Der Dichter aus der grauen Stadt am Meer - Theodor Woldsen Storm (1817-1888)


Seminararbeit, 1998

10 Seiten, Note: A


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Inhaltsangabe

Die Stadt

Das Meer

Mein persönliches Verhältnis zu Theodor Storm

Theodor Storms Kindheit und Jugend

Theodor Storms Studienjahre

Die politische Situation zu Storms Zeit

Theodor Storm und die Dichter seiner Zeit

Theodor Storm und die Frauen

Theodor Storms Familie in seinen Werken

Storms letzte Jahre

Die Stadt

Am grauen Strand, am grauen Meer Und seitab liegt die Stadt; Der Nebel drückt die Dächer schwer, Und durch die Stille braust das Meer Eintönig um die Stadt.

Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai Kein Vogel ohne Unterlaß; Die Wandergans mit hartem Schrei Nur fliegt in Herbstesnacht vorbei, Am Strande weht das Gras.

Doch hängt mein ganzes Herz an dir, Du graue Stadt am Meer; Der Jugend Zauber für und für Ruht lächelnd noch auf dir, auf dir, Du graue Stadt am Meer.

1851 (1852)

Der Dichter ist Theodor Storm. Die Stadt ist Husum, an der Nordsee in Schleswig. Es ist eine graue eintönige, eigentlich langweilige Stadt und doch hängt Storm an ihr mit seinem ganzen Herzen. Er beschreibt sie am Anfang seiner Novelle "In St. Jürgen"

"Es ist nur ein schmuckloses Städtchen, meine Vaterstadt; sie liegt in einer baumlosen Küstenebene und ihre Häuser sind alt und finster. Dennoch habe ich sie immer für einen angenehmen Ort gehalten."

Husum ist die Stadt seiner Vorfahren, die Stadt, in der er geboren ist und in der er auch die meiste Zeit seines Lebens verbracht hat. Es hat mich daher sehr gewundert, daß er später die acht Jahre, die seiner Ernennung zum Kreisrichter in Heiligenstadt folgten als "die glücklichste Zeit seines Lebens bezeichnet" hat. (Honnefelder Bd 1, S. XI ) Aber trotzdem hatte er oft Heimweh.

So düster und traurig wie dieses Gedicht sind viele Werke Storms. Hier finden wir wieder ein Beispiel dafür, daß man zum besseren Verständnis mancher Werke etwas über das Leben eines Dichters wissen muß. "Wie bei wenigen Schriftstellern gibt Storms Biographie dem Leser einen Schlüssel für sein Werk in die Hand" (Honnefelder Bd 1, S. VI) Wer war dieser Mensch und warum schreibt er so traurige Sachen? Die Antwort darauf klingt zunächst ganz einfach. Storm ist Realist. Er schreibt die Dinge, wie sie sind, ohne jede Beschönigung. Seine Werke sind zum großen Teil autobiographisch und sein Leben war eben nicht lustig. In der Gegend, in der er lebte, hörte man anstelle lieblichen Vogelgezwitschers nur "die Wandergans mit hartem Schrei", "Nebel drückt die Dächer schwer", es "rauscht kein Wald" nur das Gras weht am Meer.

Das Meer

Selbst das Meer erscheint hier anders als zum Beispiel bei Adalbert Stifter. Stifter schreibt in einem seiner Briefe (Röm. 11, 33-36) über den Eindruck, den "die liebliche Größe dieser Erscheinung" ... "das `ewige Meer' (wie Homer sagt)", auf ihn gemacht habe. Stifter spricht jedoch von einem ganz anderen Meer. Er war in Triest an der Adria. Dort gibt es fast keine Wellen und kaum Ebbe und Flut. Im Vergleich dazu ist die Nordsee, an der Storm lebt, ein wildes Tier, das den Menschen unbarmherzig das Land abreißt, daß sie mühsam bewirtschaftet haben. Dieses Meer rauscht nicht romantisch, es braust. Diese rauhe Landschaft und auch Storms persönliches Schicksal, das nicht frei von Sorgen war, haben ihn zu dem Dichter gemacht, den wir heute kennen, einen Realisten, der die Unausweichlichkeit des Schicksals erkennt, dem die Menschen unterworfen sind. Er sucht keine Schuld. Die meisten der Hauptpersonen in seinen Werken gegen ohne eigene Schuld zugrunde - am Schicksal, dem sie nicht entrinnen können.

Was das Schicksal schickt, ertrage, auch im Leide nicht verzage. Ob in Freude, ob in Trauer, glaube niemals an die Dauer.

Ich will hier aber keinen falschen Eindruck von Storm erwecken. Nicht alles, was er geschrieben hat ist traurig. Er hat viele schöne Gedichte, auch Liebesgedichte, geschrieben und auch Märchen.

Mein persönliches Verhältnis zu Theodor Storm

Meine erste Begegnung mit Storm liegt weit zurück. Als Sechsjährige durfte ich auf einer Weihnachtsfeier das Gedicht "Von drauß' vom Walde komm' ich her" aufsagen. Damals hatte ich noch keine klare Vorstellung davon, was ein Dichter ist. Ein paar Jahre später habe ich die "Regentrude" gelesen, die mir sehr unheimlich war und "Pole Poppenspäler", den ich sehr traurig fand. Auch den "Schimmelreiter" habe ich im Bücherschrank meiner Eltern gefunden und gelesen. Damals war ich vielleicht zehn Jahre alt und fand die Geschichte sehr gruselig. Die Größe dieses Werkes konnte ich in diesem Alter natürlich noch nicht begreifen. Während meiner Schulzeit habe ich leider nichts von Storm gelesen. Das liegt wohl daran, daß ich in Bayern aufgewachsen bin und man dort nicht viel von norddeutschen Dichtern zu halten schien. Ich finde dies jedochsehr schade, zumal ich gerade gelesen habe, daß Storm seine höchste Auflage in den ersten zwanzig Jahren nach dem zweiten Weltkrieg hatte, was sich zum größten Teil mit meiner eigenen Schulzeit deckt. Von den "etwa 2 bis 3 Millionen Schullektüre" (Honnefelder Bd 1, S. V) hat sich leider keines bei meiner Schule eingefunden. "Über den deutschsprachigen Raum hinaus werden Storms Werke in über 30 Ländern durch einige Ausgaben publiziert , in Japan zählt man den dort in über 200 Ausgaben erschienenen Autor zu den beliebtesten deutschen Verfassern." (Honnefelder Bd 1, S. V) Hiermit möchte ich Storm rehabilitieren und ihm wenigstens in diesem kleinen Kreis die Anerkennung zusprechen, die ihm anderweitig versagt wurde.

Theodor Storms Kindheit und Jugend

Theodor Storm wurde am 14. September1817 in Husum als Sohn des Justizrats Johann Casimir Storm (1790 -1874) geboren. Sein Vater stammte aus einer bäuerlichen Familie, "die seit Generationen in Westermühlen eine Wasser- und Windmühle betrieb." (Honnefelder Bd 1, S. VI) Er hatte sich nach seinem Jura Studium in Husum als Advokat niedergelassen. Seine Mutter, Luise geb. Woldsen (1797-1879), war die jüngste Tochter des Senators Simon Woldsen aus Husum, der aus einer angesehenen und wohlhabenden Kaufmannsfamilie stammte. Storms Großeltern mütterlicherseits wollten nicht, daß der Name Woldsen ausstirbt, und da keine männlichen Nachkommen vorhanden waren, die diesen Namen hätten weiterführen können, bekam er den Namen Theodor Woldsen Storm. Storms Eltern ware beide von kühler Natur und hatten kein inniges Verhältnis zu ihren Kindern. Storm kann sich jedenfalls nicht erinnern, von ihnen einmal "umarmt oder gar geküsst worden" (Honnefelder Bd 1, S. VII) zu sein. Die herzliche Zuwendung, die ihm fehlte, bekam er jedoch von seiner Großmutter mütterlicherseits. Er beschreibt sie als eine "Frau von geringen geistigen Anlagen, aber von großer Herzensgüte und ewig heiterem Temperament". (Honnefelder Bd 1, S. VII) Die geistigen Anregungen bekommt er von Lena Wies, einer Bäckerstochter, die zwanzig Jahre älter war als er. Sie erzählt ihm Sagen, Märchen und Geschichten und weckt dadurch seine dichterische Phantasie. Er sagt später ein mal über sie, kein Mensch habe auf ihn Einfluß gehabt, "es sei denn Lena Wies". Zunächst verlief Storms "Leben ganz nach dem Idealbild eines Knaben aus besserem Hause." (Honnefelder Bd 1. S. VII) 1821 besuchte er zunächst die Grundschule, dann die Gelehrtenschule in Husum. Husum war früher eine wichtige Handelsstadt, aber zu Storms Zeit bot es den intellektuell und kulturell Interessieren keine Entfaltungsmöglichkeiten. Deshalb beschlossen Storms Eltern, ihren Sohn zur Fortsetzung seiner Ausbildung ab 1835 aufs Katharineum in Lübeck zu schicken. (Alt S. 14-15) "Herangewachsen in einer Zeit, die ... die Werke Heinrich Heines und des Jungen Deutschland verbietet, hält er beim Wechsel nach Lübeck Ludwig Uhland noch `für einen mittelalterlichen Minnesänger' und von den Romantikern hat er `noch nichts gesehen, als einmal Ludwig Tieks Porträt auf dem Umschlag eines Schreibbuches'". (Honnefelder Bd 1, S. VII) In Lübeck lernt er auch den zwei Jahre älteren Ferdinand Röse kennen, mit dem ihn später eine enge Freundschaft verbindet. Durch ihn erfährt er, "daß es `lebende deutsche Dichter gäbe'; hier lernt er Goethes Faust, Heines Buch der Lieder und die Lyrik Eichendorffs kennen." (Honnefelder Bd 1, S. VII) Theodor Storms Studienjahre

1837 beginnt Storm an der Universität Kiel das Jurastudium. Während dieser Zeit schreibt er das Märchen "Hans Bär" und Gedichte für Bertha von Buchan. 1838 geht er zur Fortsetzung seines Studiums nach Berlin. Mit ein Grund dafür war wahrscheinlich die Tatsache, daß Röse auch dort studierte. Als Röse Berlin 1839 verläßt, kehrt Storm zurück nach Kiel. Hier freundet er sich mit den Brüdern Theodor und Tycho Mommsen an. Diese Freundschaft "ist vom Thema der Literatur beherrscht; sie läßt ihn die Gedichte Eduard Mörikes entdecken, mit dem ihn später ein enges Verhältnis verbinden wird." (Honnefelder Bd 1, S. VII) 1842 besteht Storm das juristische Staatsexamen, kehrt zurück nach Husum und arbeitet in der väterlichen Kanzlei. 1843 eröffnet er dort eine eigene Rechtsanwaltskanzlei. Im gleichen Jahr bringt er zusammen mit den Brüdern Mommsen das "Liederbuch dreier Freunde" heraus. Storm war sehr musikalisch, hatte eine schöne Tenorstimme, gründete und leitete einen Gesangverein und komponierte gelegentlich.

Die politische Situation zu Storms Zeit

Schleswig und Holstein waren damals noch in dänischer Hand. Um als Anwalt zugelassen zu werden, mußte Storm nachweisen, daß er auch dänisch konnte. 1848 arbeitet er zusammen mit Theodor Mommsen an der antidänischen Schleswig-Holsteinischen Zeitung. Durch diese Tätigkeit fällt er bei den Dänen in Ungnade. 1852 bekommt er Berufsverbot wegen antidänischer Betätigung. Er geht nach Potsdam (bei Berlin) ins Exil und kehrt erst 1864 nach Husum zurück, nachdem Schleswig-Holstein durch die Unterstützung Preußens und Österreichs von den Dänen befreit worden war. Er mußte allerdings feststellen, daß die Lage unter preußischer Herrschaft auch nicht besser war als unter dänischer. "Wir können nicht verkennen, daß wir lediglich unter Gewalt leben. Das ist desto einschneidender, da es von denen kommt, die wir gegen die Gewalt zu Hilfe riefen und die uns jetzt, nachdem sie jene bewältigen geholfen, wie einen besiegten Stamm behandeln ... so kommt doch jeder Kerl von dort mit der Miene eines kleinen Eroberers ... Auf diese Weise einigt man Deutschland nicht." (Bühler)

Die vier Jahre, die Storm in Berlin verbringt, sind geprägt von Geldmangel, und "Abscheu über den `preußischen Menschenverbrauch im Staatsmechanismus'". (Bühler) Storm nimmt an den Sitzungen der Dichtervereinigung "Tunnel über der Spree" teil, dem auch Theodor Fontane angehörte. Einen "sinn- und seelenverwandten Freund" (Honnefelder Bd. 1 S. XI) findet er allerdings erst in Eduard Möricke, mit dem er zu dieser Zeit einen Briefwechsel beginnt. Viele Werke entstehen in dieser Zeit jedoch nicht, weil "der Gerichtsgang ... jeden Morgen die beste Stimmung wieder zerstört". (Honnefelder Bd. 1 S. XI)

1856 ernennt man ihn, nachdem man ihn zuvor mehrmals übergangen hatte, zum Kreisrichter in Heiligenstadt, Thüringen. Diese acht Jahre, die er dort in der Provinz verbringt, bezeichnet er später als die glücklichste Zeit seines Lebens. 1864, nachdem Schleswig-Holstein durch die Unterstützung Preußens und Österreichs von den Dänen befreit worden war, (siehe weiter oben) wird Storm Landvogt in Husum. Obwohl Storm sich über das preußische Wesen erzürnt, finden wir davon nichts in seinen Werken. In den politisch bewegten Jahren 1863/64 schreibt er Märchen wie z.B. Die Regentrude, Bulemanns Haus und Der Spiegel des Cyprianus. Aber trotzdem kann man Storm nicht als unpolitisch bezeichnen. Er war sich trotz seiner inneren Abgeschiedenheit immer der politischen Situation in seiner Heimat bewußt. Das zeigte sich schon in den beiden Schlußzeilen des Gedichtes Abseits, das1848 veröffentlicht wurde.

Kein Klang der aufgeregten Zeit Drang noch in diese Einsamkeit.

Hier wird ganz deutlich, daß er sich der politischen Situation bewußt war, obwohl man in der Einsamkeit, in der er lebte, kaum etwas davon merkte. Ein weiterer Beweis für Storms politisches Bewußtsein liefert auch die Tatsache, daß er wie oben schon erwähnt, zusammen mit den Brüdern Mommsen an der Herausgabe der antidänischen Schleswig-Holsteinischen Zeitung beteiligt war.

Theodor Storm und die Dichter seiner Zeit

Mit Fontane, den er 1852 in Berlin trifft, verbindet ihn erst später eine enge Freundschaft. Außerdem trifft er Joseph von Eichendorff in Berlin. 1855 besucht er Eduard Möricke in Stuttgart, 1865 trifft er in Baden-Baden mit dem russischen Dichter Ivan Turgenev zusammen, besucht 1872 Paul Heyse in Münnchen, den er schon im "Tunnel über der Spree" kennengelernt hatte und 1877 beginnt sein Briefwechsel mit Gottfried Keller. Wir sehen also, Storm kannte alles was Rang und Namen hatte im Bereich der Literatur und er wurde von allen geschätzt, wenn auch manchmal wegen seines provinziellen Lebensstils kritisiert. Aber Storm brauchte die innere Enge um äußerlich die Weite zu erreichen.

Theodor Storm und die Frauen

Zunächst waren da die schon oben erwähnte Großmutter Storms, bei er die Wärme und Herzlichkeit fand, die ihm seine Eltern nicht geben konnten und die Bäckerstochter Lena Wies, die durch das Erzählen ihrer Geschichten seine dichterische Phantasie weckte. Seine erste große Liebe war Bertha von Buchan. Er hatte das damals zehnjährige Mädchen 1836 bei einem Besuch bei Verwandten in Altona (heute ein Stadteil Hamburgs) kennengelernt. Er war von diesem Kind sofort fasziniert. Er schrieb ihr Briefe und viele Gedichte und verliebt sich später in sie. Im Oktober 1837 verlobt er sich jedoch mit der 17jährigen Emma Kühl von Föhr. (Bertha von Buchan war zu dieser Zeit ja noch ein Kind). Die Verbindung mit Emma Kühl geht aber schon nach etwas mehr als einem Jahr in die Brüche. Nachdem Storm 1842 das juristische Staatsexamen besteht, macht er der inzwischen sechzehnjährigen Bertha von Buchan einen Heiratsantrag, aber sie will von ihm nichts wissen. 1844 verlobt er sich überraschend mit seiner Cousine Constanze Esmarch (1825 - 1865) und heiratet sie 1846. Über diese Frau könnte man mehrere Seiten schreiben. Sie erscheint mir als der reinste Engel. Ihre unerschütterliche Liebe zu ihrem Mann erleidet auch trotz seiner Eskapaden keine Einbußen. Sie weiß von seiner Liebe zu Bertha von Buchan, deren Gefühle er 1849 in seiner Novelle Immensee verarbeitet. Auch Storms Verhältnis mit Dorothea Jensen, das schon ein Jahr nach der Hochzeit beginnt, kann ihre Liebe nicht erschüttern.

Aus dem Briefwechsel Storms und Constanzes während ihrer zweijährigen Verlobungszeit erfahren wir, daß es sich hierbei nicht um Leidenschaft sondern um ein langsam anwachsendes Wertschätzen handelte. Storm versuchte auch Constanze weiter zu bilden und quälte sie damit sogar, was er später oft bereute. Constanze aber, die ihn sehr liebte, ließ sich nie ihre Ungeduld oder ihren Ärger anmerken. Bei Dorothea findet Storm, was ihm seine Frau nicht geben kann, Interesse für seine Werke und Leidenschaft. Während man sich bei Goethe z.B. darüber streiten kann, ob seine Liebe zu den Frauen in seinem Leben platonisch war oder nicht, gibt es bei dem Verhältnis zwischen Storm und Dorothea Jensen gar keinen Zweifel. Zum Beweis dafür zitiere ich hier die dritte Strophe aus Storms Gedicht ,,Mysterium".

Kein Ungestüm und kein Verzagen; Sie löste Gürtel und Gewand Und gab sich feierlich und schweigend Und hülflos in der Liebe Hand.

Dieser Teil des Gedichtes wurde erst 1956, lange nach StormsTod veröffentlicht. Gertrud, seine jüngste Tochter aus der ersten Ehe, die das literarische Erbe ihres Vaters verwaltete, versuchte natürlich ein möglichst günstiges Bild ihres Vaters zu erhalten und hat diese Zeilen nicht zur Veröffentlichung freigegeben. (Honnefelder Bd 1, S. 171) 1848 verläßt Dorothea Husum, aber sie hat nie aufgehört, ihn zu lieben. Als Storms Frau Constanze1865 nach der Geburt des 7. Kindes stirbt, bittet sie ihn, auch aus Sorge um die Kinder, Dorothea zu heiraten. Storm heiratet Dorothea tatsächlich nur ein Jahr später, aber wenn man glaubt, daß er nun endlich glücklich war mit seiner Dorothea, macht man sich ein völlig falsches Bild. Storm hat nämlich seine erste Frau sehr geliebt und litt sehr unter seiner Untreue. Er hatte auch befürchtet, daß er nach dem Tod Constanzes nicht mehr sschreiben könne. Seine beiden ersten Ehejahre mit Dorothea waren nicht glücklich. Er war ihr gegenüber sehr kalt. Seine Kinder durften auch nicht Mutter zu ihr sagen, sondern mußten sie mit Tante Do anreden. Diese bitteren Jahre waren der Anlaß für seine spätere Novelle Viola Tricolor (1873), was auf deutsch Stiefmütterchen heißt. Hier erzählt er von einer Frau, die lange im Schatten der verstorbenen ersten Frau ihres Mannes leben mußte. Auch die Novellen Angelika (1855 ) und Veronika (1861) beschäftigen sich mit Problemen der Ehe. In Veronika ist es allerdings die Frau, die untreu ist. Ihr Mann verzeiht ihr nach ihrem Geständnis. Angelika glaubt, ähnlich wie Dorothea an die Vorherbestimmung der Liebe zu einem Mann und lehnt wie diese alle anderen Freier ab, um dem einzigen Mann treu zu bleiben, den sie je geliebt hat. (Alt S. 18)

Theodor Storms Familie in seinen Werken

Storm hatte acht Kinder, sieben davon aus der ersten Ehe. Aber die Freude an seinen Kindern war nicht frei von Sorgen. Sein ältester Sohn Hans war Alkoholiker. Ihm verdankenn wir wohl die Inspiration zu Storms Werk Carsten Curator, dessen Sohn einem ähnlichen Schicksal erliegt. Sein jüngster Sohn Karl, ein mittelmäßiger Musikant ohne Ehrgeiz lebt weiter in Ein stiller Musikant. Storm sah die Entwicklung seiner Söhne jedoch nicht als deren Schuld, sondern eher als Grausamkeit des Schicksals oder Erbsünde. Er gebrauchte in diesem Zusammenhang auch diee Worte "culpa patris" (Schuld des Vaters). (Alt S. 22) Diese Worte finden wir auch in Aquis submersus wieder: "culpa patris aquis submersus" (durch Schuld des Vaters im Wasser ertrunken). Dieses Werk ist allerdings nicht autobiographisch. Hans und Heinz Kirch handelt von der unglücklichen Beziehung zwischen einem zu strengen Vater und dessen Sohn, der die hohen Ansprüche die dieser an ihn stellt, nicht erfüllen kann. In Die Söhne des Senators geht es um einen tragikomischen Streit zwischen zwei Söhnen um die Benutzung eines Gartens. Diese Geschichte nimmt jedoch ein gutes Ende.

Storms letzte Jahre

1880 läßt sich Storm frühzeitig pensionieren und zieht nach Hademarschen. 1886 beginnt er die Arbeit am Schimmelreiter, seinem letzten und vielleicht größtem Werk. Im gleichen Jahr stirbt sein Sohn Hans. 1887 finden in Hademarschen die Feiern zu seinem 70. Geburtstag statt. Zu dieser Zeit ist er schon erheblich durch seine Krankheit, Magenkrebs, gezeichnet. Storm wollte die Wahrheit über seinen Zustand erfahren, aber konnte sie dann doch nicht verkraften. Er bekam schwere Depressionen und man befürchtete, er würde die Arbeiten am Schimmelreiter nicht mehr beenden können. Seine Familie überredete seinen Bruder Emil, der Arzt war, zum Schein zusammen mit Storms Arzt eine weitere Untersuchung zu veranlassen und das Ergebnis der ersten Untersuchung als Irrtum zu erklären. Storm glaubte auch sofort daran. Er lebte förmlich auf, hatte neue Kräfte und vollendete sein letztes Werk im Frühjahr 1888. Im Juli des gleichen Jahres starb er. (Alt S. 20) Er wurde in der Familiengruft auf dem St. Jürgen-Friedhof in Husum beigesetzt.

Quellenangaben

Theodor Storm Werke mit einem Essay von Thomas Mann, herausgegeben von Gottfried Honnefelder (2 Bände), Insel Verlag, Frankfurt am Main, Auflage 1982

Twayne's World Autors Series, Theodor Storm by Thilo Alt, Duke University, Twayne Publishers, Inc. New York 1973

Theodor Storm (1867) über Preußen, aus dem Internet von Wilhelm Bühler Okt. 1994 http://virtual-village.de/lib/poem/storm-einig.htm

10 von 10 Seiten

Details

Titel
Der Dichter aus der grauen Stadt am Meer - Theodor Woldsen Storm (1817-1888)
Veranstaltung
Fach: Survey of German Literature II
Note
A
Autor
Jahr
1998
Seiten
10
Katalognummer
V95644
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dichter, Stadt, Meer, Theodor, Woldsen, Storm, Fach, Survey, German, Literature, University, Central, Florida, Orlando, Professor, Finley, Taylor
Arbeit zitieren
Irmtraut Neuerburg-Yücel (Autor), 1998, Der Dichter aus der grauen Stadt am Meer - Theodor Woldsen Storm (1817-1888), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95644

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