit periodenübergreifenden Betrachtungen laut, z.B. einer Lebenszyklusrechnung für das Projektcontrolling.5 Hiernach könnte die Planung und Kontrolle von Projekten langfristig erfolgen. Angefangen mit einer groben Prognose kann die Lebenszyklusrechnung bei Fortschreiten des Projektes weiter verfeinert werden. Gleichzeitig ergibt sich so die Möglichkeit einer genaueren Differenzbetrachtung für die Durchführung und nicht Durchführung eines Projekts als bei der periodenorientierten Sichtweise. So scheint es ein wenig verwunderlich, daß die Lebenszyklusrechnung für diese Aufgabe, trotz der steigenden Bedeutung, nur wenig entwickelt ist. Häufig wird in der Literatur nur der Produktlebenszyklus beschrieben, selten aber die Möglichkeiten, die sich für das Projektcontrolling ergeben, wobei gerade hier der Hauptaufgabenbereich liegt.6 In den folgenden Ausführungen soll die Lebenszyklusrechnung als Instrument für die Projektkostenrechnung dargestellt werden. Grundlage stellt die Arbeit von Riezler dar. Grundsätzlich lassen sich seine Ideen aber auch auf andere Arten von Projekten übertragen, so daß eine Verallgemeinerung möglich ist.7

B. Gründe für die Entwicklung einer lebenszyklusorientierten Projektkostenrechnung

Eine lebenszyklusorientierte Projektkostenrechnung impliziert die Verwendung eines lebenszyklusorientierten Projektcontrollings. Somit ist es unumgänglich einige Grundlagen des Projektcontrolling im allgemeinen und des lebenszyklusorientierten Projektcontrolling zu erörtern.8

I. Besonderheiten eines lebenszyklusorientierten Projektcontrolling

1. Klärung des Projektbegriffs im Zusammenhang mit der Lebenszyklusrechnung

Unter einem strategischen lebenszyklusorientierten Projekt soll ein zeitlich begrenztes Vorhaben mit einer bestimmten Zielsetzung verstanden werden,9 welches sich in drei Phasen einteilen läßt: Vorlauf-, Nutzungs- und Nachlaufphase. Diese Phaseneinteilung ergibt sich aus der Orientierung am Lebenszykluskonzept und stellt somit den gesamten Projektlebenszyklus dar.10 Die Abgrenzung der einzelnen Teilabschnitte erfolgt hier durch sachliche und nicht wie vielleicht erwartet, zeitliche Kriterien. Somit gibt es auch keine feste Periodeneinteilung bei der lebenszyklusorientierten Projektkostenrechnung, vielmehr stellt die gesamte Dauer des Projektes eine Periode, die Betrachtungsperiode, dar.11 Ein besonderer Stellenwert kommt der Vorlaufphase zu. Zwar fällt hier nur ein geringer Teil der gesamten Projektkosten an, jedoch werden in dieser frühen Projektphase häufig Entscheidungen und Vorgaben getroffen, die von zentraler Bedeutung für das Gesamtprojekt sind und die in späteren Stadien nur schwer oder gar nicht mehr korrigiert werden können.12 Zur Phaseneinteilung finden sich weitere Erläuterungen bei den Ausführungen zur Lebenszyklusrechnung.13

2. Einordnung des lebenszyklusorientierten Projektcontrolling bzw. der Projektkostenrechnung und Unterschiede zum klassischen Projektcontrolling

Das klassische Projektcontrolling läßt sich nur schwer eindeutig beschreiben. Sinnvoll scheint der schon von Riezler gewählte Ansatz zur Abgrenzung der traditionellen Instrumente. Auf das Projektcontrolling übertragen werden hiernach zum klassischen Projektcontrolling alle diejenigen Konzepte gezählt, ,,die - wenn auch teilweise in unterschiedlicher Ausgestaltung, - in der Unternehmungspraxis weitgehend eingeführt sind und in der Theorie nach herrschender Meinung zum gesicherten Wissensstand zählen."14 Auf die Projektkostenrechnung bezogen, erkennt man häufig, daß diese Konzepte vielfach mit traditionellen Instrumenten arbeiten. Da diese jedoch nicht unbedingt speziell für die Projektkostenrechnung konzipiert sind, kann die kritiklose Anwendung zu Fehlentscheidungen führen: lohnende Projekte werden abgebrochen und unwirtschaftliche Projekte werden unter Umständen fortgeführt. Die bisherigen Instrumente, jedes für sich betrachtet, sind nicht in der Lage ein Projekt als ganzes rechenbar zu machen, da jedes von ihnen Schwächen hat, die sich häufig in der periodenweisen Betrachtung bzw. in mangelnder Integration mit anderen Instrumenten widerspiegeln. Hinzu kommt häufig noch eine zu starke Orientierung zur Kosten- oder Erlösseite. Eine gemeinsame Betrachtung ist selten der Fall.

Eine Ursache für diese Probleme ist sicherlich die Dominanz des Periodendenkens, welches vor allem aus dem externen Rechnungswesen herrührt.15 So findet man in der Literatur als Anforderung an die Projektplanung, daß das Ergebnis und der Aufwand eines Projektes in der Periodenplanung erfaßbar sein muß.16 Eine solche Aussage verleitet dazu, die bisher bekannten Instrumente in der althergebrachten Art und Weise auf ein Projekt zu übertragen. Eine lebenszyklusorientierte Projektkostenrechnung hingegen geht von einer Gesamtbetrachtung des Projekts aus, unabhängig ob die Rechnung zu Projektbeginn oder projektbegleitend durchgeführt wird. Die Lebenszyklusrechnung ist weniger ein völlig neues Instrument als vielmehr eine Weiterentwicklung bestehender Verfahren zur Projektkostenrechnung.17 Somit wurde von Riezler ein Ansatz geschaffen, der den Anforderungen der heutigen Zeit gerecht wird, welcher aber dennoch Forschungsdefiziete beinhaltet.18

II. Die Anforderungen und Ziele des lebenszyklusorientierten Projektcontrolling

Hauptziel des lebenszyklusorientierten Projektcontrolling ist es, Entscheidungen über die Projektdurchführung betriebswirtschaftlich zu begründen, so daß das Ziel nicht mehr die Betrachtung einzelner Periodenerfolge innerhalb des Projektes ist, sondern der Projektgesamterfolg. Planungs- und Kontrollaufgaben des Projektcontrolling können so optimal erfüllt werden, und Fehlentscheidungen bei der Projektbewertung werden seltener.19 Dies impliziert eine Verbesserung der Differenzbetrachtung. Die Auswirkung zwischen Projektdurchführung und -unterlassung werden genauer abgebildet. Durch die Verschiebung der Kostenstruktur, Verbunden mit relativ ausgeglichenen Ein- und Auszahlungen früher und hohen Anfangsauszahlungen und erst späteren Einzahlungen heute,20 ist es auch zu einer Verschiebung der relevanten Informationen gekommen.

Im Gegensatz zu früheren Zeiten stehen jetzt die Informationen über die Kostenbeeinflussung für Planungs- und Kontrollaufgaben im Vordergrund. Informationen über den Kostenanfall verlieren an Wert, da ein Großteil vieler Kosten in der Vorlaufperiode festgelegt wird.21 Um nicht mit der lebenszyklusorientierten Projektkostenrechnung ein Instrument zu schaffen, das durch eine eigene Datenbasis hohe Kosten verursacht und somit den eigenen Nutzen schmälert, ist es erforderlich, daß sich diese Art der Projektkostenrechnung in das bisherige Rechnungswesen eingliedert.22

III. Schwächen traditioneller Instrumente und Probleme der Umsetzung einer lebenszyklusorientierten Projektkostenrechnung

1. Probleme in Bezug auf Planungs- und Kontrollaufgaben

Die Probleme bereiten vor allem Instrumente, die in der Vorlaufphase eines Projektes zum Einsatz kommen. Insbesondere sind hier die Netzplantechnik, die Kapazitätsplanung und Terminkontrolle zu nennen. Sie zeichnen sich dadurch aus, daß sie die Vorlaufphase als einzelne Phase betrachten. Ähnliches gilt für die Kostenplanung- und -überwachung.23 Viele Instrumente sind nicht darauf ausgelegt, den Gesamtprojekterfolg zu betrachten. Vielmehr gehen sie auf Subziele eines Projektes ein. Beobachtbar ist eine Fokussierung auf die Kosten- und Termingestaltung.24 Angeführt sei hier das Target-costing, das Life-cycle-costing Konzepts25 und die Prozeßkostenrechnung. Beachtet werden sollte aber auch die Erlösseite.

Die Verwendung der Investitionrechnung scheint ein guter Ansatz zu sein, wird doch die periodenweise Betrachtung umgangen. Nachteilig ist jedoch die mangelnde Integration in das bestehende Rechnungswesen. Ferner kann nur der Einzelnutzen einer Investition berechnet werden, nicht aber der Nutzen der sich durch Einfügen in das Gesamtprojekt ergibt.26 Eine Kontrolle ist nicht weiter vorgesehen.

Zusammenfassend werden die traditionellen Instrumente nicht der ganzheitlichen Projektbetrachtung gerecht. Eine Abstimmung untereinander findet nicht statt und Änderungen, die sich aus dem Zeitablauf ergeben, werden nur unzureichend erfaßt, so daß Planungs- und Kontrollaufgaben nur suboptimal durchgeführt werden können.27

2. Hauptprobleme bei der Umsetzung einer lebenszyklusorientierten Projektkostenrechnung

Bei der Umsetzung stößt man auf mehrere Probleme.28 Angefangen mit dem Prognoseproblem wird das lebenszyklusorientierte Konzept häufig abgelehnt, da die unter Planungsunsicherheit aufgestellten Rechnungen zu ungenau sind. Ein Schwerpunkt liegt heute in der Entwicklung von Verfahren, die hier Abhilfe schaffen.

Problematisch ist die Einführung des neuen Instruments auch bei den am Projekt beteiligten Personen. Häufig fehlt es an Akzeptanz. Dies fällt unter das Mentalitätsproblem. Auch die Fixierung auf die periodenweise Betrachtungstellt einen kritischen Punkt dar. Die Schwierigkeit der projektweisen Datenerfassung kann in unserer Zeit als ein immer kleiner werdendes Hindernis angesehen werden. Eine Problemlösung liegt in der Einrichtung einer relationalen Datenbank, in der Daten so gespeichert werden, daß sie in verschiedener Form den Aufgaben entsprechend, abgerufen werden können.29 Durch heute verfügbare Hard- und Software sollte es selbst bei sehr komplexen Daten und ihrer Erfassung keine Probleme geben.

Als letztes großes Problem muß die Berechnung von entscheidungsrelevaten Zahlungen genannt werden. Häufig ist es schwierig eventuelle Verbundswirkungen mit anderen Projekten richtig zu bestimmen.30

C. Gestaltung einer lebenszyklusorientierten Projektkostenrechnung

I. Aufgabe und Leistung einer lebenszyklusorientierten Projektkostenrechnung

Um dem Ziel Entscheidungen betriebswirtschaftlich zu begründen31 nachkommen zu können, muß die Hauptaufgabe der lebenszyklusorientierten Projektkostenrechnung in der ,,Rechenbarmachung" eines Projektes liegen.32 Hierbei wird zwischen einer Lebenszyklusrechnung als Wirtschaftlichkeitsvorrechnung zu Projektbeginn und einer Lebenszyklusrechnung als Wirtschaftlichkeitsbegleitrechnung im Projektverlauf unterschieden, wobei aber die theoretischen Grundgedanken Riezlers für beide Anwendungsgebiete Bestand haben.33 Ein besonderes Augenmerk muß dabei auf die schon erwähnten Prognoseschwierigkeiten gerichtet werden.34 Die lebenszyklusorientierte Projektkostenrechnung muß gewährleisten, daß die von ihr ermittelten Daten ein gewisses Maß an Glaubwürdigkeit besitzen.35

II. Riezlers Ansatz für eine lebenszyklusorientierte Projektkostenrechnung

Riezlers Idee für die Durchführung einer lebenszyklusorientierten Projektkostenrechnung beruht im wesentlichen auf sieben Prinzipien, die durch die Rechnung erfüllt werden müssen: Projekt-, Zahlungs-, Lebenszyklusphasen-, Einflußgrößen-, Entscheidungs-, Integrationsorientierung und die Einheitlichkeit von Planungs- und Überwachungsrechnung. Durch diese Überlegungen legt sich Riezler nicht auf eine bestimmte Art von Projekt fest, vielmehr schafft er eine theoretische Grundlage, die allgemein Gültigkeit hat. Am ehesten sind seine Gedanken mit der Idee des investitionstheoretischen Ansatz einer Projektkostenrechnung zu vergleichen, der um die Bedürfnisse der bereits beschriebenen Problemstellung erweitert wurde. Somit wird auch kein fertiges Rezept für die Durchführung einer solchen Rechnung geliefert, sondern eine Art ,,Anleitung", wie diese projektindividuell durchzuführen ist.

Das Prinzip der Projektorientierung teilt sich in zwei Überlegungen: Als erstes sei hier die Partialbetrachtung zwischen der Projekt- und Periodenerfolgsrechnung genannt. Beide stellen Schnittweisen durch die erfolgsmäßige Entwicklung der Gesamtunternehmung in der Totalperiode dar.36

Der zweite Punkt ist die Addierbarkeit gleicher Projekttypen.37 Unterschiedliche Projekttypen führen in der Regel zu Wirkungsüberschneidungen, so daß eine eindeutige Berechnung nicht möglich ist. Bei gleichartigen Projekten lassen sich eventuelle Beeinflussungen, z.B. auf einen gemeinsamen Absatzmarkt, einfacher herausrechnen.

Somit stellen diese beiden Punkte die Basis zur Bestimmung des Projektbeitrags zum Periodenergebnis der Gesamtunternehmung dar. Hierdurch zeigt sich eine enge Verknüpfung mit dem traditionellen Rechnungswesen, was von großer Bedeutung ist, da vielfach in der Praxis periodisierte Daten, z.B. bei der Berechnung von Steuern wichtig sind. Somit ergänzen sich die periodisierte und die projektübergreifende Betrachtungsweise im internen Rechnungswesen.38 Entscheidungen können weiterhin auf Basis von Projekten und nicht auf Periodenbasis getroffen werden.39 Bei der praktischen Umsetzung ist somit stets darauf zu achten, daß das Projekt als Ganzes betrachtet wird. Die Rechnung muß sich am Projekt orientieren,40 wobei ein lebenszyklusorientierter Projektbegriff erforderlich wird.41 Entsprechend muß auch die sachliche und zeitliche Projektabgrenzung durchgeführt werden. Aktivitäten mit nur schwer abgrenzbaren Wirkungen sollten hiernach zu einem Projekt zusammengefaßt werden.42 Die exakte Festlegung des Projektbeginns und -endes stellt häufig ebenfalls eine Schwierigkeit dar. Bei offenen Projekten muß z.B. im Zweifelsfall das Projektende planerisch vorgegeben werden.43

Die Zahlungsorientierung ergibt sich aus der Hauptaufgabe der lebenszyklusorientierten Projektkostenrechnung, der ,,Rechenbarmachung" von Projekten. Darauf basierend fordert Riezler die Verwendung von Zahlungen, um eine monetäre Quantifizierung sicherzustellen. Qualitative Ansätze sollten nur zu Hilfszwecken Anwendung finden.44 Da die Zahlungsstruktur von Projekten häufig der von Investitionen ähnelt, also hohe Anfangsauszahlungen mit erst späteren Einzahlungen verbunden sind, sollte die Lebenszyklusrechnung als Investitionsrechnung aufgefaßt werden.45 In der Theorie ist man zu dem Schluß gekommen, daß für eine periodenübergreifende Rechnung dieser Art auch unperiodisierte Zahlungen verwendet werden sollten.46 Andere Größen wie Kosten und Erlöse können im Bedarfsfall auch verwendet werden, jedoch sind hierbei die Erkenntnisse des Lücke-Theorems zu beachten.47 Prinzipiell sollte aber dynamischen Verfahren der Vorzug gegeben werden.48 Hinsichtlich der Vollständigkeit der Rechnung sollten, analog zu den sekundären Kosten, sekundäre Zahlungen eingeführt, durch die innerbetriebliche Leistungen Berücksichtigung finden.49

Die Lebenszyklusphasenorientierung ergibt sich aus dem langen Betrachtungszeitraum eines Projektes. Hieraus resultieren unterschiedliche Phasen, die durch verschieden ausgeprägte Eigentümlichkeiten gekennzeichnet sind. Damit erscheint zu Zwecken der Planung und Überwachung eine Strukturierung der Zahlungen nach den verschiedenen Projektphasen als sinnvoll.50 Somit ist die Phaseneinteilung kein Selbstzweck, sondern ermöglicht es, Besonderheiten in der Planung und Überwachung explizit zu beachten.51 Für die Phasenabgrenzung bedeutet dies, daß kaum zeitliche, sondern vielmehr sachlicheKriterien eine Rolle spielen müssen.

Da Riezler sich allgemein mit Projekten befaßt, schlägt er kein spezielles Konzept vor. Die Phaseneinteilung ergibt sich aus dem Projekttyp.52 Beispielsweise kann dies nach Potentialaufbau, -nutzung und -abbau erfolgen. Ist ein Produkt Gegenstand eines Projektes, so bilden Produktlebenszyklusmodelle eine gute Grundlage.53 Vorsicht ist bei Konzepten aus dem Marketing geboten, da diese häufige noch um eine Nachsorgephase erweitert werden müssen. Bei Projekten, die sich mit Informationen beschäftigen, kann analog das Produktlebenszykluskonzept von Pfeiffer/Bischof[1981] Anwendung finden.54 Da das Konzept des Life-cycle-costing sich mit einer ähnlichen Problematik beschäftigt, können die dort ausgearbeiteten Ideen ebenfalls mit Einschränkung übernommen werden.55

Der nächste Schritt liegt darin die Lebenszyklusrechnung zu konkretisieren. Hierzu gilt es die Haupteinflußgrößen des Projektes zu bestimmen. In diesem Zusammenhang spricht Riezler auch von Einflußgrößenorientierung. Sind alle wichtigen Punkte des Projektes herausgefiltert worden, so gilt es in einem zweiten Schritt die Ursache-Wirkungsbeziehung durch eine Einflußgrößenfunktion abzubilden.56 An dieser Stelle kommt wieder das Prognoseproblem zum Vorschein, auf welches Riezler allerdings nicht gesondert eingeht. Entsprechende Funktionen sind immer nur Schätzungen, die die Realität nicht vollständig abbilden können.57 Während des Projektverflaufs ist hier eine Anpassung jedoch möglich. Ein Vorteil dieser Funktion liegt darin, daß nicht monetäre Subziele58 mit in die Funktion einfließen können. Bei entsprechender Wahl der Einflußgrößen ergeben sich dann gute Daten für die Planungs- und Kontrollaufgaben. Riezler spricht in diesem Zusammenhang auch von einem Einsatz als Frühwarnindikator.59

Da viele der Haupteinflußfaktoren auch Teil anderer Informationssysteme sind, findet hier bei entsprechender Anpassung eine Verzahnung statt.60 Folglich ist nicht davon auszugehen, daß sich der Planungsaufwand erhöht.

Auf das Prinzip der Entscheidungsorientierung kommt Riezler durch die Differenzbetrachtung zwischen Projektdurchführung und Nichtdurchführung zu sprechen.61 In aller Kürze besagt es, daß bei der Betrachtung verschiedener Zustände zukünftige Entscheidungen mit Berücksichtigung finden müssen. Dies gilt insbesondere für den Fall der Nichtdurchführung, denn eine einfache Fortschreibung des Istzustandes kann zu falschen Ergebnissen führen: Potentiale verschleißen, die Marktlage ändert sich, das Produkt veraltet usw. Gleichzeitig sollten entsprechende Ziele, die Teilentscheidungen betreffen, aus dem Gesamtprojekt abgeleitet werden In diesem Zusammenhang wird auch untersucht, in welcher Weise gemeinsame Potentiale genutzt werden.62

Die Bedeutung der Integrationsorientierung wurde bereits in den Einführungen erläutert. Hier wird eine Unterteilung in drei Ebenen gewählt:

- Auf der konzeptionellen Ebene63 werden die verschiedenen Rechnungen auf gemeinsame Ziele ausgerichtet. Der langfristige Plan ist bestimmend für den kurzfristigen Plan.
- Die nächste Ebene umfaßt die Abstimmung der Planungspämissen64 in den einzelnen Rechnungen. Entscheidend ist an dieser Stelle die Rolle der Lebenszyklusrechnung, denn ihr wird ein höherer Stellenwert zugeordnet. Sie gibt die Vorgaben für die Festsetzung periodenbezogener Zielwerte.
- Die letzte Ebene stellt die datenmäßige Integration65 dar. Wichtig ist hier nicht nur die Verwendung von Planwerten sondern auch von Istwerten. Die Lösung liegt im allgemeinen in der Einrichtung relationaler Datenbanken.

Diese knappe Darstellung der Dreiteilung bildet nur den Rumpf für die Integration einer Lebenszyklusrechnung. Weitere Integrationsbereiche z.B. mit der liquiditätszielorientierten Finanzrechnung oder der operativen Kennzahlenrechnung kommen noch hinzu.

Als Abschließenden Punkt wird in Riezlers Ansatz von der Einheitlichkeit von Planungs- und Überwachungsrechnung gesprochen. Hintergrund ist die Aussage, daß Planung und Überwachung zusammen gehören und durch einen Regelkreis miteinander verbunden sind.66 In der Unterteilung in drei weitere Überlegungen der Einheitlichkeit des Recheninhalts, der Einbeziehung der Planungsprämissen und der Einheitlichkeit der Rechenmethode wird dem Rechnung getragen.

Erstere fordert gleiche Punkte, die für die Entscheidung zur Projektdurchführung relevant sind, ebenfalls in die Überwachung zu übernehmen. Dies gilt sowohl für monetär quantifizierbare und nicht quantifizierbare Größen. Im Projektverflauf sind darüber hinaus regelmäßig Gesamtrechnung durchzuführen. Wichtig ist nach Riezler bei der entscheidungsorientierten Betrachtung auch nicht mehr veränderbare Größen mit zu betrachten.

Durch die Einbeziehung der Planungsprämissen soll sichergestellt werden, daß die Rechnung im Projektverlauf an geänderte Bedingungen angepaßt werden, während die Einheitlichkeit der Rechenmethode die Vergleichbarkeit zwischen der Planung und Überwachungsrechnung gewährleisten soll.67

III. Beurteilung des Ansatzes von Riezler

Mit seinen Ansatz versucht Riezler alle Arten von Projekten abzudecken. Dies führt dazu, daß er wie schon dargestellt nur allgemeine Überlegungen aber kein fertiges Konzept vorstellt. Weitere Forschung könnte auf die Umsetzung seines Ansatzes auf die verschiedenen Projekttypen abzielen. In dieser Form wird eine Umsetzung für die breite Masse an Unternehmen wahrscheinlich nicht stattfinden, da er zu allgemein gehalten ist. Bei einer guten Umsetzung kann jedoch das Ziel, ein Projekt über seinen Lebenszyklus hinweg rechenbar zu machen, sicherlich erfüllt werden. Auch geht Riezler auf das Problem der Prognoseschwierigkeiten nur bedingt bei der Einflußgrößenorientierung ein. Dabei ist gerade die lebenszyklusorientierte Projektkostenrechnung auf eine gute Datenbasis angewiesen um Planungs- und Kontrollaufgaben erfüllen zu können.68 Auch die von Riezler angeprangerte fehlende Berücksichtigung von Verbundswirkungen bei den traditionellen Instrumenten wird bei ihm nicht verbessert. Lediglich durch entsprechende Projektabgrenzung werden derartige Phänome ausgeschlossen. Dies kann in Einzelfällen sicherlich dazu führen, daß Projekte aufgebläht werden, und der Vorteil einer Projektbetrachtung nicht mehr gegeben ist.

D. Schlußbetrachtung zur lebenszyklusorientierten Projektkostenrechnung

Die lebenszyklusorientierte Projektkostenrechnung ist eine Instrument, welches den veränderten Bedürfnissen der heutigen Zeit angepaßt ist.69 Planungs- und Kontrollaufgaben können durch die Rechenbarmachung von Projekten besser erfüllt werden, so daß auch eine Projektbewertung als einzelnes und in Bezug auf die Gesamtunternehmung möglich ist. Im Vergleich mit den bisherigen Instrumenten der Kostenrechnung versucht sie deren Stärken zu vereinigen und ihre Schwächen auszuschalten. Technisch stellt die praktische Umsetzung kein Problem dar, da Erfahrungen und bekannte Systeme weiterhin genutzt werden können bzw. eine enge Verzahnung mit ihnen stattfindet. Die Probleme, die von den Menschen ausgehen, welche mit dem neuen Instrument arbeiten sollen, sind hingegen gravierend.70 Solange Probleme in diesem Bereich bestehen, wird das Instrument nur suboptimale Ergebnisse liefern. Entsprechend müssen in Zukunft Anstrengungen zur Lösung in diesem Bereich verstärkt unternommen werden. Ferner steht und fällt der Ansatz wie in der Beurteilung bereits festgestellt mit der Qualität der Schätzungen. Riezlers Ansatz stellt nur eine Möglichkeit dar und da sich die Forschung auf diesem Gebiet bisher zurückgehalten hat, werden aufgrund des steigenden Interesses vermutlich weitere Konzepte und Überlegungen zum lebenszyklusorientierten Projektcontrolling in den nächsten Jahren veröffentlicht.

E. Literaturverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 vgl. Laßmann[1995], S. 32

2 vgl. Riezler[1996], S. 2 f

3 vgl. Back-Hock[1992], S.703, Riezler[1996], S. 17

4 vgl. Riezler[1996], S. 1ff.

5 vgl. Riezler[1996], S. 18

6 vgl. Riezler[1996], S. 27

7 vgl. Riezler[1996], S. 41

8 Es ist jedoch nicht mögliche auf alle Gesichtspunkte im einzelnen einzugehen. Die angestellten Betrachtungen gehen nur soweit, wie es für das Verständnis des Themas dieser Arbeit unbedingt notwendig ist.

9 in Anl. an Hahn[1974], S. 89

10 vgl. Riezler[1996], S. 8 und 40. Eine andere Phaseneinteilung läßt sich z.B. bei Michel[1989], S.136f finden. Er verwendet hier das rollierende Konzept, bzw. Cleland[1994], S. 42ff. und S. 255ff.

11 vgl. Riezler[1996], S. 10

12 vgl. Riezler[1996], S. 7 und 11 Dies ist zum Teil auch eine Entwicklung der letzten Jahre.

13 siehe auch Kap. C II unter Lebenszyklusphasenorientierung

14 Riezler[1996], S.53

15 vgl. Riezler[1996], S. 77

16 vgl. Peemöller[1990], S.145

17 vgl. Riezler[1996], S. 13

18 vgl. Laßmann[1995], S. 23ff.; Riezler[1996], S. 5f

19 vgl. Riezler[1996], S. 78ff.

20 vgl. Riezler[1996], S. 18ff.; Wichtig ist hier, daß Riezler sich auf ganze Projekte bezieht. Betrachtet man einzelne Potentiale, so hat Madauss z.B. steigende Betriebskosten und fallende Beschaffungskosten festgestellt, vgl. Madauss[1992], S. 571ff.

21 vgl. Riezler[1996], S. 71;

22 Laßmann[1995], S. 22 fordert hierzu allgemein die Schaffung eines betrieblichen Informationssystems, in dem das interne Rechnungswesen als Teilbereich mit aufgeht.

23 vgl. Riezler[1996], S. 54ff.

24 vgl. Riezler[1996], S. 57

25 vgl. Riezler[1996], S. 98ff.

26 vgl. Riezler[1996], S.59ff.

27 vgl. Riezler[1996], S. 74

28 vgl. Riezler[1996], S. 75ff.

29 vgl. Back-Hock[1988], S. 34ff.

30 Für die Ausgestaltung einer lebenszyklusorientierten Projektkostenrechnung können durchaus die bisherigen Instrumente mit ihren teilweise erwähnten Problemen herangezogen werden. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit soll aber nur der Ansatz von Riezler untersucht werden. Jedoch wird an passenden Stellen auch auf Ideen und sinnverwandte Denkansätze der allgemeinen Literatur eingegangen.

31 vgl. Kap. B II

32 vgl. Riezler[1996], S. 78

33 Die ,,Rechenbarmachung" umfaßt nicht nur die Kostenseite, sondern auch die Erlösseite.

34 vgl. Riezler[1996], S. 75

35 vgl. Riezler[1996], S.189

36 vgl. Riezler[1996], S. 129

37 vgl. Riezler[1996], S. 132

38 vgl. Riezler[1996], S. 130

39 vgl. Riezler[1996], S. 129

40 vgl. Riezler[1996], S. 128

41 vgl. Riezler[1996], S. 133

42 Wichtig sind Überlegungen zum Projektende. Häufig werden entsprechende anfallende Projektfolgekosten nicht berücksichtigt, da das Projektende zu früh festgelegt wird. Als Beispiel sei ein Produkprojekt genannt, welches nach der Markphase beendet wird. Recyclingkosten oder Garantieansprüche werden nicht mehr berücksichtigt.

43 vgl. Riezler[1996], S. 134

44 vgl. Riezler[1996], S. 134

45 vgl. Riezler[1996], S. 135

46 Das Hauptargument für die Verwendung von periodisierten Rechengrößen liegt in der einfachen Einbindung des periodenorientierten Rechnungswesen.

47,,Es besagt, daß der Kapitalwert auf Basis von Zahlungsüberschüssen mit dem Kapitalwert auf Basis von Periodenerfolgen übereinstimmt, sofern die Summe der Zahlungsüberschüsse aller Perioden gleich der Summe aller Periodenerfolge ist und die Periodenerfolge um kalkulatorische Zinsen auf den Kapitalbestand der jeweiligen Vorperiode vermindert werden." Schweitzer/Küpper[1998], S. 716; vgl. Lücke[1955], S. 310ff.

48 vgl. Riezler[1996], S. 135

49 vgl. Riezler[1996], S. 139

50 vgl. Riezler[1996], S. 140

51 Wird die lebenszyklusorientierte Wirtschaftlichkeitsvorrechnung, so ergeben sich durch die Phaseneinteilung bessere Möglichkeiten zur Simulation der Entwicklung einzelner Projektabschnitte mit Wirkung auf das Gesamtprojekt.

52 Die eingangs erwähnte Einteilung in Vorlauf-, Nutzungs- und Nachlaufphase stellt nur einen allgemeinen Fall dar. Für einzelne Projekte muß die Einteilung noch genauer präzisiert werden.

53 Mit den unterschiedlichen Arten von Lebenszyklusmodellen hat sich z.B. Zehbold[1996] beschäftigt.

54 vgl. Reichmann[1995], S. 216ff.

55 vgl. Horváth[1994], S. 473; Back-Hock[1988], S.25 f.

56 vgl. Riezler[1996], S. 145

57 Als Beispiel für die einer Einflußgrößenfunktion, in diesem Fall einer Erlösfunktion vgl. Schweitzer/Küpper[1998], S. 383

58 Gemeint sind hier Durchlaufzeiten, Qualitätsziele, Marktanteil usw., vgl. Riezler[1996], S. 147

59 vgl. Riezler[1996], S. 147

60 vgl. Riezler[1996], S. 148

61 vgl. Riezler[1996], S. 149ff.

62 Hier gibt es dann in noch Unterscheidungen in schon existierende Potentiale und extra aufgebaute, eine Unterteilung in den Auslastungsgrad usw., vgl. Riezler[1996], S. 157

63 vgl. Riezler[1996], S. 169

64 vgl. Riezler[1996], S. 170

65 vgl. Riezler[1996], S. 171

66 vgl. Riezler[1996], S. 176

67 vgl. Riezler[1996], S. 178

68 vgl. Madauss[1992], S. 576

69 vgl. Kap A

70 vgl. Kap. B III 2

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Details

Titel
Projektkostenrechnung auf der Basis einer Lebenszyklusrechnung
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Veranstaltung
Institut für Betriebswirtschaftslehre
Autor
Jahr
1999
Seiten
17
Katalognummer
V95345
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Projektkostenrechnung, Basis, Lebenszyklusrechnung, Institut, Betriebswirtschaftslehre
Arbeit zitieren
Achim Jürgen Sterzik (Autor:in), 1999, Projektkostenrechnung auf der Basis einer Lebenszyklusrechnung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95345

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