Aufgrund der steigenden antisemitischen Tendenzen in gesellschaftlicher wie politischer Hinsicht ist das Ziel dieser Arbeit, die Entstehung antisemitischer Weltbilder und Ressentiments zu untersuchen. Um dieser Untersuchung einen theoretischen Rahmen zu geben, wird der Antisemitismusbegriff der Kritischen Theorie näher beleuchtet.
Zur Begriffsbestimmung wird dabei Bezug genommen auf die "Studien zum autoritären Charakter" von Adorno, um anschließend zu analysieren, wie und in welchen Formen Antisemitismus in der AfD vorliegt. Die Notwendigkeit dieser Untersuchung ergibt sich aus der Tatsache, dass die AfD aus Bundes- und Landesebene in fast allen wichtigen politischen Ämtern und Parlamenten vertreten ist und somit einen erheblichen Einfluss hat auf die Gestaltung der öffentlichen Meinung.
Inhaltsverzeichnis
1 Antisemitische Verschwörungstheorien
1. Theodor W. Adorno: „Studien zum autoritären Charakter“
1.1 Vergesellschaftung
1.2 Die Kapitalistische Vergesellschaftung als Ursprung von Totalität
1.3 Antisemitismus als autoritärer Charakter
1.4 Antisemitische Projektion
1.4.1 Ich-bezogene antisemitische Projektion
1.4.2 Gesellschafts-bezogene antisemitische Projektion
2 Antisemitische Ressentiments in der AfD
2.1 Antisemitische Verschwörungstheorien in der AfD
2.2 Projektion antisemitischer Weltbilder auf Migranten
3 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Arbeit besteht darin, die Entstehung antisemitischer Weltbilder und Ressentiments zu untersuchen. Ausgehend von der Kritischen Theorie, insbesondere den „Studien zum autoritären Charakter“ von Theodor W. Adorno, wird analysiert, inwieweit die dort beschriebenen Mechanismen der Vergesellschaftung und Projektion Aufschluss über die antisemitische Ausrichtung und das Agieren innerhalb der AfD geben können.
- Grundlagen der Kritischen Theorie und Adornos Antisemitismustheorie
- Die Rolle der kapitalistischen Vergesellschaftung bei der Entstehung autoritärer Charaktere
- Funktionsweise und Typologien antisemitischer Projektion
- Analyse antisemitischer Verschwörungstheorien und Ressentiments in der AfD
- Die Strategie der Verschiebung von Antisemitismus auf Feindbilder wie den Islam
Auszug aus dem Buch
1.4.1 Ich-bezogene antisemitische Projektion
Adorno kommt in seiner Analyse zu dem Schluss, dass der Ursprung der antisemitischen Dynamik bei dem autoritären und rebellischen Charakterzug liegt, der nach dem „antisemitischen Ventil“ verlangt. Die Vergesellschaftung hinterlässt also seine Spuren und lässt ein geschwächtes Ich-Subjekt zurück. (Adorno 2018: 110) Dabei wird die Aggression, die eigentlich aufgrund der Vergesellschaftung entstand auf eine Fremdgruppe, in diesem Fall „die Juden“, umgelenkt und projiziert. (ebd.: 51) Der Projektionsmechanismus kommt vor allem bei der autoritären Aggression zum Vorschein. Ein Subjekt mit autoritärem Charakter tendiert dazu, die unterdrückten psychologischen Bedürfnisse und Impulse auf andere Menschen in der Außenwelt zu projizieren. So führt Adorno das Beispiel an: Wenn ein Subjekt behauptet, jemand wolle ihm schaden, obwohl es keine Beweise dafür gibt, kann angenommen werden, dass das Subjekt selbst aggressive Intentionen hegt und diese auf eine fremde Person oder Gruppe projiziert, um sie zu rechtfertigen. Folglich hält das Subjekt bei erfolgreicher Projektion Es-Triebe ich-fremd. (ebd.: 60)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Antisemitische Verschwörungstheorien: Das Kapitel führt in die aktuelle Verbreitung konspirativer Erklärungsmuster ein und erläutert deren logische Struktur als Reaktion auf moderne Krisen und soziale Unsicherheit.
1. Theodor W. Adorno: „Studien zum autoritären Charakter“: Dieses Kapitel legt den theoretischen Grundstein, indem es die Kritische Theorie, Adornos Verständnis der kapitalistischen Vergesellschaftung und das Konzept des autoritären Charakters erläutert.
1.1 Vergesellschaftung: Hier werden die marxistischen Wurzeln und das Ziel der Kritischen Theorie als notwendige Gesellschaftskritik zur Analyse der modernen Welt dargelegt.
1.2 Die Kapitalistische Vergesellschaftung als Ursprung von Totalität: Das Kapitel erklärt, wie die kapitalistische Produktion das Individuum zum bloßen Mittel degradiert und ein Klima der Unterdrückung schafft, das für autoritäre Strukturen empfänglich macht.
1.3 Antisemitismus als autoritärer Charakter: Es wird untersucht, wie Adornos Forschergruppe den Zusammenhang zwischen psychologischen Bedürfnissen und der Empfänglichkeit für faschistische Ideologien durch empirische Skalen nachgewiesen hat.
1.4 Antisemitische Projektion: Das Kapitel definiert den Mechanismus der „falschen Projektion“, bei dem das Individuum eigene Aggressionen auf „die Juden“ überträgt.
1.4.1 Ich-bezogene antisemitische Projektion: Hier wird der Prozess beschrieben, in dem ein geschwächtes Ich-Subjekt eigene Triebe und aggressive Impulse auf eine Fremdgruppe externalisiert.
1.4.2 Gesellschafts-bezogene antisemitische Projektion: Dieses Unterkapitel analysiert die soziale Funktion des Antisemitismus als Mittel zur Orientierung und Bewältigung von gesellschaftlicher Furcht und Entfremdung.
2 Antisemitische Ressentiments in der AfD: Das Kapitel stellt die Diskrepanz zwischen der pro-israelischen Selbstdarstellung der Partei und den real existierenden antisemitischen Positionen in deren Reihen dar.
2.1 Antisemitische Verschwörungstheorien in der AfD: Anhand des Falls Wolfgang Gedeon wird aufgezeigt, wie antisemitische und antiamerikanistische Theorien innerhalb der Partei verbreitet wurden.
2.2 Projektion antisemitischer Weltbilder auf Migranten: Das Kapitel erläutert die Strategie der AfD, Antisemitismus auf Migranten zu projizieren, um sich selbst vom Rechtsextremismus zu distanzieren.
3 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die AfD die von Adorno beschriebenen Funktionen des Antisemitismus nutzt, und fordert eine intensivere Auseinandersetzung mit dem verdeckten, sekundären Antisemitismus in der Partei.
Schlüsselwörter
Antisemitismus, Kritische Theorie, Theodor W. Adorno, autoritärer Charakter, Kapitalismus, Verschwörungstheorien, Projektion, AfD, Wolfgang Gedeon, Ressentiments, Vergesellschaftung, Faschismus, Antiamerikanismus, Holocaustrelativierung, Sozialpsychologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des Antisemitismus im Kontext der Kritischen Theorie und analysiert deren Anwendbarkeit auf gegenwärtige antisemitische Strömungen innerhalb der Partei AfD.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Analyse der kapitalistischen Vergesellschaftung, die psychologische Struktur autoritärer Charaktere, die Dynamik antisemitischer Projektion sowie die politische Praxis der AfD bezüglich antisemitischer Ressentiments.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, inwieweit die Entstehung antisemitischer Weltbilder und Ressentiments mit dem Modell des „autoritären Charakters“ nach Adorno erklärt werden kann und wie sich dies in der AfD manifestiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich primär um eine theoretische Analyse, die sich auf die Konzepte der Kritischen Theorie stützt und diese auf aktuelle politische Diskurse und Äußerungen von AfD-Mitgliedern anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Begriffe der Kritischen Theorie wie „Vergesellschaftung“ und „falsche Projektion“ erarbeitet, bevor diese auf konkrete Beispiele und Veröffentlichungen innerhalb der AfD übertragen werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Antisemitismus, Kritische Theorie, autoritärer Charakter, Projektion, Kapitalismus, AfD, Verschwörungstheorien und sekundärer Antisemitismus.
Wie erklärt Adorno die Entstehung von Antisemitismus in modernen Gesellschaften?
Adorno versteht Antisemitismus als eine Reaktion autoritärer Charaktere auf ökonomische und politische Umbrüche, wobei durch die kapitalistische Vergesellschaftung entstandene Ängste auf eine Projektionsfläche wie „die Juden“ übertragen werden.
Warum betrachtet die Arbeit die AfD als Fallbeispiel für Antisemitismus?
Die Arbeit zeigt, dass trotz einer pro-israelischen Selbstdarstellung der Partei, Mitglieder wie Wolfgang Gedeon antisemitische Verschwörungstheorien verbreiten und die Partei Mechanismen nutzt, um eigenen Antisemitismus auf andere Gruppen zu projizieren.
- Arbeit zitieren
- Laura Eckert (Autor:in), 2020, Antisemitismus und Kritische Theorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/956753