Kästner, Erich - Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee


Seminararbeit, 1997
18 Seiten

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Analyse
2.1 Thema
2.2 Inhalt
2.3 Struktur
2.4 Sprache
2.5 Figuren / Figurenkonstellation
2.6 Illustrationen

3 Kritik

4 Biographie

5 Literaturangaben

1 Einleitung

,,Es gibt nichts Gutes außer: Man tut es!

Ich möchte in meiner Arbeit den Roman für Kinder ,,Der 35. Mai" von Erich Kästner analysieren und herausfinden, ob ihm mit diesem Werk etwas ,,Gutes" gelungen ist. Dabei möchte ich besonders darauf eingehen, ob dieses Buch meinen Kriterien für Kinder- und Jugendliteratur entspricht.

Demnach bezeichne ich als Kinder- und Jugendliteratur literarische Werke, deren Handlungen der kindlichen Lebenswelt entnommen und somit vorstellbar sind. Der Handlungsträger ist häufig ein Kind / Jugendlicher. Der Handlungsrahmen bleibt überschaubar und ist klar strukturiert; die Sprache zeichnet sich durch Einfachheit und starke Bildhaftigkeit aus.

Um die Arbeit abzurunden, zeichne ich am Schluß Kästners Lebenslauf nach.

2 Analyse

2.1 Thema

In dem Buch ,,Der 35. Mai" geht es um ein alltägliches Thema: Eine gestellte Aufgabe scheint unlösbar. In diesem Fall geht es um die Hausaufgabe des Jungen Konrad. Er fühlt sich damit völlig überfordert und weiß nicht wie er die Aufgabe angehen soll.

2.2 Inhalt

Am 35. Mai holt Onkel Ringelhuth seinen Neffen Konrad von der Schule ab. Auf dem Weg in die Wohnung des Onkels treffen sie ein ehemaliges Zirkuspferd mit Namen Negro Kaballo, das sogar sprechen kann. Später kommt dieses Pferd die beiden zu Hause besuchen. Alle Drei machen es sich gemütlich und spielen Quartett. Plötzlich fällt Konrad wieder ein, daß er noch einen Aufsatz über die Südsee schreiben muß und versucht verzweifelt, in einem Lexikon einige Informationen zu finden.

Da ihm dies nicht gelingt schlägt Negro Kaballo vor, daß sie doch alle schnell mal die Südsee besuchen könnten. Das Pferd führt Onkel und Neffen durch einen antiken Schrank in der Wohnung Ringelhuths hindurch in ein fremdes Land. Zuerst durchstreifen sie einen Wald aus baumhohen Blumen und erreichen so die Grenze zum Schlaraffenland, einen hohen Bretterzaun, der unüberwindlich scheint. Nachdem sie den Wunsch nach Schlaf geäußert haben, wird ihnen geöffnet. Im Schlaraffenland begegnen ihnen nur faule und dicke Menschen und sie erfahren, daß man gar des Landes verwiesen wird, wenn man weniger als zweiundeinhalb Zentner wiegt. Hier lernen sie auch einen Ort kennen, an dem sie ihre Vorstellungen realisieren und durch den Ausruf ,,Zurück, marschmarsch!" wieder rückgängig machen können. Negro Kaballo, der sich Rollschuhe gewünscht hat, behält diese, damit er Konrad und Onkel Ringelhuth schneller zur Südsee bringen kann.

Als das Schlaraffenland hinter ihnen liegt, kommen sie zur Burg ,,Zur grossen Vergangenheit", dort begegnen ihnen viele bekannte und berühmte Menschen der Geschichte quer durch alle Epochen und Länder.

Ihre Reiseroute führt sie dann durch einen Wald aus Spielzeug, auch Naschzeug ist vieles zu sehen. Sie sind in der ,,verkehrten Welt" gelandet. Dort haben die Kinder das Sagen; sie bestrafen an diesem wunderlichen Ort auch Erwachsene, die in der wirklichen Welt ihre Kinder nicht gut behandelt haben. Aus Versehen gerät auch Onkel Ringelhuth in so eine Erziehungsanstalt, aber da die Ministerialrätin für Erziehung und Unterricht zufällig eine Freundin von Konrad ist, wird der Onkel wieder entlassen und die Reise zur Südsee kann weitergehen.

Kurz darauf kommen sie an eine Untergrundbahnstation. Sie fahren ein Stück und sind dann mitten in Elektropolis, dort leben alle Menschen so, wie es ihnen Vergnügen macht, denn niemand braucht zu arbeiten, weil alles vollautomatisch geht. Doch gerade als das Trio den modernen Ort als Paradies ansieht, wurde alles durch eine riesengroße Überspannung zerstört. Betrübt darüber geht die Reise weiter.

Endlich erreichen sie nach einem Ritt über den Äquator vorbei an gefährlichen, hungrigen Haien die Südsee. Dort begegnen ihnen alle möglichen und unmöglichen Tierarten und bei einer kämpferischen Auseinandersetzung mit drei gefährlichen Tigern, rutscht Negro Kaballo das Kommando ,,Zurück, marschmarsch!" heraus. Von da an geht es für ihn und seine Begleiter ohne Rollschuhe weiter. Kurz darauf begegnen sie der verängstigten Petersilie, der schwarzweiß karierten Tochter des Häuptlings Rabenaas. Diese ist in heller Aufregung, da sie von einem Wal verfolgt wird. Mit Getöse drängt sich der Walfisch durch den Urwald auf Negro Kaballo, Konrad, Petersilie und den Onkel zu. Im letzten Moment werden sie von Häuptling Rabenaas gerettet, der den Wal mit heißen Bratäpfeln bezwingt. Bei einem Eingeborenenstamm erhalten Onkel Ringelhuth und Konrad ein gänzlich ungewöhnliches Mahl und sie sind froh darüber, daß sie sich an ihren gemeinsamen Donnerstagen so gut abgehärtet haben. Negro Kaballo trifft dort eine entzückende Schimmelstute und er beschließt für immer in der Südsee zu bleiben.

So machen sich Konrad und der Onkel allein auf den Weg nach Hause und ein Blick auf die Uhr läßt die beiden fast verzweifeln, wenn nicht ein Wunder geschähe, käme Konrad zu spät zum Abendessen. Zum Glück kommt Rabenaas des Weges und zaubert den alten Schrank mitten in den Urwald. Konrad und Onkel Ringelhuth steigen schnell hinein und landen wieder in Ringelhuths Wohnung. Der schickt seinen Neffen unverzüglich nach Hause.

Nachdem dieser seine Wohnung in Ordnung gebracht hat, besucht er noch Konrads Eltern, die von all den Aufregungen nichts gemerkt haben. Leise schleicht sich Onkel Ringelhuth in das Zimmer von Konrad und liest heimlich den Aufsatz über die Südsee, den Konrad noch schnell nach dem Abendbrot geschrieben hat. Ringelhuth freut sich über die Erzählung.

2.3 Struktur

Bei dem Buch ,,Der 35. Mai" handelt es sich, wie der Titel schon vermuten läßt, um ein Werk aus der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur. Auch wenn an so einem Tag schon in der realen Welt des Jungen Konrad einiges Merkwürdige passiert, kommen er und sein Onkel in den verschiedenen Phantasiewelten aus dem Staunen nicht mehr heraus. Durch das fiktive Datum, mit dem das Buch betitelt ist, wird von vornherein ausgeschlossen, daß es sich um eine mögliche Erzählung handelt. Allerdings läßt sich doch eine Grenze zwischen Realität und Phantastischem ziehen, auch wenn das sprechende Pferd bereits ein Phantasieprodukt ist: der Schrank aus dem 15. Jahrhundert ist Eingangstor zu neuen Welten.

Der Kinderroman ,,Der 35. Mai" umfaßt sieben Kapitel. Die Grobstruktur läßt sich durch einen Spannungsbogen beschreiben: Im ersten Kapitel beginnt die Geschichte mit einer leicht nachvollziehbaren Situation: der Junge Konrad wird von der Schule abgeholt. Dann passieren immer phantastischere Geschichten, bis der Junge dann am Ende des Tages zu Hause in seinem Bett liegt.

Die Spannung steigt zum ersten mal stark an, als das Pferd Negro Kaballo Onkel Ringelhuth und Konrad auf der Straße anspricht (S. 7). Sie flacht dann jedoch wieder ab, als das Pferd seines Weges geht. Es ist auch kein großer Spannungsanstieg zu verbuchen als das Pferd dann plötzlich vor der Tür steht. Das Ungewöhnliche ist zur Normalität geworden. Einige Zeit darauf jedoch beginnt die Spannung wieder zu steigen; S. 18: ,,Mit einem Mal sprang Konrad hoch, warf seine Quartettkarten auf den Tisch, rannte zum Bücherschrank, riß die Tür auf, holte ein dickes Buch aus der obersten Reihe, setzte sich auf den Teppich und blätterte aufgeregt."

Anschließend macht der Spannungsbogen erneut einen großen Sprung, als sich hinter der Rückwand des Schrankes eine fremde Welt auftut (S.27). Danach steigt die Spannung Kapitel für Kapitel stetig, jedoch nicht sprunghaft. Der Leser ist gespannt, ob die Reisenden ihr Ziel noch erreichen werden und welche Abenteuer sie noch zu bestehen haben.

Wiederum schnellt die Spannung empor, als die Drei das Schild zur Südsee entdecken (S. 121) und erreicht einen letzten Höhepunkt mit der Erkenntnis, daß nicht mehr viel Zeit bleibt, um pünktlich nach Hause zu kommen und den Aufsatz zu schreiben (S. 140). Bis zur Ankunft im Korridor nimmt die Spannung ein wenig ab (S. 144), um dann vollständig zu weichen.

Der Handlungszeitraum erstreckt sich auf einen halben Tag (Nachmittag und Abend). Jedoch erscheint der Zeitraum wesentlich länger, da er so außerordentlich erlebnisreich ist. Der Handlungsablauf folgt chronologisch. Es sind keine Zeitsprünge enthalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das erste Kapitel dient dazu, die Hauptfiguren und den Hauptkonflikt deutlich zu machen. Im Verlauf wird entsprechend des Spannungsverlaufs die Konfliktlösung angestrebt und im letzten Kapitel erfährt der Leser dann, daß es Konrad auch tatsächlich gelungen ist, den Aufsatz noch fertig zu schreiben, bevor er vermutlich todmüde ins Bett gefallen ist.

In der Erzählsituation dieses Kinderromans macht der Erzähler seine Existenz dem Leser im ersten Kapitel unmißverständlich deutlich. S. 6 ,,Ehe ich aber mit dem Erzählen fortfahre, muß ich eine familiengeschichtliche Erklärung abgeben." Es wird mit dem einleitenden Satz deutlich ein Blick in die Vergangenheit gegeben: ,,Es war am 35. Mai."

Der Erzähler nimmt eine Außenperspektive ein, das heißt seine Erzählung ist wenig gefühlsbetont. Man erfährt als Leser nur das über das Gefühlsleben der Figuren, was verbalisiert oder durch Mimik und Gestik ausgedrückt wird. Der Erzähler steht außerhalb der Handlung.

Dennoch ist der Blickwinkel auf Onkel Ringelhuth gerichtet. Die Erzählung beginnt damit, ,,daß sich Onkel Ringelhuth über nichts wunderte". Es wird erzählt, daß er seinen Neffen von der Schule abholt - nicht etwa, daß Konrad von ihm abgeholt wurde. Nach dem gemeinsamen Abenteuer mit seinem Neffen wird erzählt wie Ringelhuth die Wohnung in Ordnung bringt, später Bruder und Schwägerin besucht und heimlich Konrads Aufsatz über die Südsee liest. In diesem Aufsatz allerdings wird an mehreren Stellen die Einstellung des Jungen in Bezug auf das gerade erlebte Abenteuer deutlich und eröffnet so noch einmal eine andere Perspektive.

Der Erzähler kann als auktorialer Erzähler bezeichnet werden, da er den Verlauf der Geschichte bereits kennt und über Informationen verfügt (z.B. die Verwandtschaftsbeziehungen), die aus der Erzählung an sich nicht hervorgingen.

2.4 Sprache

Die Sprache ist gekennzeichnet von kurzen Sätzen und viel wörtlicher Rede. Kästner bevorzugt eindeutig den Verbalstil. Die Sprache ist sehr bildhaft und voller Adjektive, die sehr anschaulich und auch sprachlich anspruchsvoll sind: z.B.:

- S. 6 ,,familiengeschichtliche Erklärung"
- S. 29 ,,vorzüglicher Laune"
- S. 52 ,,meisterhafte Rückwärtsbogen"
- S. 88 ,,meine höchstpersönlichen Kinder" · S. 132 ,,bronzebrauner Mann"
- S.145 ,,der weitgereiste Apotheker"

Es finden sich viele Vergleiche. z.B.

- S. 27 ,,Gewaltige Glockenblumen zum Beispiel, hoch wie Tannen
- S. 44 ,,die Schirme fielen zusammen wie welkende Blüten."
- S. 82 ,,diese Zöpfe standen schräg vom Kopf weg, als seien sie auf Blumendraht geflochten"
- S. 112 ,,Die automatischen Autos schossen wie Blitze vorbei"
- S. 119 ,,Aber Konrad traf, als gelte es einen Elfmeter"
- S. 130 ,,Es sah aus wie ein zerbeultes Luftschiff"

Viele Ausdrücke sind umgangssprachlich und daher leicht verständlich, z.B.:

- S. 5 ,,bei ihm oder am Globus seien zwei bis drei Schrauben locker"
- S. 6 ,,lauter verrücktes Zeug
- S. 8 ,,eine Südsee hinlegen, die sich gewaschen hat"
- S. 28 ,,zweitens schleppt ihr mich in einen Wald"
- S. 50 ,,Sie sind wohl nicht ganz bei Troste?"
- S. 54 ,,ihr saht reichlich belemmert aus."
- S. 62 ,,nahm den Filmfritzen beiseite"
- S. 99 ,,das sind ja reichlich verwitterte Anschauungen"
- S. 135 ,,Die Frauen der Eingeborenen lachten sich einen Ast"

Häufige Satzanfänge sind ,,Und", ,,Aber", ,,Dann", z.B.:

- S. 6 ,,Und weil Onkel Ringelhuth...", ,,Und so was Ähnliches wie", ,,Und wenn ihnen dann..."
- S. 20 ,,Dann preßte es sein Maul..."
- S. 35 ,,Und so marschierten Konrad...", ,,Und wenn sie Leute..."
- S. 49 ,,Aber Onkel Ringelhuth...", ,,Und auch Seidelbast"
- S. 92 ,,Aber da kam.."
- S. 104 ,,Dann steckte er sein..."
- S. 127 ,,Und die Flüssigkeit..."
- S. 148 ,,Dann waren wir noch..."
- S. 158 ,,Und dabei war es..."

2.5 Figuren / Figurenkonstellation

In dem Buch gibt es drei Hauptfiguren: den Jungen Konrad, Herrn Ringelhuth, seinen Onkel und das Pferd Negro Kaballo. Diese drei Figuren möchte ich hier etwas näher vorstellen. Dann gibt es eine Reihe von Nebenfiguren, die ich später in einem Schema versuche darzustellen.

Konrad ist ein Schuljunge, vermutlich der Unterstufe. Im Rechnen ist er ein As. Seine Donnerstagnachmittage verbringt er regelmäßig bei seinem Onkel, den er sehr mag. Der Junge hält sich selbst für phantasielos.

Herr Ringelhuth ist ein recht unkonventioneller Junggeselle. Wenn er kocht, dann entstehen die seltsamsten Kreationen wie zum Beispiel ,,Salzbrezeln mit Preiselbeeren". Sein Neffe Konrad kann ihn gut leiden, da er für jeden Streich zu haben ist, z.B. zum Turnen auf Schrank und Tisch. Onkel Ringelhuth ist sehr einfühlsam und kann Konrad zum Lachen bringen (S. 9: ,,da mußte der Junge kichern, als würde er gekitzelt")

Von Beruf ist Ringelhuth Apotheker und besitzt seine eigene Apotheke. Seinen Beruf nimmt er ernst und ist in seinem Fach kompetent, denn er weiß auch in anderen Welten stets einen guten medizinischen Rat (S. 73). Er wohnt in einem Mehrfamilienhaus in einer Wohnung. Mit einigen Erwachsenen hat er offensichtlich Schwierigkeiten: mit seinem Hauswirt Herrn Waffelbruch (S. 16) und mit seinem Gerichtsvollzieher (S. 9)

Negro Kaballo ist ein arbeitsloses, schwarzes Zirkuspferd, das sprechen und Rollschuh laufen kann. Es ist Nichtraucher und verrückt nach Zuckerstückchen. Das Pferd hat eine gute Allgemeinbildung, mit der es beim Spielen glänzt (S. 18)

In den verschiedenen Phantasiewelten, werden die Reisenden immer wieder mit der Wirklichkeit konfrontiert, wenn sie Personen treffen, die ihnen schon einmal begegnet sind und wenn sich ihnen die reale Welt in überspitzter (Elektropolis) oder in verdrehter (Verkehrte Welt) Form präsentiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.6 Illustrationen

Insgesamt füllen die Illustrationen von Horst Lemke in dieser Buchausgabe etwa der Seiten. Es handelt sich ausschließlich um Schwarzweißzeichnungen. Die Gesichter der dargestellten Personen sind wenig detailliert. Im Gegensatz zu den Gesichtern werden andere Gegenstände sehr genau dargestellt. z.B. das Fischgrätenmuster auf dem Jackett des Onkels oder die Blumen auf dem Balkon der Nachbarwohnungen (S. 17). Besonders anschaulich sind die Bilder des Blumenwaldes (S. 26, 27 und 31), der Burg (S. 57) und des Dschungels (S. 140, S.142 und 143). In den meisten Fällen ist zur räumlichen Gestaltung ein Schatten angedeutet. Besonders auffällig ist der Widerspruch zwischen Buchtext und einem Bild. Auf S.13 erwidert das Pferd Negro Kaballo auf die Aufforderung sich zu setzen: ,, ;Ich stehe lieber', sagte das Pferd. ;Fassen Sie das nicht als Unhöflichkeit auf, aber wir Pferde sind zum Sitzen nicht eingerichtet.'" Sechs Seiten später aber sitzt das Tier beim Kartenspielen am Tisch. Ansonsten geben die Illustrationen eine Ansicht der Erzählung wieder.

3 Kritik

Das Thema für ,,Der 35. Mai" ist aus dem Erlebnisbereich der Kinder übernommen. Viele Kinder können die Situation direkt nachvollziehen, da auch sie schon Hausaufgaben zu erledigen hatten, bei denen ihnen die Herangehensweise nicht klar war. Aber auch losgelöst vom schulischen Bereich ist die Situation einer nicht zu bewältigenden Aufgabe, denke ich, nachvollziehbar. Das Thema schränkt den Leserkreis nicht ein. Allenfalls Kinder, die sich ausgesprochen von phantastischen Geschichten abwenden, können von diesem Stoff nicht erreicht werden.

Das Buch befriedigt beim Leser das Bedürfnis nach Spannung (s.a. Spannungskurve). Die Spannung läßt erst am Ende nach und steigt im Verlauf immer weiter an. Durch die verschiedenen Welten und den immer wiederkehrenden Bezug zur Realität ist für Abwechslung und weitere Nachvollziehbarkeit gesorgt. Da am Ende der Hauptkonflikt gelöst wird, erfährt die Geschichte auch ein annehmbares Ende für den Leser.

Die Sprache orientiert sich stark an kindlichen Bedürfnissen nach Einfachheit und Bildhaftigkeit. Sie wirkt aber nicht oberflächlich, sondern ist auch für mich als erwachsene Leserin ansprechend. Der hohe Anteil an wörtlicher Rede trägt sehr zur Anschaulichkeit bei.

Der unkonventionelle Onkel der Geschichte repräsentiert meines Erachtens eine Wunschfigur für viele junge Leser. Ein Erwachsener, der so jung geblieben ist und für jeden Streich zu haben ist, der ein obendrein noch die Sorgen vertreibt und aufmerksam zuhört, ist eine Bezugsperson, die sich viele Kinder wünschen. Die Originalität des Onkels führt Kinder auch in gewissem Maße an außergewöhnliche Lebensstile heran und erweitert ihre Bandbreite der ,,Normalität".

Die verschiedenen Phantasiewelten lassen genügend Raum für eigene Vor- und Fragestellungen, z.B. Was müßte ich alles essen, damit ich im Schlaraffenland leben dürfte? Wie schaffe ich es noch fauler zu sein als der Bürgermeister des Schlaraffenlandes? Welche Bequemlichkeiten werde ich dort noch finden? Was würde ich mir vorstellen und mit ,,Zurück, marschmarsch!" wieder verschwinden lassen? Leben alle in der ,,Burg zur grossen Vergangenheit" weiter, die schon gestoben sind? Oder: Wie könnte das Leben nach dem Tod wirklich aussehen? Gibt es Erwachsene, die auch mal in die ,,Verkehrte Welt" zur Besserung müßten? Was geschieht dort mit ihnen? Was würde ich tun, wenn alles automatisch geht und ich nur das tun müßte, was ich möchte? Wie sähe Petersilie aus, wenn sie zufällig längs- oder quergestreift wäre?...

Damit werden viele Anreize gegeben, sich mit der Wirklichkeit und der Scheinwelt auseinanderzusetzen. Es eröffnet Kindern, die sich von ihren Eltern unverstanden fühlen, die Perspektive, daß sich vielleicht andere Erwachsene finden, die sehr einfühlsam sind.

Besonders ansprechend ist für Kinder, die vielleicht selbst Probleme bei der Rechtschreibung haben, der Aufsatz Konrads am Schluß des Buches. Sie merken, daß ,,ihr Held" Schwächen hat. Und besonders ermutigend ist auch hier wieder die Rolle des Onkels, der sich an den Fehlern nicht stört, sondern einzig den Inhalt liebevoll zur Kenntnis nimmt.

Der Text gibt auch Anreize für Kinder, die nicht oder nur wenig lesen, denn die Illustrationen machen neugierig darauf, was wohl in dieser Geschichte alles passiert. Wenn man den Anfang gelesen hat, kann man auch Kapitel überspringen und anhand der Bilder und Schilder den Fortgang der Geschichte erraten. Die zumeist kurzen Sätze und die reichliche Auflockerung durch Illustrationen verlocken zum Lesen.

Ich komme jetzt zur Ausgangsfrage zurück, ob Kästner etwas ,,Gutes" gelungen sei. Das möchte ich nach Analyse und Kritik voll unterstützen. Er erfüllt nicht nur die formalen Kriterien, die ich an ein Kinder- und Jugendbuch gestellt habe, sondern erfüllt darüber hinaus auch die inhaltlichen weit über mein gestecktes Maß hinaus.

4 Biographie

1899 Erich Kästner wurde am 23. Februar 1899 in Dresden geboren als Sohn des Sattlermeisters Emil Kästner und Ida Amalia Kästner, geborene Augustin, die einer strebsamen Metzgerfamilie entstammte. Sieben Jahre zuvor hatten sich seine Eltern in Börtewitz verheiratet. Es war eine reine Zweckheirat, Liebe war nicht im Spiel.

Nach der Heirat gründeten Kästners Eltern ein Sattlergeschäft, das jedoch nach kurzer Zeit nur noch Schulden einbrachte, deshalb gingen die Eheleute nach Dresden. Dort arbeitete Kästners Vater in einer Kofferfabrik und Ida Kästner verdiente zum Lebensunterhalt durch Heimarbeit dazu.

Als Erich Kästner geboren wurde, bekam das Leben Ida Kästners einen neuen Sinn. Sie kümmerte sich um eine größere Wohnung, damit sie noch Geld aus Untervermietung hinzuverdienen konnte. Sie setzte alles daran, ihrem Sohn einmal ein besseres Leben zu ermöglichen. Die Beziehung zwischen Mutter und Sohn wurde sehr innig. Der Vater dagegen spielte eine untergeordnete Rolle in Kästners Leben.

Schon sehr früh, wahrscheinlich auch davon angeregt, daß die Untermieter der Familie häufig Lehrer waren, entwickelte sich bei dem Jungen der Wunsch, Lehrer zu werden. Darüber freute sich seine Mutter sehr.

Die Schulzeit brachte Kästner mit Bravour hinter sich, in seinen Zeugnissen wimmelte es von Einsen, er war wißbegierig und fleißig. Nach eigenen Angaben versäumte er keinen einzigen Schultag. Auch ansonsten machte Kästner seinen Eltern keinerlei Kummer, er war ordentlich und hilfsbereit. Er erledigte Hausarbeit, machte Einkäufe und kochte das Essen. Regelmäßig ging er seiner Mutter zur Hand, die im Alter von fünfunddreißig Jahren noch den Beruf der Friseurin gelernt hatte und in ihrer Privatwohnung die Leute frisierte.

Besonders prägten Erich Kästner die vielen Wanderungen, die seine Mutter mit ihm in den Ferien unternahm. Er lernte sein Heimatland auf ,,Schusters Rappen" kennen. Ida Kästner schürte in ihm auch die Liebe zum Theater. Sie besuchte mit ihm so viele Aufführungen wie möglich, dabei mußten sie meist mit den billigen Stehplätzen vorlieb nehmen.

1913 begann Kästner dann seine Ausbildung im Lehrerseminar in Dresden. Diese empfand er als unzweckmäßigen Drill und Ungerechtigkeit. Als nach Kriegsbeginn in

1917 dem Lehrerseminar die ersten toten Kameraden gemeldet werden, entwickelte Erich Kästner immer mehr seine antimilitaristische Haltung, die sich weiter ausprägt, als er 1917 seine Einberufung erhält und dort unmenschlich gehetzt und gequält wird. Kästner trägt eine Herzschwäche aus dem Krieg davon.

1919 Nach dem I. Weltkrieg entschied sich Kästner, noch zu studieren. 1919 besuchte er das Gymnasium, lernte Englisch nach und erreichte nicht nur das Abitur, sondern auch das ,,Goldene Stipendium der Stadt Dresden", wodurch er die Eltern finanziell entlastete. Im Herbst 1919 schrieb er sich in die Leipziger Universität ein und studierte Literatur, Geschichte und Philosophie. Von seinen Professoren wurde Kästner von Anfang an gemocht und gefördert.

1920 wurde das Heft ,,Dichtungen Leipziger Studenten" veröffentlicht, es enthielt bereits drei Gedichte des jungen Studenten. Diese waren jedoch schriftstellerisch unauffällig, ohne eigenen Stil.

1924 Kästner studierte auch je ein Semester in Rostock und eines in Berlin, bevor er nach Leipzig zurückkehrte. Kästner arbeitete unablässig neben seinem Studium. Aus Spaß schickte er einmal eine Glosse an das ,,Leipziger Tageblatt". Darauf folgte ein Gespräch mit dem Verlagsdirektor, der ihm eine Stelle als Redakteur anbot. Von da an war Kästner Student und Redakteur in einer Person. 1924 schloß Kästner das Studium ab. Ein Jahr später promoviert Kästner an der Leipziger Universität zum Dr. phil.

Seine Dissertationsschrift erhielt als einzige in dem Jahrgang die Note ,,Sehr gut".

Bei seinen Kollegen bei der Zeitung war er anerkannt, wegen seines treffsicheren, satirischen Stils. Er arbeitet dort gern bis er nach zwei Redaktionsjahren aufgrund eines unliebsamen Vorfalls fristlos gekündigt wird. Kästner geht nach Berlin, dort arbeitet er unter anderem an den Zeitungen ,,Weltbühne", ,,Berliner Tageblatt" und ,,Frankfurter Zeitung" mit.

1928 1928 erschien sein erster Gedichtband ,,Herz auf Taille" und außerdem sein erstes Kinderbuch ,,Emil und die Detektive". Bald folgten die nächsten Gedichtbände und

1931 weitere Kinderbücher (1931 ,,Pünktchen und Anton" und ,,Der 35. Mai" und 1933

1933 ,,Das fliegende Klassenzimmer"). Dann folgt die düstere Zeit des Nationalsozialismus, die Kästner mit Zivilcourage meisterte. Am 10. Mai 1933 war er selbst anwesend, als seine Bücher auf dem Schloßplatz in Berlin verbrannt werden. Keinen Gedanken verschwendete er daran, seine Heimat, Deutschland, zu verlassen. Zweimal wurde er verhaftet. Zunächst durfte er noch im Ausland publizieren, später folgte das endgültige Berufsverbot. Trotzdem gelang es ihm immer wieder, sich über Wasser zu halten und schriftstellerisch tätig zu sein.

1946 Zum Kriegsende hielt sich Kästner mit einer Filmexpedition in Mayrhofen auf, daher entschied er sich nach dem Krieg für einen nahegelegenen neuen Wohnsitz in München. Dort fand er mit ,,Lotte" Anfang 1946 eine Wohnung in Schwabing.

Nicht müde wird Kästner Feuilletonleiter, in der frisch gegründeten ,,Die Neue Zeitung". Am ersten Januar erschien beim Rowohlt Verlag die erste Jugendzeitschrift ,,Pinguin", an der der Fünfundvierzigjährige mitgearbeitet hatte. Auch machte er sich durch kabarettistische Texte für die ,,Schaubude" einen Namen.

1946 reiste er nach Berlin und Dresden, wo er seine Eltern wiedertraf. Das Bild seiner zerstörten Heimatstadt und seiner verhärmten Eltern, besonders wieder der Mutter, erschütterte ihn zutiefst.

1947 1947 schrieb Kästner seinen Traum vom Frieden in einem Kinderbuch nieder: ,,Die Konferenz der Tiere".

1948 unterdrückt die Währungsreform Unternehmen wie den ,,Pinguin" und die ,,Schaubude".

1949

1950 1949 schrieb Kästner das Drehbuch zu dem Kinderfilm ,,Das doppelte Lottchen", der 1950 in Berlin uraufgeführt wurde und den ersten Bundesfilmpreis erhielt. Nach

1051 Kästners Ansicht müssen Jugendbücher, Film und Rundfunk eine Verantwortung gegenüber der jungen Leuten übernehmen, denn diese seien nach wie vor beeinflußbar.

1951 starb Kästners geliebte Mutter, 1957 stirbt auch sein Vater.

1957 Nach der bitteren politischen Satire ,,Die Schule der Diktatoren", erschien 1957 das autobiographische Buch ,,Als ich ein kleiner Junge war". 1957 sollte auch aus einem anderen Grund ein bedeutendes Jahr für Kästner werden: Fridel Siebert gebar am 15. Dezember den gemeinsamen Sohn Thomas. Das Buch, ,,Als ich ein kleiner Junge war", wurde ein internationaler Erfolg, denn es wurde bald, genauso wie ein Teil der Kästnerschen Kinderbücher, in verschiedenste Sprachen übersetzt - und gelesen.

1958 Mit den ausgehenden 50er Jahren verstärkte Kästner sein politisches Engagement. Er beteiligte sich an Demonstrationen gegen Atomwaffen und setzte sich energisch dafür ein, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. In diesem Zusammenhang hält er auch 1958 eine Rede zur Bücherverbrennung vor 25 Jahren.

1961 Sein schriftstellerisches Engagement wurde nach seinem 60. Geburtstag etwas verhaltener, da er bereits einige Zeit unter Lungenschmerzen litt. Als er 1961 nach

1962 Wien zu einer Lesung fuhr, bekam er einen Ischiasanfall und bei der Untersuchung in der Universitätsklinik wurde Tuberkulose diagnostiziert. Da man ihm eine

1963 Luftveränderung dringend empfahl, reiste er 1962 das erste Mal ins Tessin für einen

1964 anderthalbjährigen Kuraufenthalt. Allerdings machte er den Ärzten Sorgen, denn das Rauchen war ihm ebensowenig abzugewöhnen wie das Whisky-Trinken, das er regelmäßig in einem kleinen Ristorante tat. Seine gesundheitliche Verfassung besserte sich dennoch, so daß die Arbeitslust zu ihm zurückkehrte. Es folgen z.B. der Kinderroman ,,Der kleine Mann" (1963). 1964 kehrt Kästner noch einmal ins Sanatorium zurück.

1965 32 Jahre nach der faschistischen Bücherverbrennung kam es 1965 zu einer erneuten Verbrennung Kästnerscher Bücher, die vom Evangelischen Jugendbund für entschiedenes Christentum ausging und vom Ordnungsamt in Düsseldorf genehmigt worden war. Kästner war über diesen Vorgang zutiefst erschüttert. Und auf die Frage, was er am Abend in Düsseldorf lesen werde, antwortete er den Journalisten, daß er etwas sehr aktuelles lesen werde, nämlich die Rede zur Bücherverbrennung, die er bereits sieben Jahre zuvor gehalten habe.

1974 Aufgrund seiner Krankheit wurde es Ende der 60er Jahre stiller um den Schriftsteller. Seinen 75. Geburtstag feiert er 1974 noch im engsten Freundeskreis. Im Juli des gleichen Jahres stirbt Kästner im Münchner Krankenhaus Neuperlach.

5 Literaturangaben

1. Albrecht, Günter / Böttcher, Kurt / Greiner-Mai, Herbert / Krohn, Paul Günter Deutsches Schriftstellerlexikon Von den Anfängen bis zur Gegenwart 4. ergänzte und bearbeitete Ausgabe Weimar, Volksverlag, 1963
2. Bemmann, Helga Humor auf Taille Erich Kästner - Leben und Werk 4. Auflage Berlin, Verlag der Nation, 1988
3. Enderle, Luiselotte Erich Kästner 62. - 64. Tausend Hamburg, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, 1989

4. Kästner, Erich Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee 2. Auflage Berlin, Der Kinderbuchverlag, 1988

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Details

Titel
Kästner, Erich - Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee
Veranstaltung
Seminar: Aktuelle Tendenzen der Kinder- und Jugendliteratur (Deutsch als Grundschulfach); Seminarleiter: Dr. N. Schulz
Autor
Jahr
1997
Seiten
18
Katalognummer
V95637
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kästner, Erich, Konrad, Südsee, Seminar, Aktuelle, Tendenzen, Kinder-, Jugendliteratur, Grundschulfach), Seminarleiter, Schulz
Arbeit zitieren
Stefanie Plener (Autor), 1997, Kästner, Erich - Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95637

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