Strategien zum Abbau der Arbeitslosigkeit


Referat (Ausarbeitung), 1998

5 Seiten


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Strategien zum Abbau der Arbeitslosigkeit

In Deutschland sind derzeit über 4 Mio. Menschen offiziell ohne Arbeit. Nicht mitgezählt sind, wer an ABM teilnimmt, wer umgeschult oder fortgebildet wird, wer wegen Arbeitslosigkeit in den Vorruhestand gegangen ist, wer kurzarbeitet oder nicht beim Arbeitsamt als arbeitslos gemeldet ist.

Die Beschäftigungspolitik hat zur Aufgabe, die aus Unvollkommenheit des Arbeitsmarktes resultierende fritktionelle und strukturelle Arbeitslosigkeit zu minimieren, ebenso den Mangel und Überangebot von Arbeitsplätzen und qualifizierten Arbeitnehmern durch bedarfsgerechte Umschulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen auszugleichen. Vordringliche Ziele sind die Wiedergewinnung eines hohen Beschäftigungsstandes und der Abbau der Arbeitslosigkeit. Die Regierung wird aufgefordert, eine verstärkte aktive Arbeitsmarktpolitik zu betreiben und eine breite Palette von staatlichen Maßnahmen und Eingriffen (Umverteilung von Arbeit durch den Staat, ABM der öffentlichen Hand) zu tätigen. Große wirtschaftliche Probleme bestehen darin, die Arbeitslosigkeit zu beseitigen und zugleich den nötigen Strukturwandel der Wirtschaft zu bewältigen.

Für den Staat ist es wesentlich kostengünstiger die Arbeitslosigkeit zu verhindern, als sie zu finanzieren.

Kosten der Arbeitslosigkeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ursachen der Arbeitslosigkeit:

Der weitaus größte Teil der Arbeitslosigkeit ist nicht konjunktureller, sondern struktureller Art:

Änderungen der Nachfrage, Verschiebungen in der weltweiten Arbeitsteilung und technischer

Fortschritt führen dazu, daß Wirtschaftszweige an Bedeutung verlieren und andere an Bedeutung gewinnen, Branchen verschwinden und neue entstehen; insbesondere im Dienstleistungssektor und in der Elektronik.

Dennoch nimmt die Arbeitslosigkeit immer mehr zu. Die Ursachen sind vielseitig, doch lassen sich einige Hauptkomponenten unterscheiden:

- strukturelle Arbeitslosigkeit

Die Struktur der Nachfrage nach Arbeitskräften deckt sich nicht mit der Struktur des Angebots. Diese Art der AL ist am schwierigsten zu bekämpfen.

- sektorale Arbeitslosigkeit

Diese ist bedingt durch den technischen Fortschritt bei Ersatz des Menschen durch Maschinen (Wegrationalisierung von Arbeitsplätzen), durch Strukturänderungen eines Wirtschaftszweiges etc. Gegenmaßnahmen sind Umschulungen, um freigesetzte Arbeitskräfte erneut eingliedern zu können.

- regionale Arbeitslosigkeit

Diese ist insbesondere mit der Mobilität der Arbeitnehmer und auch durch Investitionsanreize in wirtschaftlich schwachentwickelten Gebieten entgegenzuwirken.

- saisonale Arbeitslosigkeit (aktuelles Beispiel: die AL ist im Frühjahr um 200000 zurückgegangen, Grund dafür ist die jahreszeitlich bedingte benötigte Arbeitskraft im Baugewerbe, in der Landwirtschaft etc.)
- friktionelle Arbeitslosigkeit (ständiger Arbeitsplatzwechsel, Mutterschutz ist mit Übergangszeiten verbunden)
- konjunkturelle Arbeitslosigkeit

Ein anhaltender Rückgang der Nachfrage, sei es im Konsum-, Investitions- oder Exportbereich, führt zu Beschäftigungseinbußen. Eine Zunahme der Beschäftigung ist nur durch eine Zunahme von Investitionen zu erreichen.

Alles was das Wirtschaftswachstum fördert, verbessert auch die Situation am Arbeitsmarkt. Die zur Förderung des Wirtschaftswachstums oft geforderten staatlichen Investitionen z. B. auf dem Gebiet des Umweltschutzes, und staatliche Maßnahmen zur Anregung der privaten Investitionsfähigkeit mögen einen gewissen Beitrag leisten, nur erhöhen sie zugleich wiederum die staatliche Verschuldung. Trotz steigendem Wirtschaftswachstum wird das Vollbeschäftigungsziel weit verfehlt, obwohl beschäftigungspolitische und wachstumspolitische Aspekte in einem Harmonieverhältnis stehen.

Lösungsansätze:

1) Mehr Arbeitsplätze durch Wachstum

Vor allem im High-Tech Bereich über Verfahrens- und Produktinnovationen, die mit neuartigen Gütern zusätzlich eine preiselastische Nachfrage auslösen. Produktionssteigerungen führen zu relativen Preissenkungen, die eine Absatzausweitung und Beschäftigungserhöhung nach sich ziehen. Zur Folge hat dies auch eine Einkommenserhöhung. Daraus folgt mehr Konsum, steigende Nachfrage, steigende Produktivitätsgewinne, mehr Investitionen ...

2) Erweiterung des Dienstleistungssektors

Fraglos ist die Ausweitung des Angebots von Dienstleistungen in vielen Fällen angesichts bestehender Defizite (z. B. bei Gesundheitsprävention und Krankenpflege, Kinderbetreuung, Umweltsanierung) angezeigt. In vielen anderen Bereichen wäre eine Ausweitung wünschenswert, durch Bereitstellung der erforderlichen Maßnahmen bzw. Auslösung entsprechender Nachfrage könnten erhebliche Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen werden. Dieser Ansatz wird eher bezweifelt, da auch im Dienstleistungssektor eher abgebaut wird und es wird bezweifelt, ob die Sektoren fähig sind die materiellen Voraussetzungen für die Nutzung eines expandierenden Dienstleistungssektors gewährleisten können.

3) Nachhaltigkeit

Das Wirtschaftstempo sollte um jeden Preis erhöht werden, auch mit der Konsequenz, daß noch weitergehende Nebenwirkungen für die Umwelt entstehen. Dadurch entstehen Widersprüche zwischen Umweltschutz- und Beschäftigungszielen.

4) Änderung der Produktionsweise

Die derzeitige Produktionsweise ist keinesfalls zukunftsfähig. "Weiter wie bisher" bedeutet eine Fortsetzung der Plünderung nichtregenerativer Ressourcen und massive Umweltzerstörung und ist auf lange Sicht ausgeschlossen. Voraussetzung ist eine Pruduktionsweise, die den Kriterien der Nachhaltigkeit gerecht wird (Ziel der nachhaltigen Entwicklung ist die Produktivität von Natur und Umwelt auf Dauer zu erhalten). Um die Voraussetzung dafür zu schaffen, sind zusätzliche Arbeitsplätze notwendig.

5) Senkung der Lohnnebenkosten

Beitragen zu einer solchen Entlastung kann die Eliminierung wesensfremder Kostenbestandteile. Niedrigere Lasten auf den Faktor Arbeit führen dazu, daß wieder Arbeitsplätze geschaffen werden. Das Ergebnis ist eine zusätzliche Beschäftigung und eine steigende Zahl von Beitragszahlern bei sich verringerndem Sozialaufwand, d. h. auch Entlastungen für den Staat.

6) Abbau der Benachteiligung des Faktors Arbeit

Es geht darum, den Faktor Arbeit wirksam zu entlasten und herauszuarbeiten, wo neue Arbeitsplätze entstehen könnten, sowie umfassende Aufklärung über die maßgeblichen Zusammenhänge betreiben, das nötige Qualifikationsniveau bei Betrieben und Arbeitskräften zu schaffen und gezielte Anstöße für frühzeitige Umsetzung solcher Konzepte zu liefern. Wer sich für Schaffung von Arbeitsplätzen durch einen Abbau der wettbewerbswidrigen Nachteile des Faktors Arbeit einsetzt, der trägt damit auch zu sparsameren Ressourcenverbrauch und zum Erhalt der natürlichen Lebensbedingungen bei.

Falscher Ansatz ist: Entstehung von Arbeitsplätzen durch Senkung der Löhne!

Durch den Abbau der Benachteiligung des Faktors Arbeit lassen sich erhebliche Beschäftigungspotentiale mobilisieren. Ein Großteil der verdrängten Produktionen und Dienstleistungen verschwand nicht mangels Nachfrage, sondern wurde in andere Bereiche wie Do-it yourself, Nachbarschaftshilfe, Schwarzarbeit abgedrängt. Wären z. B. handwerkliche Leistungen billiger, würde die Anschaffung für Heimwerkmaschinen unrentabler. Es würde zu einer höheren Nachfrage nach dem Motto "Reparieren statt Wegwerfen" kommen, mit der Folge eines Beschäftigungsschubes. In vielen Bereichen könnten neuartige Arbeitsplätze entstehen. Wichtige Beispielsfelder sind z. B. Recycling, ressourcen- und energiesparende Techniken, Reparieren statt Wegwerfen. Neuartige Arbeistplätze, die zu Energiesparung und Verbesserung der Umweltsituation beitragen, können in folgenden Feldern geschaffen werden: z. B. in der Solarthermie (Gewinnung von Warmwasser über Sonnenkollektoren), der Regenwassernutzung etc.

Es werden 2 Gründe genannt, warum die Potentiale Arbeitsplätze zu schaffen und gleichzeitig die Umwelt zu schonen und Geld zu sparen nicht genutzt werden:

1. Marketingproblem: Es besteht ein Aufklärungsproblem gegenüber der Öffenltichkeit. Wenn diese entsprechend informiert werden würden über die Ansätze, ist mit einem entsprechenden Anstieg der Nachfrage, Rahmenbedingungen zu schaffen, zu rechnen. Adressaten wären vor allem Bauherren, Architekten, Hausbesitzer etc. (Problem: Innovationen werden verhindert, alles Neue wird als riskant gesehen, es fehlt die Lernbereitschaft)
2. gegenläufige Interessenlagen: Negative Auswirkungen der o. g. Techniken könnten die Hersteller bzw. Importeure von Energie, Trinkwasser etc. befürchten. Das Aufbrechen von Blockaden bietet sich in kommunalpolitischer Ebene.

7) Mehr Flexibilität in der Lohnpolitik

Eine verhaltene Lohnpolitik verbessert die Gewinnerwartungen der Unternehmen und stützt so die Investitionssteigerung. Die Gewerkschaften sollten sich mit ihren Lohnforderungen etwas zurückhalten (Lohnzurückhaltung der Tarifparteien). Tarifvertragliche Regelungen können nicht mehr unterschiedslos und flächendeckend für jeden, unter allen Umständen und zu jeder Zeit gelten.

8) Mehr Flexibilität in der Gestaltung der Arbeitszeit

Arbeitszeitverkürzung ist die herausragende gesellschaftliche Forderung der Gewerkschaften zur Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit.

Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten:

1. Tägliche Arbeitszeitverkürzung

Die Einführung der 35 Std. Woche der Gewerkschaften in allen Wirtschaftsbereichen gilt als vorangiges Ziel zur Sicherung vorhandener und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze.

2. Wöchentliche Arbeitszeitverkürzung

Dabei werden Arbeitszeitverkürzung und voller Lohnausgleich als zusammengehörige Forderung, d. h. die Arbeitnehmer sollten auch bei kürzeren Arbeitszeiten den gleichen Lohn erhalten. Aber dadurch wird das Lohnkostenniveau erneut erhöht.

Einzelheiten der Arbeitszeitregelungen sollten nicht von den Gewerkschaften bestimmt werden, sondern vor Ort ausgehandelt werden (dem Unternehmen angepasst werden).

3. Teilzeitarbeit und Abbau der Überstunden

4. Lebensarbeitszeitverkürzung

Eine Herabsetzung der Altersgrenze für Männer und Frauen würde Neubesetzungen bringen. Die Verkürzung der Lebenszeit erschwert aber die Lösung des Rentenproblems (hohe alternde Bevölkerung, geringe Geburtenrate), das durch betriebliche Altersvorsorge, private Vorsoge und Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktivkapital ergänzt werden soll.

Rolle des Staates:

Lohnpolitische Zurückhaltung ist notwendig, um möglichst viele Unternehmen in der Lage zu versetzen, Neues zu wagen und zu investieren, um durch Innovationen auch ihre internationalen Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Nur investieren erzeugt wirtschaftliche Dynamik und Wachstum und nur so verbessern sich die Beschäftigungsmöglichkeiten.

Die unternehmerische Risikofreude zu Investitionen muß durch den Staat gestärkt werden. Die Wirtschaftspolitik als Angebotspolitik zielt auf die Nutzung neuer oder brachliegender Möglichkeiten der Wohlstandssteigerung. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit sollte dadurch die Nachfrage nach Arbeitskräften gesteigert werden Zu ergreifende Maßnahmen:

Ziel aller Maßnahmen muß sein, die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu beleben, was durch Investitionen geschehen kann. Mehr Investitionen bedeuten höhere Produktion, wodurch Arbeitsplätze geschaffen werden können. Ein Anstieg der Beschäftigung führt zu höheren Löhnen, die sich in größerer Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen niederschlagen. So wird das Konjunkturklima verbessert und Anreiz zu neuen Investitionen gegeben.

- Senkung der Steuern und Reform des Steuersystems mit dem Ziel zu Investitionen und Schaffung von Arbeitsplätzen
- Investitionszulagen
- öffentliche Aufträge
- Aufhebung von bürokratischem Aufwand, die die Schaffung von Arbeitsplätzen einschränken · Modernisierung des deutschen Arbeitsrechts
- Wiedergewinnung einer Bildungspolitik, Investitionen in Bildung, Forschung und Wissenschaft, Schaffung von Ausbildungsplätzen
- Schaffung von Anreizen zu innovativem Tätig werden
- Hilfen bei der Qualifizierung und Umqualifizierung von Arbeitskräften · Erleichterung der Integration von Langzeitarbeitslosen
- Bekämpfung der Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung, Stopp des Mißbrauchs von 620- Mark-Jobs
- Änderung des Sozialsystems (Senkung der Sozialabgaben)
- Einführung der Ökosteuer (Energiepreise erhöhen - Arbeitskosten senken=Förderung der

Umwelt und Schaffung von AP)

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Details

Titel
Strategien zum Abbau der Arbeitslosigkeit
Veranstaltung
Bereich: Wirtschaft, Klasse: 12 Abendgymnasium
Autor
Jahr
1998
Seiten
5
Katalognummer
V95436
Dateigröße
335 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Strategien, Abbau, Arbeitslosigkeit, Bereich, Wirtschaft, Klasse, Abendgymnasium
Arbeit zitieren
Angela Amodeo (Autor), 1998, Strategien zum Abbau der Arbeitslosigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95436

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