Rot-Grün-Schwäche bei Männern. Stellt diese heutzutage noch ein Problem im Alltag dar?


Facharbeit (Schule), 2018

28 Seiten, Note: 15 Punkte (1+)

Anonym


Leseprobe

4 Inhaltsverzeichnis

1 Deckblatt

2 Titelblatt

3 Kurzfassung

4 Inhaltsverzeichnis

5 Einleitung
5.1 Durchführung
5.2 Die R-G-S und ihre biologischen Hintergründe
5.3 Farbsehtestverfahren nach Ishihara

6 Hauptteil

7 Fazit

8 Anhang
8.1 Besondere Erlebnisse der Probanden, erzählte Geschichten
8.2 Abkürzungsverzeichnis
8.3 Literatur- und Quellenverzeichnis
8.4 Anhang 1
8.5 Anhang 2
8.6 Anhang 3
8.7 Anhang 4
8.8 Anhang 5

3 Kurzfassung

In meiner Facharbeit beschäftige ich mich mit der Fragestellung, ob die Rot-Grün-Schwäche (R-G-S) heutzutage noch ein Problem im Alltag darstellt.

Früher, als die Menschen selbst jagen und Beeren pflücken mussten, kam es ggf. bei einer ausgeprägten R-G-S zu lebensbedrohlichen Situationen, wenn die Farbe der Früchte beispielsweise nicht eindeutig identifiziert werden konnte. Dies führte möglicherweise zum Verzehr von giftigen oder ungenießbaren Beeren. Darüber hinaus konnten gefährliche Tiere, die sich durch eine rote oder grüne Tarnfarbe schützten, nicht erkannt werden.

Heute stellt die R-G-S in der Regel keine Lebensbedrohung mehr dar, sie ist aber weiterhin nicht heilbar.

Für meine Arbeit habe ich gezielt zwölf männliche Probanden mit einer bereits bekannten R-G-S ausgewählt. Ich entwickelte einen Fragebogen und führte verschiedene Farbsehtests mit den Testteilnehmern durch. Außerdem wollte ich herausfinden, wie ausgeprägt die Farbsehschwäche ist und wie die eigene Wahrnehmung der Beeinträchtigung bewertet wird, um feststellen zu können, ob die R-G-S heutzutage noch ein Problem im Alltag darstellt.

Insgesamt konnte ich bei meinen Probanden abhängig vom Schweregrad und der eigenen Wahrnehmung Beeinträchtigungen im Alltag feststellen.

Um diesen betroffenen Personenkreis und damit ca. 8 % aller Männer weltweit im Alltag zu unterstützen, könnten einfache Hilfsmittel zum Einsatz kommen.

Möglich wäre dies durch Weiterentwicklung der vor einigen Jahren in Amerika erforschten „Enchroma Rot-Grün-Brille“, die in meiner Arbeit bei einem Probanden getestet wurde. Zusätzlich bestände die Möglichkeit, eine andere Anzeige von Betriebszuständen technischer Geräte (z.B. Ladegerät, Alarmanlage, Klimaanlage, Kaffeemaschine) zu wählen, indem anstelle von Rot-Grün Dioden andere Farbdarstellungen verwendet würden. Außerdem könnte eine zusätzliche Alltagserleichterung entstehen, wenn in der Schule bei Präsentationen möglichst keine Diagramme und Darstellungen mit Rot-Grün-Farben verwendet würden sowie anstelle von Laserpointern Zeigestöcke zum Einsatz kämen.

5 Einleitung

„Ich sehe was, was du nicht siehst!“ Diesen Satz hat jeder schon einmal gehört, doch der Spruch beschreibt nicht nur das beliebte Kinderspiel, sondern auch den Alltag einer Person mit Rot-Grün-Schwäche (R-G-S) sehr gut; denn diese haben oft Probleme damit, vor allem Rot- und Grüntöne eindeutig zu identifizieren. Da ein Verwandter von mir diese Sehschwäche hat und ich schon immer mehr darüber wissen wollte, habe ich mich entschieden, eine Facharbeit über das Thema zu schreiben. Insbesondere wollte ich untersuchen, ob die R-G-S heutzutage noch ein Problem im Alltag darstellt und wenn ja, mit welchen Schwierigkeiten die Betroffenen zu kämpfen haben. In vielen Gesprächen habe ich im Vorfeld festgestellt, dass nur wenige Menschen wissen, dass es diese Sehstörung gibt. Das stellte eine weitere Motivation für mich dar, diesen Personenkreis in meinem Umfeld darüber zu informieren und mehr Verständnis zu erreichen. Rot-Grün-Schwachen ist es oft unangenehm, mit Fremden über dieses Thema zu reden. Dies berichteten mir die Probanden regelmäßig während der Testbearbeitung.

5.1 Durchführung

Hinsichtlich meiner Überlegungen habe ich zunächst einen Fragebogen entwickelt, der sich allgemein auf die R-G-S der Testperson, auf Probleme und deren Bewältigungen bezieht (vgl. Anhang 1). Anschließend sollten die Probanden mit Hilfe von zwei Bildern feststellen, ob sie eine Rot-, eine Grün-Schwäche oder beides besitzen (vgl. Anhang 2). In einem weiteren von mir entwickelten Testbogen (vgl. Anhang 3) sollte die Rot-Schwäche näher beleuchtet werden. Hierzu mussten die Testpersonen zuerst ein sogenanntes „Ishihara-Testbild“ anschauen und bewerten sowie anschließend zusätzliche Farbsehtests durchführen. Dazu gehörte der Vergleich von farbunterschiedlichen Erdbeeren in einem Korb, einzelnen Erdbeeren sowie von Obst an einem Stand mit und ohne roten Farbanteilen. Des Weiteren bekamen alle die Aufgabe, drei Ampeln im gleichen Farbton und selber Intensität abzumalen. Die dazu benötigten Farbstifte waren bei jeder Testperson dieselben, damit alle die gleichen Voraussetzungen hatten. In Folge kam mein entworfener Farbsehtest für die Grün-Schwäche zum Einsatz (vgl. Anhang 4). Die Probanden mussten hier die grünen Farbunterschiede bei den Bildern mit Flamingos, unreifen Tomaten und einem Hund im Tulpenfeld erkennen. Zwei Aufgaben aus dem Test der Rot-Schwäche befinden sich der Vollständigkeit halber dort nochmals („Ishihara-Testbild“ sowie „Ampel-Bild“), sie mussten allerdings nicht doppelt durchgeführt werden.

Der letzte Teil meines Farbsehtests bestand darin, dass die Testpersonen gleich verteilte Farbstifte in die Kategorien „Rot“, „Grün“ und „Andersfarbig“ einsortieren sollten. Die Ergebnisse der jeweiligen Zuordnungen habe ich abfotografiert (vgl. Anhang 5), damit ich diese untereinander vergleichen und Besonderheiten sowie Auffälligkeiten dokumentieren kann.

5.2 Die R-G-S und ihre biologischen Hintergründe

Die R-G-S ist meist angeboren, kann in seltenen Fällen aber auch durch „Krankheiten der Netzhautmitte oder des Sehnervs“ (Prof. Dr. med. Dr. h.c. Grehn 2013: 220) erworben sein. Die Vererbung erfolgt genetisch rezessiv über das 23. X-Chromosom (vgl. Gerhard, undatiert). Somit ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau an der R-G-S erkrankt deutlich geringer als bei der männlichen Bevölkerung. Dies zeigen auch wissenschaftliche Studien, in denen herausgefunden wurde, dass 8% der Männer und nur 0,4% der weiblichen Bevölkerung betroffen sind (vgl. Prof. Dr. med. Dr. h.c. Grehn 2013: 219f.). Zwei Beispiele möglicher Vererbungsmuster sind im Anhang abgebildet (vgl. Optik Klüttermann Verwaltungs GmbH, undatiert).

Es gibt verschiedene Arten von Farbschwächen oder Farbblindheiten (vgl. Silbernagl/Lang 1988: 324), die allgemein unter dem Begriff „Farbsinnstörung“ (Lang 2005: 334) zusammengefasst werden. Hier unterscheidet man nochmals zwischen der „anomale[n] Trichromasie“ (Sachsenweger 2003: 369) (Farbsehschwäche), der „Dichromasie“ (Lang 2005: 335) (teilweise Farbenblindheit) und der „Achromatopsie“ (Sachsenweger 2003: 369) (völlige Farbenblindheit). Die R-G-S gehört der anomalen Trichromasie an und lässt sich in die „Deuteranomalie“ (Lang 2005: 335) (Grünschwäche) und die „Protanomalie“ (Lang 2005: 335) (Rotschwäche) unterteilen.

Damit unsere Umwelt überhaupt für uns sichtbar werden kann, muss zuerst Licht auf die Hornhaut unseres Auges treffen. Von dort dringt das Licht weiter durch die Linse, das Kammerwasser und den Glaskörper, bevor es die Netzhaut (Retina) mit ihren Fotorezeptoren, Stäbchen und Zapfen, erreicht. Das Licht, eine elektromagnetische Strahlung, wird im Auge in Nervenimpulse umgewandelt und über den Sehnerv „Nervus opticus“ an das Gehirn weitergeleitet. (vgl. Silbernagl/Lang 1988: 300).

Die ca. 6 Millionen Zapfen werden für das (farbige) Sehen von Einzelheiten bei heller Beleuchtung (phototopisches Sehen) verwendet, während die ca. 120 Millionen Stäbchen das (schwarz-weiße) Sehen bei schlechter Beleuchtung (skotopisches Sehen, Dämmersehen) ermöglichen. Die meisten Fotorezeptoren befinden sich im gelben Fleck, dem Zentrum der Netzhaut. In den Zapfen und Stäbchen sind die sog. Sehfarbstoffe enthalten (vgl. Dr. Ebel/Erdmann, Andrea/ Erdmann, Ulf/Harrar/Dr. Müller 2015: 70ff.) & (vgl. Silbernagl/Lang 1988: 300).

Die für das Farbsehen verantwortlichen Zapfen werden in weitere drei Kategorien eingeteilt: Blaurezeptoren (S-Zapfen, von „small“, da sie kurze Wellenlängen von 420 nm am stärksten absorbieren können), Grünrezeptoren (M-Zapfen, von „medium“, die mittellange Wellenlängen von 534 nm am besten absorbieren können) und Rotrezeptoren (L-Zapfen, die lange Wellenlängen von 564 nm am stärksten absorbieren können). (vgl. Gerhard, undatiert)

Der Vererbung der R-G-S entsteht wie folgt: Das grüne Farbsehpigment (M-Iodopsin) des Grünrezeptors kommt im Gegensatz zum roten Farbpigment (L-Iodopsin) des Rotrezeptors, welches immer nur einmal vorhanden ist, in ein bis dreifacher Kopie vor. Beim Crossing-Over während der Meiose kann es passieren, dass auch ungleiche homologe Rekombinationen auftreten können. Einfacher ausgedrückt, entstehen durch den Austausch von Abschnitten zwischen Rot- und Grüngenen Hybridgene. Dadurch kann es zum Ausfall des Rot- oder Grüngens (Rot-Grün-Blindheit) oder zur Ausbildung von Pigmenten mit abweichenden Absorptionsmaxima kommen, was sich dann als R-G-S äußert. (vgl. Autor unbekannt , 2017)

5.3 Farbsehtestverfahren nach Ishihara

Zur Diagnostik einer R-G-S wurden u.a. die pseudoisochromatischen Tafeln nach Ishihara entwickelt, die auch bei einer Augenarzt-Untersuchung eingesetzt werden. Dabei wird einer Person ein Bild mit vielen Kreisen gezeigt. Einige Kreise haben eine andere Farbe als der Hintergrund und stellen zwei unterschiedlich farbige Zahlen dar. Beispielsweise kann sich die erste Ziffer der ersten Zahl innerhalb der Kontur der ersten Ziffer der zweiten Zahl befinden und die zweite Ziffer der ersten sowie zweiten Zahl können im Beispiel deckungsgleich sein (vgl. Anhang 3 und 4). Bei bestehender R-G-S wird i. d. R. mindestens eine Zahlen nicht erkannt (vgl. Sachsenweger 2003: 364).

6 Hauptteil

6.1 Fragebogen und Farbsehtests

Um die R-G-S und die damit möglicherweise einhergehenden Beeinträchtigungen beurteilen zu können, habe ich mehrere Tests zusammengestellt und entworfen (vgl. Anhang 1-4 & Testbilder mit sortierten Stiften). Damit soll herausgefunden werden, ob die R-G-S heutzutage noch ein Problem im Alltag darstellt, denn vor vielen Jahrtausenden könnte es teilweise zu lebensbedrohlichen Situationen z.B. bei der Nahrungssuche gekommen sein. Um zu überprüfen, wie die Wahrnehmung und das Wissen von Personen mit einer R-G-S selbst eingeschätzt werden, habe ich insgesamt 12 männliche Probanden zwischen 12 und 60 Jahren mit einer bekannten R-G-S ausgewählt. Alle Testpersonen erhielten einen von mir entwickelten Fragebogen und mussten verschiedene, eigen entwickelte Farbsehtests durchführen.

Zur ersten Fragestellung an die Probanden, ob die R-G-S eine schwere Beeinträchtigung im Alltag darstellt, beantworteten 41,7 %, dass Einschränkungen vorhanden sind. Im Verlauf meines Tests stellte sich zusätzlich heraus, dass alle Testpersonen Beeinträchtigungen im Alltag wahrnehmen ( vgl. Anhang 1).

Meine zweite Frage sollte klären, ob die Probanden wissen, wie stark die Ausprägung ihrer Schwäche ist. 6 Testpersonen wusste nicht, ob sie eine Rot-, Grün- oder Rot-Grün-Schwäche besitzen. Demnach hat sich die eine Hälfte der Probanden mit der Farbsehschwäche näher beschäftigt, die andere Hälfte jedoch nicht. Dies kann mit der Intensität und der damit einhergehenden Beeinträchtigungen der Schwäche zusammenhängen, es könnten aber auch andere Gründe, wie z. B. Scham oder Desinteresse wegen fehlender Therapiemöglichkeiten, eine Rolle spielen. ( vgl. Anhang 1)

Ob die Probanden wissen, dass sie nicht alle Berufe ausüben können, wie z.B. Pilot oder Chemielaborant, ermittelte ich mit meiner nächsten Frage. Alle Testpersonen antworteten mit „ja“. Offensichtlich ist allen bewusst, dass sie mit Einschränkungen leben müssen. Ein Drittel der betroffenen Probanden gab an, dass sie gerne in einem Bereich arbeiten wollen/wollten, der wegen ihrer Sehbehinderung ausgeschlossen wird/wurde. Proband 6 hätte gerne einen LKW-Führerschein bei der Bundeswehr erworben, was ihm wegen der Sehschwäche jedoch nicht möglich war. ( vgl. Anhang 1)

Mit meiner folgenden Fragestellung wollte ich herausfinden, wo bzw. wann Probleme oder Komplikationen im Alltag auftreten. Probanden 2 und 4 gaben dazu keine Beispiele an. Alle anderen Probanden, das waren 83,3% der Befragten, nannten folgende Probleme: Beispielsweise bei Tafelbildern im Unterricht, PPT-Präsentationen, befleckter Kleidung, schimmligem Obst, Flecken, Ampeln, beim Pilze sammeln, im Kunstunterricht, bei schnell wechselnden Rot-Grün-Lichtsignalen, etc. ( vgl. Anhang 1)

Anhand meiner nächsten Frage wollte ich herausfinden, ob die Betroffenen möglicherweise Strategien entwickelt haben, ihre Beeinträchtigungen zu kompensieren. Proband 7 wendet einen interessanten Trick bei Betrachtung der Blätter im Sommer an. Hier zieht er den logischen Schluss, dass diese Blätter grün sein müssen, obwohl er sie beispielsweise rötlich wahrnimmt. Drei der Testpersonen (1/4 aller Probanden) berichteten, dass es hilfreich sei, bei Unsicherheiten auf andere Leute zuzugehen. Dies stellt aber häufig eine Überwindung dar, denn die Sehschwäche wird damit offenkundig. Mehr als die Hälfte aller Befragten gab an, keine Tricks für die Bewältigung der Sehschwäche im Alltag anzuwenden. Das könnte einerseits daran liegen, dass ihnen gewisse Tricks nicht bewusst sind und diese dennoch unbewusst angewendet werden, andererseits sind möglicherweise Farbsehbeeinträchtigungen durch die Anwendungen von Tricks nicht zu beheben. ( vgl. Anhang 1)

Des Weiteren wollte ich von den Probanden erfahren, ob ihnen bekannt ist, dass eine Rot-Grün-Brille (R-G-B) für die Farbsehschwäche entwickelt wurde. Diese Brille soll die Kontrastschärfe verstärken, um besser zwischen den Farben differenzieren zu können. Zwei Testpersonen kannten diese Brille, darunter Proband 7, der eine solche Brille sogar besitzt. Bedauerlicherweise bringt sie seiner Meinung nach nicht den gewünschten Effekt. Diese Testperson lieh mir die Brille aus, um sie bei Proband 9 testen zu können. Proband 5 erfuhr von der Existenz der Sehhilfe durch seine Tochter, die als Augenärztin über die neuesten Entwicklungen informiert ist. Die restlichen 9 Testpersonen hatten keine Informationen über eine möglicherweise Verbesserung ihrer Sehfähigkeit mit Hilfe einer Brille. Der Einsatz der ausgeliehenen Sehhilfe bei Proband 9 brachte ebenfalls seiner Wahrnehmung nach keine signifikanten Farbsehbesserungen. ( vgl. Anhang 1)

Meine folgende Fragestellung war, ob ein Kauf einer R-G-B für die Probanden in Frage kommt. Zusätzlich zur Testperson 7, welche bereits eine Brille besitzt, dachten zwei weitere Testteilnehmer über den Kauf einer R-G-B nach. ( vgl. Anhang 1)

Schließlich sollten mir die Probanden mitteilen, was sie bezüglich ihrer Sehschwäche noch erwähnenswert finden. Die Hälfte aller Testpersonen schrieben folgende beispielhafte Überlegungen dazu auf: Proband 1 erläuterte: „Ich kann trotzdem damit leben“. Proband 3 meinte, er habe Probleme bei hellen Farbtönen. Testperson 6 kann verschieden farbig markierte Felder sehr schwer identifizieren und Proband 7 war der Meinung, das Kriterium „Farbe“ läge in der Differenzierung der Wahrnehmung weit hinten. ( vgl. Anhang 1)

Die letzte Frage beschäftigt sich mit der Vererbung der Schwäche bei den Betroffenen. Drei Probanden gaben an, dass sie die Schwäche vom Vater geerbt haben müssten, acht wussten es nicht und Proband 5 meinte, dass die Vererbung mütterlicherseits stattgefunden haben müsse. Testperson 7 erwähnte, dass sie nicht genau wisse, von wem sie die Schwäche vererbt bekommen hat. ( vgl. Anhang 1)

Im Folgenden beschreibe ich die Ergebnisse der mit den Probanden durchgeführten Sehtestverfahren. ( vgl. Anhang 2-10)

Beim ersten (Test I) wollte ich mit Hilfe zweier Bilder herausfinden, ob die Probanden eine Rot-Schwäche, eine Grün-Schwäche oder beides haben. Vier Teilnehmer (5, 6, 7, 10) zeigten keine R-G-S bei diesem Test. Bei drei Personen (8, 9, 11) konnte eine Rot-Schwäche, bei sechs Probanden (1, 2, 3, 9, 11, 12) eine Grün-Schwäche festgestellt werden. Testperson 4 hatte Anteile einer Grün-Schwäche. (vgl. Anhang 2 und Anhang 7) Dieses Ergebnis passt tendenziell zu Untersuchungen, die zeigen, dass die Deuteranomalie bei 5% der Männer auftritt, während die Protanomalie nur bei 1% der männlichen Bevölkerung zu finden ist (vgl. Lang 2005: 335).

Im Test II für die Rot-Schwäche wollte ich die Protanomalie differenzierter untersuchen. Dazu habe ich als ersten Test eine Ishihara-Farbtafel eingefügt, bei der die Zahlen 17 und 47 hätten erkannt werden müssen. Die Ergebnisse fielen individuell sehr unterschiedlich aus: Sieben Probanden haben eine 17 erkannt, einer eine 11, zwei eine 19, einer eine 49, nochmals einer eine 12 und außerdem noch zwei, die eine 27 identifizieren konnten. Proband 6 beispielsweise hat vier Zahlen erkannt, worunter auch die beiden richtigen Zahlen „17“ und „47“ waren. Keiner der Testpersonen konnte beide Zahlen richtig sehen, sondern bestenfalls nur eine richtige Zahl oder zwei richtige mit weiteren falschen bzw. nicht vorhandenen Zahlen. Beim nächsten Erdbeerkorb-Bild wollte ich wissen, ob die Probanden einen Unterschied feststellen konnten. Drei Testpersonen fanden keine Divergenzen, alle anderen hatten große Übereinstimmungen in dem, was sie sahen. Die meisten beschrieben, dass das rechte Bild (Korb mit grauen Erdbeeren) eher matter und die Erdbeeren dunkler seien, aber dennoch rot und das linke Bild (Korb mit roten Erdbeeren) generell heller, sowie künstlicher erschiene als das rechte. Einige Testpersonen nahmen das rechte Bild realitätsgetreuer war. Die nächsten Testbilder zur Rot-Schwäche stellen jeweils eine einzelne große Erdbeere dar, wobei die linke für „Normalsichtige“ hellrot und die rechte olivgrün ist. Hier waren sich fast alle einig, dass die rechte Erdbeere grün ist oder zumindest einen Grünstich hat, wohingegen die linke Erdbeere rot, manchmal unnatürlich rot erschien ( vgl. Anhang 3). Als nächsten Test ließ ich die Probanden Bilder eines Obststandes (links verschieden farbiges Obst, rot/bunt; rechts gelbes/grünes Obst) vergleichen. Acht Testpersonen sahen keinen Unterschied, nur vier Personen konnten kleinere Unterschiede feststellen. Die letzte Testaufgabe zur Rot-Schwäche bestand darin, drei vorgegebene Ampeln mit unterschiedlich farbigen Lichtern abzumalen. Hieran scheiterten fast alle Probanden, wobei erwähnenswert ist, dass mehrere aber die knalligen Farben (linke Ampel oben, mittlere Ampel in der Mitte, rechte Ampel unten) richtig ausgemalt haben. Ansonsten fielen die Ergebnisse sehr unterschiedlich und individuell aus, was mit der einzelnen Sehschwäche-Ausprägung zusammenhängen könnte. (vgl. Anhang 3 und Anhang 8)

Der nachfolgende Sehtest II beschäftigte sich mit der Untersuchung der Grün-Schwäche (Deuteranomalie). Vollständigkeitshalber fügte ich das Ishihara- sowie das Ampel-Testbild nochmals ein, welche von den Probanden aber nicht doppelt bearbeitet werden mussten. Als ersten Test sollten zwei Bilder verglichen werden, auf denen Flamingos abgebildet waren. Niemand konnte einen Unterschied zwischen den im linken Bild stehenden Flamingos im grün reflektierten Wasser und dem rechten Bild mit Flamingos in bräunlich aussehendem Wasser erkennen. Nur Proband 10 sah, dass das rechte Bild etwas bräunlicher ist. Beim nächsten Bildervergleich (linkes Bild mit Tomaten inkl. grünen Tomaten; rechtes Bild grüne Tomaten nicht mehr deutlich von anderen zu trennen) haben dahingegen 7 Probanden einen Unterschied feststellen können. Die Teilnehmer sahen hier mehr Kontrast- und Helligkeitsunterschiede als Farbveränderungen. Manche beschrieben, dass das rechte Bild schärfer sei als das linke, andere empfanden es eher als blass. Einige Probanden sahen eines der Bilder an bestimmten Stellen heller oder dunkler als den Rest. Beim folgenden Bildvergleich (links: laufender Hund im bunten Tulpenbeet mit viel Grünanteil; rechts: gleiches Bild mit verblasstem Grünanteil) erkannte nur Proband 5 einen Unterschied; er sah im rechten Bild mehr Blautöne. (vgl. Anhang 4 und Anhang 9)

Abschließend wurde der von mir selbst konzipierte „Stifte-Test“ durchgeführt. Die Farbseh-Prüfung bestand darin, die mitgebrachten Stifte in die Kategorien „Rot“, „Grün“ und „Andersfarbig“ zu sortieren. Die Ergebnisse fielen sehr individuell aus, von allen Probanden wurden viele Stifte falsch zugeordnet. Auffällig war, dass 6 Probanden den dunkelocker-farbigen Stift entweder zu rot oder grün sortierten, anstatt zu „Andersfarbig“. ( vgl. Anhang 5)

6.2 Test mit Rot-Grün-Brille (R-G-B) von Enchroma

Die Entwickler der R-G-B von Enchroma haben Linsen, die „cutting out sharp wavelengths of light to enhance specific colors“ (Enchroma Team, undatiert) erforscht sowie mit Hilfe von Computern versucht, Methoden zu entwickeln, die Photopigmente besser trennen können.

Proband 7, der im Besitz einer solchen Brille ist, hat diese bereits im Alltag getestet, konnte aber auch nach der eingehaltenen Mindesttragezeit von einer Stunde keine Verbesserung der Farbsehfähigkeit feststellen. Er lieh mir die Brille, um sie bei Proband 9 zusätzlich testen zu können.

Alle Farbsehtests habe ich nach einer mindestens einstündigen Tragezeit nochmals mit Testperson 9 durchgeführt. Die erwünschte deutliche Farbverbesserung blieb aus. Er konnte lediglich beim ersten Test das Wort „Grün-Schwäche“ lesen, was vorher nicht möglich war. Beim Rot-Schwäche-Test beschrieb er die linken Erdbeeren im Korb als „etwas heller rot“. Beim Ausmalen der Ampeln zeigte sich, dass er die Farben durch die Brille anders wahrnimmt, aber sie größtenteils immer noch falsch zuordnete. Ohne Brille hatte er die Rot- und Grüntöne nur verwechselt, mit Brille wurden mehr Kreise in rot ausgemalt. Beim Sortieren der Stifte in die Kategorie „Grün“ hat er sich verschlechtert, da die Testperson dort noch einen dunkelbraunen Stift zusätzlich einsortierte. Die Rottöne wurden bei diesem Test auch schlechter identifiziert. Außerdem lagen die meisten Stifte mit Brauntönen nach dem Sortieren bei „Rot“. (vgl. Anhang 5, Proband 9 mit Brille)

6.3 Diskussion

Die Frage nach der Beeinträchtigung durch die R-G-S im Alltag ist nicht klar und eindeutig zu beantworten und bedarf einer differenzierten Betrachtungsweise. Um dies näher herauszufinden, habe ich mit 12 männlichen Testpersonen, bei denen eine R-G-S bekannt war, einen eigen entwickelten Fragebogen und Farbsehtests durchgeführt. Zusätzlich sollten Fragen zur R-G-S und deren Beeinträchtigung im Alltag beantwortet werden. Ein Proband wurde außerdem mit der sog. Rot-Grün-Brille getestet. Um die Beeinträchtigung durch die R-G-S im Alltag feststellen zu können, sollte zunächst die genaue Art der Schwäche (Rot, Grün oder Rot-Grün) und die Intensität dieser mit Hilfe der Sehtestverfahren festgestellt werden. Der Ishirara-Test, welcher auch bei Augenärzten zur Anwendung kommt, scheint zur grundsätzlichen Diagnostik der R-G-S sehr geeignet zu sein, da keiner meiner Probanden den Test ohne Fehler bestanden hat. Eine Einteilung der Testteilnehmer mit Hilfe des Übersichtstests (Test I) in Rot- und/ oder -Grünschwache ( vgl. Anhang 2) erwies sich als nicht geeignet, da ein Drittel der Probanden gar keine R-G-S zeigte. Bereits an dieser Stelle wird ersichtlich, dass eine klare Zuordnung offensichtlich nicht einfach ist, was meine weiteren Testergebnisse ebenfalls unterstützen. Bei der Überprüfung der Rot-Schwäche ( vgl. Anhang 3) konnte ich im Vergleich zur Grün-Schwäche ( vgl. Anhang 4) insgesamt feststellen, dass hier mehr Probanden rote Farben erkennen konnten als grüne Farben. Das passt auch tendenziell zu den Ergebnissen aus der Studie von Lang (vgl. Lang 2005: 335), die besagt, dass die Grün-Schwäche bei 5% der Männer und die Rot-Schwäche bei nur bei 1% auftritt. Demnach haben beim Rot-Schwäche-Test ( vgl. Anhang 3) alle Teilnehmer beim einzelnen Erdbeerbild die Farbe Rot richtig zugeordnet, was allerdings auch damit zusammenhängen könnte, dass die Probanden diese Farbe unterbewusst gelernt mit der Erdbeere in Zusammenhang bringen. Beim Obststandbild erkannten bereits zwei Drittel der Teilnehmer keine Farbunterschiede mehr zwischen den Abbildungen und die Farbe Rot konnte nicht immer klar zugeordnet werden. Bei den Farbsehtests zur Untersuchung der Grün-Schwäche (Flamingo- und Tomatenabbildungen, Hund im Tulpenbeet) ( vgl. Anhang 4) wurde bei fast allen Probanden, außer Testperson 10, eine Grün-Schwäche festgestellt. Bei Proband 10 konnte die am wenigsten stark ausgeprägte Grün-Schwäche als auch Rot-Schwäche nachgewiesen werden. Insgesamt wird der unterschiedliche Ausprägungsgrad der R-G-S innerhalb der Testteilnehmer erkennbar. Jeder durchgeführte Test wird von den einzelnen Probanden allerdings individuell ganz unterschiedlich wahrgenommen, es folgt keine Regelmäßigkeit, wo eine Grün- oder Rot-Schwäche bei dieser jeweiligen Farbe immer auftritt. Die Farbnuancen, die Helligkeit sowie die Kontraste der Farben spielen hier offensichtlich eine Rolle. Dies zeigte beispielsweise der Ampeltest (vgl. Anhang 3 und 4), wo die knalligen Farben häufiger richtig nachgemalt wurden, was möglicherweise eine stärkere Kontrastierung als Ursache haben könnte ( vgl. Anhang 3). Beim Stiftetest (vgl. Anhang 5) viel zusätzlich auf, dass 6 Probanden den dunkelocker-farbigen Stift entweder zu Grün oder Rot sortierten ( vgl. Anhang 5). Folgende Berichte (vgl. Degen 2002) und (vgl. Siegler 2014), die sich auf Studien beziehen, besagen, dass Rot-Grün-Schwache verschiedene Khakitöne besser differenzieren können, da sie sich unbewusst auf diese Farben „spezialisieren“. Die beschriebene Differenzierung wird nach Degen als Grund für den speziellen Einsatz von Personen mit Farbsinnstörung im zweiten Weltkrieg genannt, die Tarnfarben durch die stärkere Wahrnehmung der Kontrastierung besser als Normalsichtige erkennen konnten (vgl. Degen 2002).

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Rot-Grün-Schwäche bei Männern. Stellt diese heutzutage noch ein Problem im Alltag dar?
Note
15 Punkte (1+)
Jahr
2018
Seiten
28
Katalognummer
V956382
ISBN (eBook)
9783346311580
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Facharbeit wurde am sogenannten MINT am Abend an einer Schule vorgestellt. Sie wurde nach der Publikumsbewertung als Beste ausgezeichnet. Weiterhin bestand die Teilnahme am Regionalwettbewerb Jugend Forscht.
Schlagworte
Rot-Grün-Schwäche, Optik, Versuche, Jugend Forscht, praxisbezogen, Genetik, Vererbung, rezessiv, X-Chromosom, Rot-Grün-Brille, Sehschwäche, Augenarzt, Ishihara, Farbenblind
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Rot-Grün-Schwäche bei Männern. Stellt diese heutzutage noch ein Problem im Alltag dar?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/956382

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