Urbanisierung und Konsumgesellschaft vor 1914

Das Berliner Warenhaus und die Entstehung eines "großstädtischen" Lebensgefühls


Seminararbeit, 2002
11 Seiten, Note: noch sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das Warenhaus- eine Innovation für die Großstadt des beginnenden 20. Jahrhunderts?

III. Das Warenhaus- „Erfinder“ einer neuen Konsumgesellschaft?

IV. Fazit

I. Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern das Warenhaus eine Innovation des 19. Jahrhunderts war und stellt die These auf, das diese Innovation als ‚Erfinder’ der Konsumgesellschaft gelte. Grundlage der Seminararbeit sind Auszüge aus Paul Göhres Monographie „Das Warenhaus“, welche als ‚Prototyp’ des Warenhauses das Berliner Warenhaus Wertheim vorstellt, beschreibt und charakterisiert.

Definiert wird das Warenhaus als eine im 19. Jahrhundert neue und innovative Form des Einzelhandels. Es unterschied sich sowohl in Sortiment und Geschäftsprinzipien, als auch in Größe und Aufmachung vom Kleinhandel. Diese „neue Betriebsform“ beeinflusste und veränderte das Konsumverhalten der Bevölkerung in Stadt und Land.[1]

In der folgenden Seminararbeit soll zum einen ein Vergleich zwischen dem Großbetrieb Warenhaus und bis dato bekannten und verbreiteten Handelsformen erstellt werden, um die Eigenschaften und Besonderheiten der Warenhäuser aufzuzeigen, zum anderen sollen die Vorraussetzungen für die Entstehung der Konsumgesellschaft durch die Warenhäuser und damit auch die Einflüsse jener auf Industrie und soziale Schichtung verdeutlicht werden.

II. Das Warenhaus- eine Innovation für die Großstadt des beginnenden 20. Jahrhunderts?

Der Einzelhandelgroßbetrieb Warenhaus bietet auf mehreren Etagen ein breites Sortiment an Waren aller Art für möglichst niedrige Preise an. Das Berliner Warenhaus Wertheim zählte 65 verschiedene Verkaufsabteilungen, die jeden Bereich des Lebens decken konnten: Bedarfsgüter wie Lebensmittel, Kleidung oder Haushaltswaren ließen sich dort ebenso finden wie Luxusgüter, beispielsweise Tabak. Die täglichen Bedürfnisse des Durchschnittsmenschen sollten „unter einem Dach“ befriedigt werden können. Die Lager unterstanden einer einzigen Leitung und Organisation und wurden zentral verwaltet[2]. Diese Vielfalt an Waren in einem Haus galt Ende des 19. Jahrhunderts als Innovation im Einzelhandel.

Der seit der frühen Neuzeit, vor allem in der Landbevölkerung weit verbreitete Wanderhandel, versorgte meist mehrere Bauern aus verschiedenen Regionen, die mit dem Einkaufsgang in die nächste Stadt viel Zeit, in der sie sonst arbeiteten und damit Geld verdienen konnten verloren, mit regionalen oder auch überregionalen Waren. Der Selbsthausierer verkaufte die eigenen, selbst hergestellten Produkte an die Kundschaft, während der Fernhändler oder Fremdhausierer ein breiteres Warensortiment mit auch überregionalen Waren anbieten konnte. Die Abnahme der Waren war durch vorheriges gezieltes Aufsuchen der Kundschaft gesichert, so dass keine unnötigen Lagerkosten entstanden. Dieser Handel basierte auf der Nachfrage der Konsumenten. Das Warenhaus hingegen besaß den Vorteil auch überregionale Waren jederzeit anbieten zu können. Es bestanden keine Wartezeiten oder Verzögerungen. Das Angebot der Waren war stets gesichert.

Der sesshafte Kleinhandel, meist kleinere Geschäfte in den einzelnen Stadtvierteln mit engem und festen Kundenkreis, bot seine Waren zwar ebenfalls täglich zum Verkauf an, doch er besaß kein dermaßen breites Warensortiment wie die Fernhändler oder die Warenhäuser.[3] Es zeigt sich, dass sich die Betriebsform Warenhaus von vorherigen ‚Handelsarten’ unterscheidet.

Als Besonderheit galten die innovativen Geschäftsprinzipien der Warenhäuser. Neben dem breit gefächerten Warenangebot führten die Häuser die Abschaffung des Kaufzwangs, die Möglichkeit des Umtausches von Waren, die Barzahlung und auch feste und günstige Preise in den Handel ein[4]. Paul Göhre charakterisiert das Berliner Warenhaus Wertheim mit diesen Prinzipien. Das höfliche Personal Wertheims sei dazu verpflichtet stets wahrheitsgemäß auf Fragen der Kunden zu antworten, ihnen beim Einkauf behilflich zu sein, wenn diese es wünschen, jedoch keinerlei Kaufzwang auszuüben und die Kunden stets respektvoll zu behandeln. Die neuen Aspekte der Kundenbetreuung waren weder im Kleinhandel, noch im Wanderhandel üblich. Das Warenhaus übte einen Service aus, der die Kundschaft sich wohl fühlen lassen und das Einkaufen zum Erlebnis machen sollte.[5]

[...]


[1] Klein, Fritz: Art. Warenhaus, in: Staatslexikon Band 8, 1963, Sp. 445.

[2] Göhre, Paul: Das Warenhaus, Frankfurt am Main 1907, S. 36- 38.

[3] Pfister, Ulrich: Vom Kiepenkerl zu Karstadt, in: VSWG 87, 2000, S. 41- 45.

[4] Klein, Fritz: Art. Warenhaus, in: Staatslexikon Band 8, 1963, Sp. 445- 446.

[5] Göhre, Paul: Das Warenhaus, Frankfurt am Main 1907, S. 42- 43.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Urbanisierung und Konsumgesellschaft vor 1914
Untertitel
Das Berliner Warenhaus und die Entstehung eines "großstädtischen" Lebensgefühls
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Integriertes Proseminar Stadt und Land (Arbeitseinheit Neuzeit)
Note
noch sehr gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
11
Katalognummer
V9556
ISBN (eBook)
9783638162296
ISBN (Buch)
9783638746496
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konsumgesellschaft, Wertheim, Urbanisierung
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts (B.A.) Susan Wangelik (Autor), 2002, Urbanisierung und Konsumgesellschaft vor 1914, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9556

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