Die Börse - Geschichte, Formen, Ablauf


Seminararbeit, 2000

72 Seiten


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Inhaltsverzeichnis:

EINLEITUNG

1. DIE ENTSTEHUNG DES AKTIENWESENS

2. DIE BÖRSE
2.1 Definition und Aufgaben der Börse
2.2 Das Börsengeschehen in Deutschland
2.2.1 Gesetze und Ordnungsvorschriften
2.2.2 Börsenorgane
2.2.3 Deutsche Börsenplatze
2.2.4 Der deutsche Wertpapiermarkt
2.2.3 Die Makler an den Deutschen Börsen
2.3 Gegenstande des Börsenhandels
2.3.1 Wertpapiere - ein Oberbegriff für vieles
2.3.2 Aktien
2.3.3 Anleihen
2.3.3.1 Allgemeines zu festverzinslichen deutschen Anleihen
2.3.3.2 Wandelanleihen
2.3.3.3 Optionsanleihen
2.3.3.4 Auslandsanleihen
2.3.3.5 Zero-Bonds
2.3.3.6 Genuhscheine
2.3.3.7 Gewinnschuldverschreibungen
2.3.4 Futures und Optionen
2.3.4.1 Fixgeschafte mit Finanzinstrumenten (Financial Futures)
2.3.4.2 Optionen
2.3.4.3 Optionsscheine
2.3.5 Rohstoffe

3. KURSE DER WERTPAPIERE - ERMITTLUNG, EINFLÜSSE, INFORMATIONSQUELLEN
3.1 Was sind Börsenkurse, wie werden sie ermittelt?
3.2 Kurszusatze
3.3 Was Kurse bewegt
3.4 Handelsplattformen
3.4.1 Parketthandel (Prasenzbörse)
3.4.2 Xetra
3.5 Informationsquellen

4. INDIZES
4.1 Aktienindizes - Entstehung, Arten und Aussagegehalt
4.2 Deutsche Aktienindizes
4.2.1 Allgemeine Indexmerkmale
4.2.2 Der DAX
4.2.3 Der MDAX
4.2.4 Der DAX 100
4.2.5 Der NEMAX-All-Share und der NEMAX 50
4.2.6 Der SMAX-All-Share-Index und SDAX
4.2.7 Der CDAX
4.2.8 Der V-DAX
4.2.9 Der F.A.Z. Index
4.3 Internationale Aktienindizes
4.3.1 Dow Jones Industrial Average
4.3.2 Dow Jones STOXX Indizes
4.3.3 EURO.NM All Share
4.3.4 Weitere wichtige Indizes

6. LITERATURVERZEICHNIS

Einleitung

Seit im Herbst 1996 die Deutsche Telekom an die Börse gegangen ist, hat ein richtiger Boom eingesetzt. Sein Geld in Aktien anzulegen ist zunehmend attraktiver geworden und das Börsengeschehen rückt immer mehr in das Interesse der Öffentlichkeit. Die Börse liefert immer genügend Gesprachsstoff und gehört mittlerweile zu den beliebtesten Gesprachsthemen, neben dem Wetter und FuBball. Mittlerweile gibt es sogar Fernsehsender die sich fast ausschlieBlich mit Nachrichten aus der Wirtschaft beschaftigen. Aus diesen Gründen, und da ich privat auch Mitglied einer Gesellschaft bin, die ihr Geld an der Börse investiert, habe ich mich für diese Thema entschieden.

Im folgenden will ich erlautern wie das Aktienwesen überhaupt entstanden ist. Wie eine Börse heutzutage organisiert und aufgebaut ist. Welche unterschiedlichen Arten von Wertpapieren an der Börse von wem gehandelt werden. Wie die bekanntesten Aktienindizes strukturiert und zusammengesetzt sind, da dies für die Anlageentscheidung eine bedeutende Rolle spielt.

1. Die Entstehung des Aktienwesens

Bereits im 17. Jahrhundert erkannten Kaufleute, daB sich groBe Handelsunternehmen am besten gründen und führen lieBen, wenn mehrere Kapitalgeber zu einer Investorengruppe vereinigt wurden, denn die Mittel für GroBprojekte konnten dann gemeinsam aufgebracht werden.. Man kann aus diesen frühen Handelsgesellschaften nicht eindeutig die erste Aktiengesellschaft ausmachen, da heutzutage eine Aktiengesellschaft bestimmte Merkmale aufweisen muB. Zum Beispiel:

- Aktionare sind Miteigentümer der Gesellschaft.
- Aktionare haben Anspruch auf Gewinnbeteiligung.
- Die Haftung der Aktionare ist die auf die Höhe des von ihnen eingebrachten Grundkapitals beschrankt.
- Anteile an der Gesellschaft sind übertragbar.[1]

Diese Kriterien wurden von den ersten Gesellschaften nur teilweise erfüllt. Es gibt auch unter Historikern unterschiedliche Meinungen darüber, welches dieser Merkmale entbehrlich ist, um eine frühe Unternehmung als Aktiengesellschaft anerkennen zu können. Der überwiegenden Meinung nach gilt jedoch die Hollandisch-Ostindische Kompanie als erste Aktiengesellschaft moderner Pragung. Sie wurde 1602 in den Niederlanden gegründet und bestand bis 1799. Die Anteile wurden an der Amsterdamer Börse gehandelt und noch bevor die Zeichnungsfrist zu Ende war, wurde die Aktie 15 Prozent über ihrem Nennwert gehandelt. Damals waren starke Kursschwankungen keine Seltenheit. Da die Seereisen mit viel Risiko verbunden waren und die Nachrichten über den Erfolg bzw. MiBerfolg trafen - wenn überhaupt - mit monatelanger Verspatung ein und aufgrund mündlicher Berichte stark verfalscht. Oft wurden auch nur Gerüchte aus spekulativen Gründen gezielt gestreut.

Am Beispiel der Hollandisch-Ostindische Kompanie kann man diese Kursschwankungen sehr gut erkennen: „1622 notierte die Aktie 300 Prozent über ihrem Nennwert, 1720 stieg der Kurs auf über 1260 Prozent, 1781 war er wieder auf 215 Prozent zurückgegangen.“[2]

Die ersten Gesellschaften wurden alle in der Zeit des Kolonialhandels gegründet. Charakteristisch für diese Zeit waren die Handelsmonopole und staatlichen Privilegien.

Die Kapitane der Handelsflotten traten sozusagen als die politische Vertretung ihres Heimatlandes auf.

Und die Aktionare waren reine Geldgeber und es gab keine Überwachung durch den Vorstand wie heutzutage oder die Vorlegung von Quartalszahlen. Buchführung und Bilanzierung lieBen zu wünschen übrig. Es gab auch keine regelmaBige Ausschüttung von Dividenden. In manchen Jahren wurde nichts ausgeschüttet, in anderen Jahren erfolgten mehrere Ausschüttungen. Ausbezahlt wurde meist in Naturalien.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kam es in den Niederlanden zu einem Boom spekulativer Neugründungen. Viele Gesellschaften verschwanden genauso schnell, wie sie aufgetaucht waren. Einige von ihnen hatte man nur aus Betrugsabsichten gegründet.

In GroBbritannien entwickelte sich frühzeitig das Aktienwesen. 1613 wurde die East- India-Company gegründet, die bis 1858 bestand. Aufgrund zahlreicher Gründungen zum StraBen- und Kanalbau nahm das Aktienwesen Mitte des 18. Jahrhunderts groBen Aufschwung.

In Amerika entstand 1751 die Feuerversicherungsgesellschaft The Philadelphia Contributionship for Insuring Houses from Loss by fire. In der darauffolgenden Zeit war der Eisenbahnbau der Antrieb zur Gründung von Aktiengesellschaften. Die LanderschlieBung dieses groBen Kontinents erforderte einen sehr hohen Kapitalbedarf. Der Bau der groBen Eisenbahnstrecken war unmittelbar mit Aktienemissionen verbunden. Die Eisenbahnaktien dominierten jahrzehntelang das Aktiengeschehen in Amerika. So ist es auch nicht verwunderlich, daB der erste Aktienindex, der 1884 veröffentlicht wurde Railroad Average hieB.

In Deutschland wurde zwar schon 1627 vom Kaiser gegenüber dem Hansebund angeregt eine deutsche Kolonialgesellschaft zu gründen, als Konkurrenz zur hollandischen, doch erst 1682 wurde die Handels-Compagnie auf denen Küsten von Guinea vom Kurfürst von Brandenburg ins Leben gerufen.

„Sie gilt als erste deutsche Aktiengesellschaft und wird von Historikern oft auch als Brandenburgisch-Afrikanische Kompanie bezeichnet.“[3]

Die Mindesteinlage war 200 Taler, allerdings zur Mitgliederversammlung waren nur diejenigen mit einer Mindesteinlage von 1000 Taler zugelassen. Das Grundkapital betrug 48000 Taler mit dem 1684 die erforderliche Handelsflotte gekauft und ausgerüstet wurde. Die Anteilsinhaber bezeichnete man zunachst als Partizipant, Briefinhaber oder Teilhaber. Mit der Zeit bildete sich der Begriff Aktionist, aus dem das heutige Wort Aktionar abgeleitet ist. Auf Wunsch des Direktoriums erhielt jeder Investor ein Formular auf dem die Höhe seiner Einlagen bescheinigt war. So entstand die Aktie. Kaperungen und Schiffsuntergange führten zu zahlreichen Totalverlusten, weshalb der Aktie bis Mitte des 18. Jahrhunderts keine wesentliche Bedeutung beigemessen wurde.

Friedrich der GroBe gründete 1751 die sogenannten Handlungskompanien zur Förderung des Überseehandels. Die Asiatische Handlungskompanie war die erste dieser Gesellschaften.

Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Übersee-Handelsgesellschaften in Deutschland noch sehr erfolglos. Aktiengesellschaften im Versicherungsbereich (Schiffahrts-, Lebens- und Feuerversicherungen) waren hingegen sehr erfolgreich.

1807 wurde eine feste juristische Grundlage für die Gründung von Aktiengesellschaft geschaffen. Durch den eingeführten Code de Commerce muBte von nun an eine staatliche Konzession eingeholt werden. Aufschwung erhielten die Aktien auch durch die Aufhebung der Zünfte, die Gewerbefreiheit und der Schaffung eines gesamtdeutschen Wirtschaftsbereiches. Und wie in Amerika durch den Bau und Betrieb von Eisenbahnlinien. Beispielsweise die Aktien der Linie Nürnberg-Fürth erzielten in kürzester Zeit eine Steigerung um 400 Prozent. Innerhalb eines Jahres entstanden rund 20 Eisenbahngesellschaften.

Im Zuge der Industrialisierung muBte der Unternehmer sehr teure Maschinen anschaffen, sowie das Umlaufkapital für Löhne, Rohstoffbeschaffung und Lagerhaltung aufbringen.

Alleine war er meist überfordert. Zur Lösung des Problems lag die Gründung einer Aktiengesellschaft sehr nahe.

Privatbanken und Sparkassen waren der Mobilisierung derart hoher Summen bald nicht mehr gewachsen, so dab Mitte des 19. Jahrhunderts sogenannte Aktienbanken, die kleine Betrage, die sonst nur als örtlich gebundene Kredite wirksam geworden waren, für gröbere Projekte zusammenfabten.

1870 erfolgte die Liberalisierung des Aktienrechts in dessen Folge sich innerhalb von nur zweieinhalb Jahren 107 neue Aktienbanken bildeten (darunter auch Deutsche Bank, Dresdner Bank, Commerzbank). 1873 wurden jedoch 73 der neu entstandenen Banken wieder liquidiert oder auf gröbere, kapitalkraftigere Banken übertragen, um drohenden Zahlungsunfahigkeiten zuvorzukommen.

Das Börsengesetz von 1896 bestimmte, dab Aktien neugegründeter Gesellschaften erst ein Jahr nach ihrer Ausgabe zum Börsenhandel zugelassen wurden. Da die Gesellschaften das Kapital aber sofort benötigten, mubten hohe Summen zwischen finanziert werden. Dazu waren nur grobe Aktienbanken in der Lage. So wurden kleine Banken aus der Industriefinanzierung herausgedrangt, was den Konzentrationsprozeb beschleunigte.

Die Grobbanken erhielten erheblichen Einflub auf die industrielle Entwicklung, da sie für bei ihnen hinterlegte Aktien das Depotstimmrecht ausübten. So entwickelte sich eine Machkonzentration der Aktienbanken in der deutschen Industrie, die bis heute ihre Auswirkungen hat.[4]

2. Die Börse

2.1 Definition und Aufgaben der Börse

„Die Börse ist ein organisierter Markt, der dem Kauf und Verkauf von Effekten dient.[5] ‘a Unter Effekten versteht man (börsenfahige) Wertpapiere. „Börsenfahig sind nur vertretbare Wertpapiere. Das Kriterium der Vertretbarkeit trifft auf alle Sachen zu, die nach MaB, Zahl oder Gewicht bestimmt zu werden pflegen. Bei Wertpapieren heiBt dies, daB sie nach allgemeinen Merkmalen wie Gattung, Stückzahl oder Nennwert bestimmt sein zu müssen, um börsenfahig zu sein: Wertpapiere desselben Emittenten mit demselben Nennwert und derselben Ausstattung bezüglich Nominalzins, Dividendenberechtigung u.a. müssen einander 'vertreten' können, also gleichwertig und somit austauschbar sein, um zum Börsenhandel zugelassen zu werden. Effekten sind daher Aktien, Anleihen, Pfandbriefe und Investmentfondsanteile. Keine Effekten sind Banknoten, Wechsel oder Schecks.“ [6] Daneben gibt es Börsen, die auf Terminhandel spezialisiert sind. Von dem Warenterminhandel der ersten Tage an dem Vieh, Getreide und ahnliches gehandelt wurde, entwickelte sich inzwischen ein Terminhandel mit Instrumenten des Finanzmarktes. Heute stehen Aktien, Anleihen, Edelmetalle und Indizes als Grundlage von Options- und Fixgeschaften.

Zu den wesentlichen Aufgaben der Bör se gehören:

- Abstimmen von Angebot und Nachfrage in bezug auf Effekten bzw. andere Objekte.
- Ermitteln eines Kurses.
- Bieten der Möglichkeit, Kapital anzulegen oder zu beschaffen.
- Einen funktionierenden Handel zu gewahrleisten.

„Am Beispiel der Aktie erlautert: Für groBe Unternehmen ist die Börse das Instrument für die (Eigenkapital-)Finanzierung. Sie fungiert einmal als Bindeglied zwischen Unternehmen (Emittent) und Anleger - das ist der Primarmarkt -, bildet aber auch die

Handelsplattform für die Anleger untereinander (Sekundarmarkt). Sie ist damit die Brücke zwischen den Interessen des Finanzierungsbedarfs auf der einen Seite und den Bedürfnissen des Anlegerschutzes auf der anderen. AuBerdem trachtet die Börse nach Effektivitat, indem sie möglichst hohe Umsatze in möglichst kurzer Zeit mit geringstem Aufwand (Kosten) abzuwickeln sucht.“[7]

2.2 Das Börsengeschehen in Deutschland

2.2.1 Gesetze und Ordnungsvorschriften

Die Grundlage für die Geschafte an den deutschen Börsen bildet das Börsengesetz. Es gliedert sich in sechs Abschnitte:

- Allgemeine Bestimmungen der Börse (§§ 1-28).
- Feststellung der Börsenpreise und Maklerwesen (§§ 29-35).
- Zulassung von Wertpapieren zum Börsenhandel (§§ 36-49).
- Börsenterminhandel (§§ 50-70).
- Ordnungsverfahren (§§ 71-87, 1975 aufgehoben).
- Straf- und BuBgeldvorschriften sowie SchluBvorschriften (§§ 88-96).

Landesregierungen genehmigen das Einrichten von Börsen und bestellen Staatskommissare, die über die Einhaltung der Gesetze und Vorschriften wachen.

Für jeden Börsenplatz gibt es weitergehend noch eine Börsenordnung in der folgendes verzeichnet ist:

- Geschaftszweige des Börsenplatzes.
- Organisation des Börsenplatzes.
- Art der Preis- und Kursveröffentlichung.
- Wahl und Zusammensetzung der Mitglieder der Zulassungsstelle.
- Vorschriften für die Veröffentlichung der Umsatze.
- Definition und Bedeutung der Kurszusatze und Kurshinweise.[8]

2.2.2 Börsenorgane

Als Organe der Börse agieren:

- Der Börsenvorstand: er leitet die Börse und erstellt Ordnungsvorschriften.
- Die Zulassungsstelle: sie entscheidet über die Zulassung eines Wertpapiers.
- Die Maklerkammer: sie ist eine Standesvertretung, die Makler und deren Tatigkeit überwacht und Streitigkeiten unter Maklern schlichtet.
- Ein EhrenausschuO

„Die Kontrolle des Börsenhandels wird durch das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) in Frankfurt durchgeführt. Das BAWe überwacht die Handelstatigkeiten und untersucht auffallige Kursverlaufe auf Insiderhandel (Insider sind die Personen die über nichtöffentliche Informationen verfügen). Das BAWe prüft auch ob die Vorschriften zur Ad-hoc-Publizitat durch die Aktiengesellschaften eingehalten werden.“[9] Diese Vorschriften verpflichten die Emittenten von Aktien, den Marktteilnehmern wichtige, für Kauf- oder Verkaufsentscheidungen relevante Unternehmensinformationen unverzüglich zur Verfügung zu stellen, um die Bildung unangemessener Börsenpreise zu vermeiden. Die Ad-hoc-Publizitat ist damit eine VorbeugemaBnahme gegen den Insiderhandel.[10]

2.2.3 Deutsche Börsenplatze

„Im Jahr 1836 wurde in Frankfurt die erste deutsche Aktie gehandelt. In den folgenden Jahrzehnten war es für die Aktiengesellschaften von entscheidender Bedeutung, Kapitalgeber in der Nahe ihres Hauptstandortes ansprechen zu können.“[11] Denn kaum ein Norddeutscher war dazu bewegen, eine bayerische Brauereiaktie zu erwerben. Und ein Stuttgarter würde wohl kaum in eine norddeutsche Reederei investieren, wenn er deren Geschaftsverlauf nicht verfolgen kann. Denn zu damaliger Zeit gab es natürliche keine, mit heute vergleichbaren Nachrichtenverbindungen und Informationsquellen. Es bildeten sich dementsprechend Regionalbörsen, die entscheidenden Anteil am Wirtschaftsleben der jeweiligen Region hatten und haben. In der Bundesrepublik Deutschland gibt es derzeit acht Wertpapierbörsen:

- Frankfurt am Main (Hauptbörse und Eurex[12] )
- Düsseldorf
- München
- Stuttgart
- Berlin
- Bremen
- Hamburg
- Hannover

Am Umsatz gemessen nimmt Frankfurt die Spitzenstellung ein, es folgt Stuttgart. Seit Anfang der 90er Jahre ist mehr und mehr die Forderung nach einer Zentralisierung des Börsenwesens laut geworden. Ziel ist es, im Sinne der Wettbewerbsfahigkeit mit anderen internationalen Finanzzentren einen breiten, nach auBen hin als Einheit auftretenden deutschen Finanzplatz zu formen. Die Stellung des deutschen Kapitalmarktes soll auf diese Weise im Wettbewerb mit Luxemburg, London oder Zürich gestarkt werden.[13]

2.2.4 Der deutsche Wertpapiermarkt

Der Wertpapiermarkt ist an den deutschen Börsenplatzen in folgende Marktsegemente gegliedert:

- Amtlicher Handel
- Geregelter Markt
- Freiverkehr
- Neuer Markt

Der amtliche Handel:

Der amtliche Handel ist in Deutschland die Form des Handels mit den strengsten Zulassungs- und Publizitatsvorschriften. „Amtlich ist er deshalb, weil nur von amtlichen Maklern bestellt werden darf und börsengesetzlich geregelt ist (§§ 36-49 Börsengesetz).“[14] Nach §§ 36 Börsengesetz muB bei der Einführung in den amtlichen Handel ein Prospekt vorgelegt werden, der alle relevanten Informationen über die wirtschaftlichen und rechtlichen Verhaltnisse der betreffende AG enthalt.[15] Unternehmen und Bank haften gesamtschuldnerisch für vorsatzlich oder grob fahrlassige unwahre und nicht vollstandige Angaben, sofern diese für die Beurteilung des Wertpapiers (nicht der Unternehmung !) relevant sind. Des weiteren unterliegt das Unternehmen der Publizitatspflicht: Es hat die Emission im amtlichen Börsenblatt rechtzeitig bekanntzugeben. Die Mitglieder der Zulassungsstelle setzen sich zusammen aus Banken, die selbst nicht am Börsenhandel beteiligt sind. Bundes- und Landeranleihen sind Kraft Gesetzes ohne Prüfverfahren zum amtlichen Handel zugelassen.

Die amtlichen Börsenmakler sind von der jeweiligen Landesregierung dazu bestellt und vereidigt worden. Jedem amtlichen Kursmakler sind bestimmte Aktien des amtlichen Handels zugeordnet.

Der geregelte Markt:

Im Mai 1987 ins Leben gerufenes Segment des Börsenhandels. Wegen der hohen Anforderungen und den damit verbundenen Kosten des amtlichen Handels, war es notwendig geworden einen zweiten , börsenrechtlich geregelten Markt mit erleichterten Zulassungsbedingungen zu schaffen. Vorbilder waren unter anderem hierbei der „second marche“ in Frankreich, der „unlisted securities market“ in England. „Der geregelte Markt ist eine Nebenbörse mit einer zwar nichtamtlichen, aber trotzdem börsengesetzlich geregelten Notierung. Die Kurse werden von amtlichen Maklern oder durch Freimaklern festgestellt.“[16] Im Vergleich zum amtlichen Handel bestehen im geregelten Markt geringere Anforderungen an den Börseneinführungsprospekt, auch die Publizitatsvorschriften sind weniger streng. Der geregelte Markt eignet sich daher vor allem für mittelgroBe Aktiengesellschaften, die hohe Kosten bei der Börseneinführung ihrer Aktien vermeiden.

Der Freiverkehr:

Der Freiverkehr geschieht ohne amtliche Zulassung und Notierung und ohne börsengesetzliche Regelung, aber trotzdem in Anlehnung an Bestimmungen des amtlichen Handels. Dies ist sehr kostengünstig und unkompliziert, da die Interessenten nur Handelsregisterauszug, Satzung, und Geschaftsbericht dem FreiverkehrsausschuB des jeweiligen Börsenplatzes in einem Einbeziehungsverfahren vorlegen müssen. Die Kursnotierungen erfolgen als Spannkurse (Brief zu Geld), wobei innerhalb dieser Spanne tatsachlicher Handel erfolgen muBte. Eine Einheitsnotierung oder variable Notierung wird nicht gestellt, und der Auftraggeber hat keinen Anspruch auf Ausführung seiner Order. Vorwiegend Auslandsaktien werden im Freiverkehr gehandelt.[17]

Der Neue Markt:

Am 10. Marz 1997 gegründetes Handelssegment für junge und innovative, wachstumsstarke deutsche Aktien. „Im neuen Markt dürfen nur Stammaktien emittiert werden, mindestens 50 Prozent des Emissionsvolumens müssen aus einer Kapitalerhöhung stammen.“[18] Der Neue Markt hat die höchsten Zulassungs- und Publizitatsanforderungen aller vier Börsensegmente. Er ist wie der Freiverkehr privatem Recht unterworfen. Zu den erhöhten Pflichten gehören auch Jahresabschlüsse nach internationalen Standards, Quartalsberichte, Analystenveranstaltungen und die Herausgabe eines Unternehmenskalenders mit wichtigen Daten. Die Liquiditat am Neuen Markt wird durch Betreuer (Designated Sponsors) sichergestellt, die sich verpflichtet haben, auf Anfrage verbindliche Geld- und Briefkurse zu erstellen. Ein Betreuer ist ein an der Börse zugelassenes Unternehmen, das primar als Ansprechpartner für den Handel und als Experte für den jeweiligen Wert fungiert. In der Regel handelt es sich dabei um die Bank(en), die den Börsengang begleitet haben. Der Neue Markt bietet groBe Gewinnaussichten, damit verbunden auch ein erhöhtes Risiko. Die Anzahl der dort notierten Unternehmen wachst stetig.

Naheres siehe in Kapitel 4.2.5.

Terminhandel:

Neben den Segmenten des Kassamarktes (alle Börsengeschafte müssen „unmittelbar“, das heiBt innerhalb einer Frist von zwei Tagen erfüllt werden. Innerhalb dieser Frist müssen sowohl die Stücklieferungen bzw. die Gutschrift als auch die Bezahlung erfolgen) ist der Terminhandel noch zu nennen. Der Terminhandel ist ein börsenmaBig organisierter Handel von Waren, Devisen und Finanzinstrumenten „auf Termin“, d.h. der VertragsabschluB und die Erfüllung (Lieferung und Bezahlung oder Barausgleich) erfolgt zu verschiedenen vertraglich fixierten Zeitpunkten statt. Je nachdem, ob der Finanzkontrakt beide Seiten oder nur eine allseits verpflichtet, wird nach Fixgeschaften („Futures“) und Optionen unterschieden.[19]

2.2.3 Die Makler an den Deutschen Börsen

Für einen reibungslosen Ablauf an der Börse benötigt man eine exzellente Kenntnis der Kapitalmarkte, eine völlige Beherrschung der Börsentechnik und eine angemessene finanzielle Ausstattung. Nur mit diesen Voraussetzungen erhalt man eine Zulassung als Makler an der Börse.

Man unterscheidet bei den Maklern zwei Arten:

- Amtlicher Makler
- Freier Makler

„Die amtlichen Makler werden durch die Landesregierung bestellt und haben die Aufgabe den Kurs der amtlich gehandelten Wertpapiere festzustellen und Kauf- und Verkaufsorders dieser Papiere auszuführen.“[20]

Freie Makler werden nicht vereidigt und vom Börsenvorstand zugelassen. Sie können Geschafte in allen Wertpapieren vermitteln, dürfen aber an der amtlichen Kursfeststellung nicht teilnehmen.

Beide sind jedoch Makler des Bürgerlichen Gesetzbuchs und Handelsmakler im Sinne des Handelsgesetzbuchs, deren gesetzlichen Vorschriften ihrer Tatigkeit unterliegt.

2.3 Gegenstande des Börsenhandels

2.3.1 Wertpapiere - ein Oberbegriff für vieles

„Als Wertpapiere werden Urkunden bezeichnet, die private Vermögensrechte verbriefen. Über die mit der Urkunde verbundenen Rechte kann derjenige verfügen, der dazu berechtigt ist. Bei Inhaberpapieren wird davon ausgegangen, dab der Besitzer über diese Rechte verfügt. Sie müssen deshalb gegen Diebstahl besonders geschützt werden. Bei Wertpapieren, die auf den Namen des Berechtigten ausgestellt sind (Rektapapiere), kann nur der Genannte über die Rechte verfügen.“[21] Es lassen sich drei Arten von Wertpapieren unterscheiden:

- Wertpapiere der Kapitalbeschaffung und Kapitalanlage: Aktien, Obligationen, Investmentzertifikate, aber auch der Grundschuldbrief.
- Wertpapiere des Zahlungs- und Kreditverkehrs: Schecks, Überweisungen, Wechsel und Sparbücher.
- Wertpapiere des Güterverkehrs: Lagerschein, Ladeschein, Konnossement (Frachtbrief).

Wenn an der Börse von Wertpapieren gesprochen wird, meint man die der Kapitalanlage und Kapitalbeschaffung. Diese Wertpapiere werden an der Börse zu taglich wechselnden Kursen gehandelt. Man sagt sie müssen gegenseitig austauschbar bzw. gegenseitig vertretbar (fungibel) sein.[22]

Die börsennotierten Wertpapiere gliedern sich im wesentlichen in:

- Mitgliedschafts- oder Anteilpapiere: Aktien und Fondsanteile.
- Forderungspapiere: Anleihen und Pfandbriefe.
- Miteigentumsrechte: Investmentanteile.
- Derivate Finanzprodukte: Optionen und Futures.

Weiterhin kann man nach der Übertragbarkeit in Inhaber-, und Rektapapiere unterscheiden.

Zu den Inhaberpapieren gehören Inhaberaktien und Inhaberschuldverschreibungen. Der jeweilige Besitzer ist nicht namentlich genannt, sondern jeder der das Papier besitzt, kann das Recht aus ihm geltend machen, also verkaufen oder sonstwie darüber verfügen sowie Dividenden und Zinsen kassieren. Das verbriefte Recht wird durch Einigung und Übergabe übertragen. Die Mehrzahl der gehandelten Effekten sind Inhaberpapiere, durch deren einfache Übertragbarkeit die umfangreichen Umsatze erst möglich sind.

Zu den Rektapapieren zahlen die Namensaktien. Sie lauten auf den Namen des Eigentümers. Die Übertragung erfolgt durch Einigung, Übergabe und schriftliche Abtretungserklarung (das sogenannte Indossament) auf der Rückseite der Aktienurkunde. Vorgesehen ist auBerdem die Umschreibung im Aktienbuch der AG.

Sonderfall: Vinkulierte Namensaktie.[23]

Bei der vinkulierten Namensaktie ist der Eigner auch im Aktienbuch eingetragen. Will er das Papier verkaufen oder auf einen anderen übertragen, muB die Gesellschaft der Veranderung zustimmen.[24]

Jedes Wertpapier hat eine Wertpapier-Kennummer (WPKN). Die Wertpapier- Kennummer ist eine sechsstellige Zahl und sie dient zur eindeutigen Identifizierung.[25]

Erwirbt ein Anleger Wertpapiere an der Börse, werden diese bei seiner Bank in dem sogenannten Depot verwahrt. Beim Kauf von Wertpapieren wird auch eine Provision (für die ausführende Bank) fallig, sowie Courtage (Maklergebühr).

2.3.2 Aktien

Aktien sind Wertpapiere, die das Mitgliedschaftsrecht an einer Aktiengesellschaft verbriefen. Durch ihren Kauf beteiligt sich der Aktionar am Grundkapital der Aktiengesellschaft und wird dadurch Teilhaber. Sein Risiko ist begrenzt auf den totalen Verlust des Wertes seiner Aktie.

Es können folgende Motive für einen Aktienkauf vorliegen:

- Beteiligung am Gewinn (Dividende) der Aktiengesellschaft.
- Vermögenszuwachs durch einen steigenden Kurswert.
- EinfluBnahme auf das Unternehmen, z.B. als GroBaktionar.

Zu den wesentlichen Rechten des Aktionars gehören:

- Beteiligung am Gewinn (Dividendenrecht).
- Teilnahme an der Hauptversammlung.
- Stimmrecht an der Hauptversammlung.
- Auskunft durch den Vorstand.
- Bezug junger Aktien (Bezugsrecht).
- Anteil am LiquidationserlöB..

Eine Aktiengesellschaft besteht aus folgenden Organen:

- Vorstand: der alleinig zur Geschaftsführung bestimmt und berechtigt ist und die Aktiengesellschaft nach auBen vertritt; er wird durch den Aufsichtsrat bestellt.
- Aufsichtsrat: Er überwacht die Geschaftsführung des Vorstandes und ist Kontrollorgan der Aktiengesellschaft.
- Hauptversammlung: Sie ist das beschluBfassende Organ der Aktiengesellschaft und besteht aus der Gesamtheit der Aktionare.

Die Aufgaben der Hauptversammlung sind im wesentlichen:

- Bestellung der Mitglieder des Aufsichtsrats.
- Entlastung der Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrat.
- BeschluBfassung über die Verwendung des Bilanzgewinns.
- Bestellung der AbschluBprüfer.
- BeschluBfassung über Satzungsanderungen.
- BeschluBfassung über MaBnahmen zu Kapitalbeschaffung und Kapitalherabsetzung.
- BeschluBfassung zur Auflösung der Aktiengesellschaft.

Bei der Abstimmung über einen Punkt entscheidet die Mehrheit der Stimmen, wobei jede Aktie eine Stimme darstellt. Jeder Aktionar hat also um so mehr EinfluB, je mehr Aktien er besitzt.[26]

Durch die Ausgabe von Aktien verschafft sich die Gesellschaft das für ihre wirtschaftlichen Aktivitaten notwendige Eigenkapital. Aktien dürfen nicht unter ihrem Nennwert ausgegeben werden. Der Nennwert ist auf einer Wertpapierurkunde abgedruckte Wahrungsbetrag. Bei Aktien gibt er den auf eine Aktie entfallenen Anteil am Grundkapital der Aktiengesellschaft an. In Deutschland lautet der Mindestnennwert auf fünf DM, bis vor kurzem noch auf 50 DM. Im Zuge der Einführung der europaischen Wahrung wird der Mindestnennwert aller Aktien aus dem Euro-Raum jedoch auf einen Euro umgestellt. Im Gesprach ist auch die Einführung der in Deutschland bisher nicht zulassigen nennwertlosen Aktie.

Die Nennwertlosen Aktie ist in den USA, Kanada und GroBbritannien sehr haufig. Bei der nennwertlosen Aktie lauten Aktien nicht auf einen bestimmten Nennwert, sondern auf einen in Prozent ausgedrückten Anteil am Kapital eines Unternehmens.

Die wichtigsten Typen von Aktien sind:

Stammaktien: Sie verbriefen eine Beteiligung am Stammkapital der Aktiengesellschaft und sichern dem Besitzer ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung.

Vorzugsaktien : Wertpapiere, die ebenfalls eine Beteiligung am Stammkapital verbriefen und bestimmte Vorrechte bei der Dividendenberechtigung gewahren. Im Gegenzug ist meist das Stimmrecht auf der Hauptversammlung ausgeschlossen. Vorzugsaktien werden oft auch im Rahmen der Vermögensbildung von Unternehmen an eigene Mitarbeiter ausgegeben.

Junge Aktien: Auch neue Aktien genannt. Sie stammen aus der Kapitalerhöhung einer Aktiengesellschaft. Oft bieten sie gegenüber den „alten“ Aktien einen geringeren Anspruch auf Dividenden. Der Grund: Weil sie zum Beispiel in der Mitte eines Geschaftsjahres ausgeben wurden, besteht für das erste Jahr nur die halbe Dividendenberechtigung. Der Zeitpunkt für die Ausgabe junger Aktien wird namlich vor allem von der Verfassung der Börse abhangig gemacht: In Zeiten steigender Kurse lassen sich junge Aktien leichter und mit höherem Agio (Aufgeld) verkaufen. Junge Aktien kann man über sogenannte Bezugsrechte (§ 186 Aktiengesetz) erwerben.

Berichtigungsaktien: Auch Zusatzaktien oder Gratisaktien genannt. Bei einer Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln werden offene oder stille Rücklagen der Aktiengesellschaft in dividendenberechtigtes Grundkapital umgewandelt. Die Aktionare erhalten zusatzliche Aktien entsprechend ihre vorherigen Beteiligung. Da die Eigenmittel der Gesellschaft auf diese Weise nicht verandert werden, ist die haufig benutzte Bezeichnung „Gratisaktien“ irreführend: Zwar braucht der Aktionar nichts für seine zusatzlichen Aktien zu bezahlen, doch er erhalt auch nichts geschenkt. Er besitzt nach der Kapitalerhöhung mehr Aktien als zuvor, der Wert der einzelnen Aktie vermindert sich jedoch entsprechend dem Umfang der Kapitalerhöhung.[27]

Man unterscheidet Aktien auch nach der Art der Übertragbarkeit:

Namensaktien: Sie werden auf eine bestimmte Person ausgestellt und im Aktienbuch der Gesellschaft eingetragen. Es kann nur der namentlich bezeichnete Inhaber der Urkunde alle Rechte aus dem Wertpapier geltend machen. Die Übertragung erfolgt durch Einigung, Übergabe und schriftliche Abtretungserklarung (Indossament) auf der Rückseite der Aktienurkunde. Bei vinkulierten Aktien muB der Vorstand der Aktiengesellschaft den Verkauf genehmigen. Ein sehr umstandliches Verfahren, das hohen Zeit- und Personalaufwand benötigt, deshalb ist die Namensaktie im Börsenhandel sehr selten. Sie werden nur von bestimmten Branchen bevorzugt. Dazu gehören vor allem die Versicherungsgesellschaften.

Inhaberaktien: Bei diesen Wertpapieren wird der jeweilige Inhaber der Aktien nicht namentlich genannt. Als Eigentümer gilt derjenige, der das Papier gerade besitzt. Er kann bestimmte Rechte geltend machen, zum Beispiel ein Vorkaufsrecht bei der Ausgabe junger Aktien, ein Verfügungsrecht oder das Recht auf Dividendenzahlung. Sie werden ihm durch Einigung und Übergabe übertragen. Bei der Mehrzahl der gehandelten Aktien handelt es sich um Inhaberpapiere, da sie einfacher zu handeln sind.[28]

2.3.3 Anleihen

2.3.3.1 Allgemeines zu festverzinslichen deutschen Anleihen

„Anleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die eine schuldrechtliche Verpflichtung verbriefen und dem Inhaber einen Anspruch auf Rückzahlung und Verzinsung garantieren. Meist handelt es sich um langfristige Geldbeschaffung durch Gebietskörperschaften (Staaten, Lander, Gemeinden), öffentlich-rechtliche Institutionen oder groBe Unternehmen.“[29]

Festverzinsliche Wertpapiere werden von Unternehmen, aber vor allem vom Staat emittiert (ausgegeben). Durch diese Ausgabe von Anleihen ist es Lander und Gemeinden möglich, sich Mittel für gröBere Aufgaben zu beschaffen. Unternehmen beschaffen sich Kapital mit Hilfe von Anleihen, wenn dies günstiger erscheint als die Ausgabe neuer Aktien.

Der Inhaber von Anleihen kann sein Forderungsrecht auf Rückzahlung auch im Falle eines Konkurses des Schuldners geltend machen.

Motive zum Kauf von Anleihen sind:

- Kapitalverzinsung.
- Erzielen von Kursgewinnen.

Denn die Anleihe wird ebenso wie die Aktie an der Börse gehandelt. Allerdings halten sich die taglichen Kursschwankungen bei Anleihen in sehr viel engeren Grenzen.

Verzinsung:

Die zugesicherte Verzinsung des Anleihebetrages (die Nominalverzinsung) ist ein wichtiges Kriterium für die Geldanlage in Anleihen. Letztlich entscheidend ist jedoch die Rendite, bei der neben der Nominalverzinsung auch Kursgewinne bzw. Kursverluste bis zur Auszahlung mit in die Rechnung einflieBen. AuBerdem ist es nützlich, die sogenannte Nettorendite, also die Rendite nach Steuern, zu ermitteln: Nominalverzinsung abzüglich Steueranteil plus steuerfreie Kursgewinne (bzw. Kursverluste, beispielsweise bei Anleihen, die an der Börse über dem Nennwert notiert werden). Die Auszahlung der Zinsen erfolgt üblicherweise im halb- oder ganzjahrigen Turnus. Es gibt allerdings auch Anleihen, bei denen die Zinsen in einer Summe am Ende der Laufzeit oder zu einem bestimmten Termin gezahlt werden.[30]

Laufzeit:

Anleihen werden in Wertpapiere mit kurz-, mittel-, und langfristigen Laufzeiten gegliedert. Kurzfristig: drei Monate bis zwei Jahre Mittelfristig: drei bis fünf Jahre Langfristig: über fünf Jahre

Für die Geldanlage spielt die Gesamtlaufzeit einer Anlage meist nur eine nebensachliche Rolle, viel wichtiger ist die sogenannte Restlaufzeit. Das ist der Zeitraum bis zur Endfalligkeit der Anleihe.[31]

Tilgung:

Die Tilgung, also die Rückzahlung des Anleihebetrages, kann auf verschieden Arten erfolgen, flieBt aber immer mit in die Effektivverzinsung ein. Es lassen sich drei Tilgungsarten erkennen:

- Tilgung mit festem Tilgungsplan
- Tilgung ohne Tilgungsplan
- Endfallige Tilgung

Tilgungen mit festem Tilgungsplan treten in zwei Formen auf: der Raten- und Annuitatentilgung.

Bei der Ratentilgung wird regelmaBig ein gleichbleibender Betrag der Anleihe zurückbezahlt. Da die Zinsen von der Restschuld berechnet werden und diese durch die Ratenzahlungen kleiner wird, nimmt für den Emittenten im Laufe der Zeit die Belastung ab.

Bei der Annuitatentilgung dagegen wird ein über die gesamte Laufzeit gleichbleibender Betrag regelmaBig zurückbezahlt, der sich aus Zins- und Tilgungsanteil zusammensetzt. Tilgung ohne Tilgungsplan kann über Auslosung, Kündigung, oder freihandigen Rückkauf erfolgen. Bei der Auslosung werden jahrlich einige Serien regelrecht ausgelost. Die so ermittelten Anleiheserien werden dann zum Rücknahmekurs (meist 100%) zurückgekauft.

Bei der Kündigung kauft der Emittent die Anleihe zum Rücknahmekurs zurück.

Der freihandige Rückkauf geschieht über die Börse: Dort kauft der Emittent die Anleihestücke zum Börsenkurs zurück.

Die Tilgung bei Endfalligkeit ist die am meisten verbreitete Form der Anleihentilgung. Am Ende der Laufzeit wird dem Eigentümer der Anleihe der Anleihebetrag zurückgegeben.[32]

Manche Anleihen weisen besondere Eigenschaften auf wie:

- Mündelsicherheit.
- Deckungsstockfahigkeit.

Mündelsichere Papiere sind solche, die ein Vormund mit dem Geld des verzinslich anlegen muB.

Deckungsstockfahig heiBt, daB diese Papiere z.B. im Deckungsstock einer Versicherung angelegt werden dürfen.

Je nach Emittent spricht man bei Anleihen von:

- Staatsanleihen (Bund sowie dessen Sondervermögen).
- Bundesschatzbriefen (Bund).
- Kommunalanleihen (Gemeinde und Gemeindeverbande).
- Pfandbriefen (private und öffentlich-rechtliche Realkreditinstitute).
- Industrieobligationen (Industrieunternehmen).
- Bank- und Sparkassenobligationen (Banken und Sparkassen).
- Kassenobligationen (Bund sowie dessen Sondervermögen).[33]

Anstelle von „Anleihe“ verwendet man auch „Schuldverschreibung“, „Rente“ oder „Obligationen“ als synonyme Begriffe.

Die Besicherung der Anleihen geschieht über:

- Bürgschaft des Landes oder des Bundes,
- durch Bildung von Deckungsmasssen oder
- durch Negativklauseln.

Die Negativklausel besagt, daB im Falle spaterer Anleihen zur selben Sache der früheren eine gleichwertige Sicherheit im nachhinein eingeraumt wird.[34]

2.3.3.2 Wandelanleihen

Auch Convertible Bond genannt. Am Kapitalmarkt erscheint sie zunachst als gewöhnliche Anleihe mit festem Zinssatz und fester Laufzeit. Die Verzinsung liegt jedoch unter der, die zur gleichen Zeit für herkömmliche Anleihen geboten wird. Zum Ausgleich erhalt der Kaufer das Recht, die Anleihe innerhalb der sogenannten Wandlungsfrist in Aktien zu wandeln, nicht aber die Pflicht. Der Investor hat demnach die Wahl: entweder Glaubiger eines Unternehmens zu sein und sich am Ende der Laufzeit sein eingesetztes Kapital zurückzahlen zu lassen oder das Wandlungsrecht in Anspruch zu nehmen, indem er die Anleihe bei Falligkeit in Aktien der entsprechenden Gesellschaft tauscht. So wird der Obligations zum Aktionar. In der Regel ist Umwandlung noch mit einer Zuzahlung (Wandlungspreis) verbunden, die in den meisten Fallen von vorneherein festgesetzt ist.

Das Wandlungsrecht ist nicht entziehbar und kann binnen eines bestimmten Zeitraums geltend gemacht werden. Das Wandlungsverhaltnis zeigt an, wie viele Anleihen in wie viele Aktien getauscht werden. Ein Umtauschverhaltnis von 4:1 besagt beispielsweise, dab man für vier Wandelschuldverschreibungen eine Aktie beziehen kann. Der Inhaber hat nun keine Zinsforderungen mehr, aber dafür Anspruch auf Dividende. Für Aktiengesellschaft bedeutet dies zunachst die Aufnahme von Fremdkapital, damit verbunden die Bereitschaft es in Eigenkapital umzuwandeln. In Zeiten, in denen der Aktienmarkt unsicher erscheint und Anleger vermehrt auf festverzinsliche Wertpapiere setzen, machen Unternehmen gern Gebrauch von dieser Form der Kapitalbeschaffung. Durch die Wandlung erhöht sich das haftende Eigenkapital, dies erfordert die Zustimmung der Hauptversammlung.

Bei allgemeinen Zinssenkungen wird der Zinssatz der Anleihe relativ attraktiv. Der Reiz zu wandeln labt also nach. Im allgemeinen lohnt sich eine Umwandlung nur, wenn der Börsenkurs der Aktien über dem Umtauschkurs plus Zuzahlung (Wandlungspreis) liegt. Dann ist der indirekte Erwerb der Aktien - über die Ausübung des Wandlungsrechts - günstiger als der direkte Kauf der Aktien an der Börse.

Die Wandelanleihe ist also ein Wertpapier für Anleger die ihr Risiko begrenzen wollen. Der Anleger kann sein Kapital verzinslich anlegen und sobald die Situation günstig erscheint, in den Aktienmarkt wechseln.[35]

2.3.3.3 Optionsanleihen

Optionsanleihen sind von einer Aktiengesellschaft herausgegebene Schuldverschreibungen. Sie beinhalten neben dem Recht auf Zahlung eines vereinbarten Zinssatzes auch die Rückzahlung des Nennwertes am Ende der Laufzeit. Des weiteren berechtigen sie den Inhaber, wahrend einer festgelegten Frist zu einem bestimmten Preis Aktien der emittierenden Gesellschaft zu kaufen.[36]

„Die Optionsanleihe ist mit einem festen Zinssatz ausgestattet, der in der Regel deutlich unter dem Zinssatz von Anleihen vergleichbarer Laufzeit liegt. Quasi als Ausgleich für die niedrige Verzinsung sind der Anleihe ein oder mehrere Optionsscheine (Warrants) beigefügt. Mit Beginn der Optionsfrist können die Warrants getrennt von der Anleihe gehandelt werden.“[37]

Es entstehen somit drei Arten von Optionsanleihen, die an der Börse gehandelt werden:

- Die Anleihe mit Optionsschein „cum Warrant“.
- Die Anleihe ohne Optionsschein „ex Warrant“.
- Der Optionsschein allein „Warrant“.

Der Börsenkurs des Optionsscheins richtet sich maBgeblich nach dem Börsenkurs der Aktien, zu deren Umtausch er berechtigt.

Vorteile für die Aktiengesellschaft durch die Emission der Optionsanleihe[38]:

- Beschaffung von niedrig verzinstem Fremdkapital.
- Zusatzliches Eigenkapital, wenn der Optionsscheininhaber sein Optionsrecht ausübt.

Vorteile für den Inhaber der Optionsanleihe[39]:

- Festgelegte Verzinsung und Tilgung.
- Überproportionales Profitieren bei Kurssteigerung der Aktie.

2.3.3.4 Auslandsanleihen

Nicht nur der eigene Staat und inlandische Unternehmen emittieren Anleihen. Auch auslandische Unternehmen und Staaten sind am Kapitalmarkt zu finden und möchten Geld aufnehmen.

Von Bedeutung sind zwei Formen der Auslandsanleihe:

- Die auf DM lautende und in DM zu bedienende Anleihe eines auslandischen Emittenten.
- Die auf auslandische Wahrung lautende und darin zu bedienende Anleihe eines auslandischen Emittenten.

Daneben treten auch Mischformen auf wie Teilanleihen oder Parallelanleihen. Dabei werden Teile einer Anleihe gleichzeitig in verschiedenen Landern und Wahrungen aufgelegt. Sofern die Zins- und Tilgungszahlungen einer Anleihe in einer fremden Wahrung geleistet werden, entsteht ein Wahrungsrisiko.

Hinsichtlich Zinsen, Laufzeit, Tilgung und Eigenschaften gilt das bei inlandischen Gesagte gleichermaBen für die Auslandspapiere. Besondere Beachtung sollte man der Wahrungsrelation schenken, und auch wie sicher die politischen, wirtschaftlichen und gesetzlichen Verhaltnisse des Emittentenlandes sind. Damit verbunden ist sicherlich die Sicherheit der Zins- und Tilgungszahlen des Emittenten. Eine hohe Rendite wird auch hier mit gröBerem Risiko bezahlt.

2.3.3.5 Zero-Bonds

Sind Wertpapiere, bei denen es keine regelmaBigen Zinszahlungen gibt. Deshalb werden diese Papiere oft auch als „Null-Kupon-Anleihen“ bezeichnet. Der Ertrag dieser Form der Geldanlage ergibt sich aus dem Unterschied zwischen dem Ausgabepreis und dem Betrag, der spater zurückgezahlt wird.[40] Sie sind besonders interessant

- für konservative Anleger, die Steuerstundung anstreben, sowie
- für Spekulanten, die von einer überproportionalen Kursbewegung profitieren wollen. Der Ausgabekurs liegt immer unter dem vereinbarten Rückzahlungskurs. Aus der Differenz zwischen beiden Werten ergibt sich für den Anleger die Verzinsung seiner

Geldmenge. Wie groB der Anleiheschuldner den Unterschied zwischen dem Ausgabepreis und dem Rückzahlungsbetrag macht, hangt vor allem von der Lage am Kapitalmarkt zur Zeit der Emission und der erwarteten Zinsentwicklung ab. Der Kurs des Zero-Bonds richtet sich, wie bei jeder anderen Anleihe, nach dem jeweiligen aktuellen Zinsniveau. Weitere Faktoren sind die aufgelaufenen Zinsen und die Restlaufzeit. Je naher der Zeitpunkt der Rückzahlung ist, um so deutlicher nahert sich der Kurs dem Rückzahlungsbetrag. Zero-Bonds werden wie andere Rentenpapiere an der Börse gehandelt und können taglich gekauft und verkauft werden. Ihr Kurs schwankt starker als bei anderen Anleihen. Wenn die allgemeinen Zinsen sinken, dann steigt der Kurs der Zero- Bonds starker als bei normalen Anleihen, weil die in dem Papier steckenden Zinsen und Zinseszinsen im Kurs berücksichtigt werden. Bei fallenden Zinsen fallt ihr Kurs entsprechend deutlicher. Ein weiterer Pluspunkt des Zero-Bonds ist die Besteuerung der Ertrage. So findet man die Zeros in vielen Steuermodellen und Vorsorgeplanen mit Wertpapieren wieder.

Die Laufzeiten liegen zwischen drei und dreiBig Jahren, die meisten Zeros laufen zwischen zehn und fünfzehn Jahren. Die Zero-Bonds sind eine relativ junge Anlageform, die 1981 auf den amerikanischen Markt kam.[41]

2.3.3.6 Genufischeine

GenuBscheine sind Wertpapiere, die im Unterschied zur Aktie keine Mitgliedschaftsrechte, sondern Rechte am Reingewinn oder am Liquidationserlös einer Aktiengesellschaft verbriefen. GenuBscheininhaber haben nicht das Recht zur Teilnahme der Hauptversammlung. Sie sind somit stille Teilhaber an der Aktiengesellschaft.[42] Die verbrieften GenuBrechte weisen bei den einzelnen Scheinen wichtige Unterschiede auf: So gibt es GenuBscheine mit fester oder ergebnisabhangiger Ausschüttung und solche mit Wandelrecht. Vor dem Kauf ist es daher für den Anleger unerlaBlich, sich über die GenuBrechte des betreffenden Scheins zu informieren.

GenuBrechte können[43]

- einen festen Zinsertrag verbriefen,
- einen Grundzins zuzüglich einer gewinnabhangigen Ausschüttung beinhalten,
- Bezugs- oder Umtauschrechte für Stamm- oder Vorzugsaktien beinhalten,
- unbegrenzt laufen,
- nach einer begrenzten Laufzeit zur Rückzahlung fallig werden,
- nach einer festgelegten Laufzeit durch die emittierten Gesellschaften kündbar sein.

2.3.3.7 Gewinnschuldverschreibungen

„Die Gewinnschuldverschreibung ist ein Glaubigerpapier, das neben dem Anspruch auf Zins und Tilgung ein Anrecht auf gewinnabhangige Zusatzverzinsung verbrieft.“[44]

2.3.4 Futures und Optionen

An bestimmten Börsen können Interessenten mit unterschiedlichen Zukunftserwartungen und Zielsetzungen über die Entwicklung von Wertpapieren und Finanzinstrumenten, miteinander Terminkontrakte abschlieBen. Ein Termingeschaft ist also ein zweiseitiges Rechtsgeschaft über Kauf oder Verkauf einer bestimmten Menge eines Gutes (etwa einer Ware oder eines Finanzinstruments), bei dem VertragsabschluB und Erfüllung zeitlich auseinanderliegen.[45]

Man unterscheidet:[46]

- Fixgeschafte (Futures) - sie binden beide Parteien an die Vereinbarung, ein bestimmtes Geschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt und zu einem festgelegten Preis zu machen.
- Optionen - auch hier gilt: bestimmtes Geschaft und bestimmter Preis, aber hier hat der Kaufer die Möglichkeit das Recht wahrend der gesamten Laufzeit der Option auszuüben, zu verkaufen oder am Ende verfallen zu lassen. Der Verkaufer („Stillhalter“) muB dem verlangen des Kaufers jederzeit nachkommen. Für das Recht auf dieses Geschaft bezahlt der Verkaufer eine Pramie, den Future- bzw. Optionspreis.

2.3.4.1 Fixgeschafte mit Finanzinstrumenten (Financial Futures)

Financial Future ist ein Sammelbegriff für börsengehandelte, standardisierte Finanzterminkontrakte. Ihnen liegt eine verbindliche Vertragsvereinbarung zugrunde, die bestimmte Menge eines Gutes (Basiswert), zu einem bestimmten Zeitpunkt (Liefertag), zu einem im voraus bestimmten Preis (Future-Preis), zu liefern (Future-Verkaufer) bzw. abzunehmen (Future-Kaufer).

Dieser Kontrakt legt den Preis für das Finanzinstrument heute fest, das in der Zukunft geliefert wird. Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Termingeschaften wie etwa Warentermingeschaften ist, daB die am Terminmarkt eingenommene Position durch entsprechende Gegengeschafte wieder glattgestellt werden kann. Denn der Kontrakt wird in Zukunft zu erfüllen sein, ist aber bis zu diesem Zeitpunkt an der Börse handelbar. Futures können auf folgende Finanzinstrumente lauten:

- Aktienindex (z.B. DAX)
- Wahrungen (z.B. Euro, Dollar, Yen)
- Zinspapiere und Zinssatze
- Anleihen und Anleihenindizes (z.B. REX)

Nur ein geringer Teil der gehandelten Financial Futures werden erfüllt, die meisten werden am Erfüllungstag per Gegenposition glattgestellt.[47]

Rechte und Pflichten:

- Der Kaufer hat die Verpflichtung am Liefertag den Basiswert zum vereinbarten Preis zu kaufen.
- Der Verkaufer ist zur Lieferung am Liefertag verpflichtet.

Motive für den Einsatz von Financial Futures:

- Profitieren des Hebeis bei Kursbewegungen: Man hat hohe Gewinnchancen wenn sich das Basisobjekt positiv entwickelt, aber auch hohes Verlustrisiko bei negativer Entwicklung.
- Profitieren von Anderungen der Zinsstruktur: Erwartet man steigende langfristige Zinsen, so verkauft man langfristige Futures und kauft dagegen mittelfristige.
- Profitieren von relativen Preisbewegungen zwischen verschiedenen Markten: Erwartet man z.B. sich annahernde Renditedifferenzen bei Bankschuldverschreibungen und einer Bundesanleihe, so kauft man Bankschuldverschreibungen und verkauft Bundesanleihen.
- Profitieren von Preisungleichgewichten zwischen Future- undKassamarkt.
- Verminderung des Zinsanderungsriskos einer bestehenden Kassaposition.
- Verminderung des Zinsanderungsriskos einer künftigen Kassaposition.[48]

2.3.4.2 Optionen

Gegenstand des Optionsgeschaftes ist das Optionsrecht, und das wird als Optionskontrakt gehandelt. Der Kaufer eines Optionskontraktes (Optionsinhaber) erwirbt gegen Zahlung einer Pramie das Recht, die Menge eines bestimmten Gutes (Basiswert) innerhalb eines bestimmten Zeitraumes (Laufzeit) zum im voraus bestimmten Preis (Basispreis) zu kaufen (Kaufoption oder Call) bzw. zu verkaufen (Verkaufsoption oder Put).

Der Verkaufer (Stillhalter) eines Optionskontraktes übernimmt die Verpflichtung innerhalb der Laufzeit den Vereinbarungen nachzukommen, wenn der Kaufer sein Recht in Anspruch nimmt.

Optionsgegenstande (Basiswerte) können sein:

- Aktien
- Aktienindizes
- Zinsen in Form von kurzfristigen und langfristigen Zinstiteln
- Edelmetalle
- Future-Kontrakte

Die meisten Optionen die an der Börse gehandelt werden sind amerikanischen Typs und ermöglichen die Optionsausübung wahrend der gesamten Laufzeit an jedem beliebigen Handelstag.

Europaische Optionen hingegen schranken das Ausübungsrecht auf das Laufzeitende ein.[49]

Motive für den Einsatz von Optionen:

- Absicherung gegen unliebsame Kursanderungen: Will der Aktienbesitzer sich gegen fallende Kurse absichern, so kann er eine Verkaufsoption („Put“) kaufen. Und wenn die Kurse sinken kann er diese ausüben.
- Profitieren von der Hebelwirkung bei Kursbewegungen: Mit Optionen macht man einen relativ gröBeren Gewinn, wenn die Erwartungen des Kaufers eintreten als mit dem Basisobjekt selbst.
- Profitieren von Kursbewegungen bei minimalen Einsatzen: Der Kauf einer Kaufoption von 100 Aktien kostet nur ein Bruchteil dessen, was die 100 Aktien kosten würden. Man muB die Option möglicherweise gar nicht ausüben und kann sie vorher verkaufen.
- Begrenzung des Kursrisikos.

2.3.4.3 Optionsscheine

Man meint damit meist den gedeckten Optionsschein, den sogenannten Covered Warrant. „Hierbei verkaufen Banken Wertpapiere aus ihrem Bestand wahrend einer bestimmten Laufzeit zu einem vorher festgelegten Kurs gegen Vorlage eines Optionsscheins und erhalten somit eine Pramie für die Zusicherung des betreffenden Preises. Gedeckt werden die Optionsscheine deshalb genannt, weil der Stillhalter (Verkaufer) die zugrundeliegenden Papiere in seinem Besitz hat. Diese Form kommt des Optionsscheins kommt der Funktion der Option sehr nahe.“[50] Somit sind auch die Motive für den Kauf von Optionsscheinen ahnlich denen für Optionen.

Unterschiede des Optionsscheins mit der Option sind:

Die Option

- ist in bezug auf Basispreis und Laufzeiten stets standardisiert,
- lauft maximal sechs, in Ausnahmefallen neun Monate,
- wird in Deutschland nur an der EUREX gehandelt.

Der Optionsschein hingegen

- ist nicht standardisiert, die Form wird vom Emittenten bestimmt,
- hat Laufzeiten bis zu vier Jahren,
- ist variabler in bezug auf den Basispreis,
- wird an der Börse oder OTC gehandelt.

Als Basis von Optionsscheinen können dienen:

- Zinsen.
- Wahrungen.
- GenuBscheine.
- Aktien.
- „Aktienkörbe“ („Baskets“), in denen mehrere Aktien versammelt wurden.

2.3.5 Rohstoffe

Wichtigste Rohstoffe an der Börse sind Öl und Metalle.

Metalle unterscheidet man in:

- Edelmetalle zu denen Gold, Silber, Platin und Palladium gehören.

- NE-Metalle deren wichtigste Vertreter sind: Aluminium, Kupfer, Blei, Nickel, Zink. Metalle werden im allgemeinen in relativen groBen Einheiten gehandelt. Bei den Edelmetallen macht man dabei eine Ausnahme, dadurch ist es auch dem Kleinanleger möglich einen physischen Bestand an Gold und Silber zu besitzen.

Wahrend nahezu alle Metalle an den Warenterminmarkten gehandelt werden, werden vor allem Gold und Silber an vielen Wertpapierbörsen mitgehandelt. In Europa gibt es fünf Goldbörsen, eine davon ist die Frankfurter Wertpapierbörse. Hier werden taglich Kurse für Goldbarren von 1kg und von 12,5 kg festgestellt und gehandelt. Auch der Begriff „Feinunze“ taucht sehr haufig im Umgang mit Gold auf. Eine „Feinunze“ entspricht 31,1 Gramm. Das Gold gilt als Krisenwahrung. Es ist relativ klein, kann also gut transportiert oder versteekt werden. Es gilt auch fast überall auf der Welt als Zahlungsmittel. Wenn man Gold in der Erwartung eines Preisanstieges kauft, sollte man besser Goldminenaktien kaufen, hier hat man eine gröBere Hebelwirkung. Steigt der Preis von Gold so erzielt man mit den Goldminenaktien einen relativ gröBeren Gewinn als mit dem Gold selbst.[51] Eine noch gröBere Hebelwirkung erzielt man mit Optionsscheinen auf Goldminenaktien.

3. Kurse der Wertpapiere - Ermittlung, Einflüsse, Informationsquellen

3.1 Was sind Börsenkurse, wie werden sie ermittelt?

„Der Kurs bezeichnet den aktuellen Preis der Ware „Wertpapier“ oder eines anderen Börsenobjektes. Er legt den Wert offen, der dem betreffenden Wertpapier seitens der Kauf- oder Verkaufsinteressen beigemessen wird.‘[52]

Anhand der vorliegenden Kauf- und Verkaufsauftrage setzt der zustandige Makler den Kurs für sein Wertpapier fest, und zwar so dab möglichst alle vorliegenden Auftrage ausgeführt werden können. Seit dem 1. Januar 1999 werden alle Kurse an Deutschen Börsen in Euro angegeben.

Es werden zwei Notierungsarten von Kursen unterschieden:

- Kassakurse, auch Einheitskurse genannt.

- Variable Notierungen, die auch als fortlaufende Notierungen bezeichnet werden.

Es wird ein Wert im Kassakurs notiert, wenn börsentaglich nur ein Wert bestimmt wird oder für diejenigen Auftrage in variablen notierten Wertpapieren, die den festgesetzten MindestschluB (Mindeststückzahl, die meistens 50 Stück betragt) nicht erreichen. Zu diesem Kurs werden dann alle Kauf- und Verkaufsauftrage ausgeführt, sofern kein Limit gesetzt wurde.

Bei der variablen Notierung werden wahrend der gesamten Handelszeit laufend Kurse für das bestimmte Wertpapier ermittelt. Heutzutage natürlich mit Hilfe des Computers.[53]

3.2 Kurszusatze

Kurszusatze sollen über die Einzelheiten der Kursfeststellung und über die Angebots- Nachfrage-Situation informieren. Der Anleger kann dadurch Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage, erfolgte Dividenzahlungen, Aktiensplits, Bezugsrechtabschlage sowie andere entscheidungsrelevante Ereignisse erfahren. Man liest die Kurszusatze oft im Wirtschaftsteil von Zeitungen und Zeitschriften und sie beziehen sich immer auf den Kurs, der direkt davor steht.

Kurszusatze für besondere Marktsituationen und Ereignisse: [54]

G (Geld): Es fand kein Umsatz statt, zu diesem Preis bestand nur Nachfrage.

B (Brief): Es fand kein Umsatz statt, zu diesem Preis bestand nur Angebot.

- (gestrichen): Es konnte kein Kurs festgestellt werden.

-G (gestrichen Geld): Es konnte kein Kurs festgestellt werden, es bestand unlimitierte Nachfrage.

-B (gestrichen Brief): Es konnte kein Kurs festgestellt werden, es bestand unlimitiertes Angebot.

-T (gestrichen Taxe): Es konnte kein Kurs festgestellt werden, der angegebene Preis ist geschatzt.

-GT (gestrichen Geld/Taxe): Es konnte kein Kurs festgestellt werden, da der Preis auf der Nachfrageseite geschatzt ist.

-BT (gestrichen Brief/Taxe): Es konnte kein Kurs festgestellt werden, da der Preis auf der Angebotsseite geschatzt ist.

ex D (nach Dividende): Erste Notiz unter Abschlag der Dividende.

ex A (nach Ausschüttung): Erste Notiz unter Abschlag einer Ausschüttung.

ex BR (nach Bezugsrecht): Erste Notiz unter Abschlag eines Bezugsrechts.

ex BA (nach Berichtigungsaktien): Erste Notiz nach Umstellung des Kurses auf das aus Gesellschaftsmitteln berichtigte Aktienkapital.

ex SP (nach Splitting): Erste Notiz nach Umstellung des Kurses auf die geteilten Aktien.

ex ZS (nach Zinsen): Erste Notiz unter Abschlag der Zinsen.

ex AZ (nach Ausgleichszahlung): Erste Notiz unter Abschlag einer Ausgleichszahlung.

ex BO (nach Bonusrecht): Erste Notiz unter Abschlag eines Bonusrechts.

ex abc (ohne verschiedene Rechte): Erste Notiz unter Abschlag verschiedener Rechte. ausg (ausgesetzt): Die Kursnotierung ist ausgesetzt; ein Ausruf ist nicht gestattet.

-Z (gestrichen Ziehung): Die Notierung der Schuldverschreibung ist wegen eines Auslosungstermins ausgesetzt. Die Aussetzung beginnt zwei Börsentage vor dem festgesetzten Auslosungstag und endet mit Ablauf des Börsentages danach.

H (Hinweis): Auf Besonderheiten wird gesondert hingewiesen.

Kurszusatze zu Angebot und Nachfrage: [55]

Diese Kurszusatze zeigen an, wie vollstandig die zum festgestellten Kurs limitierten Kauf-und Verkaufsauftrage ausgeführt werden konnten:

b (bezahlt): oder Kurs ohne Zusatz. Alle Auftrage wurden ausgeführt.

bG (bezahlt Geld): Die zum festgestellten Kurs limitierten Kaufauftrage müssen nicht vollstandig ausgeführt sein, es bestand weitere Nachfrage.

bB (bezahlt Brief): Die zum festgestellten Kurs limitierten Verkaufsauftrage müssen nicht vollstandig ausgeführt sein, es bestand weiteres Angebot.

ebG (etwas bezahlt Geld): Die zum festgestellten Kurs limitierten Kaufauftrage konnten nur zu einem geringen Teil ausgeführt werden.

ebB (etwas bezahlt Brief): Die zum festgestellten Kurs limitierten Verkaufsauftrage konnten nur zu einem geringen Teil ausgeführt werden.

ratG (rationiert Geld): Die zum Kurs und darüber limitierten sowie unlimitierte Kaufauftrage konnten nur beschrankt ausgeführt werden.

ratB (rationiert Brief): Die zum Kurs und niedriger limitierten sowie unlimitierte Verkaufsauftrage konnten nur ausgeführt werden.

* (Sternchen): Kleine Betrage konnten ganz oder teilweise nicht gehandelt werden.

3.3 Was Kurse bewegt

Unternehmenspolitik:

Steigt der Kurs einer Aktie eines Unternehmens, so steigt auch das Wert des Unternehmens selbst. Wenn die Unternehmenspolitik primar auf die Steigerung des Gesamtwerts eines Unternehmens ausgerichtet ist, nennt man dies Shareholder Value.[56] Firmenpolitische MaBnahmen die Kurse steigen lassen, sind zum Beispiel Umstrukturierung, Fusionen, neue Aktivitatsfelder erschlieBen.

Neben der Entwicklung der einzelnen Unternehmen hangt die Börse von vielen konjunkturellen Einflüssen ab. Dazu zahlen:[57]

- Zinsen.
- Geldmenge.
- Investitionen.
- Arbeitsmarktlage.
- Konsumneigung.
- Wechselkurse.
- Preise.

Zinsen:

Niedrige oder sinkende Zinsen aufgrund reichlicher Liquiditat regen die Konjunktur an.

Sie führen bei den Unternehmen zu niedrigeren Produktions-, Lager- und Investitionskosten und bringen steigende Gewinne. Umgekehrt bedeuten höhere Zinsen steigende Kosten, wodurch die Investitionsneigung der Unternehmen eingeschrankt wird. AuBerdem machen steigende Zinsen festverzinsliche Wertpapiere im Vergleich zu Aktien attraktiver, dampfen die Bereitschaft, auf Kredit zu kaufen, und drücken tendenziell die Aktienkurse. Umgekehrt treiben niedrigere Zinsen die Aktienkurse in die Höhe.

Geldmenge:

Ein wichtiger Indikator für die Liquiditatsentwicklung einer Volkswirtschaft ist das Wachstum der Geldmenge. Die Bundesbank hat regelmaBig einen Zielkorridor für den Zuwachs der Geldmenge genannt und damit deutlich gemacht wie sie die Konjunktur einschatzt, und wieviel Liquiditat ihrer Ansicht nach die Wirtschaft für ein weitgehend inflationsfreies Wachstum benötigt.

Diese Funktion nimmt jetzt die Europaische Zentralbank wahr, die sich desselben geldpolitischen Instrumentariums bedienen wird wie die Bundesbank. Grundsatzlich gilt: Mehr Liquiditat und sinkende Zinsen sind günstig für Konjunktur und Kursentwicklung, weniger Geld dampft sie.

Investitionen:

Hohe (Erweiterungs-)Investitionen der Industrie signalisieren, daB die Wirtschaft die Wachstumschancen günstig einschatzt. Rationalisierungsinvestitionen verbessern die Wettbewerbsfahigkeit und die Rentabilitat der Unternehmen. Grundsatzlich sind Investitionen starkeren Schwankungen ausgesetzt als der Konsum.

Arbeitsmarkt:

Steigende Arbeitslosigkeit bedeutet, daB gesamtwirtschaftlich die Arbeitseinkommen sinken, die für den Konsum zur Verfügung stehen. Ein leergefegter Arbeitsmarkt bedeutet umgekehrt, daB der weiteren konjunkturellen Expansion personelle Engpasse entgegenstehen. Es müssen neue Arbeitskrafte angelernt oder gelernte von der Konkurrenz abgeworben werden: Das steigende Kosten. Bei der Beurteilung der Arbeitsmarktlage darf man nicht allein auf die Zahl der Arbeitslosen achten, sondern muB auch qualitative Aspekte (z.B. das Ausbildungsniveau) berücksichtigen. Bevorstehende Tarifverhandlungen sind ein Unsicherheitselement und werden so auch von der Börse bewertet, denn zu hohe Lohnsteigerungen oder Arbeitszeitverkürzungen können die wirtschaftliche Entwicklung einer Branche belasten.

Konsumneigung:

Es gibt Phasen, in denen die starksten Konjunkturimpulse vom Konsum ausgehen. Rückschlüsse ermöglichen der Konsumklimaindex der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und die Einzelhandelsumsatze.

Wechselkurse:

Gerade für Deutschland mit einem hohen Exportanteil am Bruttosozialprodukt ist die Entwicklung der Wechselkurse von groBer Bedeutung. Der Euro reduziert diese Abhangigkeit, hebt sie aber gegenüber Drittwahrungen natürlich nicht auf. Ein hoher Euro- Kurs gegenüber niedrigem Fremdwahrungskurs verteuert deutsche Produkte im Ausland und erschwert die Absatzchancen oder drückt die Gewinnspanne. Er senkt aber auch die Kosten für Rohstoffe oder Vorprodukte. Ist beispielsweise der Dollarkurs niedrig, sind die meist in Dollar abgerechneten Rohstoffe (Öl, Gas usw.) für deutsche Unternehmen relativ billig. Andererseits müssen die Amerikaner mehr für deutsche (bzw. europaische) Produkte bezahlen - daB kann zu Absatzrückgangen führen. Umgekehrt führt ein niedriger Euro- Kurs zu einer Verbilligung der Waren im Ausland oder erhöht die Gewinnspanne. Importierte Rohstoffe hingegen verteuern sich.

Preise:

Stark anziehende Preise können die Notenbank veranlassen, auf die Kreditbremse zu treten. Von Bedeutung ist dabei nicht nur die inlandische Preisentwicklung. So hat z.B. der Erdölpreis erheblichen EinfluB auf die weltweite Konjunktur. Höhere Ölpreise dampfen in der Regel die Konjunkturentwicklung, niedrigere Preise regen die Wirtschaft an. Darüber hinaus beeinflussen die Ölpreise auch das inlandische Preisniveau.

Bestimmend ist auch der Trend:

Je nachdem, sich die Kurse entwickeln, unterscheidet man dabei zwischen einem Aufwartstrend, einem Abwartstrend oder - wenn keine klare Richtung auszumachen ist - einem Seitwartstrend.

Die Mehrheit der Marktteilnehmer geht mit dem Trend („The trend is your friend“): Sie kaufen bei steigenden Kursen und verkaufen bei fallenden.

Kurzfristige Schwankungen gehören zum Erscheinungsbild eines Trends, weil immer wieder Übertreibungen nach oben oder unten korrigiert werden. Ein Trend lauft aus oder kippt um, wenn sich bei den Marktteilnehmern die Überzeugung durchsetzt, nun sei es zuviel des Guten oder Schlechten, in den Kursen sei die Zukunft inzwischen mehr als vorweggenommen („eskomptiert“).

Wirtschaftsdaten geben Hinweise auf bevorstehende Entwicklungen. 1st beispielsweise ein Konjunkturaufschwung in Sicht, reagiert die Börse bereits positiv ohne daB dieser bereits eingetreten ist. Das gleiche gilt natürlich umgekehrt. Befindet sich die Wirtschaft in einem Boom und es kommen Signale auf, daB es nicht mehr so gut weiterlauft, reagiert die Börse negativ. Die Börse nimmt also bevorstehende Entwicklungen meist vorweg. Erwartungen pragen den Kurs sehr stark.

Technische Reaktionen:

Nach ungewöhnlich starken und raschen Kurssteigerungen, an "überkauften" Markten, werden oft Aktien verkauft, um Kursgewinne mitzunehmen. Das Gegenteil passiert nach Kurseinbrüchen: Dann decken sich Baissespekulanten wieder mit Aktien ein, die Aktien "vorverkauft" haben (d.h. schon im voraus Aktien verkauft haben, die sie noch gar nicht besaBen). In beiden Fallen spricht man von technischen Reaktionen. Privatanleger sollten diese kurzfristigen Schwankungen in aller Ruhe aussitzen.[58]

3.4 Handelsplattformen

3.4.1 Parketthandel (Prasenzbörse)

Die Prasenzbörse ist die klassische Form des Börsenhandels bei dem die Geschaftsabschlüsse auf dem Börsenparkett zwischen den Handlern in persönlichen Kontakt stattfinden. Der Parketthandel wird allmahlich von der Computerbörse verdrangt. Man spricht von einer Computerbörse, wenn die Markteilnehmer den Handel mit Hilfe von Computern abwickeln ohne persönlich in Kontakt zu treten.[59]

3.4.2 Xetra

Xetra, das elektronische Handelssystem der Deutsche Börse AG für den Kassamarkt, ermöglicht den Handel mit Aktien, Aktienoptionsscheinen und Renten auf einer Plattform - an jedem beliebigen Standort in der europaischen Union und in der Schweiz. Das Handelssystem macht es möglich, alle Börsengeschafte voll elektronisch abzuwickeln.

Statt wie bisher zunachst mit dem IBIS-Handel (Computerbörse) zu beginnen, dann den Parketthandel aufzunehmen (Prasenzbörse) und am Nachmittag wieder den IBIS-Handel weiterlaufen zu lassen, kann Xetra die bisherige Computerbörse IBIS ablösen sowie den Parketthandel übernehmen.

Xetra wurde am 10. Juni 1997 eingeführt und löste am 28.11.1997 das elektronische Handelssystem IBIS ab.

Xetra setzt für den Handel am Kassamarkt neue Standards:

- Liquiditat durch die Zusammenführung aller Orders in einem zentralen Orderbuch.
- Transparenz, da jeder Auftrag für jeden Teilnehmer über das Orderbuch einsehbar ist.
- Geschwindigkeit, denn Ordereingaben und Geschaftsabschlüsse des Teilnehmers werden sofort bestatigt.
- Flexibilitat, da über Zeitzonen hinweg gezielt auf Marktveranderungen reagiert werden kann.
- zu niedrigen Kosten, denn die technischen und finanziellen Markteintrittsbarrieren werden gesenkt.

Weitere Vorteile:

Sind ein dezentraler Marktzugang, d.h. von jedem beliebigen Standpunkt in Europa hat man Zugriff auf Xetra. Lange Handelszeiten, da man auf Xetra grundsatzlich rund um die Uhr handeln kann. Derzeit sind die Handelszeiten bei Aktien von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Xetra bietet eine breite Auswahl. Bis Ende des Jahres 1999 soll der Handel mit allen an der Frankfurter Wertpapierbörse notierten Wertpapiere möglich sein.

Das Xetra-System ist ausgelegt auf eine Transaktionsrate von 60 Geschaftsabschlüssen pro Sekunde, und kann den gleichzeitigen Handel von rund 40.000 Wertpapieren bewaltigen. Xetra wird in mehreren Schritten eingeführt, um einen problemlosen Handel zu gewahrleisten. Seit dem 21. Juni 1999 werden die Aktienindizes ausschlieBlich zu Xetra Preisen angegeben.[60]

3.5 Informationsquellen

Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten sich über aktuelle Nachrichten, Geschehnisse und Kurse zu informieren. Die wichtigsten Informationsquellen sind: Internet, Rundfunk und Fernsehen, Tageszeitung, Fachzeitschriften, Telefon, Videotext, Börsenbriefe, Faxdienste.

Internet:

Das Internet bietet die gröBte Fülle an Informationen und Daten. Die Zahl der Börsenseiten im „World Wide Web“ ist nahezu unüberschaubar, nicht nur aus dem Grund, daB die Anzahl taglich wachst.

Das Internet ist sehr aktuell und es vereint eigentlich alle anderen Informationsquellen. Man kann per Internet sich Fernsehsendungen ansehen, Radiosendungen anhören, Videotext und Börsenbriefe abrufen, sich bei der Bank über neueste Kursentwicklungen informieren.

Über das Internet kann man Analysen, Charts, Kurse, Nachrichten abfragen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Rundfunk und Fernsehen:

Börsennachrichten können taglich im Radio verfolgt werden. Bei den meisten Sender wird nach den eigentlichen Nachrichten auf das Geschehen an der Börse eingegangen. Oft werden auch am Nachmittag die Kassakurse der wichtigsten deutsche Werte durchgegeben. Am ausführlichsten ist hierbei B5 aktuell, das Informationsprogramm des Bayerischen Rundfunks, das taglich jede halbe Stunde über das aktuelle Börsengeschehen berichtet.

Das Fernsehen kann noch eine gröBere Fülle an Informationen übermitteln als der Rundfunk.

Empfehlenswert sind die Wirtschaftafts-Ratgeber-Sendungen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, sowie die Nachrichtensender n-tv und Bloomberg TV. GroBe Beachtung bei Anlegern findet die Sendung Tele-Börse, die auf n-tv ausgestrahlt wird. Hier werden neben der reinen Berichterstattung auch viele Hintergrundinformationen geboten.

Tageszeitungen und Fachzeitschriften:

Die Tageszeitung, früher einmal die wichtigste Informationsquelle des Aktionars verliert immer mehr an Bedeutung. Der Grund dafür ist, ihre Informationen sind bereits einen Tag alt. Dennoch ist die Zeitung ein unverzichtbarer Informationsbaustein für den Aktienanleger, da sich Trends und Marktbewegungen erst durch eine journalistische Recherche erklaren und analysieren lassen. Gerade die Kommentare zeigen oft Faktoren auf, die Kurse beeinflussen.[61]

Wichtige Zeitungen und Zeitschriften für den Anleger sind:

Börsen-Zeitung, Die WELT, Die ZEIT, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung, Das Wertpapier, Börse Online.

Dies sind auch allesamt Pflichtblatter an deutschen Börsen.[62]

Telefon:

Via Telefon kann man die aktuellen Börsenkurse direkt bei der Bank, bei der man sein Depot hat, abfragen oder bei dem Ansagedienst der Telekom. Unter 0 11 68 (Inland) erfahrt man die Tendenzen der wichtigsten Markte, die Kurse der Standardwerte und die Notierungen des Devisenhandels. Wenn man sich Ausland aufhalt, wahlt man die 01 16 08 und kann sich so schnell einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen verschaffen.

Videotext:

Über den Videotext einzelner Fernsehanstalten kann man sich schnell und prazise über Wirtschaftsnachrichten und die aktuellsten Börsenkurse informieren.

Die wichtigsten hierbei sind:

- ARD / ZDF ab Seite 410
- ProSieben ab Seite 160
- SAT 1 ab Seite 130
- n-tv ab Seite 200
- RTL ab Seite 140

Börsenbriefe:

Man bekommt diese Informationsbriefe meist im Abonnement. Sie enthalten Anlageempfehlungen und Aussichten auf bestimmte Entwicklungen. Meist verfügen die Herausgeber über erstklassige Informanten. Sensationelle Tips sind dennoch nicht zu erwarten, dafür sorgen schon die gesetzlichen Insiderrichtlinien.

Faxdienste:

Hierbei handelt es sich um eine relativ junge Informationsquelle für Geldanleger.

Betrieben werden sie unter anderem von Verlagen, aber auch von Fernsehanstalten. Dabei gibt es zwei verschiedene Varianten:

- Das Fax-Abonnement entspricht meist den klassischen Börsenbriefen, lediglich die Zustellung erfolgt nicht auf dem Postweg, sondern per Telefax
- Der Fax-Abruf ermöglicht es Interessenten, beispielsweise aktuelle Kurscharts, Börsenkurse oder auch Wirtschaftsmeldungen per Fax abzurufen. Die meisten Fax-Abrufe basieren auf einer Rufnummer die mit 0190 beginnt. Hier ist zu beachten, dab pro Minute zwischen 1,20 und 3,60 Mark Telefongebühren anfallen. Somit kann der Fax-Abruf zu einer sehr teuren Informationsmöglichkeit werden. [63]

4. Indizes

Ein Aktienindex ist eine Kennzahl, die die Entwicklung der Kurswerte von Wertpapieren über die Zeit zum Ausdruck bringt. Er gibt die Grundtendenz und die Stimmung an der Börse zum Ausdruck. Sie dienen als allgemeiner BörsenmaBstab und als Grundlage von Anlageentscheidungen.[64] Auch als VergleichsmaBstab zur Erfolgsmessung von Portfolios und als Basisinstrumente für Futures und Optionen werden sie eingesetzt. Die Deutsche Börse veröffentlicht taglich über 300 Indizes. Der wichtigste Deutsche Aktienindex ist der DAX, er bildet die Kursentwicklung der 30 gröBten Standardwerte (der sogenannten „Bluechips“) ab. Der DAX findet auch international groBes Ansehen. International der am meisten beachteste Aktienindex ist der Dow Jones. Er umfaBt die 30 bedeutensten US- Industrieunternehmen.

4.1 Aktienindizes - Entstehung, Arten und Aussagegehalt

Als Begründer der Aktienkursindizierung gilt Charles Henry Dow. 1882 gründete er mit zwei Partnern in New York die Wirtschaftsagentur Dow Jones & Company. Diese verfaBte, überwiegend für Brokerhauser an der Wall Street, taglich sogenannte Bulletins, Kurzmitteilungen über wirtschaftliche Neuigkeiten. 1884 hatte Dow die Idee den Leuten die Börsentendenz in einer einfachen Kennzahl zu prasentieren. So sollte jeder mit einem Blick - ahnlich wie bei einem Barometer - die Tendenz ablesen können. Etwa 35 Aktien wiesen damals einen regelmaBigen Handel mit taglichen Kursen auf. Dow wahlte die elf bedeutendsten aus und errechnete das arithmetische Mittel (Addition der elf Kurse, dann Division durch elf) daraus. Zehn der Werte waren Eisenbahnaktien, die das Börsengeschehen zu damaliger Zeit dominierten. Daher erhielt der Index auch den Namen Railroad Average. Spater erhöhte man die Zahl auf 20, da man der steigenden Bedeutung des Automobil- und Luftfahrtwesens Rechnung trug. Der Index wurde fortan Transportation Average genannt.

Wenn man heute vom Dow Jones spricht, so meint man den Dow Jones Industrial Average. Er laBt sich bis 1896 zurückverfolgen. Er enthalt die 30 wichtigsten amerikanischen Industrieaktien. Die Berechnung erfolgt nach wie vor durch die Bildung des arithmetischen Mittels, um die Vergleichbarkeit nicht zu stören. Diese Berechnungsmethode wird allerdings als veraltet und unprazise kritisiert. Trotzdem sind weltweit die Markt im Sog des Dow Jones. Er gibt meist den Trend an.

In Deutschland begann man bereits in den 20er Jahren mit der Berechnung von Aktienindizes. Doch durch Krieg und Inflation wurde die Kontinuitat mehrfach unterbrochen. So laBt sich das heutige Kursniveau auf der Basis durchgehend verknüpfter Indexreihen nur bis in die 50er Jahre rückwirkend vergleichen.[65]

4.2 Deutsche Aktienindizes

4.2.1 Allgemeine Indexmerkmale

Alle Indizes werden als Performance- und als Kursindizes berechnet und veröffentlicht. Wahrend die Kursindizes die eigentliche Kursentwicklung messen, lediglich um Bezugsrechte und Sonderzahlungen bereinigt, werden bei den Performanceindizes darüber hinaus samtliche Ertrage aus Dividenden- und Bonuszahlungen in das Indexportfolio reinvestiert. Die Bereinigung wird durch aktienspezifische Korrekturfaktoren (ci) entsprechend der "operation blanche" vorgenommen.

Die Indexberechnung erfolgt seit dem 21. Juni 1999 auschlieBlich aus den Preisen des elektronischen Handelssystems der Deutschen Börse Xetra (eXchange Electronic TRAding). Die Kursindizes werden taglich einmal zum BörsenschluB ermittelt. Ebenfalls einmal am Tag wird darüber hinaus der „Daily Settlement Price“ eine Indexberechnung aus Preisen der untertagigen Auktion vorgenommen, sobald diese vorliegen.

Alle Indizes haben ihr Basisdatum am 30.12.1987. Dies erleichtert die Vergleichbarkeit der einzelnen Zeitreihen. Ausnahme hier ist der NEMAX 50; sein Basisdatum ist der 30.12.1997. Die Indizes werden nach der Formel von Laspeyers berechnet, wobei das Gewichtungsschema vierteljahrlich angepaBt wird.[66]

Die Basis des DAX, MDAX, SDAX sowie des NEMAX 50 nebst der dazugehörigen Kursindizes lautet 1.000, die des DAX 100 und des DAX 100 Kursindex sowie der dazugehörigen Branchenindizes betragt 500. Der CDAX, alle seine Branchenindizes sowie der SMAX-All-Share-Index sind auf 100 basiert.[67]

Gewichtung: Die Indizes der Deutschen Börse sind kapitalgewichtet. Das Gewicht einer Aktie bemiBt sich nach dem Anteil an der gesamten Kapitalisierung. Um auch die korrekte Kapitalisierung von Aktien mit verschiedenen Nennwerten zu bestimmen, wird der Kurs jeder Aktie mit der an der FWB Frankfurter Wertpapierbörse zugelassenen und für lieferbar erklarten Anzahl der Aktien gewichtet.

Neue Aktien stammen aus bedingtem Kapital, das zum Handel zugelassen wird. Sie werden erst mit der vierteljahrlichen Aktualisierung der Anzahl der Aktien wahrend der Verkettung in die Indexberechnung einbezogen.

Junge Aktien (aus einer Kapitalerhöhung) werden über den Korrekturfaktor cit berücksichtigt.

Im DAX, MDAX (und somit auch im DAX 100 und seinen Branchenindizes), SDAX und NEMAX 50 werden als Gewichte die an der FWB Frankfurter Wertpapierbörse zugelassenen und für lieferbar erklarten Aktien aller Aktiengattungen der im Index enthaltenen Aktiengesellschaften herangezogen. Die Summe der Anzahl der Aktien aller Gattungen wird dann bei der Indexberechnung mit dem Kurs der liquidesten Gattung gewichtet.[68]

Publikation: Die Laufindizes der Deutschen Börse werden an jedem Börsentag in Frankfurt minütlich, der DAX alle 15 Sekunden, wahrend des Xetra Handels berechnet. Alle Kursindizes und die Branchenindizes des CDAX werden einmal taglich mit den Preisen der Xetra SchluBauktion ermittelt.

Neben dem Index aus den letzten gehandelten Preisen werden auch Indizes aus den besten Angebotspreisen (best bid) und den besten Kaufpreisen (best ask) ermittelt. Diese werden gesondert berechnet und unter eigener Wertpapierkennummer verteilt.

Der "offizielle" SchluBkurs der Indizes errechnet sich aus den SchluBkursen (bzw. den letzten Preisen) aus Xetra.

Für alle Indizes wird einmal taglich, sobald alle Preise aus der untertagigen Auktion zu den Aktien eines Index vorliegen, aus diesen Preisen ein „Daily Settlement Price" berechnet. Solange für einzelne Aktien keine Eröffnungskurse vorliegen, wird der SchluBkurs des Vortages zur Berechnung der Indizes herangezogen. Die Laufindizes werden erst dann verbreitet, wenn Preise für eine festgelegte Anzahl von Indexgesellschaften vorliegen, die festgelegte Mindestanteile an der Kapitalisierung des Vortages gemaB untenstehender Tabelle reprasentieren. Dieses Verfahren wird bei DAX, MDAX, DAX 100, DAX 100 Branchenindizes, SDAX, CDAX wie auch beim NEMAX 50 und SMAX-All-Share-Index angewandt und gilt sowohl für die Indizes aus letzten gehandelten Preisen als auch für die best bid- und best ask-Indizes.

Werden wahrend des Tages für einen Index in Xetra die Kriterien zur Veröffentlichung nicht erreicht, so wird nach Ende des Xetra-Handels (17.15 Uhr) ein indikativer Index (Kennzeichen I) veröffentlicht. Er wird aus den Xetra Preisen des Tages und für die Gesellschaften ohne Kursfeststellung in Xetra aus den SchluBkursen des Frankfurter Parketthandels vom selben Tag ermittelt.[69]

Berechnung:

Die Indizes der Deutschen Börse sind nach der Indexformel von Laspeyres konzipiert und werden wie folgt berechnet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Indizes werden zweistellig gerundet publiziert.[70]

Austausch von Indexwerten:

Die quartalsmaBige Untersuchung auf Reprasentativitat des Indexportefeuilles wird ca. 8 Wochen vor dem Verkettungstermin vorgenommen, um den Markt vorab informieren zu können.

Zunachst werden alle Gesellschaften aufgelistet, die bereits im DAX 100 bzw. SDAX vertreten sind, bzw. die eine Voraussetzungen für die Aufnahme in die Indizes erfüllen. Letzteres ist der Fall bei inlandischen, in Euro notierten Gesellschaften des Amtlichen Handels bzw. Geregelten Marktes der FWB Frankfurter Wertpapierbörse, die folgende Zusatzkriterien erfüllen:

- Sie haben den Übernahmekodex der Börsensachverstandigenkommission unterzeichnet.
- Sie verfügen über einen Festbesitzanteil von nicht mehr als 80%, wobei eine andere im Index vertretene Gesellschaft nicht mehr als 75% der Aktien halten darf.
- Die Gesellschaft erstellt Quartalsberichte und halt mind. einmal pro Jahr eine Analystenveranstaltung ab.
- Das Unternehmen hat einen Designated Sponsor im elektronischen Handel auf Xetra.

Für die Auswahl der Werte des NEMAX 50 wird eine gesonderte Rangliste erstellt, die alle Unternehmen des Neuen Marktes umfaBt.

Die primaren Auswahlkriterien für die Aufnahme in einen Index sind:

- Börsenkapitalisierung der Gesellschaft (zum Untersuchungszeitpunkt)
- Börsenumsatz in Xetra und am Parkett Frankfurt (in den vorangegangenen 12 Monaten)

Als Börsenkapitalisierung einer Gesellschaft wird das Produkt der zugelassenen Aktien einer jeden Gattung einer Gesellschaft mit dem jeweiligen Kurs der Gattung betrachtet und für die Gesellschaft aufsummiert. Betrachtungszeitpunkt ist hier der letzte Handelstag des vorangegangenen Quartals.

Als Börsenumsatz wird die Summe des an der FWB Frankfurter Wertpapierbörse (inkl. Xetra) festgestellten Umsatzes aller Gattungen der Gesellschaft herangezogen. Als Betrachtungszeitraum für die Überprüfungen der Umsatze werden die letzten 12 Monate gewahlt, d.h. zum September hin werden die Umsatze des ersten Halbjahrs des laufenden Jahres und die des zweiten Halbjahres des vorangegangenen Jahres betrachtet. Die Grundlage der Entscheidung zum Marz hin bilden die Umsatze des vorangegangenen Kalenderjahres.

Liegen aufgrund einer Handelsaufnahme einer Gesellschaft die Umsatze nicht für volle zwölf Monate vor, so werden die Umsatze der ersten 20 Handelstage (ca. erster Handelsmonat) abgeschnitten und die restlichen Umsatzdaten auf 12 Monate hochgerechnet.

Für die weitere Untersuchung werden die Range aller Aktien nach den beiden Kriterien betrachtet und nacheinander die Gesellschaften gesucht, die neu in den Index aufgenommen bzw. eliminiert werden können. Dabei kommt die sogenannte „35 / 35

Regel“ für den DAX bzw. „110 / 110 Regel“ für den MDAX (und somit für den DAX 100) zur Anwendung. Beim SDAX lautet die Regel „220 / 220“.

Innerhalb der gesonderten Rangliste für den Neuen Markt wird die 60/60 Regel angewandt, nach der ein Unternehmen in Bezug auf den Börsenumsatz (Xetra + Parkett Frankfurt) und Marktkapitalisierung zu den 60 gröBten Neuer-Markt-Titeln gehört.

Eine Gesellschaft kann in den Index aufgenommen werden, wenn sie folgende Bedingungen erfüllt:

- Umsatzrang < 35 (60, 110 bzw. 220) und Börsenkapitalisierungsrang < 35 (60, 110 bzw. 220).

Eine Gesellschaft kann aus dem Index entfernt werden, wenn sie folgende Bedingungen erfüllt:

- Umsatzrang > 35 (60, 110 bzw. 220) oder Börsenkapitalisierungsrang > 35 (60, 110 bzw. 220).

Nach diesen beiden Schritten stehen mögliche Kandidaten für die Elimination bzw. Neuaufnahme fest. Für die endgültige Entscheidung über eine Neuzusammenstellung des Indexportefeuilles sind aber auch mehrere quantitativ schwer erfaBbare Kriterien maBgebend. Diese sind z. B.:

- Anteil an frei handelbaren Aktien, dem sog. Free Float.
- Verfügbarkeit im Markt (z.B. gemessen anhand von Stückumsatzen oder Anzahl von Kursfeststellungen).
- Branchenzugehörigkeit, den ein Index sollte eine bestimmte Branche nicht mehr gewichten als sie im Markt tatsachlich vertreten ist.

Anhand dieser Kriterien werden die im Index enthaltene Gesellschaft und die mögliche Ersatzgesellschaft direkt miteinander verglichen. Nur wenn die neue Gesellschaft gegenüber der alten hinsichtlich der qualitativen Kriterien höher einzustufen ist, kann ein Austausch vorgenommen werden.

Um die Kontinuitat des Index sicherzustellen und eine Konzentration auf wenige Gesellschaften zu vermeiden, wird ein weiterer Aspekt besonders betrachtet:

- Der Zeitraum, über den eine Gesellschaft die Kriterien für Neuaufnahme oder Elimination für einen Index erfüllt hat (rückwartige Betrachtung).

Die Auswahl diskutiert der Arbeitskreis Aktienindizes auf seiner der Verkettung vorausgehenden Sitzung, in der die "Kandidaten" anhand der genannten Kriterien analysiert werden. Unter Beachtung aller angeführten Kriterien wird der Arbeitskreis Vorschlage unterbreiten, Aktien auszutauschen oder auch die Indexzusammensetzungen unverandert zu lassen. Die Entscheidung über den Austausch von Indexgesellschaften trifft der Vorstand der Deutsche Börse AG basierend auf den Vorschlagen des Arbeitskreises. Der Austausch von Indexgesellschaften wird noch am Abend der Entscheidung und somit rechtzeitig vor einer Verkettung durch die Deutsche Börse bekanntgegeben.[71]

4.2.2 Der DAX

Der DAX wurde in Fortführung des Index der Börsen-Zeitung als Performanceindex gestaltet. Seine historische Zeitreihe reicht bis 1959 zurück. Als Basis wurde der 30.12.1987 auf 1.000 gesetzt.

Er zeichnet ein umfassendes und aktuelles Bild des deutschen Aktienmarktes und bildet die Branchenstruktur der deutschen Volkswirtschaft weitgehend nach. Der DAX ist als Real­Time-Index konzipiert und wird alle 15 Sekunden neu berechnet und veröffentlicht.

Die Indexgewichtung wird im Rahmen der vierteljahrlichen Verkettung angepaBt. Die Verkettung korrigiert den EinfluB der aktienspezifischen Bereinigungen auf das Gewichtungsschema. Die Zusammensetzung des Index wird jahrlich überprüft.

Die Berechnung des DAX wird standig einer unabhangigen Prüfung unterzogen.[72] Der DAX erreichte am 20.7.1998 mit 6.171,43 Punkten seinen bisher höchsten Stand.

Am 26. Juli 1999 betrug seine Marktkapitalisierung 820.552,29 Mio. Euro.[73]

Dax (30 Werte)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[74] Quelle: Deutsche Börse AG.

Am 20. Juli 99 gab die Deutsche Börse AG bekannt, dab der Anteil einer Gesellschaft maximal 15% am DAX betragen kann.

Zusammensetzung des DAX:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Deutsche Börse AG.

Eine Anderung wird notwendig, da durch die Fusion von Hoechst mit Rhone-Poulenc die Gesellschaft keine Inlandsgesellschaft mehr ist. Damit ist die Voraussetzung für einen Verbleib im DAX nicht mehr gegeben. Das für Hoechst in den DAX kommende Unternehmen ist die Fresenius Medical Care AG. Dies wurde am 20. Juli von der Deutsche Börse AG bekanntgegeben.

Jahresendstande des DAX

(bis 1959 zurückberechnet)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.2.3 Der MDAX

Der Midcap-Index der Deutschen Börse (MDAX) deckt die liquiden Werte der zweiten Reihe ab. Er besteht aus 70 Werten, die im DAX 100 aber nicht im DAX enthalten sind und bildet somit die Entwicklung des deutschen Aktienmarktes ohne die „blue chips“ ab. Der MDAX wird minütlich wahrend des Xetra Handels berechnet. Die Indexzusammensetzung wird zweimal jahrlich überprüft. Der EinfluB eines einzelnen Wertes wird bei der Verkettung auf 10% der Indexkapitalisierung begrenzt. Analog zum DAX wurde ein Basiswert zum 30.12.1987 von 1.000 gewahlt.[75] Am 26. Juli 1999 betrug seine Marktkapitalisierung 114.045,81 Mio. Euro.[76]

Schwergewichte MDAX

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Deutsche Börse AG.

4.2.4 Der DAX 100

Der DAX 100 umfaBt den DAX (30 Werte) und den MDAX (70 Werte). Er stellt einen marktbreiten Index dar, der die Vorzüge von hochliquiden und hochkapitalisierten Indexwerten mit einer breiteren Risikostreuung verbindet, dar. Er umfaBt 100 inlandische Gesellschaften, die im Amtlichen Handel oder Geregelten Markt der FWB Frankfurter Wertpapierbörse notiert sind.

Auch der DAX 100 ist als Real-Time-Index konzipiert. Er ist in 9 Branchenindizes eingeteilt, die, wie der DAX 100 selbst, minütlich berechnet werden. Die Basis für DAX 100 und seine Branchen ist 500, der Basiszeitpunkt ist der 30.12. 1987.[77]

4.2.5 Der NEMAX-All-Share und der NEMAX 50

Der Nemax-All-Share-Index umfaBt alle Werte des Neuen Marktes. . Am 26. Juli 1999 notierten im NEMAX-All-Share Index 143 Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 55905,71 Mio. Euro.[78] Die Anzahl nimmt rasant zu.

Die Deutsche Börse führte am 1. Juli 1999 den NEMAX 50 ein, um das standig wachsende Segment Neuer Markt für Investoren transparenter zu machen. Der NEMAX 50 umfaBt die 50 liquidesten Werte des Neuen Marktes und spiegelt etwa 75 Prozent des Gesamtumsatzes und der Gesamtmarktkapitalisierung dieses Segmentes wieder.

Der Index wird als Preis- und Performanceindex berechnet. Basiszeitpunkt des Index ist Ende 1997 mit dem Wert 1.000. In den NEMAX 50 werden sowohl inlandische als auch auslandische Unternehmen des Neuen Marktes aufgenommen. Die Zusammensetzung des Index wird halbjahrlich überprüft.[79]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Deutsche Börse AG.

4.2.6 Der SMAX-All-Share-Index und SDAX

SMAX stellt ein Segment für Small Caps dar, die bestimmten Kriterien bezüglich Berichterstattung und Liquiditat genügen. Die genaue Beschreibung dieser Aufnahmekriterien ist in einem eigenen Regelwerk für SMAX niedergeschrieben. Es handelt sich bei den teilnehmenden Unternehmen um inlandische und auslandische Gesellschaften, die im Amtlichen Handel oder Geregeltem Markt an der FWB gelistet sind und die von der GröBe unterhalb des DAX 100 liegen.

Für das Segment insgesamt wird ein Index, der SMAX-All-Share-Index, berechnet, der bei jeder Anderung der Zusammensetzung von SMAX angepaBt wird. Der Small Cap Index SDAX reprasentiert die 100 gröBten und umsatzstarksten, deutschen Unternehmen aus dem SMAX.

Der SDAX schlieBt sich somit an den MDAX an. Im Gegensatz zum Neuen Markt richtet sich der SMAX nicht an junge Wachstumsunternehmen, sondern an bereits etablierte Unternehmen aus traditionellen mittelstandischen Branchen. Eine ideale Alternative für Privatanleger, denen der Neue Markt mit seinen rapiden Kursausschlagen bisher zu spekulativ war. Das geringe Risiko bringt aber auch einen Nachteil mit sich: So sensationelle Gewinne, wie einzelne Neue-Markt-Werte den glücklichen Anlegern bescherten, sind hier wohl kaum zu erwarten.[80]

Am 26.Juli 1999 enthielt der SMAX 120 Unternehmen, mit einer Marktkapitalisierung von

19.258,6 Mio. Euro. Die 100 Unternehmen des SDAX decken davon 18.163,77 Mio.

Euro ab.[81]

Schwergewichte im SDAX

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Überprüfung der Zusammensetzung und die Anpassung der Indexgewichte wird im SDAX vierteljahrlich vorgenommen. Der Anteil eines Unternehmens am SDAX kann maximal 10 % betragen.

4.2.7 Der CDAX

Der Composite Index CDAX bildet das gesamte Marktsegment des regulierten Handels an der FWB Frankfurter Wertpapierbörse ab. In ihn flieBen die deutschen Werte des Amtlichen Handel, des Geregelten Marktes und des Neuen Marktes ein. Als marktbreiter Index mit einer bis 1970 zurückreichenden Zeitreihe eignet er sich hervorragend für Analysezwecke. Aufgrund seiner Vielzahl von Werten erlaubt der CDAX eine detaillierte Branchenanalyse. So laBt sich die Entwicklung aller im amtlichen Handel notierten Aktien mit der Entwicklung einer bestimmten Branche vergleichen. Er ist seit dem 30. April 1999 in 19 Branchenindizes untergliedert (bis dahin in 16). Die Gewichtung der Aktien erfolgt nach dem zugelassenen und lieferbar erklarten Grundkapital.

Der CDAX wird minütlich wahrend des Xetra Handels berechnet. Die Berechnung der Branchenindizes erfolgt taglich zum BörsenschluB. Basisdatum für CDAX und die Branchenindizes ist der 30.12.1987, die Basis ist 100.[82]

Der CDAX wird auf der Basis aller an der FWB Frankfurter Wertpapierbörse im regulierten Markt (Amtlicher Handel, Geregelter Markt und Neuer Markt) gehandelten Inlandsgesellschaften berechnet. Am 26.07.1999 umfaBte der CDAX 613 Werte. [83] Die Anzahl der beinhalteten Aktien wachst standig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der DAX-Volatilitatsindex VDAX drückt die vom Terminmarkt erwartete Schwankungsbreite - oder implizite Volatilitat - des Deutschen Aktienindex DAX aus. Grundlage sind Optionskontrakte auf den DAX. mit Laufzeiten von 1,2,3,6,9,12,18 und 24 Monaten. Um ablesen zu können, welche Volatilitat (je gröBer die Volatilitat, desto gröBer die erwartete Schwankungsbreite) für den DAX innerhalb der nachsten 45 Tage erwartet wird, muB die Prozentangabe des VDAX in DAX-Punkte umgerechnet werden. Ahnlich einem Barometer zeigt er das Preisniveau der DAX-Optionen an. Bei einem Volatilitatsindex von beispielsweise 10 Prozent und einem DAX von 4.000 Punkten erwarten die Marktteilnehmer in den nachsten 45 Tagen eine Bewegung des DAX im Bereich von 3.860 bis 4.140 Punkten. Bei einem höheren VDAX werden entsprechend gröBere Kursausschlage erwartet.[84]

4.2.9 Der F.A.Z. Index

Dieser Aktienindex, der von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung betreut wird, umfaBt 500 Werte. Bis zur Einführung des DAX war der F.A.Z.-Aktien-Index der meistbeachteste deutsche Aktienindex.[85]

4.3 Internationale Aktienindizes

4.3.1 Dow Jones Industrial Average

Der Dow Jones Industrial Average ist der meistbeachteste Aktienindex weltweit. Wenn man vom „Dow Jones“ spricht meint man diesen Index. Er wird auch nur kurz „Dow“ genannt. In dem Dow Jones sind die 30 bedeutendsten US-Industrieunternehmen enthalten. Im Gegensatz zu den meisten Aktienindizes ist der Dow Jones Industrial Average nicht nach Marktkapitalisierung gewichtet.[86] Er errechnet sich durch Addition der 30 Kurse durch anschlieBende Multiplikation mit einem Faktor, der bei jedem Split (Aktienteilung, meist um optisch hohe Kurse zu vermeiden) eines Unternehmens nach unten adjustiert wird.

Die 30 Werte des Dow Jones Industrial Average sind:[87]

ALCOA (Rohstoffe), ALLIEDSIGNAL (Maschinenbau),

AMERICAN EXPRESS (Geschaftsbanken), AT&T (Telekommunikation),

BOEING (Flugzeugbau), CATERPILLAR (Spezialmaschinenbau),

CHEVRON (Öl, Gas), CITIGROUP (Finanzdienstleistungen),

COCA-COLA (Getranke), DISNEY (WALT) (Medien),

DUPONT(EI)DENEMOURS (Chemie), EASTMAN KODAK (Konsumgüter),

EXXON (Öl, Gas), GENERAL ELECTRIC (Elektrotechnik),

GENERAL MOTORS (Automobil), GOODYEAR TIRE & RUB (Kfz-Zulieferer),

HEWLETT-PACKARD (Computer), INTL BUSINESS MACHINES (Computer) ,

INTL PAPER (Papier und Zellstoff), JOHNSON & JOHNSON (Chemie),

MCDONALD'S (Ernahrung), MERCK & CO (Gesundheit),

MINNESOTA M.&M. (Holding), MORGAN J.P.&CO. (Geschaftsbanken),

PHILIP MORRIS (Tabak), PROCTER & GAMBLE (Konsumgüter),

SEARS ROEBUCK (Handel), UNION CARBIDE (Chemie),

UNITED TECHNOLOGIES (Maschinenbau), WAL-MART STORES (Handel)

4.3.2 Dow Jones STOXX Indizes

STOXX Limited, das Gemeinschaftsunternehmen von Deutsche Börse, Dow Jones, SBF - Bourse de Paris und SWX - Swiss Exchange hat die Dow Jones STOXX Indexfamilie gegründet, die aus vier Haupt- und 19 Branchenindizes besteht.

Diese Indizes werden sowohl für Lander aus dem europaischen Raum als auch für das Euro-Wahrungsgebiet berechnet. Die Berechnung findet jeweils in Euro und US Dollar statt.

Als Basiszeitpunkt ist der 31.12.1991 gewahlt worden. Dabei sind die blue chip Indizes (Dow Jones STOXX 50, Dow Jones EURO STOXX 50) auf 1000 und alle anderen Indizes auf 100 Punkte basiert. Für alle Indizes wird eine Kurshistorie ab dem 31.12.1991 angeboten.

Alle Indizes sind kapitalisierungsgewichtet. Die Berechnung findet dabei sowohl auf Grundlage von Euro als auch von US Dollar statt. Alle in Euro berechneten Kursindizes werden realtime ermittelt und 15 sekündlich verteilt. Das Konzept der Indizes fuBt auf Laspeyres' Formel (siehe 4.2.1 Allgemeine Indexmerkmale).

Hauptindizes:

- Dow Jones STOXX (bezieht sich auf den europaischen Raum)
- Dow Jones STOXX 50 Index (umfaBt 50 Aktien aus dem Dow Jones STOXX)
- Dow Jones EURO STOXX (bezieht sich auf das Euro-Wahrungsgebiet)
- Dow Jones EURO STOXX 50 Index (umfaBt 50 Aktien aus dem Dow Jones EURO STOXX)

Für folgende 19 Branchen werden Branchenindizes berechnet:

Auto, Bank, Basic Resources, Chemical, Conglomerate, Construction, Consumer cyclical, Consumer non-cyclical, Energy, Financial services, Food & Beverage, Industrial, Insurance, Media, Pharmaceutical, Retail, Technology, Telecom, Utility.[88]

Der EURO.NM All Share Index umfaBt alle Aktien, die an den EURO.NM Wachstumsmarkten in Amsterdam, Brüssel, Frankfurt, Paris und Mailand gelistet sind. Für folgende Lander werden Landersubindizes berechnet:

4.3.3 EURO.NM All Share

- EURO.NM Belgium Index, Belgien
- Neuer Markt Index, Deutschland
- NMAX Index, Niederlande
- Nouveau Marché Index, Frankreich
- Nuovo Mercato Index, Italien

Jede Gesellschaft wird nur in einem Subindex berücksichtigt.

Die EURO.NM Aktienindizes sind kapitalisierungsgewichtet und werden als Kurs- und Performanceindizes berechnet. Die Marktkapitalisierung der Gesellschaften wird mit der Anzahl der börsenzugelassenen Aktien multipliziert mit dem aktuellen Kurs ermittelt. Zur Zeit werden die Indizes minütlich von 8.30 bis 17.05 Uhr berechnet. Die Basis der EURO.NM Aktienindizes ist 1000 Punkte. Basiszeitpunkt der 30. Dezember 1997.[89]

4.3.4 Weitere wichtige Indizes

Europa:

Belgien (BEL-20), Danemark (KFX), Finnland (HEX), Frankreich (CAC 40), Griechenland (ASE), Grofibritannien (FTSE 100), Italien (MIBTEL 30), Niederland (AEX General), Norwegen (OBX), Österreich (ATX), Portugal (BVL 30), Rufiland (RTX), Schweden (OMX), Schweiz (SMI), Slowakei (SAX), Spanien (IBEX), Tschechische Republik (PX50), Türkei (ISE National-100), Ungarn (BUX).

Asien:

China (Shanghai Composite), Hong Kong (Hang Seng), Indonesia (Jakarta Composite), Japan (Nikkei 225), Seoul (KOSPI), Taiwan (TSE), Kuala Lumpur (KLCI).

Amerika:

Argentinien (MerVal), Brasilien (Bovespa), Kanada (TSE 300 Composite), Chile (IGPA), Mexico (IPC), Peru (Lima General),Venezuela (IBC).[90]

6. Literaturverzeichnis

- Baur, Gisela: Der Weg vom Aktienkult zu einer Aktienkultur, in: Börse Online Special 2/98, S. 6-8.
- Deutsche Börse AG (Hrsg.): Composite DAX® - CDAX®, Frankfurt 1999.
- Deutsche Börse AG (Hrsg.): Deutscher Aktienindex DAX®, Frankfurt 1999.
- Deutsche Börse AG (Hrsg.): Deutscher Volatilitatsindex VDAX, Frankfurt 1999.
- Deutsche Börse AG (Hrsg.): FWB - Die Frankfurter Wertpapierbörse, 3. Auflage, Frankfurt 1999.
- Deutsche Börse AG (Hrsg.): Leitfaden zu den Aktienindizes der Deutschen Börse - Juli 1999 Version 3.3, Frankfurt 1999.
- Deutsche Börse AG (Hrsg.): Midcap Index MDAX®, Frankfurt 1999.
- Deutsche Börse AG (Hrsg.): SMAX. Small Caps - High Standards, Frankfurt 1999.
- Deutsche Börse AG (Hrsg.): Xetra. Marktmodell Release 3 - Aktienhandel, Frankfurt 1998.
- Deutsche Börse AG (Hrsg.): Xetra. Release 3 - Vorsprung erkennen, Frankfurt 1999.
- Fugger, Horst: Lexikon der Kapitalanlage, elfte Auflage, München 1999.
- Jobst, Peter: Börse transparent gemacht. Was Börsenneulinge wissen sollten, Stuttgart 1998.
- Jobst, Peter / Wies, Arthur: Infos für Spielgruppen zum Planspiel Börse 1998, Stuttgart 1998
- Jungblut, Michael (Hrsg.): WISO-Börsen-Buch: von Aktie bis Zinsswaps, Wien 1998.
- Kostolany, André: Geld und Börse. Die Kunst ein Vermögen zu machen, 15. Auflage Berlin 1999.
- Mann, Eva-Maria: Namensaktien. Die Firmen entdecken jetzt den privaten Aktionar, in: Börse Online 30/99, S. 20.
- Ministerium für Kultus und Sport, Baden-Württemberg (Hrsg.): Bildungsplan für die Hauptschule. Lehrplanheft 2/1994, Neckar-Verlag 1994.
- Rühle, Alf-Sibrand: Aktiv an der Börse. Erfolg mit Aktien, Niedernhausen/Ts. 1998.
- Schatzle, Rainer: Handbuch Börse 1999. Mehr Geld durch professionelle Anlagestrategien, München 1999.
- Württembergischer Genossenschaftsverband (Hrsg.): SchulService der Volksbanken und Raiffeisenbanken. 200 Arbeitsblatter für den Unterricht in Wirtschaft und Politik, Deutscher Genossenschafts-Verlag eG, Wiesbaden (CD-ROM).

Internetseiten:

- Homepage von Boerse.de: http://www.boerse.de.
- Homepage von Comdirect: http://www.comdirect.de.
- Homepage der Deutschen Börse AG: http://www.ip.exchange.de.
- Homepage von Focus: http://www.focus.de.
- Homepage von OnVista: http://www.onvista.de.

[...]


[1] Vgl. Rühle, Alf-Sibrand: Aktiv an der Börse. Erfolg mit Aktien, Niedernhausen/Ts. 1998, S. 8.

[2] Ebenda S. 9.

[3] Rühle, Alf-Sibrand: Aktiv an der Börse. Erfolg mit Aktien, Niedernhausen/Ts. 1998, S. 11.

[4] Vgl. Rühle, Alf-Sibrand: Aktiv an der Börse. Erfolg mit Aktien, Niedernhausen/Ts. 1998, S. 8-13.

[5] Schatzle, Rainer: Handbuch Börse 1999. Mehr Geld durch professionelle Anlagestrategien, München 1999, S. 30.

[6] Fugger, Horst: Lexikon der Kapitalanlage, elfte Auflage, München 1999, S. 48.

[7] Schatzle, a. a. O., S. 30.

[8] Vgl. Ebenda S. 31.

[9] Schatzle, a. a. O., S. 31.

[10] Ebenda S. 31-32.

[11] Rühle, a. a. O., S.36-37.

[12] Aus der Fusion von Schweizer und Deutscher Terminbörse (früher: DTB) hervorgegangener Terminmarkt, an dem Optionen und Futures gehandelt werden.

[13] Vgl. Rühle, a. a. O., S.36-37.

[14] Schatzle a. a. O., S. 32.

[15] Fugger, a. a. O., S.15.

[16] Schatzle, a. a. O., S.33.

[17] Vgl. Schatzle, a. a. O., S. 33-34.

[18] Fugger, a. a. O., S.100.

[19] Vgl. Fugger, a. a. O., S. 22 und S. 100.

[20] Schatzle, a.a. O., S. 35.

[21] Jungblut, Michael (Hrsg.): WISO-Börsen-Buch : von Aktie bis Zinsswaps, Wien 1998, S. 302.

[22] Vgl. Schatzle, a.a. O., S. 40.

[23] Vgl. Schatzle, a. a. O., S. 40-44

[24] Vgl. Mann, Eva-Maria: Namensaktien. Die Firmen entdecken jetzt den privaten Aktionar, in: Börse Online 30/99, S. 20.

[25] Vgl. Fugger, a. a. O., S. 152.

[26] Vgl. Schätzle, a. a. O., S. 44-49.

[27] Vgl. Jungblut, a. a. O., S. 12-14.

[28] Vgl. Jungblut, a. a. O., S. 14.

[29] Jungblut, a. a. O., S. 24.

[30] Vgl. Schatzle, a. a. O., S. 50-51.

[31] Vgl. Schatzle, a. a. O., S. 51.

[32] Vgl. Schätzle, a. a. O., S. 51-56.

[33] Vgl. Jungblut, a. a. O., S. 24-25.

[34] Vgl. Schatzle , a. a. O., S. 55-56.

[35] Vgl. Schatzle, a. a. O., S.56-57.

[36] Vgl. Jungblut, a. a. O., S. 227-230.

[37] Fugger, a. a. O., S. 104-105.

[38] Vgl. Fugger, a. a. O., S. 104-105.

[39] Vgl. Ebenda S. 104-105.

[40] Vgl. Jungblut, a. a. O., S. 221

[41] Vgl. Schatzle, a. a. O., S. 58-59.

[42] Vgl. Rühle, a. a. O., S. 97-98.

[43] Vgl. Ebenda, S.97-98.

[44] Schatzle, a. a. O., S.56.

[45] Vgl. Ebenda S.59.

[46] Vgl. Ebenda S. 59.

[47] Schätzle, a. a. O., S. 117-118.

[48] Vgl. Schätzle, a. a. O., S. 118-123.

[49] Vgl. Ebenda S. 118-123.

[50] Schatzle, a. a. O., S. 124.

[51] Vgl. Schatzle, a. a. O., S.60.

[52] Schatzle, a. a. O., S. 61

[53] Vgl. Ebenda S. 61-62

[54] Fugger, a. a. O., S.86.

[55] Vgl. Homepage von Boerse.de: http://www.boerse.de.

[56] Vgl. Homepage von Boerse.de: http://www.boerse.de.

[57] Vgl. Jungblut, a. a. O., S. 260.

[58] Vgl. Homepage von Focus: http://www.focus.de

[59] Vgl. Homepage von Focus: http://www.focus.de

[60] Vgl. Deutsche Börse AG (Hrsg.): FWB - Die Frankfurter Wertpapierbörse, 3. Auflage, Frankfurt 1999, S.16.

[61] Vgl. Deutsche Börse AG (Hrsg.): Xetra. Release 3 - Vorsprung erkennen, Frankfurt 1999, S. 5-9.

[62] Vgl. Rühle, a.a.O., S. 43-44.

[63] Vgl. Schatzle, a. a. O. S. 252.

[64] Jobst, Peter: Börse transparent gemacht. Was Börsenneulinge wissen sollten, Stuttgart 1998, S. 34.

[65] Vgl. Fugger, a. a. O., S. 71-72.

[66] Rühle, a. a. O., S. 75-77.

[67] Vgl. Deutsche Börse AG (Hrsg.): Leitfaden zu den Aktienindizes der Deutschen Börse - Juli 1999 Version 3.3, Frankfurt 1999, S. 4.

[68] Vgl. Deutsche Börse AG (Hrsg.): Leitfaden zu den Aktienindizes der Deutschen Börse - Juli 1999 Version 3.3, Frankfurt 1999, S. 8.

[69] Vgl. Ebenda S. 8.

[70] Vgl. Deutsche Börse AG: Leitfaden zu den Aktienindizes der Deutschen Börse, S.9.

[71] Vgl. Deutsche Börse AG: Leitfaden zu den Aktienindizes der Deutschen Börse, S.15-18.

[72] Vgl. . Deutsche Börse AG: Leitfaden zu den Aktienindizes der Deutschen Börse, S.29-30.

[73] Vgl. Ebenda S.4.

[74] Vgl. Homepage der Deutschen Börse AG: http://www.ip.exchange.de vom 26. Juli 1999.

[75] Homepage der Deutschen Börse AG: http://www.ip.exchange.de vom 26. Juli 1999.

[76] Vgl. . Deutsche Börse AG: Leitfaden zu den Aktienindizes der Deutschen Börse, S.4.

[77] Homepage der Deutschen Börse AG: http://www.ip.exchange.de vom 26. Juli 1999.

[78] Vgl. Deutsche Börse AG: Leitfaden zu den Aktienindizes der Deutschen Börse, S.5.

[79] Vgl. Homepage der Deutschen Börse AG: http://www.ip.exchange.de vom 26. Juli 1999.

[80] Vgl. Ebenda.

[81] Vgl. . Deutsche Börse AG: Leitfaden zu den Aktienindizes der Deutschen Börse, S.5.

[82] Vgl. Homepage der Deutschen Börse AG: http://www.ip.exchange.de.vom 26. Juli 1999.

[83] Vgl. . Deutsche Börse AG: Leitfaden zu den Aktienindizes der Deutschen Börse, S.5.

[84] Vgl. Homepage der Deutschen Börse AG: http://www.ip.exchange.de vom 26. Juli 1999.

[85] Vgl. Homepage der Deutschen Börse AG: http://www.ip.exchange.de.

[86] Vgl. Fugger, a. a. O., S.54.

[87] Fugger, a. a. O., S. 45-46.

[88] Vgl. Homepage von Comdirect: http://www.comdirect.de.

[89] Vgl. Homepage der Deutschen Börse AG: http://www.ip.exchange.de.

[90] Vgl. Homepage von OnVista: http://www.onvista.de

72 von 72 Seiten

Details

Titel
Die Börse - Geschichte, Formen, Ablauf
Autor
Jahr
2000
Seiten
72
Katalognummer
V95379
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Börse, Geschichte, Formen, Ablauf
Arbeit zitieren
Alexander Neugebauer (Autor:in), 2000, Die Börse - Geschichte, Formen, Ablauf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95379

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