Eichs Naturlyrik im Wandel - ein Vergleich der Gedichte Die Häherfeder und Variationen über eine Novemberlandschaft


Hausarbeit, 1998
11 Seiten, Note: 2+

Leseprobe

Eichs Naturauffassung im Wandel- ein Vergleich der Gedichte

„Die Häherfeder“ und „Variationen über eine Novemberlandschaft“

Diese Arbeit soll einen kleinen Überblick über die unterschiedlichen Naturauffassungen des Lyrikers Günther Eich geben. Dazu wird zunächst anhand des Lebenslaufes erklärt, worin dieser Wandel eventuell begründet werden kann. Danach werden die Auffassungen kurz wiedergegeben und anhand zwei seiner Gedichte verdeutlicht. Die Gedichte liegen zwar zeitlich recht nah beieinander und sind beide in der Nachkriegszeit verfaßt worden, dennoch enthält ersteres einige Elemente der Vorkriegslyrik Eichs.

Günther Eich wurde am 1.2.1907 im dörflichen Lebus bei Frankfurt an der Oder geboren. Die ersten zwölf Jahre seines Lebens verbrachte er in Dörfern oder Kleinstädten. Dies erklärt eventuell die später öfter wiederkehrende Sehnsucht nach der Idylle. Sein Vater war Gutsverwalter und Rechnungsführer. 1918 bekam Eich das erste Mal Kontakt mit der Stadt, da seine Familie nach Berlin umzog. Dort starben jedoch in kurzer Folge seine Mutter und seine Großmutter, und Eich kehrte in die Kleinstadt (Oettingen) zurück. 1925 machte er sein Abitur in Leipzig und begann kurz darauf mit dem Studium der Volkswirtschaft und später auch der Sinologie.

1932 brach er das Studium ab und wandte sich vollständig der Redaktion der Zeitschrift „Die Kolonne“ zu. Deren Programm wandte sich gegen eine urbane, neusachlich- sozialkritische Moderne.

Während der Nazizeit erlaubte es ihm seine Rundfunkstellung, sich ein Haus an der Ostseeküste zu kaufen. Die Jahre zwischen 1933 und 1940 wurden zu Eichs produktivster Zeit[1]. Jedoch wurde Eich mit dem Hörspiel „Deutsche Kalender. Monatsbilder vom Königswusterhäuser Landboten“ zunehmend in die NS-Propaganda-Maschinerie verstrickt[2]. Die Erkenntnis dieser Verstrickung und der gleichzeitigen finanziellen Abhängigkeit vom Rundfunk führte zu einer Selbstentfremdung Eichs. Diese Entfremdung trug auch zu einer wesentlichen Änderung seiner Werke bei[3].

Die ersten Nachkriegsjahre waren nun geprägt vom Existenzkampf, dem Zurechtkommen mit der Selbstentfremdung und den Schwierigkeiten mit seiner drogenabhängigen Ehefrau. Dies waren einige Gründe dafür, daß sich Eichs Weltansicht verdüsterte. Es folgte die Zeit der Kahlschlagliteratur, jedoch gab es auch wieder einen Rückgriff auf die Vorkriegslyrik und somit eine Erneuerung der „magisch- beschwörenden Seinsdichtung“.[4]

Eichs Leben war außerdem geprägt durch viele Reisen, die zu einer wesentlichen Bereicherung seiner Werke in Thematik und Bildersprache führten.

1968 kam dann seine Krankheit, deren Symptome ihn schon seit mehreren Jahren quälten, zum Ausbruch, und am 20.12.1972 verstarb Eich an deren Folgen in Salzburg.

Es fällt auf, daß der Großstädter Eich in den Vorkriegsjahren häufig in dörflichen Gegenden wohnte und dort die Nähe zur Natur fand.

Während und nach dem Krieg veränderten sich seine Werke, da sich auch seine Weltansicht verändert hatte.

Eichs Werke der Vorkriegsjahre sind geprägt durch ein starkes Zweifeln an einer uns umgebenden „Scheinwirklichkeit“, und er ist auf der Suche nach wirklicher Wirklichkeit. Er leidet an dem Bewußtsein der Vergänglichkeit und ist der Meinung, daß der Mensch aufgrund dieser Vergänglichkeit eine existentielle Langeweile hat (G. Eich: „ Nach meiner Vermutung liegt das Unbehagen an der Wirklichkeit in dem, was man Zeit nennt. Daß der Augenblick, wo ich dies sage, sogleich der Vergangenheit angehört, finde ich absurd. Ich bin nicht fähig, die Wirklichkeit so, wie sie sich uns präsentiert, als Wirklichkeit hinzunehmen.“)[5].

Dieses Leiden an der Individuation führt zu einer Todessehnsucht durch den Glauben Eichs an das Finden der wirklichen Wirklichkeit im Tod.

Außerdem spricht Eich von der Sehnsucht des Menschen, zum Tier oder zur Pflanze herabzusteigen (G. Eich: „ Dies kann nur Sehnsucht sein: Nichts zu wissen, wie ein Baum zu blühen, wie ein Tier namenlos zu sterben. Wir sind Menschen und haben nichts zu schaffen damit, wir können nicht blühen und mit im großen Strome sein, wir sind uns selber anderes schuldig.“)[6], denn seiner Meinung nach beinhaltet die Natur die wahre Wirklichkeit (G. Eich: „ Seht ihr den Mohn recht an, dann tut er sich auf wie eine Tür, hinter der eine Treppe hinabführt in das Geheimnis. Nicht mit einem Teil solltet ihr zufrieden sein- wo denkt ihr hin!- sondern lernen, in jeglichem Ding, in jeder Blume, jedem Stein, jedem Wesen den Atem unserer Erde zu hören, die euch niemals allein läßt. Glaubt mir, meine Lieben, wer nicht die ganze Fülle aus einer Kornblume herausbuchstabieren kann,...dem würde es nichts nützen, um den Erdball zu reisen.“)[7].

[...]


[1] Vieregg. Der eigenen Fehlbarkeit begegnet..., Seite 21, Zeile16-21

[2] Vieregg. Der eigenen Fehlbarkeit begegnet..., Seite 23, Zeile 18-29

[3] Vieregg. Der eigenen Fehlbarkeit begegnet..., Seite 48, Zeile13-Seite 49, Zeile 4

[4] Vieregg. Deutsche Dichter des 20.Jh. , Seite 509, Zeile 35

[5] Goodbody. Natursprache, Seite 254, Zeile 9-13

[6] Goodbody. Natursprache, Seite 283, Zeile 31-33

[7] Goodbody. Natursprache, Seite 272, Zeile 25-30

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Eichs Naturlyrik im Wandel - ein Vergleich der Gedichte Die Häherfeder und Variationen über eine Novemberlandschaft
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Deutsche und Niederländische Philologie)
Veranstaltung
Grundkurs C: Naturlyrik im 20. Jh.
Note
2+
Autor
Jahr
1998
Seiten
11
Katalognummer
V9546
ISBN (eBook)
9783638162197
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Günther Eich, Gedichte, Naturauffassung, Interpretation, Vergleich, Die Häherfeder, Variationen über eine Novemberlandschaft
Arbeit zitieren
Kathrin Schwarz (Autor), 1998, Eichs Naturlyrik im Wandel - ein Vergleich der Gedichte Die Häherfeder und Variationen über eine Novemberlandschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9546

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