Diese Hausarbeit bietet einen Ausblick auf Möglichkeiten zum Einsatz von Erkenntnissen der Geschlechterforschung innerhalb der schulischen Bildung. Zu diesem Zweck wird zunächst dezidiert Bezug genommen auf die Sozialisationsfaktoren Medien und Schule in Hinblick auf die Entwicklung geschlechtsspezifischer Stereotype und Geschlechterrollen. Dabei geht es explizit um die Frage, welche Aufgaben sich aus diesen Erkenntnissen für die Institution Schule und ihre ausführenden Organe ergeben und welche Kompetenzen Schüler und Schülerinnen im Verlauf ihrer Bildung erwerben sollen. Anschließend wird ein Überblick geboten über die zentralen Motive und Anliegen der Gender Studies.
Auf dieser Grundlage werden anschließend gesellschaftliche männliche und weibliche Geschlechtsstereotype dargestellt und ihr Verhältnis zueinander beleuchtet. Hauptteil der Hausarbeit bildet eine exemplarische Textanalyse des Werkes "Narziß und Goldmund" von Hermann Hesse nach Kriterien der Gender Studies. Diese erfolgt mit dem Ziel, zu ermitteln, ob und inwiefern eine solche Textanalyse ein geeignetes Werkzeug für den schulischen Gebrauch darstellt. Im Fazit werden die Ergebnisse der verschiedenen Schwerpunkte zusammengefasst, evaluiert und aus ihnen potenzielle Perspektiven zum Einsatz der Geschlechterforschung in der institutionalisierten Bildung abgeleitet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Dimensionen der Sozialisation in Hinblick auf die Entwicklung geschlechtlicher Vorstellungen
2.1. Rolle der Medien als Sozialisationsinstanz
2.2. Perspektiven auf die Rolle der Schule als Sozialisationsinstanz
3. Gender Studies und Geschlechtsstereotype
3.1. Gender Studies
3.2. Stereotypen Geschlechterrollen
3.3. Ergänzungen zu weiblichen Geschlechtsstereotypen
3.4. Ergänzungen zu männlichen Geschlechtsstereotypen
4. Textanalyse nach Schwerpunkten der Gender Studies
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Relevanz der Gender Studies für die schulische Bildung in Deutschland, indem sie das Zusammenspiel von Medieneinfluss, Sozialisationsprozessen und Geschlechterrollen analysiert. Das primäre Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Erkenntnisse der Geschlechterforschung didaktisch genutzt werden können, um bei Schülern Kompetenzen zur kritischen Reflexion gesellschaftlicher Strukturen zu fördern.
- Einfluss von Medien auf die Identitätsbildung und Sozialisation von Heranwachsenden.
- Die Rolle der Schule als Institution zur Wertevermittlung und Gleichstellung.
- Theoretische Grundlagen und zentrale Motive der Gender Studies.
- Analyse kulturell bedingter Geschlechtsstereotype und ihrer normativen Wirkung.
- Anwendung geschlechtertheoretischer Perspektiven auf die Lektüre „Narziß und Goldmund“ von Hermann Hesse.
Auszug aus dem Buch
Kontrastierung der Frau in ihrem Objekt- und des Mannes in seinem Subjektstatus
Als er seine ersten sexuellen Erfahrungen mit der Bauersfrau Lise macht, erzählt er Narziß im Anschluss „Sie hat mich gelehrt, was eine Frau ist und welches Geheimnis sie hat.“ (Hesse 1930, S.78). Hieran wird bereits ersichtlich, dass Goldmund Weiblichkeit auf Körperlichkeit und Sexualität zu reduzieren scheint. Dies verdeutlicht sich dadurch, dass er kein Interesse an Gesprächen mit Frauen zeigt, solange diese nicht im Kontext der Anbahnung sexueller Abenteuer stehen;
erst jetzt kam ihm zu Bewußtsein, daß zwischen ihm und Lise erst ganz zuletzt, am Ende der Liebkosungen, Worte gewechselt worden waren, und auch da nur wenige und belanglose! Wie lange Gespräche hatte er mit Narziß gehabt! Nun aber, so schien es, war er in eine Welt eingetreten, wo man nicht sprach, wo man einander mit Eulenrufen lockte, wo Worte keine Bedeutung hatten. Er war damit einverstanden, er hatte heut kein Bedürfnis mehr nach Worten oder Gedanken, nur nach Lise, nur nach diesem wortlosen, blinden, stummen Fühlen und Wühlen, nach diesem seufzenden Hinschmelzen (Hesse 1930, S.83).
Während Goldmund seinem Freund Narziß ehrlichen Respekt für dessen Persönlichkeit und Intellekt entgegen bringt, liegt sein Fokus bei Frauen stets auf dem Äußerlichen, dem sexuell Anziehenden; wenn er eine Frau kennenlernt, dann bezieht sich die Beschreibung dieser stets auf jene Eigenschaften, welche die Frauen zur Projektionsfläche seiner sexuellen Fantasien machen; „ihre holde junge Gestalt, die so sehr zur Liebe geschaffen schien“ (Hesse 1930, S.231).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Bedeutung der Gender Studies für die Schule und formuliert das Ziel, Möglichkeiten zur produktiven didaktischen Nutzung dieser Erkenntnisse zu erörtern.
2. Dimensionen der Sozialisation in Hinblick auf die Entwicklung geschlechtlicher Vorstellungen: Dieses Kapitel beleuchtet den Einfluss von Medien und der Schule als zentrale Sozialisationsinstanzen auf die Entstehung von Geschlechterbildern bei Heranwachsenden.
3. Gender Studies und Geschlechtsstereotype: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Gender Studies dargelegt und die reglementierende Funktion von Geschlechtsstereotypen sowie unterschiedliche Männlichkeitsvarianten analysiert.
4. Textanalyse nach Schwerpunkten der Gender Studies: Eine praktische Anwendung der Theorie erfolgt durch die Analyse des Romans „Narziß und Goldmund“ von Hermann Hesse, wobei insbesondere patriarchale Konstruktionen und Geschlechterhierarchien im Fokus stehen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, evaluiert die Methode der Textanalyse für den Schulgebrauch und betont die Notwendigkeit, Gender-Themen stärker in der Lehrerbildung und Unterrichtspraxis zu verankern.
Schlüsselwörter
Gender Studies, Sozialisation, Medien, Schule, Geschlechtsstereotype, Geschlechterrollen, Männlichkeit, Weiblichkeit, Narziß und Goldmund, Hermann Hesse, Didaktik, Machtverhältnisse, Gleichstellung, Identitätsbildung, Interdisziplinarität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Erkenntnisse aus den Gender Studies in den schulischen Bildungsalltag integriert werden können, um Geschlechtergerechtigkeit zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Sozialisation durch Medien und Schule, die theoretische Fundierung der Gender Studies sowie die Analyse von Geschlechterstereotypen in Literatur und Gesellschaft.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine didaktische Aufarbeitung von Lektüren und Medieninhalten Kompetenzen zur kritischen Hinterfragung patriarchalisch geprägter Geschlechterstrukturen vermittelt werden können.
Welche methodischen Ansätze werden verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Fundierung durch einschlägige Fachliteratur sowie eine exemplarische literaturwissenschaftliche Textanalyse nach Schwerpunkten der Gender Studies.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Betrachtung von Sozialisationsinstanzen und Geschlechtertheorien sowie eine detaillierte Untersuchung des Romans „Narziß und Goldmund“.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Gender Studies, Sozialisation, Geschlechtsstereotype, schulische Bildung, Männlichkeit und Textanalyse kennzeichnen.
Warum wird speziell der Roman „Narziß und Goldmund“ analysiert?
Der Roman dient als konkretes Fallbeispiel, um zu demonstrieren, wie literarische Werke genutzt werden können, um geschlechtsspezifische Rollenzuschreibungen und Unterwerfungsmechanismen in der Literatur aufzudecken.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin hinsichtlich der schulischen Umsetzung?
Die Autorin schlussfolgert, dass die reine Analyse im Unterricht nicht ausreicht, sondern eine umfassendere Integration der Gender Studies in die Lehrerausbildung und die Bereitstellung von kritisch reflektiertem Lehrmaterial notwendig ist.
- Arbeit zitieren
- Mai Sato (Autor:in), 2020, Gender Studies im schulischen Gebrauch. Relevanz der Geschlechterforschung in der schulischen Bildung und Perspektiven auf mögliche Anwendungsbereiche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/955081